Über starke Inhalte und das Streben nach Reichweite

Symbolbild

Wissenschaftskommunikation als Forschungsverbund

Sabine Toussaint, Manfred Schoch, Florian Rummler

For 20 years, I thought my job as a basic scientist was to publish papers and throw them over a wall for someone else to apply. I now realize that there’s no one on the other side of the wall. Just a huge pile of papers that we’ve all thrown over.
– Duncan Watts

Wissenschaftskommunikation ist ein zunehmend wichtiger Teil der Arbeit von Forschenden. Gerade in der COVID-19 Pandemie zeigen dies Formate, wie der Podcast von Christian Drosten und Sandra Ciesek oder die kürzlich mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Formate von Mai Thi Nguyen-Kim. Wie Duncan Watts auf der International Conference on Computational Social Science (2019) treffenderweise sagte, wurde der Job von vielen Forschenden lange so interpretiert, dass man wissenschaftliche Artikel verfasst und darauf wartet, dass sie jemand anderes verwertet. Watts stellt fest, dass dies selten der Fall ist und es die Aufgabe der Wissenschaft ist, praxisrelevante Forschung zu machen und diese zur Anwendung zu bringen (Watts 2017). Für beides ist der Diskurs mit der Öffentlichkeit hilfreich und notwendig. Aber wie geht das eigentlich?

ForDigitHealth ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, der zum Thema Gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien arbeitet. Beteiligt daran sind elf Forschungsgruppen an fünf bayerischen Universitäten. In der Nacht vor unserer öffentlichen Auftakt-Veranstaltung hatte es auf dem gerade gestarteten wissenschaftlichen Blog einige Kommentare gegeben, die nach unserer Netiquette freundlich gesagt als „themenfremd“ gelten würden. Wir, das Team der Geschäftsstelle des Forschungsverbunds, waren so stolz, dass wir Homepage und Blog noch vor der Veranstaltung online hatten. Einziger Haken: die Kommentare im Blog waren noch nicht auf „moderiert“ geschaltet. So waren wir über Nacht von Leser*innen abwertend hinterfragt und verunglimpft worden. Abends bei der Veranstaltung sprach der Vertreter des Geldgebers, des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Er hatte sich, wie man es sich wünscht, vor seiner Rede mit dem Forschungsverbund, der ihn eingeladen hatte, vertraut gemacht und unter anderem auf dem Blog das Geschehen verfolgt. Zum Glück hatte der wissenschaftliche Sprecher des Verbunds schon in den frühen Morgenstunden die Blog-Kommentare beantwortet. Dies war vom ministerialen Abteilungsleiter bemerkt worden, und in seiner Rede honorierte er die wackere Auseinandersetzung anerkennend humorvoll.

Eineinhalb Jahre später haben wir weitere Erfahrungen auf dem Feld der Wissenschaftskommunikation gesammelt. Grund genug, auf dem Blog, der mit dieser kleinen Aufregung begann, ein Zwischenfazit zu ziehen. Dies machen wir, weil wir einige Produkte, Verfahren und Erkenntnisse gerne zugänglich machen wollen, so dass andere davon lernen und inspiriert werden können. Bevor wir über unseren Output und die Erkenntnisse sprechen, möchten wir ein paar grundsätzliche Gedanken zu Wissenschaftskommunikation vorbringen, die aus der Erfahrung im Verbundmanagement entspringen. Der akademische Diskurs dazu kann an anderen Stellen verfolgt werden. Als ein Einstieg sei hier auf Wissenschaft im Dialog hingewiesen, ein vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gegründeter Think-Tank zu Wissenschaftskommunikation. Deren Podcast „Wisskomm-Quartett“, speziell die Folge vom 5. März 2021 zum Thema Verständlichkeit, hat wiederum uns zu diesem Blogpost inspiriert.

Als Bayerischer Forschungsverbund haben wir explizit den Auftrag, neben der Forschungsarbeit den gesellschaftlichen Diskurs zum beforschten Thema anzureichern und unsere Erkenntnisse in die Öffentlichkeit zu tragen. Konkret heißt das, dafür zu sorgen, dass Wissen zur Verfügung gestellt wird, um näher über gesunden Umgang mit digitalen Technologien und Medien nachzudenken, zu reflektieren und vielleicht auch etwas zu verändern. Wissen zur Verfügung stellen bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jemand es aufnimmt. Texte müssen gelesen, Filme angeschaut, Podcasts gehört werden – ob das passiert, können wir zumindest in Ansätzen quantitativ ermitteln. Ob und wie sie verstanden werden? Dafür braucht es einen Dialog. Dialog wiederum braucht das Bestreben nach Kontakt und Verständigung auf Augenhöhe, im besten Falle durch Moderation. Das Ganze kostet Ressourcen (Zeit, Geld und Fähigkeiten), da der Prozess von der wissenschaftlichen Erkenntnis zu deren Umsetzung in Aussagen, die wiederum formuliert, aufbereitet und in geeigneten Medien platziert und eventuell auch moderiert werden, komplex ist. Hier sind wir als Geschäftsstelle gefragt und entwickeln unsere Erfahrungen und Kompetenzen.

Hört man sich die bereits erwähnte Podcast-Folge des „Wisskomm-Quartetts“ an, kommt man schnell wieder den Grundfragen von Wissenschaftskommunikation auf die Spur. Welche Rolle hat die Wissenschaft und haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Gesellschaft? Was bedeutet es, über die von Watts benannte Mauer zu klettern oder nicht mehr davon auszugehen, dass da überhaupt eine ist? Wer Wissen für die Öffentlichkeit aufbereitet und zur Verfügung stellt, sollte seine Rolle reflektieren. Sprachlich ist der feine Unterschied: Kommunikation in die oder in der Gesellschaft, d.h. versteht sich Wissenschaft als dazugehörig oder sieht sie sich außerhalb und transferiert lediglich Wissen?

Kürzlich wurde die gemeinsam von Wissenschaft im Dialog, dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und dem Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) herausgegebene Studie zu Wissenschaftskommunikation in Deutschland veröffentlicht. Wissenschaftler*innen wurden zu ihren Haltungen, Erfahrungen und ihrem Bedarf in Bezug auf Wissenschaftskommunikation befragt. Die Studie zeigt, dass Offenheit, Engagement und Erfahrung bestehen sich einzubringen, dass aber Unterstützung bei der Umsetzung benötigt wird. Auch dies motiviert uns, im Folgenden auszuführen, wie das konkret aussehen kann. Denn für die Wissenschaftskommunikation gibt es viele Formate. Wir haben davon einige ausprobiert und stellen unsere Erfahrungen in diesem Blogpost zur Verfügung.

Inhaltlich stark, Reichweite ausbaufähig

Wer wir als Forschungsverbund sind und was wir tun, zeigen wir auf der Homepage gesund-digital-leben.de. Analog ist das in einer schön gestalteten Broschüre nachzulesen, allerdings nicht so umfangreich und aktuell. Ein klares Corporate Design, ein Verbund-Logo und einheitliche Fotos sind die Grundelemente der Öffentlichkeitsarbeit, die nach innen und außen verbindend wirken. Die aufwändige Textredaktion ist Aufgabe der Geschäftsstelle, damit die Inhalte verständlich sind und zum Lesen einladen. Außerdem gibt es bereits eine ganze Liste von wissenschaftlichen Publikationen und Konferenzbeiträgen, die den wissenschaftlichen Diskurs innerhalb der Fachdisziplinen befruchten.

Um Forschungsergebnisse zugänglicher aufbereiten zu können, als es die wissenschaftliche Publikation im Fachjournal erlaubt, und ein breiteres Publikum zu erreichen, bloggen wir auf diesem kommerziellen wissenschaftlichen Blogportal (SciLogs, Verlag: Spektrum der Wissenschaft). Hier schreiben die am Verbund beteiligten 25 Wissenschaftler*innen über ihre Forschungsergebnisse und moderieren die eingehenden Kommentare. Zu Beginn der Kooperation haben sie sich verpflichtet einen Beitrag pro Jahr und Teilprojekt zu schreiben – das klappt außergewöhnlich gut. Da die Autor*innen in der Publikationslogik der Wissenschaft keinen direkten Nutzen von der Veröffentlichung so eines Blogartikels haben, ist dieser Einsatz alles andere als selbstverständlich. Die Reichweite des Blogs ist gemäß der letzten Auswertung noch ausbaufähig. Der von uns sehr geschätzte verantwortliche Redakteur der Blogplattform, Lars Fischer, schrieb auf unsere Frage nach der Performance des Blogs 21. Juni 2021, dass der Blog inhaltlich sehr stark sei, sich aber in Bezug auf die Reichweite „deutlich unter Wert verkauft“. Wir finden, dass es besser so ist – also inhaltlich stark, aber schwache Suchmaschinenoptimierung – als andersrum. Dennoch werden wir daran arbeiten: aussagekräftigere Fotos, kurze pointierte Titel, konsequente Setzung von Schlagworten.

Twitter bietet interessante Information und Denkanstöße und vor allem den Zugang zu anderen Wissenschaftler*innen und Fachjournalist*innen, die hier Material abfischen. Als Forschungsverbund haben wir entschieden, uns bei diesem Medium einzubringen. Das war gleichzeitig auch eine Entscheidung gegen Instagram, Facebook & Co., was in erster Linie eine Priorisierungsentscheidung bei begrenzten Ressourcen war. Mit derzeit 168 Twitter-Followern ist der Twitter-Account nahezu bedeutungslos (zum Vergleich: Mai Thi Nguyen-Kim hat gerade 324.283 Follower, Lars Fischer vom SciLogs-Portal 41.239, Stand: 24.06.2021). Wir haben aber gelernt, dass wir mehr eigene Inhalte anbieten und klug verweisen müssen, um mehr Bedeutung zu erlangen. Als Wirtschaftsunternehmen würden wir hier sicher intensiv investieren. Als Forschungsverbund, der aus öffentlichen Geldern finanziert wird, ist ein Ausbau der Personalkapazität für diesen aufwändigen Job nicht möglich.

Zur Wissenschaftskommunikation gehören genauso auch die Gespräche mit Menschen, die sich für das Thema interessieren und es als Multiplikator*innen in den eigenen Wirkungskreis einbringen. Es entsteht ein Netzwerk von Kontakten, die mit der Zeit gegenseitig von den Beteiligten angefragt und gepflegt werden, um Neuigkeiten auszutauschen, sich gegenseitig auf gute Ideen zu bringen und weiterzuhelfen. Unter Corona-Bedingungen ist das schwieriger. Daher haben wir nach Wegen gesucht, auch online intensiver zu unserem Thema ins Gespräch zu kommen.  

Innovative (digitale) Produkte – Nachmachen erwünscht!

Zwei Produkte aus unserem Experimentierkasten möchten wir hier gerne vorstellen: Das Format der Twitter-Inforeihe und das Online-Dialogformat #DigitalUmDrei. Die Tabelle zeigt darüber hinaus die Ziele unserer vollständigen Produkte der Öffentlichkeitsarbeit und die primären Verteilungskanäle.

Das Basisrauschen auf dem ForDigitHealth Twitter-Account bilden die Posts zu eigenen Publikationen und Veranstaltungen und die Hinweise auf die Aktivitäten anderer Institutionen zum Thema Gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien. Um sichtbar und interessant zu werden (mehr Traffic, mehr Follower), braucht es eigenen Content, der gemäß des Kommunikationskanals zugeschnitten ist: geringe Zeichenanzahl, Bebilderung, Tags (Verweise). Da komplexere Inhalte, wie zum Beispiel digitale Belastungsfaktoren oder Bewältigungsstrategien für digitalen Stress, aber nicht auf 280 Zeichen unterzubringen sind, haben wir Twitter-Inforeihen erstellt: Wissenschaftliche Begriffe und Sachverhalte werden in kleinen Portionen visualisiert und nacheinander in einzelnen Tweets veröffentlicht. So wurde zum Beispiel jede Woche ein Fachbegriff zum Thema „digitaler Stress“ aus einer beteiligten Disziplin vorgestellt und durch eine allgemeinverständliche Definition und ein Beispiel ergänzt. Eine Quellenangabe ermöglicht vertiefte Recherchen und legt die wissenschaftlichen Bezüge offen. Zum Teil werden die Tweets durch einen „Wusstest du schon?“-Post ergänzt. Diese Inhalte werden in enger Kooperation zwischen den wissenschaftlichen Mitarbeitenden des Verbunds und den studentischen Mitarbeitenden sowie dem Wissenschaftskoordinator der Geschäftsstelle erarbeitet. Die Tweets der abgelaufenen Reihe werden anschließend zusammengefasst und auf der Webseite zur Verfügung gestellt.

Vom Dialog-Experiment zu #DigitalUmDrei

“Wissenschaft ist ein Frage-Antwort-Spiel. Es ist wichtig, die Fragen mit zu benennen und nicht nur die Antworten zu liefern.”, so Julia Serong im Wisskomm-Quartett (Folge 2, 5.3.2021). Dies ist am einfachsten, wenn sich der/die Wissenschaftler*in tatsächlich ins Gespräch begibt. Analog kennen wir das im Format des Kamingesprächs – aber wie geht so etwas online? Das haben wir uns in kleiner Runde mit Herbert Vogler vom Bayerischen Forschungsinstitut für digitale Transformation (bidt) und Maria Prahl von Working-Between-Cultures (WBC) gefragt. Ziel war es, ein Format zu finden, um den gegenseitigen Diskurs anzuregen: Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in die Praxis und offene Fragen der Praxis werden als Impulse für weitere Forschungsarbeiten zurückgespiegelt. Von Februar bis Mai 2021 lief das sogenannte „Dialog-Experiment“ zum Thema „Gesunde Nutzung von digitalen Technologien im Home-Office“. In kleinem Kreis (im Schnitt 15 Teilnehmende) und im zeitlichen Rahmen von 75 Minuten wurde in Videokonferenzen mit Multiplikator*innen aus Wirtschaft und dem öffentlichen Sektor diskutiert, jeweils am dritten Dienstag im Monat um drei Uhr. Ausgangspunkt der Treffen auf Zoom war jeweils ein Input aus den Forschungsprojekten der beiden wissenschaftlichen Partner, auf den ein durch die Moderatorin von WBC anregend moderierter und mit Dialog-Tools gestützter reger Austausch folgte. Nach der Auswertung der Experimentierphase geht es im Juli 2021 mit neuem Titel #DigitalUmDrei und vier weiteren Sessions zum Thema „Arbeitsplätze im Wandel“ weiter. Den Auftakt machen Luke Haliburton und Albrecht Schmid (Informatik, Ludwig-Maximilians-Universität München) mit dem Input „The Future of Work is In Motion“. Es wird buchstäblich bewegend sein. Die Teilnahme ist kostenlos, wobei der Teilnehmendenkreis begrenzt ist und die Aufnahme in den Verteiler über eine Interessensbekundung geregelt wird. Die Organisation läuft Hand in Hand zwischen den beiden Institutionen, außergewöhnlich einfach.

ZielePrimäre KanäleInhalte und Details
Vorstellung des Verbunds und des ForschungsvorhabensWebsite, BroschüreDetails zu den Projekten, Ziele und Mitglieder, eingebundene interaktive Formate (z.B. Interviews)
Forschungsergebnisse vermitteln, Wissenschaft greifbar machenBlog, Twitter, VorträgeInforeihen, Vortragsreihen, Erklärvideos, Twitter-Adventkalender, Podcasts
Reichweite für Formate erhöhen und Vernetzung fördernTwitter, NewsletterLink zu Veranstaltungen und Blogposts, Twitter-Adventkalender, Strategische Vernetzung über Universitäten und Einrichtungen, Kommentieren von relevanten Posts
Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis fördernDialog-Format, Veranstaltungen, VortragsreihenImpulsvorträge und offene Diskussionen, Vortragsreihen mit Q&A-Session
Direkte Kommunikation mit MultiplikatorenEigenes Netzwerk, Dialog-FormatBesuch von Veranstaltungen, individuelle Kontaktpflege

Erfolgsfaktoren für gelingende Wissenschaftskommunikation

Wir haben uns gefragt, was im Forschungsverbund dazu beiträgt, dass die Wissenschaftskommunikation gut läuft und welche allgemeinen Erfolgsfaktoren daraus abgeleitet werden können. Unserer Meinung nach sind dies: wissenschaftliche Kompetenz, ein kreatives Team mit guten Ideen, die Unterstützung der Wissenschaftler*innen bei der Umsetzung, vertrauensvolle Verzahnung, ein Corporate Design und Kontakt zu Kommunikationsprofis.

Ohne kreative Ideen im Team geht nichts – zu einem disziplinär und von den Kompetenzen her gemischten Team tragen sowohl die Geschäftsstelle als auch die Wissenschaftler*innen bei. In diesem Team kommen robuste wissenschaftliche Inhalte, technisches Wissen, Rechtschreibsicherheit, Lust am Schreiben, Kritikfreudigkeit, Fehlertoleranz, Disziplin und Kontinuität zusammen. Insbesondere ist es aber wichtig, es den Wissenschaftler*innen, deren Ressourcen und Anreize begrenzt sind, so leicht wie möglich zu machen, ihr Know-how einzubringen. Deswegen unterstützt die Geschäftsstelle sie mit Rat und Tat – zum Beispiel durch Ausarbeitung der Formate, Erarbeitung von Vorlagen, Korrekturschleifen, Betreuung der Social-Media-Kanäle und das Übernehmen von administrativen Aufgaben. Dazu ist natürlich Zeit und Budget erforderlich. Für ein einheitliches und wiedererkennbares Auftreten bildet ein funktionierendes, klares und durchgängiges Corporate Design eine wichtige Basis. Sehr hilfreich ist die Zusammenarbeit mit Kommunikationsprofis. In unserem Fall sind das sowohl externe Expert*innen, die punktuell hinzugezogen werden, als auch die Kolleg*innen aus der Pressestelle der Uni Augsburg, mit denen wir in regelmäßigem Austausch stehen.

Für Zielgruppen außerhalb der Wissenschaft zu schreiben, ist zu guter Letzt auch ein Lernprozess. In den beschriebenen Formaten haben wir als Mitglieder des Forschungsverbunds mindestens genau so viel gelernt wie unsere jeweiligen Leser*innen oder Dialog-Partner*innen. Wir lernen weiter. Und wer weiß, vielleicht machen wir ja auch mal einen eigenen Podcast?

Bitte zitieren als: Toussaint, Sabine; Rummler, Florian; Schoch, Manfred (2021). Über starke Inhalte und das Streben nach Reichweite. 01.07.2021. Beitragsbild von Pixabay: https://pixabay.com/de/photos/bleistift-notebook-faltig-papier-1891732/
Online verfügbar unter: https://scilogs.spektrum.de/gesund-digital-leben/?p=709

Literaturangaben:

Bromme, R., Hoffmann, E., Peters, H.-P., Serong, J., Winkels, R. (2021, 5. März). Wisskomm-Quartett, Folge 2, Verständlichkeit [Audio podcast]. https://www.wissenschaft-im-dialog.de/projekte/wisskomm-quartett/folge-2-verstaendlichkeit/ (30.06.2021)

Watts, D. J. (2017). Should social science be more solution-oriented? Nature Human Behaviour, 1(1), 1–5. https://doi.org/10.1038/s41562-016-0015

Ziegler et al. (2021). Wissenschaftskommunikation in Deutschland. Ergebnisse einer Befragung unter Wissenschaftler:innen. Wissenschaft im Dialog. Online abgerufen unter https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Impact_Unit/Dokumente/2021_WisskommBefragung_Ergebnisbroschuere_WiD_DZHW_NaWik.pdf (30.06.2021). 

Gerne möchte der Verbund mit Ihnen diskutieren und jeder Autor freut sich über Ihre Kommentare. Willkommen sind sachliche Kommentare mit Bezug auf den Inhalt des jeweiligen Blogbeitrags. Ebenso sind Meinungen in der Sache oder ergänzende Informationen herzlich willkommen. Trifft dies nicht zu, behalten wir uns vor, die Kommentare nicht freizuschalten. Weitere Informationen dazu finden Sie auch in unserer Netiquette.

Veröffentlicht von

Manfred Schoch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kernkompetenzzentrum Finanz – und Informationsmanagement (fim) an der Universität Augsburg. Er forscht und bloggt zum Thema „Bewältigung von digitalem Stress am Arbeitsplatz“ im Rahmen des bayerischen Verbundprojekts „Gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien“ (ForDigitHealth).

6 Kommentare

  1. Als jemand, der langjährig sowohl auf Scienceblogs wie auch auf Scilogs kommentiert, ist meiner Meinung nach der Umgang mit Kommentaren bei Scienceblogs deutlich attraktiver für Leser. Bei Scilogs wird vorab moderiert und dadurch erscheinen Kommentare mit mehr oder weniger Zeitversatz (teilweise Tage bis Wochen), je nachdem, wieviel Zeit zur Moderation der Blogger aufwendet. Eine richtige Diskussion kommt so nicht zustande. Und hier bei Gesund-Digital-Leben ist die Kommentarschaltung noch restriktiver, da ab einem gewissen Alter des Artikels die Kommentarfunktion komplett deaktiviert wird. Lust aufs Kommentieren macht das überhaupt nicht.

    Drüben bei Scienceblogs laufen die Kommentare zwar durch einen automatischen Spamfilter, aber erscheinen im Regelfall sofort. Das ist einem echten Meinungsaustausch viel zuträglicher. Merkt man m. E. auch an den Kommentarzahlen.

    Falls drüben wirklich einer meint, er müsse die Diskussion derailen, wird der Kommentar eben nachträglich gelöscht und im Wiederholungsfall werden seine Kommentare auf Vorab-Moderation gesetzt. Hilft der Bloghygiene genauso gut, weil die Debattenderailer auch auf diese Weise merken, dass sie für den Papierkorb schreiben und sich ihre Kommentare sparen.

    • Vielen Dank für Ihre Einschätzung bezüglich der Kommentarfunktion des Blogs. Die Kommentare zeitnah zu betreuen, ist in der Tat auch eine Herausforderung für die wissenschaftlichen Mitarbeitenden.

  2. Das ist wirklich eine sehr umfassende Einführung in ihre Überlegungen und Aktivitäten im Bereich Wissenschaftskommunikation. Ich möchte hier auf einen Punkt eingehen, der im Beitrag auch erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt wird. Man liest hier, Zitat:

    Welche Rolle hat die Wissenschaft und haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Gesellschaft? Was bedeutet es, über die von Watts benannte Mauer zu klettern oder nicht mehr davon auszugehen, dass da überhaupt eine ist? Wer Wissen für die Öffentlichkeit aufbereitet und zur Verfügung stellt, sollte seine Rolle reflektieren. Sprachlich ist der feine Unterschied: Kommunikation in die oder in der Gesellschaft, d.h. versteht sich Wissenschaft als dazugehörig oder sieht sie sich außerhalb und transferiert lediglich Wissen?

    Und zwar möchte ich die Frage „Versteht sich die Wissenschaft als zugehörig“ umdrehen und fragen: Gehört die Wissenschaft zur deutschen Kultur? Dazu habe ich drei Wikipedia-Einträge konsultiert, nämlich
    Culture of the United Kingdom
    Culture of Germany und
    Kultur Deutschlands
    und siehe da, mein Verdacht wird voll bestätigt, die englischsprachige Wikipedia zählt die Wissenschaft eines Landes zum Land/ zur Kultur zugehörig, die deutschsprachige Wikipedia aber nicht. Ein Brite, der Culture of United Kingdom liest erhält den Eindruck, Newton, Darwin und Turing gehörten genau so zur britischen Kultur wie die Beatles und wenn er Culture of Germany liest, erwarten ihn die Namen von Gutenberg, Geiger, Zuse, Einstein, Planck, Röntgen und er liest Sätze wie : The Walhalla temple for “laudable and distinguished Germans” features a number of scientists, and is located east of Regensburg, in Bavaria.

    Ein Deutscher/Deutschsprachiger aber findet im Inhaltsverzeichnis von Kultur Deutschlands nicht einmal einen Eintrag der mit Wissenschaft zu tun hat. Rainer Werner Fassbinder, Albrecht Dürer, Immanuel Kant und Wolfgang Joop gehören alle zur deutschen Kultur, nicht aber Werner Heisenberg oder Max Planck.

    Man spricht von den Zwei Kulturen, das heisst der Brite C.P.Snow hat diesen Begriff 1959 geschaffen und damit gemeint, die geisteswissenschaftlich-literarische Kultur und die naturwissenschaftlich-technische Kultur seien mit zwei verschiedenen Weltanschauungen verbunden und ihre jeweiligen Vertreter hätten sich wenig zu sagen. Doch jetzt kommt die Pointe: In Deutschland gibt es keine zwei Kulturen, weil die Wissenschaft gar nicht zur Kultur gehört.

    Mir scheint: Neben der Aufgabe, Wissen aus den Natur- und anderen Wissenschaften zu vermitteln, könnte es auch eine Aufgabe der Wissenschaftskommunikation sein, die Wissenschaft als nicht nur zugehörig zur deutschen Gesellschaft, sondern sogar zugehörig zur deutschen Kultur darzustellen. Das bedeutet immer auch, dass man Wissenschaftler und den ganzen Wissenschaftsbetrieb als Mitschöpfer der geschaffenen geistigen Welt des Kulturraumes darstellt.

    Nun, das ist wahrlich eine grosse Aufgabe – die Aufgabe nämlich, die Sichtweise der deutschen Bevölkerung etwas zu erweitern, so dass die Wissenschaft dazugehört. Nicht nur der Islam gehört zu Deutschland, auch die Wissenschaft tut es. Und zwar nicht nur als Ansammlung von Fächern, sondern auch als mitformende, mitgestaltende Kraft.

    • Haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar zu unserem Beitrag. Er greift einen Punkt auf, der in unserem Beitrag nicht im Fokus steht, der aber natürlich in Bezug auf die Frage nach der Verortung der Wissenschaft in der Gesellschaft interessant ist. Die Kulturwissenschaft beschäftigt sich damit sicherlich intensiver als wir. Wir haben diese Fragen in Bezug auf unser Thema nicht gestellt und werden dazu im Rahmen des Forschungsverbunds auch nicht kommen. Ihr Ansatz, alltagspraktisch zu beobachten, wie die Begriffe Wissenschaft und Kultur in einem Medium wie Wikipedia, was stark auf User-generated Content basiert, finden wir allerdings interessant.

  3. das Eingangs-Zitat ist großartig.

    Beim Lesen hatte ich mich bereits gefragt, wo für mich als beteiligten Wissenschaftler die ‘Wall’ steht? Das fängt sicherlich in einem so interdisziplinären Verbund-Projekt bereits damit an, dass man die Gelegenheit hat, hinter die Mauern zu den anderen Disziplinen zu schauen und noch innerhalb der Wissenschaft den Austausch zu pflegen. Und da sind bereits die Lerneffekte und Einsichten sehr ergiebig. Dann ist das Schauen hinter die nächste Mauer (zur Öffentlichkeit hin) noch mal ein nächster Schritt. Der im Alltag oft zu kurz kommt. Was ja auch die referierte, deutschlandweite Befragung deutlich macht.

    Der Beitrag ist für mich ein sehr interessanter Einblick “hinter die Kulissen”. Und stellt die viele Arbeit von Euch sehr gut vor. Großen Dank!

    • Lieben Dank für die Einschätzung zum Blogbeitrag! Insbesondere freut es uns natürlich, dass das Zitat gut ankommt – es beschreibt aus unserer Sicht die Situation schön und macht die Herausforderung plakativ.

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