Astronomie-Werbung im Kino: James Bond

BLOG: Promotion mit Interferenzen

Auf dem Weg zum Profi-Astronomen
Promotion mit Interferenzen

Die Europäische Organisation für Astronomie-Forschung auf der Südhemisphere (früher einfacher "European Southern Observatory", kurz ESO, genannt) startet heute ihren neuen "ESOcast", ein video podcast, also eine Internet-Fernsehsendung. Man kann sie auf der ESOcast-Seite direkt anschauen oder auch herunterladen und in Ruhe, zum Beispiel bei einer Zugfahrt, anschauen. In der Sendung sollen die neuesten Forschungsergebnisse, die mit ESO-Teleskopen erlangt wurden, vorgestellt werden. Aber offensichtlich ist auch Platz für andere Dinge: So handelt der erste ESOcast von einem Ereignis, das derzeit offensichtlich auch viele Leute bei der ESO beschäftigt: Dem neuen James-Bond-Film "Quantum of Solace" (Trailer). Dieser wurde ja, wie gesagt, unter anderem in und an der Residencia, dem Astronomen-Hotel beim VLT in der chilenischen Atacama-Wüste gefilmt.

In einer Pressemitteilung beschreibt die ESO genauer, wie die Dreharbeiten vonstatten gegangen sind. Demnach bevölkerten Ende März nicht nur die üblichen etwa 100 Astronomen, Techniker und Bedienstete die Residencia, sondern darüber hinaus auch etwa 300 Leute von der James-Bond-Filmcrew, die täglich die zweistündige Fahrt von der nächstgrößeren Stadt Antofagasta bis zum Drehort in der Wüste zurücklegen mussten. Im Film stellt die Residencia die "Perla de Las Dunas" dar, ein exklusives Hotel in der Wüste, in der James Bond auf seinen Widersacher trifft.

Der ESOcast ist nicht nur sehenswert für James-Bond-Fans (er ist zum Teil ein Making-Of des neuen Bonds); auch aus astronomischer Sicht lohnt es sich, das knapp achtminütige Filmchen anzusehen, denn nebenbei wird das VLT mit seinen Teleskopen und Instrumenten vorgestellt und man kann die Arbeitsbedingungen in der Wüste sehr gut nachempfinden.

Unter Wissenschaftlern wird ein derart offener Umgang mit etwas "Unwissenschaftlichem" — wie einem James-Bond-Film — oft mit etwas Naserümpfen gesehen. Man hat das Gefühl, dass manche Wissenschaftler Angst haben, ihre eigentliche Arbeit würde dann weniger ernst genommen werden. Insofern finde ich es bemerkenswert, dass die ESO derzeit so massiv mithilfe von 007 auf sich aufmerksam macht. Im Endeffekt ist James Bonds Auftritt am Paranal aber ein großer Kino-Werbespot für die Astronomie (auch wenn die Teleskope im Film nicht zu sehen sind) und man kann sich durchaus darüber freuen, dass sich die Filmemacher um den deutsch-schweizerischen Regisseur Marc Forster für die Residencia als Drehort entschieden haben — und dass die ESO zugestimmt hat.

Leonard Burtscher

Veröffentlicht von

www.ileo.de

Nach dem Studium der Physik in Würzburg und Edinburgh, habe ich mich in meiner Diplomarbeit mit der Theorie von Blazar-Spektren beschäftigt. Zur Doktorarbeit bin ich dann im Herbst 2007 nach Heidelberg ans Max-Planck-Institut für Astronomie gewechselt. Von dort aus bin ich mehrere Male ans VLT nach Chile gefahren, um mithilfe von Interferometrie im thermischen Infrarot die staubigen Zentren von aktiven Galaxien zu untersuchen. In dieser Zeit habe ich auch den Blog begonnen -- daher der Name... Seit Anfang 2012 bin ich als Postdoc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching im Norden von München. Dort beschäftige ich mich weiterhin mit Aktiven Galaxien und bin außerdem an dem Instrumentenprojekt GRAVITY beteiligt, das ab 2015 jeweils vier der Teleskope am VLT zusammenschalten soll.

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