Home, sweet home

Psychologieblog

"We give shape to our buildings, and they, in turn, shape us." Winston Churchill

Unser Zuhause. Wir verpassen ihm den Feinschliff, verleihen ihm unsere persönliche Note – die Basis verdanken wir allerdings den Plänen eines Architekten. Genauso wie die meisten Orte, an denen wir arbeiten, spielen, studieren, uns amüsieren, shoppen, ärztlich behandelt werden, …

Diese Gebäude, Straßenzüge und Städte gefallen uns manchmal besser, manchmal schlechter. Doch wie komplex Architektur auf unser Erleben und Verhalten wirkt, ist kaum jemandem bewusst. Manchmal noch nicht einmal dem Architekten selbst.

Architektonische Fehlgriffe

So ging zum Beispiel das Konzept des amerikanischen Wohnkomplexes „Pruitt Igoe“ in den 50er Jahren gewaltig in die Hose. Sozial schwächere Familien sollten hier ein Zuhause finden. Um Kriminalität und Vandalismus zu verhindern, entschieden sich die Architekten unter Anderem für abwaschbare Wände. Die Flure waren eng, Raum für Begegnung rar.

Für geplante Spielplätze und Gärten reichte das Geld nicht aus. Das Ende vom Lied war die Sprengung des Gebäudekomplexes knapp 20 Jahre später – die Siedlung hatte sich in ein Ghetto verwandelt, mit Müll an jeder Ecke, hoher Kriminalität und Bewohnern, die sich mit dieser sterilen Umgebung nicht identifizieren konnten und deshalb schnell das Weite suchten.

Doch auch das als organisch und besonders menschengerechte konzipierte Hundertwasserhaus in Wien hielt nicht, was sich Hundertwasser und viele andere davon versprachen. Nach Einzug der ersten Mieter wurde schnell klar, dass die superindividuellen und künstlerischen Räume alles andere als menschengerecht waren.

Den Mietern wurde kaum Möglichkeit für eigene Gestaltung geboten, sie hatten sich den Ideen Hunderstwassers unterzuordnen. Die Folge war große Unzufriedenheit statt Leben im Einklang mit Farbe und Form.

Nicht nur eine Frage des Geschmacks

Zur Arbeit des Architekten gehört neben Kreativität und Ingenieurswissen auch immer ein Stück Einfühlungsvermögen in den zukünftigen Nutzerkreis. Erkenntnisse dazu gibt es aus der Architekturpsychologie, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Menschen und ihrer gebauten Umwelt beschäftigt. …Damit nicht noch mehr Gebäude qualvoll in die Luft gesprengt werden müssen.

Quelle: Daniel Leising: Die Macht der Räume. Artikel erschienen in Psychologie Heute, 1/2002.

(irm)

Katja Schwab

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

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