Roter Ostsee-Quarzporphyr – kristallines Geschiebe des Jahres 2018

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr in kristallines Geschiebe des Jahres, das ich nicht vorenthalten möchte. Der Rote Ostsee-Quarzporphyr. Auch diesmal ist es ein recht auffälliges Gestein, das einem sicher schon einmal beim Wandern über einen Ostseestrand begegnet ist. Seine ziegelrote Farbe und seine feinkörnige Grundmasse machen ihn leicht erkennbar.

Leitgeschiebe aus der Ostsee
Roter Ostseequarzporpyr

Roter Ostseequarzporphy am Strand. Eigenes Foto

Der rote Ostsee-Quarzporphyr ist ein Leitgeschiebe. Das heißt, man kennt sein Herkunftsgebiet, auch wenn es in diesem Fall nicht zugänglich ist. Denn es liegt heute unter der nördlichen Ostsee zwischen Åland und Hiiumaa/Saaremaa .

Es ist seine ziegelrote und sehr feinkörnige Grundmasse, die den Roten Ostsee-Quarzporphyr oft von den umgebenden Gesteinen am Strand abhebt. Wenn dazu noch eckige, oft korrodierte rauchbraune bis glasklare Quarze und viele kleine, ebenfalls ziegelrote und kantige Alkalifeldspäte hinzukommen, kann man sich sicher sein. Die Quarze kann man am Besten auf einer frischen Bruchfläche erkennen. Hier glänzen sie wie kleine Glasscherben. Die ziegelroten Alkalifeldspäte sind die einzigen Feldspateinsprenglinge, die in dem roten Ostsee-Quarzporphyr vorkommen.

Fast immer sind auch dunkle Einschlüsse fremden Gesteins, so genannte Xenolithe zu finden. Sie können durchaus mehrere cm groß sein. Das sind meist Bruchstücke basaltischen Gesteins, das von der Gewalt der Ausbrüche mitgerisssen wurde. Oft befindet sich um die basaltischen Einsprenglinge ein heller Reaktionssaum.

Roter Ostseequarzporphyr

Roter Ostsee-Quarzporphyr. Frische Bruchfläche mit rauchbraunen Quarzen. Eigenes Foto

 

Druckentlastung und Korrosion

Wenn man die Quarze unter einer Lupe betrachtet, kann man oft erkennen, dass sie irgendwie vom Rand her angefressen aussehen. Ihre Ränder sind nicht glatt, sondern es finden sich schlauchförmige Einbuchtungen und Löcher. Dies nennt man magmatische Korrsion. Sie rührt vom schnellen Aufstieg des Magmas her, in dem sich die Quarze gebildet hatten. Während der Druck beim Aufstieg des Magmas abnahm, wurden die gerade gebildeten Quarze instabil und begannen wieder aufzuschmelzen. Etwas später, als die Bedingungen wieder stabiler waren, konnten manche der angelösten Quarze erneut weiter kristallisieren. Die Lösungsspuren wurden überwachsen.

Ignimbrite

Einen Einblick in die Entstehung dieses Gesteins geben Fundstücke, die ein Ignimbritgefüge zeigen (Matthias Bräunlich zeigt auf seiner Webseite einige sehr schöne Exemplare) aufweisen. Ignimbrite sind die Ablagerungen von pyroklastischen Strömen, also extrem explosiven Vulkanausbrüchen, bei denen die abgelagerten Produkte noch so heiß waren, dass sie miteinander verschweißten. Daher auch der deutsche Name Schweißtuff. Die noch weichen, glasigen Bims und Lavapartikel schmiegen sich um feste Gesteinsbruchstücke. Die verschmierten Bimspartikel werden auch als Fiamme bezeichnet.

Herkunft des roten Ostsee-Quarzporphyrs

Da das Herkunfstgebiet unter der heutigen Ostsee versteckt liegt, lässt sich die genaue Herkunft nicht so ohne weiteres feststellen. Doch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit stammen die Geschiebe des roten Ostsee-Quarzporphyrs vom Nordbaltischen Pluton. Dieser liegt zwischen Estland und Åland und gehört zu den Rapakiwimassiven und sein Alter liegt damit bei 1,59 bis 1,54 Mrd. Jahren. Sowohl die Verteilung der Geschiebe des roten Ostseequarzporphyrs als auch die in ihm enthaltenen Xenolithe deuten auf den Nordbaltischen Pluton als Herkunft hin.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

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