• Von Ludwig Trepl
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Ökologistische Glaubenssätze und Ökologie Teil 1: Allzusammenhang, organische Gemeinschaften, Superorganismen

Landschaft & Oekologie

Die Ökologie hat, so meint man, dem allgemeinen Diskurs über das Verhältnis der Menschen zur „Natur“ einiges an Wissen zur Verfügung gestellt. Tatsächlich sind es Glaubenssätze. Sie werden fester geglaubt als das Dogma von der unbefleckten Empfängnis: Während an dieses die meisten Gläubigen hierzulande wohl kaum glauben – sie sagen allenfalls, anderen und oft auch sich, daß sie das täten –, glaubt man jene ökologischen Glaubenssätze wirklich. Warum auch nicht, handelt es sich doch um Erkenntnisse der Naturwissenschaft, und die sind entweder wahr oder doch der letzte Stand der voranschreitenden Wissenschaft, etwas Besseres haben wir nicht. Man bräuchte hier vielleicht die Aufpasser gar nicht, die über die (wissenschafts-)politische Korrektheit wachen, denn da paßt jeder schon selber auf. Das Dumme ist nur, daß etliche der Glaubenssätze gar nicht der letzte Stand der Wissenschaft sind, es vielleicht nie waren, oder daß sie zumindest umstritten sind.

Im Zentrum der Öko-Dogmatik stehen metaphysische Sätze wie „alles hängt mit allem zusammen“. Daraus folgert man, daß man möglichst nichts verändern darf, denn das hat Folgen für alles, was mit diesen Veränderungen zusammenhängt, also für alles. Und da der jetzige Zustand gut ist – denn es ist ja, weiterer Glaubenssatz, jedes Lebewesen optimal an alle anderen in seiner Umwelt und an seine abiotische Umwelt angepaßt – wird die Veränderung nicht nur eine Veränderung sein, sondern eine Beeinträchtigung.

In der Philosophie werden, soweit ich sehe, die damit verbundenen Probleme kaum wahrgenommen. Wie in der allgemeinen, öffentlichen Diskussion zum Thema Ökologie übernimmt man jene Glaubenssätze einfach, auch wenn sie, wie die eben genannte Allzusammenhang-These, leicht erkennbar Unsinn sind. Wo aber das Ökologie-Thema beginnt, genuin philosophische Aufgabe zu werden, nämlich in der Ethik – „Umweltethik“ oder „ökologische Ethik“ hat man als neue Teilgebiete der Philosophie erfunden – sorgen sie für einige Verwirrung. Man hat da u. a. die Aufgabe, zu begründen, warum man denn überhaupt die Natur schützen soll. Da ist Verschiedenes im Angebot. Soll man (nur) diejenigen Lebewesen schützen, von denen wir ökonomischen oder anderen Nutzen haben, oder nur die, die leidensfähig sind, oder alle, die ein „Streben“ haben – also alle –, auch wenn wir keine Gründe ausfindig machen können für die Behauptung, daß sie leiden, wenn man sie in diesem Streben beeinträchtigt? Oder haben wir nicht nur einzelne Lebewesen vor Leiden, und vielleicht auch Arten vor der Ausrottung zu bewahren, sondern „ganze Ökosysteme“ oder „die ganze Natur“ vor Beeinträchtigungen welcher Art auch immer? Diese Auffassung – man nennt sie meist „holistische Umwelt-Ethik“ – begründet sich im allgemeinen wiederum über die These vom Allzusammenhang. Bisher habe man geglaubt, so meint man, wir könnten fast beliebige Veränderungen in der Natur vornehmen, auch schädliche: Die Wirkung bleibe doch begrenzt. Seit den 70er Jahren setzte sich jedoch, wie angedeutet, die Einsicht durch, dem sei nicht so. Begrenzte Wirkungen gebe es in der Natur nicht; das habe die Ökologie gezeigt. Meist wird das verbunden mit einer generellen Wissenschaftskritik: Die Wissenschaft sei bisher „monokausal“ gewesen, aber ihr jüngster (man hält die Ökologie für jung) und fortgeschrittenster Sproß, die Ökologie, habe gezeigt, daß das falsch ist. Die Ökologie betrachtet nicht nur Einzelnes, d. h. in Wirklichkeit künstlich Isoliertes, sondern die ökologische Ebene ist die „überorganismische“ – da wird nicht nur auf den einzelnen Organismus gesehen, sondern man untersucht Einheiten, die aus mehreren Organismen, meist aus sehr vielen bestehen, sog. Gesellschaften/„communities“ bzw., wenn man deren Beziehungen zur abiotischen Umwelt betont, „Ökosysteme“. Und da habe sich gezeigt, daß der Glaube an die Monokausalität, der der bisherigen Rücksichtslosigkeit gegen die Natur das gute Gewissen verschaffte, auf einem Irrtum beruhte. – Es gibt zahlreiche Schriften vor allem aus den 70er und 80er Jahren, aber auch heute noch, die diese Lehre verbreiten.

Die Natur ist aber nicht nur durch den Allzusammenhang gekennzeichnet, der geeignet ist, die Menschen zu beunruhigen. Ein anderes wesentliches Merkmal der ökologischen Systeme ist geeignet, uns zu beruhigen. Das ist ihre Stabilität. Es beruhigt allerdings nur bedingt. Denn die These von der Stabilität der Ökosysteme gilt nicht immer, sie hängt ab von der Diversität dieser Systeme. (Manchmal meint man auch, von ihrer Natürlichkeit, und manchmal meint man, beides bedinge einander: natürliche Ökosysteme seien hoch divers). Diversität heißt im wesentlichen Artenreichtum. So bekomme jene holistische Umweltethik, die meint, nicht einzelne Lebewesen oder Arten seien zu schützen, sondern ganze Ökosysteme, Unterstützung von der Ökologie. Wir müßten die artenreichen Ökosysteme bzw. die „Biodiversität“ insgesamt schützen, denn davon hänge die Stabilität jener Systeme ab. Und zugleich wird eine Begründung für den Schutz der einzelnen Arten, und zwar jeder Art, geliefert: Vom Schutz der Arten hängt die Stabilität der Natur insgesamt ab.[1]

Der darauf aufbauenden einschlägigen Diskussion in der politischen Öko-Bewegung, aber auch in der Ökologie selbst liefern die Begriffe Gesellschaft, Gemeinschaft und Organismus wesentliche organisierende Gesichtspunkte. – Ihrem Verständnis stehen mitunter rein sprachliche Hindernisse entgegen. Die Begriffe Gesellschaft und Gemeinschaft sind in einer für unsere Diskussion relevanten Hinsicht im Deutschen recht klar unterschieden, im Englischen und damit in der Sprache der Wissenschaft Ökologie aber weniger. Im Deutschen trennt man sprachlich zwischen Gemeinschaft und „bloßer“ Gesellschaft, in den englischsprachigen ökologischen Texten heißt beides „community“. Aber auch die politische Begriffsgeschichte ist in den englischsprachigen eine andere als in den deutschsprachigen Ländern. Ich werde mit ein paar Bemerkungen zu einer hauptsächlich deutschen Diskussion um diese Begriffe beginnen; sie ist aufschlußreich für die Öko-Ideologie, d. h. den politischen Gebrauch, den man von diesen Begriffen macht.

 

Das fortschritts- und zivilisationskritische, anti-moderne Denken war in den deutschsprachigen Ländern vom 19. Jahrhundert an lange dominiert von eben diesem Gegensatz zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft. Die Gesellschaft ist eine von äußerlichen Kräften zusammengehaltene Ansammlung von Menschen. Paradigmatisch ist eine Gesellschaft, zu der sich Auswanderer in der neuen Heimat zusammenfinden. Was sie eint, ist letztlich nur der Zufall des Zusammenlebens an einem Ort, in einem Land. Dort nehmen sie äußerliche Arten von Beziehungen zueinander auf: „Geschäftsbeziehungen“ vor allem, d. h. vertraglich geregelte.

Wenn für die Menschen irgendwo die Nachteile überwiegen, können sie die Gesellschaft verlassen und sich einer anderen Gesellschaft anschließen, bzw. sie „konstruieren“ zusammen mit denjenigen, mit denen sie nun zusammenleben, eine neue Gesellschaft. Sie geben sich eine Verfassung, erlassen Gesetze, deren Sinn im wesentlichen darin besteht, den Einzelnen in seiner Freiheit vor den für ihn negativen Auswirkungen der Freiheit anderer zu schützen. Man erkennt leicht das liberale Weltbild, das wirksam ist, wenn man diese Vorstellung des Zusammenlebens sich zum Ziel setzt.[2]

Paradigmatisch für eine Gemeinschaft ist die Familie. Die Kräfte, die die Familie zusammenhalten, sind innere. Die Gemeinschaft ist typischerweise vor dem Einzelnen da; niemand kann sich aussuchen, in welche Familie er hineingeboren wird. Man verdankt sich in allem, was man ist, dieser Gemeinschaft. Darum hat man Pflichten gegen sie. Die Pflichten, die jemand gegen die bloße Gesellschaft hat, sind vertraglicher Art, d. h. das Individuum muß ihnen zustimmen, sonst gelten sie nicht als Pflichten für dieses Individuum. Man verpflichtet sich, weil man Vorteile davon hat. Man löst den Vertrag auf, wenn er einem nichts mehr nützt. In die Gemeinschaft einer Familie aber kann man typischerweise nicht durch Vertrag eintreten, auch nicht austreten, man bleibt lebenslang an sie gebunden. Zwar kann man eine Ehe auflösen. In den Augen der antimodernen Kräfte ist das aber eine Degenerationserscheinung und eine verwerfliche Handlung. Aus einer Eltern-Kind-Beziehung gar gibt es kein Entkommen. Es ist im höchsten Grade verwerflich, alte Eltern abzuschieben oder so weit wegzuziehen, daß man ihnen nicht mehr helfen kann.

Jeder kann diese Aufzählung für sich noch lange fortsetzen. Einige weniger auf der Hand liegenden Implikationen: Gesellschaften von Menschen, die für die Modernen bloße Gesellschaften sind, sollen aus Sicht der Antimodernen Gemeinschaften werden und umgekehrt. Die mittelalterliche Ständegesellschaft, zumindest so, wie sie in der Phantasie der Konservativen entstand, nachdem sie nicht mehr bestand, war eine Gemeinschaft. Man wurde in sie hineingeboren, durfte sie nicht verlassen, sie war einem von Gott oder der Natur vorgegeben, man hatte ihr, als einer Ganzheit, auf dem Platz, auf dem man sich vorfand, zu dienen. – D. h., sagten die Modernen, man hatte denen zu dienen, die sie repräsentierten und die ihre Herren waren. Denn was soll es heißen, einer Gesellschaft oder Gemeinschaft zu dienen? Adressat des Dienens kann nur ein Individuum sein. Was über die Gesellschaft als ein Kollektiv in diesem Zusammenhang gesagt wird – von konservativen „Dienst am Vaterland“ bis zum kommunistischen „Dem Volke dienen“ –, ist sehr aufschlußreich, wenn man wissen will, warum die Liberalen die Sozialisten (das Derivat) und die Konservativen (das Original) gleichermaßen hassen und für völlig irrational halten.

Die Naturalisten meinen, ein subjektunabhängiges Wissen über die Natur zu haben, und weil sie in der Variante des „ökologischen“ Naturalismus (Keil) (anders als in der des szientistischen) in der Natur eine normative Instanz sehen, wird dann, wenn erkannt ist, daß die wahre, d. h. seinsollende Natur aus Gemeinschaften und nicht aus bloßen Gesellschaften besteht, gefolgert, daß die Menschen sich danach zu richten hätten; sie hätten also ihre Welt nach dem Vorbild der Natur einzurichten: Sie hätten in Gemeinschaften zu leben, weil die wahre Natur aus Gemeinschaften besteht. In Wahrheit ist natürlich diese wahre Natur eine Projektion von Ideologien über das anzustrebende Verhältnis der Menschen zueinander in die Natur.

Ich habe mich in einem früheren Blog-Artikel mit der in der Ökologie-Bewegung überaus verbreiteten, in der Ökologie aber meist belächelten Meinung auseinandergesetzt, die Erde als Ganze beherberge nicht nur Lebewesen, sondern sei eines. Herabgebrochen auf die Ebene der täglichen Forschungsgegenstände der Ökologen ist es nicht die Erde, sondern es sind bestimmte biologische Gesellschaften oder Ökosysteme (Wälder, Seen usw.), denen man die Eigenschaften einer organischen Gemeinschaft oder eines Lebewesens, eines „Superorganismus“ zuschreiben müsse. Die einzelnen Lebewesen (Tiere, Pflanzen) bilden zusammen mit anderen Lebewesen funktionale Einheiten; das sind die Organe dieses Superorganismus. So wie die einzelnen Zellen zusammen mit anderen Zellen Organe bilden und diese zusammen mit anderen Organen Organismen, so auch die einzelnen Lebewesen. Diese Auffassung vom Charakter ökologischer Gemeinschaften/Gesellschaften ist anders als die Gaia-Hypothese in der Wissenschaft Ökologie lange Zeit vorherrschend gewesen. Man nannte sie die holistische Auffassung oder das „organismic concept“. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts verlor sie weithin ihren Kredit. Sie galt nun als konservative Ideologie, als wissenschaftlich ernstzunehmen galt von nun an in den USA eher das ihr entgegenstehende „individualistic concept“.[3] Zwar war es nicht so, daß das „orgnismic concept“ völlig verdrängt wurde, aber es spielte nur noch eine untergeordnete Rolle.[4] Auffallend ist, daß es im wesentlichen zu der Zeit in der Ökologie ganz an der Rand gedrängt wurde, zu der es in der politischen Bewegung, die sich nach dieser Wissenschaft benannte, zum zentralen weltanschaulichen Element wurde.

Ich will hier nicht noch einmal auf jene innerökologische Kritik an der „Gaia-Hypothese“ und an der auf typische Alltags-Ökosysteme bezogenen „Superorganismus-Theorie“ eingehen. Statt dessen will ich versuchen, einen Eindruck davon zu geben, in welchen Fällen die Ökologie umgekehrt tatsächlich einigermaßen übereinstimmend zu dem Ergebnis kommt, daß eine Entwicklung von „individualistischen“ Gesellschaften zu „organischen“ Gemeinschaften unterschiedlichen Integrationsgrades und schließlich zu „Superorganismen“ stattgefunden habe.

 

Unsere Fragen werden in der Ökologie fast immer auf bestimmte Typen von Gesellschaften/Gemeinschaften und von Lebewesen, die sie bilden, bezogen, und der politökologische Diskurs bezieht sich nur auf diese. Man beschränkt sich – theoretisch ist das nicht zu rechtfertigen – auf bestimmte Typen von Organismen, nämlich solche, die im Alltagsdenken als Einzellebewesen gelten: einzelne Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen. Und entsprechend beschränkt man sich, wie schon angedeutet, auf Gesellschaften/Gemeinschaften dieser Einzellebewesen, die im Alltagsdenken als Gesellschaften/Gemeinschaften gelten: Solche, die sich dem „landschaftlichen Blick“ verdanken, z. B. auf Gesellschaften/Gemeinschaften der Wälder und Seen. Auf diese bezogen sind die Glaubenssätze von den „Gemeinschaften“ mit ihrer organischen Abhängigkeit aller Teile voneinander im wesentlichen falsch oder entsprechen doch nicht dem Stand der Wissenschaft. Die Lebensgemeinschaft eines Waldes oder Sees ist kein Organismus höherer Ordnung – dem dann entsprechend alles zustoßen kann, was einem Organismus zustoßen kann, insbesondere Krankheit und Tod.

Aber es gibt – und zwar in riesigem Umfang – doch „organische Gemeinschaften“ und „Superorganismen“. Es gibt sie da, wo sie der allgemeine Öko-Diskurs nicht vermutet und an die man in den Diskussionen der Ökologen um unsere Fragen normalerweise nicht denkt. Und das kommt nicht zuletzt daher, daß diejenigen, denen sich die Erkenntnisse verdanken, die ich nun referieren werde, sich kaum jemals als Ökologen verstehen, sondern als Biologen anderen Typs, obwohl die Fragen, um die es hier geht, nach den üblichen Einteilungskriterien der Biologie ökologische sind.

Zunächst werde ich beschreiben, wie es möglich ist und auch tatsächlich geschieht, daß sich Individuen einer Art zu immer enger integrierten Einheiten zusammenfinden, bis hin zu Organismen höherer Ordnung. Und dann, wie es sich bei Individuen verschiedener Arten diesbezüglich verhält. Dabei wird sich, für Laien oft überraschend, ergeben, daß das, was wir für ein Einzellebewesen halten, in aller Regel Superorganismen sind.

 

Literatur:

Keil, G. 1993: Kritik des Naturalismus. Berlin/New York: de Gruyter.

Kirchhoff, Th. (2007): Systemauffassungen und biologische Theorien. Zur Herkunft von Individualitätskonzeptionen und ihrer Bedeutung für die Theorie ökologischer Einheiten, Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur, Band 16. (Dissertation TU München).

[1] Die neuere Diskussion in der Ökologie hat ergeben, daß es wohl in bestimmten Falltypen und im Hinblick auf bestimmte Typen von Stabilität jenen geglaubten Zusammenhang gibt, doch nicht generell.

[2] Als typisch für eine Gesellschaft kann man auch eine Abendgesellschaft nehmen. Man schließt sich ihr an aus einem bestimmten Interesse heraus, hält bestimmte Regeln ein, solange man beisammen ist, und geht dann wieder auseinander.

[3] Bzgl. der Vorstellungen vom Wesen der ökologischen Systeme und der individuellen Lebewesen, die sie bilden, gibt es in der Ökologie mehrere konkurrierende Theorien. Es kann darum gestritten werden, ob eine solche Theorie prinzipiell für alle Gesellschaften/Gemeinschaften bzw. Ökosysteme gilt oder ob manche Typen von Gesellschaften/Gemeinschaften bzw. Ökosystemen besser durch die eine, andere durch die andere Theorie erklärt werden können. Kirchhoff (2007) hat folgende unterschieden: „(1) die Theorie aggregierter Systeme bzw. solitärer Individualität, (2) die            Theorie organischer Systeme bzw. systemischer Individualität sowie (3) die zwischen diesen konträren Theorien vermittelnde Theorie interaktionistischer Systeme bzw. von Ko-Individualität. Die Theorie organischer Systeme besagt, dass alle Individuen des betrachteten Gegenstandsbereichs organischen Systemen zugehören (oder zumindest eine universelle Tendenz dazu besteht). Ein organisches System ist dabei eines, in dem (1) jede Komponente einen absolut notwendigen Beitrag zur Reproduktion des Systems leistet und (2) sich jedes Individuum nur als Komponente eines solchen Systems reproduzieren kann. Für ein aggregiertes System gilt dabei: (1) Jedes Individuum gehört ihm unabhängig von den anderen Individuen dieses Systems als Komponente zu …. (3) Jedes Individuum ist auch in seinen Eigenschaften und seiner Disposition unabhängig von allen anderen Individuen der betrachteten Kategorie (oder Klasse). Für ein interaktionistisches System gilt dabei: (1) Seine Zusammensetzung ist auch bestimmt durch unmittelbare oder mittelbare kausale Beziehungen zwischen den potenziellen und / oder den tatsächlichen Komponenten des Systems. (2) Die tatsächlichen Komponenten sind in ihrer Existenz nicht wechselseitig und zugleich absolut notwendig abhängig voneinander.“

[4] Zu den Gründen, warum mit einer völligen Verdrängung nicht zu rechnen ist, siehe Kirchhoff 2007

Ludwig Trepl

Veröffentlicht von

Ich habe von 1969-1973 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der FU Berlin Biologie studiert. Von 1994 bis zu meiner Emeritierung im Jahre 2011 war ich Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie der Technischen Universität München. Nach meinem Studium war ich zehn Jahre lang ausschließlich in der empirischen Forschung (Geobotanik, Vegetationsökologie) tätig, dann habe ich mich vor allem mit Theorie und Geschichte der Ökologie befaßt, aber auch – besonders im Zusammenhang mit der Ausbildung von Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten – mit der Idee der Landschaft. Ludwig Trepl