Vier kleine Freuden pro Tag und eine Spritze Zufall

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Serendipität ist die Kunst, für sich oder andere einen Zufall als Chance zu nutzen. Die französische Psychologin Anne Ancelin Schützenberger, ein Urgestein der Psychogenealogie, plaudert aus ihrem Leben und verrät uns ihr Erfolgsrezept für ein langes und glückliches Leben.

Sie wurde 1919 in Moskau geboren, ist viel in der Welt herumgekommen und eine echte Lebenskünstlerin. Sonia Zoran sprach für den Schweizer Radiosender RSR La Première mit der französischen Psychologin Anne Ancelin Schützenberger in deren Appartement in den französischen Alpen.

Murmeltier
Wie seine betagte Nachbarin ebenfalls Lebenskünstler von Beruf:
Murmeltier, das die Sommersonne am Fuße des Mont Blanc genießt.

Jeden Sommer und einen Teil des Winters verbringt die Grande Dame der Psychogenealogie in diesem kleinen Paradies in Argentière. Auf ihrem Balkon genießt sie die Pracht ihrer Blumen, die einen bunten Kontrast zur eisigen Bergwelt ringsherum bilden. Darüber thront unübersehbar und erhaben der König der Alpen, seine Majestät, der Mont Blanc.

Trotz zahlreicher Altersgebrechen – sie kann kaum noch laufen und lesen – genießt die emeritierte Professorin der Universität Nizza ihr Leben in vollen Zügen. Zwar bereite ihr das Laufen zunehmend Probleme, doch im Wasser fühle sie sich noch fit wie ein Fisch. Und so schwimme sie eben jeden Morgen ihre 500 Meter – ohne Mühen und Schmerzen.

Eine Studentin kocht für sie. Im Gegenzug dafür hilft sie ihr beim Studium, denn der Geist der über 90-Jährigen ist noch quicklebendig und verfügt über einen riesigen Erfahrungsschatz.

Die alte Dame besitzt drei Appartements in Gegenden, die ihre Familie liebt: Argentiere, Nizza und Paris, “damit sich meine Enkel bei mir wohlfühlen, wenn sie zu Besuch kommen.” Nach dem alljährlichen Familientreffen zu Weihnachten in Argentière überwintert Anne Ancelin Schützenberger in den darauffolgenden drei Monaten fast “wie ein Murmeltier” in ihrer kleinen Höhle, umgeben von ihren Lieblingsbüchern und der tief  verschneiten Bergwelt.

Wenn sie im Herbst für eine Weile den Bergen den Rücken zukehrt, verschenkt sie die Sommerblumen ihres Appartements in Argentière, um anderen und den Pflanzen eine Freude zu bereiten. Schließlich würden die Blumen besser in Gesellschaft von Menschen gedeihen, die sie mögen. “Vier Freuden pro Tag ersparen so manche Medizin”, weiß die Psychologin. Dieses Konzept praktiziert sie seit vielen Jahrzehnten erfolgreich an sich selbst und an ihren Patienten, die es immer noch gibt, auch wenn die Anzahl mittlerweile altersbedingt abgenommen hat.

Ein bewegtes Leben

Dabei kam sie erst über den Umweg eines Jurastudiums zur Psychologie. Und das auch nur, weil sie ihrer Mutter versprochen hatte, keine Psychiaterin zu werden. Denn eigentlich hätte sie lieber Medizin studiert. Doch letztlich siegte die Vorsicht, ihr Wort nicht doch irgendwann zu brechen. Die menschliche Seele war schon damals für sie einfach zu faszinierend.

Nach ihrer Universitätskarriere als Hochschullehrerin begann sie ihre zweite Karriere als Buchautorin. Mit 84 Jahren wurde sie zur Bestsellerautorin mit “Oh, meine Ahnen! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt”, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. In diesem Werk stellt die Forscherin die manchmal geheimnisvollen Einflüsse dar, welche Vorfahren auf das Leben ihrer Nachkommen über Generationen hinweg ausüben und wie diese Dramen gelöst werden können.

Anne Ancelin Schützenbergers Leben ist äußerst spannend mit vielen Höhen und Tiefen. So wurde ihr Haus während des Zweiten Weltkrieges von den Nazis abgebrannt, da sie Mitglied der französischen Résistance war.

Noch heute erinnert ein alter Holzlöffel als einzige Überbleibsel dieses Brandes an dieses schreckliche Ereignis. Er dient jetzt als Dekoration in ihrer Pariser Wohnung. Und wenn sie im Herbst aus den Bergen in die Stadt zurückkehrt, verschönert sie ihn jedes Jahr mit buntem Herbstlaub.

Für Anne Ancelin Schützenberger war dieser Brand allerdings nicht nur tragisch. Schließlich hatte sie das Wichtigste behalten: ihren klaren Geist und ihr Leben. Denn viele Menschen hängen zu sehr an materiellen Dingen, die in Wirklichkeit eher behindern als fördern. Und so führte der Verlust des Hauses schließlich zu einer Freiheit, die sie sonst vielleicht nicht so genutzt hätte.

Auch das Zusammentreffen mit ihrem Ehemann war ein glücklicher Zufall. Als Studentin ersetzte sie während eines Abendessens einer Bekannten einen Gast, der kurzfristig abgesagt hatte, denn die Gastgeberin wollte keinen Tisch mit 13 Personen. Ihr Tischnachbar war der spätere Arzt und Mathematiker Marcel-Paul Schützenberger (1920-1996). Die beiden diskutierten ohne Pause. Als er ihr am Ende des Abends einen Heiratsantrag machte, sagte sie ja. Auch wenn es für manchen verrückt klingen mag, war es für beide die große Liebe, bis über den Tod des Mannes hinaus.

Die emeritierte Professorin appelliert an unsere Sinne. Die Kunst des Lebens bestünde darin, die Chancen im Leben zu erkennen und zu nutzen, um aus scheinbar unnützen Kieselsteinen Häuser zu bauen.

“Und ich habe viel über die Kinder nachgedacht, die mit ihren weißen Kieseln spielen und sie verwandeln: Sieh doch, sagen sie, dort marschiert ein Heer und dort sind die Herden: Der Vorübergehende aber, der nur Steine sieht, weiß nichts vom Reichtum ihrer Herzen”, schrieb Antoine de Saint-Exupéry in “Die Stadt in der Wüste”.

Die drei Prinzen von Serendip

In dem persisches Märchen mit dem englischen Titel “The Three Princes of Serendip” machen drei junge Prinzen viele unerwartete Entdeckungen und erfüllen durch ihr Mitgefühl schließlich die ihnen gestellte Mission, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Die Geschichte stammt vermutlich von dem indisch-persischen Dichter Amir Chosrau (1253-1325). Sie wurde von dem amerikanischen Soziologen Robert K. Merton (1910-2003) zur Erklärung des Phänomens glücklicher Zufälle weltweit wissenschaftlich verbreitet.

Serendipität: “that’s funny”

Als Alexander Fleming den nichtgeleerten, schimmeligen Abfalleimer nach seinem Urlaub entdeckte, hatte er zunächst einmal mehrere Möglichkeiten. Wie viele Vorgesetzte hätte er seine Hausangestellte entsprechend rügen können. Vielleicht hätte er die arme Frau sogar entlassen. Natürlich hätte er den stinkenden Müll auch selbst entsorgen können. Doch all dies tat er nicht. Stattdessen wunderte er sich, sprach “that’s funny”, kramte in dem Schimmel herum, nahm ein paar Proben, untersuchte sie im Labor und entdeckte somit schließlich das Penicillin. Heute verdanken Millionen Menschen diesem “glücklichen Zufall” ihr Leben.

Serendipität bezeichnet einen Glücksfund, der ursprünglich nicht gesucht wurde. Weitere bekannte Beispiele für solch überraschende Entdeckungen sind die Röntgenstrahlung, Viagra, die Erfindung des Klettverschlusses, der Post-Its oder des Teebeutels. Auch bei der Recherche in Datenbanken oder selbst beim simplen Surfen im Internet können solche Serendipitätseffekte auftreten, wenn unbeabsichtigt nützliche Informationen gefunden werden.

Die unsichtbare familiäre Loyalität

Der Forscherin geht es aber nicht nur um das Aufspüren und Nutzen von Glücksfunden, sondern auch um die Aufklärung und Lösung psychischer Probleme, die ungelöst zur Entstehung oder zum Fortbestehen von Krankheiten beitragen können. So beschreibt das so genannte “Anniversary Syndrome” (Geburtstagssyndrom) ständig wiederkehrende Lebens- oder Krankheitsmuster im Sinne posttraumatischer Stressreaktionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, bis sie schließlich erkannt und beispielsweise durch Psychodrama psychotherapeutisch aufgelöst werden.

Manche Frauen erkranken über Generationen einer Familie hinweg immer wieder im Alter von 42 Jahren an Krebs. Andere Menschen beginnen ab einem bestimmten Alter, sich plötzlich völlig irrational zu benehmen. Sollen solche Schicksale rein genetisch oder zufällig bedingt sein?

Für die Psychologin spricht folgendes Beispiel dagegen: Eine vorher sittsame Frau geht plötzlich völlig unkontrollierte sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern ein. Nach einiger Zeit erkrankt sie an AIDS. Die Stammbaumanalyse ergibt, dass über Generationen hinweg immer wieder in diesem Alter Krankheiten auftraten. Für Ann Ancelin Schützenberger ein klares Zeichen für einen ungelösten Familienkonflikt, eine unsichtbare familiäre Loyalität. Nur wenn diese Loyalität aufgelöst wird, kann letztendlich auch eine Heilung stattfinden.

Lebenskapitel abschließen

Ebenso wichtig sei der Abschluss unvollständiger Geschichten. Die Psychologin Bluma Zeagarnick entdeckte 1927 ein Phänomen, das später nach ihr als Zaigarnik-Effekt benannt wurde. Sie ließ Testpersonen verschiedene Aufgaben durchführen, wovon nicht alle vollständig erledigt werden durften. Die anschließenden Interviews zeigten, dass die unerledigten Handlungen nicht nur besser erinnert wurden, sondern auch zu einem deutlich höheren Detaillierungsgrad wiedergegeben werden konnten.

Nicht abgeschlossene Aufgaben neigen dazu, in unserem Kopf herumzuspuken, so ähnlich wie eine Kuh, die ihr gefressenes Gras wiederkäut. Dagegen können abgeschlossene Aufgaben als erledigt abgehakt werden, was uns ermöglicht, zu einer neuen Aufgabe zu wechseln.

In der Werbung wird dieser als “Cliffhanger” bekannte Effekt erfolgreich ausgenutzt, um Kunden zum Kauf anzureizen. Denn hier wirkt eine unbeantwortete Frage oder ein unbefriedigtes Verlangen im Kopf, wie an einer 30 Meter hohen Felswand zu hängen. Wir können einfach nicht loslassen. Wir brauchen eine Lösung, sei es die verlockende Pizza oder das so toll erscheinende Auto.

Vier Freuden täglich – mindestens!

Die beste Medizin für ein glückliches Leben ist, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. Mindestens viermal täglich. Die Gefahr einer Überdosierung besteht dabei nicht. Aber auch bei kranken Menschen können auf diese Weise äußerst wirksam Traurigkeit und Verzweiflung bekämpft werden und manchmal sogar wahre Wunderheilungen erzielt werden.

Hierzu sollte sich jeder fragen, welche Dinge es sind, die Freude bereiten. Das Erstellen einer Liste mit diesen Wünschen hilft, die Stimmung zu heben: Sei es, einen Kaffee in der Sonne zu trinken, schöne Musik zu hören, eine Reise zu machen, Freunde zu besuchen oder zwischen duftenden Rosen spazieren zu gehen. Diese Liste kann dann sogar vom Arzt quasi als “Rezept” über mindestens vier Freuden täglich gegengezeichnet, abgestempelt und im Verlauf kontrolliert werden.

Eine solche Art der Medizin, aktiv nach kleinen Freuden zu suchen, steigert unweigerlich die Lebensqualität und verändert meist auch den Verlauf der Krankheit zum Guten. Sogar so genannte hoffnungslose Fälle zeigen hierdurch plötzlich Spontanheilungen, indem sie zu einem intensiven Leben zurückfinden und sich endlich mit den Dingen beschäftigen, für die sie wirklich brennen: Egal ob sie zu einer Weltreise aufbrechen, einen Marathon laufen, Klavierspielen lernen oder sich plötzlich neu verlieben.

Wie ein Gingko biloba

Anne Ancelin Schützenberger ist eine faszinierende Persönlichkeit. Intellektuelle und Erzählerin zugleich. Dabei ein wenig mysteriös, wie die zweilappigen Blätter des Gingko biloba. Deshalb wird dieser einzige Vertreter der Ginkgoales auch als “lebendes Fossil” bezeichnet, obwohl diese Gruppe von Samenpflanzen ansonsten ausgestorben ist. Seine Extrakte werden zur Behandlung von Demenzerkrankungen eingesetzt.

Für uns bleibt zu hoffen, dass Anne Ancelin Schützenberger als solch ein lebendes Fossil aus dem vergangenen Jahrtausend mit ihrer Weisheit und Lebensfreude noch lange unser Jetzt und unsere Zukunft lebhaft bereichern kann.

 

Quellen / weiterführende Literatur:

  • Interview (auf Französisch):
    Teil 1 (Sonia Zoran, émission Comme un soleil du 20 août 2011, RSR La Première)
    Teil 2 (Sonia Zoran, émission Comme un soleil du 27 août 2011, RSR La Première)
  • Homepage von Anne Ancelin Schützenberger (auf Französisch)
  • Schützenberger, Anne Ancelin: Le Plaisir de Vivre. 220 p. Payot (14 septembre 2011), ISBN-13: 978-2228906715
  •  Anne Ancelin Schützenberger: Oh, meine Ahnen! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt. 253 S. Carl-Auer-Verlag. 6. Auflage (März 2010). ISBN-13: 978-3896705020
  •  Anne Ancelin Schützenberger: Den Lebenswillen stärken, den Krebs besiegen. Ein neuer Weg ganzheitlicher Krebsbehandlung. 175 S. Kösel-Verlag (1989). ISBN-13: 978-3466342365

 

Karin Schumacher

Veröffentlicht von

Dr. Karin Schumacher bloggt als Trota von Berlin seit 2010 bei den SciLogs. Nach dem Studium der Humanmedizin in Deutschland und Spanien promovierte sie neurowissenschaftlich und forschte immunologisch in einigen bekannten Forschungsinstituten, bevor sie in Europas größter Universitätsfrauenklinik eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe abschloss. Hierbei wuchs das Interesse an neuen Wegen in der Medizin zu Prävention und Heilung von Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise dank mehr Achtsamkeit für sich und seine Umwelt, Respekt und Selbstverantwortung. Die Kosmopolitin ist leidenschaftliche Bergsportlerin und Violinistin und wenn sie nicht gerade fotografiert, schreibt oder liest, dann lernt sie eine neue Sprache. Auf Twitter ist sie übrigens als @med_and_more unterwegs.

16 Kommentare

  1. Serendipität seit 1754

    Den Begriff Serendipität zu finden und damit so viel (Verbreitungs-)Erfolg zu haben war eben auch eine Serendipität.

    Erst seit 1754 gibt’s diesen Begriff und wenn es ihn nicht gäbe müsste man ihn erfinden.

    Also heute noch: 4 neue Begriffe erfinden und sie in alle Welt streuen. Als Zeichen der Serendipität.

  2. Glückliches Abfallprodukt

    @ Trota von Berlin

    Schöner bis außergewöhnlich lesenswerter Lebenshilfe-Beitrag mit kleinen Schwächen und zwar da, wo er auf Dokusoap- oder schlechtem Supernanny- Niveau herabsinkt:

    “Für Ann Ancelin Schützenberger ein klares Zeichen für einen ungelösten Familienkonflikt, …”

    Solche absoluten, die außerordentlich komplexen Motive menschlichen Handelns simplifizierenden Formeln sind mir zu wider.

    Dass man die Entdeckung des Penicillin einem nicht geleerten schimmeligen Abfalleimer und einem flexiblen Geist verdankt, war mir schon immer klar, denn für mich ist Kreativität keine menschliche Eigenschaft oder Fähigkeit, sondern ein ‘glückliches’ Abfallprodukt, d. h. Des Zusammentreffens menschlichen Versagens mit einem unorthodoxen Geist.

    Soll auch heißen, nicht geleerte schimmelige Abfalleimer sind in Mehrzahl der Fälle (oder sogar fast allen Fällen) keine innovativer Segen für die Menschheit, sondern beschleunigen ihr Ableben.

    Abschließend noch was Zustimmendes: Das Glück des Lebens besteht in der Tat in der Freude an den kleinen Dingen des Lebens.

    Ob man mit dem penetranten Hinweis darauf, pschyisch Kranke wieder ins Leben zurückführen kann, bezweifele ich allerdings.

  3. Auf der Suche nach der Serendipität

    Wieder ein wunderschöner Beitrag – wie gut, dass ich mir gleich nach der Ankunft in meinem Exil in Utrecht noch die Zeit dafür genommen habe, ihn durchzulesen.

    Auf dem Tanzfest werde ich gleich sicher mehr als vier Freuden haben; dass jedoch ein Heiratsantrag dabei sein wird, das kann ich nicht versprechen. 🙂

    Das wäre dann eine echte Serendipität.

  4. @ all: Vielen Dank

    … für die Kommentare und Anmerkungen.

    @ Geoman: Frau Prof. Schützenberger verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Psychogenealogie und ist glücklicherweise eine derjenigen, die diese Wissenschaft im Gegensatz zu manch anderen mit einem seriösen Ansatz verfolgt.

    Es stimmt natürlich, dass man mit penetranten Hinweisen psychisch Kranke nur schwerlich wieder ins Leben zurückführen kann. Aber man kann bei vielen von ihnen mit kleinen Freuden durchaus den Appetit aufs Leben wiedererwecken.

  5. Kein schlechtes Rezept

    … und ein schöner Beitrag, denn ich kannte Anne Ancelin Schützenberger bisher nur durch das zitierte Werk “Oh, meine Ahnen!”.

    Aber @Geoman hat wohl dieses Werk leider nicht studiert (und auch nicht die sich darauf berufenden oder die darauf beruhenden), denn sonst wüsste er, dass es sich bei dem von ihm kritisierten Zitat keineswegs um eine simplifizierende Formel handelt.

  6. @ Stephan: Serendipität

    Vielen Dank für die Lorbeeren!

    “All things are meaningless accidents, works of chance, unless your marvelling gaze as it probes, connects and orders, makes them divine.” Wilhelm Willms

    Ob ein Heiratsantrag eine echte Serendipität ist, zeigt sich allerdings vermutlich erst mit den Jahren… 😉

    Viel Glück und auf jeden Fall ein schönes Tanzfest! 🙂

  7. Robuste Handwerkersprache

    Ich habe mich gestern Abend etwas über den Satz

    “Für Ann Ancelin Schützenberger ein klares Zeichen für einen ungelösten Familienkonflikt, …”

    echauffiert, weil er mir spontan unsympathisch war und wie ich heute Morgen formulieren würde, in einer Art unangemessener robuster Handwerkersprache formuliert ist:

    “Für Handwerker Konrad Fischer ist plötzlich auftretende Schimmelbildung ein klares Zeichen für Taubildung durch eine schadhafte Wasserleitung!”

    Dagegen halte ich psychische Störungen, die sich z. B. in plötzlich auftretenden Verhaltensauffälligkeiten äußern, für eine äußerst komplexe und individuelle sehr unterschiedliche Angelegenheit. Auslöser können z. B. biologische Faktoren, Veränderungen im sozialen Umfeld, oder eben eskalierdene ungelöste, von mir aus auch über generationenvererbte emotionale Konflikte sein.

    Deshalb meine ich, hier hätte man angesichts der unzähligen psyschischen Problemlösungskonzepte, die schon gegen die Wand gefahren sind und immer noch aud dem Pschomarkt angepriesen werden, etwas differenzierter und vorsichtiger z. B. wie folgt formulieren sollen:

    Für Ann Ancelin Schützenberger, die die Theorie generationengreifender Lebens- oder Krankheitsmuster vertritt, sind bestimmte, plötzlich auftretende Verhaltensauffälligkeiten ein klares Zeichen für einen ungelösten, möglicherweise schon seit Generationen vorhandenen Familienkonflikt. MitIhrem tehretsichen Konzept hat sie auch schon in der Praxis einige Erfolge erzielt.

  8. Familienkonflikt

    Die Stammbaumanalyse ergibt, dass über Generationen hinweg immer wieder in diesem Alter Krankheiten auftraten. Für Ann Ancelin Schützenberger ein klares Zeichen für einen ungelösten Familienkonflikt, eine unsichtbare familiäre Loyalität. Nur wenn diese Loyalität aufgelöst wird, kann letztendlich auch eine Heilung stattfinden.

    Nicht uncharmant, Dr. W wird das im Auge behalten, wenn er, frei von bekannten Erbkrankheiten im Alter von 90+ zu publizieren gedenkt. – Aber GANZ ANDERS als vorgestellt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. @ Geoman: “Oh, meine Ahnen!”

    Vielen Dank für die Anregungen zu diesem spannenden Thema. In diesem Zusammenhang kann ich genau wie Noït Atiga auf jeden Fall nochmals die Lektüre des Buches von Anne Ancelin Schützenberger empfehlen: „Oh, meine Ahnen! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt.“

    Jeder, der selbst therapeutisch tätig ist, wird schon einmal das eine oder andere Phänomen gesehen haben, auch wenn sich daraus natürlich keine Allgemeingültigkeit ableiten lässt. Dabei kann die Erstellung eines Genogramms jedoch sehr hilfreich sein, bestimmte Familienmuster zu entdecken und damit auch lösbar zu machen, was schließlich das Beschreiten eines eigenen Weges und eine Heilung ermöglichen kann.

  10. Dunkles Geheimnis

    @T rota von Berlin schrieb:

    “Dabei kann die Erstellung eines Genogramms jedoch sehr hilfreich sein, bestimmte Familienmuster zu entdecken und damit auch lösbar zu machen, was schließlich das Beschreiten eines eigenen Weges und eine Heilung ermöglichen kann.”

    Da ich das Buch „Oh, meine Ahnen! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt.“ der französischen Psychologin Anne Ancelin Schützenberger bisger nicht gelesen habe, kann und will ich die Seriosität ihres therapeutischen Ansatzes kaum anzweifeln.

    Nachdem ich in den 1990er Jahren festgestellt habe, dass diverse Psycho-Autoren mit ihren autobiographischen Psycho-Büchern ihre eigenen (unendlichen) Dauertherapien finanzieren, habe ich mir das Lesen von Selbsthilfe-Literatur – auch zum Wohle der Autoren… – abgewöhnt.)

    Allerdings erinnert mich der genealogische Ansatz, bestimmte Familienmuster zu entdecken, an das Konzept der Familienaufstellungen.

    Und darüber habe ich schon diverse Male übelste Berichte nach immer dem selben Muster gehört. Da geht ein bis dahin unauffälliges Mitglied einer Familie auf ein Wochenendseminar. Am Sonntagabend wieder zu Hause angekommen, rastet die betreffenden Person aus, beschimpft die Anderen und behauptet, in dieser Familie gäbe es ein dunkles Geheimnis, das seit Generationen verschwiegen wird und immer wieder – diesmal in ihr – zu Tage tritt…

  11. @ Geoman: Familienaufstellung

    Ihre Einstellung bezüglich diverser Psycho-Autoren scheint ein recht gesunder Lebensansatz zu sein…

    Was das Verfahren der Familienaufstellung betrifft, stimmt es, dass der österreichische Arzt Jakob Moreno (1889-1974) im auch von Anne Ancelin Schützenberger angewendeten Psychodrama Stellvertreter für die betreffenden Personen eines zu betrachtenden Konflikts wählte. Und auch für Familienaufstellungen werden im Vorfeld oft Genogramme angefertigt. Ich würde deswegen aber noch lange nicht die erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit dieser französischen Psychologieprofessorin mit den dubiosen Praktiken mancher Scharlatane in einen Topf werfen.

  12. Psychogenealogie

    Sehr interessant! …Sie sprechen über Frau Ancelin Schützenberger als die “Grande Dame der Psychogenealogie”, nun im Gegensatz zum französischsprachigen finde ich im deutschsprachigen Internet kaum was über Psychogenealogie, noch weniger finde ich – im Gegensatz z.B. zu Frankreich – Therapeuten, die zum Teil oder hauptsächlich mit Psychogenealogie (u.a. mithilfe der Hypnose) arbeiten …Wo kann man in Deutschland – für mich speziell in Berlin – solcheinen Therapeuten finden?

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