Mars One – pleite oder nicht?

Besonders spendabel ist das Projekt Mars One nicht mit Informationen. Im Jahr 2018 gab es gerade mal zwei Pressemitteilungen auf der Webseite der Unternehmung. Technische Informationen finden sich dort noch seltener; das ist schon seit langem so.

Mars One besteht aus einer nichtkommerziellen Stiftung und einer kommerziellen Aktiengesellschaft. Letztere trägt den Namen Mars One Ventures AG und ist für die Vermarktung der Aktivitäten zuständig. Einfach gesagt: Die Mars One Stiftung zieht die Marsbesiedlung durch und die Mars One Ventures AG schafft die erforderliche Kohle ran.

Allerdings wurde am 15. Januar 2019 vom Zivilgericht Basel Stadt der Konkurs über diese Firma eröffnet und die Firma aufgelöst. Dazu gab Mars One keine Pressemitteilung heraus, obwohl die Nachricht doch einige Relevanz hat und auf ein gewisses Interesse stoßen dürfte.

Am 11.2.2019 wurde die Nachricht über den Konkurs auf Reddit veröffentlicht und machte schnell die Runde (Popular Mechanics, The Verge). Nun erschien auch eine Pressemitteilung von Mars One. Demnach hat am 5.2.2019 das Berufungsgericht des Kantons Basel Stadt die Entscheidung des Zivilgerichts vom 15.1. bestätigt.

Dort ist auch die Rede von einem neuen Investor, mit dessen Hilfe das Unternehmen aus der Insolvenzverwaltung geführt werden könnte. Am Mittwoch, dem 6.3.2019, soll es eine Pressekonferenz geben, bei der der neue Investor seine Pläne vorstellen wird.

Na, da bin ich mal gespannt.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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  1. Die Website von Mars One wurde schon länger nicht mehr geupdated. Dort liest man Dinge wie: „Mars One anticipates using Space X Falcon Heavy, an upgraded version of the Falcon 9, which is in use by Space X currently. The Falcon Heavy is slated to undergo test flights in 2016, granting ample time for fine-tuning prior to the Mars One missions.“
    Die Falcon Heavy hatte ihren Erstflug aber 2018. Wenn man bei Mars One liest 2016 seien Testflüge mit der Falcon Heavy geplant, heisst das, dass seither niemand mehr diesen Text redigiert hat. Das ist in meinen Augen ein deutliches Zeichen dafür, dass Mars One sich im Winterschlaf befindet.

    • Ein so dürftiger Artikel zum Thema Technologie spricht ohnehin für sich, ob nun zeitlich den aktuellen Umständen angepasst oder nicht.

      Das hier:

      Mars Suit: All astronauts must wear their Marssuits when exposed to the Mars atmosphere. Like those used by the Apollo astronauts on the Moon, Mars Suits protect astronauts from extreme temperatures, the very thin, non-breathable atmosphere, and otherwise harmful radiation.

      … ist unfreiwillig komisch und streng genommen sogar falsch, wenn nicht einfach nur schlampig geschrieben wurde, wie ich vermute, sondern tatsächlich angenommen wurde, Mondanzüge seien im wesentlichen dasselbe wie Marsanzüge. Dass sie “harmful radiation” abhalten sollen, ist mir ebenfalls neu. Allemal, wenn es um die harte kosmische Strahlung geht.

      Na, und dass die Sache mit dem Relais-Satelliten im ESL5 so gut durchdacht ist, glaube ich auch erst mal nicht.

  2. MarsOne hat seit Beginn ihrer Existenz im Schnitt 100.000 – 200.000 Dollar pro Jahr an Spendengeldern eingeworben, obwohl sie – laut ihren Angaben und überaus optimistisch geschätzt – 6 Mrd. Dollar brauchen. Das ist eine schwer überbrückbare Diskrepanz und somit war schon ziemlich früh klar, dass das ganze Unternehmen eine große Luftnummer war. Welcher Investor wird sich unter diesen Umständen wohl hinstellen und dem Herrn Lansdorp auf dessen große Versprechungen hin ein paar Milliönchen (oder Milliardchen) Dollars überweisen?

    Ich gehe davon aus, dass dieser Investor – wenn es ihn überhaupt gibt – entweder selbst kein Geld hat und lediglich PR-wirksam für sich selbst ein bißchen Wind machen möchte oder dass er die Öffnung seiner Geldbörse an Bedingungen knüpft, die Lansdorp nach dem Desaster, als das sich MarsOne bislang präsentiert hat, sowieso nie wird erfüllen können.

    Insofern: Ob MarsOne nun in 2019 oder erst in 2021 endgültig eingestampft wird, ist in etwa so relevant wie das sprichwörtliche Fahrrad, welches in China an der Hauswand lehnt und langsam verrostet.

  3. Die Sätze über den Marsanzug gehören nicht zu den schlimmsten zumal der Unterschied zwischen normalen Raumanzügen und solchen, die für den Mars geeignet sind, nicht allzu gross ist, was unter anderem daran liegt, dass der Atmosphärendruck auf der Marsoberfläche demjenigen in 35 km Höhe über der Erdoberfläche entspricht und damit Beinahe-Vakuum Bedingungen herrschen. Gemäss Wikipedia sollten Marsanzüge vor allem besseres Gehen erlauben als die normalen Raumanzüge und längere Aufenthalte auf der Marsoberfläche als bei einem Ausstieg beispielsweise aus der ISS üblich ermöglichen. Ganz so extreme Temperaturbedingungen und -schwankungen wie im freien Weltraum gibt es auf dem Mars nicht, wenn es auch eine Herausforderung ist, im Anzug für mehrere Stunden Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Marsstaub, konstant tiefe Temperaturen, Strahlung und eine genügende Sauerstoffreserve seien die grössten Herausforderungen für Marsanzüge. Dazu liest man im Wikipedia-Artikel:
    One of the concerns for the Mars suits, is how materials respond to chemically reactive Mars dust and exposure to ultraviolet, especially over the lengths of time and amount of use the suits are expected to function.

    Ein Marsanzug muss auch leichter sein als ein entsprechender Raumanzug für den Mond, denn die Schwerkraft auf dem Mars ist doppelt so gross wie auf dem Mond.
    Dazu liest man in der Wikipedia:
    The Apollo lunar surface EVA suit weighed 180 pounds on Earth, but only 30 pounds on the Moon.[24] The suit for Space Shuttle EVAs was used in micro-gravity so its weight was less of an issue: it weighed 310 pounds.

    • Was den Wärmehaushalt angeht, ist ein sehr großer Unterschied zwischen einem Mars- und einem Mondanzug. In einem Mondanzug könnte man auf dem Mars nicht überleben. Auf dem Mars ist es immer kalt bis sehr kalt, wie sie richtig anmerken. Die Atmosphäre ist dünn, aber sie ist nicht vernachlässigbar. Das Wort “Umgebungstemperatur” hat auf dem Mars eine Bedeutung. Auf dem Mond ist das anders. Da gibt es konduktiven Wärmeaustausch nur mit dem Boden, der zwischen -130 Grad Celsius kalt und +150 Grad Celsius heiß sein kann, und rein radiativen Wärmeaustausch über den Rest des Anzugs. Das ist eine ganz andere Sache.

  4. Auf der MarsOne-Webseite heißt es zu der Pressekonferenz, die heute stattfinden soll:

    “The new investor will present its plans at a press conference on Wednesday, March 6, 2019, at a location to be determined.”

    To be determined, nunja. Irgendwann müssen die Journalisten, die dieser Pressekonferenz beiwohnen möchten, schließlich mal erfahren, wo sie denn heute hinzufahren haben, um der Welt die neuesten Planungen in Sachen Marskolonialisierung kundtun zu können. Allerdings scheint sich der Kommunikationsfluss (passend zum neuen Blogartikel von Michael Khan) ein bißchen zäh zu gestalten.

    Naja, bis Mitternacht ist es ja noch ein bißchen hin. So etwas Wichtiges will nicht überstürzt werden.

    • Die letzte Pressemitteilung von Mars One is ja schon vom 11. Februar. Es ist in der Tat erstaunlich, dass nicht noch eine weitere PM mit der Einladung zur Pressekonferenz erschienen ist, aber wahrscheinlich hat man die Presse direkt eingeladen. Heute in den Frühnachrichten im Radio war von der Pressekonferenz die Rede, also muss eine Einladung an die Journalisten rausgegangen sein.

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