Studie schätzt: 30% der Frauen waren schon Opfer von Partnergewalt

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Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft
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Eine neue Publikation in Science fasst Daten aus mehr als einhundert Einzelstudien zusammen und schätzt, dass beinahe jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens schon einmal körperliche oder sexuelle Partnergewalt erlebt hat. Die Forscherinnen und Forscher weisen nicht nur auf ernsthafte Folgeprobleme dieser Gewalterfahrungen hin, sondern machen auch Vorschläge zur Verbesserung der Situation.

Seit genau einer Woche bin ich nun wieder in München. Nach der Professur im Wintersemester diesmal aber (fast) nur zum Forschen. Dementsprechend habe ich mich heute, nach Erledigung einiger organisatorischer Dinge in den letzten Tagen, intensiv durch Literaturdatenbanken geklickt. Ach ja, und ich kam natürlich gerade erst von einer Gastvorlesung an der Universität Würzburg zurück, wo man mich stundenlang über Menschenbild und Hirnforschung ausgequetscht hat.

Jedenfalls kam ich bei der Recherche auch auf die heutige Ausgabe von Science, in der es wieder eine Rezension des neuro-kritischen Buchs „Brainwashed“ gab. Allerdings ist dies eine eher negative; die erste negative, wie mir einer der Autoren, der Psychologieprofessor Scott Lilienfeld von der Emory Universität in Atlanta gerade via E-Mail mitteilte.

Partnergewalt gegen Frauen

In ebendieser Ausgabe von Science findet sich dann auch ein Artikel im sogenannten Policy Forum, in dem es um die globale Häufigkeit von Partnergewalt gegen Frauen geht; im Englischen nennt sich das dann Intimate Partner Violence against Women, abgekürzt IPV. Mich überraschte, dass ich von dieser Arbeit nicht schon durch die Medien erfahren hatte.

Normalerweise werden Journalisten lange vorher auf die nächsten Ausgaben der Mainstream-Zeitschriften wie Nature und Science vorbereitet, damit es passend zu den wissenschaftlichen Veröffentlichungen gleich weltweite Presse-Aufmerksamkeit gibt. Mitunter erfahren Presseleute die Befunde schon lange vor der wissenschaftlichen Community.

Doch Stille im Blätterwald

Also schaute ich immer wieder einmal auf führende deutsche Nachrichtenseiten, als ich heute mit dem Downloaden und Lesen von Fachaufsätzen beschäftigt war. Da kamen Berichte über Snowden und Datensicherheit, Merkel und den Lobbyismus oder hungernde Asylbewerber in München auf die Titelseite.

Am Abend dann auch ein paar Frauen – es sind jedoch keine Opfer von Gewalt, sondern im Gegenteil protestierende Wutbürgerinnen aus Ägypten, die mit Postern und Karten Präsident Mursi attackieren. Dann auf der Seite der Süddeutschen – erst ein Bericht über Prostitution, doch dabei geht es um einen Mann; und immerhin auch ein Text über Sexismus in der Werbung anlässlich der Grillwürste für Männer und Frauen, die bei Edeka verkauft werden.

Was ist nach dem #Aufschrei nur mit den deutschen Medien passiert (Sexismus in der Sexismus-Debatte; Der Herrenwitz und die Sozialpsychologie)? Hat das Thema der Benachteiligung von Frauen plötzlich keinen Neuheitswert mehr?

Große Meta-Analyse

Dann schreibe ich jetzt eben selbst über diesen Bericht von Forscherinnen und Forschern des Gender Violence and Health Center in London, an dem auch Angestellte der Weltgesundheitsorganisation mitgewirkt haben. Sie haben Daten von 141 Studien aus 81 Ländern zusammengefasst, um eine Schätzung darüber abzugeben, wie viele Frauen von Partnergewalt betroffen sind.

Die Erhebungen dieser Einzelstudien, die in der Meta-Analyse zusammengefasst werden, gehen in Einzelfällen bis ins Jahr 1983 zurück, beinhalten zu 96% aber Daten seit 1999. 80% davon basieren auf dem, was die Autorinnen und Autoren für den „Goldstandard“ halten, also dass zum Beispiel Frauen in Vier-Augen-Gesprächen direkt und spezifisch nach bestimmten Gewaltereignissen gefragt werden, um möglichst aussagekräftige und ehrliche Antworten zu erhalten.


Auch wenn der Schätzung gemäß 30% der Frauen schon Partnergewalt erlebten, kommt dies je nach Region doch unterschiedlich häufig vor: In West-Europa liegt die Quote zum Beispiel knapp unter 20%, in einer Region Afrikas jedoch sogar über 65%.

Diese zahlreichen Studien aus der ganzen Welt gehen dann in ein Modell ein, das endlich eine allgemeine Schätzung liefert. So entsteht das Ergebnis, dass 30,0% der Frauen im Alter von mindestens 15 Jahren schon einmal in ihrem Leben physische und/oder sexuelle Gewalt durch einen intimen Partner erlebt haben.* Dabei variieren die Daten für unterschiedliche Regionen im Bereich von ca. 15 bis 20% für Ostasien oder Westeuropa bis ca. 65% in Zentralafrika südlich der Sahara. Mit Blick auf den Aufwand so einer Meta-Analyse können wir davon ausgehen, dass dieses Ergebnis die Diskussion einige Jahre lang prägen wird:

The results show that globally, in 2010, 30.0% [95% confidence interval (CI) 27.8 to 32.2%] of women aged 15 and over have experienced, during their lifetime, physical and/or sexual intimate partner violence. (Karen Devries et al., 2013, p. 1527)*

Ernsthafte Konsequenzen

Die Autorinnen und Autoren weisen daraufhin, dass diese Gewalttaten einer der Hauptgründe für Todesfälle von Frauen auf der Welt sind. Jedoch könnten auch weniger ernste Fälle zu physischen wie psychischen Folgeproblemen führen. Sie berichten, dass Partnergewalt gegen Frauen in England und Wales im Jahr 2009 volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 15 Milliarden Pfund hervorgerufen hätte. Zur Verbesserung der Lage für Frauen schlagen sie unter anderem lokale Initiativen gegen Gewalt, Gewaltpräventionstrainings für Männer und Jungen sowie eine Befürwortung gendergerechter Beziehungen durch die Medien vor.

Natürlich sind diese Zahlen ernst und ist verständlich und nützlich, dass die Forscherinnen und Forscher sowie die Weltgesundheitsorganisation so viel Zeit und Ressourcen darauf verwenden. Das Ergebnis impliziert allerdings umgekehrt auch, dass mehr als zwei Drittel der Frauen weltweit noch nie körperliche und/oder sexuelle Partnergewalt erlebt haben, hierzulande sogar mehr als 80%.

Auch wenn diese Gewalt wie jede Gewalt schlimm ist und wir gesellschaftlich dagegen vorgehen sollten, zeigt das Ergebnis doch auch, dass sie eher die Ausnahme als die Regel zu sein scheint. Es wird interessant sein, in den kommenden Tagen – wenn die Studie dann endlich von den Mainstream-Medien aufgegriffen wird –, zu sehen, inwiefern das Ergebnis dramatisiert oder relativiert wird. Ich habe mir jedenfalls das Experiment verkniffen, diesen Beitrag mit der Überschrift „70% der Frauen waren noch nie Opfer von Partnergewalt“ zu veröffentlichen.

Männer als Opfer von Gewalt

Am Ende sei hier noch darauf verwiesen, dass auch Männer Opfer von Partnergewalt werden. Erst im Mai wurden Ergebnisse des angesehenen Robert-Koch-Instituts diskutiert, die eine überraschende Asymmetrie zutage brachten: Von den befragten Frauen hätten 1,3 bzw. 3,8 schon einmal körperliche bzw. psychische Gewalt gegen Partner ausgeübt, von den befragten Männern jedoch nur 0,3 bzw. 2,8.

Umgekehrt gaben aber 1,2 bzw. 6,1% der Frauen an, schon Opfer körperlicher bzw. psychischer Gewalt worden zu sein, bei den Männern waren es 0,9 bzw. 3,3%. Die Angaben zu diesen Gewalttaten oder -erfahrungen bezogen sich auf die zwölf Monate vor der Befragung. Spiegel Online berichtete dann auch unter der Überschrift „Gewalt gegen Männer: ‚Ich habe die Messer im Haus versteckt‘“ über die Erhebung.

Sucht man nach den Originaldaten, dann stößt man allerdings auf eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts vom 25. Juni 2013. Darin reagiert es auf Vorwürfe der Gewaltforscherin Monika Schröttle von der Universität Bielefeld sowie des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit. Die Vorwürfe zielen auf einige methodische und inhaltliche Probleme der Befragung. Zum Beispiel hätten die Forscherinnen und Forscher des Robert-Koch-Instituts den Bereich der sozialen Gewalt ausgeklammert, die Untersuchung nicht gendergerecht duchgeführt und auch nicht nach der Schwere der Vorfälle unterschieden.

Umstrittene Methoden und Interpretationen

Mit einem Verweis auf eine Untersuchung aus Irland merkt Monika Schröttler etwa an, dass die von Frauen erlebten Gewalttaten durch Partner wesentlich ernsthafter sein könnten als umgekehrt. In jener Untersuchung (aus dem Jahr 2005) hätte sich nämlich ergeben, dass zwar 29% der Frauen und 26% der Männer von erlebter häuslicher Partnergewalt berichtet hätten, bei den Frauen mit 15% die ernsthaften Vorfälle aber wesentlich häufiger gewesen seien als bei den Männern mit 6%.

Tatsächlich räumt das Robert-Koch-Institut in seiner Reaktion mehrere Probleme ein und äußert den Wunsch, zusammen mit den an den Vorwürfen beteiligten Forscherinnen und Forschern an einem revidierten Beitrag zu arbeiten. Bleibt zu hoffen, dass dann auch die entsprechenden Berichte im Internet revidiert werden.

*Anmerkung: Ich verstehe den Bericht in Science so, dass die Frauen mindestens einmal im Leben Partnergewalt erlebt haben, dass sich die 30% also – technisch formuliert – auf die Lebenszeitprävalenz beziehen. Der zitierte Kernsatz scheint mir aber insofern verwirrend, als er die beiden Zeitangaben „im Jahr 2010“ und „während der Lebenszeit“, die nicht so recht zueinander passen, miteinander kombiniert. Ich habe der Erstautorin mit einer Bitte um Klärung eine E-Mail geschrieben sowie einen Kommentar auf der Webseite von Science eingegeben und werde die Leserinnen und Leser von Menschen-Bilder umgehend informieren, sobald ich eine Antwort erhalte.

*Aktualisierung: Ich habe den Satz richtig verstanden: Es geht darum, mindestens einmal im Leben Partnergewalt erlebt zu haben.

Quellen:
Devries, K. M. et al. (2013). The Global Prevalence of Intimate Partner Violence Against Women. Science 340: 1527-1528.
Schlack, R. Rüdel, J., Karger, A. & Hölling, H. (2013). Körperliche und psychische Gewalterfahrungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung (PDF). Bundesgesundheitsblatt·56: 755-764.

Grafik: Thorsten Freyer / pixelio.de

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37 Kommentare

  1. Zum Glück

    Ich habe mir jedenfalls das Experiment verkniffen, diesen Beitrag mit der Überschrift „70% der Frauen waren noch nie Opfer von Partnergewalt“ zu veröffentlichen.

    …ist auf diese das weitere Fortkommen gefährdende Pointe in der Überschrift verzichtet worden.

    BTW: Haben Sie eigentlich den Eindruck, dass die Gender-Leute vorurteilsfrei oder angemessen anthropologisch Ursachenforschung betreiben?

    MFG
    Dr. W

  2. @Webbär: Die Spezies der “Gender-Leute”

    Denken Sie, dass es so eine Spezies gibt, “die Gender-Leute”? Will sagen, dass es dort, wie wohl in jeder Gruppe, solche und solche gibt.

    Interessanter als die Antwort auf Ihre Frage scheint mir zu sein, wie wir diese Fragen möglichst vorurteilsfrei untersuchen können. In den Kritiken zu der RKI-Studie werden mehrere Aspekte aufgeführt, die das Ergebnis hätten beeinflussen können, und wird dann eine gender-gerechte Befragung gefordert.

    Zum Beispiel wird dort empfohlen, die Täter-Frage, bei der die Frauen hier schlechter abschnitten (jedoch nach Ausklammerung des sexuellen Bereichs), nicht mehr zu stellen, da die Menschen hier nicht ehrlich antworteten.

    Unter einer gender-gerechten Befragung stelle ich mir aber auch vor, dass man sich überlegt (vielleicht gibt es dazu schon Forschung?), ob Männer und Frauen gleiche Formen der Gewalt als unterschiedlich stark erleben. Wenn ja, dann sollte man das berücksichtigen, wenn man nach der Stärke der erlebten Gewalt fragt.

    Die Ergebnisse sollte man aber, wenn Sie auf guten Methoden beruhen, in jedem Fall ernst nehmen.

  3. Uuh

    Denken Sie, dass es so eine Spezies gibt, “die Gender-Leute”? Will sagen, dass es dort, wie wohl in jeder Gruppe, solche und solche gibt.

    So war das nicht gemeint, ‘Leute’ war also begrifflich suboptimal gewählt, vielleicht sogar speziesistisch. [1]

    Kleine Anekdote, müsste so Ende der Achtziger gewesen sein: Alice Schwarzer trägt in einem TV-Interview über die Schlechtbehandlung von Frauen in D vor und wird doch vom Interviewer tatsächlich auf moslemische Immigranten angesprochen, wie dies es so hielten mit der Sache oder der Frau, wobei sich ihr Gesichtsausdruck ins Milde veränderte und sie sich zu einem ‘Das sind Paschas…’ durchrang und in der Folge eine Nachricht absetzte, die beim Schreiber dieser Zeilen komprimiert als “Die sind eben so” in Erinnerung geblieben ist.

    Heute hört sich diese Dame zum Glück anders an, aber der heutige gemeine Vertreter des Gender-Fachs, also ob gerade der eine differenzierte vorurteilsfreie anthropologische Sicht auf die Ursachen hinkriegen wird?

    MFG
    Dr. W (der’s aber nicht vertiefen will)

    [1] Dabei ist ja gerade der Webbaer explizit antispeziesistisch.

  4. Man(n) holt sich was man braucht

    Gewaltanwendung ist umso häufiger, je schwächer das Opfer und je weniger Konsequenzen die Gewalt für den Täter hat. Das ist überhaupt nichts Neues und obige Studie könnte mit ähnlicher Fragestellung und ähnlichen Resultaten auch schon vor 30 Jahren durchgeführt worden sein. Ein Beispiel aus Südafrika zeigt den Einfluss des Machtgefälles und was es für Konsequenzen haben kann, wenn ein Ziel einfach zu erreichen sein kann. Die Global Post berichtet: The “sugar daddy” phenomenon of older men paying younger women for sex is to blame for a 28 percent rate of HIV infection in schoolgirls, said the health minister.”. Hier fließt noch Geld um ans Ziel zu kommen, doch in vielen ähnlichen Situationen wird das Ziel mit Machtanwendung erreicht.
    Dass Gewalt gegen Frauen in wenig entwickelten und in patriarchalischen Gesellschaften sehr viel häufiger ist, darf sicher nicht verwundern.

  5. Studien

    Gewalt in Partnerschaften ist annähernd gleichverteilt, wobei dir Frauen einen hauchdünnen Vorsprung haben. Studien dazu gibt es massenhaft z.B.

    http://www.springerpub.com/product/19466560#.Uc6YL5y2p4N

    http://www.csulb.edu/~mfiebert/assault.htm

    http://domesticviolenceresearch.org/pdf/Overviewof%20Findings.Dec.7.pdf

    Gewalt in Partnerschaften ist ein Problem, daß alle Menschen betrifft und natürlich gibt es für die Sonderstellung der Partner auch einen Grund: Er stützt keineswegs irgendwelche feministischen Unterlegenheitsphantasien, sondern beruht einfach auf der Tatsache, daß Menschen oft nur da zu Gewalt fähig sind, wo es Emotionen und Konflikte gibt. Für Kriminologen ist das seit Jahrzehntetn kalter Kaffee.

    Solange also keine Studien durchgeführt wird, die die Konfliktstraftaten herausfiltert, kann man über wirklich traumatisierende Gewalt – eine, an deren Enstehung man selbst unbeteiligt war – nicht viel sagen.

    Insgesamt sollte man solchen Studien, die nur eines der Geschlechter untersuchen, nicht zu ernst nehmen, zumal eben erinnerte Gewalt durchaus von den Geschlechtern verschieden im Kopf behalten wird: Frauen dramatisieren, Männer verharmlosen – Goldstandard? Na ja ….

    Die Studie dazu habe ich vor vielleicht 2 Wochen in den Kommentaten bei Christian in AllesEvolution.wordpress gefunden. Vielleicht finde ich sie wieder.

  6. Das Problem

    Solange also keine Studien durchgeführt wird, die die Konfliktstraftaten herausfiltert, kann man über wirklich traumatisierende Gewalt – eine, an deren En[t]stehung man selbst unbeteiligt war – nicht viel sagen.

    …ist, dass Gewalttaten gegen Frauen immer ‘Konfliktstraftaten’ sind, ohne Konflikt keine Gewalt. Das Frauen den Kürzeren ziehen, ist der Mächtigkeit des Mannes geschuldet, wenn das einmal so formuliert werden darf.

    Außerdem meint das Trauma (“Verletzung”) die Folge von Gewalt, Gewalt ist verletzend.

    Insgesamt eine dulle Nachricht, auch wenn Gewaltanwendung natürlich generell stattfindet, bspw. im Soldatenwesen untereinander und auch anderswo, d.h. die Gewaltanwendung ist keine typische Folge der Ehe oder einer vergleichbaren Verbindung.

    Es geht also um die Ursache von Gewalt und diese kann in einem “konservativen” oder “reaktionären” oder einem “progressiven” politischen Bild liegen.

    Aber das zugrunde liegende Bild ist politisch oder als politisch analysierbar.

    Darum benötigt es hier der Anthropologie,
    die der Schreiber dieser Zeilen bei den real existierenden Vertretern des Gender-Fachs in unguten Händen sieht, d.h. man wird dort den Blick auf die Ursachen anzunehmenderweise eher zu verschleiern suchen, zumindest zu instrumentalisieren suchen.

    MFG
    Dr. W

  7. Relative und absolute Macht

    Erst bedient sich der Webbär dieser Spezies-Sprechweise über “Gender-Leute” (vgl. zur Spezies-Sprechweise diese interessante wissenschaftstheoretische Vorlesung von Ian Hacking “Kinds of People: Moving Targets“), und jetzt das:

    …ist, dass Gewalttaten gegen Frauen immer ‘Konfliktstraftaten’ sind, ohne Konflikt keine Gewalt. Das [sic!] Frauen den Kürzeren ziehen, ist der Mächtigkeit des Mannes geschuldet, wenn das einmal so formuliert werden darf.

    Ich habe schon mit “Erfolg” zuschlagende Frauen gesehen; ebenso wie Männer. Was ist das für eine “Mächtigkeit des Mannes”? Im Mittel stimmt das vielleicht, was Sie sagen, wegen unterschiedlicher körperlicher Proportionen, aber es gibt auch viele Ausnahmen.

    Der allgemeinere und wichtigere Punkt ist aber: Sie formulieren hier Gewalt als ein Mittel zur Macht; natürlich kann man jemanden mit Gewalt zu etwas zwingen. Diese Macht ist aber nur relativ, weil es an einer anderen Autorität fehlt, die die Einhaltung der Grundrechte gewährleistet, und dazu gehört die Gewaltfreiheit.

    Diese Gewalt – sei denn freilich, dass sie zur Selbstverteidigung oder Abwendung eines größeren Übels dient – sehe ich daher nicht als Macht, sondern tatsächlich als Ohnmacht. Die Macht zur Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen kann die einzige echte und absolute Macht sein.

  8. Herr Schleim

    , Ihr Kommentatorenfreund, der gelegentlich mal sprachlich(e) Fehler macht, will hier eigentlich nur angemerkt sehen, dass in einer verkorksten Lage auch Vertreter des Sozialapparats oder der sozialen Künste, Herr Diederichs hier einmal eingeschlossen, das Problem absehbarerweise nicht angemessen bearbeiten werden.

    MFG
    Dr. W

  9. @Webbär

    “…ist, dass Gewalttaten gegen Frauen immer ‘Konfliktstraftaten’ sind, ohne Konflikt keine Gewalt.”

    Nein, das kann man so nicht sagen, es gibt durchaus Gewalt gegen Personen, deren Urspung z.B. in der Frustation über die fehlende Zukunftsperspektive in einer Gesellschaft liegt. Opfer dieser Form son Gewalt zu werden, ist viel schlimmer, als wenn man auch provoziert und am Konflikt beteiligt war.

    “Das Frauen den Kürzeren ziehen, ist der Mächtigkeit des Mannes geschuldet, wenn das einmal so formuliert werden darf.”

    Nein, darf es nicht, weil es falsch ist. Männer neigen dazu Gewalt mit den Händen auszuüber, während Frauen eher Waffen benutzen und dafür einsetzen, was sich im Haus so findet.

    Im übrigen ist die Frage, wer in Partnerschaften Gewalt ausübt und wer sie hinnimmt, eine komplizierte psychologische Angelegenheit und keineswegs auf mittlere Körperstärke reduzierbar.

    Insgesamt ist mir nicht klar, wogegen sie sich wehren.

  10. Herr Diederichs

    Nein, das kann man so nicht sagen, es gibt durchaus Gewalt gegen Personen, deren Ursp[r]ung z.B. in der Frust[r]ation über die fehlende Zukunftsperspektive in einer Gesellschaft liegt.

    Wer dementsprechend gegen Mann oder Weib Gewalt ausübt, ist noch gefährlicher als sozusagen üblich.

    Opfer dieser Form son Gewalt zu werden, ist viel schlimmer, als wenn man auch provoziert und am Konflikt beteiligt war.

    Das “Provozieren” und das in der Folge Herabstufen von Gewaltanwendung, gar das verständnisvolle, ist ein übles Konzept.
    Wer sich im Rahmen seiner Menschenrechte bewegt, vielleicht sich auch ein wenig exponiert, wird dadurch nicht zu einem sozusagen gerechteren Opfer.

    Sie verlautbaren hier ungünstig.

    MFG
    Dr. W (der sich nun ausklinkt, danke!, es war schön)

  11. Gewaltgegen Frauen gibt es – unbestritten. Und auch, auch wenn es mir selbst als eher traditionel männlicher Vertreter der Männer irgendwie absurd vorkommt, wird es Gewalt von Frauen gegen Männer geben. Aber da habe ich bisher (betreffend physischer Anwendung) noch nie ein Ungleichgewicht zum Nachteil des Mannes gesehen – wohl aber zuweilen Ausgewogenheit in Agressivität und Angriffslust, welche sich im Aufschaukeln verbaler Persönlichkeitsdiskreditierung per Beschimpfung schnell ergeben kann.

    Da nehmen sich Mann und Frau so manches Mal nicht viel Unterschied. Das Problem hierbei: In derart geführten Kommunikationssituaionen werden letztlich auch mal alle Fähigkeiten ausgeschöpft – und die sind beim Mann dann eben (noch) allermeist potenter. Da fragt man sich schon, ob es sich jemand leisten kann, ob der Gefahr zum Äußersten zu gehen. Denn in solchen Auseinandersetzungen steht nämlich zu erwarten, dass einer dem anderen was aufzwingen will. Der Andere das aber nicht will, weswegen aber der Eine trotzdem nicht nachgibt. Anstatt zu gehen, also meint, man (hier tatsächlich die Frau gemeint) würde also “sein” äußerstes folgenlos riskieren können, weil physische Gewaltanwendung ja verboten sei. Aber das “Äußerste” ist nun mal nicht genormt…und der Partner(hier die Partnerin) müsste sich der Gefahr durchaus bewusst sein – immerhin sie keinem Unbekannten gegenüber steht.

    Sowas jedenfalls kann immer schief gehen. Wie folgendes beispiel zeigt:

    Aus meiner eigenen Familie kann ich berichten, dass einer meiner Onkels damals seine Lebensabschnittsbegleiterin aus dem Rollstuhl hat erschlagen. Worauf besagter Onkel den Rest seines Lebens im Knast verbrachte und dort starb.
    Niemand war dabei, aber es ist anzunehmen, dass Madamme wohl nicht ganz mit ihrer Lebenslage zufrieden war und ihren Mann also (in besagter Ausschöpfung aller Künste) genervt hat – weil auch sonst niemand für sie da war. Das Ganze auch noch im Alkoholrausch. Anyway… ein Mensch im Rollstuhl sich möglicherweise ausweglos und bedroht empfunden haben könnte … und sich dann erwiesenermaßen unangemessen verteidigte (mit Todesfolge).

    Weswegen ich Dr. WB´s Hinweis auf anthropologische Ursachensuche beführworte – in dem Sinne, dass man daraus (und auch aus der Psychologie) darauf kommen müsste, dass Erwartungshaltung (auch bei Frauen) zuweilen mit Nachdruck zu Tage tritt und jene sich so quasi selbstverschuldet in Gefahrensituationen bringen, weil derart verbitterte Auseinandersetzungen gewisse unkontrollierbare Eigendynamiken entwickeln. Sprich unterm Strich steht: der nicht in Gefahr kommt, der sich nicht hinein begibt – weil nahezu jederzeit die Möglichkeit besteht, vom Ort der Auseinandersetung sich zu entfernen (sich zu trennen).

    Was der Grund für die höheren Opferzahlen auf Frauenseite sein wird, da diese auf der Welt gleichbehandelt werden und im Falle von Konflikten nicht weniger Unterstützung durch dritte erhalten. Dies aber das Problem sei, weil dadurch das verlassen der unmöglichen Beziehung vereitelt – in den meisten Ländern, wegen fehlender Unterstützung und Anerkennung der Frauen in Gesellschaft.

    Was in Mitteleuropa inzwischen sicher gelöst sei, also die verbleibenden 20 % Frauenopfer von Gewalt einen Anteil eigener Schuld tragen, da sie mit relativer Wahrscheinlichkeit die Situationen mitverursacht haben – ja zuweilen gerade selbst provoziert haben -allein aufgrund der Gesetzeslage, dass physische Gewaltanwendung ja verboten sei. Da aber das Wort eine viel üblere Waffe sein kann, und das Wort relativ frei sei sich dem zu bemächtigen (was also legal und gleichzeitig schon das tendenziel Äußerste der Frau sei) hier eine Waffenungleichheit besteht – oder zumindest die naivität, das Gesetzestexte etwa gegen Folgen von abgrundtiefen Persönlichkeitsbeschimpfungen durch die Frau schützen würden.

    Ich empfehle, darüber zu denken, nämlich etwa wie man einst mal mit der verkehrsunfallproblematik verfahren wollte – das alle Beteiligte ihren Anteil Schuld tragen müssten.

    Die Strategie, dass der/die Unterlegende einer Auseinandersetzung Unschuldig sein müsse, ist eh irrsinnig. Leider aber Alltag in der Betrachtung. Der “Sieger” ist immer auch der Böse.

  12. @ Schleim

    Gewaltfreiheit gibt es nicht und kann es nicht geben. Denn auch strukturelle Gewalt ist eine solche. Und jene ist der “Gewalt” unverdächtig. Diese Unverdächtigkeit täuscht darüber hinweg, dass kein “Einvernehmen” besteht und nicht nur Passivität, sondern gar auch offensives verhalten erzwungen wird.

    Und nützt alle strukturelle Gewalt nix, geht man selbstverständlich immer zur alles richtenden physischen Gewalt über – heute allerdings auf subtilster Art. Nämlich per neuronaler Manipulaton – die im Zweifel nämlich einer mutmaßlich radiologischen Kastration vergleichbar sei. Sie wissen ja, was für Vorteile in einer globalen Kastration stecken (globale Inpotenz auf mentaler Ebene: Unfähigkeit zur Gewalt und Dominanz per emotionaler Motivationslosigkeit).

  13. Gewalt und Geschlecht

    Im häuslichen Bereich sind Frauen und Männer etwa gleich häufig Opfer und Täter von Gewalt:

    http://fermat.unh.edu/~mas2/ID41-PR41-Dominance-symmetry%20-%20corrected-pg255.pdf

    Im öffentlichen Bereich sind Männer wesentlich häufiger als Frauen sowohl Täter als auch Opfer, z.B. beim Militär oder im Gefängnis.

    Hier eine Pilotstudie aus Deutschland:

    http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung4/Pdf-Anlagen/kurzfassung-gewalt-maenner-englisch.pdf

    Baumeister sieht diesen Unterschied in Übereinstimmung mit den verschiedenen sozialen Sphären, die Männer und Frauen präferieren:

    “Women’s sociality is oriented toward dyadic close relationships, whereas men’s sociality is oriented toward a larger group. Gender differences in aggression, helping behavior, desire for power, uniqueness, self-representations, interpersonal behavior, and intimacy fit this view.”

    http://psycnet.apa.org/?fa=main.doiLanding&doi=10.1037/0033-2909.122.1.38

  14. @Andreas: strukturelle Gewalt

    Ich will nicht für mich beanspruchen, genau zu verstehen, was mit “struktureller Gewalt” gemeint ist. Bei mir geht es ja aber immer wieder um die vorherrschenden Machstrukturen und wie diese das Verhalten der Menschen (im Guten wie im Schlechten) beeinflussen.

    Manche Forscher sprechen übrigens von einer “relationalen Aggression”, die sich z.B. darin äußert, Gerüchte über jemanden zu streuen, um dessen sozialen Status oder Beziehungen zu verletzen. Mit so etwas kann man Menschen sogar bis in den Selbstmord treiben (Science 338, S. 1025-1027).

    Manche Studien deuten daraufhin, dass Frauen häufiger relationale Aggression ausüben (Grann M. The PCL­-R and gender. Eur. J. Psychol. Assess. 16(3), 147–149 (2000); Vitale JE, Smith SS, Brinkley CA, Newman JP. The reliability and validity of the Psychopathy Checklist – Revised in a sample of female offenders. Crim. Justice Behav. 29, 202–231 (2002)).

  15. Strukturelle Gewalt sei es dann auch, wenn man annimmt, dass gestreute Gerüchte ihre eigene Gesetzmäßigkeit haben – in verbreitung,Entwicklung und (Rück)Wirkung.

    Wie auch immer … in Verbindung mit der Tatsache, das Intimbeziehungen nicht nur Einblicke verschaffen, sondern auch Eigendynamik entwickeln, die das Gerücht erst ermöglichen, weil sich Beziehungen und Persönlichkeiten erst dieses erfüllend entwickelten, bildet schon die Beziehung eine strukturelle Gewalt.
    Damit aber nichts besonders erklärt. Die Gewalt der Struktur, in der sich Menschen in Beziehungen (intimen und gesellschaftlichen) befinden, ist gemeint – freilich ist ein Teil der strukturellen Gewalt etwa gegenwärtig gültige Gesetze. Leider aber wird sich nicht uneingeschränkt daran gehalten – aber auchnicht uneingeschränkt Brüche angezeigt; geschweige denn bei Anzeige auch abgeurteilt, wenn überhaupt angehört. Denn was früher der Frau zugemutet (nicht ernstnehmen ihrer Aussage), ist heute in der übersensiblen Gesellschaft dem Manne aufgelastet. Mag der zwar jedes Recht haben, aber wird aus traditionellen Erfahrungen und Sichtweisen verlächelt und nicht ernst genommen. Derzeit findet keine Gleichbehandlung statt, sondern eine visionierten Erfordernissen angepasste Handhabung und Bewertung (Frauen sind Opfer, weil sie sensibler und physisch schwächer sind, der Mann aber wenig sensibel, weswegen hier kein Handlungsbedarf besteht). Solange das nicht aufgelöst ist, wird es Gewalt gegen Frauen geben, weil Mann sich nicht alles ohne Gegenwehr(möglichkeiten) gefallen lassen kann/will.

    Stimmen sie damit überein, dass nicht der “Sieger” zwingend der Böse sei?

  16. @Andreas: Verlierer

    Stimmen sie damit überein, dass nicht der “Sieger” zwingend der Böse sei?

    Ich schrieb ja oben schon einmal von der Ohnmacht.

    Die Gewalttaten, die ich bisher gesehen habe, waren meiner Meinung nach Verzweiflungstaten und deswegen waren diejenigen, die zugeschlagen haben, meines Erachtens auch die Verlierer. (Diese Feststellung hilft dem Opfer freilich erst einmal wenig.)

    Wenn es mit der Gewalt soweit geht, dass es keinen freien, demokratischen und sozialen Rechtsstaat mehr gibt, dann hätte ich wohl ein Problem mit meinem Wer-zuschlägt-ist-ein-Verlierer-Standpunkt; dann möge man mir meinen naiven Idealismus verzeihen, wenn ich behaupte, dass diese Gesellschaft dann irgendwann später wieder den Weg in einen freien, demokratischen und sozialen Rechtsstaat finden wird.

  17. Sie sind Gewinner im eigenen Interesse (Abbruch der unerwünschten Auseinandersetzung) aber verlierer im gesellschaftlichen Kontext, weil sie von ihm als Böse gebrantmarkt sind. Sie sind ja gewalttätig…

    In anderer Weise war es das vermeindliche “Opfer” auch – gewalttätig. Aber eben in der Regel nicht physisch übergriffig.

    Die Ohnmacht und Schieflage wird nämlich folgendermaßen ausgelöst:

    Ein Mann streitet mit seiner Frau lautstark in der Öffentlichkeit. Ein weiterer Mann erkennt, dass andere Frauen beunruhigt sind und verängstigt zuschauen. Also greift er nicht erst aus aufopferungsvoller Gewaltpräventionsgedanken oder blindem Rechtsverständnis ein, sondern auch, weil es Frauen sind, die hier eine Hilfebedürfdichkeit erkennen und jede Frau ist potenzieller Paarungspartner. Im Einmischen und Schlichten sieht der (aussenstehende) Mann seine Bewerbung/Empfehlung an die/jede beteiligte (auch zuschauende) Frau.

    Während eine einen Mann ausschimpfende Frau nie besonders verdächtig sei – nein, noch traditioneller gedeutet: auch dann der Mann schuld, er nämlich mit der Frau nicht umgehen kann und auch sonst wohl ein Versager sei – was die Kritik durch die Frau ja beweist; völlig Egal, welcherart die Kritik sei.

    Die Motivation der Frau zu helfen um viele Rechtfertigungen reicher sei, als den Mann zu unterstützen/bei zu stehen. Das Beistehen des Mannes zur Frau nur damit gerechtfertigt wird, weil Männer physisch stärker seien und physische Gewaltausübung verboten sei – andere Motivationen verschwiegen, wenn überhaupt bewusstgeworden.

    Die durch das stereotype Bild der Gesellschaft vom gewalttätigen Mann symphatische Einflußgröße auf die Motivierung schlichtend aktiv zu werden grob geschätzt auf hundert Prozent der Gesellschaft zutrifft, das Opfer im Mann zu erkennen – oder gedeutet wird, “er” könne sich erheblich besser selbst helfen, als eine Frau, wohl dagegen eher gegen Null tendiert. Dabei ist gerade das, was dem Mann sich selbst helfen lassen könnte (physische Gewalt) eben geächtet und verboten – also in dieser Vision gar nicht als Handlungsalternative existent.
    Es wird also Potenzial als vorhanden angenommen, als Konflikt-/Schadensvermeidend gewürdigt, aber per Ächtung und Gesetz als Alternative ausgeschlossen. Das ist, als ob ich imFalle eines Hausbrandes dann aber das Wasser abdrehen würde, um es zu löschen.

    Dem Mann also in der Öffentlichkeit mutmaßlich 100 % weniger Menschen beistehen würden, als der Frau – welche 100 % mehr Beistand zu erwarten hat, weil ihr jeder andere Mann aus potenziellem Eigeninteresse beisteht. Der Mann also hat ein echtes Lobby-Problem, macht aber 50 % seiner eigenen möglichen Misere selbst erst wirksam.

    Wir schauen auch skeptisch und Misstrauisch, wenn kleine Kinder lautstark verbal gestraft werden. Das dies auch Frauen machen, stört uns dabei nicht besonders. Wohl auch, weil im Rahmen der Erziehungsgewalt traditionel auch als normal und notwendig anerkannt. Das Delikt am Kinde ist des Misstrauens aber Grund genug. Wir würden eher dem Kinde zuhilfe kommen, als dem Mann, obwohl dem Mann in seiner Zivilisierung leider selten mehr auf dem Weg gegeben ist, was ihn besser aus der Situation herraushelfen könnte, als dem Kind – außer eben: “Mannesstärke”. mutmaßlich auch deswegen, weil Frauen ihre Söhne erziehen, was dazu führt, dass die Söhne aufgrund der besonderen Diskrimminierungsmöglichkeiten der Frau gegenüber Männer und der daraus generierten ungeschriebenen Gesetze, die zu Verhaltensgewohnheiten werden, später einzig auch nur ihre Manneskraft als letzte Möglichkeit erkennen werden (müssen)… weil sie es im Zweifel eben entwicklungsbedingt können – weils nicht aberzogen werden konnte; die physische Leistungsfähigkeit. Und perspektivisch zum Racheakt verkommt. Ja, solchem Gesellschaftsterror geradezu aus Ausweglosigkeit / Alternativlosigkeit anerzogen wird. Anyway…

    In einer Paarbeziehung hat jeder Teil den anderen zu respektieren. Wenn dass aber einseitig nicht geschieht, hat die andere Seite dadurch nicht das Recht seinen/ihren Gegenüber zu terrorisieren und damit das Unglück herrauszufordern. Aber genau so kommt es in der Regel. Es ist ethisch und Moralisch geboten, “kommen” zulassen und nicht herbei zu zwingen. Aber so funktioniert Hochkultur nicht, sondern zivilisierte Hochkultur ist in Gänze totalitärer Zwang. Und der neue Verlierer ist der Mann, weil potenziel stärker und daraus in letzter konsequenz “Sieger”. Und aus den Gründen oben ist er aber eben der verlierer vor der Geselslchaft, weil 100 % derer teils aus sozialdarvinistischer Motivation (Mann), Teils aus Unterlegenheitsangst (Frauen) das quasi-demokratisch so sehen – das physische Gewalt keine Lösung sein darf. Über die Jahrtausende hat sich zwar der Umgang mit Frauen verändert, aber die unerkannte intrinsiche Motivation eigendlich nicht. Aus der Perspektive des Schwachen sei dem Schwachen natürlich zu helfen. Und der potenzielle Begattungspartner (Mann) nimmt hier gerne die Perspektive der Schwachen nicht gegenüber dem Starken ein, sondern gegenüber dem Paarungskonkurenten.

    Das ergibt dann eine derzeitige Deutung und Rechtsprechung, die nicht Gerechtigkeit (ge)bietet, sondern “ausgleichende” Gerechtigkeit, was unmöglich mit derzeitigem gültigen Rechtsverständnis vereinbar ist. Zudem kommt das sozialdarvinistische Ränkespiel um den potenziellen Sexualpartner – woraus nicht Recht und Gesetz zum Richter wird, sondern dritte; an der Sache unbeteiligte.

    Dewegen liegt man mit Verzweiflungstat sehr gut. Verloren haben aber immer beide in der Situation; vor der Gesellschaft – so es zur physischen Gewaltanwendung kommt aber nur der “Sieger”, also tendenziel sowieso der Mann – trotzdem zu jeder Eskalation zwischen zwei Menschen immer mindestens zwei Menschen gehören – einer der beiden sich aber dieser 100 % Rückendeckung sicher sein kann – nahezu egal, was vorfällt.

    Wie es einem Mann in solcherart sonderbaren verstrickung ergehen kann, kann man sich am Fall Mollath in Bayern mal ansehen. Oder an millionen “versagern” in Gossen, Kneipen und Männerwohnheimen.

  18. @Andreas

    Ich bedaure die Männer zu tiefst, die durch Frauenterror zu Verzweiflungstaten getrieben werden! 😀

  19. Prima, dann werde ich zukünstig deinen kommentar zur Stiftung von Hoffnung an jeder Ecke verlinken!

    Dessen bin ich mir aber sicher:

    Das mein Onkel seine Freundin damals sicher nicht töten wollte – als sie ihn sein eh schon elendes Leben wahrscheinlich noch elender machte. Aber im Eifer des Gefechtes ist es nun mal so gekommen.

    Oder ist Grund anzunehmen, dass einjeder Mann sowieso solcherart Konsequenz triebhaft hinerherstrebt?

  20. Eine Runde Selbstmitleid…

    …mit Blogbetreibern, bei denen Diskussionspartner so lange Beiträge posten, dass sie die unmöglich ganz lesen können.

  21. @UUU… Cool bleiben

    Dieser Artikel ist acht Tage vor der Publikation der Science-Arbeit auf Spiegel Online veröffentlicht und überschneidet sich teilweise im Inhalt, geht jedoch auch über die wissenschaftliche Publikation hinaus. Normalerweise gibt es für solche Berichte ein sogenanntes Presse-Embargo.

    Ich habe früher immer Spiegel Online besucht, jedoch seit der sexistisch geführten Sexismus-Debatte tue ich das nicht mehr.

    Dass das alles eine breite Abdeckung der genannten Studie belegt, das kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Auf anderen großen Nachrichtenportalen habe ich darauf keinen Verweis gesehen.

  22. @Mona

    Danke für den Hinweis – die Publikation in Science ist offenbar ein Auszug aus der WHO-Studie.

    In dieser habe ich jetzt einmal in den Methoden nachgeschlagen und folgendes gefunden:

    In general, surveys on intimate partner violence ask respondents about their exposure ever (in their lifetime), and in the past year, with a few studies also asking about violence in the last month or within a particular relationship. This report focuses on assessing women’s lifetime exposure to physical or sexual violence, or both, by an intimate partner. This is defined as the proportion of ever-partnered women who reported having experienced one or more acts of physical or sexual violence, or both, by a current or former intimate partner at any point in their lives… Current prevalence is defined as the proportion of ever-partnered women reporting that at least one act of physical or sexual violence, or both, took place during the 12 months prior to the interview. (S. 10)

    In der Folge der Studie geht es nur noch um die Lebenszeiterfahrung von Partnergewalt, nicht um die gegenwärtige Erfahrung.

    Wenn Die Standard dann schreibt:

    Weltweit erleiden etwa 35 Prozent aller Frauen – mehr als jede Dritte – Prügel, Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen oder andere Taten, wie aus der ersten systematische Datenerhebung zu diesem Problem hervorgeht. “Gewalt gegen Frauen ist ein globales Gesundheitsproblem von epidemischem Ausmaß”, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf.

    Dann suggeriert das meines Erachtens, dass jede dritte Frau weltweit regelmäßig Gewalt erfährt, was die Studie aber nicht gezeigt hat. 35% der Frauen haben mindestens einmal Gewalt erlebt und 65% niemals.

  23. Statement von Ban Ki-Moon

    “There is one universal truth, applicable to all countries, cultures and communities: violence against women is never acceptable, never excusable, never tolerable.” United Nations Secretary-General, Ban Ki-Moon (2008)

    Aus der Executive Summary der WHO-Studie, S. 2

    Also Männer: Erstens nicht zuschlagen und zweitens die Zähne zusammenbeißen, wenn ihr geschlagen werdet.

  24. Man(n) ist ja verleitet, jetzt die Geschlechter gegeneinander auszuspielen:

    “violence against women is never acceptable, never excusable, never tolerable.”

    Warum nur gegen Frauen?

    Und warum wird nur von physischer Gewaltanwendung gesprochen?

  25. Könnte es sein, dass der Typ im Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus noch leben würde, wenn er eine Frau gewesen wäre?

    Weil Gewalt gegen Frauen unangemessen sei, aber gegen die von Natur aus gewalttätigen Männer eh das Mittel der Wahl sei?

    @ Schleim

    Tja, es ist manchmal beunruhigend. Früher mal konnte ich nicht mal ein Paar worte sinnvoll zu einem Thema kombinieren – außer: Alles scheisse. Heute kann ich die paar Worte so zusammenfassen, das keiner merkt, was ich eigendlich kundtun wollte. Alles scheixxe eben.
    Das mit dem Selbstmitleid funktioniert nur in Grenzen – meine Erfarhungen darin sind umfassend.

  26. @Andreas: Gut verstanden

    Du hast das gut verstanden: Nicht meckern und jammern, sondern schaffen.

    Wenn du dann in ferner Zeit im Mittel fünf Jahre früher sterben wirst, als die durchschnittliche Frau, dann wirst du der Gesellschaft deinen letzten Dienst erweisen, nämlich (relativ gesehen) die Kranken- und Rentenkasse entlasten.

  27. @ Schleim

    Danke für die guten Wünsche für die Zukunft.

    Jetzt mal unsachlich:

    Dann ist es wohl “ausgleichende” Gerechtigkeit, wenn hier und da auch mal eine Frau frühablebt?

  28. Gewalt und Geschlecht

    Die Gewalttaten, die ich bisher gesehen habe, waren meiner Meinung nach Verzweiflungstaten und deswegen waren diejenigen, die zugeschlagen haben, meines Erachtens auch die Verlierer. (Diese Feststellung hilft dem Opfer freilich erst einmal wenig.)

    ‘Geplante Taten’ und ‘Gewinner’ gingen aber auch, wenn auf schwerwiegende Taten geschaut wird, dann werden diese Taten regelmäßig von Männern begangen und scheinen dazu zu dienen im Rahmen einer so genannten Strukturellen Gewalt Machtpositionen zu halten.

    Es bringt hier wenig Gewalttaten in einen Topf zu schmeißen und die Täter als verzweifelte Verlierer zu deuten.
    Wenn man das Problem lösen helfen will, aber diesbezüglich hat der Schreiber dieser Zeilen nicht den Eindruck, es geht wohl eher um die Schulung der Allgemeinheit und diese soll gender-konform werden (was immer da auch genau gemeint ist – das wissen die Gender-Leute selbst oft nicht genau).

    MFG
    Dr. W

  29. @Andreas: nein!

    Dann ist es wohl “ausgleichende” Gerechtigkeit, wenn hier und da auch mal eine Frau frühablebt?

    Nein, das ist doch keine Gerechtigkeit. Dass Leid, dass man einem Menschen einer Gruppe antut, kann man doch nicht gegen ein Leid abwägen, das einem anderen Menschen einer anderen Gruppe angetan wurde!

    Gewalt sowohl gegen Männer als auch gegen Frauen ist schlecht (mit den Üblichen Ausnahmen wie berechtigte Selbstverteidigung, s.o.).

  30. @ Schleim
    Zitat:
    “Nein, das ist doch keine Gerechtigkeit.”

    Haben sie vermutet, dass ich das nicht genau so verstanden habe?
    Dann haben sie meine Kommentare nicht aufmerksam gelesen (weil ja auch so lang).

  31. @Andreas

    Haben sie vermutet, dass ich das nicht genau so verstanden habe?
    Dann haben sie meine Kommentare nicht aufmerksam gelesen (weil ja auch so lang).

    Auch wenn Sie mich “unsachlich” gefragt haben, kriegen Sie eine sachliche Antwort von mir.

    Wenn Sie die nicht möchten, dann fragen Sie einfach nicht. 😉

  32. Ursachenforschung die doch nur der Tanz

    um den heißen Brei ist, wo jeder seinen Löffel systemrational …

    Ursache aller Probleme / Symptomatiken unseres “Zusammenlebens”, ist der nun “freiheitliche” Wettbewerb um …, wo die GLEICHERMAßEN unverarbeitete und somit leicht MANIPULIERBARE Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewußtsein”, für die imperialistische Hierarchie von und zu materialistischer “Absicherung” zu konsum- und profitautistischer Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche gebildet (Staat & Kirchen) wird, damit dies Unterprogramm das System von Ausbeutung und Unterdrückung in arm und reich funktional erhält – im Vergleich der global-manipulierten “Partnergewalt” von Staaten in “Krieg & Frieden”, sind die 30% der Privaltssphäre geradezu lächerliche Kollateralschäden!?

    Es gibt eine menschenwürdig-befriedende Lösung, aber die eindeutige Wahrheit / kompromisslose Konsequenz will doch kein Wohlstands- / materialistisch-verkommener Gewohnheitsmensch wirklich hören, sehen, sprechen – wo der geistige Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies” doch so herrlich bewußtseinsbetäubt und fern von Verstand zu wahrhaftiger / verantwortungsbewußter Vernunft ge-/belabert werden kann!?

  33. @ Horst
    Da ist wahrscheinlich nichts “menschenwürdig” dran. Befriedend mags ja sein. Is klar, wenn man danach umfassend inpotent ist, ist man auch friedlich, flegmatisch, völlig unselbstständig, unfähig zur Eigeninitiative, …usw. Unterm strich steht der absolute Sklave, der nur noch reagiert, anstatt aggieren zu könen. Der Zombie, untote, welche eine falsche Identität auferlegt bekommen – wenns überhaupt noch reicht, eine zu repräsentieren im Bewusstsein.

    Sind sie eigendlich schon “geistig-heilend” ins Massenbewusstein zwangsassimiliert worden?
    Blöde frage eigendlich.

  34. @ webbär

    Lernen sie erstmal Deutsch, bevor sie selbiges verhunzen.

    Ihre Argumantation erinnert mich an Herrn steiner. Den mögen sie wohl, gelle????? Dessen Ideologie fasziniert sie, gelle??????

  35. @ Horst Ursachenforschung die doch nur der Tanz
    06.07.2013, 11:42

    Betreffend der enthaltenen Kapitalismuskritik sei angemerkt, dass nur dann Probleme auftauchen, wenn diese derart “verunstalteten” und versuchten Subjekte es aufgeben, dem Mammon nachzueilen…

    Freilich muß man Probleme des Subjekts von den Problemen der Gemeinschaft unterscheiden. Aber Sozialstaat seien hier gar auslösend, weil bei vollendeter Aufgabe diesem Streben nämlich plötzlich Haftpflicht entsteht.
    Das machte nur Sinn, weil auch die Gesellschaft für individuelles Aufgeben verantwortlich sei – wer sonst!?

    Und ein intendiertes “geistig-heilendes Massenbewusstsein” schütz nicht vor Aufgabe, sondern könnte es ebenso gut auch erst herbeiführen.

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