Doppelbegegnung im Juli

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Der Syzygienkönig gibt bekannt: Am Abend des Sonntag, 13. Juli 2014, lohnt sich der Blick in den Abendhimmel. Da stehen der Planet Mars und der Stern Spica (αVir) schon nur noch rund zwei Monddurchmesser auseinander und bilden ein rot-blaues Paar. Am 13. Juli ist es zwar erst einen Tag nach Vollmond, aber der aufgehende Mond steht im Südosten, Mars aber im Südwesten. Da hält sich die Störung durch den hellen Mond hoffentlich noch in Grenzen.

Mars, Spica, Ceres und Vesta am 13.7.2014, simuliert für den Standort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)
Credit: Michael Khan via Stellarium / Mars, Spica, Ceres und Vesta am 13.7.2014, simuliert für den Standort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)

Wenn man nun die Linie von Spica zum Mars nach oben hin verlängert, dann gelangt man, nicht weit entfernt, zu den Kleinplaneten Ceres und Vesta. Diese sind nur noch gut einen Monddurchmesser voneinander entfernt.

Ceres und Vesta am 13.7.2014, simuliert für den Beobachtungsstandort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)
Credit: Michael Khan via Stellarium / Ceres und Vesta am 13.7.2014, simuliert für den Beobachtungsstandort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)

Ihre größte Annähgerung von weniger als 10 Bogenminuten (also ein Drittel Monddurchmesser), erreichen diese beide allerdings schon 8 Tage früher, am 5.7.2014. In jener Nacht wird allerdings die Beobachtung durch den zunehmenden Halbmond erschwert, der sich dem Mars bis auf weniger als 2 Grad nähert. Also eine Mond-Mars-Syzygie, die man auch bis nach Mitternacht beobachten kann.

Ceres und Vesta am 5.7.2014, simuliert für den Beobachtungsstandort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)
Credit: Michael Khan via Stellarium / Ceres und Vesta am 5.7.2014, simuliert für den Beobachtungsstandort Darmstadt um 21:00 UTC (23:00 MESZ)

Hier sieht man die Bahnen der zwei Kleinplaneten und der Planeten Mars und Erde mit den Positionen am 13.7.2014. Eine schöne Syzygie.

Das Sonnensystem mit 1/Ceres und 4/Vesta am 13. Juli 2014
Credit: Michael Khan, ESA / Das Sonnensystem mit 1/Ceres und 4/Vesta am 13. Juli 2014

Na, und wenn Sie jetzt Lust auf ein weiteres rot-blaues Paar haben, dann schlage ich die Betrachtung des schönen Sommersternbilds Schwan vor. Der steht in dieser Nacht genau im Osten, aber schön hoch am Himmel, wo er parallel zum Horizont nach rechts zu fliegen scheint. Am Schwanz, also links, der helle Stern Deneb. Jetzt fahren Sie einfach den Körper und den langen Hals entlang, bis Sie an der Spitze des Schnabels angekommen sind. Der wird durch den hellen Stern Albireo markiert.

Der Schwan fliegt durch den sommerlichen Abendhimmel über Darmstadt, simuliert für den 13.7.2014 um 21:00 UTC (=23:00 MEZ)
Credit: Michael Khan via Stellarium / Der Schwan fliegt durch den sommerlichen Abendhimmel über Darmstadt, simuliert für den 13.7.2014 um 21:00 UTC (=23:00 MEZ)

Im Teleskop entpuppt sich Albireo als Doppelstern, als Paar aus einem großen roten und einem kleineren, sehr heißen und deswegen blau leuchtenden Stern. Der rote ist selbst auch ein Doppelstern, aber die beiden Partner in diesem Paar haben einen so geringen Abstand, dass sie nur mit sehr großen Teleskopen aufgelöst werden können.

Und da wir gerade beim Thema Schwan sind, da ist der veränderliche Stern χCyg einen Bleck wert. Der müsste Mitte Juli seinem helligkeitsmaximum zustreben.

Weitere Information

Informationen zur Syzygie und Ephemeriden con Ceres und Vesta auf waa.at

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

5 Kommentare

  1. Der 13.07.2014 ist jetzt mit Stichwort “Spica + Mars” im Kalender. Nach dem WM-Finale ist ein Spaziergang an der frischen Luft bestimmt angebracht.
    Eine besonders schöne “Annäherung” habe ich vor längerer Zeit ganz ohne Absicht beobachten können. Am 24.02.1999 standen Jupiter und Venus einander so nahe am Himmel, dass ich beim ersten Hingucken an ein Flugzeug im Landeanflug dachte. Das konnte ich wegen der “Unbeweglichkeit” recht schnell ausschließen — und heute weiß ich, dass es eine auffällige und vermutlich seltene Syzygie war.

    • Ich habe gerade mit Stellarium gecheckt – die Begegnung zwischen Jupiter und Venus am Abend des 23.2.1999 war sogar noch enger als einen Tag darauf, als Sie sie beobachteten: am 23. mit einer Winkeltrennung von weniger als 9 Bogenminuten. Eine sehr enge Begegnung dieser beiden wird es am 18.8.2014 vor Sonnenaufgang geben, fast genau so eng wie die am 23.2.1999. Dazu wird es natürlich auch in meinem Blog eine Ankündigung geben, allerdings erst im August. Hier ist die Simulation dazu (allerdings für Darmstadt – Achtung: die angegebene Zeit ist UTC!). Eine echte Frühmoregnveranstaltung so um 5 Uhr früh, wenn ich meist nicht gerade in Hochform bin.

      Wenn es am 13.7. nichts wird, bieten sich auch die Tage davor oder danach an, der Winkelabstand bleibt da fast unverändert.

      Es wäre vielleicht ganz lustig, eine Folge von Mars-Spica-Bildern in den Tagen vor und nach dem 13. zu schießen. Der Mars zieht da oberhalb von Spica gen Süden.

  2. Schlechte Bedingungen für Sternen-Gucker am Sonntagabend in und um Flensburg. Bedeckter Himmel und Regen. Da blieb es also beim “4. Stern aus Rio”.

  3. Gestern abend (16.07.) hat’s geklappt. Klarer Himmel über Hamburg, Fenster mit Blickrichtung SW, nur wenige störende Lichter der Großstadt. Sonnenuntergang 21:40. Ab 22:30 wurde es dunkel. Ca. 22:50 erste Sterne am Himmel. Zuerst entdeckt: hoch oben Arcturus, dann ziemlich genau in SW-Richtung der Mars und etwas später östlich versetzt der Saturn. Ca. 23:00 dann “fingerbreit” unter dem Mars ein kleiner Punkt, also Spica. Dabei blieb’s. Bis 23:30 waren keine Sterne dazugekommen, dafür standen Mars und Spica dann so tief, dass nur noch der Mars im Dunst zu erahnen war. Trotzdem: Wenn man weiß, worauf man achten will, ist auch so ein unspektakulärer Anblick schön. Vielen Dank für die Anregung.

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