Maurits Cornelis Escher und die Symmetrie der Kristalle

Am 17. Juni 1898 wurde Maurits Cornelis Escher in Leeuwarden, Friesland, geboren. Der niederländische Künstler und Grafiker wurde vor allem durch seine unmöglichen Bilder, die Darstellung von Objekten und Landschaften mit perspektivischen Unmöglichkeiten, berühmt. Bekannt sind aber auch seine Symmetrie-Zeichnungen. Escher war fasziniert von der Aufteilung des Raumes. Seine Symmetrie-Zeichnungen zeigen Figuren, wie Reptilien, Vögel, Fische und vieles mehr, ins Unendliche gespiegelt und jeden Winkel des verfügbaren Raumes füllend.

In seinen Landschaftsbildern tauchen immer wieder Kristalle auf, und es ist kein Zufall, dass die Symmetrie-Zeichnungen von Escher an Kristallgittern von Mineralien erinnern. Berend Escher (1885-1967), sein Halbbruder, war Professor der Geologie an der Universität Leiden. Er machte Maurits Cornelis Escher mit Publikationen zur Mineralogie und Kristallografie bekannt.

Spessartin-Granat aus der Shigar Valley, Pakistan. Granat gehört zur kubischen Kristallklasse, seine Kristalle können durch ineinandergreifende Würfel dargestellt werden.

M.C. Escher schreibt selber: “Da ist etwas Atemraubendes in den grundlegenden Gesetzten der Kristalle. Sie sind keine Entdeckung des menschlichen Geistes; Sie sind einfach da – Sie existieren unabhängig von uns. Das Einzige, dass der Mensch tun kann, ist sich Ihrer bewusst zu werden, … Lange bevor Menschen auf der Erde waren, wuchsen Kristalle bereits in der Kruste der Erde. Eines Tages fand ein menschliches Wesen diese glitzernden Beispiele für Ordnung auf den Boden, oder bei der Herstellung eines Steingeräts fiel ein Splitter vor seinen Füßen, er klaubte Ihn auf und hielt Ihn in seiner offenen Hand, und er staunte.“

Bereits der dänische Mediziner und Naturkundler Nicolas Steno (1638-1686) erwähnt, dass die Kristallflächen von Mineralien immer wieder in bestimmte Winkel zu liegen kommen. Aber erst der französische Mineraloge René-Just Haüy (1743-1822) erkennt eine geometrische Gesetzmäßigkeit. In seinem “Eassai d’une théorie sur las structures des crystaux” beschreibt er sieben Grundformen, aus deren Überlagerung alle anderen Kristallformen gebildet werden können.

Haüy entwickelt auch eine Theorie um zu erklären, wie Kristalle entstehen und wachsen. Die Grundeinheit eines jeden Kristalls ist eine Elementarzelle, die sich aus einer Gruppe von Atomen zusammensetzt. Die Elementarzellen ordnen sich wie Ziegelsteine in einem regelmäßigen Kristallgitter an, mit jeder Elementarzelle, die dazu kommt, wächst der Kristall.

Es ist dieses Modell das Eschers Arbeit entscheidend vorantreibt. Durch die symmetrische und unendliche Vervielfältigung von einer einzelnen, mikroskopisch kleinen Elementarzelle können auch große Kristalle, mit ihrer typischen Kristallform, gebildet werden. Escher wendet dieses Prinzip in seinen Zeichnungen an. Und so entstanden – kristallographisch gebildet und künstlerisch vollendet – eine Vielzahl lückenloser, sich periodisch und unendlich wiederholende Muster aus fantasievollen Figuren.

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

3 Kommentare

  1. Das ist pure Poesie
    “Da ist etwas Atemraubendes in den grundlegenden Gesetzten der Kristalle. Sie sind keine Entdeckung des menschlichen Geistes; Sie sind einfach da – Sie existieren unabhängig von uns. ”

    Wer einmal ein Riesenkristall in Hand gehalten hat, der bleibt immer beeindruckt von ihrer Schönheit. Sie haben etwas Übermenschliches an sich.

  2. Danke für den Artikel, der hat mich sogleich zum stöbern in alten Büchern angeregt.

    Eine Bemerkung möchte ich hinzufügen, auch wenn sie sich nicht auf Kristalle und deren Struktur bezieht.

    Symmetrie-Zeichnungen

    M.C. Escher hat viel mit Lithografien und Holzschnitten gearbeitet. Die meisten Arbeiten, die wir von ihm kennen, sind demnach nicht ‘nur’ zweidimensionale Zeichnungen. Solche dienten ihm meistens nur als Studien und Skizzen für das eigentliche Werk.

    Dann möchte ich noch zwei Bilder von Escher hinzufügen.

    Ordnung und Chaos, was schon eher zum Thema passt, zumindest dem Titel nach (obwohl, wie ich gerade lernen musste, Dodekaeder keine Rolle bei Kristallen spielen), und Kubische Raumaufteilung.

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