Weniger Todesfälle durch Klimawandel?

Im Winter sterben mehr Menschen als im Sommer. Aber bedeutet das auch, dass durch die globale Erwärmung insgesamt das Sterberisiko sinkt?

Gastbeitrag von Veronika Huber

In gemäßigten Breiten zeigen die Sterbefall-Statistiken eine deutliche Saisonalität. Mehr Menschen sterben in den kalten Wintermonaten als in den warmen Sommermonaten. In Europa beträgt der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Todesfallzahlen im Winter (Dezember – März) und den restlichen Monaten des Jahres 10% bis 30%. Man könnte nun die simple Rechnung aufmachen: Wenn die Winter durch den Klimawandel milder werden, werden weniger Menschen durch kalte Witterung sterben. Aber ist es wirklich so einfach?

Diese Frage ist umso interessanter, weil ja auch bei Hitzewellen überdurchschnittliche Sterbefallzahlen auftreten. So waren zum Beispiel im Sommer 2003 nach Schätzungen bis zu 70 000 Todesfälle in ganz Europa auf die damals herrschende Rekord-Hitzewelle zurückzuführen. Bei fortschreitendem Klimawandel mit vermehrten und stärkeren Hitzewellen ist demnach mit einer Zunahme von ‚Hitzetoten‘ zu rechnen. Könnte nun aber diese erwartete Zunahme der hitzebedingten Sterblichkeit durch eine Abnahme der kältebedingten Sterblichkeit ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden? Ist das womöglich eine der wenigen positiven Auswirkungen des Klimawandels?

Durch die Rekord-Hitzewelle im Sommer 2003 waren in Paris die Leichenhäuser überfüllt, und die Stadt musste gekühlte Zelte am Stadtrand aufstellen, um die vielen Särge mit Opfern unterzubringen. Sie richtete eine Hotline ein, wo Menschen nachfragen konnten, wo sie vermisste Opfer der Hitzwelle finden können. Foto: Wikipedia,Sebjarod, CC BY-SA 3.0.

Vor wenigen Monaten ist zu diesem Thema eine neue Studie in Lancet Planetary Health mit meiner Beteiligung veröffentlicht worden. Hier wurden zum ersten Mal umfassend für über 400 Städte in 23 Ländern Abschätzungen dazu gemacht, wie sich die temperaturbedingten Sterberaten durch Klimawandel verändern könnten. Bevor wir aber dazu kommen, welche Schlüsse sich tatsächlich aus dieser Studie über die möglichen Auswirkungen der globalen Erwärmung ziehen lassen, schauen wir uns zunächst einmal an, was grundsätzlich über den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterberisiko bekannt ist.

Das Sterberisiko steigt außerhalb eines optimalen Temperaturbereichs

Typischerweise finden epidemiologische Studien, die auf täglichen Zeitreihen beruhen, einen U- oder J-förmigen Zusammenhang zwischen mittlerer Tagestemperatur und dem relativen Sterberisiko. Außerhalb eines optimalen Temperaturbereichs steigt das Risiko zu sterben an, und das nicht nur in den gemäßigten Breiten sondern auch in den Tropen und Subtropen (Abb. 1).

Abb. 1: Zusammenhang zwischen täglicher Mitteltemperatur und dem relativen Sterberisiko (RR: relative risk) in vier ausgewählten Städten. Im unteren Teil der Abbildung ist jeweils die vor Ort geltende Häufigkeitsverteilung der Temperatur dargestellt. Die durchgezogene schwarze Linie markiert die ‚optimale Tagestemperatur‘, bei der das geringste Sterberisiko besteht. Die gezeigten Zusammenhänge berücksichtigen die verzögerte Wirkung der Temperatur über einen Zeitraum von bis zu 21 Tagen. Quelle: Gasparrini et al. 2015, The Lancet.

Dabei ist die optimale Temperatur umso höher je wärmer das lokale Klima, denn offensichtlich sind die Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grad gut an die vorherrschenden klimatischen Bedingungen angepasst. Auch wenn ‚kalt‘ und ‚warm‘ lokal also etwas unterschiedliches bedeuten können, zunächst einmal ist der einfache Schluss aus diesen statistischen Zusammenhängen: sowohl niedrige als auch hohe Außentemperaturen stellen ein Sterberisiko dar. Zu beachten sind aber noch ein paar weitere Aspekte.

Kälte und Hitze töten nur selten direkt

Nur ein vernachlässigbarer Anteil der in diesen Untersuchungen berücksichtigten Sterbefälle ist auf tatsächliche Unterkühlung oder Überhitzung zurückzuführen. Betrachtet werden im Regelfall Gesamtsterbefälle unabhängig von der Todesursache oder Gesamtsterbefälle unter Ausschluss externer Todesursachen (z.B. Unfälle). Man geht davon aus, dass sich der Großteil der kälte- und hitzebedingten Todesfälle auf bestehende Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen zurückführen lassen, die witterungsbedingt ihr akutes Stadium erreichen. Dabei scheint ein wichtiger kausaler Mechanismus die temperaturbedingte Veränderung der Blutzusammensetzung und Blutviskosität zu sein. Bezüglich des Kälteeffekts wird auch eine Abschwächung der Abwehrmechanismen in den Atemwegen und damit höhere Infektanfälligkeit ins Spiel gebracht.

Wird der Kälteeffekt überschätzt?

Weil diese Wirkungsmechanismen indirekter Natur sind und also per se keinen kausalen Schluss zwischen nicht-optimaler Außentemperatur und erhöhtem Sterberisiko zulassen, beruhen letztendlich alle wissenschaftlichen Untersuchungen der Thematik auf korrelativen Verfahren. Gerade für die Frage der Stärke des Kälteeffekts ist es es dabei zentral, wie gut sich in den angewandten statistischen Modellen von der Temperatur unabhängige saisonale Effekte herausrechnen lassen. So wird beispielsweise vermutet, dass sich die geringere Menge UV Licht im Winter negativ auf die menschliche Vitamin D Produktion und damit auf das vermehrte Auftreten von Infektionskrankheiten (wie z.B. auch der Grippe) auswirkt. Wird die Saisonalität der Sterberaten in den statistischen Modellen nicht ausreichend berücksichtigt, kommt es zu einer Überschätzung des Kälteeffekts.

Interessanterweise besteht in der Wissenschaft gerade in diesem Punkt weiterhin eine gewisse Uneinigkeit. So wurde zur Diskussion gestellt, ob die üblichen Modelle tatsächlich die Effekte von Kälte von anderen saisonalen Faktoren trennen können. Andererseits konnte auch gezeigt werden, dass gefundene Unterschiede in der Stärke des Kälteeffekts letztendlich auf unterschiedlichen Verfahren beruhen, mit denen eine verzögerte Reaktion auf die Temperatur abgebildet werden. So ist schon lange bekannt, dass Hitze und Kälte mit mehr oder weniger Verzögerung auf die Sterberaten einwirken. Während sich heiße Tage relativ unmittelbar am selben und den 1-2 darauffolgenden Tagen in den Sterbestatistiken bemerkbar machen, erstreckt sich der Hauptwirkungszeitraum des Kälteeffekts auf bis zu 2-3 Wochen. Die vergleichsweise wenig verzögerte Wirkung  von Hitze lässt sich dabei relativ einfach in den Zeitreihenanalysen berücksichtigen. Im Gegensatz dazu führen vereinfachende Annahmen bezüglich der stärker verzögerten Wirkung von Kälte tendenziell zu einer – wohlgemerkt – Unterschätzung seiner Effektstärke.

Auswirkungen des Klimawandels

Wie sieht es denn aber nun mit dem Einfluss der Erderwärmung auf diese Zusammenhänge aus? Schauen wir uns dafür die Ergebnisse unserer Studie aus Lancet Planetary Health an, welche die in Abb. 1 dargestellten Dosis-Wirkungs-Beziehungen für Temperatur und Sterberisiko in Städten mit lokalen Temperaturprojektionen unter verschiedenen zukünftigen Erwärmungszenarien verknüpft (Abb. 2).

Abb. 2: Relative Änderung der kälte- und hitzebedingten Sterblichkeit nach Regionen. Dargestellt sind relative Änderungen pro Dekade verglichen mit 2010-2019 für drei unterschiedliche Klimaszenarien (RCP 2.6, RCP 4.5, RCP 8.5). Die gezeigten 95% Konfidenzintervalle für die Netto-Änderung berücksichtigen Unsicherheiten in den zugrundeliegenden Klimaprojektionen und Temperatur-Sterberisiko-Modellen. Zu beachten ist, dass die Untersuchungsebene einzelne Städte sind (> 400 Städte in 23 Ländern), die hier nach Regionen zusammengefasst sind. Quelle: Gasparrini et al. 2017. Lancet Planetary Health

Wie zu erwarten findet man bei zunehmender globaler Erwärmung eine relative Abnahme der kältebedingten und eine relative Zunahme der hitzebedingten Sterblichkeit. In den meisten Regionen ist der Netto-Effekt dieser gegenläufigen Trends jedoch ein deutlicher Anstieg der Sterblichkeit, insbesondere bei ungebremsten Klimawandel (RCP 8.5 in Abb. 2). Dies liegt vor allem daran, dass bei zunehmender Kälte zwar das Sterberisiko ansteigt – aber der Anstieg ist wesentlich flacher als der für zunehmende Hitze (Abb. 1). Nur in Nordeuropa, Ostasien, und Australien führt die Erwärmung in der Summe tatsächlich zu einem Rückgang der Sterblichkeit.

Wie sind nun diese Ergebnisse insbesondere in Bezug auf die anfangs gestellte Frage einzuordnen? Nur an wenigen Orten finden sich die positiven Auswirkungen des Klimawandels auf die Sterberaten, die zum Beispiel Björn Lomborg und andere, die der Klimawissenschaft immer wieder Alarmismus vorgeworfen haben, gerne betonen (Wer ist Lomborg?). Und man darf nicht vergessen, dass auch bei diesen Ergebnissen, wie so häufig in der Wissenschaft, Vorsicht vor zu voreiligen Schlüssen geboten ist.

Anpassung und demographischer Wandel

Denn aus Untersuchungen der temperaturbedingten Sterblichkeit in verschiedenen Klimazonen und auch über die Zeit wissen wir (wie oben bereits erwähnt), dass sich Menschen an das lokale Klima anpassen. Was jedoch noch relativ unverstanden bleibt, ist wie schnell diese Anpassung stattfindet und von welchen Faktoren (z.B. Physiologie, Klimaanlagen, Gesundheitssystem, Stadtinfrastruktur) sie genau abhängt. Aus diesem Grund wurde für die gezeigten Ergebnisse (Abb. 2) die vereinfachende Annahme getroffen, dass sich der Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterberisiko in der Zukunft nicht verändert, in anderen Worten dass keine Anpassung an den Klimawandel stattfindet. Das ist natürlich in erster Linie relevant für die Anpassung an zu erwartende stärkere und häufiger auftretende Hitzewellen. Aber es gibt auch Studien, die auf sich über die Zeit verändernde Vulnerabilität gegenüber Kälte im Winter hinweisen. Weiterhin wissen wir, dass ältere Menschen gegenüber Kälte und Hitze anfälliger sind als jüngere Menschen. Deswegen wird die zukünftige Entwicklung der temperaturbedingten Sterblichkeit neben dem Klimawandel auch stark von der demographischen Entwicklung an den jeweiligen Orten abhängig sein. Auch dieser Faktor konnte in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt werden.

Fazit:

An den Schluß möchte ich folgenden Gedanken setzen: Gehen wir von dem (eher unwahrscheinlichen) Fall aus, dass unsere aktuelle Studie die tatsächlich zu erwartende zukünftige Entwicklung der Sterberisiken unter Klimawandel trotz aller noch bestehenden Unsicherheiten und Vereinfachungen realistisch widergibt. Dann käme es bei ungebremsten Klimawandel tatsächlich lokal zu einer Abnahme der temperaturbedingten Sterberisiken in der kühleren Jahreszeit, insbesondere in den reichen Ländern der gemäßigten Breiten. Dem gegenüber stünde aber ein teils dramatischer Anstieg der hitzebedingten Todesfälle in den bevölkerungsreichsten und häufig ärmsten Gegenden der Erde. Und letzteres allein wäre in meinen Augen ausreichendes Argument für ehrgeizigen Klimaschutz – ganz unabhängig von den vielen Risiken des Klimawandels außerhalb des Gesundheitsbereichs, die bereits sehr gut verstanden sind.

Ergänzung:

Eine weitere interessante Frage ist, wie lange die Menschen, die durch Kälte oder Hitze sterben, ohne den Einfluss der nicht optimalen Temperaturen eigentlich noch hätten leben können. Insbesondere geht es darum zu verstehen, ob vor allem alte und kranke Menschen betroffen sind, deren individuelle Lebenserwartung gering ist, oder ob – andersherum  – das beobachtete Sterberisiko tatsächlich einhergeht mit einer signifikanten Anzahl verlorener Lebensjahre. Hierbei ist wichtig zu beachten, dass kurzfristige Effekte, bei denen der Tod beispielsweise durch eine Hitzewelle einige Tage früher eintritt, als er ohne extreme Temperaturen eingetreten wäre (im Englischen genannt ‚harvesting‘ = ernten), in den oben dargestellten Modellen herausgerechnet werden. Aktuelle Forschung, die den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterberaten nicht nur auf täglicher, sondern auch auf jährlicher Zeitskala betrachtet, weist zudem darauf hin, dass die beschriebenen kälte- und hitzebedingten Sterberisiken mit einer deutlichen Verkürzung der Lebensdauer (um mindestens 1 Jahr) verknüpft sind. In vergleichsweise wenigen Studien wurden bisher Daten der statistischen Lebenserwartung nach Geschlecht und Altersgruppen berücksichtigt und die Sterberaten in verlorene Lebensjahre umgerechnet. Für Brisbane (Australien) wurde in einer dieser Studien gefunden, dass die verlorenen Lebensjahre  –  anders als die Sterberaten  –  keine deutliche Saisonalität aufweisen. Demnach würden im Winter disproportional die älteren Menschen mit geringerer Lebenserwartung sterben. Niedrige Temperaturen waren in dieser Studie entsprechend auch mit einem geringeren Verlust an Lebensjahren verbunden als hohe Temperaturen – aber interessanterweise nur bei den Männern. Ein spannendes Feld für weiterführende Forschung.

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

42 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Neben mehr Hitzetoten gibt es durch längere und häufigere Hitzewellen und durch lange andauernde Phasen von feuchter Hitze wohl auch einen Abfall der Arbeitsproduktivität und eine Verschlechterung der Lebensbedingungen in besonders betroffenen Gebieten. Die Hitzetoten sind damit quasi nur die Spitze eines Eisbergs von Problemen, die durch den Klimawandel geschaffen werden. Wichtig auch, dass viele Regionen nur wenig von diesen Folgen des Klimawandels spüren, einige Regionen aber besonders hart getroffen werden. Im ungünstigsten Falle verschlechtern sich die Lebensbedingungen gerade in dicht bevölkerte Regionen, was sich global über Ströme von auswandernden Menschen auswirken könnte.

  2. Danke Frau Huber, für den tollen Gastartikel! Interessant, informationsgepackt und sehr gut dargestellt – was im übrigen natürlich auch auf die Artikel Herrn Rahmstorfs zutrifft.
    Für mich blieben bei dem Thema wenig an Sie richtbare Fragen zurück (ein gutes Zeichen, eine annähernd geschlossene Darstellung ist selten), bei den interessantesten weißen Flecken (z.B. Anpassungseffekte an klimatische Änderungen) muss man wohl – wie Sie darstellten – weitere Forschung abwarten.

  3. Ich schließe mich den Worten von Wizzy an. Der Beitrag von Frau Veronika Huber ist eine sehr übersichtliche und vollständige Darstellung dieses Themenbereichs. Dass im Unterschied zu den vorhergehenden Blog-Beiträgen die Anzahl der Kommentare ziemlich überschaubar sein wird, ist in diesem Fall sicher kein Nachteil.

  4. “Aber es gibt auch Studien, die auf sich über die Zeit verändernde Vulnerabilität gegenüber Kälte im Winter hinweisen.” – Das habe ich nicht verstanden. Nimmt die Vulnerabilität bei veränderter Temperatur über die Zeit zu?

    Sie weisen darauf hin, dass wahrscheinlich Faktoren wie das Gesundheitssystem oder Klimaanlagen dem Anstieg der Sterblichkeit entgegenwirken können. Ihre Untersuchung ergibt (ohne Anpassung) einen teils “dramatischer Anstieg der hitzebedingten Todesfälle in den bevölkerungsreichsten und häufig ärmsten Gegenden” zu erwarten. Also ausgerechnet dort, wo Anpassungsmöglichkeiten aus ökonomischen und politischen eher nicht ergriffen werden können. Und es trifft noch dazu ausgerechnet die Regionen und Menschen, die am wenigsten zum Problem beigetragen haben!

  5. Hier der Link zu einer ebenfalls ganz neuen Studie zum gleichen Thema:
    http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aab214/meta
    Es handelt sich um eine Art Meta-Studie, die 71 Studien und Berichte untersucht hat.
    Auch sie kommt zu keinem “fertigen” Ergebnis und endet:
    “Moreover, continued monitoring and improvement of heat intervention is needed; with projected changes in the frequency, duration, and intensity of heat events combined with shifts in demographics, heat will remain a major public health issue moving forward.”

  6. Der Klimawandel schert in beide Richtungen aus,
    kältere und/oder längere Winter gepaart mit heißeren Temperaturen im Sommer;
    und das ist das “gemeine” am Mittelwert; 1 Fuß in siedendes Wasser und 1 Fuß in gefrorenes Wasser
    ergibt im Schnitt eine angenehme Temperatur …

    die Auswirkungen dessen kann z.B. Wasserknappheit bedeuten
    extremes Beispiel momentan in Südafrika, wo bedingt durch fehlenden Niederschlag
    auf der Landmasse die Reservoirs austrocknen; Pretoria steht kurz vor dem Tag 0;

  7. Weniger Tote durch den Klimawandel?
    Mitnichten. Wir sterben alle. Das Leben endet mit dem Tod.
    So ist das nun mal.
    Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen aber versichern das mein persoenlicher Klimawandel schlappe +9 Grad durchschnittliche Jahrestemperatur ausmacht.

    Dieses wirkt sich erfreulich aufs Wohlfuehlen aus und bisher konnte ich keinerlei Nebenwirkungen beobachten.

    Selbst wenn sie von Hamburg nach Muenchen ziehen unterwerfen sie sich einem Klimawandel von + 1 Grad. Der groesste Stress an der Stelle duerfte die Sprachumstellung sein…

    • @Werner S, nichts für ungut, aber mit dem Argument, dass wir alle sterben müssen, könnte man jeden Unsinn rechtfertigen bis hin zu Mord. Und das weitere Argument, dass Ihnen 9°C Erhöhung der Durchschnittstemperatur wenig anhaben, erinnert an den Raucher, der meint, dass ihn persönlich die Zigaretten nicht schaden. Aus dem Einzelfall kann man nicht die Allgemeinheit induzieren. Zudem, ein Mensch mit guter Konstitution und mittleren Alters wird an einem wärmeren Klima nicht gleich sterben.

      @Stefan Otto, ich glaube ja eher nicht, dass Sie sich von anderen Menschen was sagen lassen. 😉 Aber davon abgesehen, Hitze bedeutet für einen geschwächten Körper immer Stress. Es hängt jedoch von der Art und Weise der Hitze ab, welche Luftfeuchtigkeit herrscht vor, wie tropisch sind die Nächte usw. Also nicht jeden würde man eine lange Flugreise mit anschließend hoher Luftfeuchtigkeit und sich kaum abkühlenden Nächten empfehlen. Und das Argument, dass gerade die mangelnde Wasserversorgung bei älteren Menschen Probleme verursachen, trifft für wirtschaftlich schwache Länder im Süden besonders zu.

      • Mein erster Kommentar nimmt Bezug auf die Ueberschrift. Aber nichts fuer ungut! Das wussten sie schon.
        Das die Menschen mit jedem Klima klar kommen sollte auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein.
        Das mit dem Rauchen ist nur ne Mange Rauch oder nicht?
        Gruss aus der Waerme!

        • Genauso kann man sagen, dass die Menschen mit jeder sozialen Situation zurechtkommen müssen. Ohne Frage, nur ist das keine Begründung für eine schlechte Sozialpolitik. Genauso wenig kann der Satz, dass der Mensch sich an jedes Klima anpassen muss, dafür herhalten, nichts in der Klimapolitik zu tun. Diese Anpassung ist mit einem ökonomischen Aufwand verbunden und das muss man in die Gesamtbetrachtung genauso berücksichtigen, wie beispielsweise höhere Stromkosten oder Sozialabgaben. Der jetzige Klimawandel ist mit Kosten verbunden, das ist Fakt.

          • Herr Hader,

            das ist der Punkt an den ich ihnen leider Recht geben muss.

            Unsere Anpassung ist mit sehr hohen Kosten fuer die Gesellschaft verbunden.

        • @Werner S

          Herrlich, Zitat “die Menschen kommen mit jedem Klima klar” 😀 Soviel Naivität/Realitätsverleugnung grenzt schon an Ignoranz. Nun ja, meine Kinder werden in jedem Fall klarkommen, ich habe nämlich (aus weiser Voraussicht) zum Glück keine, sehe dem baldigen Untergang des Systems somit gelassen entgegen 8)

  8. Heisst das, dass ich jetzt nicht mehr in den Süden in den Urlaub fliegen kann, da ich an das dortig warme Klima und die Hitze nicht angepasst bin und damit das Sterberisiko drastisch steigt? Und auch nicht mehr in die Sauna, oder ins Dampfbad?

    Und der Klimawandel geht wirklich so schnell, dass man sich an die lokalen Begebenheiten nicht mehr anpassen kann?

    Und sind es nicht die Alten, die vorwiegend bei Hitze wegen Austrocknung durch mangelnde Wasserversorgung sterben? Weil sich niemand um die Kümmert und es immer mehr ältere Menschen gibt.

  9. Bei dieser Thematik darf man das Wichtigste nicht vergessen:

    Bei großer Hitze möglichst in kühlen Räumen aufhalten, viel trinken und wenig bewegen. Das gilt besonders für alte Leute.

    Gerhard Keller

  10. Ich weiss, das klingt böse, aber leider lässt mich meine bisherige Lebenserfahrung zu keinem anderen Schluss kommen: Glaube, Liebe, Hoffnung machen blind:

    ” 28.3.2018 – Deutschlands CO2-Budget für 2018 verbraucht”

    https://www.tagesschau.de/inland/kohlendioxid-budget-klimaschutz-101.html

    Seit Jahrzehnten nur Gelaber. Der Kapitalismus wird uns alle fressen. Und bitte versucht garnicht erst, mich vom Gegenteil zu überzeugen, ich bin müde und die knallharte, unerbittliche Realität gibt mir gnadenlos Recht. Erwachen, wahres Erkennen bedeutet vollkommene Des- illusionierung, daher bin ich froh, im Kellergeschoss des Kapitalismus aufgewachsen zu sein und ich wollte auch nie raus aus der unteren Etage, denn da lernt man unerbittlich das Wesentliche:

    Fressen und Gefressenwerden.

    • @ Nemesis: Walter Eucken (1891 – 1950) hat in den „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“ folgendes geschrieben: „Der Götter-, Riesen- und Geisterglaube, der früher das Verhältnis der Menschen zur Natur beherrschte und von dort durch die Naturwissenschaft vertrieben wurde, hat sich im Bereich der Gesellschaft und der Wirtschaft festgesetzt und ausgedehnt. ´Kapitalismus` (…) usw. werden wie riesenhafte Personen oder Geister angesehen, die alles gesellschaftliche Leben lenken und von denen jeder einzelne abhängt. Mythen verdrängen die Ratio.“

      „Wirtschaftsordnung“ und „Wirtschaftssystem“ sind die korrekten Begriffe und wir verdanken dem realistischen Menschenbild Walter Eucken`s und der Kraft seiner darauf aufbauenden und mit wissenschaftlichen Methoden erarbeiteten Argumente die beste Wirtschaftsordnung der Welt. Jeden Tag wird vielfach an den Stellschrauben dieser Wirtschaftsordnung durch die Gesetzgebung gedreht, dabei geht es nicht um den ganz großen Wurf (die „Systemfrage“ stellt sich schon gar nicht!), sondern um ein evolutives Verändern der Rahmenbedingungen in die richtige Richtung – genau so, wie es Karl Popper in seiner Philosophie der „Politik der kleinen Schritte“ beschrieben hat. Gemessen an den gewaltigen klimatischen Herausforderungen kann das quälend langsam sein!

      Eucken hat uns auch den besten Weg aus dem angerichteten Klima-Schlamassel gewiesen – mit Werte-Prinzipien à la: „Die Hauptsache ist es, den Preismechanismus funktionsfähig zu machen“, „Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen“, „Einkommenserschleichungen (ohne entsprechende Leistung) und ungesühnte Fehlleistungen (durch Abwälzung des Verlustes auf andere Schultern) müssen (…) verhindert werden“ usw. usf. Ob er mit solchen Sätzen das bundesdeutsche Verkehrssystem vorausgeahnt hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen (denkbar ist auch das!)

      Übrigens 1: Eucken hat vermutlich weltweit als erster die Möglichkeit eines anthropogen verursachten Klimawandels mit erheblichen negativen Auswirkungen thematisiert. „Selbst das Klima eines Landes kann durch menschliches Eingreifen verändert werden“, schreibt er z.B. (so etwa um 1949/1950!) in den „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“. Der Kontext dieser Aussage ist so, dass ihm eine große Sorge anzumerken ist.

      Übrigens 2: „Wir sind die Partei der Freiheit, die nicht auf Kosten anderer stattfindet“ hat die linke Grüne Simone Peter einmal geschrieben. Ja, liebe Frau Peter, so sollte es sein, und genau das ist Liberalismus i.S. eines Walter Eucken oder Friedrich von Hayek: Marktwirtschaft aufgefasst als anzustrebendes Zuweisungssystem individueller Verantwortung! Auch den erheblichen Widerstand von antimarktwirtschaftlichen Verantwortungsabschiebe-Organisationen à la EIKE oder ScienceSkeptical hat Eucken prinzipiell vorausgesehen.

      Ich bin mal gespannt, wie lange die Grünen noch brauchen, bis sie endlich den eminenten programmatischen Schatz von Walter Eucken`s Verantwortungsethik zu heben lernen.

      • @Jürgen Bucher

        Übrigens gilt Hayek als Vertreter des kapitalistischen Liberalismus und Neoliberalismus. Kurzum:

        Der Motor des Kapitalismus ist die Gier bzw das Profitstreben des Einzelnen und endloser Konsum bzw endloses Wachstum. Es kann jedoch auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen keinen endlosen Konsum, kein endloses Wachstum geben (die biologische Entsprechung endlosen Wachstums ist übrigens der Krebs). Kapitalismus ist magisches Denken und Handeln, Ökonomen und Banker ect sind die Priester jenes magischen Denkens. Der Kapitalismus wird grandios auf ganzer Linie beweisen, dass er nicht funktioniert.

          • Sehr geehrter Herr Rahmstorf, an der Oberfläche ist die Thematik dieses Diskussionsstrangs sicher off topic, aber insgesamt ist unser derzeitiges Wirtschaftssystem DIE primäre Ursache auch der Klimaerhitzung und daher spricht Ihr Einwand Bände hinsichtlich der bisher offenbar fruchtlosen Diskussion um die Klimaerhitzung, die konsequent am herrschenden Wirtschaftssystem vorbeidiskutiert und das, obwohl es nach jahrzehntelanger Diskussion überdeutlich ist, dass das herrschende Wirtschaftssystem ua das Dilemma der Klimaerhitzung nicht nur nicht lösen kann, sondern wesentlich die Ursache (nicht nur) der Klimaerhitzung darstellt. Solange das herrschende Wirtschaftssystem weiterhin erstrangig auf “Wachstum” und “Profite” ausgerichtet ist, können wir uns die Debatte um die Klimaerhitzung schenken 🙂 Sei’s drum, es wird sich so oder so schon bald erweisen, dass der Kapitalismus komplett, auf ganzer Linie am Ende ist 🙂 – und das wird ein verdammt böses Erwachen geben.

          • Mag sein oder auch nicht – aber der Beitrag geht nicht um die Ursache der Erwärmung, sondern um deren Auswirkung auf die Mortalität. Ansonsten könnten Sie hier bei fast jedem Beitrag über das Wirtschaftssystem diskutieren. Das ist gegen das Interesse von all den Lesern, die sich hier eine thematisch fokussierte Diskussion erhoffen ohne reihenweise Beiträge überlesen zu müssen, die vom Thema abschweifen. Dies ist daher der letzte off-topic Beitrag, den wir hier freischalten.

        • @Nemesis: Der Begriff “Neoliberalismus” war einmal positiv besetzt, er wurde dann von kollektivistisch orientierten Soziologen, die sich schon immer an ihren eigenen Metaphern berauscht haben, allmählich umetikettiert. Gesellschaft ist nichts Ganzheitliches. Mich selbst würde ich wertemäßig als tendenziell ordoliberal, wissenschaftlich in jedem Fall als methodologisch-individualistisch einstufen.

          Hayek – ich kannte ihn als Student noch persönlich – habe ich schon immer in vielerlei politischer Hinsicht als problematisch rechts und in vielem als zu ideologisch motiviert angesehen. Es wird schon seine Gründe haben, warum er so viele halbgebildete und eigensinnig wissende Fans am rechten Rand hat. Mich interessiert nur die wissenschaftliche Leistung: Den „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“, eine Dissertation darüber und die “Theorie komplexer Phänomene“ habe ich gelesen, mehr nicht. Da werden dann aber schon einige ziemlich gute Gedanken formuliert.

          Ob Polanyi nicht zu viel Rousseau gelesen hatte? Vielleicht hat er das historische Phänomen der

          https://de.wikipedia.org/wiki/Einhegung

          als Erster und ganz gut beschrieben. Aber warum war das damals so, was waren die fundamentalen Treiber dieses Prozesses? Für eine befriedigende Kausalanalyse werden wir zuletzt eben doch wieder beim biologisch abgesicherten „Prinzip Eigennutz“ landen, wetten? In diesem Forum vielleicht interessanter: Gibt es eine Verbindung zu den Arbeiten von

          https://de.wikipedia.org/wiki/Elinor_Ostrom ?

          Klimatologisch sind wir uns doch sowieso einig!

      • Sorry für den Mehrfachpost 😉 Ich persönlich folge der Analyse des Gegenspieler’s Hayek’s, Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi. Hier seine grundlegenden Thesen in 1:39 Minuten:

        “Karl Polanyi und das Ende der Zivilisationen – ARTE” https://youtu.be/rSX0OSciL7o Und hier seine Analyse in einer 50minütigen Arte Dokumentation:

        “Der Kapitalismus – Karl Polanyi – ARTE DOKU – The Great Transformation” https://youtu.be/wDmMuqEoCoA

    • Vielen Dank, Herr Rahmstorf, dass Sie meinen pessimistischen Kommentar veröffentlicht haben, damit hatte ich, ehrlich gesagt, garnicht gerechnet 😉 Ich begegne sehr oft dem Vorwurf, ich sähe “immer alles negativ, zu pessimistisch” usw. Wenn jedoch die harten Fakten keinen Grund zum Optimismus liefern, dann gerät Optimismus zur Farce, zur Durchhalteparole. Das wirkliche Wurzelproblem ist tatsächlich das kapitalistische Wirtschaftssystem, während Klimaerhitzung, plastikverseuchte Ozeane, Atommüll, Insektensterben, allgemeines Artensterben usw usw usw lediglich diverse Symptome jenes kapitalistischen Wirtschaftssystems darstellen. Kapitalismus, Kapitalakkumulation ist widernatürlich, die Natur kennt kein Kapital, kein Horten, die Natur funktioniert nicht nach dem Prinzip der Profitoptimierung, sondern nach dem (hocheffizienten) Prinzip der Not- wendigkeit im Kochtopf der Natur. Etliche schlaue Köpfe haben das längst erkannt- einer davon ist Noam Chomsky:

      “Can civilisation survive really existing capitalism? | Noam Chomsky” https://youtu.be/_uuYjUxf6Uk

  11. Bei derartigen Überlegungen sollte man nicht vergessen, dass sich mit Nutzung der fossilen Brennstoffe die Lebenserwartung in etwa verdoppelt hat. Auch habe ich leider noch immer nicht verstanden, warum höherer CO2 Gehalt in der Atmosphäre zu einer katastrophalen Klimaerwärmung führt. Die weit verbreitete Erklärung – die kurzwellige Strahlung der Sonne durchdringt ungehindert die Luft unserer Atmosphäre. Die langwellige Rückstrahlung wird von den Treibhausgasen, im wesentlichen Wasserdampf, danach CO2, Methan usw., absorbiert und als so genannte Gegenstrahlung wieder zum Boden zurückgestrahlt – lässt sich mit einem Blick auf das Plancksche Strahlungsgesetz falsifizieren: Die solare Einstrahlung ist in jedem Wellenlängenbereich intensiver als die terrestrische Rückstrahlung. Dementsprechend muss nicht nur die Rückstrahlung von den Treibhausgasen absorbiert und zurückgestrahlt werden, sondern auch die solare Einstrahlung. Beim Wasserdampf lässt sich das auch gut beobachten: In trockenen Wüstengebieten werden tagsüber die höchsten Temperaturen gemessen, nachts kühlt es aber deutlich ab. In feuchten Tropen unterscheiden sich Tages- und Nachttemperaturen nur um wenige Grade voneinander. Die sog. Treibhausgase wirken also primär ausgleichend auf Tages- und Nachttemperaturen, nicht aber temperaturerhöhend.

    • Schön, dass Sie das besser wissen als Generationen von Physikern! Viel Freude mit Ihrer Privatphysik, auch wenn sie mit der Realität nicht in Einklang steht.

      • Dann erklären Sie doch bitte, was an meinen Überlegungen falsch ist. Habe ich das Plancksche Strahlungsgesetz falsch verstanden? Oder an welcher Stelle stimmen meine Überlegungen nicht?

        • @Ermel: Erklären Sie mir bitte in einem konsistenten Begründungszusammenhang, warum sich aufgrund der historischen Nutzung fossiler Brennstoffe die Lebenserwartung in etwa verdoppelt hat.

          • Noch einmal @Ermel: Eine sinnvolle und interessante (wissenschaftliche) Fragestellung wäre zum Beispiel: Hätten sich die Preise fossiler Brennstoffe seit ihrer erstmaligen Nutzung
            a.) nach der Hotelling-Regel verändert, oder
            b.) wären sämtliche fossil verursachten externen Effekte immer konsequent internalisiert worden,
            wie hätten sich dann die Bevölkerung, das Wirtschaftswachstum, die Lebenserwartung entwickelt?

            Das würde dann auf eine „kontrafaktische Geschichtsschreibung“ im Sinne eines Robert Fogel hinauslaufen:
            http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kliometrie-wirtschaftsnobelpreistraeger-robert-fogel-gestorben-12219152.html

            Viel Spaß damit! Vielleicht merken Sie ja mittlerweile selbst, was Sie für ein komplexes Fass Sie mit Ihrer leichthin geäußerten Hypothese aufgemacht haben! Vorsicht: Korrelation ist nicht unbedingt Kausalität (gilt als Warnung vor allem, wenn man, wie es bei Klimaskeptikern fast immer der Fall ist, bei solchen Analysen mit „versteckten Grundannahmen“ arbeitet)!

    • @ Frieder Ermel

      @ Frieder Ermel

      Ich versuche als Laie mal darauf zu antworten. Falls ich einen Fehler mache, ist vielleicht ja jemand so nett und korrigiert mich.
      Ein Teil der Sonnenstrahlen “durchdringt” eben nicht ungehindert unsere Atmosphäre, wie Sie behaupten. Vermutlich haben Sie z.B. etwa schon einmal vom Ozon und der UV Strahlung gehört. Denn die UV, Strahlung wird vom Ozon absorbiert.

      Es gibt auch die sog. Rayleigh-Streuung, die blaues Licht stärker streut als rotes, was u.a. für das malerische Himmelblau, sowie die Abend und die Morgenröte verantwortlich ist. Auch diese Streuung sorgt dafür, das UV Strahlung eben nicht ungehindert unsere Atmosphäre durchdringt.

      Wir halten fest. Die (überwiegend) kurzwellige Strahlung der Sonne durchdringt NICHT! ungehindert die Luft unserer Atmosphäre.
      „Schuld“ daran sind daran u.a. das Ozon, Sauerstoff und die Rayleigh-Streuung
      Auch das Sichtbare Licht „durchdringt“ unsere Atmosphäre nicht ungehindert. Das verhindern, im überschaubaren Umfang, etwa Wasserdampf und die schon erwähnte Rayleigh-Streuung.
      Ein anderer Teil der Sonnenstrahlen wird von der Atmosphäre schlicht absorbiert.

      Die Frage lautet nun, was strahlt die Erde zurück? Das ist im Wesentlichen Infrarote (unter Rot) Strahlung.
      Hier kommen dann Kohlenstoffdioxid, Methan und vor allen Dingen der Wasserdampf zum Einsatz, die zu unser aller Glück, einen großen Teil der Infraroten Strahlung, die wir als Wärme wahrnehmen, als Gegenstrahlung zurück schicken.

      Nun behaupten Sie „die solare Einstrahlung ist in jedem Wellenlängenbereich intensiver als die terrestrische Rückstrahlung“ ist.
      Und genau das ist eben schlicht falsch. Sie müssen sich schon die Mühe machen und nachschauen, ob diese recht pauschale Behauptung korrekt ist , bevor Sie anfangen sich auf das Plancksche Strahlungsgesetz zu berufen.

      Co² ist da nämlich ein wenig präziser als Sie und ich. „Infrarot“ ist ein ziemlicher Sammelbegriff. Interessant ist hier beim CO² vor allem die Wellenlänge in einem Bereich von 15 µm. Eine Wellenlänge, die Sie in der Strahlung der Sonne quasi nicht vorfinden werden.
      Ähnlich verhält es sich mit dem Wasserdampf in unserer Atmosphäre, auch wenn dieser nicht so wählerisch wie Co² oder Methan (8 µm) ist.

      MfG

      • Sie schreiben “Sie müssen sich schon die Mühe machen und nachschauen, ob diese recht pauschale Behauptung korrekt ist , bevor Sie anfangen sich auf das Plancksche Strahlungsgesetz zu berufen.” Das habe ich gemacht: . Laut http://www.webgeo.de/k_304/ liegt das Maximum der Sonnenstrahlung (schwarzer Strahler mit 6000K) zwar im sichtbaren Bereich (Wellenlänge ca. 0,5 Mikrometer, Strahlungsintensität ca. 10^8 W/m²µm), aber auch im CO2-relevanten Bereich noch oberhalb von 10^3 W/m²µm, während die Wärmestrahlung der Erde (schwarzer Strahler mit 287K) nur leicht oberhalb von 10 W/m²µm liegt.
        Auch habe ich nicht behauptet, dass die Sonnenstrahlung ungehindert die Luft der Atmosphäre durchdringt. Ich behaupte vielmehr, dass dies gerade nicht der Fall ist. Dies gilt nicht nur für den kurzwelligen Bereich, sondern auch für den Infrarotbereich. Warum wird es denn an den Polen auch im Sommer nicht wärmer, obwohl dort die Sonne nicht nur 13,5 Tage wie auf dem Mond, sondern 183 Tage am Stück scheint? Weil die Wärmestrahlung (=Infrarot) von der Atmosphäre absorbiert und gestreut wird.

        • Es ist relativ egal, ob Sonnenstrahlung in der unteren Atmosphäre oder von der Oberfläche absorbiert werden, denn diese beiden sind thermisch eng verkoppelt. Der Anteil der an der Oberfläche absorbiert wird beträgt 161 W/m2, der in der Atmosphäre absorbierte 78 W/m2 (im globalen Mittel) – die Strahlungsbilanzgrafik hatte ich Ihnen bereits verlinkt.

        • @ Frieder Ermel

          Sie haben folgendes geschrieben:

          “Die weit verbreitete Erklärung – die kurzwellige Strahlung der Sonne durchdringt ungehindert die Luft unserer Atmosphäre.”

          Damit unterstellen Sie de facto, das behauptet wird, das die kurzwellige Strahlung der Sonne ungehindert die Luft unserer Atmosphäre durchdringt.

          “Warum wird es denn an den Polen auch im Sommer nicht wärmer, obwohl dort die Sonne nicht nur 13,5 Tage wie auf dem Mond, sondern 183 Tage am Stück scheint?”

          Zum einem treffen die Sonnenstrahlen in einem flacheren Winkel auf unsere Pole, zum anderen gibt es auf dem Mond etwa keinen Wind und unsere Pole haben ein deutlich besseres Rückstrahlvermögen. Vermutlich gibt es noch mehr Gründe, die mir nicht bewusst/bekannt sind.

          Was das Thema Naturwissenschaften im allgemeinen und Klima im besonderen anbelangt, sind wir Laien. Was im Grunde schon ein Euphemịsmus sein dürfte.

          Ist es nicht viel wahrscheinlicher, das wir beide etwas nicht verstehen oder korrekt einordnen können, als das ein wahres Heer von Naturwissenschaftlern solche banalen “Fehler” nicht erkennt?

          Aus dem gleichen Grund warum mich ein gutes Geschichtsbuch nicht zum Historiker macht, macht es mich eben auch nicht zum Naturwissenschaftler, wenn ich bei Wikipedia ein paar Theorien nachgeschlagen habe. Oder?

          MfG

          • Natürlich ist es wahrscheinlicher, dass der Fehler bei mir liegt und nicht bei dem Heer von Wissenschaftlern. Deswegen habe ich hier gepostet in der Hoffnung, jemand kann mir sagen, wo mein Denkfehler liegt. Ich behaupte auch nicht, dass die Theorie des Treibhauseffektes falsch ist, sondern nur seine herkömmliche Erklärung. Vielleicht waren meine Formulierungen etwas unglücklich gewählt. Ich versuche es jetzt etwas anders: Gemäß http://www.webgeo.de/k_308/ wird auch von CO2 die ankommende solare Strahlung absorbiert. Daraus schließe ich, dass bei einer Erhöhung des CO2-Gehaltes mehr ankommende solare Strahlung absorbiert wird, solange noch keine Sättigung eingetreten ist. Was ist daran falsch? Das von Klimaskeptikern hervorgebrachte Sättigungsargument wurde doch widerlegt.

        • @Ermel

          Die üblichen einfachen Erklärungen des Treibhauseffekts sind sicher sehr simplifiziert. Auf RealClimate gibt es einen interessanten Versuch einer physikalisch umfangreicheren aber trotzdem für Laien verständliche Erläuterung (inkl. einer kleinen Animation).

          “But is it possible to provide a simple description that is physically meaningful and more sophisticated than the ‘blanket around earth’ concept? ”

          “One way to view the greenhouse effect is the vertical distance between the place where incoming energy is deposited and where the average outgoing heat loss takes place.”

          http://www.realclimate.org/index.php/archives/2016/02/what-is-the-best-description-of-the-greenhouse-effect/

          Auch die weiterführenden Links des Artikels sind interessant dazu – z.B. hier:

          “Figure 3 shows a comparison between observed surface temperature and calculated emission temperature for the planets in the solar system, based on the balance between energy from the sun and heat loss due to black body emission. In these simple calculations, the greenhouse effect is neglected, and the black body radiation can be derived from Planck’s law. The calculations agree quite well with the observations for most of the objects in our solar system, except for Venus which is known to harbour a strong GHE and has a hotter surface than Mercury despite being about twice as far away from the sun.”

          http://www.realclimate.org/index.php/archives/2010/07/a-simple-recipe-for-ghe/

    • Nur zu ihrem ersten Satz, zum Rest muss man nicht mehr viel sagen. Es ist richtig, dass die (historische) Nutzung der fossilen Brennstoffe zur massiven Erhöhung der Lebenserwartung geführt hat. Die spannende Frage ist aber, benötigen wir diese Brennstoffe auch in den kommenden Jahrzehnt in dem Umfang, um unsere Lebensqualität zu halten oder gar zu verbessern. Und da würde ich sagen, nein, wir benötigen sie nicht, wofür es auch jede Menge Beispiel in Industrieländern gibt.

      • Sie kennen Beispiele in Industrieländern, die ohne fossile Brennstoffe auskommen? Wo? Welche? Die Stromerzeugung lässt sich ohne fossile Brennstoffe sicherstellen. Aber wie sieht es mit Wärme und Verkehr aus?

        • @Ermel: Es geht doch nicht darum, ob es aktuell Industrieländer gibt, die ohne fossile Brennstoffe auskommen; natürlich gibt es die nicht, warum auch sollte das so sein? Wir müssen global – mit einem Zeithorizont von vielleicht 20 bis 50 Jahren – aus klimatischen Gründen die Treibhausgasemissionen auf null bringen. Ob und wie das funktioniert, das ist die dominierende Diskussion derzeit, jedes deutsche Industrieunternehmen macht konstruktive Aussagen dazu (die Notwendigkeit als solche wird von denen ganz sicher nicht bestritten). Ihre Sätze, Herr Ermel, sind so sinnlos wie die Feststellung „In der Nacht ist es kälter als draußen“ (übrigens ein altes Bonmot von Franz Josef Strauß)!

        • Herr Ermel, ich möchte meine Aussage präzisieren. Es gibt schon heute Industrieländer, die mit weniger fossilen Brennstoffen auskommen als früher, ohne Wohlstandsverluste zu erleiden. Von einem totalen Verzicht kann man heute nicht sprechen und komplett auf Null muss man es auch nicht runterfahren, um die CO2-Emissionen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

    • @Frieder Ermel
      “Die solare Einstrahlung ist in jedem Wellenlängenbereich intensiver als die terrestrische Rückstrahlung.”

      Das ist nicht richtig, und tatsächlich liegt Ihrerseits ein Missverständnis bezüglich des Planckschen Strahlungsgesetzes vor. Das Gesetz gilt nämlich pro abstrahlender Flächeneinheit für die Gesamtabstrahlung der Fläche.

      Sie müssen für Betrachtungen hier auf der Erde zusätzlich den Abstand zum Strahler berücksichtigen, der im Falle der Sonne ja beträchtlich ist, da die abgestrahlte Energie sich im Weltraum verteilt. Andere, noch heißere Sterne als die Sonne am Himmel beeinflussen unsere Strahlungsbilanz so gut wie nicht, da sie eben noch weiter weg sind.

      Daher kommt hier bei uns auf der Erde von der Sonne her tatsächlich vernachlässigbar wenig langwellige Strahlung an. Und das CO2 wirkt tatsächlich nur auf die langwellige Abstrahlung der Erde.

  12. Wenn man die technische Entwicklung verfolgt, könnte man zu dem Schluss kommen: Ist doch alles bestens! Gegen Hitze kann man klimatisieren, und zwar genau dann, wenn die Sonne scheint, und unsere Solarzellen reichlich Strom produzieren. Mit der Kälte klappt das nicht in gleicher Weise.
    Ich glaube, dass der Mensch anpassungsfähiger ist, als es diese Studie in der ersten Betrachtung unterstellt (später wird ja daruf hingewiesen, dass man die Effekte der Anpassungsfähigkeit schwer abschätzen kann): Bei der Hitzewelle 2003 war ich zum Urlaub an der Nordsee, wo es sehr angenehm warm war. Sonst fahre ich lieber ans Mittelmeer, aber 2003 wäre es mir dort zu heiß gewesen. Und in den Bergen war ich auch viel. Morgens auf 2300m in der Sonne vor der Hütte frühstücken können – das war herrlich. Wer nicht rechtzeitig merkt, wie er sich anpassen muss, oder nicht mehr die Kraft und Möglichkeit dazu hat, der ist natürlich benachteiligt.

    • @oekoschwein

      Ich glaube, dass die Konzentration auf einzelne Folgen manchmal den Blick darauf verstellt, dass wir es mit einer Vielzahl von notwendigen Anpassungleistungen zu tun haben, die mehr oder weniger parallel erbracht werden müssen.

      Der Hinweis, dass die Effekte schwer abschätzbar sind, ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, sondern bedeutet, dass der Unsicherheitsbereich hoch ist. Je nach Symmetrie der Problemstellung kann das dann bedeuten, dass es weniger schlimm sein könnte, aber auch viel schlimmer.

      Dasselbe gilt auch für viele regionale Auswirkungen des Klimawandels (z.B. Starkregenereignisse oder Fragen zur Stabilität des Jetstreams und dessen Auswirkungen auf Europa). Dazu kommen noch indirekte Auswirkungen aus anderen Regionen (z.B. Trockenheit in Südeuropa), die die Lebensmittelversorgung betreffen könnten. Andere globalere Effekte, wie die ph-Reduktion der Ozeane und allgemeine Probleme mit der Biodiversivität beinhalten ebenfalls enorme Risiken, die jedoch in ihren konkreten (regionalen) Auswirkungen schwer einschätzbar sind.

      Umfassende und verlässliche Einschätzungen wären jedoch eine wichtige Voraussetzung zur Einleitung von Anpassungsleistungen, die, je nach Bereich, eine Vorlaufzeit von Jahren oder Jahrzehnten haben können (umfangreiche Infrastrukturanpassungen, Forschung und Entwicklung etc.).

      Das bedeutet daher, dass das Risiko, dass wir Anpassungsleistungen nur sehr unvollständig erbringen können, entsprechend hoch ist. Und dieses Risiko steigt mit jeder weiteren Erwärmung.