Podcast vs. Blog

In meinem Sprachgebrauch sind Bodcasts und Blogs Geschwister. Das Blog ist eine Reihe von tagesbuchartig geführten Beiträgen eines, einer oder mehreren Autor_innen. Der Podcast ist mehr oder weniger dasselbe in Audio. Deshalb bin ich überrascht, dass so viele Radioformate, wie Reportagen oder Interviews mittlerweile als Podcasts beworben werden.

Nehmen wir den Corona-Podcast des NDR. Ich höre ihn sehr gern, aber er ist kein klassischer Podcast, sondern ein Interview. Eine Followerin wies mich darauf hin, dass dies einander nicht ausschließt. Der Wörterbucheintrag für Podcast, wie man ihn über Google findet, lautet: “Reportage, (Radio)beitrag o.Ä., der als Audiodatei im MP3-Format im Internet zum Herunterladen angeboten wird.

Es handelt sich also um eine rein technische Definition. Der Podcast ist die Verbreitungsform als Download im Internet. Wird dasselbe im Radio ausgetrahlt oder gestreamt, ist es kein Podcast mehr. Etwas weiter geht die Definition der deutschsprachigen Wikipedia, dort ist ein Podcast “eine Serie von meist abonnierbaren Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet.”1 Es ist also eine gewisse Regelmässigkeit, die Serie gefordert.

Das Blog definiert das Würterbuch dagegen als “tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Webseite, die ständig um Kommentare oder Notizen zu einem bestimmten Thema ergänzt wird.”

Das Blog ist über die Form der Presentation, nicht über den Vertriebsweg definiert. Ein Zeitungsartikel wird nicht zum Blog, indem er auf einem Onlineportal der Zeitung zur Verfügung gestellt und mit Kommentiermöglichkeit versehen wird. Viele Zeitungsredaktionen betreiben Blogs, aber sie grenzen diese klar von ihrem redaktionellen Angebot ab.

Mir ist im Bereich der Wissenschaftsblogs aufgefallen, wie vehement sich Wissenschaftsjournalist_innen von reinen Blogger_innen abgrenzen. Das Blog ist vielleicht mit dem Meinungsartikel verwandt oder mit der Kolumne. Aber die fachlichen Artikel sollen nicht als Blogbeitrag wahrgenommen werden.

Offenbar ist die Berührungsangst im Audio-Journalismus kleiner. Die Radiosender haben kein Problem, sich in ihrem Downloadbereich mit den Laien-Podcaster_innen gemein zu machen.

Anmerkungen:
1. Stand 15. June 2020, 17:00 Uhr
Joachim Schulz

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

10 Kommentare

  1. Howdy!

    Das Blog ist über die Form der Pr[ä}sentation, nicht über den Vertriebsweg definiert.

    Das Web-Log, kurz ‘Blog’, ist ein Tagebuch, das im Netz oder Web bereit gestellt wird, vgl. mit ‘Logbuch’ :
    -> https://www.etymonline.com/word/blog
    (Beim ‘Log’ wird vermutet, dass tatsächlich einstmals der (Holz-)Klotz gemeint war, auf dem derart Befugte nieder zu schreiben wussten, Kapitäne auf Schiffen beispielsweise, absteigend chronologisch, die Zeit also meinend, von oben nach unten und Nachricht meinend.)

    Es handelt sich hier insofern um Journalisten, um Schreiber, um Tagesschreiber sozusagen, die in früheren Zeiten, nicht selten : militärisch und in Expeditionen unterwegs ihr Dasein berichteten, ihre vergangenes Dasein, notwendigerweise, wenn die Vergangenheitsform beachtet bleibt.
    In persistierten Tagebüchern nicht selten, auch wenn der so gemeinte Schreiber bereits final abkömmlich war.

    ‘Journalsisten’, also in regelmäßig erscheinenden Abständen Berichtende, sind insofern von ‘Reportern’ zu unterscheiden, die ihrem Wortlaut in ihrer begrifflichen Bestimmung festgestellte Sachen oder passende Bezüge berichten, zurücktragen, ihrem Auftrag passend.

    Womöglich ungünstige Sexus-Markierungen müssen in sogenannten WebLogs nicht gepflegt werden, es dürfen in der deutschen Sprache weiterhin sog. generische Genera, das sog. generische Maskilinum ist hier mitgemeint, verwendet werden, wie viele meinen, ohne dass dem Leser entscheidend etwas entgeht,
    es ist oft halt frickin uninteressant, ob bspw. der Fussgänger, der eine Straße überquert männlich oder weiblich war, wenn er nicht “erwischt” worden ist.

    Dr. Webbaer geht beim hiesigen, werten und offensichtlich nunmehr bundesdeutsch i.p. “Gender” angepassten Subjekt davon aus, dass er folgen kann, die obigen Erklärungen meinend,
    guter Mann!
    MFG – WB

  2. Podcast wurde als Kofferwort geschaffen aus broadcast und pod (nach dem damals neuartigen iPod als Stellvertreter einer ganzen Gerätegattung). Daher ist es durchaus korrekt, jedes halbwegs regelmäßig zum Download bereitgestellte Format Podcast zu nennen. Eine inhaltliche Definition gabe es von Anfang an nicht.

  3. Bonus-Kommentar :

    Das Blog definiert das W[ö]rterbuch dagegen als “tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Webseite, die ständig um Kommentare oder Notizen zu einem bestimmten Thema ergänzt wird.”

    Ein Blog ist bildlich gesprochen der Holzklotz auf dem ein Tagebuch-Schreiber, idR ein Hauptmann eines Schiffes, naturgemäß zeitlich abwärts sortiert, seine Eintragungen, seine Dienstarbeit erledigte bzw. persistierte; was nicht geschrieben war, hat sozusagen nicht stattgefunden.
    ‘Kommentare’ sind hier grundsätzlich nicht vorgesehen bei derartiger journalistischer, das Tagesschreibertum meinende Arbeit.
    Kommentare drängen sich aber im Web sozusagen auf bzw. die Möglichkeit Kommentare einzureichen, um Primärinhalte zu ergänzen, weil dies möglich ist, technisch, und zeitnah. Ohne Leser-Feedback hätten sog. Blogs weniger Erfolg aufgewiesen, vgl. auch mit der sog. Social Media generell, die ähnlich sozial greift.
    Audio-visuelle Dokumente leiden diesbezüglich, denn erstens ist die Sprache langsamer als das Wort und zweitens ist die Schrift verbindlicher und drittens sind audio-visuelle Dokumente zwar grundsätzlich indizierbar, sog. Indizes können von Sprache verarbeitender AI mittlerweile angelegt werden, aber sie bleiben sequentiell, Text dagegen kann sozusagen asynchron bearbeitet werden, es kann diesbezüglich gepickt werden, wie dies jeder auch tut.
    Text ist sozusagen cooler, aber die Menge scheint nicht selten audio-visuelle Nachricht zu bevorzugen, weil sie eben nicht primär an Sacharbeit interessiert ist, womöglich auch nicht umfänglich und für die hier gemeinten Zwecke alphabetisiert ist.

    • Ja, Dr. Webbär,
      am Vergleich des heutigen Blogs mit dem Schiffslogbuch sehen wir, dass uns etymologische Betrachtungen, also solche, die ausschließlich die Wortherkunft im Auge haben, nicht weiter helfen.

      Im Wortsinne würde ich ein Weblog, also ein Web-Tagebuch verstehen als eine Seite, in der ich meine Reise durchs Web protokolliere. Also regelmäßig Links zu den von mir besuchten Seiten mit ein paar Hinweisen, das ich von diesen Seiten halte. Das wurde meines Wissens anfangs sogar so gehalten, aber mittlerweile hat sich das Bloggen weiterentwickelt. (“Weiterentwickelt” nicht ungebingt im Sinne einer Verbesserung, sondern einfach einer Schwerpunktverschiebung.) Einzelne Blogs sind spezialisierter geworden, haben sich mehr Richtung Journamismus oder PR verschoben. Andere kommentieren das Tagesgeschehen ohne auf Webseiten einzugehen. Kurz, der Begriff “Blog” hat sich erweitert.

      Der Podcast ist im Wortsinne eine (Radio-)Sendung, die auf I-Pods läuft. Auch dieser Begriff hat sich gewandelt, in dem Sinne, dass er nicht mehr auf I-Pods, sondern auf mobile Geräte, die Tondateien abspielen können, im allgemeinen Abzielt. Podcasts waren anfangs ganz ähnliche Formate wie Blogs, nur auf Tondateien. Auch ich habe mal probeweise bei einem Podcast mitgemacht. Aber interessanter Weise sind die Begriffe Blog und Podcast auseinander gedriftet. Während Blog immer noch ein bestimmtes Genre an Internet-Texten bezeichnet, bezeichnet das Blog nur noch den Vertriebsweg eines beliebigen Audio-Formates.

      Nun, vielleicht findet das auch außer mir niemand interessant.

      • Klar, vielen Dank für Ihr Re-Feedback, Herr Dr. Joachim Schulz, ansonsten würde Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund streng an der Sprachlichkeit Altvorderer bleiben wollen, vgl. mit Ihrem : ‘Ja, Dr. Webbär,
        am Vergleich des heutigen Blogs mit dem Schiffslogbuch sehen wir, dass uns etymologische Betrachtungen, also solche, die ausschließlich die Wortherkunft im Auge haben, nicht weiter helfen.’, der Schreibende ist aus diesseitiger Sicht sozusagen verdammt der sprachlichen Begriffsgeschichte zu folgen, ohne individuelle Macht abzugeben, wie es stattfindet, wenn sich modern beraten lassen wird, was jenes oder dieses Wort bedeuten soll, gar von kulturmarxistischen Linguisten der Güteklasse Anatol Stefanowitsch, der mittlerweile die wohl angestrebte Duden-Nähe gefunden hat.
        Wobei nicht gemeint ist, dass Dr. W politisch rechte Meinung vertritt, was nicht der Fall ist und wohl auch bundesdeutsch mittlerweile als sittlich minderbemittelt gilt, eigentlich :

        Wollte Dr. W Ihnen auf die Schulter klopfen, Bemühtes i.p. unwissenschaftlicher Gender-Theorie dürfen Sie gerne beiseite lassen, aber Dr. W kennt Karriere, und insgesamt sind Sie effing klug, wie Dr. W einfach mal so loswerden wollte, und nett, sonst wäre Dr. W so nicht losgeworden.

        So weit der Schreiber dieser Zeilen, der naturwissenschaftlich Fachfremde, jeder ist sozusagen überall fachfremd, jeder sozusagen überall Ausländer.

        Mit freundlichen Grüßen, schöne KW 26 noch, Dr. W stark beeindruckt sein vom hiesigen Inhalteangebot, weiterhin viel Erfolg!
        Dr. Webbaer

    • Das ist doch Ansichtssache. Am Besten wäre natürlich Beides, wie z.B. die Tagesdosis von KenFM. Beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. So kann man im einem Tondokument schlecht Querverweise unterbringen, aber man verdirbt sich weniger die Augen, wegen falsch eingestellter Schriftgröße (bei Büchern ohnehin problematisch). Ich schaffe es wegen meiner Presbyopie und trotz Lesebrille kaum noch länger als 1h am Stück ein Buch zu lesen, da kommen mir Podcasts sehr gelegen.

  4. Danke für diesen Artikel. Der Autor hat interessante Gedanken. In letzter Zeit höre ich lieber Podcasts. Das liegt daran, dass ich mir die Podkas anhören und mein eigenes Ding machen kann. Das ist sehr praktisch. Aber ich weigere mich auch nicht, einen interessanten Artikel zu lesen, wenn ich Zeit habe.

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