“enjoy physics” mit James Bond und im alten Schloss

Heidelberg, älteste Universitätsstadt Deutschlands war dieses Jahr Gastgeber der jüngsten Physikerinnen und Physiker aus aller Welt. Die International Conference for Physics Students (ICPS, webseite der Verantstaltung) wird federführend organisiert von der Nachwuchsgruppe der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, der jDPG. In enger Zusammenarbeit mit dem DPG-Vorstand und der Verwaltung der Uni Heidelberg wurde ein einwöchiges, sensationelles Programm ausgerichtet, das in den Geisteswissenschaften seinesgleichen sucht.

Der Vorsitzende der DPG, Herr Prof Dr Eduard Krubaski, lobt seine Jugendgruppe dementsprechend in den Himmel. Den jungen WissenschaftlerInnen gibt er mit auf den Weg, sie sollen ihre Geister offen halten (“keep your minds open”), um sich voll entwickeln und entfalten zu können, weil das den Spaß des Lebens ausmachen würde. “extend your full personality and live your full personality” sagt er ihnen … und eigentlich uns allen.

Das Themenspektrum der Vorträge und Workshops war entsprechend umfangreich und überdeckte diegesamte Physik. Prof Metin Tolan unterhielt mal wieder das Welt mit einem seiner stets lehrreich-witzigen James-Bond-Vorträge und ansonsten gab’s alles von PhysicsSlam bis hochwissenschaftlichem Spezialgebiet-Vortrag. Schauen Sie doch selbst an, was die jDPG alles zu berichten hat:


“Internationale Konferenz des Physik-Nachwuchses”: Als großartige Chance dieses internationalen Treffens nennen sowohl die gesetzten Professoren als auch die jungen Leute selbst immer das gleiche:

  • early build international networks
    • ich wünschte manchmal, die Geisteswissenschaften wären schon so weit, internationale Netzwerke zu fördern und den Nachwuchs zu ermutigen, Schriften und Vorträge entsprechend auf Englisch zu verfassen – nicht, weil Englisch so viel toller wäre als alle anderen Sprachen, sondern weil es nunmal ein guter Kandidat für einen kleinsten gemeinsamen Nenner ist – alternativ könnten wir alle Esperanto lernen oder Latein schreiben, aber warum sich das Leben noch komplizierter machen als es eh schon ist: in der Wissenschaft sollte doch der Inhalt im Vordergrund stehen und nicht die Verpackung
  • support young scientists … im Sinne von “alt” (was immer das ist) trifft jung und junge Leute – fachlich (später?) Kollegen – lernen einander kennen, bevor sich der eine oder die andere in irgendwelchen Allüren ergießt: einfache Treffen, fachlich, sachlich und menschlich direkt und ohne das leider oft im reiferen Alter zu beobachtende Getue und Gehabe. Wahre Größe erkennt man menschlich nunmal an anderen Sachen als an den Statussymbolen des Alters.

Ein sehr engagierter Teilnehmer sagte daher im Interview sehr treffend, dass es ganz großartig sei, bei dieser Veranstaltung vierhundert Gleichgesinnte zu treffen, sich nicht verstellen zu müssen, sondern sofort zuhause zu fühlen: “400 people … which is way more you can visit in a week” und trotzdem sofort “feeling at home”. wow, das ist wirklich groß!

Interessant ist im ersten Video-Clip der jDPG auch die Aussage eines der Teilnehmers, als er nach seiner Motivation gefragt wurde: “that’s why I came to Germany: get the experience and learn” … Tjaja, so sind sie eben auch, die jungen Leute/ die viel beschworene “Jugend von heute”: sie kamen aus aller Welt – aus China u.a. Fernost, aus dem UK, aus den USA und aus Ungarn und aus …und … und … eben aller Welt … um in Heidelberg eine wunderbare Woche zu verbringen und mit viel Spaß viel zu lernen.

 


GIMMICK

Der berühmte Sokrates zugeschriebene Satz, der als “ewig wahr” erachtet wird, trifft eben nicht immer zu! Man muss sie eben nur finden, die Jugend, die eine neue Generation prägt und aufbricht, Dinge zu tun und zu sehen, die nie zuvor ein Mensch getan / gesehen hat.

PS: hab kurz überlegt, ob ich mich bewerbe als Bürgermeisterin von Berlin – der Posten ist ja gerade heute frei geworden – zumindest für eine Minimalamtsperiode, um genug Geld zu verdienen, danach wieder selbst zu forschen. Wäre wahrscheinlich die erste Astronomin auf diesem Posten… 😉 Und was in meiner Stadt dann gefördert würde, ist ja wohl klar: 🙂 Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, gute Radwege (damit man nicht immer zwischen LKWs Slalom fahren und mit PKWs wetteifern muss) und nochmal Wissenschaft, das alles international, tolerant und aufgeschlossen und insbesondere durch Nachwuchsförderung.

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “that’s why I came to Germany: get the experience and learn” Und wer das als Einheimischer nicht will kann ja in die USA gehen.

    Vielleicht sollte man in die Physik in der Unterstufe und Grunschule mit Physics-Slams beginnen. Zuerst die Begeisterung und die Experimente (es muss pfeifen und zischen (wenn auch nicht im Ohr)) und dann die Mathe?

  2. ich glaube, die Betonung liegt nicht auf “to Germany”, sondern eher auf der Motivation, die nach dem Doppelpunkt folgt: get the experience and learn

    aber selbst wenn es so wäre wie Sie interpretieren, wäre das eine positive Entwicklung für das Land “mitten in Europa”.

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