Ein Geld für die Astronomie :-)

Dieses Jahr haben sich die deutschen Geldmacher etwas besonderes ausgedacht: Die erste 5-Euro-Münze Deutschlands. Auf der einen „Kopf“-Seite ist der gewohnte Bundesadler abgebildet. So weit noch nichts besonderes. Um diesen Adler fließt allerdings ein blauer Kunststoffring und über seinem Kopf steht eine kleine „5“ und sonst hat man das gewohnte Sternchenmuster und das Label „Bundesrepublik Deutschland“ als Aussteller für das Silberstück.

In Spiegelglanz geprägte Gedenkmünze

Die erste 5 Euro-Münze.

Unsere erste 5 Euro-Münze.

Auf der „Zahl“-Seite steht aber nicht etwa plump eine „5“ auf der Münze, denn sie ist wohl nicht wirklich zum Zahlungsverkehr gedacht: Man kann damit zwar auch normal im Laden bezahlen, aber eigentlich ist es ein Schmuckstück und nicht vordergründig zur Alltagsnutzung gedacht. 5-Euro Münzen einzuführen scheint mir grundsätzlich eine sehr gute Idee zu sein – das gibt’s ja derzeit nicht.

Auf der „Zahl“-Seite entpuppt sich vielmehr der narrative Sinn des blauen Rings: Die Münze heißt „Blauer Planet“ und der Ring stellt wohl (wenngleich etwas zu dunkelblau) die blaue Lufthülle der Erde dar, zumal er im Gegenlicht genauso „leuchtet“. Innerhalb des Rings sieht man nämlich die Umrisse einiger Landflächen unseres Planeten abgebildet und außerhalb des blauen Rings erkennt man einen Ringplaneten, einige andere Planeten und Sternchen (die hier nicht mehr plakative Zacken haben wie auf der diagrammatischen „Kopf“-Seite).

Eine technologisch sehr innovative Münze, auf der das Motiv ein astronomisches sein sollte. Als Begründung für die Gestaltung wurde bereits letztes Jahr in den Medien kommuniziert, dass Astronomie ein interessantes Thema ist, mit dem sich auch Jugendliche gern beschäftigen und dass eine Münze mit diesem Bild folglich auch bei Jugendlichen mehr Interesse an Geld wecken sollte. „Von der innovativen Münze mit diesem modernen Motiv soll ein Impuls für ein breiteres Interesse an deutschen Sammlermünzen, insbesondere bei jungen Zielgruppen, ausgehen.“ liest man bei der Bundesregierung.

Die Regierung bezieht es wohlweißlich nur auf die Sammlermünzen, aber in der öffentlichen Presse wurde daraus relativ schnell eine reißerische Verallgemeinerung für Geld-Interesse. Diese Begründung ist allerdings höherer Quatsch, denn erstens geht die Münze ja nicht in den allgemeinen Zahlungsverkehr in hoher Stückzahl ein und zweitens interessiert sich wohl jeder Mensch für Geld, sofern er sich nicht durch politische oder religiöse Gründe zu anderem verpflichtet hat. In dieser Welt müssen wir alle aufs Geld Wert legen, weil sie so nun einmal funktioniert – nur insbesondere Astronomen sind wohl häufig diejenigen, die weniger davon haben. Das liegt aber nicht daran, dass sie sich nicht dafür interessieren würden, sondern nur daran, dass Gehaltsverhandlungen nicht zu ihren Stärken gehören, sondern eben die (Kunst und bzw. der) Wissenschaft. Ich kann nur für mich selbst sprechen in diesem Punkjte, denn Menschen sind sehr verschieden und ich brauche dringend Fürsprecher bzw. „Anwälte“, die sich darum kümmern, dass ich korrekt bezahlt werde: Ich habe zwar schon viele ungewöhnliche Dinge in meinem bisherigen Leben getan, habe z.B. zeitweilig sehr asketisch und zeitweilig im Zölibat gelebt [das Gelöbnis war: zunächst bis zum Abschluss der Promotion], um mich sehr gut ausbilden zu lassen und meiner Wissenschaft nachgehen zu können. Aber z.B. ich (Astronomin) habe NIE ein ARMUTSGELÜBDE abgelegt. Im Gegenteil war es schon immer mein Wunsch, dass sich die viele Arbeit und hohen Leistungen [Leistung ist Arbeit durch Zeit] auch im wahren Wortsinn auszahlen. Die Intention, mit astronomischen Motiven Leute zu mehr Sinn für Geld erziehen zu wollen, halte ich daher für einen mittelschweren Unsinn – aber ich bin vllt. nicht der Maßstab, also wer weiß, vielleicht nützt das irgendwem. Lassen wir es also lieber bei der Intention der Nachwuchsförderung bei Hobby-Numismatikern.

Webmitteilung des BMF und dessen Pressemitteilung: „Weltneuheit“

Dem blauen Planeten eine Gedenkmünze zu widmen ist aber nur einer der Aspekte der „Weltneuheit“: Die Kombination von Metall- und Kunststoffkomponenten gilt als besondere technische Innovation! Das Polymer im Kunststoffring soll eine Fälschungssicherung sein.

Die sensationelle Münze hat sogar eine eigene Webseite.

Betrachten wir aber das Bild mal etwas nüchterner: Obwohl die Münze nun einmal ein 3D-Objekt ist und der Polymerring hier viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten zuließe als bei herkömmlichen Alltagsmünzen, bleibt die Abbildung der Erde im Bild flach. Ich hoffe, das interpretiert niemand als Aussage über unser Weltbild!

Mich erinnerte die Ansicht nämlich spontan eher an die babylonische Weltkarte, die auf zwischen -700 und -500 datiert wird:

eine Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen

eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen

Bei der Tontafelkarte ist das Loch in der Mitte – also der Mittelpunkt der Welt – Babylon, d.i. ein Vorort des heutigen Bagdad. Wir sehen ein paar umliegende Orte, Flüsse und das ganze umgeben von einem Kreis, der als „Bitterfluss“ beschriftet ist. Wir wissen nicht genau, was das ist, aber das spielt hier eine untergeordnete Rolle.

Unser vermutlich ebenso wenig wohlschmeckendes blaues Polymer in der neuen Münze umgibt Eurasien und Afrika und schneidet die amerikanischen Kontinente gerade an. <nicht ganze ernst – Beginn>Der Mittelpunkt dieser „Welt“ wäre demnach irgendwo in Afrika … was zugegebenerweise merkwürdig wäre für eine europäische Münze, aber mit Blick auf die frühesten Spuren der Menschheit (als Analogie zu den babylonischen Weisen) irgendwie synchronisiert werden kann. ; – ) <nicht ganze ernst – Ende>
Was ich damit nur sagen will: Wir sollten antike Bilder nicht allzu „wörtlich“ nehmen. 😉

Dennoch: Hübsch ist sie, die neue Münze!

Ich habe mir darum heute eine geholt, als ich zufällig bei der Bundesbank war (Bargeld von verschiedenen Kaffeekassen seit zwei Jahren gesammelt – jetzt hatte ich endlich einmal Zeit, es einzuzahlen).

Berlin hat mich wieder!

Berlin hat mich wieder! 🙂 Hurra!

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte (beide Diplomarbeiten in Astronomie), promovierte in Wissenschaftsgeschichte sowie Medienwissenschaften, Physikdidaktik. Sie ist seit 1998 als Astronomin tätig (manchmal an Universitäten, manchmal in Planetarien und öffentlichen Sternwarten). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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