Preisgekrönte Astronomen & historische Beobachtungen

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Gestern, am Dienstag dem 22.9., begann die AG-Tagung in Potsdam mit einer Reihe von Preisverleihungen. Die Stellarphysikerinnen Sonja Schuh (Göttingen) und Anna Frebel (derzeit US) wurden für ihre Forschungen über pulsierende Sterne und deren Exoplaneten bzw über metallarme Sterne mit dem Biermann-Preis ausgezeichnet. Als "unser Mann auf Hawaii" wurde "der fröhliche Exzentriker" bzw. "der Astronom mit den Blumenhemden" Hans-Peter Kudritzki geehrt, der die Schwarzschild-Medaille erhielt. Der bekannte Fernseh-Professor Harald Lesch wurde für seine Arbeit zur Popularisierung unserer Wissenschaft mit dem Bürgel-Preis ausgezeichnet.

Lesch hielt am Abend in der Urania einen Vortrag. Anmoderiert wurde er durch Urania-Leiter Bleier, der die Geschichte seines Hauses auf Alexander von Humboldts Idee einer öffentlichen Sternwarte zurückführte. Wenngleich die Berliner Urania zahlreiche Nachahmungen fand, so ist sie doch heute kein Haus der populären Astronomie mehr, sondern eine Gebäude für öffentliche Vorträge aus allen Wissenschaften, für wissenschaftliches Theater und für Kino sowie der Organisation von anspruchsvoll geführten Reisen.

Das widerspricht ja aber vielleicht nicht einer "astronomischen Lebeneinstellung", denn auch
Lesch begann seinen Vortrag über das Universum mit der Definition: "Das Universum ist das größte, über das nichts größeres gedacht werden kann – klingt eigentlich genau wie der Anfang des Gottesbeweises von Anselm von Canterbury" (Mittelalter). Das Universum schaut sich also selber an, denn wir – die wir schauen – sind schließlich Teil des Ganzen.

Soviel zum Thema Religion in den kosmologs. Ich weiß selbst, dass viele Leute in die öffentlichen Häuser kommen und solche Fragen stellen: Fragen, ob man religiös wird, wenn man sich mit Kosmologie beschäftigt. (Ich musste diese Frage nach der Korrelation der genannten stets verneinen: Bestimmt gibt es religiöse Astronomen, aber es gibt auch solche, die es nicht sind. Ich sehe da keinen Zusammenhang.) 

Das beruhigendste aber an Leschs Ausführungen – mit ein paar Abschweifungen über Politik – war die bewegende Einsicht: "Es gibt auch Gesetze, über die man nicht diskutieren muss: die Naturgesetze". 

Geschichte

Bereits am Montag traf sich der Arbeitskreis Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft: http://www.astro.uni-bonn.de/~pbrosche/aa/potsdam2009/programm.html Der Vortrag von Herrn Hamel fiel leider aus, Anneliese Schnell ließ sich von Herrn Duerbeck vertreten. Dennoch bot ein illustres Kolloquium Vorträge über die Anfänge der Spektroskopie und deren Relevanz für die (Geburt der) Astrophysik von Gudrun Wolfschmidt über die Auswertung historischer Schmetterlingsdiagramme (Sonnenflecken) von Rainer Arlt bis hin zur Erforschung der Geschichte der Königsberger Sternwarte (Dietmar Fürst).

Außerdem stellte Olaf Kretzer von der Volkssternwarte Suhl seine Versuche zu Tagesbeobachtungen von Sternen und Planeten vor. Ausgehend von einer Andeutung im Kosmos des Alexander von Humboldt unternahm er verschiedene Versuche. Ergebnis: Durch lange Rohre ohne Linsen (z.B. Schornsteine) kann man am Tag tatsächlich Planeten und helle Sterne beobachten.   

v.l.n.r.: Dierck-Ekkehard Liebscher, Karsten Markus & Freundin, Gudrun Wolfschmidt, (ich), Adolf Kuhnert, ?, Fridhild Scheithauer, Ben Mirwald, Moni Maintz, Wolfgang Dick. 

(Für das Nutzungsrecht der beiden Einsteinturm-Gruppenfotos danke ich Gudrun Wolfschmidt!)

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

Schreibe einen Kommentar