Warum sind Menschen musikalisch?

Musik macht glücklich, vor allem wenn sie harmonisch ist. Damit ist Musik ein nebenwirkungsfreies Antidepressivum mit hohem Chill-Faktor, das bei den meisten Menschen wirkt. Doch warum haben Affen, die als unsere nächsten Verwandten gelten, eher kein musikalisches Talent, wohl aber Vögel, Wale oder Elefanten?

Musikalität ist bei Menschen angeboren. Warum?

Hinter der Musikalität bestimmen Arten vermutet Matz Larsson von der Lungenklinik am Örebro Universitätskrankenhaus in Schweden eine Überlebensstrategie. Im Fachmagazin “Animal Cognition” behauptet er, dass die Fähigkeit, Musik oder eine Sprache zu erlernen aus der Notwendigkeit entstanden sei, Störgeräusche aus der Umgebung besser wahrnehmen zu müssen.

So könne eine sich im Gleichschritt bewegende Gruppe von Menschen in dem kurzen Moment der Stille in der Mitte jedes Schrittes leichter Geräusche aus der Umgebung hören. Dadurch würden Gefahren eher wahrgenommen und auch Gespräche seien einfacher zu führen.

Vorteile durch synchrone Fortbewegung

Vögel beeindrucken durch ihre synchronen Paar- und Balzflüge. Zurzeit können wir wieder die Zugvögel bewundern, die energiesparend in großen V-Formationen durch den Himmel gen Süden gleiten. Wale sind Meister im Synchronschwimmen und Elefantengruppen bewegen sich im Gleichschritt fort.

Auch Menschen passen sich nach einiger Zeit unbewusst einem gemeinsamen Rhythmus an, wenn sie in einer Gruppe auf dem gleichen Weg laufen. Affen dagegen haben es dagegen offenbar nicht nötig, im Gleichtakt von Ast zu Ast zu schwingen. Sie bewegen sich eher unvorhersehbar und spontan, selbst wenn sie am Boden sind.

Als Menschen begannen auf zwei Beinen zu gehen, wurden die Geräusche ihrer Bewegungen berechenbarer. Diese Entwicklung bedeutete Chance und Notwendigkeit zugleich, die Umgebung akustisch besser wahrzunehmen, um zu überleben.

Stimulierung des Belohnungssystems

Wenn Menschen erfolgreich ihre Bewegungen synchronisieren, kommt es zur Produktion des Belohnungshormons Dopamin. Da diese Art des synchronisierten Verhaltens auch unter relativ sicheren Umständen lohnenswert erscheint, könnten sich andere rhythmische Aktivitäten wie Händeklatschen oder Fußstampfen um das Lagerfeuer herum entwickelt haben.

Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Tanz und Gesang. Gemeinsames Musizieren stärkt die soziale Kompetenz und baut Aggressionen ab. Wer singt, tanzt oder als angenehm empfundene Musik hört, schüttet massenweise Glückshormone aus. Wie unsere Vorfahren.

Quellen / weiterführende Literatur:

  • Matz Larsson. Incidental sounds of locomotion in animal cognition. Animal Cognition, 2011; 15 (1): 1 DOI: 10.1007/s10071-011-0433-2
  • Yuna L. Ferguson and Kennon M. Sheldon. Trying to be happier really can work: Two experimental studies. The Journal of Positive Psychology, 2013; 8 (1): 23 DOI: 10.1080/17439760.2012.747000

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

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  1. Buchtipp: bayaka -the extraordinary music of the Babenzélé Pygmies,Louis Sarno, ISBN:9781559613132. Zitat daraus: “Some spezies of trees have buttress roots which give a loud resonating thump when struck. If such a tree happens to stand along a trail, boys and girls always rap a brief tatto on it when passing by. Chimpanzees drum on these trees when they find them, too.” (Seite 19)
    Damit wäre widerlegt, dass Affen keine Musik machen.

    Der Autor weist auch darauf hin, dass es für Spezien wichtig ist, sich durch spezielle Töne/Klänge von anderen Spezien zu unterscheiden, damit die induvidielle Art nicht in einem anonymen Klangteppich untergeht. Zitat (Seite70): “For some reason yodels carry farther in the forest than ordinary shouts or screams, a fact that I was able to verify once when I got momentarily lost. I howled and shrieked to no avail, and only when I began to yodel did others hear me.”
    Ein weiterer Grund für Musik wird vom Autor ebenfalls genann: er weist darauf hin, dass instrumentuelle Musik und Gesang oft eine Kopie von Tönen/Klängen aus der Umwelt sind.

  2. Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Tanz und Gesang. Gemeinsames Musizieren stärkt die soziale Kompetenz und baut Aggressionen ab. Wer singt, tanzt oder als angenehm empfundene Musik hört, schüttet massenweise Glückshormone aus. Wie unsere Vorfahren.

    Kann aber auch Aggressionen aufbauen, um sich dann bspw. gemeinsam auf einen (vermeintlichen oder real existierenden) Feind zu stürzen.

    MFG
    Dr. W

      • Die “Kehrseite” könnte aber auch darauf hinweisen, dass musikalisches Bemühen nicht per se im Guten enden muss.

        Dennoch: Wie Umberto Eco in Il nome della rosa angedeutet hat, und wie es Khomenei klar gesagt hat:
        Lachen, Tanzen, Musizieren oder Singen ist dem strengen Ideologen fern – was dann auch Ihre positive Aussage bestätigen könnte.

        MFG
        Dr. W

  3. Viele Formen des Musizierens und Tanzens haben auch etwas mit er Überwindung von Langeweile und Einförmigkeit zu tun. Rhythm and Blues, Arbeitsgesänge und so weiter haben diesen Aspekt. Erst Menschen können wohl so etwas wie Langeweile und Einförmigkeit empfinden und einen Ausweg daraus suchen. Wobei, Affen kann man ja nicht fragen ob es ihnen langweilig sei.

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