Mal was fürs Auge: Unakit

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Heute will ich mal ein etwas ungewöhnliches Gestein vorstellen, das sich in den letzten Jahren auch in der Esoterikszene zunehmender Beliebtheit erfreut. Dort auch unter dem Namen Blumenjaspis (teilweise als Jaspisimitat). Ich habe keine Ahnung, was dort dem Gestein alles angedichtet wird. Mir ist eh schleierhaft, warum man sich nicht auch so an Gesteinen und Minerale erfreuen kann, ohne diesen Hokuspokus. Aber egal. Dieses Gestein hat auch ohne diesen Hokuspokus eine ganz interessante Geschichte.

Eine granitische Gesteinsschmelze kann erstaunliche Mengen, bis zu 10 %, an Wasser enthalten. Wenn die Schmelze langsam erkaltet, sind die daraus entstehenden Minerale aber zum Größten Teil Wasser frei, so dass sich im Laufe des Erkaltens immer mehr Wasser im Magma ansammelt. Ab einem gewissen Punkt ist die Aufnahmefähigkeit der Schmelze zu klein und das Wasser und die Schmelze beginnen zu entmischen. Das Ganze kann man sich in etwa so vorstellen, dass sich in der Schmelze erst kleinere Tröpfchen bilden, die sich anschließend zu größeren Tropfen vereinigen und aufgrund ihrer geringeren Dichte aufzusteigen beginnen. Dieser Vorgang ist von einer enormen Volumenänderung verbunden, denn das Wasser ist unter den magmatischen Bedingungen überkritisch. Es hat dabei ein sehr viel größeres Volumen, als wenn es in der Schmelze gelöst ist. Der dabei entstehende Druck kann das umgebende Gestein zerbrechen und das Magma zum Aufstieg bewegen. Damit kommt diesem Vorgang auch eine fundamentale Bedeutung für den Ausbruch von Vulkanen zu.

Unakit, ein epidotisierter Granit. Rerik, Mecklenburg-Vorpommern. Eigenes Foto.

Aber nicht nur für Knalleffekte ist der Vorgang wichtig. Die entmischenden Flüssigkeiten werden in der Geologie als fluide Phasen bezeichnet, weil nicht nur Wasser, sondern auch CO2 und andere Gase dazu zählen. Sie können große Mengen ökonomisch wichtiger Elemente aufnehmen, die sich dann in der flüssigen Phase anreichern. Dazu zählen unter anderem Kupfer, Blei, Silber und Zinn, aber das wäre ein eigener Blogbeitrag.

Gleichzeitig sind diese Flüssigkeiten aber auch dank ihrer Temperatur von 50 bis 400°C, ihres Gehaltes an verschiedenen Elementen, dissoziiertem Wasser und Kohlendioxid sauer. Sie können das Nebengestein stark verändern, und damit auch den Granit, aus dem sie letztendlich entstanden sind. Viele Minerale, wie beispielsweise Karbonate, Feldspatoide, Plagioklas, Pyroxene, Amphibole und Biotit haben dem nicht viel entgegenzusetzen. Albit, Kalifeldspat und Muskovit sind dagegen vergleichsweise unempfindlich. Der Quarz lässt sich von so etwas niemals stören und bleibt immer so, wie er ist.
Die unterschiedliche Empfindlichkeit der Minerale hat natürlich auch ihre Konsequenzen auf das Aussehen des Gesteins. Einige Minerale lösen sich auf und ihr Platz wird von neu gebildeten Mineralen eingenommen, während die anderen an ihrem Platz bleiben. Ein schönes Beispiel haben wir hier mit dem Unakit. Auch wenn das Gestein uns noch an einen Granit erinnert, so sind doch einige Veränderungen mehr als Auffällig. Die dunklen Minerale wie Biotit und Hornblende oder Plagioklas sind nicht mehr vorhanden. Dafür hat das Gestein eine mehr oder weniger grünliche Färbung angenommen. Das grüne ist das Mineral Epidot, der den Platz des Plagioklases eingenommen hat. Zusammen mit dem fleischfarbenen Kalifeldspat ergibt sich ein wunderschönes Gestein, das besonders poliert seine Wirkung entfaltet. Neben Epidot haben sich auch noch Chlorit und einige andere Minerale neu gebildet, die aber farblich und mengenmäßig nicht ins Auge fallen. Wir haben also hier einen Granit vor uns, der im eigenen Saft geschmort wurde. Der Vorgang ist eine Metasomatose und wird als Vergrünung oder Propylitisierung bezeichnet und lässt sich in mehr oder weniger starker Ausprägung sehr häufig finden. Wer sich einmal verschiedene Granite, beispielsweise auf einem Strandspaziergang anschaut, wird immer wieder Bereiche finden, an denen der grüne Epidot den Plagioklas ersetzt. Das abgebildete Gestein stammt vom Strand bei Rerik in Mecklenburg-Vorpommern.

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

6 Kommentare

  1. Das i zu mir und eine Frage

    Wenn ich das richtig verstehe, entstand Unakit aus Granit und ist kein Jaspis? Und was ist das Rote im bildschönen Stein für ein Mineral?
    (Bin höchstens mit Viertelwissen ausgestattet, weil ich Schmuck selbst herstelle und mit den unterschiedlichen Benennungen öfter einmal überfordert.)
    mfg Martina

  2. @ Martina

    Nein, das war wirklich mal ein relativ normaler Granit. Jaspis ist etwas anderes. Mit Jaspis wird eine sehr feinkörnige (mikrokristalline) Form von Quarz bezeichnet. Aber mit Jaspis werden auch ein Haufen anderer Steine betitelt, besonders vom Handel. Unser Unakit ist ein Gestein, das aus Quarz, Kalifeldspat und Epidot sowie einigen weiteren Mineralen besteht. Das rote sind die Kalifeldspäte. Die überleben das Schmoren im eigenen Saft fast unbeschadet. Die mit ihnen verwandten Plagioklase hingegen haben sich aufgelöst und dem Epidot platz gemacht.
    Ich denke, dass sich Unakit ziemlich gut als Schmuckstein eignet. Er lässt sich gut polieren und seine Farbe ist, wie ich finde, sehr hübsch.

  3. Schuck

    Danke, Gunnar –
    und wie er sich als Schmuckstein eignet, auch als Ring, nicht nur als Armband oder Kugelkette. Es gibt herrliche Farbspiele und nicht nur bei Unakit. Ich suche immer noch einen Juwelier, der mir meinen schönsten Granit bezahlbar in Silber fasst – und das wäre ein echtes Unikat (ist klein, schon abgerundet, nur unregelmäßiger als ich das hinbekäme).
    Hoffentlich folgen noch weitere, ähnliche Artikel 🙂

  4. Pingback:Epidot – Mineralogisches Alphabet E › Mente et Malleo › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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