Halbjahreszeugnis und Hochbegabte

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Intelligenz, Sonntagskinder und Schulversager
Hochbegabung

Es ist soweit: Die Halbjahreszeugnisse kommen und für den hoch begabten Till, der die 7.Klasse eines Gymnasiums besucht, wird es einige 4er und auch die ein oder andere 5 geben. „Till kann nicht hoch begabt sein, denn er kommt bei mir in Mathematik nicht über eine 4 hinaus.“ So die Worte seines Lehrers beim letzten Gespräch im vergangenen Dezember.

Im Grundsatz hat er damit auch nicht unrecht. Das Grand der Hochbegabten funktioniert im akademischen Kontext gut. Ob deutsche oder internationale Studien zum Thema Hochbegabung – hier sind die Aussagen klar und trotz größter Bemühungen verschiedener Experten, verschiedene Aspekte in Zweifel zu ziehen, wohl auch standfest. Und trotzdem: Die Beratungsanfragen zu Hochbegabung steigen nach wie vor; immer lauter wird die Frage, ob nun aufgrund der “Verwässerung” von Bildung nicht doch verstärkt Momente der Unterforderung zu Problemen führen können.

Ein besonderer Aspekt in der Arbeit mit hochbegabten Schulversagern verdient meines Erachtens Beachtung, denn hier liegt häufig der Kern des Problems: die Entwicklung des Selbstwerts. Kurz umrissen: In der Entwicklung erfährt das hochbegabte Kind häufig, schneller als andere Aufgaben lösen zu können oder vergleichsweise weniger Anstrengung erbringen zu müssen, um auf das gleiche oder gar bessere Ergebnis zu kommen. Selbstbewusstsein wird aufgebaut, so genannte Selbstwirksamkeitserwartung wächst. Gleichzeitig entsteht ein individuelles Verhältnis zu den Tätigkeiten, je nach dem, welche Bedeutung die Tätigkeit für den Selbstwert hat. Dabei ist auch die Anstrengung zu berücksichtigen, die es zu erbringen gilt, um Erfolg zu haben. Um die Motivationspsychologen zu zitieren: Wofür du nichts tust, das ist auch nichts wert.

Jedenfalls bedeutet dies für Hochbegabte, dass sie bei niederen Tätigkeiten aufgrund eines niederen Anstrengungsniveaus auch wenig Wert für ihren Selbstwert herausziehen (können).

Höhere Tätigkeiten stehen bei Hochbegabten höher im Kurs, sind aber aufgrund des niederen Anforderungsniveaus im schulischen Bereich eher selten. Zu Beginn der Schullaufbahn ist das kaum ein Problem. Die hohen Fähigkeiten, an die auch ein reiches Vorwissen und weiter entwickelte schulische Fertigkeiten gekoppelt sein können, genügen vor Allem in der Grundschule, um mögliche Lücken im Stoff und auch in der Entwicklung höherer Lernstrategien zu kompensieren. Irgendwann aber reichen Sprachwitz, Improvisationskunst und bewährte Saisonarbeit nicht mehr aus. Till ist zum Underachiever geworden.

Götz Müller

Veröffentlicht von

Götz Müller ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter des Instituts für Kognitive Verhaltenstherapie (IKVT). Er arbeitet beratend und diagnostisch mit Familien hoch begabter Kinder und Jugendlicher. In der psychotherapeutischen Arbeit beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit dem Underachievement bei Hochbegabten, hier insbesondere bei Jugendlichen.

26 Kommentare

  1. Das ist eine interessante Analyse, aber die allein reicht ja nicht. Was können Eltern, Lehrer, etc. dagegen tun?

  2. Wie hoch ist der Anteil der Minderleiste

    “Das Grand der Hochbegabten funktioniert im akademischen Kontext gut. Ob deutsche oder internationale Studien zum Thema Hochbegabung – hier sind die Aussagen klar und trotz größter Bemühungen verschiedener Experten, verschiedene Aspekte in Zweifel zu ziehen, wohl auch standfest.”
    Dazu würde ich gerne mehr von Ihnen lesen, lieber Herr Kollege Müller. Ich vermute, dass Sie damit den Anteil der Hochleistenden vs. Underachiever an der Gesamtheit der HB meinen. Über diesen Anteil gibt es ja gewaltige Meinungsunterschiede und die Faktenlage ist äußerst dubios. Vor allem, wenn man nicht nur die totalen Versager (Loser) im Auge hat, sondern die sich gut anpassenden Minderleister, die durch unsere Gymnasien im Mittleren Notenbereich dahindümpeln und – wenn überhaupt – erst später ihr Potenzial entfalten – eben als Spätentwickler. (Welches Verhalten in meinen Augen kein “Versagen”, sondern ein deutlicher Beweis von “intelligenter Verweigerung” abgesichts eines ziemlich erbärmlichen Schulsystems ist – obwohl die Folgen für den Lebensweg nicht selten verheerend sind).
    Meine Erfahrung/Schätzung ist, dass
    1. Spitzenleistungen nur von einem Bruchteil der HB erzielt werden (schon deshalb, weil es nur wenige “Treppchen” hoch oben gibt),
    2. viele (das Gros?) der HB sich zwar wacker durchs Leben schlagen (in der “zweiten und dritten Reihe gewissermaßen), ohne als ausgesprochene “Minderleister” aufzufallen (aber schon gar nicht den Ehrgeiz haben, mehr aus ihrem angeborenen Potenzial zu machen), aber dennoch frustiert, nicht selten deshalb auch depressiv sind und somit zusätzlich gebremst.
    FRAGE ALLER FRAGEN: Wie will man so etwas denn überhaupt wissenschaftlich untersuchen?
    Das fängt schon mit der Verweigerung vieler HB an, sich überhaupt testen zu lassen (weshalb ich eine Art Selbst-Test resp. Chekliste entwickelt habe, die ganz gut mit IQ-Werten zu korrelieren scheint, wnen diese bei Probanden bekannt sind) – und endet noch lange nicht bei der Fragwürdigkeit der Ergebnisse (Punkt- resp. Rangwerte) von Intelligenz-Tests.
    Es würde mich diesbezüglich brennend interessieren, mal eine – (anonmye) Umfage unter dem halben hundert der SCiLogs-Blogger zu machen:
    1. Wer kennt seinen IQ?
    2. wer würde sich niemals einem I-Test unterziehen (aus welchen Gründen auch immer)

  3. off topic

    Ein Hochbegabtenblog? Interessant, denkt man zunächst als Betroffener, vielleicht bietet sich hier ein neuer Zugang, als Lehrer und Lernender. Doch leider – ähnlich wie bei anderen großartig klingenden Veranstaltungen und Plattformen, ist die effektive Ausbeute an Erkenntnis bislang mehr als enttäuschend. So ganz wird der kritische Leser den Verdacht nicht los, dass hier der eigentliche Aufhänger fehlt – und man bei scilogs.de schnell mal einen blog zu einem medienträchtigen Thema aus dem virtuellen Boden gestampft hat, um ja die Sparte nicht unabgedeckt zu lassen. Auf jeden Fall mag sich dem Betrachter nicht wirklich erschließen, wem denn mit einer durch dürftige Fallbeispiele kaschierten, bemühten theoretischen Debatte eigentlich gedient ist – und an wen sich der blog nun eigentlich wendet: Eltern, Psychologen, Lehrer, Schüler, die große graue Allgemeinheit?

    Wenn sich da nicht bald was ändert, wird wohl auch dieser – im Ansatz löblicher – Versuch des Erkenntnisgewinns zu einem spannenden und wichtigen Thema bald als Bouncerate-leiche enden. Schade, denn an kompetenten Ratgebern und guter Analyse zum Thema Hochbegabung herrscht wahrlich kein Überangebot.

  4. Sehr informativ und nachvollziehbar

    Hochinteressant, vielen Dank für diesen Beitrag.

    Das Beispiel hätte auf meinen Sohn kaum besser zutreffen können. Auch er hat bisher alles durch seine Auffassungsgabe kompensieren können. Aber jetzt, am Ende der 6. Klasse, hilft “Verstehen” nicht mehr aus, es müssen auch Dinge gemacht werden wie “Vokabeln lernen”.

    Genau da liegt das Problem. Er ist so gut wie gar nicht zu solchen Dingen zu motivieren, lieber verschweigt er Hausaufgaben oder Tests ganz.

    Die Frage ist aber nun: Was ist die beste Herangehensweise zur Re-Motivation? Ein IQ von 120 wurde bei ihm bereits am Ende der 1. Klasse nachgewiesen.

  5. @ jürgen vom scheidt

    zunächst ein kleiner nachtrag zum lesen: sehe ich ebenso – es kommt auf art des erwerbs und auch die qualität an.
    wie schon richtig vermutet: meine aussage bezieht sich auf die anteile in der gruppe der hb, wenngleich auch meiner ansicht nach der vermeintliche underachiever von einem wirklichen underachiever zu trennen ist. das problem liegt doch auch in dem gemessenen kriterium: was ist schon eine schulnote???

  6. @ frank abel

    Eine wichtige Frage: Bauchlandung oder steter Druck? Jedes Kind ist unterschiedlich, doch zu Beginn heißt es “Sortieren” – und zwar nach den Kompetenzen der einzelnen Bereiche wie Kind, Schule und Eltern. Außerdem: Die 6.Klasse ist eben ein heißes Pflaster und Zusatzfreuden bei den “jungen Hirschen” treten auf …
    Auf jeden Fall komme ich aufs Vorgehen zurück!

  7. @ ulf

    Na, mal durchatmen und sehen, was kommt! Aber jedenfalls bin ich beeindruckt, wenn Ihnen der Aspekt der Selbstwertdienlichkeit in diesem Zusammenhang schon bekannt gewesen ist!

  8. Selbstwertdienlichkeit

    Auch wenn der Terminus dem ein oder andern nicht geläufig sein sollte, dürfte es dann doch für die meisten Pädagogen und Psychologen, die an der Oberfläche des Phänomens Underachievemnt kratzen, kalter Kaffee sein, wenn man Unterforderung und daraus resultierend mangelnden Selbstwert als Faktor für Minderleistung anführt. Schön und gut, nur leider heißt in dieselbe Kerbe zu hauen wie so manches Elternteil oder auch der ein oder andere Bildungspolitiker, die glauben, den scharzen Peter an die schlechten Schulen mit ihren unterfordernden Bedingungen abgeben zu können, weder einer Lösung des Problems näher gekommen zu sein, noch stellt das sicher, dass man sich überhaupt am richtigen Baumstamm versucht. Underachievement ist ein komplexes, vielschichtiges Phänomen, und hier auf die Unterforderung als maßgeblichen Mangel zu setzen , trifft eben für viele Underachiever die Situation ganz und gar nicht. Und da hätte ich eben in einem blog wie diesem mehr erwartet.

  9. @ ulf

    Dem stimme ich zweifelsohne zu! Nun verstehe ich erst, was Sie meinten, sehe aber kaum einen Zusammenhang zu dem, was ich meinte. Oder anders: Vokabeln gehören zum Geschäft, doppelt zu unterstreichen ebenso und sind keineswegs unterforderende Momente, die Hochbegabte zu Underachievern machen. Das wäre jawohl absoluter Quatsch und bildete wohl kaum die Komplexität des Lebens ab! Konsens: Kalter – eher noch gefrorener – Kaffee ist die Aussage, dass Unterforderung zu Underachievement führe.

  10. Hochbegabung

    Nicht jeder, der eine 5 schreibt ist unterfordert und deswegen hochbegabt.
    Nicht jeder der eine 1 schreibt, ist nur funktional angepasst und deswegen mittelmässig.

    Die Hochbegabtendiskussion krankt an folgenden Defiziten:

    1. Der Begriff selbst. Ein” idiot savant” (http://de.wikipedia.org/wiki/Inselbegabung) ist spezifisch hochbegabt, aber nicht generell. Ein unterfordertes oder falsch gefordertes Kind ist nicht zwangsläufig hochbegabt, es kann auch einfach andersbegabt sein. Hier wird keine ausreichende Differenzierung vorgenommen.

    2. Einen IQ zu messen mit den Messmethoden derer, die selbst den Beweis der Hoch-, Spezialbegabung und Umsetzungsfähigkeit derselben schuldig bleiben, weil auch sie nur mit den eigenen Methoden gemessen wurden ist ausgesprochen unwissenschaftlich.
    Ausserdem ist ein IQ lediglich eine Messgrösse innerhalb eines höchst willkürlich definierten Maßsystems und sagt über brauchbare Fähigkeiten sowenig aus, wie die Temperatur eines Essens über seine Nahrhaftigkeit!

    3. Das etablierte Schulsystem muss so bleiben, weil es seiner Struktur nach der wahrscheinlichkeitsverteilten Durchschnittsmenge aller Schüler geschuldet ist, weswegen nicht so sehr eine Reform der Schulen nötig wäre, sondern parallel existierende Schulformen für Hoch-, Anders-, Problembegabte, die entweder, soweit bereits existent, neu überdacht werden, oder eben methodisch neu entwickelt werden müssten.

    4. Es existiert m.W. derzeit keinerlei brauchbare Untersuchungs- und Kategorisierungsmethodik für Intellektualität. Es gibt beispielsweise aus der Gattung der Vögel die Ordnung der Sperlingsvögel, darin die Familie der Finken mit 40 Gattungen und 200 Arten! Dies allein bei Finken. Wenn ich dann noch auf Galapagos blicke und dort nochmal eine Quasi-Subspezifizierung von 14 Arten finde, dann frage ich mich, wie man ernsthaft annehmen kann, dass im Bereich menschlicher Intellektualität nur 1 Modell vorkommen soll und alle anderen als Randerscheinungen bzw. “Ent-Artungen” abqualifiziert werden?
    Das ist lächerlich.

    Was wir brauchen ist so eine Art Darwin des Intellekts. Eine Auffindung, Auflistung und Arrangierung vorhandener intellektueller Evolutionstypen.
    Ohne eine solche Übersicht und Kategorisierungsmethodik ist jeglicher Versuch, den unterschiedlichen Intellekt-Typen gerecht zu werden, geschweige denn einen anzunehmenden vorhandenen Vorteil der Andersartigkeit (sonst gäbe es sie nicht) bereichernd zu nutzen, zum Scheitern verurteilt.

    Genauso gut könnte man Finken wie Löwen wie Quallen in punkto Versorgung, Verwahrung und Vermehrung gleichzuschalten versuchen.

    Wr befinden uns erkenntnistheoretisch diesbezüglich in der Lucy-Phase.
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Lucy)

    Die etablierte linear-logische Betrachtungsweise KANN für die notwendig vorzunehmende Differenzierung NICHT geeignet sein (für deren Verarbeitung und Auswertung schon).

    Das Problem in dieser Angelegenheit ist, dass man den Bock zum Gärtner macht und diejenigen, die Zugang zur Andersartigkeit haben, aufgrund mangelnder linear-logisch dominierter Lebensläufe und Ausbildungswege nicht eingesetzt werden.

    Dabei wäre eine Kombination aus beiden Richtungen der einzig erfolgversprechende Weg, um das Dilemma zu lösen.

  11. hochbegabter Underachiever

    Mein Kind ist ein hochbegabter Underachiever. Er ist aber in diesem Schulsystem bisher noch nie gefördert worden. Er war auf dem Gymnasium, musste dann in der Realschule eine Klasse wiederholen.Er wurde nur mit einem Schulvertrag dort aufgenommen. Jetzt droht ihm der Schulverweis und er muss auf die Hauptschule, außerdem ist er wieder versetzungsgefährdet. Aber zwischen ihm und seinen Mitschülern liegen geistige Welten.Seine Verbrechen sind, dass er keine Hausaufgaben macht und seine Schrift sehr schlecht ist. Er hat das lernen nie gelernt. Nun hat er keine Lust mehr auf Schule. Hilfe, Verständnis oder gar Förderung Fehlanzeige!

  12. @ Herrn Wagner

    Wahrscheinlich haben Sie bereits alle Wege eingeschlagen, die es gibt. Nichtsdestotrotz: Schulpsychologe? Beratungsstelle? DGhK? Karg-Stiftung? Niedergelassene Psychologen? Solange die Schulpflicht besteht, muss auch Vater Staat für Ihren Sohn sorgen – und das angemessen und nicht im Sinne einfachen Abstufens, bis die Schulpflicht erloschen ist!

  13. Auch Hochbegabte haben ein Recht darauf, in ihrer Schulzeit zu lernen.

    Kann man denn nicht hochbegabte Kinder in ein oder zwei Bereichen einfach wirklich fordern, so wie durchschnittlich Begabte doch auch täglich gefordert werden. Dann lernen sie auf dem Niveau , auf dem sie sich anstrengen müssen und so auch Durchhaltevermögen erfahren und echte Erfolgserlebnisse erleben dürfen.
    Mir erscheint in unserem Lande eine unbegründete Angst vor Leistung junger Kinder zu bestehen. Als wäre das die heilige Kuh der Kindheit. Wo liegt denn wirklich das Problem, wenn junge Kinder über ihrem Klassenniveau arbeiten.Selbst wenn sie im Gymnasium Universitätskurse online belegen. Wissen kann doch unmöglich an und für sich schädlich sein, es ist doch einfach nur neutral. In der Musik zum Beispiel käme doch keiner auf die absurde Idee Kinder aufgrund zu schnellen Lernens zurückzuhalten. Der Unterschied liegt darin, dass Musikunterricht nicht ausschliesslich “schulisch verwaltet” wird.
    Das einzige, was eine Kindheit braucht, ist genügend verbleibende Zeit zum Spielen und für Familie und Freunde.
    Das Problem scheint mir eine fehlende Bereitschaft zu sein, differenzierten Unterricht anzubieten. Ist auch ungemein anstrengend und überfordert wohl auch viele Lehrer, die einfach nur nach Schema F unterrichten wollen.
    Die Lebenszeit eines Kindes ist zu kostbar, um unnützes und zum Teil schädliches Rumsitzen zu propagieren. Auch Hochbegabte haben ein Recht darauf, in ihrer Schulzeit zu lernen.

  14. HBchen über ihren IQ informieren?

    Unser Sohn hat einen IQ von 132, war auf der Grundschule nach einem Tief in der 2. Klasse ein sehr guter Schüler. Jetzt geht er in die fünfte Klasse Gymnasium, hat stark angefangen, läßt nun aber zusehends nach. Wir ärgern uns täglich, dass er unter seinen Fähigkeiten bleibt. Nur in Deutsch-Aufsätzen und Diktaten ist er top. Noch weiß unser Sohn nichts von seiner Hochbegabung, möglicherweise ahnt er etwas. Da er zur Überheblichkeit neigt, haben wir mit ihm bislang nicht über die Hochbegabung gesprochen. Andererseits könnte ihn das neu motivieren. Liegen hierzu Erfahrungswerte vor?

  15. @ Dörr

    Grundsätzlich ja. Was aber wichtig ist: Tests, die in jungen Jahren (und bei Jungen) durchgeführt werden, messen ein Entwicklungsniveau, nicht aber einen statischen Wert. Die Zahl ist daher sekundär, da sie sich durchaus verändern kann. Also bitte Vorsicht, denn es kann sein, dass die damalige Diagnostik z.B. stark sprachlich orientiert stattfand und einen hohen Entwicklungsstand gemessen hat. Somit sollten Sie Ihrem Sohn seine Fähigkeiten als Entwicklungsstand verdeutlichen, dies als Potenzial darstellen und ihn ein wenig an seinem Ego “kitzeln” …

  16. ZU: HBchen über ihren IQ informieren?

    Hallo, A. dörr!
    mein sohn ist auch ein hochbegabter minderleister (13 Jahre, 8. klasse) und im nachhinein kann ich davon ausgehen, dass es vollkommen irrelevant gewesen wäre, ob ich im seine “besonderheit” nun mitgeteilt hätte oder nicht. die HB´s sind ja nicht nur clever, sondern noch dazu hypersensibel (was die ganze sache nicht einfacher macht) und dadurch spüren sie schon ab frühester kindheit, dass sie anders sind als die meisten anderen kinder. das kann man weder wegreden noch verschweigen. in meiner familie gibt es genügend leute, die der meinung sind, ich hätte meinem sohn seine hochbegabung “eingeredet”. und das sind die gleichen menschen, die der meinen, dass sich das schon irgendwann von alleine wieder gibt. traurig, so was. ich versuche das dann zu erklären und ziehe dabei immer den vergleich der homosexualität heran: auch hier nützen weder verschweigen noch verdrängen — es ist, wie es ist und man muss lernen, damit umzugehen. die hochbegabten werden immer irgendwie außenseiter sein, aber sie haben die möglichkeit, sich gleichgesinnte zu suchen und das beste draus zu machen. die homosexuellen können ja mittlerweile auch ganz gut leben bei uns ;). also meine meinung dazu: es ist ganz egal, ob ihr es eurem sohn sagt oder icht. vielleicht würde es ihn sogar erleichtern, wenn ihr ihm endlich eine erklärung für sein anderssein liefert, das er sowieso schon lange gespürt hat, jede wette.

  17. Doerr

    Ich bin “nicht vom Fache”, aber als Mitmensch vermute ich, dass Ihr Kind von Ihnen vielleicht Ihre Rolle als elterlicher Mentor braucht, um zu klaeren: was will ich im Leben erreichen, was brauche ich dazu, was ist mir wichtig im Leben, wie erreiche ich das, brauche ich Hilfe? Denn nur weil man hochbegabt ist, kann man ja nicht gezwungen werden, in der Schule gut zu sein.
    Der einzige Nachteil im Vergleich zu anderen Schuelern ist, dass man nicht sagen kann: “ich bin halt zu bloed”. Aber ein hoher IQ allein verursacht keine Motivation zu lernen. Ich vermute, dass eine hohe Erwartungshaltung von aussen moeglicherweise eine Leistungsverweigerung verstaerken koennte.
    Vielleicht klaert sich etwas in einem Gespraech mit den Lehrern, wie man Ihren Sohn motivieren koennte…oder evtl. muessen Sie ihm ganz alleine helfen, sich zu motivieren und das Lernen zu lernen. Vielleicht hat ihr Kind auch Probleme von denen Sie noch garnichts wissen…. Ich wuensche Ihnen alles Gute fuer Ihren Sohn.

  18. Danke für die Antwort, Herr Müller. Ja ich habe seit mehreren Jahren versucht Hilfe zu finden und mich wirklich an alle Institutionen gewandt. Jetzt sind wir beim Kurpfalz-Internat angelangt, aber wer soll das finanzieren können? Kennen Sie einen Fördertopf für diese Kinder die es bitter nötig bräuchten? Wie soll dann Pisa besser werden, wenn hochbegabte auf die Hauptschule verwiesen werden?
    Hier mal eine kleine Leseprobe von der Schule:
    Er hat wiederholt gegen die vom Direktorat verhängten Auflagen verstoßen: er hatte die aktuellen Hausaufgaben nicht gemacht, mündliche Hausaufgaben nicht ins Aufgabenheft eingetragen und z.T. auch nichts gelernt, Unterschrieften von Lehrkräften nicht beigebracht. Damit hat einen Täuschungsversuch an den Lehrkräften begangen, denen er zu Beginn der Stunde mitteilen muss, wenn er die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Wird erneut gegen die Auflagen verstoßen, so wird ein Verweis erteilt.

  19. Akzeptanz erzeugt Motivation

    Die Erfahrung, die ich als betroffene Mutter gemacht habe, lautet: HB-Kinder, die von ihren Lehrern nicht moralisch, intellektuell und ethisch ernst genommen werden, nehmen ihrerseits diese nach einer Weile nicht mehr ernst, vor allem dann nicht, wenn der Lehrer nachweisbar fehlbar ist( z.B. Lehrer macht Fehler in einer Mathe-Rechnung!). Sie sehen nicht ein, ein ihrer Meinung nach ungerechtes Verhalten (“Ich muss die HB durch Unfehlbarkeit beweisen, er darf Fehler machen, das ist gemein!”) von Seiten der Lehrer zu unterstützen. Einen Lehrer, der sie als sie selbst akzeptiert, ihnen zugeneigt ist und sie ernst nimmt, werden sie lieben. Und dann kommt die Leistung von ganz allein, auch in Fächern, die definitiv nicht zu den Lieblingsfächern gezählt werden.
    HB-Kinder sind meiner Meinung nach genauso wie normale Kinder – wenn sie vom Lehrer Zuneigung verspüren, zeigen sie ihm ihre Zuneigung, indem sie sich für ihn anstrengen, was eben aufgrund ihrer Begabung in beste Ergebnisse mündet.
    Des weiteren sollte nicht vergessen werden, dass ca. ab Klasse 7 nicht nur die schulischen Anforderungen steigen, sondern vor allem der Gruppendruck der Peer-Group für die HB-Kinder vermehrt zunimmt. Daher werden sie, wenn sie Angst vor dem abgestempelt werden als Streber haben, sich erst recht mit guten Noten zurückhalten (“Bin froh, dass ich eine 6 geschrieben habe, jetzt bin ich wenigstens kein Streber mehr!”). Ab diesem Alter steht für HB-Kinder wie für nicht-HB-Kinder die Zugehörigkeit zur Peer-Group im Vordergrund!
    Die Frage ist also bis zu dem Alter, indem die Kinder erkennen, dass nicht die Emotionen und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe sondern die Notwendigkeit der Leistung das Entscheidende ist, wie bei allen anderen Kindern sowohl eine der Motivation als auch der der Integration in eine Gruppe!
    Daher gehören HB-Kinder meiner Meinung nach in eine Gruppe, in der sie nicht anders als die anderen sind, d.h. dahin, wo alle so sind wie sie. Erst wenn sie die Pubertät hinter sich gelassen haben, sind sie reif genug, ihre Andersartigkeit zu akzeptieren. Und bis dahin sollte man sie ohne Druck in geschützten “Räumen” leben lassen.
    Dafür gibt es in einigen Bundesländern Spezialschulen oder Internate für HB, z.B. im Meißen/Sachsen oder Schwäbisch Gmünd/Baden-Würtemberg.

  20. Geduld Geduld Geduld!!!

    Ich habe inzwischen durch meine Creative-Writing-Seminare mit weit über 1000 mit hoher Wahrscheinlichkeit hochbegabten Erwachsenen recht ausführlichen Kontakt gehabt (man lernt, die Lebensläufe, die persönliche Wachheit etc. zu verstehen – erfährt aber ab und an auch den IQ). Wer instrinsich (d.h. aus eigenem Antrieb) schreibt, erfüllt eine recht hochstehende Qualifikation für Hochbegabung zumindest intellektueller Art. Diese Kontakte waren weit intensiver, als irgendeiner der Kollegen Psychologen sie jemals hatte, die Tausende von Schulkindern im Schnelldurchlauf testen und dann ein kurzes Interview mit ihnen durchführen – woraus denn die tollen Studien gebastelt werden, die nicht einmal ein Register aufweisen.
    Vor diesem Hintergund und als Vater dreier hochbegabter Kinder (zwei getestet – der eine ist extrem erfolgreich als Unternehmer – einer hat einen IQ im Mathe-Teilbereich von 145 – und hat nicht mal den Volksschulquali, weil er das ganze Schulsystem so bescheuert fand, dass er es sehr früh verlassen hat) – vor diesem breit gefächerten Hintergrund kann ich allen Eltern unglücklicher hb Kinder dreierlei raten:
    1. Fangt an, eure eigene Hochbegabung intensiver zu leben, vor allem die Mütter, denn hb Kinder haben hb Eltern (woher sonst soll die Begabung stammen) – das hilft den Kindern am meisten (Tipp von Andrea Brackmann, die zwei sehr kluge und hilfreiche Bücher zum Thema geschrieben hat, beide bei Klett ersch.)
    2. Macht endlich Schluss mit diesem Bildungsbürger- und Akademiker-Dünkel als Maßstab! Stellt eure eigenen Erwartungen immer wieder infrage: Wo steht denn geschrieben, dass der Mensch nur mit Abitur oder Doktorgrad ein sinnvolles Leben führt? Ich kannte einen Schumachermeister, der ganz sicher hochbegabt war/ist – nicht umsonst ließen bei ihm die Professoren von der Orthopädischen Klinik ihre Einlagen anfertigen – aber er hatte nicht nur “hochbegabte Hände” ,sondern war ein sehr kluger Mann (schon mal was von Jakob Böhme gehört?) – und hatte mit 65 noch den Mut, nach Amerika auszuwandern, weil er dort als orthop. Schumacher eiterarbeiten durfte. Bill Gates hat sein Studium abgebrochen (hatte als 10-jähriger übrigens mal Rat von einem Psychologen nötig) – und wurde nicht nur der reichste Mann der Welt, sondern ist auch sonst ein sehr kluger Kopf.
    3. Habt Geduld mit euren Kindern – 30 ist ein gutes Alter, um als Spätentwickler loszulegen – ich kenne viele solcher Fälle, die gut ausgegangen sind (allerdings auch einige leider sehr tragische Beispiele).
    Kopf hoch – und Good Luck!

  21. Zeugnis und Hochbegabung?

    Ich möchte mich nochmals auf den ersten Bericht beziehen. Auch mein Sohn (13), dessen Hochbegabung nur im Rahmen eines ADS-Tests herauskam (IQ 140), ist alles andere als ein guter Schüler. In Lieblingsfächern erzielt er Spitzenleistungen, ohne auch nur das Geringste zu Hause zu lernen, in Mathe und Latein hat er zunehmend unterdurchschnittliche bis mangelhafte Leistungen. Er ist zum Lernen nicht zu motivieren, da er es nie gelernt hat. Die Grundschule ging so “nebenbei”, jetzt im Gymnasium funktioniert das nicht. Mir war schon lange klar, dass spätestens mit der 5. Klasse die Ernüchterung folgen wird.

    Mein Sohn fällt in der Schule nicht unangenehm auf, die meisten Lehrer lieben ihn. Er wirkt manchmal gelangweilt und verträumt. Mit Mitschülern hat er gelegentlich Probleme, auch Mobbing war schon ein Thema. Trotzdem ist ihm sehr daran gelegen, einfach nur dazuzugehören. Diese Zuneigung der Mitschüler versucht er sich manchmal sogar zu “erkaufen”.

    Da er bisher nicht als der “typisch Hochbegabte” aufgefallen war, hatte mich dieses Testergebnis doch sehr erstaunt. Zur AD(H)S-Testung hatte ich mich nur deshalb entschieden, da seine allgemeine Unruhe und teilweise Hyperaktivität schon seit einem Jahrzehnt zu Konflikten mit dem Vater geführt hatten. Nun mache ich mir natürlich Gedanken, nicht schon früher reagiert zu haben.

    Auffallend waren nur seine vielfältigen Interessen von klein auf und das Fragen. Machen das nicht andere Kinder auch? Andererseits wußte ich instinktiv schon lange, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich ahnte, dass viel mehr in ihm steckt, als er in der Lage ist zu zeigen. Er hatte sich in letzter Zeit mehr und mehr dem Computerspiel zugewandt, was kaum mehr in den Griff zu bekommen war.

    Als letzte Möglichkeit, seinen Weg wieder in eine andere Richtung zu lenken, erschien mir, ihn in ein Internat zu geben. Diese Entscheidung fiel noch vor der Testung. Da er von der Idee absolut begeistert war, startet er nun am 1. September in einem englischen Internat. Die Förderung und vielfältigen Angebote in englischen Internaten sind einfach nicht zu toppen und m.E. im Moment der beste Weg. Stellt sich halt die Frage, wie es nach seiner Rückkehr weitergehen soll. Geplant ist erstmal ein Jahr, dann sehen wir weiter.

    Mein Fazit: Hochbegabung ist manchmal sehr schwer zu erkennen und läßt sich in kein Schema pressen.

  22. Hochbegabung – mäßiger Schüler?

    Ich möchte mich nochmals auf den ersten Bericht beziehen. Auch mein Sohn (13), dessen Hochbegabung nur im Rahmen eines ADS-Tests herauskam (IQ 140), ist alles andere als ein guter Schüler. In Lieblingsfächern erzielt er Spitzenleistungen, ohne auch nur das Geringste zu Hause zu lernen, in Mathe und Latein hat er zunehmend unterdurchschnittliche bis mangelhafte Leistungen. Er ist zum Lernen nicht zu motivieren, da er es nie gelernt hat. Die Grundschule ging so “nebenbei”, jetzt im Gymnasium funktioniert das nicht. Mir war schon lange klar, dass spätestens mit der 5. Klasse die Ernüchterung folgen wird.

    Mein Sohn fällt in der Schule nicht unangenehm auf, die meisten Lehrer lieben ihn. Er wirkt manchmal gelangweilt und verträumt. Mit Mitschülern hat er gelegentlich Probleme, auch Mobbing war schon ein Thema. Trotzdem ist ihm sehr daran gelegen, einfach nur dazuzugehören. Diese Zuneigung der Mitschüler versucht er sich manchmal sogar zu “erkaufen”.

    Da er bisher nicht als der “typisch Hochbegabte” aufgefallen war, hatte mich dieses Testergebnis doch sehr erstaunt. Zur AD(H)S-Testung hatte ich mich nur deshalb entschieden, da seine allgemeine Unruhe und teilweise Hyperaktivität schon seit einem Jahrzehnt zu Konflikten mit dem Vater geführt hatten. Nun mache ich mir natürlich Gedanken, nicht schon früher reagiert zu haben.

    Auffallend waren nur seine vielfältigen Interessen von klein auf und das Fragen. Machen das nicht andere Kinder auch? Andererseits wußte ich instinktiv schon lange, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich ahnte, dass viel mehr in ihm steckt, als er in der Lage ist zu zeigen. Er hatte sich in letzter Zeit mehr und mehr dem Computerspiel zugewandt, was kaum mehr in den Griff zu bekommen war.

    Als letzte Möglichkeit, seinen Weg wieder in eine andere Richtung zu lenken, erschien mir, ihn in ein Internat zu geben. Diese Entscheidung fiel noch vor der Testung. Da er von der Idee absolut begeistert war, startet er nun am 1. September in einem englischen Internat. Die Förderung und vielfältigen Angebote in englischen Internaten sind einfach nicht zu toppen und m.E. im Moment der beste Weg. Stellt sich halt die Frage, wie es nach seiner Rückkehr weitergehen soll. Geplant ist erstmal ein Jahr, dann sehen wir weiter.

    Mein Fazit: Hochbegabung ist manchmal sehr schwer zu erkennen und läßt sich in kein Schema pressen.

  23. IQ -Nonsens Test

    Ich mache ab und an IQ Tests, rein aus interrese wie Emozionalität und IQ zusammenwirken..

    Resultat: IQ-Schwankung:

    83-132 je nach Tagesform,Lust,Laune.

    Mein Paradoxum, schwere Dinge sind für mich leicht und leichte Schwer. Das war damals in der Schule schon so, gelernt schlechtere Note als nicht gelernt.

    Subtil ist das ganze schon, zumal ich die Erfassung des IQ für Sinnlos halte, da er nicht respektiv und qualitativ Aussagen über Werdegänge von machen kann.

    Ich denke Interrese ist das höchste Gut was es gibt.. Interrese könnte fehlenden IQ kompensieren, wenn ich bedenke dass ich Menschen kennne die einen “Hauptschulabschluss” haben und dennoch auf Niveau eines Pysik-Bachelors folgerichtig Unterhaltungen führen, dann zeigt dies zusehens den Zusammenhang zwischen Staatlicher Bildung und Eigeninterrese..

    mfg

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