Und wer bezahlt für Internet-Inhalte?

Die Internetnutzer haben sich an die Kostenlos-Mentalität gewöhnt. Zahllose Inhalte und Dienstleistungen sind frei verfügbar. Gilt also für Schreiber im Internet nicht mehr das Prinzip, dass gute Leistung entlohnt werden sollte? Eine Antwort auf den Streikaufruf meiner Co-Bloggerin Trota von Berlin.

Schon auf dem ersten SciLogs-Bloggertreffen im März 2008 haben wir die Frage diskutiert, wie sich die Blogs finanziell zumindest selbst tragen können oder sich mit ihnen gar Gewinne erzielen lassen. Einerseits würde es natürlich die Blogger freuen, fürs Schreiben bezahlt zu werden; andererseits dürfte die unbezahlte Konkurrenz auch so manchen Berufsjournalisten beunruhigen. Untergraben wir womöglich ihre Arbeitsgrundlage, indem wir der Allgemeinheit Inhalte aus ihrem Ressort zum Nulltarif anbieten? Ohne den redaktionellen Umweg sind wir dabei vielleicht sogar schneller oder als Experten unseres Themengebiets auf einem höheren Niveau.

„Gute Arbeit für gutes Geld“ lautet ein beliebter Slogan zahlreicher Politiker und Gewerkschafter. (Trota von Berlin)

Die Frage stand auf dem zweiten Bloggertreffen nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen ging es beispielsweise in einem Vortrag des FAZ-Ressortleiters Joachim Müller-Jung plötzlich um das Überleben von Wissenschaftsredaktionen. Als Folge der Finanzkrise hätten selbst große Verlage und Medienhäuser ihre Wissenschaftsprogramme ersatzlos gestrichen. Wenn schon Professionelle mit ihren Bemühungen scheitern, wer würde dann uns Amateurschreiber bezahlen wollen? Womöglich hält die Allgemeinheit die Wissenschaftsnachrichten auch gar nicht für so wichtig, wie wir Akademiker uns das wünschen. Auf dem dritten Bloggertreffen wurden die Finanzen zumindest aus Sicht des Bloggers meines Wissens schon gar nicht mehr diskutiert.

Mit Vergleichen zum jüngsten Ärztestreik in Deutschland und unter Verweis auf den Beitrag von Bloggern zum Allgemeinwohl ruft jetzt meine Co-Bloggerin Trota von Berlin zu einem Bloggerstreik auf. Schließlich solle es für gute Arbeit auch gutes Geld geben. Dagegen lässt sich im Prinzip wenig sagen; auch sind die Benutzer- und Zugriffszahlen, auf die Trota verweist, nicht zu verachten – mehr als zwei Millionen TeilnehmerInnen würden sich in der deutschen Blogosphäre tummeln. Teilt man diese aber auf die angeblichen 880.000 Blogger auf, dann sehen die Zahlen zumindest für die meisten von uns ganz anders aus.

Beim wissenschaftlichen Publizieren ist es eher die Regel, dass die Autoren keine finanzielle Entlohnung erhalten.

Die Diskussion der Bezahlung von Bloggern wirft zudem die Frage auf, wer für uns bezahlen soll. Am Nächsten liegen natürlich die Leserinnen und Leser. Aber mal Hand aufs Herz: Wer von uns gehört nicht selbst zu den Inhalteschmarotzern, die sich an die Kostenlos-Mentalität im Internet gewöhnt haben? Wie viele bezahlen regelmäßig für Premium-Angebote? Mit unseren Nutzungsgebühren bezahlen wir gewissermaßen nur die Flaschen und nicht den Wein, der in ihnen ist. Im Gegensatz zu Materialgütern ist der Inhalt aber auch nicht weg, wenn ihn jemand konsumiert; im Gegenteil können durch Kommentare oder andere Formen von Beiträgen die Leser wiederum selbst neue Inhalte zur Verfügung stellen. Die Internet-Konsumption kann also die Inhalte sogar vermehren – und wenn der Zuwachs auch nur darin besteht, seine Freunde in sozialen Netzwerken auf einen interessanten Beitrag hinzuweisen.

Weniger ökonomisches Denken

Davon abgesehen gibt es durchaus Portale, in denen die Autoren für ihre Beiträge wenigstens ein Taschengeld erhalten. Oft stehen dahinter größere Medienhäuser, die sich die Blogs zur Aufwertung ihrer Marke halten oder schlicht nicht das Risiko eingehen wollen, einen neuen Trend zu verpassen. Eine finanzträchtige Alternative könnte außerdem darin bestehen, Öffentlichkeitsarbeit für eine bestimmte Interessengruppe zu leisten, die sich die positive Publicity etwas kosten lässt. Damit wäre aber die Idee eines unabhängigen und möglichst freien Bloggers passé. Wirklich Geld verdienen dürften nur die wenigsten mit ihren Blogs, was im Übrigen auch für andere Bereiche des Publizierens gilt – man denke nur an das Standardmodell wissenschaftlicher Veröffentlichungen, an dem vor allem die Verlage, kaum aber die Autoren selbst verdienen; mit dem Open Access-Modell steht hier aber schon eine Alternative vor der Tür, bei der es nicht um die Steigerung von Einnahmen geht, sondern vor allem um die Kostendeckung und freien Zugang für alle.

Vielleicht lassen sich über gemeinschaftliche Institutionen diejenigen entlohnen, die einen aktiven Beitrag zur Wissensgesellschaft leisten.

Dementsprechend bin ich gegen eine Ökonomisierung des Blogschreibens. Ich zähle mich selbst gerne zu den Inhalteschmarotzern, möchte umgekehrt aber auch selbst einen inhaltlichen Beitrag leisten und lade die ganze Welt dazu ein, diesen weiter zu diskutieren. Dafür genieße ich auch Freiheiten, die ein beruflicher Schreiber mehr oder weniger aufgeben muss. Geht es mir um eine stärkere Verbreitung, professionelle Betreuung oder finanzielle Entlohnung, steht mir der Weg frei, mich mit meinen Ideen bei einer Redaktion zu bewerben – mit allen Vor- und Nachteilen, die das für mich birgt. Vor allem geht damit aber auch eine wesentlich stärkere Zeitinvestition einher.

Gleichzeitig bin ich der Idee nicht abgeneigt, über gemeinschaftliche Institutionen diejenigen zu entlohnen, die sich aktiv an der Wissensgesellschaft beteiligen. In Deutschland hat die VGWort ein dem Kopierpfennig entsprechendes Modell für Online-Autoren auf die Beine gestellt, an dem sich auch Blogger beteiligen können. Leider ist daraus ein bürokratisches Monster geworden, das zumindest aus meiner Sicht den Aufwand für die müden paar Euro nicht rechtfertigt. Denkt man die Vergemeinschaftlichung und Entökonomisierung noch einen Schritt weiter, dann kommt man vielleicht auf das Modell einer negativen Einkommensteuer, das hin und wieder in politischen Diskussionen aufflammt. Die Idee sprengt den Rahmen dieses Blogs. Ich denke aber, dass unser enormer industrieller und technischer Fortschritt uns heute einen hohen Lebensstandard ermöglicht, der die Bedeutung ökonomischen Denkens für menschliches Handeln relativiert. Ist Freiheit nicht vielmehr ein Luxus, der sich nicht mit Geld aufwiegen lässt?

Postscriptum In meinem Mittagstief habe ich mir mithilfe eines Schokoladen-Muffins sowie eines Bechers Kaffee für zusammen €1,85 meine Motivation fürs Schreiben hochgepuscht. Erstattet mir jemand diese Ausgaben?

Foto: © M. Großmann (Grossi1985) / PIXELIO

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Blogger und kein Journalist

    Ich glaube, dass diese ganze Blog-Geschichte ohnehin noch zu jung ist, um da jetzt schon genau beurteilen zu können, wohin die Reise geht.
    Und warum muss es immer gleich in Richtung Journalismus gehen? Ich bin keiner. Ich bin Blogger. Und das verdammt gerne. Auch wenn meine Artikel vermutlich keiner journalistischen Prüfung standhalten würden, schreibe ich keinen Quatsch (hoffe zumindest, dass ich keinen schreibe^^).
    Und ich hatte schon bei Trota geschrieben, dass das für mich auch noch so eine Art Beta-Phase ist. Keine Ahnung, wohin mich das noch führen wird. Ist Bloggen auch Eigenwerbung? Oder schadet es sogar? Keine Ahnung. Aber das müssen wir erstmal rausfinden…
    Und irgendwann kann man dann auch mal über Geld nachdenken.

  2. Bezahle Information mit Information

    Wenn ich in Wikipedia oder in Diskussionsforen lese und schreibe, dann bezahle ich die Informationen die ich lese mit den Informationen die ich schreibe.

  3. Information, die mit Arbeit oder Forschung gewonnen wird und Anderen nützt, sollte durchaus bezahlt werden. Informationen, die gefunden sind oder die der Einflussnahme oder Meinungsbildung dienen, wohl nicht.

  4. Frage von institutioneller Verankerung

    Wie schon mehrfach festgestellt, ist die Bestreikung des Blogschreibens nicht sinnvoll, denn a) die Gesellschaft interessiert es nicht, nicht so wie bei Ärzten oder Lehrern, b) es fehlt eine institutionelle Struktur in der Blogosphäre, damit sich Wirkung überhaupt entfalten kann. Was heißt Punkt b? Es sind überwiegend Privatleute, die Blogs betreiben. Es ist ihre private Angelegenheit. Im Besten Fall können sie sich zu Freiberuflern entwicklen – mit dem gesamten unternehmerischen Risiko. Die Blogosphäre hat keine über Jahre gewachsene institutionelle Struktur wie die Verlagsbranche und DAS ist der Unterschied. Mit Blogs kann man entweder durch Abonnementzugänge (paid content), Micropayment, Spenden oder auch über VG Wort (dafür gewisse Mindestanforderungen notwendig) Geld verdienen. Jedem sei es seine private Entscheidung: alleine weiterzumachen, unbezahlt oder ein Geschäftsmodell zu entwickeln oder eben eine Struktur (Art Verlag z. B.) aufzubauen. Nur zu: Kreativität entwicklen, einen unternehmerischen Sinn entwicklen. Aber Blogs sind für die Gesamtgesellschaft nicht notwendig. Stichprobenartig einfach mal Mitmenschen fragen, die nicht bloggen, denn sie machen den Großteil der Gesellschaft aus. Es ist letztlich auch eine Frage der Selbstreflexion, der Eigenwahrnehmung seines Platzes, der m. M. nach oft auch überschätzt wird.
    p. s. für den Einbau von Zählmarken der VG Wort in Blogs hat Elke Fleing eine gute Anleitung geschrieben: http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&site=digiwis.wordpress.com&url=http%3A%2F%2Fberufung-selbststaendig.de%2F2010%2F04%2F11%2Fausfuhrliche-anleitung-wie-ihr-als-autor-tantiemen-fur-online-texte-von-der-vg-wort-bekommt%2F&sref=http%3A%2F%2Fdigiwis.wordpress.com%2F

  5. … Belohnung und Entlohnung

    Hallo,

    ich bin ein Gegner der „billig will ich“ oder „umsonst bekommst Du“ Mentalität, genauso wie ich ein Gegner des bedingungslosen „Leistung gegen Geld“ Charakters! Hinter beidem sehe ich die Vorherrschaft der absoluten Marktorientierung (als Konsequenz der Gewinnmaximierung … Wachstum). „Märkte“ scheinen mir bereits als Basis des gesellschaftlichen Miteinanders instituiert zu sein, vor allem wenn in den Grundfesten des gesellschaftlichen Handelns z. B. aus Hilfsbedürftigen (Hilfesuchenden) Kunden werden …

    Ich habe keine Idee, wie sich diese materiell leistungsorientierte Gesellschaft in eine gütig (im Sinne von entgegenkommend, hilfsbereit, tolerant …) engagierte Gesellschaft wandeln könnte, ohne das es wiederum nur darauf hinaus läuft, dass dieses (durchaus auch sehr soziale) Engagement die Gesellschaft selbst versklavt – wie es mit der Leistungsorientierung geschehen ist. Sicher, Überleben will und muss jeder, und in fast allen Gesellschaften ist Geld nun mal der „Wechsel“, mit dem jeder die benötigten Überlebensmöglichkeiten eintauschen muss. Die Natur ist bedingungslos auf „Sparsamkeit“ ausgelegt: Entwicklung (Evolution) mit minimalem Aufwand.

    Das war jetzt ein großer Umweg hin zum Thema. Vielleicht hat das Engagement im Internet einfach mit dem Gedanken zu tun: „ … warum mache ich das alles überhaupt …“ … „ … was ist mir das alles Wert …“. Die Spanne ist groß. Die meisten engagieren sich, ohne davon Leben zu müssen, andere machen es zum Beruf, wollen (oder müssen) davon ihr Leben finanzieren. Es geht um Belohnung und/oder Entlohnung, oder Schlicht und einfach um eine (finanzielle) Lebensgrundlage. Information (nur) gegen Bezahlung führt leicht, wie gehabt zu einer Marktorientierung, Leistungsbewertung und (in finanzieller) Abhängigkeit. Das Internet als gänzlich unabhängige Plattform hat Konsequenzen … auch die, sich von jeglicher Leistungsorientierung zu befreien, ohne den Auswüchsen Vorschub zu gewähren, das alles auf der Welt „für nichts“ zu haben ist …

    mfG

  6. Abwärtsspirale

    Für die schlechte Wirtschaftslage und damit ausfallenden Werbeeinnahmen kann man das Internet wohl kaum allein verantwortlich machen.
    Je schlechter die finanzielle Situation der Printmedien und Journalisten, desto stärker erschüttert das die Qualität in diesem Bereich, und desto anfälliger wird er für Korruption bzw. verdeckte PR und Gefälligkeitsjournalismus. Doch selbst die finanziell kerngesunde ZEIT baut ihr ZEIT-Magazin immer wieder völlig schamlos um Uhrenreklamen herum auf (http://www.spiegelblog.net/die-zeit-uber-luxusuhr-schreiben-und-gleichzeitig-dafur-werben.html) Damit verliert die etablierte Presse ihr Qualitätsargument, verliert an Lesern und Einnahmen und wird noch einheitlicher und konformer.
    Ich glaube, dass die Blogs den klassischen Medien weniger schaden als sie einem unabhängigen Meinungsmarkt nutzen.
    Ein Vergütungssystem wie das von der VG Wort hat zumindest den Vorteil der Anonymität. Individuelles Micropayment lässt dann ja doch wieder nachhalten, wer wann welchen Artikel gelesen hat. Und das ist für die Meinungsfreiheit ungleich gefährlicher – meiner Meinung nach.

  7. Wer zahlt?

    Inhalte im Internet/WWW kosten Geld! Nur wer dieses Bereitstellt ist oft nicht ersichtlich.

    Der Leser zahlt in den seltensten Fällen. Das ist sicher auch der Schlüssel zum Erfolg.

    Ein Beispiel: Zusammen mit einem Kollegen habe ich eine 5-stellige Euro-Summe in den letzten 10 Jahren privat investiert, um im Informationen im Internet anzubieten (Hosting, Webdesign, Content Management, etc. für http://www.migraine-aura.org).

    Das ist nur ein Beispiel, aber sicher ist der Betrag nicht unrealistisch, ja eher äußerst günstig für einen halbwegs professionellen Internetauftritt.

    Für mich ist das ein Hobby, vielleicht vergleichbar teuer wie Skifahren.

    Das ich als Blogger bei den SciLogs wenigstens nicht noch selber Geld investieren muss, und dafür einen tollen Service völlig frei genieße, ist bemerkenswert!!!

    Insofern fühle ich mich bezahlt. Denn wer bekommt schon seinen Skiurlaub geschenkt?

  8. Einspruch!

    Was für eine Antwort auf meinen „Streikaufruf“! 😉 Nicht mal in den Hungerstreik bist du aus Solidarität getreten, was soll da nur aus der Blogosphäre werden… Trotzdem stimme dir (und den Kommentatoren) im Großen und Ganzen zu. Schließlich ist Bloggen für die meisten Blogger ein Hobby und das ist auch gut so.

    Aber was die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Medienlandschaft betrifft, muss ich ganz klar Einspruch erheben.

    “Als Folge der Finanzkrise hätten selbst große Verlage und
    Medienhäuser ihre Wissenschaftsprogramme ersatzlos gestrichen.”

    Das mag schon stimmen, andererseits wächst der Bedarf der öffentlichen Diskussion über wissenschaftliche Themen, z.B. Bio- und Gentechnologie, Medizin, naturwissenschaftliche Forschung, Gesundheit, Klimawandel etc. ständig  (Blöbaum, et al. 2003)  . So hat die Bertelsmann-Verlagsgruppe erfolgreich ihre Wissenschaftsprogramme ausgebaut (z.B. Geo, P.M. Magazin) und der Bedarf an qualifizierten Wissenschaftsjournalisten wächst sogar. Auch wenn Lars völlig recht hat und man die wichtigsten Dinge im Leben nicht für Geld tut, hat Qualität dennoch ihren Preis.

    Aber damit wären wir dann wieder beim Hobby und dem Beruf. So wie Markus es geschrieben hat – Es ist ja auch ein Unterschied, ob ich Skiurlaub mache oder als Skilehrer arbeite.

  9. Journalisten sollten streiken!

    Ob Blogger streiken oder nicht, ist nicht von großem Belang. Meist sitzen sie schließlich ohnehin nicht an der Quelle der Informationen.

    Viel wichtiger: Die Journalisten sollten streiken. Nur einen Tag lang, aber alle! Erst dann würde die gesamte Gesellschaft merken, was Journalismus wert ist. Einen Tag ohne Nachrichten im Netz, ein Tag der leeren Portale, weißer Zeitungsseiten. Wir Journalisten – Im Gegensatz zu den meisten Bloggern in diesem Portal bin ich hauptberuflicher Journalist – sind bisher unfähig, der Gesellschaft unseren Wert zu demonstrieren. Wir lassen uns gefallen, dass unsere Arbeit im Internet praktisch verschenkt wird.
    Die Bloggerei (vor allem politische Blogs) ist zum allergrößten Teil überhaupt nur möglich, weil es professionelle Journalisten gibt. Ohne funktionierenden Journalismus, der von seinen Nutzern bezahlt werden muss, kann es kaum gute Blogs geben.
    Erst muss der Journalismus gerettet werden, dann kann man über die finanziellen Seiten des Bloggens nachdenken.

  10. @Markus Dahlem: Bravo!

    Das ich als Blogger bei den SciLogs wenigstens nicht noch selber Geld investieren muss, und dafür einen tollen Service völlig frei genieße, ist bemerkenswert!!! Insofern fühle ich mich bezahlt. Denn wer bekommt schon seinen Skiurlaub geschenkt?

    Eine hervorragende Anmerkung.

    Allein die Tatsache, dass ich, wenn mal was nicht geht, mich gar nicht ärgern oder aufregen muss, sondern einfach an Martin Huhn eine e-mail schreibe: “Eh, Martin, das geht nicht, kannst du mal schauen?”, und kurz danach kommt die Antwort “Jetzt geht’s” oder “Du musst das und das machen …” oder “Das ist ein Bug, es geht halt nicht.” (Letzteres ist hilfreich, weil es einem die Mühe der Fehlersuche abnimmt), ist mir wirklich was wert.

    Erstens gilt “Time is money”.

    Zweitens gehoere ich zu der Minderheit, die sich nicht gern mit Softwareproblemen herumschlägt. Sowas ist für mich Stress, und zwar die Art von Stress, die die Laune verschlechtert, die Lebensqualität verringert, die Haare grau macht und, wer weiß, am Ende gar die Lebensdauer verkürzt. Dass ich diese Art von Stress einfach anderswo abladen kann, stellt für mich einen erheblichen geldwerten Vorteil dar.

  11. Kommentatorenstreik

    Ich lese Blogs gerne, weil sie nicht wie journalistische Texte nur zum reinen Konsum vorgesetzt werden, sondern zum Kommentieren verleiten. Oft ist es so, dass der Blogger mit seinem Beitrag einfach zu einer Diskussion einlädt und die eigentlichen Inhalte dann von kommentatoren beigesteuert werden. Es ist nicht selten, dass die Kommentare mehr Substanz haben, als die eigentlichen Beiträge. Das ist keine Kritik an Blogs, ganz im Gegenteil: Blogbeitrag und Kommentare sind quasi ein Gesamtkunstwerk. Wenn man es so sieht, wäre der nächste logische Schritt zu fragen, wer eigentlich die tapferen Kommentatoren bezahlt. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass wir alle fürs bloße Denken bezahlt werden wollen, als ob wir nicht gerne und freiwillig denken würden!

  12. @ Dahlem, Kahn: Service statt Honorar

    Ich schätze auch den Service sehr, den wir als BloggerInnen zur Verfügung gestellt bekommen.

    Die Analogie zum geschenkten Skiurlaub kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Schließlich könnte man den genießen, ohne konstant neue Schreibarbeit investieren zu müssen, oder?

    Ich glaube, da habe ich nun eine Mittelposition. Schließlich will ich den Standpunkt nicht aufgeben, dass gute Leistung entlohnt wird (Trota), halte es aufgrund der Lage aber einfach unter den gegebenen Umständen nicht für realistisch, die Lage zu ändern (siehe Text). Wenn sich nun herausstellen sollte, dass der Spektrum Verlag mit den Blogs ordentlich Geld scheffelt, müssten wir die Bedingungen meines Erachtens neu aushandeln, denn schließlich liefern wir ja die Inhalte, ohne die diese Infrastruktur nichts bringen würde.

  13. Skifahren oder Schreiben.

    @Stephan Schleim

    Mein Vergleich basiert auf meinem Unwillen Skizufahren und der Freude am Schreiben.

    Wenn mir also jemand die Möglichkeit gäbe,
    zwei Wochen lang eine der beiden Tätigkeiten nachzugehen, dann ist meine Wahl einfach.

    Das meinte ich mit Hobby. Normalerweise entstehen Kosten, wenn man seinem Hobby nachgeht. Ein Teil davon wird nun von Spektrum-Verlag getragen. Laptop, Bücher und vieles mehr muss ich natürlich selber zahlen.

    Ich habe auch von Zeitschriften Honorare bekommen, was natürlich noch besser ist.

  14. Geld regiert die Welt

    Dieser Artikel beweist einmal mehr, dass Wissenschaftler auch keine besseren Menschen sind als Banker, Bonzen oder Putzfrauen.

    Geld ist alles was zählt. Egal bei wem, wann, wo, in welcher Schicht oder sozialen Lage, in welchem Land oder in welchem Reichtum oder Armut.

    Mehr, mehr mehr!

  15. @ Timo: Mehr, mehr, mehr Muffins?

    Dann haben Sie den Artikel aber a) anders gelesen, als ich ihn gemeint habe und b) anders, als alle anderen ihn bisher verstanden zu haben scheinen.

    Ich habe doch gerade einmal danach gefragt, ob mir jemand meinen Kaffee sowie den Muffin für zusammen €1,85 erstattet, die ich für diesen Beitrag verbraucht habe. Mehr Kaffee und Muffins will ich gar nicht.

    (Übrigens hat sich bisher leider noch keiner gefunden; Lars Fischer hat lediglich für das kommende Bloggertreffen ein paar Muffins in Aussicht gestellt. Das ist aber wohl erst im März.)

  16. Die “Bezahlung” für Blogs ist zunächst mal Aufmerksamkeit. Ob diese nun Lohn genug für den Bloggenden (und auch die Kommentatoren) ist oder sich ein Geschäftsmodell anschließt, ist eine Frage der Motivation.

  17. @ Jan

    Worauf berufen Sie sich da?

    Meines Erachtens funktioniert dieses Modell vor allem für Größen wie Amazon, Facebook, Google usw.

    Was kann aber ein einzelner Blogschreiber an Einkünften erwarten?

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