Venus zwischen Wolkenbändern

Am letzten Sonntag war eigentlich den ganzen Tag, bis in die späten Nachtstunden schönes, astronomietaugliches Wetter vorhergesagt, weshalb ich mich schon morgens dazu entschloss, einmal wieder die Venus aufs Korn zu nehmen. Und wenn ich mich mal dazu entschlossen habe, etwas zu tun, dann ziehe ich das gnadenlos durch. So auch am Sonntag, als dann von Westen her Wolkenbänder heranzogen. Doch zum Glück lösten sich diese immer kurz vor Erreichen des Zenits auf, sodass ich einfach das Teleskop in den Vorgarten verfrachtete (nur von hier aus liegt kein Hausdach zwischen der Venus und mir).

 

Nach gründlicher Justage – das Newtonteleskop wurde nämlich nach dem letzten Gebrauch mit dem Auto transportiert und hat sich, wie erwartet dabei leicht dejustiert – wollte ich dann direkt die Venus beobachten. Doch diese wollte nicht mitspielen, sie war von dicken Wolken bedeckt.

 

Dann kamen auch noch fast alle Nachbarn vorbei und fragten verwundert, was ich denn beobachten würde, man sehe ja garnichts… Doch zum Glück verschwand das Wolkenband schnell wieder und ich konnte erst mal den Halbmondförmigen Anblick der Venus und Wolkenbänder des Jupiter, sowie die vier Gallilei’schen Monde demonstrieren.

Als dann die Beobachtungsgäste von den Schnaken vertrieben wurden, konnte ich die DMK 21Au618.AS-Kamera mit Infrarot-Bandpassfilter an das Teleskop anschließen.

 

Normalerweise verwendet man UV-, oder CH4-Filter, um Details, wie zum Beispiel Wolkenstrukturen auf der Venus zu beobachten, doch in Ermangelung dessen nutzte ich einfach einen IR-Bandpassfilter, um wenigstens die Luftunruhe weitgehend auszufiltern. Auffällig war, dass die Luftunruhe an den (irdischen) Wolkenrändern besonders stark war, was auf starke Turbulenzen zurückschließen lässt. Zogen hingegen breite Wolkenbänder über die Venus, so wurde sie zwar sehr viel dunkler abgebildet, doch die Luftunruhe war nicht ganz so ausgeprägt, wie an den Wolkenrändern. Das sind sehr interessante Thermikphänomene, die ich auf jeden Fall weiter beobachten werde 😉 Besonders interessant könnten hier Kumuluswolken sein. Eventuell könnte sich hier eine Venus Tagesbeobachtung an einem schwülen Sommertag sein, bei dem die Venus als Referenzobjekt dient.

 

Doch zurück zum eigentlichen Thema, der Venus: Der halbmondförmige Anblick ist eher selten, denn regelmäßig kennt der auf der Erde beheimatete Mensch nur den Mond und ab und an die Sonne bei einer Sonnenfinsternis als “halbmondförmiges” Objekt. Und möglich wäre es außer bei Venus noch bei Merkur zu beobachten, doch dafür braucht man ein Teleskop (oder zumindest ein hoch vergrößerndes Fernglas).

Von daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen, mich eingeschlossen, diesen Anblick so faszinierend finden. Aufgrund einer sichelförmigen Venus in einem kleinen Tschibo-Teleskop habe ich überhaupt erst mit der Astronomie angefangen.

Andere Planeten erscheinen von der Erde aus nie Halbmond oder sogar Sichelförmig, da sie sich auf sehr großen Umlaufbahnen um die Sonne befinden und somit außerhalb der Erdbahn sind. Daher ist eine schwache Randabdunklung (am auffälligsten noch bei Mars) das Maximum der Phasen. Das liegt einfach an der Geometrie. Damit man zum Beispiel Jupiter als annähernd halbmondförmiges Objekt sehen müsste, müsste man sich schon auf der Jupiterbahn befinden, und zwar quasi direkt neben Jupiter. Dadurch schaut man direkt auf den Terminator (die Tag-Nacht-Grenze). Bewegt sich der Planet dann auf seiner Bahn weiter, so wird die sichtbare Tagseite immer größer, bis sich Jupiter genau hinter der Sonne befindet. Hier wäre dann die scheinbare Jupiterscheibe voll beleuchtet. Befindet man sich nicht so weit draußen, so sieht man quasi immer die frontal beleuchtete Scheibe des Jupiters (mit leichtesten Randabdunklungen).

 

Hier ist nun das Ergebnis, welches aus der Überlagerung der besten 30% von 1800 Bildern besteht:

Venus am 14.06.2015.

Venus am 14.06.2015.

Durch eine 2x Barlowlinse habe ich die Brennweite des Teleskops auf 2 m verdoppelt. Man erkennt zwar keine Oberflächendetails, wie bereits erwähnt, habe ich diese auch nicht erwartet, aber dennoch spiegelt dieses Bild den visuellen Eindruck sehr stark wieder. Man stelle sich nur noch eine goldene Farbe vor.

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein tolles Foto! Ich gehe auch mal davon aus, dass die Turbulenzen an den Wolkenrändern durch den dort verstärkt stattfindenden Luftaustausch verursacht werden. Aber wie ist die Sache mit der Venus als Referenzobjekt gemeint? Was du da planst, habe ich noch nicht wirklich verstanden. (Wollte ich eigentlich gestern schon aut Twitter gefragt haben.)

  2. Hi,
    Freut mich, dass es gefällt!

    Das mit dem verstärkten Luftaustausch und eventuell auch den damit einhergehenden Aggregatszustandsänderungen klingt plausibel. So ähnlich entstehen ja auch Mammatuswolken, wenn die Bedingungen stimmen…

    Ja, sowas passiert, wenn man das hier als Notizzettel für spontane Gedanken nutzt^^
    Gemeint war, dass man ein helles Objekt, am besten ein Planet, wegen der konstanten Helligkeit über den gesamten Spektralanstand (Planeten “flackern” ja aufgrund ihrer Flächenausdehnung/Winkelgröße nicht merklich in der Luftunruhe) als nutzt Referenz nutzt.

    Quasi wie eine Zeitung, die man hinter eine Kerze hält und dann die Turbulenzen über dem Flammenschein beobachtet anhand der verzerrten Buchstaben.
    Da wäre dann die Venus zum Beispiel die Zeitung und die Wolkenränder die Heißluft.

    Dann könnte man anhand der Stärke der Bildverzerrungen auf die Thermik schließen und zum Beispiel mal Kummuluswolken mit Cirren vergleichen.

    CS
    Kevin

    • Ah, danke, jetzt habe ich es verstanden.
      Nicht schlecht! Da greifen dann Astronomie und Meteorologie nahtlos ineinander!

  3. “Und wenn ich mich mal dazu entschlossen habe, etwas zu tun, dann ziehe ich das gnadenlos durch.”

    Ja, für die Astronomie bedarf es einer gewissen Zähigkeit, sie ist nichts für Leute, die schnelle Erfolge verbuchen wollen. Zudem braucht es viel Hintergrundwissen und man darf sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. 😉
    Mich wundert, dass das Bild trotz Barlowlinse noch so scharf wurde, weil man oft hört, diese würde Farbsäume und einen nicht zu verachtenden Lichtverlust mit sich bringen. Das gute Ergebnis liegt wohl an der “Überlagerung der besten 30% von 1800 Bildern”. Letzteres find ich schon enorm, das muss ja eine Menge Zeit in Anspruch genommen haben.

  4. Naja, das Aussortieren und Überlagern der Bilder wurde mit der Software “autostakkert” gemacht. Das dauert dann ca. 2 Minuten. Lieber viele Bilder überlagern, die nicht alle perfekt sind, als wenige, die dafür extrem gut sind, aber per Hand mühselig ausgesucht wurden. Die endgültige Bildschärfe kommt dann durch die Nachbearbeitung.

    Ganz soo schlimm sind Barlowlinsen garnicht. Natürlich würde ich, wenn ich es könnte, auf die Dinger verzichten, weil man dann noch mehr aus den Bildern herausholen könnte, aber da müsste ich mir schon ein anderes Teleskop mit viel mehr Brennweite zulegen…

    Gerade bei hellen Planeten, wie der Venus kann man getrost mal auf 10-20% Licht verzichten und dennoch mit 60 Bildern in der Sekunde aufnehmen. Das macht nichts. Ich würde sagen, ab Mars bräuchte man mehr Licht.

    Grüße Kevin

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