Was macht man bei Vollmond?

Als Hobbyastronom ist man gezwungenermaßen von vielen Faktoren abhängig. Das Hobby spielt sich meist draußen und nachts ab, noch dazu ist es stark wetterabhängig. Hat man das Glück, dass das Wetter mitspielt, kommen im Sommer noch weitere Bedingungen erschwerend hinzu: Die Nächte sind einfach sehr kurz. Wenn dann noch der Mond voll beleuchtet am Himmel steht, sind die Beobachtungsmöglichkeiten maximal eingeschränkt. Durch die kurzen Nächte und die Aufhellung durch den Mond ist die Deep-Sky Beobachtung vollkommen unmöglich. Selbst helle Galaxien und Nebel heben sich kaum merklich vom aufgehellten Himmelshintergrund ab. An Astrofotos dieser Objekte ist fast gar nicht zu denken.

Selbst die Beobachtung des Mondes ist bei Vollmond eher mäßig ergiebig. Das liegt daran, dass der voll beleuchtete Mond sein Licht relativ zu seiner Oberfläche fast senkrecht von oben erhält. Dadurch gibt es kaum Schattenwurf der Details, wie ihn zum Beispiel Krater oder Abbruchkanten erzeugen, was den Kontrast merklich mindert. Ist der Mond hingegen nur teilweise beleuchtet, kann man sich an feinen Details kaum satt sehen.

Ein weiterer störender Faktor ist, dass selbst feinster Dunst, der in mondlosen Nächten nicht sonderlich bemerkbar ist, nun ebenfalls stark beleuchtet wird und den Himmel zusätzlich aufhellt.

Was sich aber generell immer lohnt, sind Objekte, die gegen die Helligkeit des Mondes ankommen. So kann man Jupiter zum Beispiel immer beobachten (sofern er über dem Horizont steht), egal wie hell der Nachthimmel ist. Selbst Tagbeobachtungen von Jupiter sind gut möglich, auch wenn das Aufsuchen durch die geringe Relativhelligkeit bezogen auf den Taghimmel und die fehlenden Orientierungspunkte stark erschwert wird. Auch der Kontrast der Details auf dem Planeten wird durch die hohe Umgebungshelligkeit geringer – aber das wird wie gesagt bei Tag beobachtet.

Auch helle Satelliten kann man bei Mondlicht gut und ohne Einschränkung beobachten. Das Paradebeispiel hierfür ist die Internationale Raumstation ISS. Fotografiert man diese durchs Teleskop mit ca. 2 m Brennweite, bemerkt man bei den Bildern keinerlei Unterschied zwischen einer mondlosen Nacht oder einer Vollmondnacht.

Doch eine Vollmondnacht bringt nicht nur negatives mit sich: Für Landschaftsfotografie kann der Vollmond ein Segen sein. Das fahle Mondlicht kann die Landschaft in eine interessante Stimmung versetzen. Und noch viel besser ist, dass man auf den nächtlichen Aufnahmen überhaupt etwas von der Landschaft zu sehen ist, da der Mond diese ja beleuchtet.

 

Am 10. Mai entschloss ich mich also in so einer hellen Nacht mal etwas anderes auszuprobieren: Ich fuhr mit dem Rad auf die nahe gelegene Insel Kühkopf – ein schönes Naturschutzgebiet – und positionierte meine Kamera auf einem Stativ vor einem markanten abgestorbenen Baum, der da schon steht, seit ich denken kann. Mein Plan war es, eine Strichspuraufnahme zu erzeugen, die eine Mischung aus astronomischer Fotografie und Landschaftsfotografie darstellt.

Bei einer Strichspuraufnahme oder auch Startrailsaufnahme genannt, fotografiert man den Himmel über einen sehr langen Zeitraum, angefangen von 10 Minuten bis hin zu Stunden. Dadurch werden die Sterne nicht mehr punktförmig abgebildet, sondern durch die Erdrotation zu langen Strichen verzerrt.  Man kann sich durch solche Strichspuraufnahmen also sehr eindrücklich die Erdrotation vor Augen führen.

Es ist allerdings relativ schwierig, solche Startrails mit nur einer einzigen Fotografie von 30 Minuten Belichtungszeit anzufertigen. Man würde entweder den Vordergrund völlig überstrahlen, gerade bei einer Vollmondnacht, oder die Sternspuren sind kaum erkennbar. Noch dazu würde das Kamerarauschen Überhand nehmen und die Aufnahme mit unschönen Hotpixeln und weiteren Störungen übersähen.

Aus diesem Grund behilft man sich damit, einfach mehrere Aufnahmen hintereinander zu machen, die man dann mit dem Programm „Startrails“, Photoshop oder Gimp etc. überlagert. Dadurch wird dann auch noch das vergleichsweise geringe Bildrauschen der kürzer belichteten Einzelbilder nahezu entfernt.

Ich entschied mich in dieser Nacht für eine Belichtungszeit von 15 Sekunden bei einer Isozahl von 800. Viele Kameras besitzen eine Intervallfunktion, bei der man lediglich Belichtungszeit, Pause zwischen den Bildern und Bildanzahl angeben muss und dann nichts geringeres mehr tun muss, als einmal den Auslöser zu betätigen. Dies ist weitaus komfortabler als jedes einzelne Bild mit einem Fernauslöser manuell auszulösen. Die Pause zwischen den einzelnen Bildern halte ich mit einer Sekunde relativ kurz, doch auch längere Bildpausen sind nicht weiter Problematisch. „Startrails“ ist durchaus in der Lage, den dunklen Bereich in einer Strichspur ein und desselben Sterns auszugleichen, der bei einer Belichtungspause entsteht.

So entstanden von 22:37 Uhr MESZ bis 23:07 Uhr MESZ insgesamt 86 Bilder, die ich dann mittels Startrails zu einer Strichspuraufnahme überlagerte. Ich musste lediglich einige hartnäckige Hotpixel entfernen, ein Rauschfilter war überhaupt nicht nötig.

Credit: Kevin Gräff Startrails über dem Kühkopf am 10.5.2017

Links über dem Baum erkennt man Polaris – den Nordstern –  der nahe der tatsächlichen Achse der Erdrotation steht. Man bemerkt deutlich, dass er nicht exakt auf der Erdachse liegt, da er nicht exakt punktförmig erscheint, sondern ebenfalls einen kleinen Pfad zurücklegt.

Im Bereich direkt über den Pappeln links neben dem abgestorbenen Baum erkennt man zum Beispiel das Sternbild Cassiopeia, welches in unseren Breiten zirkumpolar ist und somit niemals unter dem Horizont verschwindet.

Die geschwungenen Linien, die sich über das ganze Bild erstrecken und nichts mit der Erdrotation zu tun haben, sind Flugzeuge, die am Flughafen Frankfurt gestartet sind. Im Gegensatz zu Satelliten (von denen auf diesem Bild gerade keiner zu sehen ist) erkennt man bei den Flugzeugen neben deren teils wild anmutenden Flugbahnen immer noch die blinkenden Positionslichter. Ein Satellit würde niemals eine solche Kurve fliegen, wie das Flugzeug hinter dem Baum.

 

Edit (18.06.2017 – 19:53 MESZ):

Anbei noch eine Einzelaufnahme, in der das Sternbild Cassiopeia eingezeichnet ist. Dadurch wird die Orientierung auf der Strichspurenaufnahme hoffentlich erleichtert.

Credit: Kevin Gräff Einzelaufnahme, Cassiopeia ist eingezeichnet.

Beim Anklicken des Bildes wird es vergrößert dargestellt.

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Also ich (Laie) erkenne ** im Bereich direkt über den Pappeln links neben dem abgestorbenen Baum ** Cassiopeia nicht. Bei https://de.wikipedia.org/wiki/Kassiopeia_(Sternbild) sieht man ja auch dass die Anordnung (Ausrichtung) je nach “Blickwinkel” (Drehung) unterschiedlich sein kann – und in dem Foto sind doch auch gar keine “zickzackigen” Linien/Erscheinungen.

    Können Sie noch genauer erklären (oder eine kleine Zeichnung machen) wo/wie in dem Foto man sich Cassiopeia “vorzustellen” hat? Danke.

  2. Hallo Herr Krüger,

    zugegeben, das war etwas fies von mir jemandem Sternbilder anhand von Strichspuren zu erklären. Es ist wirklich schwierig auf Anhieb das gesuchte Sternbild zu finden. Ich füge jetzt ein Einzelbild in den Artikel ein, auf dem man Cassiopeia besser erkennt. Die Sterne muss man sich auf dem Strichspurenfoto dann einfach nur noch verlängert vorstellen.

    Viele Grüße
    Kevin Gräff

    • OK – (noch mal) danke .. Kann das jetzt nachvollziehen .. D.h. auch dass sich die Sterne (das Firmament) von links nach rechts gedreht haben (hat) – bzw. (richtiger) die Erde von rechts nach links (d.h. von Deutschland aus gesehen nach Osten).

    • Hallo,

      Ein Graufilter würde tatsächlich eine längere Belichtungszeit ermöglichen und die Sterne als längere Striche erscheinen lassen. Noch besser wäre dann vielleicht sogar ein Grauverlaufsfilter.
      das problem, dass dann aber wieder zuschlägt ist das Kamerarauschen, vor allem wenn der Chip bei langen Belichtungszeiten warm wird. dagegen würde dann wieder ein Darkframe helfen, was mann dann auch wieder mittels Computer vom eigentlichen Bild abziehen müsste…

      Das sind alles probleme, die man mit analogen Kameras nicht hätte ^^

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