Die großen Fragen – Die biokulturelle Evolution: Daten statt Gene

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Die großen Fragen

Dem Paläoanthropologen stehen nur wenig Funde zur Verfügung, aus denen er Rückschlüsse darauf ziehen kann, woher wir, also die Menschen, kommen. Vorwiegend aus Knochen und Zähnen versucht er, unsere Frühgeschichte in Afrika nachzuzeichnen. Trotz dieser schlechten Datenlage hat die Wissenschaft aus solchen Funden erstaunlich viel Detailwissen darüber herausgefunden. Die Entwicklung technischer Fertigkeiten gilt längst nicht mehr als zentrales Unterscheidungsmerkmal des Frühmenschen zu anderen Arten. Wir wissen heute, dass sich auch bei anderen Lebensformen erstaunliche Fähigkeiten herausgebildet haben. Affen beispielsweise können Werkzeuge nicht nur nutzen, sondern sind sogar in der Lage sie herzustellen. Was also ist es, das den Homo sapiens im Besonderen prägt, was macht das Erfolgsmodell Mensch aus? Paläobiologen sagen uns inzwischen, es ist vor allem die Entwicklung des kollaborativen Verhaltens. Das Zusammenarbeiten ist ein dem Menschen tief inne wohnendes Verhaltensmuster, das er deutlich stärker als andere Lebewesen auf diesem Planeten ausgebildet hat, eine Fähigkeit, die bereits vor einigen Millionen Jahren zur Ausbreitung des Homo sapiens über den Planeten Erde führte – und eine Vorliebe, die in gewisser Weise bis zu den heutigen sozialen Netzwerken reicht.

Der Mathematiker und Ökonom Prof. Dr. Franz-Josef Radermacher von der Universität Ulm, langjähriges Mitglied des Club of Rome, nähert sich der Evolution des Menschen aus einer ganz anderen Richtung. Für ihn gibt es zwei entgegen gesetzte, wenn auch inzwischen konvergierende Entwicklungslinien: das analog basierte Gehirn mit seinem Bewusstsein, und die vom Menschen geschaffene Computertechnologie, die sich, aus dem digitalen Prinzip hervorgegangen, jetzt der analogen Welt nähert. Damit reduziert er das Phänomen Evolution – wie viele Ethiker übrigens auch – auf rein genetische Prozesse. Aus diesem Blickwinkel heraus ist begründbar, dass es ethisch betrachtet Aufgabe des Menschen ist, seine rein biologische Entwicklung zu schützen, nicht aber das, was er kulturell und damit auch technologisch erschaffen hat.

Für Anthropologen wie Friedemann Schrenk, Professor für Paläobiologie an der Goethe-Universität in Frankfurt und Chef der anthropologischen Abteilung im Senckenberg-Museum, ist die Vorstellung der evolutionären Biologie auf der einen Seite und der vom Menschen geschaffenen Technologien auf der anderen – also zweier nebeneinander stehender Parallelwelten -, schon vom Grundsatz her falsch, denn aus ihrer Sicht gibt es das an Gene gebundene Primat der Evolution nicht. Die biologische und die kulturelle Entwicklung des Menschen bilden zusammen eine untrennbare Einheit, die “biokulturelle” Evolution. Die vom Menschen erzeugten Maschinen, die Roboter und die sie steuernden digitalen Daten, aber auch die von ihm dafür entwickelten Technologien, sogar all jene zur genetischen Veränderung von Lebewesen, sind damit integraler Teil des einen, des evolutionären Prozesses des Lebendigen.

Wie viele seiner Kollegen sieht Schrenk das kollaborative Verhalten für den eigentlichen Ursprung der gesamten Kultur des Menschen, die aber eben auch die Entwicklung technischer Fertigkeiten gänzlich mit einschließt. Und mehr noch: Schrenks Meinung nach ist dieses Verhaltensmuster darüber hinaus ganz entscheidend dafür gewesen, dass sich Sprache für den direkten Austausch von Wissen herausgebildet hat. Sprache – die Codierung von Information mit Zeichen – befähigte die Wesen auch dazu, ihr kulturelles Wissen in einer bis dato nicht möglichen Präzision weiter zu geben – und das sogar über große Entfernungen. Dieses Wissen konnte der Mensch auf der so tradierbaren Grundlage über Generationen hinweg stetig weiter entwickeln, ehe dann mit der Schriftform eine neue Stufe der Verbreitung eingeläutet werden konnte.

Mit Friedemann Schrenk habe ich ein längeres Interview geführt, das in einigen Ausschnitten auch in der oben gezeigten Reportage zu sehen ist. Wer sich für das ganze Interview interessiert – hier der erste Teil, in dem wir vor allem darüber reden, “Woher der Mensch kommt?”

Fest steht aber auch: Lag die Dominanz evolutionsgeschichtlich betrachtet bis vor wenigen Augenblicken tatsächlich noch auf der Seite der genetischen, also der biologischen Entwicklung, so ist sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf die informationelle Seite gewechselt. Diese entwickelt sich mit einer Geschwindigkeit, die so rasant ist, dass die Evolution mit genetischen Veränderungen über viele tausend Generationen hinweg zukünftig keine Chance mehr hat. Natürlich auch das: Sollte sich der Mensch mit seiner Technologie selbst ausrotten, würde das Primat der genetischen Evolution wieder vorherrschen – aber für wie lange?

Entwickelt sich die Evolution über den Menschen zur informationellen Intelligenz? Baut gleichzeitig der Körper des Menschen ständig ab und entschwindet in die evolutionäre Bedeutungslosigkeit – ein Trend übrigens, für den Schrenk gewisse Evidenz sieht? Und ist das Phänomen vom Materiellen zum Informationellen gar etwas, das über die Grenzen des Irdischen hinaus kosmische Relevanz hat? Fragen dieser Art sind von der Wissenschaft heute nicht zu beantworten, liegen damit im offenen Feld philosophischer Betrachtung. Anthropologen werden deshalb meist spröde und wortkarg, wenn ein Gespräch vom „woher kommen wir“ zum „wohin gehen wir“ wechselt. Wissenschaftlich gesicherte Aussagen sind auf diesem Terrain natürlich nicht möglich, es lassen sich bestenfalls mögliche Trends erkennen. Dennoch wage ich im zweiten Teil des Gesprächs den Versuch, mit dem Paläobiologen einen Blick in die mögliche weitere Entwicklung der Spezies Mensch und seiner biokulturellen Evolution zu werfen!

Susanne Päch

Veröffentlicht von

Ich habe viele Jahre journalistisch im Bereich Wissenschaft und Technologie gearbeitet, später dann mit meiner kleinen Beratungsfirma als Medienexpertin. 2010 erfüllte ich mir meinen großen Traum und gründete den Spartensender HYPERRAUM.TV, für den ich eine medienrechtliche Rundfunklizenz erteilt bekam. Seither mache ich als One-Woman-Show mit meinem „alternativen TV-Sender“ gewollt nicht massentaugliches Fernseh-Programm. Als gelernte Wissenschaftshistorikern habe ich mich gänzlich der Zukunft verschrieben: Denn die Vergangenheit können wir nur erkennen, die Zukunft aber ist für uns gestaltbar. Wir sollten versuchen, nicht blind in sie hinein zu stolpern!

12 Kommentare

  1. Die Frage „wohin gehen wir“ kann man tatsächlich ganz verschieden beantworten. Die meisten beantworten sie meiner Ansicht nach grundfalsch. Nur schon weil sie das Wort “Wir” verwenden. So als gäbe es nur eine Zukunft, die wir alle teilen. Was wir vorläufig (noch) teilen ist die Erde als Heimaplanet und gemeinsame Ressource. Evolutionär/biologisch gedacht ist die Planung einer einzigen gemeinsamen Zukunft vergleichbar mit einer Welt in der es nur wenige Arten von Akteuren, von Lebewesen gibt, was im Extremum eine Monokultur ist.
    Doch mit dem Vertrauen auf eine einzige globale Zivilisation geht die Menschheit ein grosses Risiko ein, denn alles was diese einzige globale Zivilisation bedroht, bedroht die ganze Menschheit. Und die Bedrohungen nehmen zu, je mehr Akteure es gibt, die die Zivilisation zerstören können. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren es nur wenige Regierungschefs, die die Zivilisation per Knopfdruck auslöschen konnten. Doch jetzt gibt es tausende von Forschern die beispielsweise mittels Geneditierverfahren tödliche Viren herstellen können. Solche Angriffe auf die gesamte Menschheit wird es mit Sicherheit geben. Und das wahrscheinlich schon viel früher als wir heute denken. Überleben kann sie die Menscheit und ihre Zivilisation weit besser, wenn sie nicht an einem einzigen globalen System hängt sondern sich “diversifiziert”, so wie das die biologischen Organismen getan haben und womit sie mehrere Beinahe-Austerbe-Katastrophen überlebt haben.
    Fazit: Die biokulturelle Evolution ist nur dann eine wahre Evolution, wenn sie zu teilautonomen Gebilden führt und nicht in einem System resultiert, das an einem Tropf hängt.

    • Herr Holzherr, ich finde Ihre Gedanken bezüglich der evolutionären “Diversifikation” von Intelligenz beziehungsweise das Stichwort “Monokultur” äußerst spannend. Für mich war dieses Thema bisher eigentlich eher im universalen Maßstab relevant, denn dass es ganz anders geartete Intelligenzen da draußen geben muss, davon bin ich schon seit vielen Jahrzehnten überzeugt, nicht erst seit wir Exoplaneten gefunden haben. Die Frage, inwieweit Diversifikation von Intelligenz auch hier auf der Erde stattfinden kann, ist also ein ganz neuer Aspekt für mich. Die Beantwortung hängt stark davon ab, welche Konsequenz der Shift von der genetischen zur informationellen Evolution auf die Möglichkeiten einer Diversifikation faktisch nimmt. Die Frage ist schlicht gesagt: Läuft informationell getriebene Evolution von den Prinzipien her genauso ab wie das Spiel der Evolution über Generationen hinweg? Bei der Beantwortung fühle ich mich, ehrlich bekannt, derzeit glatt überfordert. Allerdings habe ich das Bauchgefühl, dass durch die auf unserem Globus eingesetzte Vernetzung als zentrale neue Stufe der biokulturellen Entwicklung die “traditionelle” Evolution mit dem Spiel der unendlichen Möglichkeiten tendenziell eher ausgehebelt wird – jedenfalls und selbstverständlich nur so lange wie die Kette nicht durch große Umwälzungen unterbrochen wird und es zum “Reset” kommt.

      Hinsichtlich Ihres zweiten Kommentars im Bezug auf mein Gespräch mit Schrenk möchte ich anmerken, dass ich Ihre Meinung in der Konsequenz der heute sichtbar werdenden biokulturellen Evolution nicht ganz teile. Das Primat von Freiheit und individuellen Entscheidungskorridoren wird enger, das Netz nimmt uns, so scheint es jedenfalls mir, eindeutig Selbstbestimmung. Zuerst haben wir uns von Autoampeln extern leiten lassen. Heute beginnt der Kühlschrank schon die Macht über unsere Ernährung zu übernehmen – unterstützt von Krankenkassen. Das ist erst der Anfang. Das Netz nimmt uns – bestenfalls ausschließlich zu unserem eigenen Wohl, schlechtestenfalls zum Wohl kommerzieller Unternehmen – immer mehr individuelle Entscheidungsfreiheit. Und das Fatale daran ist, dass das Netz mehr weiß als der Einzelne und daher auch intellektuell erfolgreichen Optimierungsdruck ausüben kann. Hinzu kommt, dass die steigende Kopfzahl der Menschen (zumindest heute) zwangsläufig das kollektive Management gegenüber Individualität bevorteilt, dem wir uns zum Wohl aller unterordnen müssen. Die Zeit des Wilden Westens geht zu Ende – so und so! Für mich bleibt da perspektivisch auf jeden Fall als Ventil die virtuelle Welt. Da können wir dann ganz individuell und jeder für sich personalisiert, eine Parallelwelt “erschaffen”, die ganz nach unserem persönlichen Gusto ist. Und der, dem es an eigener Kreativität oder Entscheidungsfreude mangelt, eine eigene Welt zu kreieren, der kriegt halt entsprechend seiner im Netz ja bestens bekannten mentalen Struktur vorgefertigte, bestens passende Angebote im Multiple-Choice-Check. Im Auge behalten sollten wir bei dieser Diskussion vielleicht auch, dass Werte in der Gesellschaft nicht fest gefügt sind, sondern sich wandeln. Nicht alles, was wir heute hipp finden, hätten unsere Vorfahren als wünschenswert erachtet. Aber das ist dann schon wieder ein anderes Thema …

      • Mein Grundgedanke ist der der unveränderlichen oder sich über Generationen nur wenig ändernden Anthropologie: Wir werden von einem biologischen Programm gesteuert – auch wenn sich viele dessen nicht bewusst sind, weil dieses Programm so angelegt ist, dass man sich dessen kaum bewusst werden kann. Warum beispielsweise sind Menschen so reiselustig? Und sind sie überhaupt reiselustig? Ja, das sind sie. Je wohlhabender eine Gesellschaft ist, dest mehr reisen ihre Mitglieder in der Welt herum und in gewissen wohlhabenden Ländern werden pro Kopf mehrere Flüge pro Jahr getätigt. Ich behaupte, dass das eben kein zufälliges Verhalten ist, sondern dass diese Reiselust in uns angelegt ist. Nicht in allen gleichermassen, aber im statistischen Durchschnitt. Und genau dieser statistische Durchschnitt zählt. Wenn Bedürfnisse wie das Reisen grundsätzlich eingeschränkt werden, leidet das Wohlbefinden einer grossen Zahl von Menschen. Im Endeffekt lässt sich der Mensch nicht in einen beliebigen Rahmen einsperren und ihre Idee, Menschen der Zukunft würden sich vor allem mit einer virtuellen Realität zufrieden geben ist empirisch überhaupt nicht gedeckt. Eher im Gegenteil: Obwohl die Industrie immer wieder die virtuelle Zukunft gepredigt und in Form von entsprechenden Geräten auch präsentiert hat, gibt es – für die Industrie – enttäuschend wenige, die daran interessiert sind. Damit spielen wollen zwar alle, damit aber ganze Tage verbringen wollen nur ein paar Süchtige.
        Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass gerade bei steigendem Wohlstand die wahren, anthropologisch angelegten Bedürfnisse noch stärker nach Befriedigung streben und dass es keinen virtuellen oder anderswie gearteten Ersatz dafür gibt. Das heisst eben auch, dass es immer Querschläger geben wird – so wie jetzt schon – und dass das mit zunehmender technischer Macht des Einzelnen auch gefährlicher wird für die Gesellschaft.
        Eine Gesellschaft, die alle ihre Mitglieder kontrollieren will, wird nicht bei allen Mitgliedern Erfolg haben – ausser man programmiert den Menschen um. Und zwar auf biologische/genetische Weise.

        • @Martin Holzherr:

          “Ich behaupte, (…) dass diese Reiselust in uns angelegt ist. (…) Wenn Bedürfnisse wie das Reisen grundsätzlich eingeschränkt werden, leidet das Wohlbefinden einer grossen Zahl von Menschen.
          Im Endeffekt lässt sich der Mensch nicht in einen beliebigen Rahmen einsperren und ihre Idee, Menschen der Zukunft würden sich vor allem mit einer virtuellen Realität zufrieden geben ist empirisch überhaupt nicht gedeckt. ”

          Wie kann etwas, für das erst in der Zukunft weitreichende Bedeutung angenommen wird, schon heute “empirisch gedeckt ” sein?

          Sicher, die Reiselust ist in uns angelegt, schon unsere Vorfahren waren ja in gewisser Weise Reisende.
          Aber die Form, in der diese Reiselust ausgelebt wird, ist nicht starr, sondern wandelt sich, passt sich gesellschaftlichen Entwicklungen an.
          Deswegen ist auch nicht in Stein gemeißelt, dass das analoge Reisen grundsätzlich dem virtuellen Reisen den Rang ablaufen würde. Es kann durchaus sein, dass technologische Entwicklungen ein so starkes virtuelles Reiseerleben ermöglichen, dass das Bedürfnis, realiter auf Reisen zu gehen, bei vielen Menschen dahinter zurück treten könnte, einfach weil es ganz ohne Anstrengungen, Kosten und Gefahren zu haben ist.

          “Damit spielen wollen zwar alle, damit aber ganze Tage verbringen wollen nur ein paar Süchtige.”

          Nun ja “Sucht” ist kein exakt definierter Begriff.

          Sind Sie ab und zu mal in einer Großstadt unterwegs und fallen Ihnen nicht auch die zahlreichen Passanten auf, die gehend auf ihr Handy starren?
          Nach einer britischen Studie greift der durchschnittliche Nutzer 214 Mal pro Tag zu seinem Handy.
          Nach einer deutschen Studie unter Auszubildenden im Jahr 2015 verbrachten die 16- bis 25-Jährigen mehr als die Hälfte ihrer wachen Zeit mit digitalen Medien, wiesen also eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 8:14 Stunden auf.
          Man muss nicht den pathologisierenden Begriff der Sucht verwenden, um zu erkennen, welch großen Einfluss digitale Medien im Leben der meisten Menschen heute haben.

          “Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass gerade bei steigendem Wohlstand die wahren, anthropologisch angelegten Bedürfnisse noch stärker nach Befriedigung streben und dass es keinen virtuellen oder anderswie gearteten Ersatz dafür gibt.”

          Es gibt keine “wahren” angelegten Bedürfnisse.
          Es gibt Grundbedürfnisse und erweiterte Bedürfnisse; ob und wie letztere ausgelebt werden, ist variabel und hängt von kulturellen und technischen Entwicklungen sowie den individuellen Präferenzen des Einzelnen ab.

      • @Susanne Päch: Sie schreiben sinngemäss, dass Nudging und Sachzwänge uns alle zum Wohlverhalten bewegen, uns kontrollieren (Zitat):

        Das Primat von Freiheit und individuellen Entscheidungskorridoren wird enger, das Netz nimmt uns, so scheint es jedenfalls mir, eindeutig Selbstbestimmung. Zuerst haben wir uns von Autoampeln extern leiten lassen. Heute beginnt der Kühlschrank schon die Macht über unsere Ernährung zu übernehmen – unterstützt von Krankenkassen.

        So wie hier von Ihnen beschrieben wird die „Masse“ in den westlichen, den „freiheitlichen“ Gesellschaften gelenkt – wobei man sich bewusst sein muss, dass sich von den vielen Millionen nicht alle lenken lassen, sondern dass nur viele den Eindruck von Lenkung erhalten. Letzlich ist das sozialer Druck. Dieser wird eingesetzt um Volksübel wie Rauchen oder jetzt zunehmendes Übergewicht unter Kontrolle zu halten, indem „falsches“ Verhalten (wie Rauchen oder Pommes Frites essen) mit „Liebesentzug“ bestraft wird. Dass es solchen sozialen Druck überhaupt braucht, zeigt gerade, dass es eben unkontrolliertes, freies Verhalten gibt und der Staat und die Gesellschaft versucht, es zu lenken.
        Wenn ich heute in der NZZ lese: «Jeder kann jederzeit verhaftet werden»
        In Ägypten hat die Repression präzedenzlose Ausmasse angenommen
        so passt dies exemplarisch zu den Zwängen in den nicht freiheitlichen Staaten (zu denen neben China und Russland nun auch die Türkei, Venezuela, Ägypten, ja immer mehr gehören) , wo „Missverhalten“ oder nur schon eine oppositionelle Meinung nicht nur mit Liebesentzug, sondern sogar mit Gefängnis, Folter und Tod bestraft wird. In gewissem Sinn kehren diese Staaten zu den Verhältnissen in der Frühmoderne der europäischen Staaten zurück, wo ebenfalls Zensur herrschte und wo Gruppen mit der „falschen“ Religion zur Auswanderung nach Amerika gedrängt wurden.
        Letztlich zeigt Repression aber gerade, dass es Freiheit gibt und von dieser Freiheit immer wieder (für die Machthaber auf gefährliche Art und Weise) Gebrauch gemacht wird. Jede ( zum Beispiel ethische) Regel, jedes Gesetz wird auch übertreten und viele Abkommen und Verträge zwischen Staaten werden immer wieder verletzt, weswegen es ein Strafgesetzbuch und Sanktionen braucht. Die Menschheit muss mit Übertretungen von Gesetzen und Abkommen leben, sie muss mit der täglichen Kriminalität, dem täglichen Verstoss gegen Regeln zurecht kommen ohne dass sie dabei das Leben allzu stark einschränkt. Generell gilt: Alles was unter Menschen denkbar ist, alles was an Gutem und Schrecklichen passieren kann, das passiert auch. Schlimm nur, wenn zu diesen Möglichkeiten, den Denkbarkeiten, die jederzeit passieren können, auch die Zerstörung der Zivilisation oder gar die Auslöschung der Menschheit gehören. Genau das ist zunehmend der Fall. Zuerst waren es nur Atombomben, die die ultimative Gefahr bildeten, jetzt sind es auch biologische Waffen, die sogar von einzelnen Forschern im Alleingang hergestellt werden können. Jedenfalls gilt: Die menschliche Gesellschaft ist – ohne es zu wissen – ebenfalls ein Akteur der Evolution. Wie alle Akteure der Evolution kämpft sie ums Überleben Und die meisten Akteure, die meisten Organismen sind irgendwann ausgestorben. Das es überhaupt noch Leben gibt, liegt allein an der Diversifikation des Lebens, an den vielen Ästen im Baum des Lebens. Auch die (bio)kulturelle Evolution bedarf der Diversifikation, denn ohne Diversifikation, ohne teilautonome Gebilde ist sie dem Untergang geweiht.

  2. Hab mir das Video “Der Mensch – wohin entwickelt er sich” angeschaut und konnte sehr gut die Überlegungungen des Interwieten Evolutionsbiologen nachvollziehen: Ja, es gibt keinen Evolutionsdruck mehr und keine Subgemeinschaften von Menschen, die sich aufgrund von einer anderen Umwelt anders entwickeln als der Rest. Zudem ist die Evolution um mehrere Potenzen langsamer als die kulturell/wissenschaftlichen Entwicklungen unserer Zivilisation. Die biologische Evolution spielt für die unmittelbare Zukunft des Menschen also keine Rolle mehr,vielmehr wird die Biologie der zukünftigen Menschen durch unsere genetischen Eingriffe bestimmt werden. Auch was Susanne Päch sagte ist gut nachvollziehbar, beispielsweise die Idee von der kollektiven Intelligenz, dem Superorganismus den wir Menschen ähnlich wie Ameisen bilden. Allerdings gibt es eben einen sehr wichtigen Unterschied zwischen Ameisen und Menschen. Ameisen sind kollektiv intelligent, Menschen aber stellen ihre individuelle Intelligenz in den Dienst der Gemeinschaft – und das ist etwas ziemlich anderes als bei den Ameisen, denn die Kooperation der Menschen ist inhärent freiwillig und ein bewusster Akt. Die Kooperierenden erkennen den Wert der Idee des Initiators und unterstützen ihn, wobei einzelne ihn eventuell auch bekämpfen.
    Letztlich macht die Individualität und Freiheit des Menschen einen grossen Unterschied zu Kooperationsformen wie sie bei Ameisen vorkommen. Die Individualität und Freiheit bedeutet aber auch, dass jeder Mensch für die übrige Gemeinschaft eine Gefahr bedeuten kann. Wenn der Einzelne will, kann er der Gemeinschaft schaden und je mehr Macht einzelne Individuen haben, desto grösserer Schaden kann ein Individuum anrichten. Dieses Problem ist noch nicht ins Bewusstsein der globalen Mehrheit eingegangen. Es ist ein Tabuthema ähnlich wie der Tod heute ein Tabuthema ist. Das Potenzial die ganze Menschheit zu gefährden wird aber von Jahr zu Jahr grösser, weil Wissenschaft und Technologie immer mehr Macht in die Hand einzelner legt, beispielsweise in die Hand von Gentechnikern, die bereits als Einzelne in der Lage sind, einen hoch virulenten, tödlichen Erreger in Umlauf zu setzen. Wenn aber diese Möglichkeit besteht, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis es auch passiert. Das zeigt gerade die jüngste Geschichte. So hat ein US-Forscher, der in den Diensten des Verteidigungsministeriums stand, an Senatoren Briefe mit Anthrax verschickt. Man kann sich aber noch viel schlimmeres vorstellen. Und es wird nicht bei der Phantasie bleiben, es wird zweifellos Wirklichkeit werden.
    Die Menschheit kann sich nicht dagegen absichern, ausser sie bildet unabhängig operierende Kreise und Lebensgemeinschaften, so dass wenn eine Lebensgemeinschaft/Kultur ausgelöscht wird, andere weiterexistieren, weil sie räumlich, kulturell getrennt sind. Elon Musks Idee von der Notwendigkeit einer multiplanetaren Existenz der Menschheit kann ich insoweit sehr gut nachvollziehen. Eine andere Lösung als Kolonien auf dem Mars wäre die Auftrennung in separate Kulturräume mit wenig Austausch untereinander schon hier auf Erden. Allerdings hat die heutige extreme Globalisierung auch sehr viele Vorteile für die meisten Menschen, indem sie allen Schwächeren in Aussicht stellt zur Allgemeinheit aufschliessen zu können und indem sie Skaleneffekte schafft, die vieles beschleunigigen und kostengünstiger machen. Es könnte auch sein, dass der überlebende Teil der Menschheit nach dem ersten biologischen Angriff mit einem Supervirus anders reagiert, beispielsweise mit der Einführung von Bio-Schleusen in allen Gebäuden und von Bioscans vor allen Flügen – falls überhaupt genug überleben um die Zivilisation aufrecht zu erhalten.

  3. @ Susanne Päch

    »Die Frage ist schlicht gesagt: Läuft informationell getriebene Evolution von den Prinzipien her genauso ab wie das Spiel der Evolution über Generationen hinweg?« (18. Oktober 2017 @ 11:04)

    Danke für die Frage nach der Bedeutung der „biokulturellen“ Evolution—so es so etwas gibt!

    Will man diese Frage versuchen zu beantworten, wäre es gut zu wissen, was genau mit „Evolution“ gemeint ist. Das ist nämlich keineswegs so klar und eindeutig, wie man meinen könnte.

    In der Biologie steht Evolution, kurz gesagt, für die Veränderung der genetischen Information (Allelfrequenzen) in Populationen über Generationen hinweg. Dieser Prozess findet statt, solange es Leben/Populationen gibt. Ob es jemals eine Menschenpopulation geben wird, die ihre genetische Information zur Gänze kontrollieren und somit die natürlichen Evolutionsprinzipien außer Kraft setzen kann, ist schwer zu sagen. Prinzipiell unmöglich wäre es wohl nicht. Aber aktuell hat uns die Evolution noch voll im Griff. Die Auffassung, dass der Mensch dank seiner kulturellen Errungenschaften (oder wegen seiner globalen Verbreitung) weniger dem evolutionären Wandel unterliegt, halte ich für grundfalsch.

    Falsch wäre es m. E. auch, zu meinen, der transgenerationale Erwerb von Wissen und Fertigkeiten wäre nicht Teil biologischer Evolutionstheorien. Dass Nachkommen von den Eltertieren sich das Eine oder Andere abschauen müssen, kommt relativ häufig vor.

    Wenn man solches Lernverhalten und alles, was damit zusammenhängt, von der Biologie abgrenzt und unter den Begriff „Kultur“ einordnet, dann mag es nahe liegen, statt von einer (allumfassenden biologischen) Evolution nunmehr von einer „biokulturellen“ Evolution zu reden.

    Ich halte davon nicht viel, denn die organismische Evolution umfasst auch das Verhalten und die von Organismen produzierten Gebilde. Insofern scheint mir „biokulturelle Evolution“ begrifflich ein Pleonasmus zu sein.

    Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass mit Evolution etwas ganz anderes gemeint ist, nämlich eine bestimmte Art der Entwicklung (etwa vom Einfachen zum Komplizierten) oder Veränderung. Kulturelle Entwicklungen und Veränderungen könnten so in Analogie zum evolutionären Artenwandel als „kulturelle Evolution“ bezeichnet werden.

    Wir hätten somit zwei parallel stattfindende „Evolutions“-Prozesse, was dann mit dem Begriff „biokulturelle Evolution“ zusammengefasst wird—weil das eine mit dem anderen ja auch irgendwie zusammenhängt: Die von Organismen geschaffenen Umwelten wirken zurück auf die evolutionäre Fitness der Organismen.

    Tja, große Fragen, in der Tat… 😉

  4. @Martin Holzherr und sherfolder in Sachen “virtuelle Welt versus Reiselust” – noch zwei kleine Anmerkungen meinerseits zum Thema: Erstens sollte man die technologische Entwicklung nicht außer acht lassen, wir stehen erst ganz am Anfang solcher virtueller Reisemöglichkeiten, das wird in fünfzig Jahren schon ganz anders sein. Und zweitens: Wir könnten dann nicht nur in die Atacama Wüste oder nach Shanghai reisen (zwei meiner absoluten Top Favorites auf dem Globus), sondern auch zum Mars, auf den Mond des Saturn oder zu einem Exoplaneten, also dorthin, wo man real halt gar nicht reisen kann. Ganz ehrlich: Ich würde sofort dort hin starten, wenn ich’s könnte, auch wenn es “nur” virtuell ist … Es ist wie mit der Telekommunikation schon heute (insofern passt der Vergleich mit dem Handy perfekt): Wir gewinnen virtuelle Reichweite, zu Lasten der Vor-Ort-Aktivität.

  5. @Balanus: Wenn ich Ihre Ausführungen lese, finde ich nicht, das es grundsätzliche “Dissonanzen” gibt. Die Sache mit dem Pleonasmus, ja, könnte sein, wäre dann aber nur ein Thema der Begrifflichkeit. Ich finde allerdings trotzdem gut, beide Teile explizit zu halten. Zwei Gründe dafür – erstens: Sie kippen in der Gewichtung.

    Dass Nachkommen von den Eltertieren sich das Eine oder Andere abschauen müssen, kommt relativ häufig vor.

    Heute geht es nicht mehr nur ums Imitieren im Eltern-Kind-Szenario, wir haben Möglichkeiten, Information zu speichern und so perfektioniert über Raum und Zeit weiter zu geben. Zweitens: Möglicherweise haben wir mit der beginnenden Künstlichen Intelligenz etwas auf der rein informationellen Seite losgetreten (heute sicherlich noch in Embryonalzustand, aber wer weiß…), das sich künftig verselbständigen könnte. Im Sinne einer “biokulturellen” Evolution wäre auch diese künftige Künstliche Intelligenz ein – zum Menschen normativ gleichberechtigtes – Produkt der Evolution. Das wäre bei einer Evolution Ihrer Prägung nicht so eindeutig – oder unterliege ich da einem Denkfehler?

    Tja, große Fragen, in der Tat…

    – und das ist wirklich die ultimative Schlussfolgerung! Zu viele Variablen für eindeutige Antworten – ganz abgesehen davon, dass ja letztlich auch ungewiss ist, ob wir nun in einem deterministischen oder nicht-deterministischen Universum mit echtem Zufall existieren …

  6. @ Susanne Päch

    Danke für die Antwort!

    Auch wenn es vielleicht keine „grundsätzlichen“ Differenzen zwischen unseren Auffassungen zur „biokulturellen Evolution“ gibt, gewisse Unterschiede im Detail gibt es wohl doch. Sie schreiben:

    »Im Sinne einer “biokulturellen” Evolution wäre auch diese künftige [verselbständigte] Künstliche Intelligenz ein – zum Menschen normativ gleichberechtigtes – Produkt der Evolution. Das wäre bei einer Evolution Ihrer Prägung nicht so eindeutig – oder unterliege ich da einem Denkfehler?«

    Ich weiß nicht, ob Sie hier recht verstehe.

    Angenommen, Sie meinen, dass es dereinst intelligente, leidensfähige Maschinen geben könnte, mit allen normativen Konsequenzen. Dass also der Werkzeuggebrauch des Menschen zu autonomen Werkzeugen führen könnte, bei denen der Begriff „Werkzeug“ nicht mehr angebracht wäre.

    Angenommen also, es käme so: Was wäre bei diesem zukünftigen Szenario so grundlegend anders als in der Vergangenheit? Schon heute können Menschen überleben und sich fortpflanzen, die in vormedizinischen Zeiten aus dem evolutionären Spiel ausgeschieden wären. Durch eine weitere technologische und wissenschaftliche Entwicklung könnte sich der Anteil dieser Individuen weiter erhöhen. Das ist das, was Ihr Interviewpartner Friedemann Schrenk auch angesprochen hat, die genetische Information ist schon heute nicht mehr allein bestimmend für den Reproduktionserfolg und wäre es in Zukunft wohl noch weniger (wenn wir die ebenfalls wichtigen glücklichen Umstände mal außen vor lassen).

    Zudem: Eine verselbständigte, autonome Maschinenwelt (KI) wäre sicherlich darauf ausgerichtet, sich immer weiter zu verbessern oder zumindest nicht zu verschlechtern. Und das wäre eben das genaue Gegenteil von jener Evolution, die die Vielfalt der imperfekten Lebensformen hervorgebracht hat und auf nichts ausgerichtet ist außer vielleicht darauf, die Prozesse des Lebendigen aufrecht zu erhalten—so lange es eben geht.

    Ich finde, man sollte sich entscheiden: Entweder wir reden von Evolution im biologischen Sinne, oder wir reden von „Evolution“ im übertragenen, kulturellen Sinne. Man sollte nicht zwei völlig unterschiedliche Prinzipien der Entstehung von Entitäten mit ein und demselben Begriff belegen.

    (Wobei schon klar ist, dass der Evolutionsbegriff nicht aus der Biologie stammt und für ganz verschiedene Entwicklungsvorgänge gebraucht wird. Es beginnt mit der kosmischen Evolution, an der sich die chemische, biologische und schlussendlich die kulturelle Evolution anschließen. Dieses Denken ist meiner Meinung nach der Sinnsuche des kulturfähigen Menschen geschuldet, der rückblickend gar nicht anders kann, als sich und seine Kultur als den Höhepunkt einer langen Entwicklungsgeschichte zu sehen.)

  7. @Balanus: Danke für die Präzisierung. Ich hatte schon erwartet, dass sich an diesem einen Punkt die Auffassungen unterscheiden können. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann sehen Sie aufgrund prinzipieller Überlegungen die von Ihnen als „biologische Evolution“ und „Evolution im übertragenen Sinn“ beschriebenen Teile als zwei nebeneinander stehende Aspekte. Andere haben dagegen haben den Prozess und nicht das Prinzip im Blick, mit dem die kulturelle Evolution direkt aus der biologischen Evolution hervorgegangen ist – und so eben als nächste Stufe der Entwicklung in die biokulturelle Evolution mündet. Das ist aber, wie Sie ja selbst sagen, eine Interpretationsfrage von Begriffen der Wissenschaft, die ich gern den Experten überlasse.

  8. @ Susanne Päch

    Da mir wichtig ist, dass ich richtig verstanden werde, melde ich mich noch einmal zu Wort:

    Es geht um die Frage, ob ich »aufgrund prinzipieller Überlegungen [die von mir] als „biologische Evolution“ und „Evolution im übertragenen Sinn“ beschriebenen Teile als zwei nebeneinander stehende Aspekte« sehe.

    Ja und nein.

    Ja, insofern als die Evolution der Organismen (bzw. der genetischen Information) als Prozess etwas völlig anderes ist als die Schaffung kultureller Artefakte.

    Nein, insofern als in der (biologischen) Evolutionsgeschichte des modernen Menschen dessen kulturellen Errungenschaften vollends implementiert sind (z. B. Zähmung des Feuers, Werkzeuge, Heilkunst, Ackerbau und Viehzucht, …). Kultur(fähigkeit) gehört zur Natur des Menschen, darüber gibt es keinen Dissens.

    Wenn Sie nun schreiben:

    »Andere haben dagegen haben den Prozess und nicht das Prinzip im Blick, mit dem die kulturelle Evolution direkt aus der biologischen Evolution hervorgegangen ist – und so eben als nächste Stufe der Entwicklung in die biokulturelle Evolution mündet«,

    dann stellt sich die Frage, was denn überhaupt mit kultureller Evolution gemeint ist. Es gibt meines Wissens hierzu keine schlüssige Definition und auch keine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Mechanismen einer kulturellen „Evolution“ beschäftigt, die z. B. untersuchen würde, welche Gesetzmäßigkeiten den (vermuteten) Prozessen einer kulturellen Evolution zugrunde liegen, welche kulturellen Entitäten einem (vermeintlichem) evolutiven Wandel unterliegen, und so weiter und so fort. Bislang, so scheint mir, ist die kulturelle „Evolution“ eine reine Fiktion, nichts weiter als eine bloße Behauptung ohne jegliche empirische Basis.

    Um es kurz zu machen: Im Bereich des Kulturellen gibt es m. E. nichts, womit sich der Begriff „Evolution“ begründen ließe. Noch nicht einmal der Begriff „Entwicklung“ trifft es wirklich, wenn er im Sinne von „Entfaltung“ gebraucht wird. Und wo es keine wissenschaftlich fundierte kulturelle „Evolution“ gibt, da kann auch nicht sinnvoll von einer „biokulturellen Evolution“ gesprochen werden (außer eben im trivialen Sinne, wie oben ausgeführt).

    (PS. Wenn es dereinst eine menschenunabhängige Maschinenwelt geben sollte, dann müsste ich meine heutige Position womöglich überdenken)

    Danke für die Diskussionsbereitschaft!

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