Wenn der Mond uns sehr viel näher wäre (Video)

BLOG: Mente et Malleo

Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden
Mente et Malleo

Wie wäre es, wenn der Mond uns näher wäre, als er es in Wirklichkeit ist? Also näher als die durchschnittlichen 384 000 Kilometer, die er über unseren Köpfen kreist. Und mit näher meine ich wirklich näher. Sagen wir mal, die Oberfläche des Mondes würde in derselben Entfernung sein, wie die Internationale Raumstation, also satte 420 Kilometer nur. Der Anblick wäre sicher atemberaubend. Und um der Fantasie auf die Sprünge zu helfen, hat der Youtube User yeti dynamics eine faszinierende Animation angefertigt.

Wie wir sehen, wirkt der Mond auf einmal wirklich gigantisch. Statt der uns bekannten und vertrauten Größe von gut 0,5° hätte er eine Größe von sagenhaften 100°. Das ist gut und gerne der halbe Himmel. Wenn der riesige Mond die Sonne bedeckt, ist es auf einen schlag zappenduster. Nur vom Rand her wird die dunkle Seite des Mondes von der Erde beleuchtet, blau vom Meer und grünlich von den Kontinenten her.

Ein Umlauf des Mondes würde in dieser Entfernung nur 90 Minuten dauern, er wäre also schneller als die Rotation der Erde. Daher ginge der Mond auch im Westen auf und im Osten unter. Wir sind es anders herum gewohnt, weil der Mond in seinem normalen Orbit langsamer ist als die Erdumdrehung. Aber auch hier kreist der Mond vom Nordpol aus gesehen entgegen dem Uhrzeigersinn.

Phil Plait zeigt in seinem Blog einige simple Überlegungen, dass der Anblick eines uns so nahen Mondes zwar Unvergleichlich, aber auch nur ein kurzes Vergnügen wäre. Die von ihm verursachten Tiden würden kurzerhand alles in ihrem Weg zermalmen, und die resultierenden Erdbeben und die Aufheizung der Erde würden möglicherweise die Ozeane zum sieden bringen. Und auch für den Mond wäre eine Stippvisite innerhalb der Roche-Grenze der Erde nicht von Dauer. Die Gravitation der Erde würde ihn glatt auseinander reißen.

Trotzdem finde ich die Animation nicht vollkommen übertrieben. Auch wenn der Mond uns also nicht so nahe kommen kann, und uns auch nie so nahe war. So weit wie heute war er auch noch nicht entfernt. Immerhin entfernt er sich pro Jahr rund 3,8 Zentimeter von der Erde. Und zum Zeitpunkt seiner Entstehung im Hadaikum war er nur gut ein Fünftel so weit entfernt wie heute. Wenn man sich also das Video der Animation anschaut, so hat man vielleicht einen leisen Schimmer von der Majestät eines Präkambrischen Mondaufgangs. Wobei man aber auch nicht ganz die Überschlagsrechnungen von Phil Plait vergessen sollte. Der Tidenhub war auch entsprechend größer. Von den Schelfrändern sollte man sich also etwas entfernt halten. Zumindest sollte höheres Land immer in greifbarer Nähe sein. Und die Durchbewegung der noch jüngeren und heißeren Erdkruste dürfte sicher auch einiges an Folgen gehabt haben.

Auf der anderen Seite hat der Mond aber auf diese Weise wie eine gigantische Rührmaschine die frühen irdischen Ozeane immer wieder durchgeschüttelt. Das dürfte einige Auswirkungen auf das gerade entstehende Leben auf unserem Planeten gehabt haben.

Via Bad Astronomy

Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

10 Kommentare

  1. Ein ähnliches Szenario gibt es im Roman The Wanderer (1964, dt. Wanderer im Universum) von Fritz Leiber (seinem Namen zum Trotz ein waschechter Amerikaner). Da taucht ein Raumschiff mit der Form, Größe und Masse eines Planeten in unmittelbarer Nähe der Erde auf (wenn auch deutlich weiter als 400 km entfernt) und sorgt für Erdbeben, Riesenfluten und sonstige Katastrophen.

  2. Trotz der Gefahr von Erdbeben, Fluten, Meteoriteneinschlägen und Supervulkanen sind die Lebensbedingungen hier auf der Erde in den letzten paar Millionen, ja sogar Milliarden Jahren geradezu unheimlich konstant wenn man es vergleicht mit dem was alles möglich wäre. Ein viel enger die Erde umkreisender Mond würde bereits viel stärker schwankende Umweltbedingungen bedeuten. Ein viel kleinerer und weiter weg kreisender Mond genauso, denn der Mond stabilisiert die Erdachse und ohne oder mit kleinerem Mond könnte die Erdachse wild herumtorkeln. Die Position und Grösse des Erdmonds ist nur einer von vielen erdstabilisiernden Faktoren, die insgesamt dafür gesorgt haben, dass das Leben auf der Erde über 4 1/2 Milliarden Jahre nie wirklich gefährdet war – etwas was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn die Erde der einzige von intelligentem Leben bevölkerte Planet dieser Galaxie wäre, selbst wenn es Milliarden von erdähnlichen Planeten in dieser Galaxie gibt.

  3. Ähem, wenn die Mondoberfläche so weit entfernt wäre, wie die ISS, wäre ein Umlauf mitnichten in 90 min. vollendet.

    Schwerpunkt, anyone?

  4. Bei der Entstehung des Mondes vor 4-5 Mrd. Jahren formte der Trabant sich, soweit ich weiß, knapp außerhalb der Roche-Grenze. Durch die Nähe des Mondes müsste es nahezu täglich großräumige Sonnenfinsternisse gegeben haben, ergo eine Reduktion der Sonneneinstrahlung mit entsprechender Auswirkung (Abkühlung) auf das Klima.

    Natürlich war damals die Zusammensetzung der Atmosphere einen andere, und überhaupt waren sämtliche Randbedingungen anders. Z.B. war die Erdrotation natürlich deutlich schneller. Aber ich habe mich manchmal gefragt, welche Auswirkung die reduktion der Sonneneinstrahlung auf das (damalige) Klima hatte, und für wie lange diese Reduktion relevant war. (Bis zum Beginn des Kambriums?)

    Viele Grüße

    • Ich bin mir nicht sicher, ob die häufigeren Sonnenfinsternisse einen messbaren Effekt gehabt haben, zumindest vergleichbar mit der damals ja auch schwächeren Sonne, und der schnelleren Rotation der Erde.

Schreibe einen Kommentar