10 Fakten über Migräne …

Graue Substanz

… im Internet vor einem ökonomischen Hintergrund. Wie kommt man an €25 Millionen?

1. Goggle findet 6.310.000 Ergebnisse zu Migräne.

2. 5834 Wörter hat der deutsche Wikipedia-Artikel über Migräne. In 49 Sprachen gibt es Artikel zu Migräne.

3. Die ersten drei Vervollständigungen bei der Google-Suche nach Migräne sind "Symptome", "mit Aura" und "Aura"

4. Die Domain www.migräne.de gehört Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. und wird für Werbung für Thomapyrin® genutzt.

5. Laut Googles Ngram-Suche ereicht Migräne um 1900 einen Spitzenwert von 0.00018% der erst wieder vor wenigen Jahren erreicht wurde.

6. Die facebook-Gruppe "Migräne ist ein Arschloch" wird 339 mal geliked und ist damit (schon) eine der populärsten deutschen Seiten in facebook zu Migräne.

7. Für 880.624,00 € bekommt am im Internet versandkostenfrei ein Magnetfeldtherapiegerät, was sich zum Glück als Druckfehler erweist. Aber bis zu 5.916,00 € kann man auf einmal für eine fragwürdige Therapie ausgeben … (ohne Link, ist ja klar).

8. Amazon.de liefert 8.051 Ergebnissen bei der Suche nach Migräne (eingeschränkt auf Haustiere: keine Treffer. Puh.).

9. Google-Suche nach Migräne auf der F.A.Z. (Domain faz.net) liefert 238 Ergebnisse, die taz 336 (Domain taz.de), die Zeit 344 und die Süddeutsche (Domain sueddeutsche.de) 1.090 Ergebnisse (Ist der Fön in Süddeutschland Schuld?).  

10. Google-Suche nach Migräne auf ScienceBlogs.de: 104 Ergebnisse, SciLogs: 236 Ergebnisse. Ha!

Das waren nun ein paar recht lose Fakten wie Migräne im Internet vertreten ist, keine Fakten über die Krankheit selbst*. Ich widerstand der Versuchung, vergleichbare Zahlen über andere Krankheiten daneben zu stellen, denn sie sind genau das nicht: vergleichbar. Zwar habe ich mir z.B. in Wikipedia die Seiten über Krebs und Epilepsie angesehen und weiteres analog zu der Aufzählung oben. Doch letztlich ging es nie darum Krankheiten gegeneinander auszuspielen.

Mir stellt sich aber die Frage: Warum ist Migräne so oft im Internet vertreten?

Vor dem Hintergrund der ökonomischen Bedeutung ist klar: Migräne ist ein großer Markt in dem auch Betroffene Therapien aus der eigenen Tasche bezahlen (im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten, wo dies viel seltener geschieht). Es helfen sich viele Betroffene also selbst und suchen im Internet nach Tipps. Unter anderem wohl auch in meinem Blog. Ab wann aber ist das nicht mehr ratsam? Wann wird die Suche zum Zeitfresser für Hypochonder? Wo gibt es gute Tipps?

Zur ersten Frage gibt es gemeinsame Empfehlungen der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) und der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) zur "Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp. Dort werden u.a. 11 Punkte aufgelistet, wann ein Arztbesuch ratsam ist. Ein Zwölfter wird angefügt und nur dieses will ich hier aufführen: Im Zweifelsfall ist immer ein Arztbesuch anzuraten.

Übrigens, mit Selbstmedikation ist heute leider nicht mehr nur Acetylsalicylsäure (ASS auch bekannt als Asperin), Ibuprofen oder Paracetamol gemeint. Mit der Entscheidung 2006 einige Triptane wie Naratriptan aus der Rezeptpflicht zu entlassen wird nicht nur den Apothekern die Kontrollfunktion übertragen sondern es werden auch Kosten verlagert, hin zum Betroffenen. 

Wie gross ist der Markt?

Die Kosten pro Erkrankungsfall werden in Europa zwischen €133–1030 beziffert [1], das sind aber nicht die Kosten, die der einzelne persönlich trägt. Es gibt ebenso Abschätzungen zu den Kosten der Selbstmedikamentation wobei dort dann wohl nicht das oben erwähnte Magnetfeldtherapiegerät enthalten ist. Aber nehmen wir der Einfachheit halber an, jeder Migräneleidende zahlt 10 pro Jahr aus der eignene Tasche (was sagen meine Leser dazu?) und nehmen wir eine Prävalenz von nur 10% und nur die Erwachsenen zwischen 20-60 Jahren, also ca. 50% der Einwohner in Deutschland (ca. 80 Millionen).

Jetzt noch die Einschränkung auf das Internet. 68 Prozent der erwachsenen Deutschen sind online, wovon übrigens bereits 2006 ca. 7 Prozent online rezeptfreie Medikamente zu kauften. Das ergibt ein Volumen von  25 Millionen.  

Da wollen viele was von ab haben und einige erschaffen Webseiten zu diesem Zweck. Goggle findet 6.310.000 Ergebnisse zu Migräne. Aber das wussten Sie ja schon.

Anmerkung

Hiermit begrüßen möchte ich heute den neuen Mitblogger auf SciLogs: Frank Wiebe mit seinem neuen Blog Gute Geschäfte, der sich dort mit ethischen und finanziellen Aspekten der Marktwirtschaft befasst.

Fußnote

*Man findet solche "Zehn Fakten über Migräne"-Seiten über diese Krankheit (wie z.B. in der Zeitschrift Focus, die ich bewusst nicht verlinke). Es wird dort dann immer eine komplexe Krankheit auf weniges reduziert, meist geht es um ordinäre Werbung. Die Focus-Seite, welche letztlich eben nicht mit hilfreichen Infos berauscht, wird z.B. von 232 anderen Seiten immer mit dem gleichen Titel verlinkt, ansonsten ist dort nur Werbung.  

 

Literatur

[1] Andlin-Sobocki, P. , Jönsson, B. , Wittchen, H. U. and Olesen, J. , Cost of disorders of the brain in Europe, Eur. J. Neurol. 12,  (2005)

Link

Kurze URL zu diesem Beitrag

http://goo.gl/dzrP0

 

Markus A. Dahlem

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

22 Kommentare

  1. zu Punkt 6:
    facebook selbst ist so etwas wie Migräne. Zumindest eine Art entfesselter SD. Habe gerade keinen Link.

    zu Punkt 7:
    ein Link wäre schon schön.

    zum möglichen Punkt 11:
    Auf Wolf Haas und also Brenner’s Migräne (bzw. ist es überhaupt eine?) nimmst Du gar keinen Bezug?

  2. Simon Brenner

    Ach, nie gehört von Simon Brenner. Werde ich nun verfolgen.

    Obwohl es mich — das will ich zugeben — anfangs nicht die Bohne interessiert hat, finde ich Migräne in fiktiven Erzählungen mittlerweile interessant.

    Den Link zu Punkt 7. willst Du nicht wissen, und wenn doch unter dem Stichwort Magnetfeldtherapiegerät findest Du genug. Die Preise mögen abweichen. Aber kaum wesentlich.

  3. Îs’ ja auch klar…

    Die Scienceblogs sind da halt praxisnäher: Bei denen kriegt man schon beim Lesen der Kommentare Kopfschmerzen. ^^

    Ähnliche Muster (minus die arschteure Magnetfeldtherapie) gibt es auch bei den vernachlässigten Tropenkrankheiten. Es gibt in der öffentlichen Wahrnehmung zwei Klassen von Krankheiten: Die einen kennt man in allen Details aus Funk und Fernsehen, die andere nur in groben, meist falschen Zügen.

  4. 10€ für Hoffnung

    und dann gibt es noch die Krankheiten, die man als solche noch gar nicht erkannt hat, wie facebook — auch da ist was dran.

    Noch ein weiterer Nachtrag zum ersten Kommentar: Ich selbst konnte diese Magnetfeldtherapie nun nicht mehr aufstöbern. Ich hatte diesen Beitrag vor ca. 8 Wochen geschrieben und nun nur einige Zahlen aktualisiert, mir dieses Gerät aber nicht mehr angeschaut.

    Ich meine bei Amazon nach “Migräne” in allen Kategorien gesucht zu haben und dann nach Preis absteigend sortiert. Das kann man aber anscheinend nur in einer Unterkategorie. Vielleicht war es ein andere Versandanbieter, Conrad, Ikea oder wer immer sich auch für Migräne zuständig sieht.

    So oder so, nach oben ist viel Spiel was die Kosten angeht, aber die Masse wird klar am unteren Ende gemacht. 10€ für Hoffnung sind nicht viel.

  5. @ Fischer

    (Stichwort: “Migräne”)

    “Die Scienceblogs sind da halt praxisnäher: Bei denen kriegt man schon beim Lesen der Kommentare Kopfschmerzen.”

    Wie kann man nur so garstig sein? Gibt’s dafür Pillen? Her damit!
    😉

  6. “Migräne – natürlich vorbeugen”

    So die thematische Vortragsankündigung des Kopfschmerz-Spezialisten Dr. Jan Brand, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerz-Klinik Königsstein. Der Vortrag findet am 22.08. um 19:30 Uhr im Rathaussaal der HWI statt – so die Ankündigung gestern in der Presse.
    10% der Deutschen leiden unter Migräne, Frauen dreimal so häufig wie Männer. Dr. Brand nennt im Interview als Hauptursachen Stress und Überforderung. In dem Bestreben alles richtig machen zu wollen, baut sich diese Krankheit auch besonders bei Perfektionisten auf. Dr. Brand: „Das Gehirn nimmt eine Auszeit. So wie eine Sicherung die rausfliegt: Selbstschutz.“
    Neben der Ursachenfindung und deren Beseitigung gibt es hochwirksame, nebenwirkungsfreie Präparate. Eine passende Entspannungstechnik wäre mit Yoga, Tai Chi… ein gutes Werkzeug für den Alltag.

  7. Sicherung fliegt raus

    Das Gehirn nimmt eine Auszeit. So wie eine Sicherung die rausfliegt: Selbstschutz.

    Damit ist noch nicht viel gesagt. Stress ist sicher ein (nicht unbedingt der wesentliche oder gar der einzige) Faktor.

    Passende Entspannungstechniken zum Beispiel auch progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder die genannten Yoga und Tai Chi sind sicher ein sehr guter Anfang, selbst bei Menschen, die NICHT meinen stressbedingt an Migräne zu leiden oder von sich behaupten Perfektionisten zu sein.

    Insofern denke ich ist dieser Rat sehr wertvoll. Die Reduzierung aber der Krankheitsursache auf die Metapher “Sicherung fliegt raus” halte ich für zu banal. Das kann alles oder nichts bedeuten.

  8. natürlich Stress und so

    leider ist es so einfach nicht, Stress mag ein Auslöser sein, die Ursache ist er sicher nicht.

    Es ist auch nicht eigentlich der Stress, die meisten Migräniker funktionieren bestens auch unter größtem Druck. Die Migräne kommt wenn der Stress nachlässt. Migräneköpfe mögen irgendwie keine Schwankungen.

    Ich bezweifele sogar das die Vermeidung von Stress die Zahl der Anfälle wesentlich reduzieren kann – das gilt meiner Meinung nach für die meisten Auslöser.

    Was habe ich nicht alles schon vermieden und musste am Ende eines Jahres, wenn ich die Migränen durchzählte feststellen das die Zahl der Anfälle in etwa immer gleich bleibt.

    Was ich damit sagen möchte ist, das ich diese Vereinfachungen nicht mag. Migräne betreffend gibt es keine leichten Lösungen, Migräne hält sich einfach nicht an schlichte wenn-dann-Regeln – das ist das Problem.

    Jedenfalls ist es bei mir so – ich kenne allerdings auch Menschen die ihre 2 – 3 Auslöser kennen und wenn sie die vermeiden kommen sie mit einer Migräne jährlich gut zurecht.

  9. Ich gebe bedeutend mehr aus

    Hallo Herr Dahlem,

    danke für diesen Beitrag.

    Wenn ich überlege, was ich außer der Zuzahlung für meine Medikamente alles ausgebe, kommt bedeutend mehr zusammen als 10 Euro pro Jahr. Allein die Versorgung mit Magnesium, Vitamin B2 und Q10 kostet mich ca. das 3-4fache (je nach Produkten). Pro Monat!

    Außerdem habe ich (natürlich) alles mögliche an eventuell hilfreichen Therapien schon selbst bezahlt. Pestwurz, Akupunktur (wurde damals noch nicht übernommen), Bio-Feedback, alles, was mal angesagt war. Zuletzt MBSR (Kurs für knapp 300 Euro, diverse Bücher, Meditationskissen).

    Selbstverständlich besitze ich auch Bücher und CDs zum Thema.

    Und das meiste kaufe bzw. im Falle des MBSR-Kurses recherchiere ich über das Internet. Bei mir lohnt es sich für Anbieter definitiv, auf sich aufmerksam zu machen ;-).

    Elisabeth

  10. Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion

    Ich maße mir nicht an, jede Methode zur Stressunterdrückung und Entspannung einschätzen zu können. Von Mindfulness-based stress reduction (MBSR in Deutschland auch als “achtsamkeitsbasierte Stressreduktion” bekannt) habe ich aber schon gutes gehört und einige Vorträge von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer, im Internet gehört.

    Ob 300 Euro für einen Kurs ein fairer Preis sind weiß ich wirklich nicht.

    Das Problem mit den vielen Angeboten, die eben auch im Internet feil geboten werden, ist, dass gute Anbieter mit denen, die nur alles zumüllen um Klicks zu erhalten, konkurrieren. Leider sind letztere ganz gut in der Optimierung ihrer Müll-Seiten für Suchmachienen und deren Ranking.

    Würden Suchmachienen selbst an Migräne leiden, ginge das schon in Ordnung, denke ich mir so. Tun sie aber nicht.

    Ich nehme mir durchaus heraus zu denken, in meinem Blog ganz nützliche Infos über Migräne zu bieten, nicht zu vergessen die Leser mit ihren Kommentaren, wie z.B. dem Hinweis zur MBSR. Gut positioniert ist das Blog dementsprechend leider noch nicht.

  11. MBSR

    300 Euro ist ein üblicher Preis für einen MBSR-Kurs (8 Abende plus ein Tag in Stille, inkl. Unterlagen). Das ist nicht das Problem.

    Problem sind die Versprechungen. Es wurde im Stern Sonderheft Migräne (2009)folgendermaßen angepriesen:

    (Zitat Anfang)
    Auch Astrid Gendolla, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Essen, weiß nur Positives zu berichten von ihrer Zusammenarbeit mit der Abteilung für Naturheilkunde und integrative Medizin des Knappschaftskrankenhauses, wo das Achtsamkeitstraining einen zentralen Bestandteil des Therapieprogramms darstellt. “Die Patienten, die ich dorthin geschickt habe, leiden zum Teil seit Jahren an schwerer Migräne. Sie kommen nach der Behandlung zu mir in die Sprechstunde und erzählen, dass sie jetzt fast beschwerdefrei sind.”
    (Zitat Ende)

    Ich habe also CDs und Bücher gekauft und nach einem halben Jahr alleine üben einen Kurs besucht. Ich halte es für sehr hilfreich und interessant, es war mir sehr nützlich für meine Sicht der Dinge und ich habe mich mit Lust und Freude damit befasst. Ich denke auch, dass es Einfluss auf mein berufliches Leben hatte, da ich inzwischen anders auf Probleme reagiere. Von allem, was ich im Bereich Körper-Seele an Seminaren besucht habe, steht es auf meiner persönlichen Rangliste zusammen mit Feldenkrais auf Platz 1.

    Aber es hat (zumindest bisher, Achtsamkeit verlangt ja jahrzehntelange Übung ;-)) überhaupt keinen Einfluss auf meine Krankheit gehabt.

    Elisabeth

  12. Achtsamkeit kostet nichts

    “300 Euro ist ein üblicher Preis für einen MBSR-Kurs (8 Abende plus ein Tag in Stille, inkl. Unterlagen). Das ist nicht das Problem.
    Problem sind die Versprechungen.”

    M.E. gibt es viele und auch günstigere Alternativen. Vielleicht wäre es aber hilfreich, wenn sich die Leser unter “Achtsamkeit” erst einmal ein bisschen was vorstellen könnten. Ich habe hier mal eine Seite verlinkt, wo auch die Methode von Jon Kabat-Zinn erklärt wird. Das Prinzip der Achtsamkeit kann man selbst erlernen, wenn man weiß um was es geht.
    http://www.achtsamleben.at/downloads/Staerkung_Achtsamkeit.pdf

    Eine Alternative zu einem MBSR-Kurs wäre z.B. die “Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson”. Beide Methoden schneiden im Vergleich fast gleich gut ab, wobei die Achtsamkeitsmeditation den Vorteil zu besitzen scheint, dass sie Zerstreuung, innere Unruhe und Grübelei etwas reduziert.
    “Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson” kann man hingegen an vielen Volkshochschulen günstig erlernen, z.T. werden die Kurse auch von den Krankenkassen übernommen.

    “Achtsamkeitsmeditation im Vergleich mit Muskelentspannung”: http://www.suite101.de/content/achtsamkeitsmeditation-im-vergleich-mit-muskel-entspannung-a104257

  13. Nachtrag

    Soll natürlich heißen: “Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson” kann man hingegen an vielen Volkshochschulen günstig erlernen, z.T. werden die Kosten für die Kurse auch von den Krankenkassen übernommen.

  14. alle fast beschwerdefrei …

    So eine Aussage ist nicht hilfreich: “Sie kommen nach der Behandlung zu mir in die Sprechstunde und erzählen, dass sie jetzt fast beschwerdefrei sind.

    Wer weiß, vielleicht ist sie aus dem Kontext zitiert, denn natürlich kann es auch einmal gehäuft Fälle mit sehr guten Therapieerfolgen geben. Aber so wie hier zitiert, werden völlig falsche Erwartungen geweckt. Ärgerlich so was …

  15. 10% Placebo immer

    Das Problem ist, dass man letztlich unendlich viel ausprobieren kann.Therapeutische Massagen eben auch, aber hier würde ich wenig spezifische Wirkung sehen.

    Eine ganz gute Faustregel sagt, dass bei Migränebehandlung allein 10% Placeboeffekt recht konstant auftreten, ein erstaunlich stabiler Wert über die verschiedensten Ansätze hinweg.

    Wenn also von den vielleicht Tausend der Leser des Blogs hier eine wie exotisch auch immer klingende Sache am Ende schon von 1% getestet wurde (wahrscheinlich ist die Bereitschaft hoch viel zu probieren, so dass es nichts gibt das von allen unprobiert links liegen blieb), dann wird immer noch einer Erfolg gehabt haben und könnte hier berichten und wir dürfen ihm glauben, ohne daraus etwas für die eigene Situation ableiten zu können.

    Diese Überschlagrechnung nur mal so als Abschätzung.

  16. Placebo “nutzt sich ab”…

    …mit der Zeit, das ist einfach Tatsache. Je invasiver ein Eingriff, desto länger hält auch der Placeboeffekt. Davon profitieren Anbieter, welche die Corrugator-Op anpreisen als Allheilmittel gegen Migräne, ebenso auch die Augenlasertherapie. Wann bei den Behandelten dann die Ernüchterung kommt, ist unterschiedlich. Macht aber den Behandlern nichts aus, da sich in der Zwischenzeit schon wieder viele Verzweifelte unters Messer, bzw. unter den Laser gelegt haben. Rechtlich abgesichert wird auf Kosten (die immens sind!) der Patienten ein übles Spiel getrieben.

    Auf lange Sicht nicht weniger schädlich sind die unzähligen alternativen Angebote zur “Heilung” der Migräne. Es wäre müßig, hier alles aufzuzählen, denn es ist ein undurchdringbarer Sumpf. Chronisch Schmerzkranke und angeblich Austherapierte (die gibt es nicht!) sind leichte Opfer. Am Ende jahrelanger, oft sehr kostenintensiver alternativer Behandlung, kann am Ende meist nur eines festgestellt werden: Die Schmerzen blieben wie sie sind, dem Patienten wird die Schuld zugeschoben, hier nicht erfolgreich gewesen zu sein, was nicht selten die psychischen Probleme verstärkt, unter denen man als chronisch Kranker sowieso schon leidet und letztlich muss man feststellen, viel wertvolle Zeit verloren zu haben, die man in der Zwischenzeit hätte in eine wirklich sinnvolle Behandlung investieren können. Verlorene, vergeudete Lebenszeit!

    Mein Fazit aus dem Ganzen, da ich in früheren Zeiten aus Verzweiflung auch das eine oder andere unternommen hatte: Gute seriöse Information und Wissen über die Erkrankung sind das A und O einer erfolgreichen Behandlung. Dazu gehört auch, sich in die Behandlung eines Neurologen und Schmerztherapeuten zu begeben, einiges in seinem (vielleicht die Krankheit am Laufen haltenden) Lebensablauf zu verändern, mehr Entspannung und Pausen in den Alltag zu integrieren und eben auch eine vernünftige medikamentöse Attackentherapie und, wenn nötig, eine Prophylaxe.

    Entspannungsverfahren kann man völlig kostenlos erlernen. Änderung in ein hektisches Leben zu bringen, kann gegebenenfalls mit Unterstützung durch eine Verhaltenstherapie auch langfristig umgesetzt werden, ohne dass der Patient auch nur einen einzigen Cent aus eigener Tasche zusteuern muss.

    Migräne kann nicht geheilt werden, aber es gibt sinnvolle und seriöse Therapien, die dem Betroffenen wieder Lebensqualität zurückgeben können.

  17. Placebo

    möglichst invasiv oder auch möglichst teuer – ich erinnere mich auch das mal über den Placeboeffekt gelesen zu haben.

    Ich bin froh über das Stichwort Placebo, vermutlich habe ich endlich eine Erklärung dafür gefunden, warum manches eine Weile funktionierte, wenigstens Erleichterung brachte, dann aber nicht mehr. Ich denke da an Hausmittel oder Verhalten, die ich eine Weile erfolgreich eingesetzt habe bis sie eines Tages wirkungslos blieben – sich abgenutzt haben?

    Placebo? Ja, ich glaube ich habe mich einige Male selbst erfolgreich ausgetrickst oder nein, sagen wir ich habe die Migräne einige Male überlisten können 😉

  18. verbale Nebelkerzen

    Diese Seite ist praktisch frei von Informationen aber voll mit verbalen Nebelkerzen.

    Kennzeichen für Quacksalberei:

    – Doktor “h.c.” (Ehrendoktor)

    – Alle werden über einen Kamm geschert
    Jede Migräne wird durch eine Störung im Hormonhaushalt verursacht, bei Männern wie bei Frauen.

    – Migräne sei heilbar

    Solche und ähnliche Angebote sollten nicht verwundern, wenn man eben bedenkt, dass dort draußen €25 Millionen pro Jahr recht locker in den Taschen von Menschen sitzen, die Hilfe suchen.

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