Johannes Kepler kommt zurück

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Es kommt mir vor wie gestern, dass das ATV-2 “Johannes Kepler” auf einer Rekete vom Typ Ariane 5 ES gestartet wurde und an der ISS andockte.

Nächste Woche wird Johannes Keplers Mission allerdings schon beendet sein. In den letzten Tagen hat man den druckbelüfteten Teil des Raumfrachters bereits mit Abfall vollgeladen. Heute, Sonntag, den 19.6. um 17:30 MESZ wird die Luke dicht gemacht. Morgen, am Montag, dem 20.6. um 16:51 MESZ wird Johannes Kepler von der Internationalen Raumstation abdocken. Am Dienstag, dem 21.6. werden zwei Manöver der Triebwerke zuerst das Perigäum bis auf knapp über der Atmosphäre absenken und dann den atmosphärischen Eintritt einleiten. Das zweite Manöver wird um 22:05 MESZ ausgeführt. Der Wiedereintritt erfolgt einen halben Bahnumlauf später. Das Zielgebiet im pazifischen Ozean wird die letzten Trümmer, die den Wiedereintritt überleben, um 22:50 MESZ verschlungen haben.

Übrigens überquert der letzte Erdumlauf des ATV-2 auch Deutschland, somit könnte sich eine Chance zur Beobachtung kurz vor dem finalen Bremsmanöver ergeben.

Als letztes Abschiedsgeschenk an die ISS hat Johannes Kepler mit drei Manövern am 12, 15. und 17. Juni dessen Bahn auf nunmehr 380 km Höhe angehoben, wie man in diesem Diagramm sehen kann – eine der wesentlichen Aufgaben des Frachters, neben der Versorgung des Weltraumlabors mit Verbrauchsgütern und Material.

Erstmalig werden diesmal Daten während des Auseinanderbrechens des ATV erhoben und im Reentry Breakup Recorder, einer Art Black Box gesammelt. Diese ist durch eine kleine Kapsel mit einem Hitzeschild geschützt. Wenn die heiße Phase vorbei ist und die Kapsel nur noch rund 18 km Höhe durchläuft, wird sie selbsttätig die gespeicherten Daten über das Iridium-Satellitentelefonnetz übertragen.

Weitere Information

ESA-Informationsbroschüre zum ATV-2 “Johannes Kepler” (auf Deutsch). Information zum “Reentry Breakup Recorder” auf Seite 13.

ATV-Blog im ESA-Webauftritt mit aktuellen Informationen

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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