Tür 22: Kentaur und Untier (Wolf)

Der Kentaur mit dem Untier ist ein Doppelsternbild, darum löse ich mich hier kurz von der Reihenfolge der Sternbilder im Almagest, um sie gemeinsam zu besprechen. Kentauren sind typischerweise “böse” in der griechischen Mythologie, doch dieser hier ist – wieder – der weise Chiron, der ein Untier, eine Bestie, einen Wolf erlegt hat und stolz vor sich her trägt. Darum durchdringen die Sternbilder einander und gehören zusammen. Chiron ist also hiermit zweimal am Himmel: Einmal als Sternbild Zentaur und einmal als Sternbild Schütze.

Zentaur mit Untier auf dem Atlas Farnese. Umzeichnung SMH 2017.

Tatsächlich sagt Aratos, dass die Altvorderen dieses Untier bereits so genannt hätten, aber sehr wahrscheinlich meint er (direkt oder indirekt) hier auch babylonische Altvordere. Bereits in MUL.APIN ist an dieser Himmelsgegend ein “wilder Hund” platziert, aus dem leicht in späterer Lesung ein Wolf werden konnte.

Neben dem babylonischen “wilden Hund” gibt es eine Gottheit namens EN.TE.NA.BAR.HUM auf sumerisch, von der wir keine Ahnung haben, wie sie aussieht und die Koordinaten sind leider bisher nicht genau bestimmbar. Vielleicht war diese Figur – wie auch immer sie aussah – der Vorläufer des griechischen Zentauren und erklärt damit die Dopplung dieses Fabelwesens am Himmel.

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“physics was my first love
and it will be my last
physics of the future
and physics of the past”

Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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