Fliegen für die Umwelt?

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Öko-Logisch?

Flugzeug (Foto: O. Fischer/Pixelio)

Auch wenn Billigflieger mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben – sie haben den Kurzstreckenflug populär gemacht. Das ärgert Anwohner von Flughäfen, das versetzt Ökologen und Klimaforscher in Sorge. Alles nur halb so wild, beruhigt die Branche: 20 Milliarden Euro flössen gerade in umweltschonende Techniken, und schon heute sei der Treibstoffverbrauch pro Personenkilometer vergleichbar mit dem Auto. Also alles nur Panikmache?

Haben Sie auch gerade gestaunt? 20 Milliarden Euro für umweltschonende Flugtechniken? So titelte tatsächlich der Bundesverband der deutschen Fluggesellschaften im März anlässlich der internationalen Tourismusbörse in Berlin. Wer dann genauer hinschaute, fand eine geringfügig andere Information: Für die genannte Summe plane die Branche die Anschaffung neuer Flugzeuge – und die seien per se ja ökologischer als die alten.

Nun will ich gar nicht abstreiten, dass moderne Flugzeuge sparsamer sind, so wie auch die deutsche Autoflotte viel weniger Treibstoff braucht als früher. Von ihren Möglichkeiten und vor allem von ökologischer Nachhaltigkeit sind aber beide weit entfernt.

Wahr ist hingegen, dass der Treibstoffverbrauch pro Personenkilometer dem des Autos entspricht. Bloß: Kerosin ist deutlich umweltschädlicher als Benzin oder Diesel. Außerdem setzen Flugzeuge Stickoxid und Wasserstoff in der Atmosphäre frei, wo sie erheblich stärker das Klima anheizen als Kohlendioxid.

Für die eigene Planungssicherheit und zum Schutz vor Klagen äußert die Branche inzwischen Interesse daran, am Handel mit Verschmutzungszertifikaten teilnehmen zu dürfen. Von einer Kerosinsteuer hält man hingegen noch nicht so viel.

Die Fluggesellschaften sind aber nur ein Teil des Problems. Wie immer entscheiden letztlich wir Konsumenten durch die Wahl unserer Reisemittel. Auf Strecken zwischen Flughäfen bieten ICEs inzwischen vergleichbare Reisezeiten – nur die Kosten sind, zumindest für Gelegenheitsreisende ohne Bahncard, oft höher.

Damit wären wir wieder bei Kerosinsteuer und Zertifikatehandel, denn die günstigen Kurzstreckenflüge sind subventioniert, trotz aller Umweltschädlichkeit. Das Umweltbundesamt beziffert zudem die externen Kosten eines Fluges von Berlin nach München mit etwa 1000 Euro je Maschine. Kosten, die nicht der Ticketkäufer, sondern die Allgemeinheit tragen muss. Haben Sie mal gezählt, wie viele Kurzstreckenflüge es täglich innerhalb Deutschlands gibt?

Foto: O. Fischer/Pixelio

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www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

6 Kommentare

  1. Unser Wirtschaftssystem basiert doch darauf, dass die wirklichen Kosten einer Ware oder Dienstleistung in Form von Umweltschäden und anderen gemeinschaftlichen Nachteilen externalisiert werden. Deswegen haben die Fluglinien auch nicht das geringste Interesse an Nachhaltigkeit – wären sie nachhaltig, dann gäbe es sie nicht mehr.

    Insofern ist das notwendigerweise Greenwashing – und wir alle sind aktive Teilhaber der großen Illusion, dass irgendwie schon alles gut wird.

  2. Das wesentlicht was sich ändern muss sind wir. Ohne Kunden kann eine Fluggesellschaft auch nicht existieren. D.h. wenn wir Kurzstreckenflüge vermeiden und ökologischere Alternativen nutzen werden die Fluggesellschaften sich auch auf ökologischere Technik einstellen müssen wenn sie weiter Gewinn machen wollen.

  3. Steuer auf Flugbenzin

    In meinen Augen wird der Weg an einer Besteuerung des Flugbenzins nicht vorbei führen. Natürlich wäre es schön zu sehen, dass die Konsumenten mit der Wahl ihres Fortbewegungsmittels etwas verändern würden. Leider ist aber – und das meine ich nicht böse – der Großteil der Konsumenten primär preisgetrieben… Nachhaltigkeit und Umweltschutz rücken viel zu langsam in den Fokus der Allgemeinheit.

  4. Pro Kilometer / pro Reise

    Dass der Treibstoffverbrauch pro Kilometer bei Flugzeugen und Autos ähnlich ist, mag ja stimmen – aber wer käme schon auf die Idee, eine ein- oder zweiwöchige Urlaubsreise nach Thailand / Kenia / Ägypten… per Auto zu planen? Sowohl im Bereich der Urlaubs- als auch der Geschätsreisen treibt die Nutzung von Flugverkehr die Jahreskilometerzahl nach oben – und damit zwangsläufig den Treibstoffverbrauch. Gegenmassnahme wie besprochen: Faire (Energieverbrauch und Umweltverschmutzung entsprechende) Preisstrukturen durch Marktwirtschaft + international abgestimmte faire Besteuerung.

  5. Nachhaltiger Tourismus

    nachhaltiger Tourismus wird immer wichtiger. Und neue Technologien mache es möglich. Es sollte jedem bewußt werden, inwieweit jeder einzelne dazu beitragen kann.

  6. Fliegen+andere fossile Freuden: JA/NEIN

    Das Fliegen ist nur ein Teil des “globalen Lebensstils”, den die meisten nicht mehr missen wollen.

    Ich bin überzeugt: Besteuerung+Belehrung hilft nicht, denn ein bisschen weniger genügt nicht.

    Eine sich schnell entwickelnde Ölverknappung könnte alles ändern – und zwar gezwungermassen, nicht freiwillig.

    Ohne äusseren Zwang, falls also die Ölversorgung gut bleibt, stellt sich die Frage: Stimmen die Vorhersagen der Klimawissenschaftler?
    Falls die Antwort JA ist, muss das radikale Konsequenzen für das Fliegen haben! Heute warten wir noch zu. Aber irgendwann müssen wir JA oder NEIN sagen.

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