Planet der Wälder

Die globalen Urwälder sind gefährdeter als jemals zuvor. Die hohe Nachfrage nach Holz führt zu einem beispiellosen Kahlschlag, der bisher 80 Prozent der ursprünglichen globalen Waldfläche verschlungen hat. Mit den Urwäldern verschwinden gleichzeitig viele Arten, die ihren Lebensraum verlieren. Markus Mauthe, der als freischaffender Fotograph für Greenpeace tätig ist, lud am vergangenen Mittwoch in Hannover zu einer Reise in die letzten Urwälder der Erde ein. Seine Multimediashow orientierte sich an seinem Buch „Planet der Wälder – Die grünen Paradiese dieser Erde“.

Der Wald als Lebensraum
Die Urwälder sind wichtige globale Ökosysteme und bieten unzähligen Arten Lebensraum. Schätzungen zufolge leben fast zwei Drittel aller Landlebewesen alleine in den tropischen Regenwäldern Südamerikas, Afrikas und Asiens. Zusätzlich zur Lebensraumfunktion regulieren die Urwälder durch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit das regionale Klima, bremsen Winde und mildern somit extreme Hitze, Frost und Trockenheit. Doch diese einzigartigen Ökosysteme sind stark gefährdet. Jährlich verschwinden Flächen, die der Österreichs entsprechen. Von den Urwäldern, die sich nach dem Ende der letzten Eiszeit gebildet hatten, ist nur noch ein Fünftel übriggeblieben. Der Mensch dringt auf der Suche nach Rohstoffen und neuem Ackerland immer weiter in die Urwälder vor und verändert oder zerstört diese unwiderruflich. Doch trotz weltweiter Schutzbemühungen durch NGO`s oder Regierungen schrumpfen die einzigartigen Ökosysteme zunehmend. Schuld ist der wachsende Holzbedarf der Industrie- und Schwellenländer, die den Rohstoff für Papier, Baumaterialien, Möbeln und zur Verbrennung benötigen. Da es weltweit keine allgemein akzeptierten Schutzabkommen gibt, roden internationale Holzkonzerne weiterhin ungebremst. Verschuldung, Korruption und Armut in den Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas tragen dazu bei, dass keine Schutzmaßnahmen getroffen werden. Denn auch Industrieländer wie Kanada sind sehr zögerlich, wenn es um den Schutz der einheimischen Wälder geht.

Die sieben großen Urwälder (leider auch die letzten)

Markus Mauthes Reise führte ihn in den letzten Jahren in die letzten sieben naturbelassenen Urwälder dieser Erde. Klassifizieren lassen sich diese in tropischen und gemäßigten Regenwälder sowie in boreale Nadelwälder. Diese Wälder befinden sich in Kanada, Brasilien, Chile, im Kongobecken, in Finnland, Sibirien und auf Borneo. Alle diese Wälder sind stark gefährdet und Ihre Fläche reduziert sich dramatisch. Ein Verschwinden dieser Ökosysteme wird schwerwiegende Konsequenzen für die Artenvielfalt aber auch für den Menschen haben. In Mauthes Weltreise möchte ich ihn hier in zwei Urwaldarten begleiten; in die borealen Nadelwälder und in die tropischen Regenwälder.

Die borealen Nadelwälder erstrecken sich in den polaren Breiten Europas, Asiens und Nordamerikas. Sie bilden zusammen das größte zusammenhängende Ökosystem der Erde. Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung dieser Wälder hat das saisonale Auftauen des Permafrostbodens und der obersten Bodenschichten während der Wärmeperioden. Durch diese Prozesse haben sich eine Vielzahl an eindrucksvoller Fauna und Flora herausgebildet. Durch kurze Vegetationsperioden von maximal 6 Monaten ist das Pflanzenwachstum stark reduziert. Zerstörte Regionen regenerieren sich erst nach mehreren Jahrzehnten. Wölfe und Bären durchströmen die Fichten-, Lärchen- und Tannenwälder, die auch vielen Vogelarten einen Lebensraum bieten.
Zusätzlich zum Lebensraum, üben diese – noch – riesigen Waldflächen eine besondere Funktion aus. Die meterdicken Streu- und Humusschichten sind gewaltige Senken und Speicher für Kohlendioxid. Weichen diese Wälder, so wird das eingeschlossene Kohlendioxid freigesetzt. Zusätzlich befinden sich riesige Moore in der borealen Zone und damit 40% aller Torflagerstätten der Welt. Doch genau dieser Ressourcenreichtum wird diesen Wäldern nun zum Verhängnis. Die Förderung von Erdgas, Kohle und Erdöl hat bereits weite Flächen des borealen Nadelwaldes geöffnet und somit stark geschädigt.  Es wird angenommen, dass bereits große Waldflächen Ostsibiriens mittlerweile verschwunden sind.

Der tropische Regenwald im Amazonas ist der größte noch intakte Regenwald der Erde. Hier herrscht die wohl größte Artenvielfalt des Planeten. Wie oben bereits erwähnt, wird vermutet, dass fast zwei Drittel aller Landlebewesen in den tropischen Regenwäldern ihren Lebensraum haben. Eine Rodung hat hier dramatische Auswirkungen. Im Amazonas wurde bisher eine Fläche in der Größe Frankreichs entwaldet. Obwohl die noch vorhandenen Waldflächen immer noch so groß wie Westeuropa sind, ist mit deren Verlust in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen. Die größte Gefahr für diese Wälder ist die Erschließung durch Straßen und anderen Infrastruktureinrichtungen. Nach der Errichtung dieser ist ein Rückzug der Wälder kaum noch zu verhindern, da im Gefolge der Holzkonzerne Landwirte den Wald für die Viehwirtschaft und den Anbau von Biomasse für den boomenden Biosprit roden. Für die brasilianische Wirtschaft hat sich der Biosprit als überaus lukratives Exportgut entwickelt, die brasilianische Regierung ist daher sehr daran interessiert, diesen Wirtschaftszweig weiter auszubauen. Für den strukturschwachen Westen des Landes sind bereits große Infrastrukturprojekte in Planung, die zur Folge haben, dass weiterer Urwald verschwindet.
Auch in den tropischen Regenwäldern Afrikas und Asiens, sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Der Regenwald Indonesiens muss gewaltigen Palmölplantagen weichen. In Indonesien und Papua-Neuguinea sind bereits fast zwei Drittel des ursprünglichen Regenwaldes zerstört. Die Artenvielfalt in den Monokulturen steht im krassen Gegensatz zu der im Regenwald. Dennoch wird auch hier der Anbau weiter gefördert, da Palmöl, als wichtiger Bestandteil von Margarine, eine der wenigen Devisenquellen der krisengeschüttelten indonesischen Wirtschaft ist. Bei anhaltender Rodung wird der auf Borneo einheimische Orang-Utan aller Wahrscheinlichkeit nach in wenigen Jahren kein natürliches Rückzugsgebiet mehr finden.

Die oben beschriebenen Entwicklungen, sind, laut Mauthe, global zu beobachten. Die Nachfrage nach billigem Holz und Rohstoffen fördert die zunehmende Abholzung dieser wertvollen Ökosysteme. Bisher fehlen globale Anreize, die Urwälder nachhaltig zu schützen. Laut Mauthe ist ein vernünftiger Umgang und Schutz der Urwälder erst möglich, wenn der Handel mit Tropenhölzern durch Nutzhölzer ersetzt und verstärkt auf Papierrecycling gesetzt wird.
Der sehr engagierte Vortrag von Markus Mauthe ist noch in an folgenden Orten in den nächsten Monaten zu sehen (hier pdf 17,6kb).

Foto: www.pixelio.de

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gerade eben habe ich noch einen interessanten Artikel bei Planetsave.com zu diesem Thema gefunden. Demnach ist die Viehwirtschaft für 80% des derzeitigen Urwaldschwundes im Amazonas verantwortlich ist.

    Link: http://planetsave.com/…s-from-cattle-ranching-2/

  2. Gier frißt Hirn und auch unsere Wälder

    Maßlosigkeit ist ein massives Übel unserer Zeit und Gier frißt wieder mal Hirn. Ich stelle mir gerade mal vor, wie es den Menschen, die das zu verantworten haben, ginge, wenn wir in Ihrem Körper solchen Raubbau betrieben lediglich um uns zu bereichern. Leider fehlt es vielen Menschen hier an Bewußt-Sein, was sie als Konsumenten da anrichten.

  3. Man darf aber nicht vergessen, dass die Abholzung aufgrund von Armut geschieht. Eine sinnvolle Entwicklungshilfe kann einen Beitrag zum Schutz der Wälder leisten.
    Aber so lange das entwicklungspolitische Paradigma bedeutet, dass die Exportwirtschaft gefördert wird, sehe ich für den Schutz der Urwälder schwarz.

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