Wenn es Nacht wird im Kuipergürtel…

BLOG: Himmelslichter

ein Blog über alles, was am Himmel passiert
Himmelslichter

…gehen auf Eris (*) die Lichter an. Und die könnten wir mit heutigen Teleskopen sogar sehen, und mit zukünftigen sogar die auf Planeten ganz woanders, behaupten jedenfalls Avi Loeb und Edvin Turner, ihres Zeichens Professoren der Eliteuniversitäten Harvard resp. Princeton. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass es auf Eris oder anderswo überhaupt Zivilisationen gibt, denen es nachts zu dunkel ist wie den Menschenwesen auf Erden.

Hätte auch in die Galerie der lustigsten Exoplanetenkitschbilder gepasst! David A. Aguilar (CfA)

Und neben der fundamentalen Annahme, dass es "sie" überhaupt gibt, müssen uns unsere Nachbarn in Technologie und Verhalten ganz ähnlich sein. Wer sagt denn, dass die Bewohner auf, sagen wir Rigel Sieben, (mindestens) so verschwenderisch mit ihren Ressourcen umgehen wie unsereins nach dem Motto: Erst mal alles Fossile verheizen, und dann schaun’ wir mal weiter? Und auch das Timing muss stimmen: vor 100 Jahren war unser blauer Planet nachts noch ein dunkler, zur Zeit leisten wir uns zwar eine vergnügungsdampfermäßige Planetenbeleuchtung, doch damit ist ja bekanntlich nächstes Jahr Schluss, wenn 2012 die Weihnachtslampen ausgehen. Sie wissen schon, die Mayas und so weiter.

Aber zurück zu Eris und dem Kuipergürtel: Loeb und Turner zufolge könnten wir also bereits mit heutigen Teleskopen eine Großstadt wie Tokio anhand ihre nächtlichen Beleuchtung am Rande des Sonnensystems sehen. Stellt sich die Frage, wie und warum da ein Tokio existieren sollte. Denn bekanntermaßen ist es im Kuipergürtel ziemlich kalt, also müsste der Alienplanet entweder von einem anderen Stern stammen oder aus dem inneren Sonnensystem heraus gekickt worden sein, elaborieren Turner und Loeb weiter. Unwahrscheinlich ist diese Vorstellung jedenfalls auch für Turner, aber nachgucken solle man doch mal. Schließlich “galt es vor Galileo auch als gesichertes Wissen, dass schwere Objekte langsamer fallen als leichte, doch er überprüfte diese These und fand heraus, dass alle gleich schnell fallen.“ Sagt Turner jedenfalls in einer eigens zu seiner auf dem Arxiv veröffentlichten Studie herausgegebenen Pressemeldung, und wer will dem schon widersprechen?

Spätestens an dieser Stelle wurde mir beim Lesen des Artikels ein wenig unheimlich: Denn wenn es also hochentwickelte, lichtverschmutzungbetreibende und kälteliebende Zivilisationen im äußeren Sonnensystem gibt, dann hat sie natürlich längst von uns Notiz genommen. Sei es durch die belgischen Autobahnen oder das Fernsehprogramm (auch wenn die beiden Professoren behaupten, das gäbe es ja irgendwie nicht mehr so) – und vielleicht zapfen sie sogar das Internet an und lesen im Arxiv? Dann sind sie jetzt vorgewarnt, und ich würde mich nicht wundern wenn sie ihren Planeten schleunigst weiter wegziehen werden. Denn schon das Fernsehprogramm alleine liefert Gründe genug, dem Homo Sapiens Sapiens aus dem Weg zu gehen.

(*) vielleicht

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

10 Kommentare

  1. Licht an von 200 Alien-Zivilisationen

    Unsere Milchstrasse hat 200 Milliarden Sterne. Wenn jeder Millionste eine “Erde” hat und jede tausendste “Erde” in der gerade abgelaufenen Milliarde Jahre ein technophiles und lichtbedürftiges Geschöpf hervorgebraucht hat und jede tausendste dieser Zivilisationen heute noch existiert, dann werden jetzt etwa 200 ausserirdische Nachthimmel künstlich erleuchtet.

    Da werden die zukünftigen Astronomen ja eine Menge zu tun haben! Bin gespannt auf den ersten Sky Survey mit dem Ziel alle beleuchteten Planeten ausfindig zu machen.

  2. Outsider

    Im Known Space von Larry Niven gibt es die Outsider, deren Körperflüssigkeit vorwiegend aus suprafluidem Helium besteht.

    Die Outsider mieteten den Neptunmond Nereid von den United Nations, den sie danach als Erholungsgebiet verwendeten, und verkauften dann etwas später den Menschen den Quantum I Hyperdrive.

    Bild:

    http://www.larryniven.net/…worldart/outsider.jpg

    Texte:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Outsider_(Known_Space)

    http://en.wikipedia.org/wiki/Known_Space

  3. Viel zu heiss

    Die kosmische Hintergrundstrahlung entspricht einer Temperatur von 2,73 Kelvin.

    Die mittlere Oberflächentemperatur von Nereid beträgt etwa 50 Kelvin, weil da eine Sonne in der Nähe ist.

    Die mittlere Oberflächentemperatur von Triton, der ganz in der Nähe ist, beträgt 35,6 Kelvin.

    Die Suprafluidität tritt bei Helium-4 erst bei 2,17 Kelvin auf, und beim sehr seltenen Helium-3 erst bei 2,6 mK.

    Der Siedepunkt von Helium liegt bei normalem irdischen Atmosphärendruck bei 4,22 K, und bei geringerem Druck weiter darunter.

    Den Outsidern wird es auf Nereid also viel zu heiss sein, aber vielleicht lieben sie die schwülen Sommernächte mit 50 K.

    Ausserdem gibt es im Universum keinen natürlichen Ort, wo ihre Körperflüssigkeit ohne technische Hilfe suprafluidisch wird.

    Stickstoff schmilz bei 63 Kelvin, da genügt auf Nereid schon ein kleiner Plutonium-238-Ofen.

  4. Vorsicht, Science-Fiction:

    Bitte nur lesen, wenn man den Known Space liebt.

    1.

    Nach dem dritten Weltkrieg waren Waffen aller Art auf der Erde verpönt.

    Die Angel’s Pencil war daher ein unbewaffnetes Forschungsschiff.

    Das hinderte die Kzinti aber keineswegs daran die Angel’s Pencil zu überfallen.

    Irgendwann wurde der Kapitän der Angel’s Pencil ziemlich sauer, und er entdeckte seine vergessen geglaubten Killer-Affen-Instinkte.

    Jeder Gegenstand ist eine Waffe, wenn man damit zuschlägt.

    Der Kapitän der Angel’s Pencil schwenkte sein Schiff um etwa 180 Grad und schaltete dann das Photonentriebwerk auf Vollschub.

    Das Schlachtschiff der Kzinti wurde vom Photonenstrahl des Triebwerks sauber in zwei Hälften zerlegt.

    Weil die Kzinti Inertial-Triebwerke verwendeten, kamen sie gar nicht auf die Idee, dass diese hilflosen Äffchen diese Möglichkeit hatten.

    Kein einziger Kzinti überlebte diesen Zwei-Sekunden-Krieg.

    Die Puppeteers hatten diesen Vorfall aus sicherem Abstand beobachtet, denn die Puppeteers beobachten immer alles aus sicherem Abstand, und sie erkannten sofort das Potential der Menschheit.

    Die Puppeteers lockten die Sternsamen in die Nähe unseres Sonnensystems.

    Den Sternsamen folgten die Outsider, friedliche Oktopoden mit flüssigem Helium in den Blutgefässen.

    Die Outsider sind ausgesprochen cool, kein Wunder bei 3 Kelvin Körpertemperatur, und sie mögen keine heissen Planeten.

    Die Outsider fragten ganz höflich, ob sie den Mond Nereid mieten konnten.

    Nach den zunehmend härter werdenden Schlachten gegen die Kzinti, waren die höflich fragenden Outsider eine angenehme Überraschung.

    Die Menschheit sagte zu, und die Outsider fragten, was sie als Entschädigung anbieten dürften.

    So gelangte die Menschheit in den Besitz des Quantum-I-Hyperdrives.

    Nun konnte die Menschheit blitzartig alle Kzinti-Planeten kurz und klein bomben, denn die Kzinti besassen keinen Hyperdrive.

    Selbstverständlich war genau das das Ziel der Puppeteers gewesen.

    2.

    Die Puppeteers sind in der Galaxis allgemein dafür bekannt, dass sie andere, weniger intelligente Lebensformen manipulieren.

    Bei den Outsidern hat das nicht wirklich funktioniert, denn die Outsider sind sehr alt, sehr weise, und sehr cool.

    Der absolute Übertrick der Outsider bestand nun darin, die Puppeteers glauben zu lassen, daß sie von den Puppeteers manipuliert werden konnten.

    Die Outsider flogen nur deshalb in unser Sonnensystem, um den Quantum-I-Hyperdrive abzuliefern.

    Warum haben die Outsider das getan?

    Versetzen wir uns einmal in die Empfindungwelt einer 3 Kelvin-Lebensform.

    Da gurken doch tatsächlich rund 300 Kelvin-heiße Lebensformen durch die Galaxis, und sie verheizen tonnenweise Antimaterie zu energiereicher Gammastrahlung, und das allerschlimmste daran ist, dass das noch immer Unterlichtschiffe sind, die kaum jemals von der Stelle weg kommen.

    So etwas schmerzte den Outsidern ziemlich schwer in ihren eiskalten Augen.

    Um die dunkle Geometrie des Universums betrachten zu können, liebten die Outsider die völlige Dunkelheit.

    Und die Menschent flogen gerne an der Hinterseite des Raumes entlang, weil es dort, im Hyperraum, schneller ging.

    (A Darker Geometry.)

    3.

    Die Outsider bauen ihre Raumschiffe aus Eis, denn Eis ist bei 3 Kelvin so hart wie Stahl.

    Die Outsider verwenden gefrorenes Quecksilber nur für die Strahlungsabschirmung ihrer Fusionsreaktoren.

    Weil die Outsider nicht gerne mit hohen Temperaturen arbeiten, betreibt die Menschheit eine kleine Werft auf Titan, wo sie die gewünschen Bauteile für die Outsider herstellt.

    Regel: Wenn Dir jemand den Quantum-I-Hyperdrive verkauft, dann zeige Dich dankbar.

    Häufig verwendete Abkürzungen:

    ARM = Amalgamated Regional Militia,
    UNSN = United Nations Space Navy,
    die ARM sind die Vorläufer der UNSN.

    4.

    Wenn ein Mensch in der Nacht in einer Wiese liegt, dann betrachtet er zumeist die Sterne.

    Wenn ein Outsider in der Nacht im Eis von Nereid liegt, dann betrachtet er immer das Dunkel zwischen den Sternen, das für ihn tief dunkelrot glüht.

  5. @Karl Bedanrik

    wouwouwow, gaanz ruhig – bleiben Sie doch beim Thema! Ihre Ausführungen wirken doch ein klitzekleinbisschen übermotiviert auf mich. Besten Dank. JH

  6. Hallo Jan Hattenbach,

    kein Grund zur Panik.

    Ich dachte eigentlich, dass die Outsider von Larry Niven das dazu passende rein fiktive Thema sind.

    Natürlich erwarte ich immer ein wenig Humor in meinen zumeist völlig inhaltslosen Science-Fiction-Geschichten.

    Wenn man nun zum Beispiel die Outsider naturwissenschaftlich sehen wollte, dann würde man sich selbstverständlich fragen, welche Reaktionen komplexe Moleküle erzeugen könnten.

    Das wirklich Erstaunliche daran ist nun, dass komplexe Moleküle immer häufiger bei besonders niedrigen Temperaturen auftreten.

    Das findet man auch ab und zu auf der Oberfläche von Kometen.

    Den seltsamen Admiral Graf Frederik von Hombug findet doch man nur in einigen Kindergeschichten.

  7. Keine Science-Fiction

    Mayo Greenberg (1975):

    Radical formation, chemical processing, and explosion of interstellar grains:

    http://articles.adsabs.harvard.edu/…SS..39….9G

    http://adsabs.harvard.edu/…76Ap&SS..39….9G

    Natürlich müssen sich die Makromoleküle auch ein wenig bewegen können.

    Ein Lösungsmittel, wie zum Beispiel flüssiger Stickstoff, kann dabei hilfreich sein.

    Schon eine Science-Fiction-Geschichte:

    Das Eis von Pluto:

    http://www.e-stories.de/…geschichten.phtml?24107

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