Lebendige Zeugnisse der Vergangenheit

Anlässlich des internationalen Museumstag luden am letzten Wochenende bundesweit zahlreiche Museen zu Sonderführungen, Festen und langen Nächten ein: Besucher konnten die vielfältigen und faszinierenden Zeugnisse der Geschichte der Menschen bestaunen. 

Wie bleiben diese kostbaren Überlieferungen erhalten – und welchen Beitrag leistet die Chemie dazu? Als ich diese Anfrage kürzlich erhielt, rechnete ich erst einmal mit wenig Treffern und war dann umso überraschter über die Vielzahl an Produkten und Anwendungsmöglichkeiten: Mörtel für Natursteinsanierungen, Lacke für die Restauration historischer Automobile, spezielle Wärmedämmverbundsysteme für denkmalgeschützte Gebäude, Lösungen für die strukturelle Verstärkung von Gebäuden, Leime und Tränkharze zur Restauration, UV-Harze für Skulpturen im Freien. Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Projekte, in denen diese Produkte eingesetzt wurden.

Die Farbenpracht der Oldtimer

Oldtimer wird mit Glasurit behandeltZum hundertjährigen Bestehen der Automobilmarke Bugatti lies das Cité de l’Automobile im französischen Mulhouse seine gesamte Sammlung originalgetreu restaurieren. Der Schrecken aller Restaurateure ist bekanntlich der Farbton: Das Museum setzte dabei auf Glasurit®,  eine der ältesten Lack-Marken der BASF für die Automobilindustrie mit 120 Jahren Entwicklungshistorie. Glasurit hat damit die älteste Farbtondatenbank mit nahezu 200.000 Farbtönen, die zwischen 1904 und 1970 in der Automobilindustrie verwendet wurden.

 

Restauriermörtel für stolze Reiter

Reiterrelief des Völkerschlachtdenkmals in LeizipgAuch bei Gebäuderestaurierungen muss die Chemie stimmen: Im Jahre 1913 wurde das Völkerschlachtdenkmal zur Erinnerung an die Völkerschlacht vor den Toren Leipzigs nach 15 Jahren Bauzeit eingeweiht. Mit 91 Metern und 300.000 Tonnen Gewicht ist es das größte Denkmal Europas und gilt als architektonische und ingenieurtechnische Meisterleistung. Bereits kurz nach der Fertigstellung verursachte ein gewaltiger Feuchteeintrag in die Wände enorme Schäden. Besonders das Reiterrelief litt unter Bindemittelauswaschungen, Salzausblühungen und Betonkorrosion. Das Sanierungsprogramm war komplex. Bei den Figuren mussten Fehlstellen ergänzt, die Reliefflächen großflächige überarbeitet werden. Dabei verwendeten die Experten mineralische Werktrockenmörtel von BASF Wall Systems GmbH & Co., die bereits mehr als 75 Jahren in der Bauwerkssanierung eingesetzt werden. Seither stehen die stolzen Reiter wieder auf trockenen Füßen.

Auf den Spuren von Ötzis Beinkleidern

Auch bei der Elementar- und Oberflächenanalyse von Kulturgütern findet sich bei BASF ein breites Know-How. Forscher in unserem Pyrolyselabor konnten die Gerbstoffe ermitteln, die bei der Beinkleidung des prähistorischen Jägers Ötzi vor 5000 Jahren verwendet wurden. Bei der Pyrolyse werden kleinste Partikel des Stoffs – weniger als ein Milligramm – in einem daumengroßen Ofen auf bis zu 1200°C erhitzt. Die entstehenden Zersetzungsprodukte werden mit Hilfe der Massenspektrometrie sowie der Gaschromatorgraphie analysiert.

Die skizzierten Projekte sind für uns bei BASF etwas Besonderes – wir tauchen selbst ein in die Vergangenheit, spüren den damaligen Zeitgeist und verbinden Vergangenes mit modernen Anwendungen, um es auch für die künftigen Generationen zu bewahren.

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Judith Schrauf-Papadopoulos studierte Germanistik und Computerlinguistik an der Universität Heidelberg. Im DFG-Graduiertenkolleg „NeuroAct“ promovierte sie zum Einfluss von Sinneswahrnehmung, Emotionalität und Metaphorik auf die Sprachverarbeitung. 2010 fing sie bei BASF Crop Protection in der globalen Kommunikation an. Anschließend wechselte sie in den spannenden Bereich der Forschungskommunikation und kümmert sich unter anderem darum, die Forschung bei BASF im Web zu präsentieren. Dr. Judith Schrauf-Papadopoulos

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