Gehirndoping oder Gesellschaftsreparatur?

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Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft
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PillengehirnSeit gut zehn Jahren diskutieren Ethiker die pharmakologische kognitive Verbesserung des Menschen – doch was machen die Mittel eigentlich mit den Konsumenten? Meine Frage für einen Forschungsbesuch in Zürich.

Mit dem Thema Gehirndoping oder – etwas positiver und neudeutsch formuliert – Cognitive Enhancement haben wir uns hier schon häufig beschäftigt (Menschen-Bilder: Cognitive Enhancement). Vor ein paar Jahren gab es unter der Überschrift Neuro-Enhancement sogar ein Bloggewitter zum Thema mit zahlreichen Beiträgen von SciLogs-Autoren und deren Gästen.

Bis ca. 2006 war ich als damals durchaus noch technophiler Mensch der Idee der Verbesserung des Gehirns recht positiv eingestellt. Dies belegt ein Blick in meinen Artikel in der Serie über Neuroethik, der Ende 2005 in Gehirn&Geist erschienen ist. Darin heißt es am Anfang:

Denn schon heute ist »Mind Doping« mit Medikamenten für viele Menschen längst Alltag. Und vielleicht wird es bald ganz normal sein, sich psychoaktive Substanzen wie von der Speisekarte gezielt zusammenzustellen, um nach Wahl innere Zustände zu verändern. Es locken höhere Intelligenz, besseres Gedächtnis, tiefere Gefühle, ein entspannterer Umgang mit den Mitmenschen – einfach ein intensiveres Leben. (Schleim, 2005; Dragee zum Glück, S. 46)

Durch diesen Beitrag, den meines Wissens ersten deutschsprachigen zum Thema, wurde ich in der Öffentlichkeit plötzlich als Experte wahrgenommen. So kam es, dass ich mich nolens volens weiter mit Gehirndoping beschäftigte und sogar vorhatte, eine Doktorarbeit darüber zu schreiben. Die erste Ernüchterung trat jedoch ein, als ich die damals aktuellen pharmakologischen Untersuchungen vor allem zur Wirkung der Stimulanzien (wie Amphetamin, Methylphenidat, Modafinil) bei Gesunden Versuchspersonen las: Die Effekte waren meist klein, nur in lebensfernen Laborsituationen nachgewiesen und weit davon entfernt, wirklich verstanden zu sein. Überall stieß man auf mehr Fragen als Antworten; die komplexe Verschaltungsweise der Neurotransmittersysteme im Gehirn schien den Forschern noch sehr viele Rätsel aufzugeben.

Schrittweise Ernüchterung

Die zweite Ernüchterung ergab sich durch die Fehldarstellung sowohl der Wirkungsweise der Substanzen als auch ihrer Verbreitung in den Medien (z.B. Die mediale Konstruktion von Fakten) sowie der Fachliteratur (z.B. Schleim, 2010: Second thoughts on the prevalence of enhancement. BioSocieties 5: 484-485). Warum nahmen Journalisten, ja selbst Wissenschaftler und Ethiker das Thema nicht so ernst, wie es die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Pharmakakonsums erfordern? Die Konstruktion eines Hypes schien also zum Phänomen Gehirndoping dazuzugehören.

Die dritte und letzte Ernüchterung trat übrigens bei einem Mittagessen mit Vertretern des Transhumanismus in Oxford im Sommer 2006 ein. Dieser blinde Glaube, alle Probleme ließen sich durch stets mehr Technik lösen – obwohl viele erst durch Technik entstehen –, hat mich nachhaltig abgeschreckt. Dem Fazit, zu dem ich Anfang 2007 mit meinem damaligen Chef gekommen bin, kann ich mich auch heute noch, nach weiteren Kommentaren und Meta-Analysen, uneingeschränkt anschließen:

Insgesamt sollte aber nicht vergessen werden, dass es sich bei vielen Problemen, die uns zum »cognitive Enhancement« treiben könnten, um gesellschaftliche Probleme handelt und sich Lösungen jenseits der Pharmakologie anbieten. Wie wäre es z.B. mit ausreichenden Ruhezeiten für Piloten und Ärzte? Eines ist jedoch klar: Davon, einen guten »cognitive Enhancer« zu haben, der die Leistung nicht nur in einzelnen kognitionspsychologischen Tests, sondern in der Alltagswelt verbessert, ohne ein Gesundheitsrisiko darzustellen, sind wir noch meilenweit entfernt. (Schleim & Walter, 2007. Cognitive Enhancement: Fakten und Mythen. Nervenheilkunde 26: 83-86, S. 86)

Die Debatte ist jedoch nicht von der Bildfläche verschwunden, im Gegenteil. Beispiele hierfür sind das Pamphlet aus dem Jahr 2008 in Nature (Towards responsible use of cognitive-enhancement drugs by the healthy) sowie das vergleichbare Memorandum in Gehirn&Geist im darauffolgenden Jahr (Das optimierte Gehirn). Diese Schriften vertraten einen optimistischen Standpunkt gegenüber dem Gehirndoping, stießen jedoch sowohl in den Medien als auch in der Fachwelt auf viel Kritik.

Blick nach vorn: Soziale Psychopharmakologie

An der Idee des psychopharmakologischen Enhancements interessieren mich inzwischen neue Fragen, welche die pharmakologischen mit den sozialwissenschaftlichen und wissenschaftssoziologischen Aspekten verbinden: Woher kommt die Trennung von Therapie und Verbesserung, auf die so viele Ethiker hereingefallen sind, obwohl wir es gerade bei Aufmerksamkeitsstörungen und Depressionen, für die viele Stimulanzien verschrieben werden, mit diffusen Konzepten zu tun haben? Was behandeln wir wirklich mit dem Einsatz von Stimulanzien? Welche kulturgeschichtlichen Beispiele gibt es, was können wir daraus lernen, und wie können wir den gesellschaftlichen Umgang mit psychopharmakologischen Mitteln, insbesondere den Stimulanzien, theoretisch konzeptualisieren?

Die Befürworter des Gehirndopings haben lange aber meist vergeblich nach den Massen gesucht, die angeblich bereits die Substanzen konsumieren, obwohl die Zahlen hierfür rar und vieldeutig waren. Dabei haben sie übersehen, dass die behördlich regulierte Quote zur Herstellung regulierter Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin in den USA von den frühen 1990er Jahren bis heute um das dreißig- beziehungsweise gar siebzigfache gestiegen ist. Kein Wunder, verschwand für die meisten Ethiker das Problem doch vom Radar, sobald ein Arzt ein Rezept ausstellte. Die Massen, die heutzutage wieder Stimulanzien konsumieren, sind keine Avantgarde der Gehirnverbesserer, sondern Menschen, deren Aufmerksamkeits- oder Stimmungsressourcen nicht dem gesellschaftlichen Soll entsprechen.

Das ist zumindest die Intuition, die mich zurzeit beschäftigt: Dass wir es bei der Gehirndopingdiskussion mit einem sozialen Phänomen zu tun haben, bei dem es essenziell um die heutige Leistungsgesellschaft geht. Doch um diese Idee weiter zu verfolgen, ist ein tieferes Verständnis darüber notwendig, wie die Substanzen eigentlich wirken, was sie mit den Menschen machen. Eine der inspirierendsten Arbeiten, die ich zu diesem Thema bisher gelesen habe, war die Rezension des Züricher Pharmakopsychologen Boris Quednow, die 2010 in BioSocieties erschien (Ethics of neuroenhancement: a phantom debate). Es ist mir eine große Freude, zur Vertiefung meiner eigenen Kenntnis und zur Bearbeitung des Forschungsthemas im Sommer 2012 als Gast an der ETH Zürich sein zu können. Die Arbeit hat gerade erst angefangen. Die Diskussion eigener Ideen hier bei Menschen-Bilder ist willkommen.

Stephan Schleim

Veröffentlicht von

www.schleim.info

Die Diskussionen hier sind frei und werden grundsätzlich nicht moderiert. Gehen Sie respektvoll miteinander um, orientieren Sie sich am Thema der Blogbeiträge und vermeiden Sie Wiederholungen oder Monologe. Beim Gedankenaustausch darf es auch mal heiß hergehen, jedoch nicht beleidigend werden, vor allem nie unter die Gürtellinie gehen. Stephan Schleim ist studierter Philosoph, Psychologe und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie. Der Autor schreibt auch für zahlreiche andere Medien.

13 Kommentare

  1. Gehirndoping entgegen Behauptung selten

    Bewusste Medikamenteneinnahme um besser drauf zu sein, das gibt es schon, bewusste Medikamenteneinnahme um mehr zu leisten aber wohl kaum. Das ist meine gefühlsmässig abgestützte Meinung.

    Ich kenne niemanden, der glaubt mit Medikamenten mehr leisten zu können, dagegen etliche, die nach ein paar Gläsern Wein “auftauen” oder erinnere mich an Geschichten über Personen, die sich mit Valium ihren Alltag erträglicher gemacht haben.

    Kognitive Verbesserungen wollen wenn schon Eltern und Lehrer ihren Schülern verpassen. Wobei “kognitive Verbesserung” wohl einfach Schönsprech ist für ruhigstellen. Das Quengelkind, das Kind das den Unterricht stört soll damit aufhören, egal wie. Darum wird Ritalin verschrieben.

    Dabei ist die Idee der kognitiven Verbesserung durch Drogen oder Medikamente uralt. Sherlock Holmes, der geniale Detektiv mit Hang zum Kokain, ist uns allen bekannt. Und Freud empfahl Kokain bei Hysterie, Hypochondrie und Depression.

    Doch: Sich schlauer machen scheint kein weitvebreiteter Wunsch zu sein. Sich trösten, einlullen, abschalten, wegtauchen wird viel häufiger angestrebt – und das nicht erst seit 10 Jahren.

  2. Kulturgeschichte

    Das Thema Gehirndoping müsste für eine ernsthafte Diskussion in spezielle Teilbereiche aufgegliedert und separat betrachtet werden; z.B. unterschiedlichen Sinne, Gefühle, Konzentrations-, Merkfähigkeit, Drogen, Hormone, Neuropeptide, usw.

    Und hier noch zwei Beispiele aus der Kulturgeschichte des Bogenschießens:
    A) Südamerikanische Indianer rieben sich vor der Jagd Pflanzensäfte von Strychnos-Lianen unter die Haut um die Wahrnehmungsfähigkeit zu steigern und den Jagderfolg zu erhöhen. (Strychnin intensiviert die Wahrnehmung von Sinnesreizen.)
    B) Manche südamerikanischen Indianer träufelten sich Pflanzensäfte in die Augen um den Jagderfolg zu erhöhen. Z.B. die Zoé nutzten Extrakte des Koruma-baumes. Vermutlich wird damit die natürliche Zitterbewegung des Auges unterdrückt – denn die Umwelt wird dadurch scherenschnittartig wahr genommen, wodurch sich bewegende Objekte (Tiere) besser erkannt werden können.
    Beispiel B) ist interessant weil hier der Jagderfolg durch Unterdrückung von Sinnesreizen erreicht wird – auch dies wäre eine kognitive Verbesserung

  3. kleiner Hinweis

    hierzu:

    Die erste Ernüchterung trat jedoch ein, als ich die damals aktuellen pharmakologischen Untersuchungen vor allem zur Wirkung der Stimulanzien (wie Amphetamin, Methylphenidat, Modafinil) bei Gesunden Versuchspersonen las: Die Effekte waren meist klein, nur in lebensfernen Laborsituationen nachgewiesen und weit davon entfernt, wirklich verstanden zu sein.

    Es gibt die Online-Gamer-Szene mit Profiligen und entsprechender Erwerbsmöglichkeit.

    Wenn Sie diese bzw. die Szene-Foren einmal scannen würden, bspw. die Pokerszene, dort werden die Wirkungen von Drogen diskutiert, dort ist der Gebrauch von THC-haltigem Material wie von “Speed” nicht unüblich.

    Zur Wirkung: Der OL-Gamer hat einerseits die EIGENEN APM zu beachten, hier unbedingt auch Konstanz auf hohem Niveau zu zeigen, und andererseits gegnerische Aktionen zu erahnen, also mit einem Range oder Vektor diesen betreffend zu arbeiten. Es finden fortlaufend “Vektor-Multiplikationen” statt…

    MFG
    Dr. Webbaer (deshalb auch kein guter Gamer, also wg. des Verzichts auf Drogen 😉

  4. @Holzherr: Kokain

    Es gibt natürlich diese Beispiele. Ich zweifle auch nicht daran, dass Kokain einem Menschen kurzfristig mehr Energie gibt; was aber, wenn Sie sich durch langfristigem Konsum ihr Gehirn kaputt machen? Dann ist auch Sherlock Holmes nicht mehr gleich Sherlock Holmes.

    P.S. Danke auch für die Beispiele, @KRichard. Die sind jetzt jedoch etwas von den Anwendungen entfernt, die mir im Moment vorschweben (z.B. Gehirndoping als Studierhilfe).

  5. @Webbaer: Wofür Stimulanzien?

    Das ist ja gerade eine der Fragen, um die es hier gehen soll: Was machen die Stimulanzien eigentlich mit den Menschen und was nicht.

    Dass man damit seine Wachheit vorübergehend erhöhen, Effekten von Schlafentzug entgegenwirken und so eintönigen Tätigkeiten länger nachgehen kann (ich war auch mal Power-Gamer, allerdings noch vor der Zeit großer Ligen in Deutschland), das kann ich mir schon vorstellen; dass man dadurch aber intelligenter wird oder sich das, was man auf Drogen lernt, besser behalten kann, das steht auf einem anderen Blatt.

    Fürs Power-Gaming im Team sollte man jedoch berücksichtigen, dass manche Stimulanzien durch die Erhöhung der Impulsivität und Nervosität auch die Wahrscheinlichkeit von Eigenbeschuss (friendly fire) erhöhen können.

    Gerade um das genauer zu lernen, habe ich mir ja aber diesen Besuch in Zürich gewünscht.

  6. Leistungssteigerung durch Drogen

    Der Webbaer nimmt ja keine Drogen, hat aber im Web viele unterschiedliche Biotope beforscht, und kann Ihnen verlässlich berichten, dass in der Gamer-Szene der Drogenkonsum nicht nur ein Thema ist, sondern allgemein als leistungs- wie verdienststeigernd anerkannt ist.

    Das sollte Sie interessieren.

    Das ist ja gerade eine der Fragen, um die es hier gehen soll: Was machen die Stimulanzien eigentlich mit den Menschen und was nicht.

    Das war ja bereits skizziert, einerseits wird die Kontinuität der spielerischen Bemühung unterstützt, andererseits dient die Droge als hilfreich beim “Vektor-Multiplizieren”. Finden Sie gerne einen wissenschaftsnäheren Begriff.

    Sie dürfen da gerne ran, das ist vermutlich sogar ein weitgehend unbearbeitetes Feld, die Beleglage scheint eindeutig. Versuchen Sie sich vielleicht zuerst in den Szene-Foren, nehmen aber auch Karrieren wie von Phil Hellmuth oder Mike Matusow (jeweils im Poker) zK, man schätzt, dass ein beträchtlicher Teil, also im höheren Dekadenbereich prozentual gesehen der Pokerspieler Drogen nimmt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. “Eigenbeschuss”

    … dass manche Stimulanzien durch die Erhöhung der Impulsivität und Nervosität auch die Wahrscheinlichkeit von Eigenbeschuss (friendly fire) erhöhen können.

    Top-Gamer sind dbzgl. natürlich nicht anfällig. Wir haben es bei denen ja gerade nicht mit sich selbst nicht kontrollierenden Personen zu tun.

    Hey, waren Sie wirklich Gamer? 😉

    MFG
    Wb

  8. @Webbaer: methodisches Problem

    Ich habe das auch schon ein Interview gehört, in dem ein Pokermeister sagte, ohne Ritalin hätte er das nicht geschafft.

    Die Substanzen haben aber eben auch sehr starke subjektive Effekte; Menschen haben das Gefühl, mehr Energie zu haben, besser zu sein usw. In einigen Experimenten wurde aber schon gezeigt, dass sie gar nicht besser waren als die der Kontrollgruppe; und auch der Pokermeister kann nicht sagen, ob er es nicht auch ohne geschafft hätte, oder ob ein paar Tassen Kaffee gereicht hätten.

  9. Maßzahlen

    .. oder Kennzahlen gibt es gerade im Poker oder generell im OL-Gaming genug; nur wenig ist messbarer als das o.g. Gaming.

    MFG
    Dr. Webbaer (der Sie aber nicht belästigen will, wenn Sie die an sich bekannte Meßbarkeit im o.g. Business ablehnen oder nicht verstehen, der sich nun ausklinkt, aber per E-Post erreichbar bleibt, weil Sie es sind 😉

  10. chemisches Neuro-Enhancement

    Für mich ist es keine Frage, dass Neuro-Enhancement eine der größten Herausforderungen für “Big-Pharma” darstellt. Ließen sich doch Milliarden damit verdienen. Wenn nur… die dummen Nebenwirkungen nicht wären. Aber es gibt bereits Neuro-Enhancement ohne Medikamente. Wie z.B. bestimmte Formen des Neurofeedbacks. Hier gibt es vielversprechenden Ansätze. Wirksamkeitsnachweise bei Symptomatiken wie z.B. bei ADS werden geführt. Und immer wenn etwas bei Störungen hilfreich ist, dann findet sich auch eine Anwendung für Gesunde. So gibt es heute schon Korrelationen zwischen EEG und bestimmter kognitiver, bzw. emotionaler Fähigkeiten. Bestimmte Anteile des EEGs stehen in Verdacht für Kreativität, andere wiederum für schnelle Informationsverarbeitung und Intelligenz verantwortlich zu sein. Die Anwendung leistungssteigernder EEG-Trainings ist weit entfernt von den sogenannten Mind-Machines. Im Bereich EEG arbeitet man z.B. mit wissenschaftlichen Datenbanken und z.T. auch mit bildgebenden Verfahren, um eine möglichst hohe Spezifität des Trainings zu erreichen. Neurofeedback hat richtig angewendet keine schädlichen Nebenwirkungen. Nun für die Pharma-Industrie ist das nicht so interessant…
    Chemisches Neuroenhancement ist halt viel lukrativer, da man Pillen einwerfen muss und diese dann auch ständig braucht. Ein Alpha-Training z.B. braucht ca. 20 Sitzungen um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

  11. @Feiner: Plazebo-BrainGear?

    Wir hatten im vergangenen Sommer in Groningen eine internationale Konferenz zum Thema Neuro Devices/BrainGear im Rahmen des European Neuroscience and Society Network.

    Dort hatten wir neben vielen Fachwissenschaftlern aus der Hirnforschung und Psychologie auch Vertreter einer lokalen Neurofeedback-Kliniken zu Gast, die ihre Methode auf einem Aktionstisch präsentieren durften. In der Diskussion zeigten sich viele der wissenschaftlichen Kollegen schockiert über die weitreichenden Aussagen derjenigen, die Neurofeedback bereits kommerziell anbieten.

    Sofern Sie hier auf eine fachwissenschaftliche und kontrollierte Studie verweisen können, dann würde ich mich über die Referenz freuen; ansonsten hier bitte keine Schleichwerbung machen.

  12. Definition

    Entschuldigen Sie bitte meine Unwissenheit, aber bei der ganzen Debatte über “Gehirndoping”, die ich persönlich als spannend und unbedingt in den Fokus gesellschaftlicher Aufmerksamkeit gerückt sehen möchte, würde mich erst einmal interessieren, welche Definitionen zugrunde gelegt werden.

    Wann ist ein Mittel ein “Cognitive Enhancer”, wann eine “normale Substanz”?
    Zählt Kaffee im weitesten Sinne hier schon dazu? Was ist mit Süßigkeiten, die kurzzeitig ebenfalls die Aufmerksamkeit erhöhen – man denke an alle “Power- Riegel” etc. oder Traubenzucker-Varianten. Was ist mit Erfrischungsgetränken wie Red Bull die sogar eine erhöhte Vigilanz versprechen?

    Wo zieht man die Grenze?

  13. Neuroenhancement und Neurofeedback

    keine Schleichwerbung sondern Fakten haben Sie gefordert Herr Schleim. Nun da gibt es Studien. Diese Studie finde ich zB. sehr interessant:
    Neuroreport. 2003 Jul 1;14(9):1221-4.
    Ecological validity of neurofeedback: modulation of slow wave EEG enhances musical performance.
    Egner T, Gruzelier JH.
    Source

    Department of Cognitive Neuroscience and Behaviour, Faculty of Medicine, Imperial College London, UK. t.egner@imperial.ac.uk

    Leider gibt es zu wenig Studien insgesamt. Aber es ist mittlerweile nicht mehr zu leugnen, dass Neurofeedback die Aufmerksamkeit bei ADHS verbessern hilft, es wäre verwunderlich, wenn man dieses Verfahren nicht auch bei “hirngesunden” Personen messbare Verbesserungen hervorbringen würde.
    Interessant sind auch die Arbeiten von Nils Birbaumer. Man kann mit Neurofeedback auch emotionale Funktionen beeinflussen, wie z.B. Mitgefühl, Angst und Furcht. Wer immer noch skeptisch ist:
    http://www.youtube.com/watch?v=tagZIkxdYRE&feature=relmfu

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