Komet SWAN

Am Morgenhimmel hat der Komet C2020/ F8 SWAN seine Vorstellung beendet und wechselt nun eher an den Abendhimmel. In den nächsten Tagen und bis ca. 5. Juni könnte man ihn beobachten. Es empfiehlt sich ein Feldstecher.

Schwäne sind faszinierende Tiere: prächtige Wasservögel mit schöner Haltung und majestätischer Bewegung (und monogam). Dieser Komet heißt aber nicht nach dem Menschen, der ihn entdeckt hat, sondern nach dem Instrument, das ihn zuerst fotografierte. Das war das Solar Wind ANisotropies (SWAN) Instrument auf der Weltraumsonde SOHO, der umfangreichsten Mission zur Sonnenforschung.

Ein Hobby-Astronom aus Australien, Michael Mattiazzo, erkannte den Kometen beim Durchforsten der UV-Aufnahmen von SOHO. Im April war noch spekuliert worden, ob der Komet vllt so hell wird wie die Sterne der Cassiopeia, aber diese Hochrechnungen erfüllt er nicht, sondern bleibt ein Objekt für Feldstecher oder wirklich sehr ländlich-sauberen Himmel.

aktuelle Lichtkurve des Kometen mit der dahinter gelegten Erwartungskurve von April
(Quelle: COBS)

Die Bahn und Horizontkurve des Kometen hatte ich bereits vor Wochen zusammengefasst. Der Komet befindet sich nahe dem hellen Stern Capella im Sternbild Fuhrmann (Auriga), der in Deutschland, Österreich und der Schweiz zirkumpolar ist, also niemals untergeht. Zur jetzigen Jahreszeit ist diese Himmelsgegend abends und morgens allerdings ganz knapp überm Horizont.

Auch der Norddeutsche und Mitteldeutsche Rundfunk berichten über diesen Kometen. Die Frankfurter Rundschau hatte eine zeitlang informiert und auf StarWalk finden Sie Einladungen zum Himmelsspazierengucken und die Sternwarte Neumünster interessiert sich z.B. auch für ihn: je weiter nördlich Sie sich befinden, desto höher kommt der Komet über Ihren Horizont (für Wien fast nicht, für Hven gut).

Natürlich finden Sie auch Informationen auf Englisch bei Forbes, SkyLive und in diesem Video der Royal Astronomical Society.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Dr. Dr. Susanne M Hoffmann ist seit 1998 als (Kultur)Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik und Wissenschaftsgeschichte (zwei Diplome), Informatik und Fachdidaktik (neue Medien/ Medienwissenschaft) als Weiterqualifikationen. Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Jobbedingt hat sie 2001-2006 in Potsdam gelebt, 2005-2008 saisonal in Mauretanien (winters) und Portugal (sommers), 2008-2009 und 2013-'15 in Berlin, 2010 in Hamburg, 2010-2012 in Hildesheim, 2015/6 in Wald/Österreich, 2017 in Semarang (Indonesien), seit 2017 in Jena, mit Gastaufenthalten im Rahmen von Forschungskollaborationen in Kairo+Luxor (Ägypten), Jerusalem+Tel Aviv (Israel), Hefei (China)... . Die einleitenden Verse beschreiben eine Grundstruktur in ihrem Denken und Agieren: Physik ist eine Grundlagenwissenschaft, die datenbasiert und mit dem Erkenntnisapparat der Logik ein Verständnis der Natur zu erlangen bestrebt ist. Es gibt allerdings auch Fragen der Welt, die sich der Physik entziehen (z.B. wie wir Menschen auf diesem Planeten friedlich, synergetisch und benevolent zusammenleben können) - darum ist Physik nicht die einzige Liebe der Bloggerin. Sie liebt die Weisheit und hinterfragt die Welt. Das Wort "Philosophie" ist ihr aber zu groß und das populärwissenschaftliche Verständnis davon zu schwammig, als dass sie sich damit identifizieren würde: hier geht's faktenbasiert zu. Ihr fachliches Spezialgebiet sind Himmelskarten und Himmelsgloben; konkret deren Mathematik, Kartographie, Messverfahren = Astrometrie, ihre historische Entwicklung, Sternbilder als Kulturkalender und Koordinatensystem, Anomalien der Sternkarte - also fehlende und zusätzliche Sterne, Sternnamen... und die Schaustellung von alle dem in Projektionsplanetarien. Sie versteht dieses Blog als "Kommentar an die Welt", als Kolumne, als Informationsdienst, da sie der Gesellschaft, die ihr das viele studieren und forschen ermöglichte, etwas zurückgeben möchte (in der Hoffnung, dass ihr die Gesellschaft auch weiterhin die Forschung finanziert).

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