Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen

Iridum, ISS, Iridium

Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s

Credit: Ute Gerhardt | Dortmund, 9. Dezember 2016, 20:55 UTC+1, Skywatcher Maksutov MC 127/1500, Canon EOS 1200D, ISO 200, 1/60s. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

 Im Dezember hatte ich Glück: An acht aufeinanderfolgenden Tagen war das Wetter gut genug, um den zunehmenden Mond zu fotografieren. Eine der Aufnahmen, vom 9. Dezember, zeigt im oberen Viertel den sogenannten “Goldenen Henkel”: Am Terminator, der Tag- und Nachtgrenze also, wird das bogenförmige Gebirge Montes Jura bereits von der Sonne angestrahlt, während davor die vom Gebirgszug umfasste Ebene Sinus Iridum gerade eben noch im Schatten liegt. Das ist meist am 9. Tag nach Neumond für relativ kurze Zeit der Fall; ich habe es hier gerade eben noch erwischt.

Überhaupt: Der Mond. Dieses auffällige, dicke, helle Ding ist wohl für viele angehende Astrofotografen das Erste, was sie sich vorknöpfen. Um den Mond zu erwischen, braucht man nicht zwangsläufig ein Teleskop und auch keine Montierung mit Nachführung. Man findet ihn am Himmel leicht, er ist hübsch und abwechslungsreich, und man kann ihn auch in einer Einzelaufnahme ohne Stacking und sonstiges Gedöns gut einfangen. Meine Leser wissen das – ich habe sie ja mittlerweile oft genug mit Mondaufnahmen genervt beglückt.
Aber da oben am Himmel schwirrt ja noch viel mehr herum.
Zum Beispiel Satelliten.

Im Oktober 2016 hielt Stefan Gotthold einen Vortrag zur ISS-Fotografie an der Starkenburg-Sternwarte Heppenheim. Anschaulich legte er dar, dass man diesen größten aller künstlichen Satelliten durchaus auch ohne Profiausrüstung fotografieren kann. Dabei kann man die ISS entweder mit großer Brennweite schrittweise bei einem Transit vor Mond oder Sonne ablichten, so dass sie als Silhouette vor dem Himmelskörper erkennbar ist. Alternativ kann man auch mit kleiner Brennweite die Lichtspur bei ihrem Überflug festhalten. Zusammengesetzt aus vielen Einzelaufnahmen mit jeweils einem Teil der Spur, sieht man auf dem fertigen Komposit am Ende genau, wo die ISS entlang geflogen ist. Ich hatte schon zuvor davon gehört, und mich reizte die Idee, dass nicht nur die Crew der ISS Fotos diverser Gegenden von oben schießt, sondern auch umgekehrt die Bewohner der Städte und Dörfer ihrerseits die ISS fotografieren. Nach einem Blick auf heavens-above.com stellte ich schnell fest, dass ein Transit an meinem Wohnort erst wieder Mitte Januar 2017 vorkommen würde. (Aber fragen Sie jetzt bitte nicht, zu welch unmöglicher Uhrzeit…) Reine Überflüge zu geeigneten Zeitpunkten gab es allerdings doch einige. Als dann im Dezember auch endlich das Wetter wieder mitspielte, versuchte ich es.

ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen

Credit: Ute Gerhardt | ISS über Dortmund, 19. Dezember 2016, 18:14 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 5s, Komposit aus 39 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Im Gegensatz zum Mond muss man hier allerdings schon im Voraus wissen, welchen Teil des Himmels man später fotografieren wird. Die Kamera erst beim Erscheinen der ISS auszurichten, funktioniert nicht, denn die Raumstation ist nur sehr wenige Minuten lang sichtbar. Man würde sie sonst verpassen. Wenn man die Himmelsrichtungen kennt, ist das allerdings kein Problem. Die ISS fliegt immer von westlicher in östliche Richtung über uns hinweg, und die genaueren Details nennt uns das schon verlinkte Tool “Heavens Above”. Bei kurzer Brennweite ist die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich groß, dass man das richtige Areal abdeckt. Vorausgesetzt, man hat auch die richtige Höhe eingestellt, denn die kann beim Überflug doch ziemlich variieren.

Nun habe ich zwar ein Stativ mit Drei-Wege-Neiger, der mir auch Rektaszension und Deklination anzeigt, aber mit der Software (APT) und dem Fernauslöser hatte ich zunächst zu kämpfen, denn ich hatte noch nie zuvor schnell aufeinander folgende Serienaufnahmen gemacht. Der erste Versuch funktionierte zwar, aber die Aufnahmen waren leicht unscharf und lagen zeitlich zu weit auseinander. Dadurch ergaben sich beim fertigen Komposit große Lücken in der Lichtspur der ISS. Vorzeigbar war eigentlich erst der vierte Versuch, ohne APT, der oben zu sehen ist. (An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Michael Khan vom Go-for-Launch-Blog für seine geduldige Fehleranalyse und Hilfe.)

Aber was sieht man da nun eigentlich? Es ist nicht, wie von einigen auf Twitter und Facebook vermutet, die Bordbeleuchtung der Raumstation, sondern es handelt sich auch hier, wie beim Mond, um reflektiertes Sonnenlicht. Die Bordbeleuchtung der ISS ist viel zu schwach, um auf Fotos sichtbar zu werden. Ihre Sonnenkollektoren hingegen bieten eine hervorragende Fläche für Reflexionen. Nun ist die ISS wie gesagt ziemlich groß, mit ihren 450 Tonnen Gewicht und 108 Metern Länge. Was ist mit kleineren Satelliten? Kriegt man die auch aufs Bild?

Es kommt drauf an. Wenn der jeweilige Satellit Flächen hat, die das Sonnenlicht ebenfalls gut reflektieren, dann stehen die Chancen gut, zumindest seine Reflexion zu fotografieren. (Den Satelliten beim Transit als Silhouette abzulichten, wie bei der ISS, dürfte hingegen für Amateure extrem schwierig werden.) Prima geeignet sind zum Beispiel die jeweils nur wenige Hundert Kilogramm schweren Iridium-Satelliten mit ihren Antennen. Letztere bestehen aus Aluminium, sind mit Teflon beschichtet und funktionieren als Spiegel so gut, dass ihre Lichtspuren von der Erde aus betrachtet zigfach heller als die Venus erscheinen können. Allerdings dauert dieses Schauspiel nur wenige Sekunden. Auf der anderen Seite gibt es aber über 60 dieser Satelliten und sie haben eine kurze Umlaufzeit. Aufgrunddessen kann man an ein und demselben Ort oft mehrere Flares pro Tag beobachten und fotografieren.

Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen

Credit: Ute Gerhardt | Iridium-Flare über Dortmund, 06. Januar 2017, 19:03 UTC+1, Canon EOS 1200D, Tamron XR Di II LD Asp IF, 17mm, f/2.8, ISO 200, 13s, Komposit aus 5 Einzelaufnahmen. Klick = Vergrößerung in neuem Fenster.

Genau das habe ich gestern erstmals ausprobiert. Da es sich im Prinzip um dasselbe Vorhaben handelt wie bei der ISS, ging ich beim Iridium-Flare auch technisch ganz ähnlich vor: Die Kamera wird vorab auf die passenden Koordinaten ausgerichtet, die Belichtungszeit beträgt einige Sekunden. In diesem Fall hatte ich allerdings 13 statt 5 gewählt, in der Hoffnung, den gesamten Flare auf eine einzelne Aufnahme bannen zu können. Drei Dinge stellten sich dabei heraus:

1. Ich hätte schon eher mit der Serienaufnahme anfangen müssen, denn erstaunlicherweise war der gestrige Flare über Dortmund (19:03 UTC+1) fast 50 Sekunden lang sichtbar. OK, ich wohne in einer relativ dunklen Gegend, aber damit hatte ich nicht gerechnet.
2. Meine Dachrinne passt farblich und stilistisch nicht in die Komposition.
3. Germanwings Flug 4U4062 DTM-MUC startete gestern mit 20 Minuten Verspätung.

Dummerweise war der A319 auf genau den zwei Aufnahmen mit drauf, die das Zentrum des Iridium-Flares erfasst hatten. Ich habe erst noch überlegt, ob ich seine Lichtspur aus dem Bild schneiden kann, musste dann über dieses Photobombing aber so grinsen, dass ich die Aufnahmen einfach so ließ. Better luck next time.

In diesem Sinne: Frohes neues Jahr und Clear Skies!

Nachtrag, 18.01.2017: Michael Khan weist in seinem Blog darauf hin, dass die aktuelle Generation von Iridium-Satelliten nun nach und nach außer Betrieb genommen und bis Mitte 2018 durch modernere Exemplare mit neuem Design ersetzt wird. Diese produzieren keine Flares mehr.

Ute Gerhardt hat nach dem Abitur einen B.A. in Wirtschaft, Sprachen und Politik an der Kingston University sowie eine Maîtrise in Industriewirtschaft an der Universiät Rennes abgeschlossen. Seit 1994 arbeitet sie in der Privatwirtschaft, derzeit im IT-Bereich. Ute hat zwei Kinder (*2005 und 2006) und interessiert sich neben Raumfahrt und Astronomie auch für Themen aus den Bereichen Medizin und Biologie.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die ISS und Iridium-Aufnahmen gefallen mir gerade auch weil sie Fremdartiges/Phantastisches am Himmel zeigen: Die ISS-Bahn als Schnittmuster, der Iridium-Flar als Riss im Himmel (als Riss im Firmament durch den das Licht einer anderen Welt durchscheint?).
    So weit weg ist die ISS nicht wie die Aufnahmen durch ein 12″ Dobson zeigen.
    Wenn man vom Anthropozän spricht, meint man die durch den menschen verursachten Veränderungen der Erdoberfläche. Warum aber nicht auch den Satellitenfriedhof in den Umlaufbahnen dazuzählen? Dass unser Nachthimmel durch Artefakte verändert wird, die nicht mehr erdgebunden sind, ist schon erstaunlich. Das Gefühl für die Welt in der man lebt verändert sich. Trevor Paglen Secret Satellites machen diese andere, von Menschen geschaffene Welt am Himmel, deutlich.

    • Das ist mit ein Grund, warum ich ISS & Co. auch gerne beobachten und fotografieren möchte. Raumfahrt – das hört sich für den Otto-Normal-Verbraucher oft nach etwas Unerreichbarem an, das nicht zum Alltag gehört, mit dem er nichts zu tun hat, das sich ihm entzieht. Dem ist ja aber gar nicht so. Die Satelliten da oben erfüllen doch allesamt jeweils einen ganz konkreten Zweck für uns hier unten. Sie sich anzusehen oder gar Aufnahmen davon zu haben, macht das ein klein wenig greifbarer, finde ich. Da kommen auch schnell weitere Fragen à la: “Und was machen die da oben genau?”

      Vielleicht hört man dann in Zukunft mal etwas weniger oft den seltsamen Spruch, wieso man denn “für sowas Geld ausgeben” soll, statt “erstmal die Probleme auf der Erde” zu lösen. Genau das tun Satelliten etc. ja schließlich.

      Und den Moment, als ich meiner staunenden Tochter den leuchtenden Punkt zeigte, der einmal quer über den Himmel seine Bahn zog, werde ich so schnell auch nicht vergessen: “Das ist die ISS? Die kann man ja sehen!” Ja, kann man. Die ist in dem Moment rein rechnerisch nur etwas weiter weg als die Großmutter in Süddeutschland. Und da sitzen sogar Leute drin, die neben all ihrer Forschungsarbeit auch ihrerseits unsere Kontinente und Städte fotografieren und uns allen das dann auf Twitter, Flickr oder sonstwo zeigen. Über alle Grenzen und Sprachbarrieren hinweg. Das ist einfach großartig!

      Zum Thema “Weltraumschrott” verlinke ich immer gerne http://stuffin.space/. Da wird einem erstmal so richtig klar, wie viel da mittlerweile um uns herum schwirrt.

    • Die ISS und Iridium-Aufnahmen wurden scheinbar mit einer gewöhnlichen Fotokamera, also ohne vorgeschnalltes Teleskop gemacht. Umso weniger Ausrüstung man braucht um interessante Aufnahmen zu machen, umso besser. Zu diesem Schluss bin ich gekommen, nachdem ich mich im Internet über Teleskope für Amateure informiert haben. Ich fand dort Empfehlungen für Amateure, die vor zu grossen Teleskopen, also zu grossen Spiegeln, warnten. Mir selbst kommt 12 Zoll nicht besonders gross vor. Vor einem 12 Zoll Monitor möchte ich jedenfalls nicht sitzen. Doch für ein Teleskop scheint 12 Zoll schon recht gross zu sein, wenn man alles dazurechnet was es braucht um ein solches Teleskop zu betreiben. Jedenfalls hat die Seite für Amateuere vor solch grossen Teleskopen für Amateure gewarnt.

      • Die Größe alleine sehe ich da nicht als problematisch an. Es muss halt zum Einsatzort und zum beabsichtigten “Projekt” passen. Ich war vor ca. 20 Jahren im Verein für volkstümliche Astronomie in Essen. (Eben der, unter dessen Führung der inzwischen europaweit bekannte jährliche ATT entstand – damals war das noch eine recht kleine Veranstaltung.) Wir waren alle Amateure, hatten aber sogar einen 14-Zöller in unserem Arsenal. Der war aufgrund seines Gewichts und Umfangs ganz alleine kaum gut zu handeln, das stimmt. Aber irgendein Vereinskollege fand sich eigentlich immer, der mitmachen wollte und dann auch beim Aufbau half. Wir kamen alle gut zurecht mit diesem Teleskop, aber es hatte eben wenig Sinn, es auf einem Balkon in der lichtverseuchten Stadt einzusetzen, oder gar an unserem Vereinsstandort mitten im Zentrum von Essen. Dafür fuhren wir dann raus, irgendwo hin, wo es dunkel war. Mit jenem C14 sind seinerzeit großartige Aufnahmen von z. B. Hale-Bopp entstanden.

        Wer natürlich nur ab und zu mal eben aus dem Fenster raus spechteln will, für den ist ein 12er oder so ein C14 samt Montierung, Nachführung etc. wohl nicht das Richtige, das ist klar. Aber schon einen 12-Zöller generell als “nichts für Amateure” zu bezeichnen – das würde ich so ganz und gar nicht unterschreiben. Profis waren wir damals auch alle nicht, und einzelne von uns konnten selbst das C14 alleine aufbauen.

  2. Hab eigentlich was Anderes gesucht und blieb dann hier hängen. Ich bin Laie auf dem Gebiet, finde es aber interessant zu lesen, was und wie man ISS und Satelliten sehen bzw. sichtbar machen kann. Generell mag ich die Thematik Weltraum. Als Kind haben wir in der Schule mal die Sonne beobachtet oder ein Planetarium besucht. Zu viel mehr reichte es jedoch nicht. (Heute gucke ich gerne Dokus oder SciFi-Filme/-Serien.) Dass bei der Beobachtung etwas schief gehen kann, ist ärgerlich, aber über die Erwähnung und Erfassung des unplanmäßigen Germanwingsfluges mußte ich grinsen. 🙂 Wenn das jetzt ein UFO gewesen wäre…

    12 Zoll oder 14 Zoll find ich schon riesig. Das in der Schule damals als kleiner Junge war vielleicht halb so dick, wenn ich mich richtig erinnere. Und man konnte die Sonnenflecken sehen.

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