Boden – mehr als der Dreck unter unseren Füßen!

Boden

Wir treten ihn tagtäglich mit den Füßen – Boden. Dabei sollten wir ihm mehr Aufmerksamkeit schenken. Immerhin ist er im wahrsten Sinne des Wortes unsere Grundlage. Ihm verdanken wir den größten Teil unserer Nahrung. Er reinigt unser Grundwasser, er schützt uns vor Hochwasser. In er kann so viel mehr. Zeit, dass wir ihn uns einmal etwas genauer anschauen.

Dieses Video vom Land Oberösterreich zeigt sehr schön anschaulich, was sich unter unseren Füßen so alles abspielt. Das ist nicht wenig.

Was uns als ein paar Erdkrümel erscheint, ist eine Welt voller Leben. Auf einem Quadratmeter Boden können mehr Lebewesen leben, als Menschen auf der Erde. OK, die allermeisten davon sind nur unter einem Mikroskop zu sehen, aber darum sind sie nicht unwichtig. Diese hochkomplexe Lebewelt ist es, die den Boden erst zu einem Boden macht.

Boden ist im Prinzip nichts als die Durchdringung der Gesteinsschale der Erde mit der Sphäre der Lebewesen. Sobald Gesteine an der Oberfläche anstehen, setzt auch die Bodenbildung ein. Die physikalische und chemische Verwitterung beginnen, das Gestein zu zerkleinern und Stoffe aus ihm zu lösen. Das ist im Prinzip dem Kochen von Kaffee nicht ganz unähnlich. So wie das Mahlwerk (physikalische Verwitterung) die Kaffebohnen zerkleinert und das (heiße) Wasser die für uns interessanten Stoffe daraus löst (chemische Verwitterung), so funktioniert das auch in der Natur.

Allerdings sind auch hier immer wieder gerne Lebewesen mit von der Partie, denn die Spalten im Gestein versprechen geschützten Lebensraum und die Stoffe darin sicher das Überleben. Es ist also kein Wunder, wenn die verschiedenen Lebewesen auch jede Menge Strategien entwickelt haben, um der physikalischen und chemischen Verwitterung (aka: Bodenbildung) unter die Arme zu greifen. Das beschleunigt die Vorgänge zwar, aber eben nur aus der Sicht von Geologen oder Bodenkundlern. Um ca. 10 cm Boden zu bilden, braucht es immer noch gut 1000 Jahre. Ein guter Grund, etwas sorgsamer mit dieser Ressource umzugehen, wie ich finde.

Denn wir gehen nicht immer sorgsam damit um. Der Flächenverbrauch für Siedlungen, Gewerbe und Infrastruktur ist enorm, auch wenn es Anstrengungen gibt, das etwas zu reduzieren. Es ist leider immer noch billiger und einfacher, neuen Boden zu versiegeln, als Flächen zu recyceln. Denn auch das geht, einmal verbaute Flächen für eine erneute Nutzung wieder herzurichten. Da müssen oft allerdings erst einmal teuer die alten Hinterlassenschaften saniert werden. Altlasten machen das teurer, als es nötig wäre. Neues Land ist billiger. Zumindest wenn man kurzfristig denkt.

Denn unversiegelter, gesunder Boden ist enorm wichtig. Das sieht man daran, dass ein Quadratmeter gesunder Boden problemlos 250 l Wasser aufnehmen kann. Das entspricht rund einer Badewanne. Was da der Unterschied zu versiegelten oder verdichteten Bodenflächen ist, kann man gut bei Starkregenereignissen beobachten.

Vielleicht sollten wir beim nächsten Spaziergang doch mal den Blick vor unsere Füße lenken – auf den Boden.


Gunnar Ries

Gunnar Ries studierte in Hamburg Mineralogie und promovierte dort am Geologisch-Paläontologischen Institut und Museum über das Verwitterungsverhalten ostafrikanischer Karbonatite. Er arbeitet bei der CRB Analyse Service GmbH in Hardegsen. Hier geäußerte Meinungen sind meine eigenen

4 Kommentare

  1. “Schönes” Video .. In Anführungszeichen, weil es mich auch an den Spruch ** “Verzehren” und “verzehrt” werden ** erinnerte .. Dazu noch das (etwas off topic, da mehr “Animalo- & Humano-” statt Mineralogie) .. Mutter Natur .. Ab 1:09:35 dann Schwerpunkt Mensch .. Untertitel nicht verfügbar, größtenteils aber doch recht verständlich worum es geht .. Ggfls. kann man ja Herrn Schleim kontaktieren .. 😉 ..

    https://www.youtube.com/watch?v=_Af7FQUbg5g
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fressen_und_gefressen_werden

  2. Das Dominium Terrae bleibt zu entdecken, auch als unseres, sofern Trockennasenprimaten gemeint sind, Kompendium beachtenswert bleibend,
    es darf bemerkt bleiben, dass Muttererde hier gemeinten Veranstaltungsgrund darstellt.

    MFG, einen schönen März und ein schönes Wochenende,
    Dr. Webbaer

  3. Ein sehr interessanter Film, der deutlich macht wie wichtig das Bodenleben für unsere Pflanzen ist. Busentierchen kannte ich noch nicht, zumindest nicht die, die im Boden leben. Der Name lies mich zuerst an Lebewesen mit hochhackigen Schuhen denken, die das Fernsehen bei bestimmten Events zeigt, wenn sie über rote Teppiche laufen. Aber nein, die heißen ja auch nicht Busentierchen, sondern Busenwunder. 🙂

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