Chinesische Medien

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In den deutschen Medien wird ja viel über die chinesischen Zensurversuche geschrieben und diskutiert, besonders jetzt da die chinesiche Regierung alles versucht um die Anonymität des Mediums mittels ID Registrierung in Internetforen und Filtersoftware zurückzudrängen. Doch wie sieht die subjektive Mediennutzung nun wirklich aus? In den letzten Wochen habe ich einen genaueren Blick gewagt.

 

Internet

Um es vorweg zu sagen, die westlichen Einschätzungen bezüglich der Internetnutzung treffen zu. Wichtige Internetseiten des Web 2.0 wie Facebook, Twitter, youtube etc. sind aus China nicht erreichbar. Weder aus dem Internetcaffe noch von einem privaten Anschluss. Wenn ich diese Seiten aufrufe, erscheint nur die normale Fehlermeldung, dass diese Webseite nicht existiert. Web 2.0 Seiten der zweiten Reihe wie z.B. die deutsche Facebook Kopie studivz und einige Videoseiten sind allerdings in vollem Umfang erreichbar. Die chinesische Webseite youku.com hat in etwa ähnliche Inhalte wie youtube. Ich habe dort auch Berichte über die Unruhen aus Xinjiang Ende Juli und Berichte über den Iran gefunden. Mehr kann ich über die interne Filterung dieser Seite nicht sagen. Es scheint aber so, als wäre die Seite frei, oder die Zensurabteilung ist nicht besonders schnell.

Die großen Blogportale wie blogspot, blogger oder auch einige wordpress Seiten sind auch nicht zu erreichen; myspace hingegen schon. Wissenslogs ist auch frei zugänglich, obwohl wir ja schon recht kritisch sind.

Die große chinesische Firewall sperrt jedoch nicht nur Webseiten vollkommen aus, sie ist auch in der Lage Inhalte abgestuft zu sperren. So war ich zunächst sehr verwundert, dass wikipedia erreichbar ist. In vollem Umfang? Leider nein. Bei den Suchbegriffen Tianmen Protest, Dalai Lama und Xinjiang Protest erhielt ich hingegen die Meldung, dass die angeforderte Seite nicht erreichbar ist. Die Filterrung scheint auf der deutschen Seite  von wikipedia jedoch nicht so gut zu funktionieren, wie auf der englischen. Aber da ist englisch für China auch wichtiger, da ja nur eine kleine Minderheit der Chinesen deutsch spricht. Zusätzlich sind einige China kritische Blogs gesperrt. Einen vollen Überblick habe ich da aber nicht.  Ob die Firewall auch sämtliche Pornoinhalte herausfiltert, wie von der chinesischen Presse gelobt, weiss ich nicht, da ich es nicht ausprobiert habe. Schliesslich steht alleine der Versuch in China schon unter Strafe.   Freiwillige können das in China gerne ausprobieren.

Nun zu den großen internationalen Newsseiten wie BBC, New York Times oder auch Spiegel Online. Sie alle funtkionieren in vollem Umfang. Ich bin auch sehr froh, dass ich hier die Tagesschau übers Internet ansehen kann. Mir ist soweit auch noch nicht aufgefallen, dass internationale Medienseiten gefiltert werden. Da meine Mediennutzung aber beschränkt ist, kann ich kein abschließendes Urteil fällen.

Für englisch sprechende Chinesen ist es also möglich sich internationalen Medien zu bedienen. Dies hat mich dann doch ein wenig überrascht. Diese Eindrücke sind allerdings nur subjektiv und gelten nur für den Internetzugang in Guangzhou. Wie es im Rest Chinas aussieht, kann ich nicht sagen. Darüberhinaus spreche ich auch nicht ausreichend chinesisch, um über die Filterung von chinesischen Seiten zu berichten.

 

Tageszeitungen

Seitdem ich hier in Guangzhou bin verfolge ich auch die englischsprachigen Tageszeitungen, die hier erscheinen. Leider stehen mir da nur zwei Zeitungen zur Verfügung; zum einen die Global Times und China Daily. Ansonsten sind die restlichen Tageszeitungen auf chinesisch. Über die kann ich also kein Urteil fällen.

Die Global Times erscheint direkt unter der Schirmherrschaft der kommunistischen Partei Chinas. Also ist keine unabhängige Nachrichtenquelle. Aber dennoch lässt sich viel über diese schreiben. Nicht überraschend ist, dass die chinesische Politik in beiden Zeitungen sehr positiv bewertet wird. Teilweise sind es richtige Jubelberichte. Besonders deutlich wurde dies in der Berichterstattung über die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi im August, währenddessen die Haltung der chinesischen Regierung hoch gelobt wurde. In den Berichten über das Urteil gegen die Friedensnobelpreisträgerin waren keine kritischen Töne zu vernehmen. Im Vergleich zur westlichen Berichterstattung bekam ich den Eindruck über zwei unterschiedliche Vorfälle zu lesen. Die offizielle Haltung der chinesischen Regierung, man mische sich nicht in die Angelegenheiten anderer Länder, wurde strikt eingehalten und so auch in den Zeitungen wiedergegeben. Allerdings, und das hat mich dann doch überrascht, erschien am 14. August in der Global Times ein kurzer Artikel über die westliche Berichterstattung. Bemerkenswert war folgendes Zitat:

 

„China, as it always acted, will not interfere in other country`s internal affairs“, Yue [Yue Deming, a researcher on Myanmar at the China Institut of Contemporry International Relations] said. „As far as I see it, China will convey the message of peace and democracy to Myanmar authorities, which will not listen to us, as it hasn’t in the past.“

Das Wort „democracy“ und das Eingeständnis, dass China eh keinen Einfluss auf die Regierung in Myanmar hat, verwunderte mich dann aber doch.

Besonders beim Lesen der Global Times und China Daily fällt auf, dass ein kritischer, unabhängiger Journalismus, in meinen Augen, in China nicht gegeben ist. Aber meine Beispiele sind auch nicht repräsentativ, da ich ja nur die einzigen englischen Publikationen lesen kann, die mir zur Verfügung stehen. Daher bin ich froh, dass das chinesische Internet doch so offen ist, dass ich den Zugriff auf internationale Medien habe.

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

4 Kommentare

  1. Registrierung in Internetforen

    Die neue Verordnung der chinesischen Regierung zur Registrierung in Internetforen sieht vor, dass man sich mit Personalausweis ID registrieren muss. So soll es nicht mehr möglich sein, anonyme Kommentare zu verfassen. Hintergrund ist ein nationalistischer Foreneintrag im August. Dort hat ein chinesischer User die indische Politik bezüglich der Grenzpolitik der beiden Länder stark kritisiert. Und aufgerufen, sich für einen Krieg mit Indien zu rüsten. Dies hatte in Indien zu einem Aufschrei der Empörung gesorgt und indische Nationalisten hatten ihrerseits zu einer Aufrüstung des Landes aufgerufen. Zusätzlich kam es noch zu einem Zwischenfall an den Grenzen der beiden Länder, bei dem auch Waffen zum Einsatz kamen. Ein chinesischer Minister ist darauf extra nach Neu Delhi gereist, um sich zu entschuldigen.
    Aus chinesischer Sicht war dieser ganze Vorfall ein starker Gesichtsverlust gegenüber dem Ausland. Ob man dafür nun das Internet weiter zensieren muss und freie anonyme Meinungsäußerung zurückdrängt, sei dahin gestellt.

  2. Chinesische Internet Regularien

    Ich habe zu dem Thema noch einen interessanten Artikel gefunden, der die Thematik noch etwas genauer beleuchtet. Allerdings sind bei der Auflistung der gesperrten Internetseiten einige Fehler. Die chinesische Wikipedia Seite sowie Flikr sind nicht gesperrt.

    Hier ist der Artikel:
    http://www.ngonlinenews.com/…ternet-regulations/

  3. “Ob die Firewall auch sämtliche Pornoinhalte herausfiltert, wie von der chinesischen Presse gelobt, weiss ich nicht, da ich es nicht ausprobiert habe. Schliesslich steht alleine der Versuch in China schon unter Strafe. Freiwillige können das in China gerne ausprobieren.”

    Naja, so wichtig ist das Thema nicht, daß man es unbedingt in Erfahrung bringen muß. 😉 Was wird denn für eine Strafe angedroht?

  4. Was ich so lese arbeitet die Filtertechnik gut. Aber ich denke, das betrifft eher die Seiten in chinesischer oder englischer Sprache. In Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch etc. wie soll das denn alles sachgerecht gefiltert werden? Wahrscheinlich hast Du deshalb einige Seiten erhalten, obwohl sie kritisch sind.

    Diese Entanonymisierung finde ich ja kraß. Für mich unvorstellbar. Aber wer weiß schon, wohin es mit unserem Internet hingeht.

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