Die großen Fragen: Welchen Weltfrieden wollen wir?

Wenn ich fünfzig Menschen frage, ob sie für den Weltfrieden sind, werden sie vermutlich alle mit „Ja“ antworten. Aber kaum jemand macht sich Gedanken über die Ausgestaltung und die möglichen Nebenwirkungen.

Sobald ein gesellschaftlicher Konsens zum Reflex wird, zur Selbstverständlichkeit, die jeder ohne nachzudenken unterstützt, sollte er hinterfragt werden. Ebenso wie etwa „Gesundheit“ oder „Gerechtigkeit“ ist der Begriff „Weltfrieden“ positiv besetzt, aber vollkommen abstrakt. Niemand ist dagegen, aber trotzdem werden Menschen krank, ist Ungerechtigkeit weit verbreitet und Krieg stets gegenwärtig. Vielleicht sind alle diese hohen moralischen Werte nichts weiter als ein unbedingt erstrebenswertes, aber zugleich unerreichbares Ziel, ein Fluchtpunkt am fernen Horizont.

Je entfernter ein Punkt ist, desto mehr Wege können dorthin führen. Also darf jeder für sich in Anspruch nehmen, dass sein Handeln irgendwann zum Weltfrieden führt.

Der Marxismus-Leninismus ging davon aus, dass es einen paradiesischen Endzustand gibt, den Kommunismus. Dort lebt jeder nach seinen Wünschen und arbeitet freiwillig für die Gemeinschaft nach seinen Fähigkeiten. Aber dazu müssen alle Staaten der Welt erst auf den richtigen Weg gebracht werden, notfalls mit Gewalt. Der Frieden als Ergebnis des Sieges über alle Gegner – das ist natürlich einfach. Die Argumentation lautet: „Sobald alle anerkannt haben, dass wir recht haben, und damit den Anspruch auf Weltregierung, wird es Frieden geben.“ Das ist allerdings keineswegs neu. Schon im Alten Testament predigte der Prophet Micha:

„Denn von Zion wird Belehrung ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Dann wird er zwischen vielen Völkern richten und mächtigen Völkerschaften Recht sprechen bis in weite Ferne. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzenspitzen zu Winzermessern.“ (Mi 4,2-3)

Oder anders ausgedrückt: Es wird Frieden herrschen, sobald die übrigen Völker den jüdischen Gott als einzigen Gott anerkannt haben. Ein von Gott eingesetzter gerechter König wird dann über die Welt herrschen. Ob das wohl auf friedlichem Wege zu erreichen ist? Vermutlich haben das schon Michas Zeitgenossen nicht recht geglaubt.

Zwanghaft friedlich

Darf man den Weltfrieden erzwingen? Wäre es dann nicht eher eine Unterwerfung? War der inneren Frieden des römischen Reichs, die Pax Romana, vielleicht nur ein Euphemismus, mit dem Römer die Ausplünderung ihrer Provinzen rechtfertigten? Dienten die schnurgeraden Römerstraßen der schnellen Verschiebung von Truppen zur Erhaltung eines imperialen Friedens oder sollten sie den Handel fördern, der allen zugute kam (bürgerlicher Frieden)?

Ich denke mal, die meisten Menschen in Deutschland stellen sich vor, dass der Weltfrieden die Idealvorstellung von der hier herrschenden Ordnung auf die Welt ausdehnt. Im Weltfrieden gibt es genug Arbeit für alle, die Polizisten sind freundlich und unbestechlich, Richter fällen gerechte Urteile und Politiker arbeiten uneigennützig für ihre Wähler. Ein solcher Frieden wäre dann ausschließlich bürgerlich. Gleichzeitig wäre er auch noch vollständig gerecht. Ist es aber realistisch anzunehmen, dass eine gleichzeitig friedliche und durchweg gerechte Welt erreichbar ist?

Wie sollte man mit Herrschern oder Staaten verfahren, die an vergangene Großmachtzeiten anknüpfen wollen und vermeintlich oder tatsächlich verlorene Gebiete zurückerobern wollen, ganz gleich, ob die Bewohner das richtig finden? Oder die, wie z. B. in der Antike üblich, Überfälle auf Nachbarn als legitime Methode der Bereicherung ansehen? Gäbe es gegen sie einen gerechten Krieg? Dann müsste man Gerechtigkeit gegen Frieden abwägen.

Frieden für alle

Das führt zur entscheidenden Frage: Ist es möglich, Frieden zu halten, wenn nicht alle und wirklich alle Staaten mitmachen? Wäre es gerechtfertigt, die UNO mit dem Mandat der Friedenserzwingung auszustatten? Bisher finden UNO-Friedensmissionen immer dort statt, wo keine Großmachtinteressen direkt berührt sind, weil der UN-Sicherheitsrat den Einsatz genehmigen muss. Die Blauhelmsoldaten dürfen nur einrücken, wenn das betroffene and ausdrücklich seine Zustimmung erklärt hat. Weiterhin sind sie zu strikter Neutralität verpflichtet, und dürfen nur sehr begrenzt Gewalt anwenden. Wie die vielen Kriege der vergangenen Jahre gezeigt haben, reicht das oft aber nicht.

Nur: möchten wir wirklich der UNO das Recht einräumen, gegen den Willen eines Staates einzugreifen? Könnte dieses Recht nicht missbraucht werden? Darf es für den Frieden der Welt eine höchste Instanz geben, die ihrerseits nicht mehr kontrolliert werden kann?

Fünf Optionen

Nach diesen Überlegungen möchte ich fünf Optionen zur Diskussion stellen. Sie geben unterschiedlich rigorose Wege zur Erlangung des Weltfriedens wieder.

  1. Kriege und Eroberungen sind grundsätzlich erlaubt und legitim. Weltfrieden ist kein Thema. Allerdings muss sich jeder Staat überlegen, ob er sich einen Krieg leisten will. Schließlich hätten alle anderen das Recht, sich einzumischen. Nicht erlaubt sind Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung, sowie der Einsatz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen. Die Haager Landkriegsordnung behält Gültigkeit.
  2. Nur Verteidigungskriege oder bewaffnete Aufstände gegen repressive Regime sind erlaubt (gerechter Krieg). Alles übrige ist verboten. Für Friedenseinsätze der UNO gelten die heutigen Regeln. Nicht erlaubt sind Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung, sowie der Einsatz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen. Die Haager Landkriegsordnung behält Gültigkeit und darf notfalls von der Völkergemeinschaft durchgesetzt werden.
  3. Weltfrieden ist die Regel. Es sind nur territoriale Bürgerarmeen erlaubt, entweder auf freiwilliger Basis oder auf der Basis einer Wehrpflicht. Ein stehendes Heer ist verboten. Die Waffenproduktion wird begrenzt. Massenvernichtungswaffen und Landminen sind geächtet.
  4. Weltfrieden ist Pflicht. Gewalt ist illegitim, auch gegen repressive Regime. Die UNO (oder eine Nachfolgeorganisation) erhält das Recht, Frieden auch gegen den Willen der Beteiligten durchzusetzen. Herstellung und Verteilung von Kriegswaffen werden streng reglementiert.
  5. Frieden wird auf allen Ebenen rigoros durchgesetzt. Der Schutz der Menschen gegen individuelle oder organisierte Gewalt bekommt absoluten Vorrang, dafür dürfen Bürgerrechte eingeschränkt werden. Ständige Überwachung ist erlaubt. Die Herstellung, der Besitz und die Benutzung von Kriegswaffen ist verboten. Gewalttaten, ihre Vorbereitung oder die Verabredung dazu werden streng verfolgt.

Kriege fordern einen hohen Preis, aber auch den Weltfrieden wird es nicht umsonst geben.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Micha – im AT war es durchweg konsens, das die Vernunft auch mit Gewalt erlangt werden sollte, im Sinne des jüdischen “Gottes DER Vorsehung”!

    Aber für Christen gilt es die Vernunft im Vorbild des Christus FRIEDLICH und ohne IRDISCHEN Machtanspruch umzusetzen!!!

    Wenn GRUNDSÄTZLICH alles allen gehört, so dass die Symptomatik von “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” des nun “freiheitlichen” Wettbewerb keine Macht mehr hat, kann alles PRINZIPIELL von und für Gemeinwesen OHNE … organisiert werden – der menschenwürdigen Freiheit und der tatsächlichen Demokratie wirklich-wahrhaftig entsprechend.

  2. Eine Pax Romana ist auch heute noch das höchste was wir erreichen können. Ein solcher Frieden wird von einer starken Macht garantiert, welche alle lokalen Konflikte in ihrem Inneren unter Kontrolle hält und die nur an ihren Aussgengrenzen in Konflikt mit anderen Parteien geraten kann. Die USA leben auf ihrem Staatsgebiet schon lange in einer solchen Situation – einer Pax Romana. Auch die Europäer neuerdings. Und später einmal wird ein grosser Teil der Welt unter Kontrolle der Chinesen stehen. Nur noch Länder und Gebiete ausserhalb oder zwischen diesen Grossterritorien werden noch echte Kriege führen oder werden Kriegsschauplätze der Grossen sein. Da es aber in naher Zukunft anders als zur Zeit Roms nicht nur eine Grossmacht, sondern mehrere gibt, nämlich die USA, China, undEuropa, eventuell noch Russland, besteht die Gefahr eines Grosskonflikts zwischen diesen Grossmächten. Dass daraus ein veritabler Krieg wird ist aber unwahrscheinlich. Vielmehr ist eine ähnliche Situation wie im kalten Krieg zu rechnen, nur halt mit mehr als nur 2 Parteien.

  3. Die grösste Gefahr für die Zukunft der Zivilisation werden bald schon nicht mehr Kriege, sondern es werden Angriffe gegen die ganze Menschheit sein – ausgeführt von einzelnen Terroristen, beispielsweise von Forschern, die immer raffineriertere, immer tödlichere, immer infektiösere Viren in die Umwelt entlassen werden. Denn es genügt bereits die Fähigkeit dazu, damit so etwas auch passiert. Wenn tausende von Forschern dazu in der Lage sind, dann wird es mindestens einen geben, der genau das macht. Solche Angriffe gegen die ganze Menschheit werden uns wohl in naher Zukunft immer mehr beschäftigen.
    Ein anderes Problem ist die gerade jetzt wieder sattfindende Proliferation von Atomwaffen. Atomwaffen sind das allerletzte Verteidigungsmittel, sie werden eingesetzt, wenn ein Staat oder Regime andernfalls fallen würde. Je mehr kleine Staaten mit solchen Waffen es gibt, desto wahrscheinlicher wird aber, dass genau die Situation eintrifft, für die Atomwaffen geschafffen wurden. Das Risiko nimmt also überproportional zu, wenn immer mehr auch kleine Staaten über diese Waffen verfügen. Dumm nur, dass mit jedem Staat, der zur Atommacht wird, der Appetit anderer Staaten, das gleiche zu erreichen, zunimmt. Dass Nordkorea nun ein Atomwaffenstaat ist wird beispielsweise Irans Anstrengungen in diese Richtung beflügeln.

  4. Für Menschen im Inneren von befriedeten Zonen wie den USA, Europa, China oder Russland stellt sich vor allem die Frage der Einmischung in Kriege. Russland hat diese Frage beantwortet: Ja, es mischt sich nun in Kriege ein, wie das die USA schon lange tun, um wieder eine Art Grossmacht zu werden und um im Einsatzgebiet russische Einflussbereiche zu schaffen. Die USA stehen dagegen vor der Frage, ob sich Einmischung überhaupt lohnt, denn die jüngsten Konflikte, in die sich die USA eingemischt haben wie Irak oder Afghanistan haben nicht zum Sieg oder zur Stabilisierung geführt. Und Europa steht vor der Frage, ob es sich auch in Zukunft aus allem raushalten kann, auch aus Konflikten an der unmittelbaren europäischen Grenze. In Europa gibt es sogar noch die Situation, dass Frankreich einen Krieg führen kann, das übrige Europa aber nur zuschaut. Mit anderen Worten: Europa ist noch kein solcher geschlossener Block wie es die USA, China oder Russland sind.

  5. Was ich hier hauptsächlich immer wieder sehe: Das Bewusstsein der Menschen der westlichen Welt ist vom kapitulativem Schwarzsehen bestimmt – weil ihnen die imperialistisch-wettbewerbsbedingte Systemrationalität als SCHEINBAR UNABÄNDERLICHE Realität von klein auf konfusioniert-unwahrheitlich eingetrichtert wird!!! 😎

  6. Die oben aufgeführten Optionen für die internationale Behandlung von Kriegen machen als Regelungen nur im Rahmen der UNO, jedenfalls eines international bindenden Vertrags einen Sinn. Doch heute kann wohl nicht einmal die UNO allgemeingültige Regeln für die Kriegsführung durchsetzen und sicher nicht Regeln, die über die bestehenden Konventionen (z.B. Genfer Konvention, Haager Landkriegsordnung ) hinausgehen. Wichtiger als die UNO sind in meinen Augen die grossen Machtblöcke. Innerhalb dieser Machtblöcke, also innerhalb den USA, Europa, China, Russland, Indien gibt es schon heute keinen Krieg, weil die Regierungen dieser Blöcke Bürgerkrieg effektiv verunmöglichen, da sie in ihrem Territorium sehr präsent sind. Aber auch von aussen werden diese Machtblöcke kaum direkt angegriffen, weil sie zu gross sind für einen Krieg, der überhaupt einen Gewinn für irgend eine Seite versprechen könnte. Es bleiben die Kriege in Krisengebieten. Diese liegen heute vorwiegend in islamischen und afrikanischen Ländern und an den Rändern gewisser grosser Blöcke (z.B. Russland) und es gibt keine Anzeichen, dass die bestehenden Krisengebiete schon bald zur Ruhe kommen.

  7. De facto haben wir ja schon den Weltpolizisten in der Form der USA. Der wird geduldet auch von den Russen und von China. Die Provokation von Nordkorea wurde von den USA unterdrückt und die anderen haben zugestimmt.
    Also, Weltfrieden muss Pflicht werden und bleiben. Anders wird die Welt nicht überleben.

  8. “Sobald ein gesellschaftlicher Konsens zum Reflex wird, zur Selbstverständlichkeit, die jeder ohne nachzudenken unterstützt, sollte er hinterfragt werden. ”

    Volltreffer.

    Punkt 2 ist der einzig realistische, alle anderen sind zu rigoristisch und würden schnell selbst zu den schlimmsten Ursachen neuer Kriege.
    Im Namen des vermeintlich Guten wurden schon immer die schlimmsten Verbrechen verübt.
    Künftige Friedenssicherung geht wohl nur so, daß die UN als Weltpolizei etabliert wird, sodaß ein Teil der heutigen “Auslandseinsätze” als Polizeiaktionen begriffen werden und nicht als Angriffskriege.
    Also wie bei der innerstaatlichen Kriminalitätsbekämpfung, wo gezielte und legitimierte Gewalt ausgeübt werden muß, um inneren Frieden zu erreichen.
    Eine Abwesenheit von jeglicher Gewalt darf hingegen in das Reich der Träume verwiesen werden, es gibt nur einen vernünftigen Umgang mit Gewalt.

    Wohlstandsromantischen Blütenträumen sollte mit äußerster Vorsicht begegnet werden.
    Wenn jetzt etwa die Abschaffung aller Atomwaffen gefordert und preisgekrönt wird, sei darauf hingewiesen, daß das Wissen um deren Bau damit nicht aus der Welt wäre.
    Bis auf weiteres könnte die A-Bombe sogar ein veritabler Friedenssicherer sein.

    • Richtig, selbst wenn alle Atomwaffen auseinandergenommen und verschrottet würden, könnte man jederzeit neue bauen. Allerdings ist es um die Stabilität einer Welt, in der viele Staaten (z.Z. wohl 9-10) Atomwaffen horten, nicht gut bestellt.
      Der Physiker und Philosoph Carl-Friedrich von Weizsäcker hat schon 1972 unter dem Titel „Kriegsfolgen und Kriegsverhütung“ eine Studie zum Thema Atomkrieg herausgegeben. Darin listete die erschreckenden Folgen eines Atomkriegs in Deutschland auf und untersuchte, auf welche Weise die gegenseitige Abschreckung einen Atomkrieg verhindern könnte. Bei zwei Parteien (z.B. USA und Sowjetunion) lässt sich das mithilfe der Spieltheorie einigermaßen modellieren. Bei drei und mehr Parteien gibt es aber so viele Szenarien, dass eine Modellierung unmöglich wird. Die heutige multipolare Welt der Atommächte ist deshalb inhärent instabil; früher oder später muss man mit einem Atomkrieg rechnen.

  9. Kriege fordern einen hohen Preis, aber auch den Weltfrieden wird es nicht umsonst geben.

    Den partiellen Weltfrieden gibt es sozusagen umsonst :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Frieden

    Darf es für den Frieden der Welt eine höchste Instanz geben, die ihrerseits nicht mehr kontrolliert werden kann?

    Jein, die Kompetitivität der Welt (besser : der Erde, solange nicht extra-terrestrisch gesiedelt wurde), darf nicht durch etwas ‘kontrolliert werden’, das nicht mehr ‘kontrolliert’ werden kann.
    Die dbzgl. gemeinte Rekursion ist hier bemerkt und dbzgl. abgelegt worden.

    Ein terrestrischer demokratischer Frieden geht aber, als Denkmöglichkeit und in praxi.

    Die Demokratie funktioniert, sie ist teils auch wenig günstig ausgebaut worden, bspw. ist in weitgehend analphabetisierter Umgebung kein sogenanntes Nation Building denkbar, wie auch unter Kannibalen nicht, George W. Bush wies insofern “nur” ein besonderes anthropologische Unvermögen auf, allerdings wäre eben eine weltweite (aufklärerische) Demokratie denkbar und somit möglich.

    Wobei diese aber nie in einen Zentralstaat hinaus laufen darf, den dann würde sie global Stagnation bedeuten.
    Konflikt muss also in jedem Fall möglich sein, am besten eben in demokratisch angelegter Sicht.
    Wobei Demokratie vielfältig ausgelegt bleiben kann, sofern es eben nicht in Richtung Kollektivismus geht.


    Ansonsten, weil es ja dbzgl. in Europa und insbesondere bei einladenden Nationen eine Krise gibt :
    Das I-Wort darf ausgesprochen werden.
    Auch im Selbsterhaltungssinne.

    MFG + schönes Wochenende,
    Dr. Webbaer

  10. Solange es Atomwaffen gibt besteht die Gefahr, dass sie auch eingesetzt werden. Jeder Atomwaffenstaat hat Pläne für den Einsatz und die die Militärs über diese Einsätze. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass letztendlich die Vernunft einen Einsatz verhindert. Die Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass wir schon mehrmals sehr nahe an der atomaren Vernichtung waren. Die Gefahr ist nach wie vor nicht gebannt: Ein fehlerhafter Alarm, eine Lose-Lose-Situation in einem eskalierten Konflikt oder eine religiöse Gruppe, die sich an die Macht einer Atommacht geschmuggelt hat und sich berufen fühlt den Weltuntergang auszulösen können das Inferno auslösen.
    Ein Atomkrieg ist nur dann unmöglich, wenn alle Atomwaffen und die dazugehörigen Anlagen zum Bau vernichtet sind. Atomwaffen herzustellen, d.h. das Uranerz abzubauen und aufzubereiten bis hin zum Bau der Bombe ist so aufwendig, dass nur Staaten oder große Unternehmen dazu das Potential haben. Das Wissen allein reicht nicht.
    Die Unterzeichnung des Atomwaffenverbots von 122 Staaten ist ein Anfang. Jetzt geht es darum, dass die Atommächte von der eigenen Bevölkerung gezwungen werden, diesem Verbot beizutreten und die im Atomwaffensperrvertrag geforderte atomare Abrüstung endlich umzusetzen. Fangen wir hier in Deutschland an, denn auch die Bundeswehr übt mit Tornados den Einsatz von Atomwaffen in Büchel und die Bundesregierung weigert sich das Atomwaffenverbot zu unterzeichnen.

  11. @Thomas Grüter
    @Klaus Stampfer

    Nicht vorhandene Atomwaffen könnten aber auch dazu führen, daß Kriege leichtfertiger begonnen werden. Gerade die “loselose-Situation”, die eine Seite massiv in Bedrängnis bringt, könnte dann dazu führen, daß wieder mit dem Bau begonnen wird, beginnend wahrscheinlich mit kleinen strategischen A-Waffen, Tendenz steigernd. Und das dann in einem heißen Krieg…

    Dennoch ist es richtig, daß die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs immer mehr steigt, je mehr Atommächte es gibt. Die größte Gefahr ist dabei wohl nicht so sehr das Versagen der Vernunft, die hat schon mehrfach gerade in Extremsituationen funktioniert, sowohl 1952/53, 1962 als auch bei den beiden Gefahrensituationen im Sommer/Herbst 1983.

    Die eigentliche Gefahr ist wohl der Atomkrieg aus Versehen, wie er 1983 beinahe passiert wäre. Gerade bei kleineren Staaten, die sehr nahe beieinander liegen, potenziert sich diese Gefahr noch, weil die Vorwarn- und damit die Entscheidungszeiten sehr viel kürzer sind und bestenfalls im Minutenbereich liegen. Da dann einen technischen Defekt zu erkennen, ist nicht wirklich was für schwache Nerven.

    Es gibt aber einen andere Hoffnung in dem Bereich- es gibt bislang kein einziges Land, das Atomwaffen hat und irgendwelche Vollirren an die Macht gebracht hat. Ich könnte mir vorstellen, daß es sowas wie einen disziplinierenden Effekt auf die Bevölkerungen in Nuklearmächten gibt, schließlich gefährdet das eigene Nuklearpotenziel nicht nur andere, sondern in besondere Weise die eigene Bevölkerung. Demokratischer Fortschritt durch die Bombe, wenn man es etwas zynisch sehen will.

    • Die eigentliche Gefahr ist wohl der Atomkrieg aus Versehen, wie er 1983 beinahe passiert wäre.

      Nope.
      Der hier gemeinte Einsatz von Massenvernichtungsmitteln könnte und wird anders erfolgen.

      Vgl. auch hiermit :
      -> https://en.wikipedia.org/wiki/1983_Soviet_nuclear_false_alarm_incident (in Russland gab es auch seinerzeit schon mit dem mittlerweile verstorbenen Stanislav Petrov viele Kräfte, die den (Welt-)Krieg explizit nicht gesucht haben. – Insofern war hier wie gemeint kriegerisch nichts möglich, die “Russians love their children too”, wie Sting seinerzeit gesungen hat, btw : bei der “Police” war er besser)

      Hier setzt es natürlich einen Minuspunkt :

      Es gibt aber einen andere Hoffnung in dem Bereich- es gibt bislang kein einziges Land, das Atomwaffen hat und irgendwelche Vollirren an die Macht gebracht hat.

      Denn der, wie einige finden, sehr rational handelnde Kim Jong-un ist im übertragenden Sinne der ‘Vollirre’, auch wenn er im Moment “nur” aufklärerische Gesellschaftssysteme zu erpressen denkt.

      Er ist insofern eine Ersatzhandlung für diejenigen, die nicht den Islam politisch derart bearbeiten wollen, der bereits auf Basis der ihm eigenen Apokalyptik nach Judenvernichtung, wie in der Folge nach weiterer Vernichtung sozusagen schreit.

      Der dbzgl. gemeinte Angriff auf Israel wird ganz anzunehmenderweise anders erfolgen, als der intellektuell-kognitiv sparsame Colin Powell wie hier geschildert meint :
      -> https://www.algemeiner.com/2016/09/15/the-boys-in-tehran-know-israel-has-200-nukes-pointed-at-them-says-former-secretary-of-state-colin-powell-in-leaked-email/

      Proliferation ist hier das Fachwort, der iranische und durch und durch islamisch fundamentalistische Staat wird dies anstreben, um beizeiten anzugreifen.
      Er wird sich bemühen, so selbst nicht als natürliches (“geborenes”) Ziel für Vergeltung bereit zu stehen.

      Ansonsten, der Einsatz von Massenvernichtungsmitteln wird auch alsbald in Europa wie gemeint inspiriert anstehen, wobei Maschinengewehre und automatische Waffen bereits Massenvernichtungsmittel sind, aber es wird bald in Europa noch “herber” angegriffen werden.

      MFG + schöne Woche noch,
      Dr. Webbaer

      • Kim Jong-Un ist nicht unberechenbar, mit Vollirren sind Machthaber gemeint, die auch vor der totalen Selbstvernichtung nicht zurückschrecken. Kim geht es um das Gegenteil, um Machterhalt.
        Theoretisch ist es allerdings nicht auszuschließen, daß eine alte Machtstruktur plötzlich zu Atomwaffen kommt und gefährlich wird, aber es gibt dann immer noch die Option, die Personen zu wechseln.
        Manchmal auch biologisch, der Tod Stalins etwa hat zu einer Entspannung des gefährlich eskalierenden Koreakonflikts geführt. Es ist eine spannende Frage, was passiert wäre, hätte Stalin der Welt diesen Gefallen nicht getan, eine ernsthafte Weltkriegsgefahr wäre tatsächlich ein ausreichender Anlaß, selbst einen wie Stalin zu kippen.

        • @DH: Wenn Kim Jong-Un Atomwaffen hat um nicht Nordkorea, sondern um sich selber zu verteidigen, bedeutet das, dass er die Atomwaffen ohne weiteres einsetzen kann, falls er zum Schluss kommt, dass sein Leben ohnehin zu Ende geht. Ausser er plane für einen Nachfolger, eine Nachfolgerin.
          Damit will ich nur zeigen, dass gar nicht so klar ist was “rationales” Handeln bedeutet. Mit “rational” meint man ja meistens “im eigenen Interesse” und das in Bezug auf die Zukunft. Wer aber keine Zukunft hat (weil er etwa eine tödliche Krankheit hat oder die Lust am Leben verloren hat), für den wird alles gleich rational, auch die Selbst- und Fremdzerstörung sind dann möglich ohne dass das eigene Interesse tangiert wird.

          • @Martin Holzherr
            Jein. Das mit der Krankheit ist nicht von der Hand zu weisen, aber dann bleibt immer noch das direkte Umfeld der Macht. Was machen die, die ja weiter leben wollen, wenn der Diktator durchknallt? Im kleineren Maßstab geb es solche Beispiele schon. Als es absehbar um ihr eigenes Leben ging, hat sich etwa ein großer Teil der NS-Spitze von Hitler abgewandt und sein Heil im Hochverrat gesucht, mit versuchten Verhandlungen mit dem Feind oder mit der Verweigerung von Befehlen.

  12. Ich kehre noch einmal zur Ausgangsfrage zurück: Welchen Weltfrieden wollen wir und dem ganz wesentlichen Punkt:

    Aber kaum jemand macht sich Gedanken über die Ausgestaltung und die möglichen Nebenwirkungen.

    “Kaum jemand” heißt aber auch, dass es doch Einige gibt, die sich diese Gedanken machen – weniger über die Nebenwirkungen, als vielmehr über die Ausgestaltung und Erreichbarkeit des Ziels.
    Ein solcher Gedanke ist: Weltfrieden bedeutet eine Welt ohne Kriege, wer aber kann Kriege führen? Ein einzelner Mensch kann vielleicht der Welt den Krieg erklären, aber einen Krieg führen kann er nicht. Auch eine größere Gruppe kann keine Kriege führen, sie kann Attentate und Terroranschläge verüben, sie kann Guerillakriege, also kleine Kriege führen. Aber wenn man Weltfrieden meint, dann geht es in der Regel um die Verhinderung großer Kriege – und die können von Völkern, von Nationalstaaten geführt werden, die in der Lage sind, eine Armee aufzustellen.
    Also wird der erste Schritt sein müssen, diese Nationalstaaten und ihre Grenzen aufzulösen, etwas, das man den Menschen, die zu diesen Nationalstaaten gehören, verklickern und schmackhaft machen muss. Dies geschieht bereits, Stichworte sind Vielfalt, Globalisierung, usw., was einhergehen muss mit der Abwertung von Begriffen wie Volk, Nation usw., die dazu in einen negativen Kontext eingebettet werden, um dem menschlichen Bedürfnis nach Identifikation entgegen zu wirken.
    Zu diesem ersten Schritt muss also hinzukommen, dem menschlichen Bedürfnis nach Identifikation, nach Zugehörigkeit entgegenzuwirken, indem man bisherige Bindungsstrukturen lockert und auflöst und die Gesellschaft transformiert, also für eine Durchmischung sorgt. Eine heterogene, um nicht zu sagen amorphe, Masse von Menschen tut sich nicht zusammen, um Kriege jeder gegen jeden zu führen. Übersehen wird dabei, dass sich auch in einer solchen All-Gesellschaft Strukturen herausbilden, die zur Bildung kleinerer Gemeinschaften, zur Bildung von Clans führen.
    Der Motor, der diese Bildung bewirkt, sind menschliche Gefühle wie Liebe und notwendige Voraussetzungen, um Frieden zu halten, wie Vertrauen. Das Vertrauen zu Menschen, die man liebt und von denen man geliebt wird, ist größer, als das Vertrauen zu Menschen, die man nicht kennt. Das Vertrauen zu Menschen, mit denen man Gemeinsamkeiten hat, ist größer, als das vertrauen, das man Menschen entgegen bringt, mit denen man nur wenig gemein hat. Der Hang zur Gruppenbildung ist universell und er wird sich auch nicht eliminieren lassen.
    Es ist daher unwahrscheinlich, dass der eingeschlagene Weg zu einer Auflösung von Grenzen und zu einer großen Transformation zum Weltfrieden führen wird. Wahrscheinlicher wäre da, dass er zum Tribalismus führt, zur Bildung von Stämmen bzw. Clans, die zwar keine Armee mehr aufstellen können, um große Kriege zu führen, die aber dem nahekommen, was Hobbes als Krieg jeder gegen jeden fürchtete, so dass es zu Kleinkriegen rund um den Globus kommt.
    In Anbetracht dessen, dass es aber Nationen gibt, die über Atomwaffen verfügen und die sich ihrer Auflösung als Nation entgegen stemmen werden, ist offen, in welche Art Katastrophe der eingeschlagene Weg führen wird. Nur, dass er in die Katastrophe führt, ist – so wie es aussieht – unausweichlich geworden.

  13. Hallo und guten Tag,

    mein Name ist Kaum Jemand :-). Nee doch, es machen sich eine Menge Leute Gedanken darüber. Aber das ist alles nicht so publik wie das ewigen Gegen. Es ist nicht so einfach mit dem Für. Das kommt schnell die Utopie ins Spiel. Ich versuche es trotzdem mal wieder, mit einer Petition. Allerdings nicht an einen bestimmten Politiker oder sonstigen Verantwortungsträger, sondern an grundsätzlich alle, die eine bessere Welt, also auch den Weltfrieden, wollen und sich dafür einsetzen.
    Werdet Mondialisten – Weltbürger für die politische Einigung der Menschheit!
    https://tinyurl.com/yaygm7wn

    Es geht dabei auch nicht darum, mittels dieser merkwürdigen Klick-Demokratie möglichst viele „Unterschriften“ zu sammeln. Vielmehr dient Change.org als Plattform mit großer Reichweite, auf der man viele Menschen ansprechen kann, die sich bereits für eine bessere Zukunft engagieren, aber noch keine konkrete Zielvorstellung haben. Die Mondialisten bieten dazu die Perspektive einer politisch geeinten Welt in der bewährten Form einer demokratischen Föderation.

    Mit den besten Grüßen
    Richard Maxheim

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