Wolkenstrahlen

Manchmal lohnt es sich ja auch für einen Geognosten, den Blick zum Himmel zu heben. Wolkenstrahlen mögen nichts besonderes sein, aber schön sind sie doch alle mal, finde ich.

Wolkenstrahlen - Crepuscular rays

Wolkenstrahlen oder auch Strahlenbüschel. Die Strahlen sind nur scheinbar ein Kranz um die Sonnenposition hinter den Wolken. In Wirklichkeit sind sie parallel. Eigenes Foto.

Wolkenstrahlen, auch einfach als Strahlenbüschel oder Lichtbüschel bezeichnet, sind eigentlich nicht so selten. Ganz besonders ausgeprägt zeigen sie sich bei tiefem Sonnenstand. Dann können sie sich fast über den ganzen Himmel erstrecken (und wer dann Glück hat, sieht auch die Gegendämmerungsstrahlen am Gegenpunkt der Sonne).

Sie entstehen, wen die Sonne blockiert wird. Das muss nicht unbedingt eine Wolke sein, es funktioniert auch mit Bergen oder anderen Dingen, aber Wolken sind nun einmal häufige Erscheinungen am Himmel.

Sonne, Wolken und Aerosole

Wenn dann noch Streuung des Lichts durch Aerosole, feine Wasser- oder Staubpartikel, deren Abmessungen in etwa der Wellenlänge des Lichts entsprechen, in der Luft hinzukommt, dann haben wir das Rezept für schöne Strahlenbüschel.

Das Licht wird durch die Aerosole gestreut und zum Auge des Betrachters gelenkt. Dieser auch Tyndall-Effekt genannte Vorgang sorgt dafür, dass sich die Lichtstrahlen vom Schatten abheben. Der Effekt sorgt auch für die Lichtkegel von Scheinwerfern im Nebel.

Die Wolkenstrahlen sind dabei eigentlich parallel. Sie erscheinen uns nur so, als wenn die Strahlen einen Kranz um die Sonnenposition bilden. Ungefähr so, wie auch zwei parallele Schienen in der Unendlichkeit aufeinander zuzulaufen scheinen.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Schönes Bild! Ich wusste gar nicht, dass der beschriebene Effekt von John Tyndall entdeckt wurde. Der Name Tyndall war mir bisher nur im Zusammenhang mit der Besteigung des Matterhorns ein Begriff, aber offensichtlich hatte der Mann viele Talente.

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