Dione Roadkill oder die Birne Helene

BLOG: Go for Launch

Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Nein, keine Sorge, nicht schon wieder Hegemann. Die Helene, um die es hier geht, ist ein kleiner Saturnmond. Diese Helene ist ungefähr 33 km groß und sieht recht mitgenommen aus – nach ihrem zerbeulten Aussehen zu urteilen hat sie schon genügend dramatische Erfahrungen hinter sich, um darüber ohne Fremdinspiration ein Buch schreiben zu können.

Diese Helene ist auf einer ungewöhnlichen Bahn: Sie ist ko-orbital mit dem über 1100 km großen Saturnmond Dione, eilt diesem aber um 60 Grad voraus. Dieser Punkt ist im Dreikörperproblem als Lagrangepunkt L4 bekannt. Es gibt auch einen Lagrangepunkt L5, der Dione um 60 Grad nacheilt, und auch dort findet sich ein kleiner Mond. Objekte in den Lagrangepunkten L4 und L5 irgendeines Systems Sonne-Planet oder Planet-Mond werden auch als “Trojaner” bezeichnet, nach den Gruppen von Asteroiden in den L4- und L5-Punkten des Systems Sonne-Jupiter.

Der Helene am Saturn ist kürzlich die NASA-Saturnsonde Cassini begegnet, in nur 25,000 km Entfernung. Dabei gelangen mehrere Aufnahmen, von denen es eine, völlig verdient, zu den höheren Weihen des APOD-Status schaffte und damit (dem Mond) Helene zu weltweitem Ruhm verhalf.

Dabei ist dies gar nicht der erste Begegnung zwischen Cassini und Helene. Bereits 2006, 2007 und 2008 gelangen der Raumsonde Aufnahmen von diesem Mond, allerdings nie aus so geringer Entfernung wie diesmal.

Weitere Information

APOD (“Astronomy Picture of the Day”)-Webseite

Webseite der Cassini-Mission bei NASA/JPL

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

4 Kommentare

  1. Mond ?

    Ist es vernünftig, jeden Brocken, der einen Planeten umkreist, als Mond zu klassifizieren ?

    Pluto wurde ja bekanntermassen der Status “Planet” aberkannt, da er nicht alle Kriterien zu erfüllen vermochte. Genauso wie Helene erfüllt er aber das Hauptkriterium, nämlich ein sonnenumkreisender Körper zu sein, respektive – bei Helene – ein planetenumkreisender Körper zu sein.

    Wäre es nicht vernünftiger angesichts der wahrscheinlichen Entstehungsgeschichte der Kleinstmonde von planetenumkreisenden Asteroiden zu sprechen ?

  2. Wann ist ein Mond ein Mond?

    Wer sagt denn, dass Helene ein eingefangener Asteroid, oder wahrscheinlicher, ein eingefangener Komet, vielleicht aus der Zentaurengruppe, ist?

    Angesichts der Bahn erscheint mir das eher unwahrscheinlich. Da würde ich auf einen Körper tippen, der, ebenso wie Polydeuces im Saturn-Dione-L5-Punkt, schon während der Bildung des Saturnsystems akkretiert und dann durch Bahnstörungen in seine jetzige Bahn gezwungen wurde.

    Dass diese Bahnstörungen die Inklination und Exzentrizität fast restlos abbauen, sodass der Mond aus einer hohen, exzentrischen Einfangsbahn in die jetzige äquatoriale, kreisförmige Bahn gelangte, erscheint mir beliebig unwahrscheinlich.

    Eingefanmgene Asteroiden, oder im Fall von Saturn, Kometen, sind wohl eher äußere Monde.

    Im Fall des Saturnmondes Phoebe ist das ziemlich klar. Der läuft retrograd um, sehr weit draußen, auf einer Bahn mit erheblicher Exzentrizität und in einer Bahnebene, die ziemlich genau der Bahnebene von Saturn entspricht, aber sehr weit von der Äquatorebene des Planeten entfernt ist – wenn man das alles zusammennimmt, weist alles auf einen eingefangenen Zentauren hin.

    Aber Helene? Da sehe ich keine solche Anzeichen.

    Aber selbst wenn Helene eingefangen worden wäre, ist das ein Kriterium, das gegen den Mondstatus spricht? Ich sehe nicht, dass Phoebe oder die vielen eingefangenen Jupitermonde nicht als Monde betrachtet werden.

    Eher schon sollte man die Größe des Objekts als Kriterium nehmen. Formal betrachtet ist jedes Objekt in den Ringen ein Mond. Aber die Dinger gehen von etwa Hausgröße bis hinunter in den mikroskopischen Bereich. Jedes dieser Objekte als Mond zu bezeichnen, wäre albern, da muss man auch die Größe betrachten.

  3. Ja, die sehr geringe Exzentrizität der Bahn von Helene spricht wohl gegen meine Asteroiden – oder Kometenursprungstheorie bezüglich Helene.

    Trotzdem – eine Unterscheidung,eine Klassifizierung, welche Ursprung, Form und Grösse der Monde berücksichtigt, fände ich sinnvoll.

    Eine sinnvolle Definition für Mond wäre :

    Ein Mond ist ein Himmelskörper, der die folgenden Kriterien erfüllt :

    1. Er umkreist einen Planeten

    2. Er hat aufgrund seiner Masse und der daraus resultierenden Gravitationskräfte annähernd kugelförmige Gestalt

    3. Der Ursprung (Akkretion) ist derselbe wie beim Zentralplaneten (d.h kein “eingefangenes” Objekt fremden Ursprungs)

  4. @Peter

    Ich sehe, Sie mögen geordnete, klare Verhältnisse. 🙂 Was Helene angeht, ist es eher die geringe Inklination, noch viel mehr als die geringe Exzentrizität, die für eine Akkretion und gegen einen Einfang spricht.

    Ich habe gar kein Problem damit, Klassifizierungen zu finden. Bloß finde ich, diese Klassifizierungen müssen so sein, dass man, enn auch nicht auf den ersten Blick, dann auf den zweiten einordnen kann, was man vor sich hat.

    Kriterium 1: keine Frage. Obwohl man das schon etwas präzisieren müsste. Kein Mond umkreist einen Planeten, Planet und Mond umkreisen ein gemeinsames Massenzentrum. Ich würde also vorschlagen, dass die Definition so ist, dass das Massenzentrum innerhalb des Planeten liegen muss.

    Kriterium 2: Wenn die Masse groß genug, wird der Mond bei der Akkretion aufschmelzen, und nur dann kann er die Kugelform einnehmen. Wenn wie die Dinger ausnehmen, bei denen das nicht gelang, sind schon mal die ganzen Ringelemente keine Monde mehr. Das ist zweifellos vorteilhaft.

    Allerdings kann es einen anfänglich kugelförmigen Mond auch später noch schwer erwischen, wie zum Beispiel den Saturnmond Hyperion, der wahrscheinlich aufgrund einer schweren Kollision eines beträchtlichen Teils seiner Masse, der Kreisförmigkeit siner Bahn und dann auch noch einer definierten Rotationsachse verlustig ging. Wollen wir jetzt ein Unfallopfer auch noch damit bestrafen, dass wir ihn seinen Mondstatus aberkennen? Das wäre aber herzlos.

    Kriterium 3: Wollen wir wirklich die Fremden ausschließen? Dagegen habe ich eigentlich schon aus Prinzip was. Wenn wir das bei Saturn täten, dann wären Helene, Polydeuces, aber auch Phoebe und sonst noch welche draußen. Aber die wären ohnehin schon wegen Kriterium 2 keine Monde mehr.

    Allerdings ist auch der Neptunmond Triton dann kein Mond mehr, denn aufgrund seiner Inklination ist der wahrscheinlich auch eingefangen. Und wenn Triton schon kein Mond ist …. Also haben wir da ein Problem. Ein Problem haben wir auch mit den Marsmonden Phobos und Deimos. OK, da kann man auch argumentieren, dass die schon wegen Kriterium 2 keine Monde mehr sind. Das ist auch gut so, denn wenn man deren Genese erkären soll, kommt man ins Schwitzen.

    Außerdem müssten wir jetzt einen Namen für die nicht als Monde geltenden Objekte finden. Das wird dann irgendwann ganz schön kompliziert.

    Die englischsprachige Welt hat das schon gelöst. Große Monde heißen moon, kleine heißen moonlet. Jetzt kann man wieder anfangen zu streiten, wo genau die Grenze liegt.

Schreibe einen Kommentar