“Windows 10”-Attacke: Nachtrag

Inzwischen habe ich mich mit Windows 10 abgefunden, das Microsoft so überfallmäßig auf meinem Rechner installiert hat…

… aber …

Ich wollte heute eigentlich etwas ganz anderes schreiben, nämlich den angekündigten zweiten Teil “Zukunft” meiner Erfahrungen mit der Münchner Schreibwerkstatt . Aber da es nicht nur in den Medien über die Unverschämtheit von Microsoft immer noch grunmmelt (s. unten), sondern auch in meinen eigenen Eingeweiden, möchte ich meinem Ärger nochmals Luft machen und zugleich die Frage an die Leser dieser Zeilen stellen, denen man auch die neue Windows-Version so unversehens “aufs Auge” resp. “auf den Computer gedrückt” hat:

1. Treten bei Ihnen auch Laufwerke im Verzeichnis plötzlich doppelt auf?

2. Geht mit dem Passwort plötzlich etwas nicht mehr, was vorher möglich war?

Beides tangiert ja deutlich die Sicherheit meines Rechners. Im Detail:

ad 1) Ich habe eine externe Festplatte für die Datensicherung angeschlossen. Die wird auch korrekt im Verzeichnis des Windows Explorers angezeigt; desgleichen ein USB-Stick für speziellen Dateien. Aber gleich darunter tauchen beide Externas nochmals als eigenständige Laufwwerke bzw. Ordner auf. Das ist für mich sehr irritierend, weil ich nun immer wieder unsicher bin, ob wirklich auf beiden Zieladressen die gleiche Sicherheitskopie abgespeichert wird. Das ist doch bescheuert und in meinen Augen ein ziemlich heftiger Programmierfehler, der so einer Weltfirma wie Microsoft nicht passieren sollte – denn damit ist die Eindeutigkeit der Laufwerke futsch!

ad 2) Ähnliches gilt für das Passwort. Mein altes war sehr komplex und hatte neben Buchstaben und Zahlen auch Sonderzeichen. Windwos 10 zwang mir nach der Installation beim ersten Lauf ein “Microsoft-Konto” auf, das ich mit einem neuen Passwort versehen musste – das nun für Microsoft im Prinzip jederzeit ermittelbar und somit benützbar ist – was bei meinem alten PW absolut nicht der Fall war: Das kannte wirklich nur ich.

“Was tun?” sprach angeblich Zeus, als er sich Prinzessin Europa auf den Rücken geworfen hatte und mit ihr nach Kreta schwamm, um sie dort… und dies schreibe hier nun ziemlich ratlos ich.


Es grummelt heftig in den Medien

Nur ein Beispiel, zitiert aus einer aktuellen Süddeutschen Zeitung (Nr. 149 vom 30. Juni 2016) im Wirtschaftsteil (S. 25):

Der Softwarekonzern Microsoft will das Verfahren zum Umstieg auf sein neues Betriebssystem Windows 10 nach vielfachen Beschwerden von Nutzern revidieren. „Wir haben hart daran gearbeitet, ihr Feedback aufzunehmen“, sagte Windows-Chef Terry Myerson. […] Seit Februar hatten sich viele Nutzer beschwert, dass bei einem Klick auf das „X“ im Menüfenster der Umstieg automatisch begann. Normalerweise wird unter Windows ein Menü geschlossen, sobald man mit der Maus auf das „X“ klickt.

Mein Blog nennt sich ja Labyrinth des Schreibens. Mit Windows 10 ist mir so etwas wie der Minotauros begegnet. “Hard selling american style” in seiner reinsten Form.

Danke, Microsoft, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Leider helfen mir keine Ratschläge, es statt mit Windows mal mit Linux zu versuchen. Es ist ja kein Zufall, dass die Verwaltung der Stadt München, die vor einigen Jahren tapfer und sparstiftbewusst auf Linux umstieg – reumütig zu Windows zurückgekehrt ist! Ein Software-Labyrinth langt mir, bei dem ich im Schreiben herumirren muss.

Post 301 / JvS #1062 / SciLogs #1528 / Aktualisiert: 07. Juli 2016/21:32 / v 1.1

“Zwei Seelen wohnen a(u)ch in meiner Brust.” Das Schreiben hat es mir schon in der Jugend angetan und ist seitdem Kern all meiner Tätigkeiten. Die andere „zweite Seele“ ist die praktische psychologische Arbeit plus wissenschaftlicher Verarbeitung. Nach dem Psychologiestudium seit 1971 eigene Praxis als Klinischer Psychologe. Zunächst waren es die Rauschdrogen, die mich als Wissenschaftler interessierten (Promotion 1976 mit der Dissertation “Der falsche Weg zum Selbst: Studien zur Drogenkarriere”). Seit den 1990er Jahren ist es das Thema „Hochbegabung“. Mein drittes Forschungsgebiet: Labyrinthe in allen Varianten.
In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn fand ich ein effektives Werkzeug, um mit Gruppen zu arbeiten und dort Schreiben und (Kreativitäts-)Psychologie in einer für mich akzeptablen Form zusammenzuführen.
Ab 1978 Seminare zu Selbsterfahrung, Persönlichkeitsentwicklung und Creative Writing, gemeinsam mit meiner Frau Ruth Zenhäusern im von uns gegründeten “Institut für Angewandte Kreativitätspsychologie” (IAK).
Als “dritte Seele” könnte ich das Thema “Entschleunigung” nennen: Es ist fundamentaler Bestandteil jeden Schreibens und jedes Ganges durch ein Labyrinth.
Lieferbare Veröffentlichungen: “Kreatives schreiben – HyperWriting”, “Kurzgeschichten schreiben”, “Das Drama der Hochbegabten”, “Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Kreativität und Hochbegabung”, “Blues für Fagott und zersägte Jungfrau” (eigene Kurzgeschichten), “Geheimnis der Träume” (Neuausgabe in Vorbereitung).
Dr. Jürgen vom Scheidt

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit den Laufwerken kenn ich auch, einmal in der Liste “Mein PC” (o.ä.), und einmal als eigenständiger Punkt. Ob man das Ändern kann weiß ich nicht.
    Das “Microsoft-Konto” kann man aber wieder zurücksetzten auf ein “Lokales Konto”, allerdings muss man dabei einen neuen User anlegen, mit neuem PW, und dann die Daten ins neue Verzeichnis holen, vllt. gibt es eine andere Möglichkeit, kenne aber keine.

  2. Ich hab mal kurz bei W 8.1 und 10 ´reingeschnuppert und bin dann aber trotz heftiger Gegenwehr des Systems zu W 7 zurückgekehrt und da bleibe ich auch.

    Mein Motto: “Ich spring doch nicht über jedes Stöckchen, nur weil man es mir hinhält.”

  3. Die Gründe für die Rückkehr der Stadt München zu Windows sind vielfältig und liegen unter anderem an einer sehr aggressiven Lobbyarbeit des Softwareriesen aus Redmond. Das hier in einem Nebensatz auf die Qualität von Linux abzuschieben greift deutlich zu kurz. Nicht umsonst basiert so gut wie das ganze Web auf Linux. Das liegt nicht daran, dass Linux schlecht ist oder nicht funktioniert.

    • @Laas:

      Haben sei die Begründung der Stadt München für die Rückkehr zu Windows auch gelesen?
      Als Gründe werden genannt:
      – hoher manueller Aufwand um Kompatibilität mit Hard- und Software herzustellen und zu halten
      – große Anpassungsschwierigkeiten der Belegschaft

      Beides hat nichts mit Werbung aus Redmond zu tun, sondern ist ein generelles Problem von Linux im Desktop-Bereich.

      Da hilft es auch nichts wenn fast das ganze Netz auf Linux basiert. Sobald man in den Anwenderbereich kommt, und das System nicht von einem großen Konzern im Hintergrund (Android) entwickelt wird, sackt die Verbreitung Richtung 1% ab.

  4. Windows kenne ich seit der Version 3.1 und kenne die Systematik dieses Betriebssystems zu genüge – und es hat seinen Grund, warum ich privat mit Debian Linux arbeite.

  5. Windows kenne und schätze ich seit Version 3.1 — Windows 8 war der Grund, warum ich trotz jahrelang gepflegter Aversion zu Mac gewechselt bin. Und glücklich.

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