Klimaschutz, jetzt mal ernsthaft

Hat unsere Generation beim Klimaschutz versagt? Die Demonstrationen unter dem Motto „Friday for Future“ werfen uns das vor und viele Zeitungen stimmen zu. Aber ich möchte hier ganz deutlich dagegen halten: Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an.

Jeden Freitag demonstrierenden Schüler und Studenten für eine aktivere Klimapolitik. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, werfen der älteren Generation Versagen vor. In diesem Blog möchte ich ihre Argumente ausdrücklich aufnehmen und diskutieren. Ich bin jetzt 61 Jahre alt, aber ich weiß selber noch sehr gut, wie man sich als Schüler fühlt, wenn Erwachsene wohlwollend sagen, wie schön sie es finden, dass sich Kinder auch mit wichtigen Themen befassen – ohne dabei im geringsten auf Argumente und Thesen einzugehen. Dabei wollte ich meine Thesen doch diskutieren, mich an Gegenargumenten reiben und daraus lernen, um dann vielleicht einen Handlungsplan entwickeln.

Fangen wir also an: Hat die Generation der jetzt 40 bis 70-jährigen Europäer versagt? Hätten sie vor 30 Jahren die gefährliche Beschleunigung des Klimawandels vorhersehen und stoppen müssen? Und haben sie nicht eine weitgehend intakte Umwelt geerbt und binnen weniger Jahre rücksichtslos zerstört?

Fangen wir mit dem letzten Argument an:

Das Leben in Städten ist nicht unbedingt gesund – und war es auch nie. In den engen Gassen des Mittelalters stank es nach Schlamm und Fäkalien. Trinkwasser stammte aus zweifelhaften Brunnen neben den Sickergruben. In engen Innenhöfen wurden Schweine und Hühner gehalten. Krankheiten grassierten. Noch im Jahr 1896 starben in Hamburg mehr als 8000 Menschen bei einer schweren Cholera-Epidemie. Auf dem Land sah es nicht viel besser aus. Anfang des 19. Jahrhunderts war Deutschland fast komplett entwaldet (heute ist wieder ein Drittel der Fläche mit Wald bedeckt). Immerhin entstand bis etwa 1900 in den größeren Städten eine geregelte Wasserversorgung. Aber auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg grassierten Infektionskrankheiten in Deutschland, weil es nicht genügend Nahrungsmittel gab und selbst die Kohle zum Heizen zu knapp war. In den Fünfzigerjahren wollte niemand mehr hungern und frieren. Kohle war billig, sie sorgte in Wohnungen und Büros für wohlige Wärme. Die Lokomotiven fuhren mit Kohle, die Kraftwerke erzeugten Strom aus Kohle. Hätte man schon damals darauf verzichten können? Wohl kaum, andere Energieträger standen nicht zur Verfügung. Den Rauch und Gestank nahmen die Menschen in Kauf.

In den Sechzigerjahren eroberten Autos die Straßen und die im Zweiten Weltkrieg erschlossenen Ölreserven des Nahen Ostens machten Erdöl so billig, dass es Kohle als wichtigstes Heizmittel ablöste. Die damaligen Autos verbrauchten große Mengen Benzin, das mit dem giftigen Tetraethylblei als sogenanntes Antiklopfmittel versetzt war. Katalysatoren waren noch nicht erfunden. Aber das Auto war ein Statussymbol und zugleich ein Symbol von neu gewonnener Freiheit. Hätte man vielleicht Anfang der Siebzigerjahre den Autoboom bremsen sollen, ja müssen? Hätten die Deutschen beschließen müssen, dass sie, anders als die übrigen Europäer und die Nordamerikaner, lieber Zug und Fahrrad fahren, um der Welt eine Klimakatastrophe zu ersparen?

Fliegen ist schöner

Ab den Siebzigerjahren wurden Flüge für jedermann erschwinglich. Wer wollte, konnte in die USA fliegen, nach Rom, Athen oder Palma. Die Flugzeugtriebwerke spuckten schwarze Rauchwolken und kreischten unerträglich laut. Trotzdem vervielfachten sich die Passagierzahlen von 310 Millionen in Jahr 1970 auf 1674 Millionen im Jahr 2000. Nur zum Vergleich: Heute sind es ca. 4000 Millionen (Quelle: Weltbank). Niemand dachte vor fünfzig Jahren daran, den Luftverkehr schon im Ansatz zu beschränken.

Das heißt aber nicht, dass sich die Menschen nicht um eine saubere Umwelt bemüht hätten, im Gegenteil: im Jahr 1962 veröffentlichte die amerikanische Autorin Rachel Carson ihr weltberühmtes Buch „Der stumme Frühling“. Darin warnte sie vor den Gefahren des großflächigen Einsatzes von Pestiziden und stieß ein Umdenken an. Anfang der 1980er Jahre kochte in Deutschland die Diskussion um das Waldsterben hoch. Die Abgase von Heizungen, Kraftwerken und Industrieanlagen enthielten Schwefeldioxid und -trioxid. Mit dem Wasser in Luft verbanden sich die Gase zu Schwefelsäure. Der saure Regen ließ Bäume absterben, zerstörte Waldböden, Seen und Gebäude. In ganz Europa begannen sich die Menschen Sorgen um ihre Umwelt zu machen. Wir, die Generation der jetzt 40- bis 70-jährigen, haben sehr viel Dreck beseitigt, Kläranlagen gebaut, Filteranlagen für Kraftwerke entwickelt, Katalysatoren für Autos vorgeschrieben, die Nutzung von gefährlichen Pestiziden eingeschränkt, die Überdüngung von Flüssen und Bächen zurückgedrängt. Benzin ist jetzt bleifrei, Flugzeugtriebwerke arbeiten sparsamer, sauberer und leiser. Im Rhein wohnen wieder mehr als 50 Fischarten, selbst der empfindliche Lachs ist zurückgekehrt. Nein, wir haben keine intakte Umwelt geerbt, sondern eine sieche, graue und vergiftete.

Deutschland und große Teile von Europa sind grüner und gesunder als noch von 30 Jahren. Wir haben nicht geschlafen, auch wenn die Sache nicht ausgestanden ist. Das wird sie auch niemals sein. Wo viele Menschen leben und arbeiten, leidet die Natur. Schon vor 2000 Jahren waren die einst riesigen Wälder des Mittelmeeres weitgehend abgeholzt. Römer, Griechen, Phönizier, Iberer und wer immer dort noch wohnte, hatten sie für Bauholz und Schiffe verbraucht, ohne je an das Aufforsten zu denken.

In den Neunzigerjahren wurde klar, dass der Gehalt der Luft an Treibhausgasen schnell zunahm. Neben Kohlendioxid (CO2) gehören z. B. Methan (CH4) und Lachgas (N2O) dazu. Und es bestand kein Zweifel daran, dass die Menschen dafür verantwortlich waren. Nach jahrelanger Vorbereitung beschloss der Weltklimagipfel in Kyoto im Dezember 1997, dass die Industriestaaten ihre Emission bis zur ersten sogenannten „Verpflichtungsperiode“ 2008-2012 gegenüber dem Basiswert von 1990 um insgesamt 5 % reduzieren sollten. Sie erreichten sogar eine Minderung um 11,8 %, rechnet man die USA und Kanada heraus, die das Protokoll nicht verbindlich ratifiziert haben, beliefen sich die Minderungen auf 24 %. Entwicklungsländer, zu denen auch China und Indien gezählt wurden, übernahmen keine Pflichten.

Die Staaten der EU-28 (mit England) haben ihre Treibhausgas-Emissionen von 1990 bis 2016 um 24 % gesenkt. Hätten sich alle Staaten der Welt so verhalten, lägen die jährlichen anthropogenen (=von Menschen verursachten) Treibhausgas-Emissionen bei weniger als 23 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten, tatsächlich haben sie 2017 bereits den doppelten Wert überschritten (ca. 50 Milliarden Tonnen).

Hätten sich die Staaten der Welt am Vorbild der EU orientiert, würden wir den Anstieg der weltweiten Temperaturen auf weniger als 1,5 °C begrenzen können, ohne hastige Notfallmaßnahmen zu ergreifen. Sicher, es hätte besser laufen können. Deutschland verfehlt beispielsweise sein selbst gesetztes Ziel für 2020 (Emissionen von 1990 – 40%) sehr deutlich. Trotzdem: Wir haben viel getan. Zurzeit verantwortet die gesamte EU weniger als 9 % der globalen anthropogenen Emissionen, mit abnehmender Tendenz.

Nein, wir haben nicht versagt, aber wir haben ein Wahrnehmungsproblem: Wir glauben, dass wir, die Europäer, für die gesamte Welt moralisch verantwortlich sind. Die übrigen Staaten der Welt bestätigen uns das gerne – jedenfalls wenn es Probleme gibt, für die jemand die Schuld übernehmen muss. In allen anderen Fällen verbitten sie sich ausdrücklich jede Einmischung, schließlich leben sie nicht mehr im Zeitalter des Kolonialismus – was wir selbstverständlich verstehen und respektieren.

Was ist seit 1990 geschehen?

Die asiatischen Schwellenländer haben ihre Industrie in den letzten dreißig Jahren gewaltig ausgebaut. Damit war ein enormer Anstieg der Treibhausgas-Emissionen verbunden. China bläst heute mehr als dreimal so viele Treibhausgase in die Luft wie noch 1990, Südkorea, Indonesien1 und Indien haben ihre Emissionen mehr als verdoppelt. Zusammen mit Japan verantworten diese vier Staaten rund 40% der globalen anthropogenen Treibhausgas-Emissionen, also etwa 4,4 mal so viel wie die Europäische Union2. Indien, China und Indonesien haben sich im Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 zu keiner Reduktion verpflichtet, sondern lediglich zugesagt, dass ihre Treibhausgas-Emissionen langsamer steigen werden als ihre Wirtschaftsleistung. Die soll sich zwischen 2018 und 2030 annähernd verdoppeln und so haben diese Staaten sehr viel Manövrierraum. Selbst wenn die EU in zwölf Jahren überhaupt keine Treibhausgase mehr produzieren sollte, könnte der weltweite Ausstoß weiter steigen, ohne dass einer der beteiligten Staaten die in Paris unterschriebenen Pflichten verletzt.

Wenn wir die asiatischen Staaten nicht mit ins Boot holen, werden wir bei aller Anstrengung den Klimawandel nicht aufhalten können. Wir Europäer kontrollieren einfach zu wenige Emissionen, um das allein zu schaffen. Man sollte auch nicht vergessen, dass Russland, die USA, Kanada, Brasilien, die Türkei und Australien (zusammen ca. 25 % der globalen Emissionen) ebenfalls keine großen Ambitionen zeigen, sich für den Klimaschutz in irgendeiner Weise einzuschränken. Keine der Regierungen dieser Länder handelt aus schierer Bösartigkeit. Vielmehr haben sie sich gegenüber ihrer Bevölkerung zu wirtschaftlichem Erfolg verpflichtet – um jeden Preis.

Soweit ich die aufgeregte Diskussion um den Friday for Future verfolgt habe, war von diesen Dingen nie die Rede. Man konnte den Eindruck bekommen, dass Rettung der Welt an der Weigerung der deutschen Regierung scheitert, einige Braunkohlekraftwerke vorzeitig abzuschalten. Eine ganze Reihe von Politikern zeigen sich demütig und versprechen Besserung. Aber das wird lediglich zu noch mehr symbolischen Aktionen führen. Warum bin ich da so sicher? Ganz einfach: Deutschland kontrolliert nur 2% der Treibhausgas-Emissionen. Ob wir weiter machen wie bisher oder Deutschland binnen 17 Jahren völlig dekarbonisieren, wie etwa Stefan Rahmstorf vorgeschlagen hat, macht in der weltweiten Gesamtbilanz kaum einen Unterschied.

Warum sagt das keiner? Warum sind Eltern, Lehrer, Politiker und Journalisten stolz auf protestierende Kinder, obwohl deren Forderungen offensichtlich ins Leere gehen? Wissen sie es nicht besser oder sagen sie sich, dass jedes Engagement gut ist, auch wenn es absehbar keine Wirkung hervorbringen kann? Das dürfte den Frust der Demonstranten wohl erst recht verstärken, denn sie erwarten mit Recht, dass man sie ernst nimmt. Dazu gehört aber auch, ihnen die Zusammenhänge zu erklären, und die Wahrheit zu sagen. Oder haben Politiker, Wissenschaftler und Journalisten Angst, dass man ihnen vorwirft, mit dem Finger auf andere zu zeigen, um von eigenen Versäumnissen abzulenken? Das wäre möglich, aber Angst ist kein guter Ratgeber. Die Frage, die wir beantworten müssen, lautet: wie bringen wir wachsenden Wohlstand und Klimaschutz zusammen? Nur wenn die asiatischen Länder sowie die USA, Kanada und Brasilien überzeugt sind, dass es einen solchen Pfad gibt, werden sie ihn gehen.

Schuld und Gerechtigkeit

Haben wir Europäer eine historische Schuld auf uns geladen, weil wir schon so lange Treibhausgase in die Luft blasen? Sind wir also moralisch verpflichtet, zu verzichten, zu fasten und Asche auf unsere Häupter zu streuen, nur um unsere Bußfertigkeit zu beweisen? Ist die Dekarbonisierung, der Verzicht auf Treibhausgas-Emissionen, eine Strafe, die wir der Gerechtigkeit halber auf uns nehmen müssen, auch wenn wir die globale Erwärmung damit nicht aufhalten?

Als Arzt möchte ich darauf hinweisen, dass eine Diskussion um „Schuld“ oder „Gerechtigkeit“ niemanden weiterbringt. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern:

Jeder Arzt hat Patienten, die ihr Übergewicht nicht abbauen, obwohl sie genau wissen, dass ihnen bald die Zuckerkrankheit droht – mit allen schlimmen Folgekrankheiten. Irgendwann müssen sie Insulin spritzen, obwohl eine strenge Diät und regelmäßiger Sport dieses Schicksal abwenden könnten. Wenn es so weit ist, verschreibe ich als Arzt Insulin, ein Training für den Umgang damit, Tabletten gegen den hohen Blutdruck, der sich meist einstellt, und ich rede dem Patienten gut zu. Ich mache ihm aber niemals Vorwürfe, wie etwa:

„Sie haben versagt. Sie haben ihre Gesundheit ruiniert und machen ihren Angehörigen das Leben schwer. Sie schädigen die Allgemeinheit, die jetzt die hohen Kosten für Medikamente und die absehbaren Folgekrankheiten tragen muss. Ihre Kinder haben jetzt schon Angst, dass sie Sie eines Tages pflegen müssen, wenn Sie einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt bekommen. Eigentlich sollten sie alle Kosten selber tragen und auch noch eine Entschädigung an den Staat bezahlen.“

Kein Arzt würde eine solche Ansprache halten und ich hoffe mal, dass der Patient sie sich von seinen Kindern und Enkeln auch nicht anhören muss.

In meinen Augen ist der von Menschen erzeugte Klimawandel eine kollektive Wohlstandskrankheit. Appelle an Verzicht und Disziplin werden ihn nicht zum Verschwinden bringen. Es hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn wir anderen erlauben sollen, diese Krankheit zu verschlimmern, nur weil wir Europäer schon seit hundert Jahren die Voraussetzungen dafür geschaffen haben. Und es führt auch zu nichts, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen.

Wenn die Menschheit als Gesamtheit so reagiert, wie der durchschnittliche Mensch, wird die Krankheit ausbrechen, vielleicht noch schlimmer als bisher erwartet. Die Polkappen werden schmelzen, der Meeresspiegel wird steigen, und manche heute bewohnte Gebiete werden zu heiß für die Menschen. Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber ein guter Arzt muss auch ehrlich sein.

Deshalb sollten wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern an technischen Lösungen arbeiten, um das Schlimmste zu verhindern. Jetzt gleich! Wir können die Krankheit eindämmen, aber wir sollten nicht glauben, dass wir sie verhindern können.

Wir sind alle nur Menschen und wir haben unsere Fehler.

Anmerkungen

[1] Warum erwähne ich Indonesien? Ist dieser südostasiatische Vielinselstaat nicht eher unbedeutend? Hier einige Fakten: Indonesien nach China Indien und den USA das Land mit der viertgrößten Bevölkerung (ca. 270 Millionen). Seine Wirtschaft wuchs in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 5-6% pro Jahr. Sein Bruttoinlandsprodukt (nach Kaufkraft) steht hinter Deutschland und Russland auf Platz 7. Indonesien erzeugt etwa so viele Treibhausgase wie Deutschland. Berücksichtigt man auch die stetig voranschreitende Vernichtung der Urwälder, übertrifft es Deutschland bei weitem. Das amerikanische Magazin Vox schrieb im Dezember 2018 dazu: „If Indonesia fails to reduce emissions and build a clean energy infrastructure, there is little hope for the world to meet its global climate goals.“.

i[2] Quelle: TPBL Netherlands Environmental Assessment Agency: Trends in Global CO2 and Total Greenhouse Gas Emissions. 2018 Report. Die Quelle gibt die Unsicherheit bei den Werten mit etwa 10 % an.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

109 Kommentare

  1. Also solltet wir aufhören unnötige Emmissionen zu verringern, nur weil andere Staaten nichts tun?
    Sie sprechen immer von Verzicht der notwendig ist um den Klimawandel zu stoppen.
    In Wirklichkeit sind es einige wenige, die um ihr Geld fürchten und deshalb auf die Politiker einwirken, damit ihre Kohlekraftwerke nicht geschlossen werden, oder sie nicht für die Umrüstung ihrer illegal gebauten Autos bezahlen müssen. Die Großkonzerne sind jetzt in der Bringschuld, haben aber genug Macht um sich zu drücken.
    Und darum gehen die Schüler auf die Straßen, weil die Politik vor der Wirtschaft kuscht und Ausreden erfindet, warum man die selbstgesetzten Ziele jetzt doch nicht erreichen kann und Maßnahmen nicht umsetzen kann, die von Experten als praktikable Lösungen befunden wurden.
    Niemand sagt, das nicht schon viel für die Umwelt getan wurde, aber es ist nicht genug.

    • Also solltet wir aufhören unnötige Emmissionen zu verringern, nur weil andere Staaten nichts tun?

      Verstehen Sie das nicht falsch: Wir werden weiterhin die CO2-Emissionen verringern, und das sollen wir auch. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass ein messbarer Effekt auf das Weltklima auftritt. Nehmen wir an, die Proteste bewirken, dass schon in drei Jahren die Hälft der Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Dann haben die Schüler vielleicht den Eindruck, sie hätten den Anstieg der Treibhausgase erst einmal ausgebremst. Die tatsächliche Wirkung ist aber nicht einmal messbar. Die GRoßkonzerne verlieren kein Geld, wenn die Kraftwerke abgeschaltet werden, ihnen steht eine hohe Entschädigung zu.
      Nun sind Großkonzerne per Definitionem auch große Arbeitgeber. Niemand will sie dermaßen in den Schwitzkasten nehmen, dass sie einen beträchtlichen Teil der Belegschaft entlassen müssen.
      Deshalb ist mein Appell: Macht auch Pläne, die die großen Emittenten mit ins Boot nehmen. Wenn wir 2050 stolz darauf sind, dass der (absehbare) enorme Tempraturanstieg wenigstens nicht auf unser Konto geht, helfen wir damit genaugenommen niemandem.

  2. Ihr Blogeintrag ist schön zu lesen und enthält schon einige bedenkenswerte Punkte.
    Aber ich habe Zweifel, dass die Conclusio völlig trägt. Bei Übergewicht schädigt ein Mensch schließlich mE in erster Linie sich selbst, und nicht andere.
    Um mal ein auf die Spitze getriebenes Beispiel zu nennen: Ich könnte auch in Bezug auf Syrien und die dortigen IS-Anhänger sagen, dass ich diese nicht direkt kritisieren und ihnen damit emotional weh tun will – schließlich sind wir alle nur Menschen mit Fehlern. Oder Kettenrauchern, die ihren kleinen Kindern den Rauch nachlässig direkt ins Gesicht pusten. Das würden wohl einige Beistehende in der Öffentlichkeit heute nicht mehr akzeptieren, vor einigen Jahrzehnten schon. Dabei ist die zu erwartende Schädigung anderer Menschen durch Zigarettenrauch über lange Zeiträume integriert nicht schlimmer als durch einen großen individuellen CO2- und NOx-Ausstoß. Mindestens kann man sagen, dass unsere Moral nicht objektiv gegenüber verschiedenen den Mitmenschen Schaden verursachenden Verhaltensweisen greift, sondern gesellschaftlichen Moden unterliegt. Dass Ihr milder Haltungsvorschlag gegenüber unseren schädigenden Emissionen angemessen ist, da hege ich noch leise Zweifel.

  3. Schuldzuschreibungen helfen wirklich nicht – weder wenn man den industrialisierten Ländern die Schuld für den Klimawandel zuschreibt, noch wenn man die Schuld Firmen wie Exxon oder BP zuschreibt.
    Schuldzuschreibungen helfen darum nicht, weil sie keine Lösungen liefern. Auch ohne Exxon gibt es genügend Gründe warum Öl verbraucht wird und selbst wenn die Industrialisierung Schuld wäre würden die aufstrebenden Länder nicht auf die eigene Industrialisierung verzichten.
    Wie eine Lösung aussehen muss, damit wir von Kohle, Öl und Erdgas wegkommen können, ist dabei ziemlich klar: Wir brauchen eine funktionierende Industrie und eine fortgeschrittene Wohlstandsgesellschaft, die nicht mehr auf Öl, Kohle und Erdgas angewiesen ist. Abstriche bei gewissen Leistungen und Vergnügungen – wie den Langstreckenflügen- sind durchaus möglich, nicht aber eine Rückkehr in einen vorindustrialisiertdn Zustand.
    Es sind aber dennoch die bereits industrialisierten und wohlhabenden Länder, die in der Verpflichtung stehen. Sie müssen die Lösung finden, denn sie haben die Ressourcen dazu – Ressourcen nicht in Form von Kohle, Öl und Erdgas, sondern Ressourcen in Fotm von Wissen und Technologie. Niemals können wir erwarten, dass Indien erfolgreich dekarbonisiert und wir hier folgen. Es kann nur umgekehrt sein: wir finden die Lösung und die anderen folgen.

  4. Meine erste Frage lautet: Wer ist gemeint mit “unsere Generation”? Natürlich sind damit nicht nur wir Deutschen (oder Europäer) gemeint. Die Schülerstreiks sind ein internationales Phänomen, und das ist gut so, denn endlich macht eine große Gruppe von Personen offensiv (und provozierend) deutlich, dass es so nicht weitergehen darf. Dass sich ohne Druck in der Politik nichts bewegen wird, hat sich oft genug gezeigt.
    Ja, ich denke schon, dass unsere Generation versagt hat, denn das Problem ist (mindestens!!) seit Rio 1992 allgemein bekannt. Aber wie Sie schon schreiben, es nützt nichts, “Asche aufs Haupt zu streuen”. Wichtig ist, wie wir jetzt weitermachen.
    Ihrem letzten Absatz stimme ich voll und ganz zu, bis auf Ihre Einschränkung “TECHNISCHE Lösungen”. Technik allein wird nicht ausreichen; dazu ist schon ein radikaler Systemwandel nötig, fürchte ich. Mit weiterem Wachstum werden wir den Karren nur noch weiter an die Wand fahren. Und das sage ich als jemand, der immer sehr gern weit gereist ist…

  5. @ Lukas F.
    Ich glaube eine wirksame Klimapolitik in Deutschland würde keinesfalls nur die Großen treffen. Ganz im Gegenteil würden bei 100% regenerativer Versorgung die Strompreise nach meiner Schätzung nochmals verdoppelt werden müssen, was dann gerade arme Leute recht stark träfe – und das gilt auch für praktisch alle Waren und Dienstleistungen, deren Preis mit Berücksichtigung der assoziierten Umweltschäden sowie der stärker konkurrierenden Landnutzung deutlich stiege.
    In diesem Punkt stimme ich völlig mit Herrn Grüter überein: Starker Klimaschutz wäre ökonomisch sofort ziemlich schmerzhaft für die gesamte Gesellschaft, während sich erst mit einiger Verzögerung dann wahrscheinlich Erträge daraus ergäben: Wenn wir Pioniere sind, durch Handel unserer Technologien und Erfahrungen an Nachahmerländer, sowie recht weit in der Zukunft und falls genug Staaten mitmachen auch global-marktwirtschaftlich deutlich geringere Klimaschäden und -opfer.

  6. Sicher ist es falsch, die älteren Menschen als “Sündenbock” zu diffamieren. Dies stammt wohl aus dem neuen “linken” Feindbild der “alten weissen Männer”. Gerade solche Sündenbock-Argumentation sehe ich aus historischen Gründen als problematisch an. Wie war das denn mit den Judenpogromen und der Hexenverfolgung im Mittelalter und der Neuzeit?

  7. “Warum sagt das keiner?”

    Weil das gegen die Globalisierung spräche!
    Weil das die Wahrheit ist die “keiner” hören will!

    Apropo Globalisierung: Die ging von der westlichen Welt- und “Werteordnung” aus – es wurde massiv investiert in Südostasien / China, nicht nur Gelder des “freiheitlichen” Unternehmertums, auch Steuergelder!
    Als ich in meiner ersten Ausbildung zum Schiffbauer steckte, tönte unser Berufsschullehrer Oberstudienrat H.: “In naher Zukunft werden Schiffe in Asien gebaut.”

    Das alles nur noch mal als Gedankenstütze zum Thema Schuld und Verantwortung!!!

    Übrigens, die ins Leere demonstrierenden Kids haben kontrollierende Berater zur Seite, die passen sehr genau darauf was darf, bzw. vor allem nicht darf! 😎

  8. @Ruth E.

    Nein nein, ihr habt nicht versagt, ihr seid gut funktionierende “brave” Bürger des Kreislaufes des imperialistischen Faschismus, für eure Bewusstseinsbetäubung, in kapitulativer Leichtgläubigkeit, kompromissbereiter Ignoranz und “Demokratieverständnis” durch Kreuzchen auf dem Blankoscheck, sind euch die Profitler dem Zeitgeist entsprechend dankbar!

  9. Das Ziel des Pariser Klimaabkommens deutlich unter 2 Grad Celsius Erwärmung zu bleiben, hat bis jetzt nicht die nötigen Aktionen in den am Abkommen beteiligten Staaten ausgelöst (China hat inzwischen sogar Kohlekraftwerke, deren Bau es gestoppt hatte, fertiggestellt und die USA, Argentinien, Australien, Kanada, Saudiarabien und die Türkei haben keine Gesetze oder Pläne in Kraft gesetzt um die Selbstverpflichtungen zu Emissionsredukionen zu erreichen.

    Und sogar Europa unternimmt zu wenig um das Pariser Abkommen einzuhalten – auch wenn Europa von allen Grossregionen diejenige ist, die seit 1990 am meisten unternommen hat.

    Was bedeutet das konkret für den zu erwartenden Klimawandel und den zukünftigen Klimaschutz? Mit grosser Wahrscheinlichkeit folgendes: Die Erwärmung des Erdsystems geht in den nächsten 20 Jahren nur wenig gebremst weiter und erst die Folgen der dann bereits eingetretenen Erdsystemerwärmung werden dann eventuell zu verstärkten Klimaschutzbemühungen und vielleicht sogar zu Versuchen führen, CO2 wieder der Atmosphäre zu entziehen und/oder mit Geoengineering einzelne Folgen der Erwärmung zu vermindern. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die Menschheit also das Klimaproblem dieses Jahrhundert nicht in den Griff bekommen. Sie wird nicht proaktiv einen zu starken Klimawandel verhindern, sondern sie wird vielmehr reaktiv auf die Folgen reagieren und dabei sehr viel Fantasie aufwenden müssen.

  10. Ihr Eindruck von den Schülerstreiks täuscht, das ist vielleicht die Sicht in den deutschen Medien, aber FridayForFuture sucht ja explizit die internationale Zusammenarbeit mit Demonstrationen auf der ganzen Welt. Das auf Deutschland beschränkt zu sehen, ist schon merkwürdig, wenn der Anlass der Bewegung eine junge Schwedin ist, die mit mittlerweile Tausenden in Stockholm demonstriert.

    Daneben übersieht Ihre Feststellung “Hätten sich alle Staaten der Welt so verhalten” die unterschiedlichen wirtschaftlichen Positionen der Staaten. Es ist merkwürdig die eigene Reduktion auf Länder zu übertragen, die einen sehr viel geringeren Konsum haben. Die Beispiele mit zum Beispiel Indonesien zeigen, dass auch dort Energie eine wichtige Rolle zum guten Leben spielt.
    Daneben ist das Problem kumulativ. Der Beitrag anderer spielt nur wenig Rolle zur Beurteilung des eigenen Beitrages. Das Problem als solches kann nur durch alle gelöst werden. Aber jeder, der weniger macht als ihm möglich ist, trägt unabhängig von den anderem zu Problemen bei. Wenn man die Theorie der Kipppunkte berücksichtigt, kann auch Deutschland allein dafür sorgen, dass ein solcher Überschritten wird. Dabei geht es auch nicht um Schuld und Sühne, sondern einfach darum, dass jeder die Pflicht hat zu reduzieren soviel es möglich ist, ohne das Leben relevant zu verschlechtern, bzw. die Möglichkeiten dazu. (Durch das “relevant” kommt natürlich ein vages Maß herein.) Im Falle von vielen Ländern sollten diese ihren Energieverbrauch erhöhen, um die Lebensbedingungen erträglich zu machen.

    Daneben finde ich die nationale Perspektive schräg. Es wird so getan als ob Verantwortung etwas vor allem national geteiltes ist, wenn es auch innerhalb von Nationen starke Unterschiede in den Emissionen gibt. Dies macht auch die Diskussion darüber, dass Arme sich Umweltschutz nicht leisten könnten schräg. Arme Menschen haben und tragen immer noch weniger zum Klimawandel bei als Reiche. Wenn ich an Niedriglöhner in meinem Umfeld denke: Diese leisten sich weniger Flugreisen, haben kleinere Wohnungen (weniger Heizen) und fahren weniger Auto. Die politischen Maßnahmen sollten entsprechen auch bei Hoch-Emittenten Einzelpersonen ansetzen, denn die Erdatmosphäre ist ein Gemeingut, dass einige mehr als andere benutzen.

    • Die “Friday for Future”-Bewegung erhebt zwar den Anspruch, international zu agieren, aber ihr Schwerpunkt liegt eindeutig in Europa. Wenn man nachverfolgt, wo sich Greata Thunberg als Gesicht der Bewegung aufgehalten hat, dann lässt sich das leicht nachvollziehen. Dieser Artikel in der TAZ gibt einen Überblick.
      Wenn man die Theorie der Kipppunkte berücksichtigt, kann auch Deutschland allein dafür sorgen, dass ein solcher Überschritten wird.

      Daneben übersieht Ihre Feststellung “Hätten sich alle Staaten der Welt so verhalten” die unterschiedlichen wirtschaftlichen Positionen der Staaten.

      Nein, das übersehe ich nicht. Warum nur wird ein erhöhter Ausstoß von Treibhausgasen mit Reichtum gleichgesetzt? Seit Jahren predigen die Hersteller von erneuerbaren Energieanlagen, dass ihre Anlagen längst billiger sind als fossile Kraftwerke. Also sollten doch eigentlich Schwellenländer direkt solche Anlagen nutzen können.

      Wenn man die Theorie der Kipppunkte berücksichtigt, kann auch Deutschland allein dafür sorgen, dass ein solcher Überschritten wird.

      Wenn die Menge an Treibhausgasen in Luft ansteigt, werden die Kipppunkte der Reihe nach überschritten. Es wäre schon ein sagenhafter Glücksfall, wenn durch eine schnellere CO2-Reduktion in Deutschland ein Kipppunkt knapp verfehlt würde.

      Im Falle von vielen Ländern sollten diese ihren Energieverbrauch erhöhen, um die Lebensbedingungen erträglich zu machen.

      Das betrifft mindestens drei Viertel der Menschheit, mit deutlich steigender Tendenz. Aber was spricht eigentlich dagegen, diesen Energieverbrauch klimaneutral zu steigern?

  11. @hto Gern geschehen 🙂
    Es tut mir leid, wenn ich immer wieder denken muss, mit Leuten wie hto wäre kein Staat zu machen. Aber fangen wir mal damit an: Eine wissenschaftliche Referenz bitte zur These, wie und dass ein 0%-kapitalistisches System überhaupt funktioniert. Alle real-durchgeführten und selbst die meisten theoretischen sozialistischen Ansätze nutzen 1. auch kapitalistische Elemente und 2. funktionieren umso schlechter, umso weniger Kapitalismus erlaubt ist (Beispiel: Nordkorea). Und Ihre ganzen Vorwürfe enthalten vielleicht ein Körnchen Wahrheit, aber (wieder mit Herrn Grüter) auf diese Weise könnte man jeden Menschen und jedes Ding bis ins Kleinste kritisieren. Das bringt nichts. Ich entdecke bei Ihnen weder eine überzeugende Analyse unserer größten Herausforderungen noch konstruktive Lösungsansätze. “Klimaschutz, jetzt mal ernsthaft” wird sicher nicht funktionieren wenn wir unser gesamtes System umstellen. Es bräuchte inklusive der vorlaufenden Unruhen Jahrzehnte, das System umzustellen nur damit (nachdem vielleicht noch Leute guillotiniert wurden) auch Sie dann am Ende herausfänden, dass es anders noch deutlich schlechter funktioniert als derzeit? Nein danke!

  12. @Wizzy

    Nur soviel: Ich bin nicht begeistert wie die Chinesen den Kommunismus versuchen zu globalisieren, aber der Westen hat / musste sich auf dieses Pokerspiel einlassen!?

  13. @Wie soll das gehen?

    Was sollen wir sonst machen, als das was hier geht? Was bezahlbar ist, möglichst zügig umsetzen, und wenn z.B. Flüge mit synthetische Flugsprit aus Windstromüberschüssen sehr teuer wird, eben weniger fliegen. Muss ja nicht sein, so viel zu fliegen.

    Als Exportweltmeister haben gerade wir das größte Potential, auch auf das eine oder andere Exportgut zu verzichten. Nebenbei haben wir auch ein Problem mit unserer Wirtschaftsüberhitzung, dass dazu führt dass immer mehr Menschen von der Arbeitsbelastung krank werden. Weniger Export heißt weniger Arbeit, das heißt weniger Arbeitsplätze und weniger Druck auf Arbeitnehmer, das wäre doch gut.

    Wenn unser Engagement die Entwicklung von klimafreundlicher Technik mit voran bringt, umso eher werden ärmere Länder in der Lage sein nachzuziehen, z.B. wenn Photovoltaikpaneele preiswerter werden. Was darüber hinaus weltweit doch nicht umsetzbar ist, wird dann wohl zu einer kritischen Erwärmung führen. Aber jede Tonne, die einspart ist, reduziert in jedem Fall das Problem, selbst wenn am Ende die Erwärmung nur auf 3° begrenzt werden kann. Sonst droht doch 4° und 5°, das Ende dürfte hier offen sein.

    Weniger Konsum wird in jedem Fall auch wirksam sein. Die Waren müssen mit Energieaufwand hergestellt werden, die Rohstoffe müssen beschafft werden, die Arbeiter müssen zur Arbeit fahren, die Waren müssen transportiert und in Ladenlokalen verkauft werden, die verbrauchen Heizung und Strom, der Kunde muss einkaufen fahren, und viele Waren, z.B. Autos, verbrauchen auch im Gebrauch noch Energie.

    Ich finde, dass das Konsumniveau in Deutschland sowieso schon jenseits des Vernünftigen liegt. Wenn ich mir z.B. den gängigen Fahrzeugpark so ansehe, frage ich mich, wofür man zum Autofahren soviel Gewicht und PS braucht.

    Ein Kapitalismus ohne Wachstumszwang erscheint mir theoretisch ohne weiteres machbar, eine intelligente Steuerpolitik wird das ermöglichen. Hierzu würden vor allem empfindliche Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern gehören, um den sich ansammelnden Kapitalzuwachs abzuschöpfen, damit der nicht mehr neu investiert werden muss.

    Leider scheint im wesentlichen die ganze Politikerriege auf der Gehaltsliste der Wirtschaft zu stehen. Die werden grundsätzlich nur wirtschaftsfreundliche Maßnahmen umsetzen, egal welchen Partei wir wählen. Klimapolitik wird bis auf weiteres immer nur so weit gehen können, wie es die Geschäfte des Kapitals fördert. Unsere real existierende Demokratie ist doch eine halbe Oligarchie.

    Wir bräuchten dringend ein Verbot von Karrieren in der Wirtschaft vor und nach einer Karriere in der Politik. Und Wahlprogramme müssten amtlich festgelegt werden, und Abgeordnete, die gegen Gesetze stimmen, die im Wahlprogramm ihrer Partei drin stehen, müsste man wegen Betrugs anklagen können. Dann könnte das doch noch was werden.

  14. @Wizzy

    “Klimaschutz”, der zweifelsfrei der Schutz des Gemeinschaftseigentums ist – Mit der reinen Vernunft, also keine Überproduktion von Quantität die auch noch über alle Weltmeere und Luftwege hin und her transportiert werden muss, kann jedes Projekt umgesetzt werden, OHNE die heuchlerisch-verlogene Frage: “Wer soll das bezahlen?” 😎

  15. “Greata[sic!] Thunberg als Gesicht der Bewegung aufgehalten hat”
    Wo soll sie auch sonst hinkommen ohne zu fliegen.

    “Seit Jahren predigen die Hersteller von erneuerbaren Energieanlagen, dass ihre Anlagen längst billiger sind als fossile Kraftwerke.”
    Das gilt bislang ihn der Regel aber nur, wenn man Speicher außer acht lässt, bzw. externe Kosten mit einbezieht.

    • Sie haben das Problem auf den Punkt gebracht: Nur unter genau definierten Randbedingungen sind erneuerbare Energien billiger. Mal ganz abgesehen davon, dass wir Europäer bei solchen Entscheidungen nicht mehr gefragt werden: Sollen wir also jetzt Indien gerechtigkeitshalber zugestehen, weitere Kohlekraftwerke bauen, um ihren Wohlstand zu mehren? Dann aber besteht die Gefahr, dass spätestens in fünfzig Jahren Indien von tödlichen Hitzewellen heimgesucht wird. Zweifellos ein Dilemma!

  16. “Exportweltmeister” – sind wir das denn noch? Muss es inzwischen nicht schon vielmehr lauten: Made in and out of Germany and in Property of China? Besonders wenn man bedenkt, dass die Chinesen die Eigner der HBS-Bank in England sind!?

  17. Selbst wenn Windturbinen und Photovoltaikpanel gratis wären, wäre Erneuerbare Energie immer noch teuerer als Energie aus Kohle,Erdöl und Erdgas, denn der erzeugte erneuerbare Strom muss auch weitergeleitet werden (z.B. bei Turbinen in der Nordsee) und eventuell gespeichert und umgewandelt werden.
    Doch selbst wenn es bei Erneuerbaren kein Leitungs- und Speicherproblem gäbe, wären und sind allein schon die nötigen Investitionen für die Umstellung des gesamten Energiesystems so enorm, dass sie allein für Deutschland die Billionen-Euro-Grenze überschreiten. Dies gilt auch für andere Energiequellen wie etwa AKW.

    Was kann daraus gefolgert werde, was hat das für Konsequenzen?
    Ganz einfach: Eine Umstellung auf CO2-freie Energie und eine Wirtschaft, die keine Treibhausgase mehr erzeugt kann im “Normalmodus” gar nicht in 10, 20 oder auch 25 geschehen. Das braucht deutlich länger. 30 Jahre im Minimum.
    Allerdings – je später man damit beginnt umso länger dauert es. Und auch wichtig: Fehlinvestitionen, das Abweichen vom optimalen oder mindestens einigermassen richtigen Pfad kann die Umstellung so teuer machen, dass sie gar nicht gelingt.

  18. Das anonyme Pamphlet von hto bedient sich der Terminologie des faschistoiden RAF-Gewürges und ist inakzeptabel. Und damit meine ich nicht die Royal Air Force.

  19. Thorsten Lemke,
    hto mag in der praktischen Umsetzung noch im Nebel wandeln, aber er hat das Problem im Kern erfasst.
    Solange die Menschen um das Goldene Kalb tanzen, werden sich die Probleme verschärfen bis zur Unbewohnbarkeit unseres Planeten.

  20. @Martin Holzherr 04.04.2019 17:39

    Eine Lösung, die den üblichen Konsum beibehält und nur auf klimaneutrale Technik setzt, kann das Problem eben in der nötigen Geschwindigkeit nicht lösen. In Deutschland nicht, und weltweit genauso wenig. Nur wenn wir gleichzeitig auf einen vernünftigen Konsum runter kommen, wird das funktionieren. Z.B. Radfahren ist nicht nur klimafreundlich und gesund, vernünftige Radwege wie in Kopenhagen sind einfach konkurrenzlos kostengünstiger als Autos bauen und Sprit verfahren.

    Genau deswegen passiert auch in Deutschland auf dem Gebiet Radwege fast nichts, weil die Autoindustrie im Land das von der Politik so verlangt.

  21. @Thomas Grüter 4. April 2019 @ 16:59

    Die “Friday for Future”-Bewegung erhebt zwar den Anspruch, international zu agieren, aber ihr Schwerpunkt liegt eindeutig in Europa. Wenn man nachverfolgt, wo sich Greata Thunberg als Gesicht der Bewegung aufgehalten hat, dann lässt sich das leicht nachvollziehen.

    Das liegt wohl auch daran, daß Greta in Europa lebt und nicht gern fliegt. Wie soll sie sonst in die USA oder gar nach Australien kommen?

  22. Entscheidungen in zum Beispiel Indien lassen sich aus europäischer Perspektive über vier Mechanismen beeinflussen. Erstens durch Steuerung der Investitionen in den jeweiligen Ländern. Zweitens durch Grenzsteuerausgleich beim Import (am besten wäre natürlich eine Zusammenarbeit mit China, da dies der wesentliche Ort von Carbon Leakage ist). Drittens durch technische Zusammenarbeit. Viertens durch politische Zusammenarbeit.
    Die Entscheidungen innerhalb von Europa sind für alle diese Felder nicht irrelevant, sondern Voraussetzung für deren Wirksamkeit auch auf internationaler Ebene.

    Zurück zur Untätigkeit der bisherigen Politik in Deutschland. Der Punkt Ihres Kommentars, dass sich in vielen Feldern die Umweltbedingungen verbessert haben ist korrekt und sollte nicht unterschlagen werden. Allerdings ist die Reduktion der Treibhausgase in Deutschland in den letzten 10 Jahren sehr gering. Politisch ist da sehr wenig passiert. Immerhin ist auf europäischer Ebene der Zertfikate-Handel reformiert worden und die Preise wieder angestiegen, aber ausreichend ist das nicht.
    Viele der Demonstrierenden sind in dieser Zeit sozialisiert. Es wurde so getan als wäre man auf einem guten Weg, ohne wirksame Maßnahmen durchzusetzen. In dieser Zeit ging der Konsum auf Kosten der folgenden Generationen. Wobei der Blick auf verschiedene Generationen nicht den Blick auf Unterschiede innerhalb der Generationen verhindern sollte. Es sind Wohlhabende, die auf Kosten anderer ohne Ausgleich profitieren und die Atmosphäre als Abfallreservoir benutzen. Gleichzeitig wird bei Maßnahmen häufig so getan als ob diese notwendig sozial schlecht gestellte treffen müssten und deswegen nicht durchgesetzt werden könnten.

  23. @Tobias Jeckenburger: Ja, klimaneutrale Technik gibt es (noch) nicht für alle Bereiche. Auf Konsumverzicht aus moralischen Gründen zu setzen funktioniert aber nicht. Es gibt eine ganz einfache Lösung: Jeder der CO2 emittiert muss dafür bezahlen. Beispielsweise 5000 Franken pro Tonne CO2. Das wirkt nur gerade bei ziemlich reichen Leuten nicht. Doch davon gibt es ja nicht so viel. Der britische Klimatologe Kevin Anderson glaubt dennoch, dass es gerechter wäre, eine Klimasteuer an der Höhe des Einkommens festzumachen, so dass Grossverdiener sehr viel mehr für ihren CO2-Ausstoss zahlen als Kleinverdiener.

    Die Klima-Konsumentenschiene, die sie Tobias Jeckenburger bedienen (Zitat: , vernünftige Radwege wie in Kopenhagen sind einfach konkurrenzlos kostengünstiger als Autos bauen und Sprit verfahren) laufen letztlich darauf hinaus, im Rahmen der Klimabewegung/politik ganz viele andere gute Dinge anzustreben, Dinge, die mit der Emission von Treibhausgasen direkt wenig zu tun haben.

    Doch bald schon werden immer mehr realisieren: Nein, wir haben gar nicht die Zeit, auf dem Weg zu weniger Treibhausgasen die Welt auch noch besser zu machen. Statt dessen müssen wir die Treibhausgasemissionen möglichst schnell und direkt reduzieren – egal ob das für jeden Einzelnen gut ist oder nicht.

  24. @ liberator

    Allerdings ist die Reduktion der Treibhausgase in Deutschland in den letzten 10 Jahren sehr gering.

    Mir scheint, dass die Deutschen (noch mehr als andere) Symbolpolitik lieben, die nichts wirklich ändert, aber dafür auch nicht wirklich weh tut. Nichts anderes ist ja das unselige Erneuerbare-Energien-Gesetz. Hinzu kommt, dass der Klimawandel zwar akzeptierte Realität ist, aber fast niemand an eine Klimakatastrophe glaubt.

    In der Folge gibt es eine sehr geringe Bereitschaft, den eigenen CO2-Abdruck durch individuelle Verhaltensänderungen zu reduzieren, und entsprechend auch wenig Druck auf die Politik, die Rahmenbedingungen wirksam zu ändern.

  25. Tim
    Das Abholzen des Mittelmeerraumes hat die Landschaft dort verändert und sie kann praktisch nicht wieder rückgängig gemacht werden. Mit dem Klimawandel wird es genauso ablaufen. Die Menschen werden sich den Veränderungen anpassen.
    Kritisch wird es erst, wenn zur Klimaveränderung auch Nahrungsmittelknappheit hinzukommt. Wie dann die einzelnen Staaten reagieren werden, das kann ich nicht voraussagen.

  26. @Tim 5. April 2019 @ 10:37

    Mir scheint, dass die Deutschen (noch mehr als andere) Symbolpolitik lieben, die nichts wirklich ändert, aber dafür auch nicht wirklich weh tut. Nichts anderes ist ja das unselige Erneuerbare-Energien-Gesetz.

    Wirklich? Diese Symbolpolitik ist für die hohen Strompreise in Deutschland mit verantwortlich.Und es gab schon Stromsperren, weil die nicht so reichen Leute den Strom nicht bezahlen konnten.

    Hinzu kommt, dass der Klimawandel zwar akzeptierte Realität ist, aber fast niemand an eine Klimakatastrophe glaubt.

    Der Klimawandel ist rela aber die Klimakatastrophe eine theoretische Berechnung. Es gab schon ähnliche düsteren Szenarien im Buch “Grenzen des Wachstums”, die einfach nicht eintrafen.

  27. Was bei fortschreitender Erdsystemerwärmung zu erwarten ist, wissen wir heute recht gut. Vergleiche mit früheren Prophezeiungen wie “Grenzen des Wachstums” oder “The Population Bomb” sind irreführend, denn das waren Spekulationen im Vergleich zum heutigen Wissen über das Klimasystem .

    Auch falsch ist die Vorstellung der Klimawandel werde für alle gleichermassen eine Katastrophe bedeuten. Katastrophal wird es für viele Küstengebiete und die dortigen Städte werden, katastrophal auch für Regionen, die heute schon während mehreren Monaten wegen (feuchter) Hitze und Dürren am Rande der Bewohnbarkeit sind, denn diese Regionen werden irgendwann völlig unbewohnbar.

    Insgesamt wird die Erdsystemerwärmung aber (fast) alle Klimata stark verändern. Möglicherweise vergleichbar mit den Unterschieden zwischen letzter Eiszeit und heute. Mit ziemlicher Sicherheit haben aber katastrophle Veränderungen in gewissen Regionen globale Auswirkungen – beispielsweise über Migrationsströme. Andere Regionen wiederum werden wohl von der Erwärmung profitieren. Die Sahara, aber mindestens die Sahelzone könnte wieder ergrünen und in Sibirien zu leben könnte recht angenehm werden. Doch wird Russland Klimaflüchtlinge aufnehmen? Daran zweifle ich. Die Abwehrhaltung gegen Migration ist heute genauso gross oder noch grösser als vor 20 oder 40 Jahren.
    Durch den Klimawandel wird also viel Konfliktpotenzial entstehen und davon sind möglicherweise sehr viel mehr Menschen und Länder betroffen als durch den Klimawandel selbst.

  28. @bote19:
    Nur diejenigen, die es sich LEISTEN können sind überhaupt in der Lage “sich anzupassen”. In Bangladesch lässt sich dies bereits heute “sehr schön” nachvollziehen: Wer es sich leisten kann zieht ins höher gelegene Hinterland. Dass eine Nahrungsmittelknappheit mit einer Temperaturerhöhung einhergeht ist Fakt: Für jede Temperaturerhöhung um ein Grad Celsius bezogen auf die globale Durchschnittstemperatur schätzt man einen globalen Ernterückgang der vier wichtigsten Kulturpflanzen (!) von insgesamt 6%. Die Rede ist nicht von irgendwelchen (beliebig oder leicht) ersetzbaren Nahrungsmittel sondern von DEN Nahrungsmitteln, die weltweit zur Abdeckung von zwei Dritteln des benötigten Kalorienbedarfs benutzt werden (PNAS).

  29. @ Rudi Knoth

    Diese Symbolpolitik ist für die hohen Strompreise in Deutschland mit verantwortlich

    O.K., das war missverständlich ausgedrückt. Gemeint war: Die bisherigen Maßnahmen sind so zahm, dass noch keine relevanten Wählergruppen finanziell überstrapaziert werden.

    Das wird sich aber natürlich noch ändern. Ich rechne bei leistungsfähigen Speichersystemen mit einem etwa 4x so hohen Strompreis wie heute, irgendwann wird auch die völlig unbegreifliche Heizöl-Subventionierung wegfallen, und die Mobilitätskosten werden auch erheblich steigen. Dann muss man noch die stark negativen Auswirkungen speziell für die deutsche Automobilindustrie berücksichtigen, bei der ja sicher 1/3 der Wertschöpfung wegfallen wird.

    Das alles wird ganz erhebliche soziale Kosten und Verwerfungen verursachen.

  30. @Tim 5. April 2019 @ 15:11

    In Frankreich war ja die höhere Steuer auf Diesel eines der Anlässe für die Gelbwesten.

  31. Deutschland hat in den letzten 10 Jahren den Anteil an erneuerbar erzeugtem Strom massiv erhöht, doch seine CO2-Emissionen kaum reduziert. Wie der Klimatologe Stephan Rahmstorf in diesem Blog bereits dargelegt hat, liegt das vor allem daran, dass die Kohlekraftwerke unvermindert weiterliefen – auch dann wenn sehr viel erneuerbar erzeugter Strom bereitstand. Der Überschussstrom wurde einfach ins Ausland verkauft. Deutschland hat quasi die Erneuerbaren gefördert und ausgebaut, die Kohlekraft aber nicht im selben Aussmass zurückgebaut. Aus Klimasicht entscheidend sind aber die erzeugten Treibhausgase. Und die gehen wegen mehr Erneuerbaren nicht zurück. Sie gehen nur zurück, wenn weniger Kohle, Öl und Erdgas verbrannt werden. Allerdings erfüllen die Kohlekraftwerke mindestens eine Aufgabe im deutschen Stromsystem: Sie garantieren, dass immer Strom bereit steht. Auch bei Dunkelflaute. Ohne Kohlekraftwerke braucht es andere Stromlücken-Füller, beispielsweise Gaskraftwerke. Anders als Kohlekraftwerke, die Stunden benötigen, können Gaskraftwerke in wenigen Minuten hochgefahren werden. Doch ein Ersatz von Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke macht den deutschen Strom nicht billiger. Und ein Ersatz gar durch Stromspeicher schlägt noch mehr auf die Rechnung.

  32. Auch wenn Sie zu dem rühmlichen Schluss kommen, dass wir alle etwas tun müssen, finde ich ihren Text unstimmig, ja ein Stück weit durcheinander, unlogisch. Auch Sie schauen zurück, suchen Schuldige bzw. versuchen sich zu entschuldigen, obwohl sie das am Ende ausdrücklich nicht empfehlen. Was ja auch richtig ist. Der Blick zurück und die Suche nach Schuld helfen nicht wirklich weiter.
    Ich frage mich nach dem Sinn und Ziel ihres Beitrags. Sich von etwaiger Schuld reinzuwaschen? Wirklich? Wozu? Wir und unser Handeln sind Ergebnis der uns umgebenen Verhältnisse und gleichzeitig machen wir diese Verhältnisse. Alles ist mit einander verbunden und in Wechselwirkung. Natürlich sind wir mit verantwortlich für die Welt so wie sie heute ist. Im Guten wie im Schlechten. Sie, ich auch. So what? Was zählt ist das Handeln als Ergebnis aus Erkenntnis. Dieses Handeln fordern die Schüler ein. Über den Schuldzuweisungen der Jugendlichen sollten wir stehen. Und wie gesagt, so unrecht haben sie meiner Meinung nach nicht.
    Weiterhin: Erstens sehe ich die Industriestaaten natürlich in der Pflicht mit gutem Beispiel voranzugehen. Genau weil wir für die aktuellen Konzentrationen verantwortlich sind. Welche Gründe auch immer dazu geführt haben. Das Falsche aus guten Gründen zu tun, macht es nicht besser. Und am Ende zählt nur die Besserung.
    Zweitens muss man Pro-Kopf-Emissionen vergleichen.
    Drittens:
    “Hätten die Deutschen beschließen müssen, dass sie, anders als die übrigen Europäer und die Nordamerikaner, lieber Zug und Fahrrad fahren, um der Welt eine Klimakatastrophe zu ersparen?”
    Warum denn nicht? Was ist denn das für ein komisches Argument? Irgendwer fängt immer mit etwas an und macht es damit anders als andere andern. Ansonsten würde sich nie etwas ändern.
    Und das Deutschlands Beitrag zu klein und damit unnütz ist, wenn nicht alle mitmachen – ebenso unlogisch. Denn man kann eine Gruppe immer soweit aufsplitten, dass der Beitrag einer Gruppe im Vergleich zum Rest unbedeutend wird. Das würde Stillstand bedeuten. Irgendwer muss anfangen. Und warum nicht die, denen es am besten geht. Haben Sie sich schon die Pro-Kopf-Emissionen von einem Inder und einem Deutschen angeschaut?
    Und es ist mitnichten so, dass China zum Beispiel untätig ist. China setzen Klimawandel und Umweltzerstörung nämlich schon mächtig zu. Wir leben in einer Klimazone, in der wir bisher mit ein paar Nadelstichen davongekommen sind. Bisherige Klimaschutz- und Anpassungsaktivitäten gründen sich meistens auf gemachte schlechte Erfahrungen. So lernt der Mensch leider am besten. Beim Thema Klimawandel ist das eher ungünstig, da die Wirkungen verzögert eintreten und lange anhalten.
    Fazit: Das was hilft, ist nach vorne zu schauen. Viele tolle Ideen warten darauf, in die Tat umgesetzt zu werden. Es wird keinen einzig richtigen Weg geben. Wir werden Fehler machen. Aber wir alle müssen etwas tun, schnell und massiv. Und irgendwer muss immer mit gutem Beispiel vorangehen. Warum nicht auch Deutschland? Ich hoffe, die Schüler schaffen es, den letzten Anstoß zu diesem Prozess zu geben. Und schauen Sie mal die Bundespressekonferenz “Scientists for Future” auf You tube an. Besonders interessant für mich: Minute 35ff. Oder schauen Sie nach Finnland. Dagegen leben wir im klimapolitischen Mittelalter. Der aktuelle Wahlkampf wird dort schon Klimawahlkampf genannt. Und wie unbedeutend ist Finnland erst, wenn man die CO2-Emissionen anschaut. Aber auch sie leiden schon stärker unter dem Klimawandel. Je näher an der Arktis desto größer der Temperaturanstieg – siehe IPCC Karten.

    • Nein, ich versuche nichts zu entschuldigen. Wir haben viel getan, so viel, dass saubere Luft, sauberes Wasser und Autos mit vergleichsweise geringem Schadstoffausstoß selbstverständlich sind. Oder dass Rauchgasentschwefelung eine Selbstverständlichkeit ist. Wir, die ältere Generation, hat sich erfolgreich um eine bessere Umwelt bemüht. Die letzten zenh Jahre waren in Deutschland allerdings von einem Stillstand bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes gekennzeichnet, während gleichzeitig viele Politiker und einige Journalisten Deutschland zum Vorbild für die Welt hochstilisiert haben. Das habe ich bereits mehrfach angeprangert.
      China bemüht sich redlich, die schlechte Luft in den Städten zu verbessern. Aber was helfen E-Autos, wenn der Strom in CHina zu zwei Dritteln auch Kohlekraftwerken kommt? Die Luft in den Städten wird besser, aber die Klimabilanz ändert sich nicht.
      Hier in Deutschland müsste man den Individualverkehr massiv verringern, zum Beispiel mit einer Zulassungsbegrenzung. Ab 2025 werden dann auch keine Autos Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen, ab 2030 dürfen keine mehr fahren. Man könnte die Braunkohlekraftwerke 2021 vom Netz nehmen, und eine rigorose Strombewirtschaftung einführen, bis die Erneuerbaren so weit ausgebaut sind, dass sie die Lücke übernehmen können. Man könnte die sehr schleppende Umstellung der Heizungen und der Industriewärme mit schärferen Gesetzen beschleunigen.
      Und natürlich könnte man in großem Maßstab CO2 aus der Luft holen. Die Technologie ist vorhanden, die ersten Anlagen könnten in zehn Jahren in Betrieb gehen. Wir brauchten aber auch Stromspeicher in großem Maßstab. Das alles würde den Strom, aber auch das Heizen deutlich verteuern. Man könnte aber argumentieren, dass die Deutschen das in Kauf nehmen müssten, weil sie im zwanzigsten Jahrhundert weit über ihre Verhältnisse gelebt haben. Andererseits müsste man es auch den Wählern verkaufen, und das könnte schwierig werden.
      Aber nehmen wir an, wir machen allen vor, dass wir bereit sind, uns einzuschränken, bereit sind CO2 auf unsere Kosten aus der Luft zu holen, ob andere dann sofort nachziehen. Und da habe ich meine Zweifel. In China, Indien, Indonesien (und nicht nur dort) lautet die Devise eher: “Jetzt sind wir erstmal dran. Und wenn die Europäer sich einschränken wollen, ist das ihre Sache. Wir wollen überhaupt erstmal gut leben, dann können wir über Einschränkungen reden.”
      Letztlich erreichen auf diese Art lediglich ein gutes Gewissen, aber die globale Erwärmung stoppt trotzdem nicht unter 1,5 °C. Das ist aber letztlich das Ziel und ehrlich gesagt sehe ich ich im Moment nicht, wie wir das erreichen sollen.

  33. @ Martha P.

    Aber wir alle müssen etwas tun, schnell und massiv.

    Mal interessehalber: Um wieviel hast Du Deinen CO2-Ausstoß in den letzten 15 Jahren gesenkt? Man kann es ja sehr gut selbst steuern.

  34. @Radwege

    Wir haben in Europa schon eine gewisse Vorbildfunktion, immerhin haben wir die Industrialisierung erfunden. Wenn wir jetzt gangbare Wege in unserer Verantwortung finden und umsetzen, sind die Chancen gar nicht so schlecht, dass die anderen, die letztlich auch die ganze Zeit uns nacheifern, dass die unserem Beispiel folgen. Zumal auch die bei uns weiter entwickelte und ausgereifte Technik helfen wird, klimaneutrale Technik allgemein zu etablieren. Die Entwicklungskosten sind dabei ja nicht unerheblich.

    Gut fahrbare Radwege bauen wie in Kopenhagen bringt richtig viel weniger Autoverkehr im Stadtbereich. Viele Dänen können sich ihr Privatauto deswegen sparen. Und ein eigenes Auto ist richtig teuer. Wenn nur die Hälfte von dem eingesparten Geld in gute klimaneutrale Technik für Heizung und Strom fließt, ist das Problem auf dem Sektor Privatverbrauch gelöst, schätze ich mal. In 6 bis 7 Jahren will Kopenhagen die erste emmissionsfreie Hauptstadt der Welt sein. Dazu gehört dann auch der verbliebene Autoverkehr, vermute ich in dieser Rechnung, das weiß ich jetzt aber nicht so genau.

    Und warum kann Kopenhagen das, und Dortmund nicht? Weil Kopenhagen in Dänemark liegt, und Dänemark keine Autoindustrie hat. Und weil Dortmund in Deutschland liegt, und die Autoindustrie in Deutschland den Politikern Stellen in der Wirtschaft verspricht, in denen sie noch 10 mal mehr Geld verdienen können, als in ihrer Politkarriere. Deshalb gibt es in Dortmund eben keine Radwege, und wenn Radwege, dann meistens schlecht fahrbare, die nicht zu billig, sondern oft einfach nur dumm konstruiert sind.

    Radwege sind nicht mal teurer als Straßen für Autos, eher deutlich günstiger. Fast schon im Zuge von ohnehin nötigen Instandhaltungsarbeiten ließe sich das in 5 bis 10 Jahren ohne große Kosten umsetzen. Hier ist wirklich nur intelligente Wegeplanung und der dazu nötige politische Wille erforderlich.

    Ich selbst kämpfe mich durch den Dortmunder Stadtverkehr, aber das ist recht gefährlich und ich habe die entsprechende Fahrerfahrung und die detaillierte Ortskenntniss, die man dafür braucht, weil ich sowieso schon immer gerne Fahrrad fahre. Für mich ist das die schönste Art der Fortbewegung. Die meisten bräuchten wirklich bessere Radwege, denen ist das mit gutem Grund so zu gefährlich. Wer nur die Tretleistung nicht hat, dem helfen die inzwischen ausgereiften Elektrofahrräder. Deren Stromverbrauch ist so gering, der ist komplett zu vernachlässigen.

    • Für mich als Münsteraner ist es schon etwas schmerzhaft, wenn immer Kopenhagen als fahrradgerechte Stadt zitiert wird. Wir haben hier, in der Fahrradhauptstadt Deutschlands, mehr Fahrräder als Einwohner, und in kann Ihnen versichern, die Menschen fahren auch damit. Wen es interessiert, hier eine genauere Beschreibung auf stadt-muenster.de, dem Portal von Münster Marketing. Hier gibt es fast überall Radwege, und die Autofahrer haben sich daran gewöhnen müssen, dass Radfahrer sich im Zweifel an keine Vorfahrtsregeln halten. Trotzdem ist die Stadt voller Autos. Man müsste ihn aktiv aus der Stadt verbannen, wenn man ihn loswerden will. Auf einem Fahrrad kann ich nunmal nur sehr begrenzt Einkäufe transportieren. Ich selber habe schon abenteuerliche Zeiten mit sperrigen Sachen auf meinem Fahrrad erlebt.
      Fazit für Münster: Hier wird wirklich viel für die Radfahrer getan, wer immer bei den Kommunalwahlen gewählt werden will, muss ihre Interessen berücksichtigen. Man merkt auch, dass bei Kälte oder Regen sehr viel mehr Autos unterwegs sind. Aber trotzdem reicht die Förderung der Räder nicht aus, um Autos wirksam zu verdrängen. Das Problem muss man direkt angehen, fürchte ich.

  35. @Martha P. (Zitat): Und irgendwer muss immer mit gutem Beispiel vorangehen.
    Ja. Und das gute Beispiel, das Beispiel das Schule machen wird, ist das mit dem besten Kosten-/Nutzenverhältnis also dasjenige, welches zu den grössten Emissionsreduktionen führt relativ zum investierten Geld oder relativ zu dem was den Bürgern abverlangt. Letztlich ist die Transformation auch ein demokratischer Prozess. Wenn die Bürger sich verweigern geht es nicht.

    Wenn es heute Vorzeigeländer in Sachen Klimaschutz gibt, dann ist es leider nicht Deutschland. Es sind eher Grossbritannien (38% Reduktion seit 1990 und heutige CO2-Emissionen wie letztmals 1880) und Schweden (weniger als 4 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf und Jahr). Sogar die USA haben in den letzten 10 Jahren stärker reduziert als Deutschland. Warum Grossbritannien und nicht Deutschland und warum haben die USA in den letzten 10 Jahren ihre Treibhausgasemissionen stärker reduziert als Deutschland ? Weil Grossbritannien und die USA massiv weniger Kohlekraftwerke im Einsatz haben als vor 10 Jahren. Folgerung: Im letzten Jahrzehnt haben nicht diejenigen Länder mit dem stärksten Ausbau der Erneuerbaren ihre Emissionen deutlich reduziert, sondern diejenigen, die von der Kohle weggegangen sind. Deutschland (2017 wurden fast 40% des Stroms erneuerbar erzeugt) und China (die heutige Nr2./Nr1 bei den Erneuerbaren) haben ihre Emissionen kaum reduziert oder sie sogar ausgebaut (China).

    Was kann man aus diesen Erfahrungen lernen?
    Offenbar genügen Fördermassnahmen für “grüne” Energien allein nicht um Kohle,Öl und Erdgas zu verdrängen. Es scheint eine aktive Abschaltpolitk zu brauchen, eine Politik, die Kohlekraftwerke direkt oder indirekt (über Marktmechanismen) vom Netz nimmt. Allerdings gilt diese Aussage vor allem für die heutige Phase der Dekarbonisierung. In 20 Jahren könnte es wieder anders aussehen. In 20 Jahren sind wohl die meisten Kohlekraftwerke in Europa und den USA vom Netz und die Gründe für eine allfällige Stagnation bei den Emissionsreduktionen werden dann andere sein.

  36. Nee bote19, von “Nebel”, oder von einer unkonkreten Vorstellung, wie diese Welt zweifelsfrei und eindeutig ökonomisch-ökologisch gestaltet werden muss, kann bei mir keine Rede sein.
    Wenn Nahrung, Wohnen und Gesundheitsversorgung, also eine vernünftige Grundversorgung, frei von Kosten und Erpressung sind, dann braucht sogar niemand mehr eine Krankschreibung, weil die beliebig teilbare Arbeit, konsequent nach getaner Leistung bezahlt / entlohnt / vergütet werden kann, also Arbeit die ausschließlich für die Gemeinschaft nach rein ökologisch-ökonomischen Aspekten getan wird.
    In solch einer Gesellschaft, würden die Bemühungen in / zu einer höheren Bildung sogar von Anfang an entsprechend belohnt werden!

  37. @Martin Holzherr 5. April 2019 @ 17:05

    Offenbar genügen Fördermassnahmen für “grüne” Energien allein nicht um Kohle,Öl und Erdgas zu verdrängen. Es scheint eine aktive Abschaltpolitk zu brauchen, eine Politik, die Kohlekraftwerke direkt oder indirekt (über Marktmechanismen) vom Netz nimmt.

    Eventuell setzt man in de Fördermassnahmen auf das “falsche Pferd”. Vor allem der Wind weht naturgemäss unregelmässig und muss bei Flaute dann durch andere Energie/Strom-Quellen ersetzt werden. Wenn man bedenkt, daß erst recht spät die Stromverbindung vom windreichen Norden in die Industrieregionen im Süden geplant wurde, dann sehe ich hier ein Manko.

  38. Ach ja das Totschlag-Argument kommt auch immer, wenn man zum Handeln aufruft :-). Den engagierten Schülern kommt man auch gerne so. Danach hätten ja nur Asketen dieses Recht. Ich empfehle das Interview mit Herrn Alexander Carius von adelphi in der Süddeutschen Zeitung vom 26. Februar – Frage: “Was wäre zielführend?”.
    Wie sieht’s mit deiner Reduktion aus, wenn du meinst mich danach fragen zu dürfen? Ich kenne meine nicht. Ich achte schon seit Langem auf umweltbewusstes Handeln, im Rahmen der persönlichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten. Ich habe vor kurzem über den CO2-Rechner vom Umweltbundesamt interessehalber mal unseren Fußabdruck abgeschätzt. Ich fand unsere 8 t CO2 pro Kopf und Jahr im Vergleich zu den 12 t nicht schlecht. Wir haben als 4-Personen-Haushalt fast den Stromverbrauch eines 1 Personen-Haushaltes … Und? Habe ich jetzt deiner Meinung nach das Recht Handeln einzufordern, oder habe ich es verwirkt? Bist du in der Position das zu entscheiden? Was sollen solche Fragen, wie die deine? Ja, jeder kann etwas beitragen. Wir tun etwas. Ist es ausreichend?
    Es gab mal eine Untersuchung, Quelle finde ich so schnell nicht, dass der Mensch viele, viele Entscheidungen am Tag treffen muss, und es schlicht unmöglich ist, schon aufgrund unserer biologischen Programmierung, immer umwelt- und klimafreundlich zu handeln. Ein Gesamtkonzept muss her, politisch, gesellschaftlich. Ein Gesamtkonzept für alle Sektoren (Energieerzeugung, Mobilität …) mit dem man Vor- und Nachteile von einzelnen Maßnahmen gerecht! ausbalancieren kann. Denn etwas vereinfacht gesagt, je ärmer der Mensch, desto geringer sein CO2-Fußabruck. Deshalb ist es auch verständlich, wenn viele Bürger aufschreien, wenn man mit wenigen Einzelmaßnahmen, zB höheren Spritpreisen, daher kommt.
    Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen nichts weniger als eine zweite industrielle Revolution. Energie muss nicht nur anders erzeugt, sondern auch eingespart werden, weniger Ressourcen verbraucht werden etc. Kosten und Gewinne müssen gerecht verteilt werden. Und der gesunde Menschenverstand ist nicht immer ein guter Ratgeber.
    Einen schönen Tag noch

    • Ich fand unsere 8 t CO2 pro Kopf und Jahr im Vergleich zu den 12 t nicht schlecht.

      Das ist auch nicht schlecht, aber der Durchnittswert für Deutschland im Jahr 2017 liegt bei 9 Tonnen. Quelle: Portal Statista. Die Bundesregierung hat gerade bekanntgegeben, dass der CO2-Ausstoß in Deutschland 2018 um 4,7 gesunken ist. Der Ausstoß pro Kopf dürfte als bei etwa 8,6 Tonnen gelegen haben. Auch bei einer bewussten Lebensweise ist es also wirklich schwer, deutlich darunter zu bleiben.

  39. @ Martha P.

    Ach ja das Totschlag-Argument kommt auch immer, wenn man zum Handeln aufruft 🙂

    Das ist kein Totschlag-Argument. Zum Handeln aufrufen kann jeder (tut auch heute gern jeder), sich zum Handeln aufraffen ist viel schwieriger (tut darum heute auch fast niemand). Glaubst Du, die Politik nimmt solche Signale nicht wahr? Im Grunde fordern die Bürger nichts anderes als Symbolpolitik, und darum liefert die Politik auch nur Symbolpolitik. Wütende Demonstrationen konkret gegen das nutzlose EEG habe ich noch nirgendwo gesehen, dabei müsste doch allen klar sein, wie wenig zielführend es ist (siehe Martin Holzherrs gute Erläuterung oben).

    Die gesamte Klimadebatte ist heute eine Wohlfühldebatte zur Selbstvergewisserung des Bürgertums, dass wir verantwortlich sind und vereint fordern, dass endlich was passiert. Aber bitte nichts Wirksames.

  40. “Wir brauchen nichts weniger als eine zweite industrielle Revolution.”

    Nee, eine soziokulturelle, die den geistigen Stillstand und den technokratisch-statistischen Kommunikationsmüll in Steuern zahlen und die somit wettbewerbsbedingte Symptomatik für den Kreislauf des imperialistischen Faschismus endgültig beendet.

  41. @Tim

    “Aber bitte nichts Wirksames.”

    Die Profitler haben derzeit ein großes Problem, mit dem wachsenden Unmut gegen den Mietwucher – das dort Enteignung und Verstaatlichung gefordert wird, das wird wachsend und wirksam werden, besonders weil die Profitler nicht viel Entgegenkommen zeigen können.

  42. Sehr geehrer Herr Grüter,
    die EU steht beim Ausstoß von Treibhausgasen weltweit an 3. Stelle, nach China und den USA. Deutschland hat in der EU den größten Anteil. Ja, es sind tatsächlich nur 2%. Aber die Mehrheit aller Staaten liegt zum Teil noch deutlich darunter. Und wir sollten nicht die Vergangenheit vergessen. Wie Sie treffend feststellen, nutzten wir die vergangenen Jahrzehnte, um uns mit dem Verbrennen fossiler Energieträger einen großartigen Wohlstand zu schaffen. Dieses CO2 ist eben jetzt in der Atmosphäre.
    Kann es sein, dass wir unser Budget nun verbraucht haben. Jeder von uns kann noch sehr viel tun, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Wir konzentrienen uns auf einen nachhaltigen Lebensstil und setzen z.B. unsere Ersparnisse für die Sanierung unserer Häuser ein. Dafür verzichten wir dann auf große Autos, auf Flugreisen und reduzieren unseren Fleischkonsum.

    • Nicht spricht gegen einen nachhaltigen Lebensstil. Nur sollten wir uns klarmachen, dass die weltweite Klimabilanz sich dadurch kaum verändert. Und sicher, wir haben gut gelebt, aber müssen wir deshalb unseren Nachfahren aufgeben, zu verzichten, und anderen ein gutes Leben zu ermöglichen?
      Lassen Sie es mich noch drastischer ausdrücken: Wir, die Europäer, Amerikaner, Australier etc. haben die Biosphäre im letzten Jahrhundert übel verprügelt, und uns dabei wohlgefühlt. Ist es gerecht, jetzt anderen zuzugestehen, die Biosphäre weiter zu vermöbeln, damit sie sich auch wohlfühlen? Und wäre das gegenüber der Biosphäre gerecht?

  43. Also für mich wäre ein Analog die Sklaverei der Südstaaten: Aus heutiger Sicht ethisch nicht o.k., damals ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wenn jetzt ein Dorf der damaligen Zeit entschieden hatte: Wir möchten keine Sklaverei mehr akzeptieren, daher arbeiten wir bei uns im Dorf ab jetzt nur selbst und nehmen dafür Härten in Kauf. War die Herangehensweise des Dorfes gut oder sage ich denen als Zeitreisender: “Leute, die paar Sklaven die ihr entlassen habt, nützen beim Gesamtproblem der Sklaverei doch gar nichts. Wollt ihr wirklich so hart haben? Jetzt behaltet doch erstmal eure Sklaven.”
    Nein, im Gegenteil – für mich wären die Dörfler Helden!

    Mir erscheint das prinzipiell als analog und ich denke: Ethik funktioniert nur gut, wenn auch ein räumlich begrenzter, aber eigentlich für die Durchführenden großer Schritt hoch gewürdigt wird. Wie soll es anders gehen?

    • Im Fall der Sklaverei hat das nicht funktioniert. Es gab in den USA immer Gemeinschaften, die die Sklaverei für sich ablehnten. Aber erst das Verbot brachte die Abschaffung, nicht das moralische Vorbild . Im übrigen blieben die Schwarzen auch danach bitter arm und weitgehend rechtlos. Das hat sich erst in den letzten Jahrzehnten wirklich geändert.

  44. @Thomas Grüter Radwege in Münster

    In Münster müsste der Autoverkehr wohl auch deutlich geringer sein als z.B. in Dortmund. Tut mir leid, aber ich war schon seit 25 Jahren nicht mehr mit dem Fahrrad in Münster. Das war damals noch etwas holprig finde ich.

    Die besten Radwege sind durchgehende Wege, auf denen man zügig weitere Strecken fahren kann, ergänzt durch Nebenstraßen als Verkehrsberuhigte Zonen, die aber so, dass Radfahrer nicht über Buckel und Kanten fahren müssen. Wenn ein Radweg an einer gut befahrenen Straße langführen muss, dann am besten direkt am Straßenrand lang aber breit genug und mit einer kleinen Kante zur Autofahrbahn hin. Radwege zwischen den Fußgängern durch sind ungut, das gibt ständig Konflikte mit den Fußgängern und an jeder Straßeneinmündung muss man wieder die Buckel rauf und runter.

    Ich habs nur im Fernsehen gesehen, dass man das in Kopenhagen so macht, mit dem Erfolg, dass der Autoverkehr tatsächlich halbiert werden konnte. Die haben da aber auch gezielt Parkplätze für PKW abgebaut, alleine schon um auch Platz für die guten Radwege zu schaffen.

    Bei großer Kälte und kräftigem Regen bleib ich auch lieber zuhause, wenn das möglich ist. Aber nur selten muss ich einen Kollegen fragen, ob er mit mir zum Baumarkt fährt. In meine Satteltaschen passen 30 Kg, auf den Vordergepäckträger auch sperrige Sachen bis Umzugskartongröße und max. 10 Kg. Was langes dünnes bis 2,5 m passt mit Klebeband längs man Fahrrad befestigt, und hinten übers Ende hinausragend. Ansonsten gibt es auch Lastenfahrränder, aber ich bräuchte keins. Wenn ich für große Feten einkaufe, fahr ich eben 2 mal.

  45. Nochmal auf Anfang, bzw. “Versagen”: “Hätten sie vor 30 Jahren …”

    Ich kann mich erinnern, wie Ende der Siebziger, von den Amis der “point of no return” definiert wurde, also …!

  46. Sklaverei, im System von “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” – Für die Gedankenwerkstatt: “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” Marie von Ebner-Eschenbach !!!

  47. Also, das mit den 8,6 Tonnen CO2 pro Person von Statista will mir nicht in den Kopf.
    Allein die Fahrleistung PKW (15000 km) ergeben knapp 3 Tonnen CO².
    Dann noch ein Urlaub mit dem Flugzeug, fleischbetonte Kost und der private Konsum und Bekleidung und Heizung, dafür sollen die restlichen knapp 6 Tonnen ausreichen?
    Und die CO² Emission auf Arbeit ? Und die externalisierte fossile Energie der ganzen schönen Sachen, welche in Niedriglohnländer für uns so schön preiswert hergestellt werden ? Ich weiß nicht …
    Wie wäre es denn erst mal mit einem weltweiten angleichen der pro Kopf CO² Emission auf, sagen wir mal 5 Tonnen?
    Hab mal meine Werte ermittelt, komme auf 6 Tonnen. Und lebe sehr gut damit, bestimmt wie Ludwig der XIV ?

  48. Das Problem ist das Verbrennen fossiler Brennstoffe. Nur wandeln nach der Formel on CO2 zu C + O2. Das können die Pflanzen am besten.
    1. Maßnahme: Begrünung aller Hausdächer.
    2. Begrünung von Industriebrachen
    3. Begrünung der Wüsten mit der Hilfe von Sonnenenergie + Meerwasserentsalzung.
    4. Unterstützung der spanischen Blumenerzeugung “Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.
    5. Spaltung bzw. Reduktion von SiO2 in Form von Sand zu Si und O2 um den Sauerstoffanteil der Atmosphäre zu erhöhen.
    Frage an Chemiker: Kann man SiO2 zu SiC umwandeln in der Form CO2 + Si = SiC + O2 ?

  49. Korrektur.
    Nur die fossilen Brennstoffe erhöhen den CO2 Gehalt. Also muss dieser Prozess umgekehrt werden . Aus CO2 wieder C + O2.

  50. Kommen wir noch einmal auf die Kernaussagen von Herrn Grüter zurück:

    1. Unsere Generation ist nicht schuldig und
    2. nicht nur das, wir (Deutschen) haben für den Erhalt der Natur genug geleistet.

    Zwar kann man mit solchen Aussagen viel Aufmerksamkeit gewinnen, allein sie zeugen aber auch seitens des Autors von keinerlei Demut.

    Gehen wir einfach mal ein paar Jahrzehnte weiter und lassen die Entwicklung so wie diese von Herrn Grüters auch gesehen wird ihren Lauf. Die heutigen Schüler werden zwangsweise ihren Komfort massivst einschränken müssen, haben aber noch sehr gut in Erinnerung wie man damals in ihren Kinderjahren in Saus und Braus gelebt hat und wie sie damals bereits dagegen protestierten. Zufällig stoßen sie dann in der Zukunft auf den Artikel von Herrn Grüters und sind milde gestimmt, weil unsere Generation ja alles Notwendige getan hat …

    Was will ich sagen? Wir werden uns in diesen Tagen schon moralisch ‘rein waschen’. Das hatten eine andere Generation vor uns im anderen Kontext schon einmal getan …

  51. Die Schulstreiks im Namen des Klimas, aber auch der Green New-Deal von US-Demokraten um Alexandria Ocasio-Cortez fordern den fast unmittelabaren Ausstieg aus der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen (also Kohle, Öl und Gas). Der Green New Deal wollte/will das in 10 Jahren erreichen unter anderem finanziert durch massive staatliche Investitionen und eine Politik des billigen Geldes. Im Rahmen der Schulstreiks wurden oft die Jahre 2035/40 genannt.
    Das wäre tatsächlich eine radikale Beschleunigung. Mein Eindruck ist aber eher, dass Europa selbst bei massiv grösseren finanziellen und politischen Bemühungen im Klimaschutz Mühe haben wird eine Dekarbonisierung bis 2050 zu erreichen (Dekarbonisierung bedeutet für mich weniger als 1.5 Tonnen CO2-Emission pro Person und Jahr). Gründe dafür sind
    1) Politik und Industrie in Deutschland, aber auch Europa als Ganzes tendieren zu einem Ersatz von Kohle durch Erdgas und Erneuerbare. Nordstream2, jüngst abgeschlossene Handelsverträge mit aussereuropäischen Erdgaslieferanten, aber auch das Versprechen von Juncker und Merkel den USA Gas abzukaufen deuten alle darauf hin. Doch ein so starkes Engagement für Erdgas als Brückentechnologie bedeutet auch eine jahrzehntelange Bindung, denn Investitionen in den Energiesektor wirken über lange Zeiträume. Wer jetzt im grossen Stil in Erdgas investiert ist mit Sicherheit im Jahr 2035 noch nicht dekarbonisiert.
    2) Pläne für ein 100% mit Erneuerbaren Energien versorgtes Europa wie von Stephan Rahmstorf verlinkt ( Flexible electricity generation, grid exchange and storage for the transition to a 100% renewable energy system in Europe ähneln sich alle dadurch, dass sie einem komplexen Mix von Energieproduktion, Speicherung, Elektrifizierung des Verkehrs und vieler anderer Bereiche, den Ausbau und Neubau von Strom-Fernleitungen (Hochspannungsgleichstromübertragung) und die Produktion von synthetischem Treibstoff vorsehen und dabei auch auf Technologien setzen, die sich noch im Entwicklungsstadium befinden. Zu diesen noch unreifen Technologien gehören etwa 2 bis 5 Mal billigere Netzbatterien als heute, die Erzeugung von synthetischem Treibstoff im grossen Masstab und die Umwandlung von Strom zu Gas im grossen Masstab. Die verlinkte Studie nennt wohl deswegen als Zieldatum das Jahr 2050.

    Mein Eindruck ist insgesamt, dass die Dekarbonisierung sogar bei verstärkten Bemühungen länger benötigt als heute die meisten annehmen. Schneller könnte es gehen, wenn unvermutet neue hocheffiziente Technologien (etwa billige Netzbatterien) auftauchen oder wenn ein politisch/technischer Plan etwas Vielversprechendes sehr schnell umsetzt. Beispielsweise könnte Europa die unterschiedlichen Wetterregime, die in der Nordatlantikregion, dem Balkan und Nordskandinavien herrschen, dazu ausnutzen ein vernetztes System von Windparks in diesen Regionen aufzubauen und damit ganz Europa praktisch ohne Backup mit Windstrom zu versorgen, denn in diesen 3 Regionen weht der Wind praktisch unabhängig voneinander. Doch damit so etwas 2035 fertig wäre, müsste der Startschuss dazu schon heute gegeben werden und nicht erst wenn sich alle EU-Länder einig sind.

    Ich bin eher pessimistisch was den Zeitpunkt betrifft an dem Europa dekarbonisiert ist. Die meisten europäischen Länder versprechen bis 2050. Doch sie handeln, als wäre bis dahin noch eine lange Zeit. So lange ist das aber nicht, wenn man es mit der Energieversorgung von ganzen Ländern, der Mobilität und einem riesigen Bestand an Gebäuden zu tun hat.

  52. So wie wir schon den fast stummen Frühling in landwirtschaftlich geprägten Gegenden “erspritzt” haben, so wird uns auch eine Klimakatastophe bevorstehen, wenn wir nichts grundlegend ändern.
    Seit mehr als 30 Jahren ist bekannt, dass die Ressourcen der Erde nicht unendlich sind, dass Ökosysteme nicht unendlich belastbar sind, dass wir biologische Wesen sind, die von der Umwelt abhängen, und trotzdem ist nicht genügend getan worden, um Emisson von Treibhausgasen zu mindern. Die reichen Industriestaaten blasen seit 200 Jahren Kohlenstoffdioxid in die Luft und wollen nun keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Die Frage ist: Wie viel Katastophe braucht die Menschheit, um zu erkennen, dass es nicht erst fünf vor zwölf ist, sondern schon fast eine Minute nach zwölf.
    Die protestierenden jungen Menschen sind noch nicht laut genug. Die schwerhörigen Älteren brauchen offensichtlich noch wesentlich mehr Druck.

    • Der Titel “Der stumme Frühling” bezog sich auf das massenhafte Sterben der Vögel durch Insektizide, hauptsächlich das damals sehr verbreitete DDT. Die Endlichkeit der Ressourcen ist schon länger bekannt, spätestens seit dem Erscheinen des Buchs “Die Grenzen des Wachstums” im Jahr 1972. Lange vorher, im Jahr 1798 brachte der britische Pfarrer Thomas Malthus sein Buch “An Essay on the Principle of Population” heraus. Er warnte darin, dass sich die Bevölkerung exponentiell vermehrt, wenn sie genügend Nahrung hat, die Nahrungsmittelproduktion aber nur linear gesteigert werden kann. Also seien, so schloss er, wiederkehrende Hungersnöte unausweichlich. Das Werk wurde weltbekannt, und eine durch Bevölkerungsexplosion erzeugte Katastrophe heißt seitdem “Malthusianische Katastrophe”. Kritiker wenden aber ein, dass die Weltbevölkerung seitdem fast um den Faktor acht zugenommen hat, ohne dass die Hungerkatastrophe eingetreten wäre. Der in “Die Grenzend es Wachstums” vorausgesagte Rohstoffmangel (z.B. Gold und Silber) ist ebenfalls ausgeblieben. In den frühen achtziger Jahren war das Waldsterben in Deutschland ein beherrschendes Thema. Folgte man den schlimmsten damaligen Vorhersagen, wäre Deutschland heute entwaldet. Dies nur als kleine Erklärung, warum viele Menschen inzwischen den vielen Untergangsszenarien skeptisch bis gleichgültig gegenüberstehen.
      Und wenn Druck gemacht wird, dann sollte er in die richtige Richtung gehen. Es reicht nicht, wenn wir hier etwas schneller Kraftwerke abschalten. Entweder es machen alle großen Emittenten mit, oder der Effekt verpufft. Damit ist aber niemandem gedient.

  53. Lieber Herr Grüter,

    mein Name ist Robert Peters-Gehrke (erwähne ich, weil ich die Anonymität von Antworten im Internet nicht mag), und ich finde Ihren Artikel sehr interessant. Vielem kann ich zustimmen, anderem nicht. Nicht nur als Vater zweier kleinerer Kinder und als Lehrer vieler Kinder, Jugendlicher und Heranwachsender bewegt mich das Thema Klimawandel sehr. Ich schwanke da zwischen Phasen der Angst und der Zuversicht. Ich bin dem BUND und dem NaBu beigetreten, unterstütze viele Aktionen und Kampagnen, bemühe mich – mal mehr, mal leider weniger konsequent – um klimaschonendes Leben (keine Flüge, wenige Fahrten, weniger Fleisch, Ökostrom, weniger Heizung, Wildblumen auf den Balkonen). Das ist meine Angst mit der Sache umzugehen, auf die ich sonst als Einzelperson wohl wenig Einfluss habe.

    Der Titel Ihres Artikels “Klimaschutz, jetzt mal ernsthaft” ist mir zu provokativ, ist doch an ernsthaften Artikeln und Auseinandersetzungen zum Thema kein Mangel. Die Frage ob “unsere Generation” (ich bin 54) beim Klimaschutz versagt” hat, beantworten Sie sehr deutlich: “Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an”. Ich befürchte, diesen Schuh muss sich “unsere Generation” anziehe, wobei mich der generalisierende Vorwurf an eine ganze Generation auch stört. Natürlich stimmt es, dass es viele Fortschritte gab und gibt, gerade im Bereich des Umweltschutzes. Vielleicht kennen Sie das sehr empfehlenswerte Buch “Factfulness” von Hans Rosling, das genau das thematisiert. Aber das Thema Klimawandel und seine wahrscheinlichen Gefahren sind jetzt schon länger bekannt, und “unsere Generation”, jedenfalls die Generation der Politiker und Industrieführer haben da nicht reagiert – und wurden von der Mehrheit der Menschen auch nicht wirklich gedrängt. Da müssen wir uns von den demonstrierenden Schülern schon vorwerfen lassen, nicht gehandelt zu haben und auch jetzt zu zaghaft zu handeln. Allerdings haben Sie auch völlig Recht mit dem Satz “Deutschland und große Teile von Europa sind grüner und gesunder als noch von 30 Jahren”.

    Sie haben auch Recht damit, dass es wünschenswert wäre, wenn alle Staaten dem Vorbild der “EU-28 (mit England)” gefolgt wären, die “ihre Treibhausgas-Emissionen von 1990 bis 2016 um 24 % gesenkt” haben. Ich kann Ihnen aber nicht darin folgen, wenn Sie “uns Europäern” (damit generalisieren Sie übrigens genauso wie die Freitagsdemonstrierer) vorwerfen, wir glaubten, “für die gesamte Welt moralisch verantwortlich” zu sein. Zum einen verhalte ich mich persönlich deshalb so klimaschonend wie möglich, weil ich mich damit besser fühle. Ich bin lieber ein Teil der Lösung als des Problems (wenn ich schon als Bürger eines Industrielandes per defitionem auch Teil des Problems bin). Zum anderen ist es nicht Moral alleine, sondern schiere Vernunft, als Europäer und Deutscher Politik zu unterstützen, die den Klimawandel positiv beeinflusst. Wir können gewiss die Welt nicht alleine retten, aber wir können Wege aufzeigen, Modelle vorstellen, beeinflussen, auch vorweggehen.

    Ja, “die asiatischen Schwellenländer” versauen die Klimabilanz – nachdem der Westen tüchtig vorgelegt hat. Daher ist es wichtig, vielleicht sogar auch aus moralischer Sicht (siehe oben) geboten, dass wir ein gutes Beispiel abgeben. Nachdem “wir” den Karren in den Dreck gefahren haben, können wir wohl schwerlich den “asiatischen Staaten” verbieten, sich zu entwickeln. Wir können ihnen aber an unserem Beispiel zeigen, wie man so entwickelt, dass folgende Generationen noch menschenwürdig leben können.

    “Man sollte auch nicht vergessen, dass Russland, die USA, Kanada, Brasilien, die Türkei und Australien (zusammen ca. 25 % der globalen Emissionen) ebenfalls keine großen Ambitionen zeigen, sich für den Klimaschutz in irgendeiner Weise einzuschränken.” Nun, so wir alle Glück haben und die amerikanischen Demokraten klug sind, wird die USA bald (nach Trump) größere Anstrengungen unternehmen. Ihre Sicht auf Kanada finde ich falsch, das Land unternimmt gewiss größere Anstrengungen als Brasilien, die Türkei und Australien.

    Ja, die Freitagdemonstrationen sind nicht differenziert, das kann man von einer Demonstration auch schwerlich verlangen. Aber ist es falsch, von der deutschen Regierung, etwa von Klöckner, Scheuer und Altmaier, mehr Anstrengungen zu verlangen? Nein, die “Rettung der Welt [scheitert nicht] an der Weigerung der deutschen Regierung, einige Braunkohlekraftwerke vorzeitig abzuschalten”. Aber diese Kraftwerke (hier in Aachen sehe ich den ganzen Tag die Dreckwolke von Weisweiler am Horizont) vorzeitig abzuschalten, wäre doch geboten.

    “Deutschland kontrolliert nur 2% der Treibhausgas-Emissionen. Ob wir weiter machen wie bisher oder Deutschland binnen 17 Jahren völlig dekarbonisieren, wie etwa Stefan Rahmstorf vorgeschlagen hat, macht in der weltweiten Gesamtbilanz kaum einen Unterschied.” Das ist genau die Argumentation, die zu Passivität führt. Ich werfe Ihnen nicht vor, dass Sie das wollen, aber es macht persönlich und politisch sehr wohl einen Unterschied, ob ich mich als Einzelperson für mehr Klimaschutz einsetze. Deutschland ist der wichtigste Staat der EU, die EU ist der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt und ein wichtiger globaler Spieler – natürlich macht es da Sinn, auch als Einzelperson und auch als Einzelstaat einer Dynamik Schwung zu verleihen, die am Ende globale Auswirkungen haben wird.

    “Warum sagt das keiner? Warum sind Eltern, Lehrer, Politiker und Journalisten stolz auf protestierende Kinder, obwohl deren Forderungen offensichtlich ins Leere gehen?” Hier, finde ich, liegen Sie falsch. Die Forderungen der Protestierenden gehen eben nicht ins Leere. Ja, es macht in der globalen Bilanz nur einen mikroskopisch kleinen Unterschied, ob ich ein SUV fahre oder nicht. Ist die Forderung nach einem anderen Verkehr in Deutschland also Unfug? Ist es also falsch, im Privatleben klimaschonende Mobilität zu praktizieren, weil China die Klimabilanz beherrscht?

    “Wissen sie es nicht besser oder sagen sie sich, dass jedes Engagement gut ist, auch wenn es absehbar keine Wirkung hervorbringen kann?” Aber die Wirkung ist doch da, es gibt eine Dynamik, die die öffentliche Debatte beeinflusst und die Politik. Ist es nicht etwas unfair, von den Demonstrationen zu verlangen, dass sie gefälligst die globale Klimabilanz deutlich beeinflusst?

    “Die Frage, die wir beantworten müssen, lautet: wie bringen wir wachsenden Wohlstand und Klimaschutz zusammen?” Ja, diese Frage müssen wir beantworten. Und dazu leisten die Demonstrationen einen wichtigen Beitrag, weil sie das Thema in der Öffentlichkeit halten. Ich jedenfalls habe noch nie so viel über Klimawandel in den deutschen Medien gefunden – das ist ein Verdienst dieser Demonstrationen.

    “Nur wenn die asiatischen Länder sowie die USA, Kanada und Brasilien überzeugt sind, dass es einen solchen Pfad gibt, werden sie ihn gehen.” Ich glaube übrigens, dass am Ende der Egoismus siegen wird – der Egoismus des Überlebenwollens. In den USA gibt es eine Unmenge von Aktionen und Kampagnen, meist von Inititativen, aber auch von Städten und Bundesstaaten für mehr Klimaschutz, die Demokraten bereiten auch landesweit bereits eine andere Politik vor (fingers crossed, dass Trump bald nicht mehr bremsen kann). Kanada sehe ich wesentlich differenzierter als Sie, Brasilien wird am Ende den globalen Weg mitgehen, wie auch immer der aussehen wird.

    “Haben wir Europäer eine historische Schuld auf uns geladen, weil wir schon so lange Treibhausgase in die Luft blasen? Sind wir also moralisch verpflichtet, zu verzichten, zu fasten und Asche auf unsere Häupter zu streuen, nur um unsere Bußfertigkeit zu beweisen?” Das ist eine Stelle in Ihrem meist differenziert argumentierenden Artikel, die mich ärgerlich macht. Ja, wir Europäer (und Amerikaner) haben eine “historische Schuld” auf uns geladen – denn wir haben gewaltig vorgelegt, was Klimazerstörung angeht. Und nein: Wir sollen nicht unsere “Bussfertigkeit” beweisen, sondern unsere historische Verantwortung übernehmen. Was ist daran falsch?

    “Ist die Dekarbonisierung, der Verzicht auf Treibhausgas-Emissionen, eine Strafe, die wir der Gerechtigkeit halber auf uns nehmen müssen, auch wenn wir die globale Erwärmung damit nicht aufhalten?” A) Es ist keine “Strafe”, sondern eine vernünftige Handlungsweise. Ich sehe nicht, dass die Freitagsdemonstrationen fordern, dass wir uns kasteien sollen. Wir sollen Verantwortung übernehmen, was sehr sinnvoll ist. B) Wir können allein die Erwärmung nicht aufhalten, wir können aber unseren Anteil leisten, dass sie aufgehalten bzw. beeinflusst wird. Wäre das falsch?

    “Wenn die Menschheit als Gesamtheit so reagiert, wie der durchschnittliche Mensch, wird die Krankheit ausbrechen, vielleicht noch schlimmer als bisher erwartet. Die Polkappen werden schmelzen, der Meeresspiegel wird steigen, und manche heute bewohnte Gebiete werden zu heiß für die Menschen. Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber ein guter Arzt muss auch ehrlich sein.”

    Nur ist das nicht die Ehrlichkeit eines “guten Arztes” (der Sie wahrscheinlich sind), sondern die ziemlich pessimistische Sicht einer Einzelperson. Meine Sicht ist manchmal auch so pessimistisch, im Ganzen aber optimistischer als Ihre (wobei auch ich von katastrophalen Entwicklungen in vielen Regionen ausgehe). Mit Ehrlichkeit hat das wenig zu tun. In die Zukunft sehen können wir beide nicht.

    “Deshalb sollten wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern an technischen Lösungen arbeiten, um das Schlimmste zu verhindern. Jetzt gleich!” Aber das wird doch überall getan! Es gibt erstaunliche Entwicklungen, die Mut machen. Aber diese Arbeit an “technischen Lösungen” hört sich so an wie Lindners unsäglicher Satz von den “Profis”, denen man den Klimawandel überlassen soll. Am Ende des Tages ist der Klimawandel eine politische Herausforderung, daher ist es sehr sehr sinnvoll, Druck auf die Politiker auszuüben, durch Kampagnen, durch Initiativen, durch Mitgliedschaft in Umweltverbänden, durch Demonstrationen. Allein durch technische Lösungen geschieht gar nichts.

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Peters-Gehrke

    • Lieber Herr Peters-Gehrke,
      da haben Sie sich ja wirklich ausführlich mit meinem Artikel auseinandergesetzt. Vielen Dank dafür! Der Titel meines Artikels ist absichtlich etwas provokativ gewählt, er soll dazu herausfordern, den Text zu lesen, und sich damit auseinanderzusetzen. Bei der Kakophonie, die der Informationsschwall des Internets mit sich bringt, ist das kaum anders zu bewerkstelligen. Anders ausgedrückt: Auch ich muss die sogenannte Aufmerksamkeinsönomie des Internets berücksichtigen. Und wie die lebhafte Diskussion zeigt, setzen sich viele Menschen sehr ernsthaft mit meinen Gedanken auseinander.

      Nachdem “wir” den Karren in den Dreck gefahren haben, können wir wohl schwerlich den “asiatischen Staaten” verbieten, sich zu entwickeln.

      Nein, wir können Ihnen das nicht verbieten, und wenn Sie die Entwicklungen der letzten Jahre verfolgt haben, werden Sie sicher gesehen haben, dass wir nicht mehr die Macht haben, China, Indien oder Japan irgendetwas zu verbieten. Sie alle sind uralte Kulturstaaten, und haben inzwischen genügend Macht und Selbstbewusstsein, um ihren Weg selbst zu bestimmen. Sie verlassen sich auch nicht darauf, von uns in die richtige Richtung geleitet zu werden, weder kulturell, noch technologisch. Und erst recht nicht moralisch. Und sie wissen auch um das Problem. Wir können – und müssen – allenfalls Druck machen, dass Maßnahmen abgestimmt werden.

      Wir sollen nicht unsere “Bussfertigkeit” beweisen, sondern unsere historische Verantwortung übernehmen. Was ist daran falsch?

      Wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, dürfen nicht einfach sagen: “Gut, wir schränken uns ab jetzt ein und dekarbonisieren schnell, auch wenn das unseren Wohlstand verringert.” Damit beeinflussen wir zu wenig Treibhausgasemissionen. Und wie gesagt, die Asiaten warten sicher darauf, dass wir zeigen, was zu tun ist. Wenn wir Verantwortung zeigen wollen, müssten eigentlich den geist wieder in Flasche stopfen, das heißt, größere Mengen CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Das düfte aber zumindest in Deutschland kaum durchsetzbar sein. Wenn das schon nicht geht, müssen wir wenigstens alle technischen und politischen Anstrengungen unternehmen, um wenigsten die größten Emittenten zu schnellerer Dekarbonisierung zu bewegen. Die Website https://climateactiontracker.org/countries zeigt, wie nötig das ist.

      Und noch eine letzte Anmerkung. Wenn Sie auf andere Menschen Druck ausüben, werden sie dem Druck erst einmal ausweichen. Wenn Sie auf Politiker Druck ausüben, z.B. mit dem Hinweis auf die nächsten Wahlen, werden sie Versprechen bekommen, die vage und voller Bedingungen sind. Nur wenn sie gleichzeitig drücken und ziehen, oder vor dem Aufbauen des Drucks einen gangbaren Weg geschaffen haben, werden sich die Dinge in ihre Richtung entwickeln.

      Noch einmal vielen Dank für ihren ausführlichen Beitrag!

      Thomas Grüter

  54. Es nutzt nichts, man muss die Frage stellen: Wer wird uns pflegen wollen?
    Ich werde bald 60 und gehe mit den Jugendlichen und Kindern auf die Straße. Ich fahre, wenn es den motorisch unterstützt sein muss, seit 19 Jahren elektrisch (kleine Fahrzeuge, TWIKE, CityEl, jetztMatiz auf E). Ich kann nicht sehen, dass man sich die letzten 15 Jahren gemueth hätte, den Treibhausgas-Ausstoss zu verringern. Das deutliche Symbol ist der Siegeszug von SUV, Pickups und Geländewagen in deutschen Städten. Die CO2-Reduktion geht fast nur auf das Konto der Abwicklung der DDR-Industrie, besonders der irre viel Braunkohlestrom verbrauchenden Uranfoerderung. Auch die Asche wurde da dringend als “Versatz” benötigt, weil Bruchbau wegen der vielen Grubenbraende nicht durchzuhalten war. Herr Quaschning hat mal für mich ausgerechnet, dass nur die Braunkohleverbrennung von 1960 bis 2016 in Sachsen eine CO2-Saeule über die Landesflaeche von ca. 148 m zur Folge gehabt hätte bei eigener Verantwortung fürs eigene Tun. Dabei ist die Kornkammer Sachsens, der fruchtbare Raum um Leipzig unwiederbringlich verloren gegangen. Die Natur setzt doch jetzt selbst die Grenzen. Wir haben jetzt schon wieder flaechendeckend Waldbrandwarnstufe 2 in Sachsen, in den östlichen Braunkohlegebieten sogar 4! Und das im April! Insofern sind für mich die Ausführungen des Initiators dieser Diskussion graue beschwichtigende Theorie. Sollte uns die Trockenheit dieses Jahr auch so zusetzen, wird man aus Gründen des Klimawandels den Notstand ausrufen müssen. Ich habe 2015 bei der Landesgartenschau in Schmalkalden regelmäßig beraten. Damals fehlten 3 Tage Hitzewelle, dann hätte man keine Möglichkeit gehabt, das Verdorren zu verhindern. Ich habe mich im letzten Jahr zwangsläufig mit dem Thema Kohlekraftwerke und Kühlwasser beschäftigt. Da war der Notstand nahe. Noch so ein Jahr wie 2018, dann reden wir ganz anders.

  55. @ Robert Peters-Gehrke

    Ja, wir Europäer (und Amerikaner) haben eine “historische Schuld” auf uns geladen – denn wir haben gewaltig vorgelegt, was Klimazerstörung angeht.

    Warum soll ich Schuld tragen für Dinge, die andere weit vor meiner Zeit getan haben, nur weil sie es im selben geographischen Gebiet getan haben, in dem ich lebe?

    Das ist doch keine ernstzunehmende Argumentation.

  56. Es geht nicht um Schuld tragen, sondern um Folgen tragen. Da haben Sie gar keine Wahl! Und jetzt geht es um die Notbremse.
    So wie Menschen in diesem Raum noch Lebensbeeintraechtigungen aufgrund der seelischen Folgen der Gräuel des 20. Jahrhunderts zu tragen habe. ua. durch den Wahn, innere Leere durch Neu und weg kompensieren zu können. Ich habe ganz hautnah erlebt, wie die besseren technischen Alternativen weggebissen wurden z. B. die Nutzung von NiMhd-Akkus in Fahrzeugen durch den Aufkauf der Entwicklerfirma und der Patente durch Chevron um 2002. Es geht nur durch Druck von der Straße weiter. Apropos Versorgungssicherheit: Ohne die 42 GW Photovoltaik in D wäre es aufgrund der Kühlwasserprobleme eng geworden letztes Jahr mit dem “Immerstrom”. Bitte einfach mal die Energycharts von Fraunhofer studieren! Unser Braunkohlekraftwerk Chemnitz 2×100 MW 20% und 25% Wirkungsgrad hat derweil den letzten Rest des Wassers des Flusses Zschopau verdampft. Am Oberpegel Lichtenwalde monatelang 2-3 qm pro Sekunde statt 22, am Unterpegel 1 bis 1,5 statt 24 über Monate! Was da noch überlebt hat im Fluss? Kann weg, wir brauchen billigen Strom! Übrigens war es strafbewehrt mit 1000 Euro, mit einem Eimer Wasser zu schöpfen! Übrigens fahren auf deutschen Straßen 300 GW gesicherte Leistung oft zum Brötchenholen rum!

  57. @Tim

    “Ja, wir Europäer (und Amerikaner) haben eine “historische Schuld” auf uns geladen – denn wir haben gewaltig vorgelegt, was Klimazerstörung angeht.”

    Da sind wir einig.

    “Warum soll ich Schuld tragen für Dinge, die andere weit vor meiner Zeit getan haben, nur weil sie es im selben geographischen Gebiet getan haben, in dem ich lebe?”

    Ich bin 54 Jahre alt und also nicht Schuld am Holocaust. Als Deutscher aber habe ich die deutsche Vergangenheit “geerbt”, ob ich will oder nicht. Das macht mich nicht schuldig, aber es stellt sich, das ist meine Meinung, in eine Verantwortung. Ebenso ist es mit der Klimazerstörung. Die westliche Welt hat den Mist begonnen, daher ist sie in meinen Augen in einer besonderen Verantwortung hier vorzulegen, zu überzeugen, anzuführen.

    “Das ist doch keine ernstzunehmende Argumentation.”

    Doch.

  58. Lieber rot als tot – tot ist Mensch offensichtlich schon vor dem “Jüngsten Gericht”

    Seit ich denken kann, bin ich mit meinen Eltern zum Besuch der Verwandten in die DDR gefahren.
    So konnte ich erkennen, wie die Idee von Sozialismus / Kommunismus hoffnungslos in den Dreck des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs gezogen wurde – 89 kam nicht überraschend.

    Mit 14 habe ich meinen Vater dann zunehmend gegen die Wand argumentiert, so dass er geradezu verzweifelt fragte: “Wer hat dir diesen kommunistischen Mist bloss in den Kopf gesetzt?”
    Darauf hatte ich eine einfache ihm unangenehme Antwort: “Du, denn wer sonst hat mich fast jedes Jahr nach drüben geschleift.”
    Doch all die daraus resultierende Erkenntnis, ist offensichtlich nur Leid wert, denn die unwahrheitliche / bewusstseinsbetäubende Agitation der westlichen Welt- und “Werteordnung” hat überdies bewirkt, dass Menschheit noch mehr verantwortungslos, schamlos, gewissenlos, bzw. vor allem praktisch / systemrational sprach- und gedankenlos / kopflos in Schuld- und Sündenbocksuche ihre gebildete Suppenkaspermentalität von und zu Kommunikationsmüll zelebriert – es ist all so kein Wunder oder Phänomen, wenn die Kids des Zeitgeistes noch stumpf- und blödsinniger Demonstrieren, wie aussichtslose Forderungen, an die “Treuhänder” dieses entmenschlichenden Systems des “Zusammenlebens”, ins stets gleichbleibende Vakuum der “Demokratie” des geistigen Stillstandes gestellt werden.

    Mit Kompromissbereitschaft zur SCHEINBAR alternativlosen Unwahrheit, macht Mensch den ersten Schritt in die Verkommenheit!

  59. @Robert Peters-Gehrke: “… und also nicht Schuld am Holocaust.”

    Wow das, obwohl wir ziemlich offensichtlich immernoch im Kreislauf des imperialistischen Faschismus leben, bzw. über die Maße davon profitieren!

  60. Die Asiaten haben ihr Wirtschaftsmodell nicht selbst erfunden, sondern von uns (erfolgreich) kopiert, leider mit den sich jetzt zeigenden negativen Folgen fürs Klima.
    Ich nehme an, wenn in Europa (das seit dem Euro von Deutschland hegemonial dominiert wird) eine schnell wirkende Dekarbonisationsstrategie gefahren würde (Kohlestopp, Tempolimit, Power-to-Gas etc) mit entsprechenden Importbeschränkungen für Produkte mit schlechter CO2-Bilanz, würde auch in Asien ein Umsteuern stattfinden mit den entsprechend größeren Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß (Ein großer Teil der dortigen Produktion wird schließlich zu uns exportiert).

    Seit Thatcher, Reagan und Kohl hat sich im Westen ein neoliberales Wirtschaftsmodell durchgesetzt das auf eine Selbstentmächtigung des Staates hinausläuft.
    Das ist wahrscheinlich verhängnisvoll, denn die nötige Umsteuerung kann nur gegen die etablierte Industrie mit Gesetzen und (Anschub-) Finanzierung vom Staat gelingen.
    Diese Deregulierung zugelassen zu haben, ist die Schuld der damaligen (bis heutigen) Wähler, daran ändern auch die zwischenzeitlichen Erfolge der Liberalisierung nichts, denn vor den letztlich zerstörerischen Folgen ist von Anfang an (von linker Seite) gewarnt worden.

    Dass europäische Schüler jetzt aufwachen, aktiv werden und uns Ältere anklagen, halte ich nicht nur für gerechtfertigt, sondern es erfüllt mich auch mit Hoffnung, den ohne ein Aufbegehren der Bevölkerung werden die institutionellen Widerstände nicht zu überwinden sein.

    • Die Asiaten haben ihr Wirtschaftsmodell nicht selbst erfunden, sondern von uns (erfolgreich) kopiert, leider mit den sich jetzt zeigenden negativen Folgen fürs Klima.

      Der Kommandokapitalismus unter der Steuerung einer kommunistischen Partei ist wohl eine genuin chinesische Erfindung. Sie hat mehr Ähnlichkeit mit der zentralistischen Beamtenwirtschaft des chinesischen Kaiserreichs als mit dem westlichen Liberalismus.
      Und wie schon gesagt: Die Chinesen sind ein selbstbewusstes, uraltes Kulturvolk. Wir sollten unseren Einfluss auf ihre Kultur, ihre Moral und ihr Verhalten nicht überschätzen. Sie haben sich übrigens inzwischen derart umfangreich in Europas Industrien und Infrastrukturen eingekauft, dass Importbeschränkungen aufgrund von schlechter Klimabilanz kaum noch durchsetzbar wären.

  61. @Robert Peters-Gehrke: “… in eine Verantwortung.”

    Als Kind habe ich mich gefragt, warum ich in diesem Teil der Welt geboren wurde und …, anstatt in der “Dritten Welt”, bzw. in Biafra, wo das Leid der Kinder zu der Zeit ganz besonders bestimmt war – dann kam die allgegenwärtige Bewusstseinsbetäubung, bzw. die Schulung zur Delegierung von Verantwortung, durch Kreuzchen auf dem Blankoscheck, was Fragen über Gott und die Welt zu … macht.
    Dem “braven” Bürger bleibt dann nur noch Verantwortung wie hier anzuschauen: Er betreibt Kommunikation wie der Vogel im Nest das Fliegen übt, nur mit dem Unterschied das wahrhaftiges Fliegen wirklicher ist!?😎

  62. @Geerbte Verantwortung

    Unser Wohlstand entstand auch durch die Emissionen in unserer europäischen Vergangenheit. Insbesondere das erworbene Kapital wird an nachfolgende Generationen tatsächlich real übertragen. Gerade dieses Kapital sollte sich nicht beschweren, wenn es zur Lösung des Problem eingesetzt werden soll.

    Moral ist die eine Sache, das funktioniert nicht bei jedem. Man ist ja oft so frei, sich zu sagen: Ist mir doch scheißegal, wenn ich asozial bin.

    Verbundenheit mit der Wirklichkeit der Natur und der Mitmenschen im näheren Umkreis und auch weltweit ist aber möglich, und kann eine richtig starke Motivation sein. Sich von Religionen und anderen Weltanschauungen abwenden, die sich für die Wirklichkeit gar nicht interessieren, ist aber möglich, schließlich genießen wir Religionsfreiheit.

    Ganz nebenbei habe ich schon immer Schwierigkeiten mit dem Gerede über noch weiter steigenden Wohlstand. Wohlstand wäre für mich eine gesündere Natur, und eine Zukunftsperspektive für die Menschen und die restliche Natur. Viel gesunde Natur in erreichbarer Umgebung muss man ja nicht besitzen. Besuchen und genießen können reicht ja. Ich brauche weder ein Auto, noch eine größere Wohnung, keine neuen Möbel und auch nicht mehr Fleisch auf dem Teller. Ich verstehe die Leute nicht mehr. Gute Beschäftigung ist mir was wert, und meinen kleinen Kulturbeitrag zu leisten, das macht mir Spaß.

    • Besuchen und genießen können reicht ja. Ich brauche weder ein Auto, noch eine größere Wohnung, keine neuen Möbel und auch nicht mehr Fleisch auf dem Teller.

      Wahrer Reichtum besteht darin, sich aussuchen zu können, auf was man verzichten möchte.

      Wer darunter leidet, was er sich alles nicht leisten kann, möchte vermutlich erst einmal in die Situation kommen, unter den angenehmen Alternativen wählen zu können. Aber ich fürchte, wenn wir das wirklich allen Menschen ermöglichen wollen, gibt die Erde vorher auf.

  63. Indien ist heute noch durch die englische Kolonisation geprägt – im positiven wie im negativen.
    Ganz allgemein gilt: Die Vergangenheit der heute wohlhabendsten Gesellschaften bestimmt weitgehend die Gegenwart der sich entwickelnden Gesellschaften – wiederum im positiven wie im negativen.
    Das war schon immer so und es galt auch innerhalb des Westens. Die USA beispielsweise haben im 18/19. Jahrhundert sich englische Technologie angeeignet, sie also gestohlen (Zitat: “In 1787, American agent Andrew Mitchell was intercepted by British authorities as he was trying to smuggle new technology out of the UK.”)

    Sich darüber zu beklagen, dass die Chinesen und Inder die schlimmsten Verschmutzer sind bedeutet zu vergessen, dass diese Länder den Westen eben auch in dieser Hinsicht kopieren. Kopieren oder weniger negativ ausgedrückt “Technologietransfer” ist der wichtigste Entwicklungsfaktor überhaupt.
    Auch “grüne” Technologien werden sich über einen Transfer durchsetzen und entwickelt werden solche “grüne” Technologien vor allem dort, wo in Forschung und Entwicklung dieser Technologien investiert wird.

  64. Genau, wenn ich dann nach langem Üben für mich und meine Zuhörer erquicklich die 5. Solosuite von Bach auf einem wunderbaren Stück Holz, in langer kundiger Arbeit hergerichtet, vortragen kann, ist ohne sinnlosen Energieverbrauch Kultur hervorgebracht. Ich habe mal eine Wallfahrt mit dem Fahrrad mit Anhänger, Geige und Zelt drauf zum Grab von Tamara Danz gemacht. Als ich nun nach so 4 – 5 Tage in den ruhigen Rhytmus von Fahren, Ruhen und Kommunikation gekommen war, ergab es sich, dass ich per Brücke im Wald die Autobahn querte. Ich war entsetzt über das Gerase, Gelaerme, Gedrecker. Billige Energie heizt nur das Hamsterrad an. Deshalb kann ich die Diskutanten hier nicht verstehen, die es als Menschen- oder fast als Naturrecht sehen, dass die lebensnotwendigen Sachen so billig sein müssen, dass noch jede Menge Vergeudung gehen muss. Es ist wieder aktuell wie 1989 als es entstand:
    wir bezwingen ozeane
    mit’m gebrauchtem narrenschiff

    über uns lacht die goldne fahne
    unter uns ein schwarzes riff

    immer noch stampft die dampfmaschine
    volle kraft voraus

    immer noch gibt uns die kantine
    kostenloses essen aus

    s. o. s.
    lasst die bordkapelle spielen
    s. o. s.
    einen walzer mit Gefühlen
    s. o. s.
    fresst und sauft und sauft und fresst

    immer noch schwimmt da vorn der eisberg
    nur die spitze ist zu sehn

    immer noch träumen wir von heimkehr
    und vertraun dem Kapitän

    immer noch glaubt der mann im ausguck
    einen silberstreif zu sehn

    immer noch findet sich keine, der ausspuckt
    und keiner darf beim kompass stehn

    immer noch brennt bis frueh um vier
    in der heizerkajuete licht
    immer noch haben wir den schluessel
    von der waffenkammer nicht

    Das war Februar 1989, als ich den Wahlzettel zur DDR-Kommunalwahl in der nie besuchten Kabine durchstrich. Ich bitte die gutwilligen Menschen zu Gunsten der Kinder und Jugendlichen sich angesichts von SUV&Co. demonstrativ die Nase zuzuhalten, den Daumen zu senken oder mit dem Finger auf den Metallberg weisend, in Lachen auszubrechen wie das Kind in “Kaisers neue Kleider”.

  65. @ Thomas Grüter
    “Letztlich erreichen auf diese Art lediglich ein gutes Gewissen, aber die globale Erwärmung stoppt trotzdem nicht unter 1,5 °C. ”
    Eine Reduzierung der Emissionen ist aber nicht nur dann wirksam und wichtig, wenn man damit unter 1,5 °C bleibt. Dann erhöht man halt die Wahrscheinlichkeit für unter 2°C oder 3°C, usw zu bleiben.
    Jede eigene Reduktion ist sinnvoll, solange sie nicht zu exportierten Emissionen führt. Das Problem ist keines, bei dem es eine klare Grenze gibt, ab der es gefährlich wird und ab da ist es ein Gefährdungsniveau.

  66. Alle heutigen Klimaschutzpläne gehen davon aus, dass zukünftige Technologie die Erdsystemerwärmung direkt oder indrekt stoppen kann/muss.
    Wer beispielsweise auf Erneuerbare setzt, erwartet, dass bald schon billige Batterien oder andere Speichertechnologien auf den Markt kommen, die ihm erlauben den Strom von beispielsweise seinem Solardach zu speichern. Denn nur mit Speichermöglichkeiten (oder grossräumigem Stromtransport) machen Erneuerbare überhaupt Sinn.
    Wer auf Atomenergie setzt, wartet auf den Durchbruch der nuklearen Fusion oder auf neuartige, sicherere und weniger Abfall produzierende Kernspaltungsreaktoren. Denn nur mit neuen Formen der Nuklearenergie besteht eine Chance auf Akzeptanz von Nuklearenergie in der westlichen Welt.

    Alle aber müssen davon ausgehen, dass man zukünftig der Erdatmosphäre wieder CO2 entziehen kann (mit biologischen oder chemischen Prozessen). Nur wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre später einmal wieder auf Werte zwischen 400 und 450 parts per million (ppm) fällt, kann man verhindern, dass der grönländische Eisschild vollkommen wegschmilzt und sich damit der Meeresspiegel um mehrere Meter erhöht. Bei heutigen CO2-Werten von knapp über 400 ppm würde der grönländische Eisschild zwar nicht komplett wegschmelzen, doch bei den heutigen CO2-Werten wird es nicht bleiben. Wir werden bei allen wirtschaftlich realistischen Szenarien schon in wenigen Jahrzehnten mehr als 450 ppm CO2 in der Atmosphäre haben.

  67. @Kostenfrage

    Offenbar ist davon auszugehen, dass wir ab einem Zeitpunkt, der in wenigen Jahren erreicht sein wird, jede Tonne CO2, die wir noch in die Luft blasen werden, wohl in spätestens 50 Jahren wieder aus der Atmosphäre herausholen müssen. Wenn man die Kosteneinsparung z.B. durch Nutzung von Benzin für die Mobilität statt regenerativem Strom fürs Elektroauto mit den Kosten vergleicht, die anfallen, wenn man das ganze CO2 wieder einfangen und irgendwo deponieren muss, dann wird das vielleicht 10 mal teurer sein.

    Das ist natürlich ein ganz simpler finanzieller Generationenkonflikt. Deshalb demonstriert hier auch die Jugend.

    Die andere Idee, z.B. mit von Flugzeugen versprühter Schwefelsäure einen Teil der Sonneneinstrahlung in den Weltraum zu reflektieren, ist wohl kurzfristig wesentlich günstiger als CO2 einfangen und speichern. Dummerweise bleibt das CO2 dabei 500 oder 1000 Jahre in der Atmosphäre, und der Schwefelsäureschutzmantel muss aber ständig erneuert werden, weil die Schwefelsäure wieder in in die Atmosphäre absinkt und dann schnell ausgewaschen wird. 500 oder 1000 Jahre lang Flugzeuge losschicken und den Schutzmantel immer wieder neu ausbringen wird dann wohl noch viel teurer.

    Aber wenigstens auf die nächsten 50 Generationen verteilt, und die können ja jetzt nicht dagegen demonstrieren.

  68. Deshalb sollten wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern an technischen Lösungen arbeiten, um das Schlimmste zu verhindern. Jetzt gleich! Wir können die Krankheit eindämmen, aber wir sollten nicht glauben, dass wir sie verhindern können.

    Wir sind alle nur Menschen und wir haben unsere Fehler.

    +

    Ich bin jetzt 61 Jahre alt, aber ich weiß selber noch sehr gut, wie man sich als Schüler fühlt, wenn Erwachsene wohlwollend sagen, wie schön sie es finden, dass sich Kinder auch mit wichtigen Themen befassen – ohne dabei im geringsten auf Argumente und Thesen einzugehen.

    Adaption hier das Fachwort, auf 61 Jahre hätte Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund Dr. Webbaer Sie nicht eingeschätzt, sondern als älter.
    Dies nur ganz am Rande angemerkt, also als womöglich noch praktizierend.

    Der Junge ist sozusagen intrinsisch dull, klar es mag hier Ausnahmen geben, Dr. Webaer war insofern eine, die bereits im Alter von fünf Jahren anfing (kritisch) das bundesdeutsche Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” zu lesen, ansonsten müssten die meisten schon eine Art Brotmasse sein.

    Opi W bleibt bei Ihnen und sozusagen im Lauer-Zustand, vgl. auch mit, das mit den Menschen im letzten Ansatz Ihrer dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Nachricht bleibt gemeint,

    MFG
    Dr. Webbaer

    • auf 61 Jahre hätte Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund Dr. Webbaer Sie nicht eingeschätzt, sondern als älter.

      Uff! Jetzt weiß ich wirklich nicht, ob ich mich dafür bedanken soll!

  69. Vely nice, auch die werte Frau Gemahlin meinend, Dr. W fast schon gerührt sein,
    auch qua Alter,
    MFG + schöne Grüße ins Münster,
    Dr. W (der dort auch mal gewesen sein)

  70. Die ganze Diskussion um Moral und Verantwortung hat eine praktische Seite, am Wahlmorgen. Dann haben wir die Gelegenheit die Zukunft zu beeinflussen. Wählen wir die Technokraten oder wählen wir die Ökologen.
    So einfach.

  71. @Martin Holzherr

    “Nur wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre später einmal wieder auf Werte zwischen 400 und 450 parts per million (ppm) fällt, kann man verhindern, dass der grönländische Eisschild vollkommen wegschmilzt und sich damit der Meeresspiegel um mehrere Meter erhöht.”

    wenn DAS die gravierendste Auswirkung der Klimaveränderung ist, dann hätte ich nicht so große Sorge. In den entsprechend realistischen Zeiträumen (Jahrhunderte) wird die Menscheit damit fertig.

  72. @zabki

    Da bin ich skeptisch, und zwar aus einem ganz einfachen Grund: 400 bis 450 ppm waren in den letzten 14 Millionen Jahren die Obergrenze der Kohlenstoffdioxid-Konzentration, verbunden mit einem bis 25 Meter höheren Meeresspiegel und einem Temperaturlevel von 3 bis 4 °C über dem vorindustriellen Niveau.

    Soll heißen: Die Klimaentwicklung hinkt den “CO2-Vorgaben” (vorläufig) noch ein gutes Stück hinterher, unter anderem bedingt durch die thermische Trägheit der Ozeane und aufgrund der noch relativ schwach ausgeprägten Rückkopplungen. Das kann sich jedoch unter Umständen rasch ändern, vor allem wenn man bedenkt, dass die Menschheit bis zum Ende des Jahrhunderts wie es derzeit aussieht einen CO2-Wert von 600 ppm ansteuert.

  73. Zu den Eiszeiten und zur damaligen CO2-Konzentration, diese Grafik eingespielt, die Vostok-Daten meinend, der bekannten Online-Enzyklopädie entnommen :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Carbon_dioxide_in_Earth%27s_atmosphere#/media/File:Vostok_Petit_data.svg

    Hier kann abgelesen werden, dass die natürliche terrestrische Klimavariabilität, mit oder ohne Milanković-Zyklen (die klimatologisch auch angezweifelt werden), über den verhältnismäßig kurzen Zeitraum von ca. 400.000 Jahren wenig bis nichts mit dem atmosphärischen CO2-Gehalt zu tun hat, aber größer als 10 K ist.

    Was abär wiederum nicht so verstanden werden soll, als dass klimarelevante Ausgasung nicht vorliegt.
    Der Schreiber dieser Zeilen ist ja “klima-gläubig”, misstraut unseren Klimatologen nicht grundsätzlich – und den Deniern (“EIKE” und so) kann jederzeit vorgehalten werden, dass es auf dem Erdtrabanten, mit annähernd gleichem Abstand zur Sonne, ca. 50 K kälter ist.

    MFG
    Dr. Webbaer

  74. @Reinhardt Koehrer

    “Da bin ich skeptisch”

    haben Sie en seriöses worst case Szenario, in dem die Menscheit nicht hinreichend Zeit hätte, durch Maßnahmen wie Deichbau, Landaufgabe (der ja auch nach und nach stattinden kann), Städtebau im Flachmeer mit einem Meeresspiegelanstieg ohne Katastrophe zurechtzukommen.

  75. @Thomas Grüter zur Sklaverei: “Aber erst das Verbot brachte die Abschaffung, nicht das moralische Vorbild.”
    Nun ja. Tatsächlich brauchte es einen Bürgerkrieg mit Hunderttausenden von Toten.

  76. @Dr Webbaer
    Man kann aus dem Vostok-Eisbohrkern erkennen, dass Temperatur und CO2 extrem eng miteinander verbunden sind. Übrigens ist die aus dem Eisbohrkern rekonstruierte Temperatur eine lokale Temperatur. Arktische Regionen haben eine viel größere Temperaturamplitude als die globale Temperaturen (ist ja heute auch schon so, Stichwort Arctic Amplification) und eine einzelne Region unterliegt zudem noch weiteren Wärmeverteilungseinflüssen (z.B. durch sich ändernde Meeres- und Luftströmungen und zweitrangig damit einhergehende lokale Albedoänderungen, in erster Linie wolkenbedingt) im Gegesatz zur globalen Temperatur.
    Während andererseits CO2 recht gut global durchmischt ist – aber auch Breitenunterschieden u.a. in der vegetationsbedingten Amplitude unterliegt. Trotz dieser Störfaktoren ist die Korrelation im Bohrkern zwischen Temperatur und CO2 sehr überzeugend belegt.

    Wie bei jedem bisher diskutierten Unterthema kennen Sie sich eindeutig nicht genug aus, um die Evidenzlage richtig zu deuten. Dabei würde Fachliteratur lesen sicher helfen, aber das zu tun ist halt nicht Jedem gegeben.

  77. Man kann aus dem Vostok-Eisbohrkern erkennen, dass Temperatur und CO2 extrem eng miteinander verbunden sind. [Kommentatorenfreund ‘Wizzy’]

    Naja, der atmosphärisch gemessene CO2-Gehalt reicht hier :

    -> https://en.wikipedia.org/wiki/Carbon_dioxide_in_Earth%27s_atmosphere#/media/File:Vostok_Petit_data.svg

    …offensichtlich nicht aus, um die Temperaturschwankungen zu erklären.

    Der sozusagen böse und auf der Hand liegende Verdacht ist schlicht, dass in Kaltzeiten die Pflanzenwelt verstärkt CO2 entzogen hat und in Wärmezeiten die Tierwelt verstärkt Karbon gelöst hat.
    Dass hier die Erwärmung dem CO2-Gehalt voran ging.


    Bitte richtig verstehen, die Vostok-Daten belegen natürlich nicht, dass CO2 klima-irrelevant ist, das Gegenteil müsste der Fall sein.


    Dr. W mag auch derartige Herabsetzungen : ‘Wie bei jedem bisher diskutierten Unterthema kennen Sie sich eindeutig nicht genug aus, um die Evidenzlage richtig zu deuten. Dabei würde Fachliteratur lesen sicher helfen, aber das zu tun ist halt nicht Jedem gegeben.’ – wann wird heutzutage schon niveauvoll beleidigt?

    MFG
    Dr. Webbaer

  78. Ich glaube, in Ihrem Gedankengang, Herr Grüter, gibt es einen Widerspruch zwischen der Annahme, dass Gerechtigkeitsforderungen niemanden beim Klimaschutz weiterbringen würde, während Sie gleichzeitig meinen, dass „wir“ überhaupt das Klima schützen sollten.

    Man kann – als Gerechtigkeitsforderung, in erster Näherung – davon ausgehen, dass die Nutzung der Atmosphäre als Deponie und globales Allmendegut allen Menschen gleich zusteht. Die Emissionen eines Deutschen sind im Mittel immer noch etwa doppelt so hoch sind wie die eines Chinesen und mehr als zehn Mal so hoch wie das vieler Afrikaner (die historischen Emissionen noch gar nicht eingerechnet). In den Emissionen des Deutschen ist zudem ein großer Anteil von „Luxusemissionen“ (die nicht der Deckung von Grundbedürfnissen dienen) enthalten. Bei einer derart frappierenden Ungerechtigkeit ist es aus moralischer Sicht kaum wegzudiskutieren, dass Deutschland und andere Industriestaaten beim Klimaschutz wesentlich mehr leisten müssen. Wenn Letzteres derzeit scheinbar nicht mehrheitsfähig ist, also den Gerechtigkeitsgedanken aufgeben und nicht weiter darauf pochen?

    Aber warum denn dann überhaupt Klimaschutz? Die westlichen Industriestaaten und „unsere“ Generation, die derzeit an den Hebeln sitzt, Sie und ich, die wir nicht zu den Ärmsten zählen, werden von den Folgen des Klimawandels doch wahrscheinlich nur wenig betroffen sein. Und wenn, dann können wir es uns leicht leisten, ein wenig anzupassen. Der Luxus, den wir genießen, dürfte den Schaden für uns noch einige Zeit überwiegen. Die schlimmsten Folgen werden vor allem die Armen und spätere Generationen betreffen. Wenn wir also nicht von Gerechtigkeit sprechen wollen – dann hieße das doch für uns ältere, relativ wohlhabende Menschen in den reichen Industriestaaten: Weiter so, bestenfalls marginaler Klimschutz, als Nebenprodukt in “win-win”-Situationen. Ihr „wir sollten“ steht dann unbegründet da.

    Was die Wette allein auf technische Innovation angeht, die in Ihrem letzten Absatz anklingt, und das Aufgeben sozialer Innovation als Teil der Lösung: Mir fällt da die letzte Ausgabe der heute-show ein (ab ca. Min. 12:00). Warum Zähne putzen? Irgendjemand wird schon etwas besseres als Zähne erfinden. Warum noch den Müll runterbringen? Irgendjemand wird schon bald eine Drohne erfinden, die den Müll runterbringt. Ohne Anreize dazu wird aber wahrscheinlich nichts erfunden werden, uns selbst mit Anreizen ist es alles andere als sicher, das schnell genug technische Lösung für alle Emissionsquellen (Landwirtschaft, Luftverkehr, Straße, Zement, Entwaldung, Heizenergie, …) gefunden werden und sich durchsetzen. Ich halte Anreize für besser, die lösungsneutral sind, also auch soziale Innovation und Sparsamkeit anreizen. Eine ausreichend hohe CO2-Abgabe, wie sie FFF fordert, würde das leisten.

    • Ich denke, wir argumentieren da etwas aneinander vorbei.

      Man kann – als Gerechtigkeitsforderung, in erster Näherung – davon ausgehen, dass die Nutzung der Atmosphäre als Deponie und globales Allmendegut allen Menschen gleich zusteht.

      Das würde zu einer Temperaturerhöhung führen, die kaum tragbar wäre. Lassen Sie mich das einem Beispiel erklären. Nehmen wir an, es geht um einen Teich, in den alle Familien im Dorf ihr Abwasser einleiten. Die älteren und reichen Familien tun das schon länger, aber der Teich droht umzukippen, und kann dann weder Trinkwasser noch Fische liefern. Also klären die reicheren Familien ihr Abwasser, wenn auch nicht komplett, aber doch immer mehr. Die ärmeren, aber wachsenden und langsam aufholenden Familien verlangen jetzt, wenigstens genauso viel Abwasser einleiten zu dürfen, wie es die reichen getan haben, bevor sie teure Kläranlagen bauen müssen. Das können ihnen die reichen Familien nicht verwehren. Aber selbst wenn sie ihre Kläranlagen sehr schnell ausbauen, besteht dann die große Gefahr, dass der Teich wirklich umkippt, und alle darunter zu leiden haben.
      Das ist auch die Gefahr, die uns beim Klima droht. Wir (EU28) können natürlich unseren rund neunprozentigen Anteil CO2-Emissionen schneller absenken. Wenn die übrigen Staaten billige Kohlekraftwerke, Erdöl und Erdgas so lange nutzen, bis sie unseren Lebensstandard erreicht haben, dann ist für eine Eindämmung des Klimawandels zu spät. Das ist für mich keine Gerechtigkeit, sondern eher eine Kapitulation. Letztlich hat niemand etwas davon. Wir sollten uns klarmachen, dass viele Schwellenländer (China, Indien, Indonesien, Brasilien, Türkei) den Erfolg ihrer Regierungen am wirtschaftlichen Fortschritt messen. Ich schlage also vor, einen Weg zu finden, zunehmenden Reichtum und Klimaschutz zu verbinden. Das soll uns aber nicht davon abhalten, unseren CO2-Ausstoß zu verringern, aber eben nicht so, dass wir dabei unsere Wirtschaft ruinieren. Das würde Nachahmer eher abschrecken, und das wollen wir wirklich nicht.
      Eine CO2-Abgabe von 180 Euro würde, wie man leicht nachrechnen kann, zur Zeit mehr 140 Milliarden Euro allein in Deutschland abschöpfen (also
      mehr als 1500 Euro pro Person und Jahr). Das hätte beträchtliche Nebenwirkungen, die man nicht unbedingt haben will. Das sollte man sich schon gut überlegen.

      Die Emissionen eines Deutschen sind im Mittel immer noch etwa doppelt so hoch sind wie die eines Chinesen

      Im letzten Jahr waren die CO2-Emissionen eines Deutschen nur etwa 10-15% höher als die eines China. Und China liegt damit bei den Pro-Kopf-Emissionen sogar höher als die EU28.

  79. @E. Walter (Zitat): Wenn wir also nicht von Gerechtigkeit sprechen wollen – dann hieße das doch
    … Weiter so, bestenfalls marginaler Klimschutz, als Nebenprodukt in “win-win”-Situationen.

    Nein. Wer an seine Kinder und Nachkommen denkt und wer sich um das Schicksal der Menschheit kümmert, der muss dabei nicht an Gerechtigkeit denken. Der Wunsch sich physisch und sozial/gesellschaftlich zu reproduzieren ist viel tiefer als der Wunsch nach Gerechtigkeit. Es geht sogar noch weiter: Wer glaubt etwas tun zu müssen damit seine Nachkommen und die Menschheit eine gute Zukunft hat, der wird sich nicht von anderen ablenken lassen und diejenigen, die dieses Ziel verletzen sogar bestrafen. Konkret: CO2-Zölle für Importe.

  80. Martin Holzherr,
    das war ein klares Statement für die Verantwortung. Das Neue Testament ist auch nichts anderes als ein Statement für richtiges, verantwortungsbewusstes Handeln.
    Der Brand der Notre Dame hat uns wieder ins Bewusstsein gerückt wie sterblich der Mensch ist, wie zerbrechlich unsere Kultur ist, und dass wir unser Leben nicht nur ökonomisch ausrichten sollen. Herr Grüter, wollen Sie den Schuh jetzt immer noch nicht anziehen ?

    • Der Brand von Notre-Dame steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel. Und ich sage nach wie vor: Unsere Generation hat begonnen, den Klimaschutz voranzutreiben. Wir hätten sicher einiges besser machen können, aber ganz sicher haben wir nicht versagt. Wir hinterlassen die Umwelt in einem besseren Zustand als wir sie vorgefunden haben, und wir haben die CO2-Emissionen deutlich reduziert. Und es ist klar, dass wir weitermachen müssen. Und ich bleibe auch dabei, dass wir die asiatischen Schwellenländer mit ins Boot holen müssen, wenn wir das Schlimmste verhindern wollen.

  81. @Thomas Grüter,16. April 2019: Danke für Ihre erklärende Ausführung. Natürlich darf die Forderung nach einer gerechten Nutzung des atmosphärischen Deponieraums nicht dazu führen, dass die “Einleitung” der Schadstoffe nach oben hin – auf das Niveau der Industriestaaten – angeglichen wird. Das Walten einer Gerechtigkeit, über die auch die Welt zugrunde gehen könnte, wäre Unsinn. Vielmehr ist Gerechtigkeit (betrifft neben historischen Emissionen auch die Leistungsfähigkeit) eben ein wichtiger Grund für die Forderung, dass die Industriestaaten in der Lastenteilung deutlich schneller und weiter mit ihren Emissionen nach unten gehen und die ärmeren Staaten in dem Bemühen nach Wohlstand ohne Emissionen unterstützen müssen. So kommt es ja jetzt schon ansatzweise im Prinzip der gleichen aber differenzierten Verantwortung der UNFCCC zum Ausdruck. Ich verstehe nicht, wieso man darauf verzichten sollte, den wichtigen Grund der Gerechtigkeit in der Frage der Lastenteilung, sowohl international als auch innerstaatlich, anzuführen. Vielmehr glaube ich – und eine Bericht der Weltbank vom Dez. letzten Jahres erwähnte dies meiner Erinnerung nach auch – dass Gerechtigkeit ein elementares Akzeptanzkriterium von Klimapolitik ist.

    Nun schreibe ich von “Lasten des Klimaschutzes”, die es gilt, gerecht zu teilen, während Sie einen Weg finden wollen, zunehmenden Reichtum und Klimschutz zu verbinden. Den zu finden wäre natürlich schön. Verstehe ich Sie recht, dass dies ein Weg ohne “Lasten” für die jetzt lebende, nicht mehr ganz junge wohlhabende Generation in den Industriestaaten sein soll? Mit welchen Instrumenten soll die Suche nach diesem Weg unternommen werden? Was ist, wenn ein solcher Weg nicht gefunden und weit genug beschritten wird, bevor eine Erwärmung mit noch viel größeren Schäden als schon jetzt, mit katastrophalen Schäden für arme Menschen und künftige Generationen unvermeidbar wird? (Wegen der Unsicherheit über Kipppunkte und der Trägheit von Klima- und Wirtschaftssystem müssten wir diesen Weg sehr bald gefunden und wir weit vorangeschritten sein.)

    Ich gebe Ihnen natürlich recht, dass Klimschutzmaßnahmen nicht die Wirtschaft ruinieren sollten. Eine CO2-Bepreisung, die zu Anfang deutlich unter 180 Euro liegt aber langfristig planbar auf diesen Wert steigt, evtl. verbunden mit Importzöllen, wie von Herrn Holzherr erwähnt, wird ja – da erzähle ich Ihnen sicher nichts Neues – üblicherweise als der kosteneffiziente Weg gesehen, ein bestimmtes Klimaziel zu erreichen. Sie ließe sich auch nach Gerechtigkeitskriterien und aufkommensneutral ausgestalten. In einigen Ländern – Schweiz, Schweden – gibt es (in einigen Sektoren) schon solche Preise in dreistelliger Höhe. Die Bepreisung verbindet also Effizienz (und schließt zunehmenden Reichtum unserer wohlhabenden Generation nicht aus) mit Klimaschutz. In der EU28 allein löst sie das Gesamtproblem natürlich nicht. Aber sie zeigt Machbarkeit, hat Vorbildwirkung, bringt Glaubwürdigkeit, bietet vor allem Anreize für technische Innovation, die sich ärmeren Ländern zur Verfügung stellen lassen, und zugleich auch eben für gesellschaftliche und individuelle Innovationen – die auch Vorbild für andere sein können. Und vor allem verlässt sie sich nicht auf den einen Weg “Reichtum und Klimschutz” mit dem Risiko, dass am Ende der Weg nur “Reichtum ohne Klimschutz” heißt – was auch eine Kapitulation wäre. Sie schließt die Möglichkeit “weniger Reichtum jetzt (=Lasten, die gerecht geteilt werden müssen) und Klimaschutz” mit ein.

    Welche anderen Instrumente haben wir denn für die Suche nach einem Lösungsweg, der keine Lasten jetzt generiert? Und noch einmal die Frage: Warum überhaupt Klimschutz jetzt, wenn uns die Gerechtigkeitsfrage – internationale und intergenerationelle – bei Lasten und ergo auch bei Schäden nicht interessiert?

    • Verstehe ich Sie recht, dass dies ein Weg ohne “Lasten” für die jetzt lebende, nicht mehr ganz junge wohlhabende Generation in den Industriestaaten sein soll? Mit welchen Instrumenten soll die Suche nach diesem Weg unternommen werden?

      Nein, Herr Walter, so ist das nicht gemeint. Wir tragen bereits einige Lasten, und außer den EU28 hat bisher keine Ländergruppe ihren CO2-Ausstoß deutlich reduziert. Die EEG-Umlage macht fast ein Viertel unseres Strompreises aus.
      Was ich meine, ist etwas anderes. Die politische Stabilität von Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien, Türkei oder Brasiliens hängt von einem ungebrochenen Wirtschaftswachstum ab. Den Regierungen bleibt nichts anderes übrig, als der Ankurbelung dieses Wirtschaftswachstum alles andere unterzuordnen. Sollten sie das nicht tun, werden wie abgewählt (Indien, Indonesien, Türkei, Brasilien) oder gestürzt (China). Es ist also unsere Verantwortung, zusammen mit diesen Ländern einen Wachstumspfad zu erarbeiten, der nicht zu einer unverantwortlichen Temperaturerhöhung führt. Es geht nicht um die Frage, ob diese Länder eine Last tragen können oder wollen, es geht darum, dass die Regierungen dort in die Lage versetzt werden, an der Reduzierung der CO2-Emissionen mitzuarbeiten, ohne darüber zu stürzen.

  82. “Warum überhaupt Klimschutz jetzt, wenn uns die Gerechtigkeitsfrage – internationale und intergenerationelle – bei Lasten und ergo auch bei Schäden nicht interessiert?”

    Vielleicht besser: Warum überhaupt Klimaschutz? Wenn wir die Gerechtigkeitsfrage ausklammern für den Klimaschutz jetzt (indem wir mit Lasten verbundene Klimaschutzlösungen ausschließen), warum sollen wir überhaupt Schäden durch Klimafolgen vermeiden (=Lasten vor allem in Zukunft und für Arme)? Das ist mir immer noch nicht ganz klar geworden.

    • Herr Walter, es geht nicht so sehr um Gerechtigkeit, es geht, banal gesagt, ums Überleben. Die Schäden mögen hier geringer sein als in subgropischen oder tropischen Ländern, aber sie bleiben groß genug, dass wir handeln müssen. Bei einem globalen Temperaturanstieg von 2 °C müssen wir hier in Deutschland einen Anstrieg von ca. 3 °C erwarten, weil die Steigerung auf den Kontinenten größer ist als über den Ozeanen und in hohen Breiten stärker als in den Tropen. Wir müssen mit mehr Extremwetterlagen und längeren Dürren rechnen. der Wasserspiegel wird um mehr als einen Meter ansteigen (bis 2100). Weil auch Intensität der Stürme zunimmt, werden wir mit der Erhöhung der Deiche kaum nachkommen.
      Wenn das nicht reicht! Wir strengen uns hier nicht nur für die Armen dieser Welt in fernen Ländern an – auch wenn das allein sicher auch schon ein gutes Argument ist.

  83. @Martin Holzherr, 16. April 2019 @ 11:35:
    Ich weiß nicht, ob ich Sie verstehe. Meinen Sie, “der wird sich kümmern” normativ? D.h. wird er sich kümmern, weil er einsieht, dass er sich kümmern soll? Oder wird er sich kümmern, weil er anthropologisch gar nicht anders kann?

    Wenn Sie es normativ meinen, warum glauben Sie, dass das “Schicksal der Menschheit” (dass eine Menschheit sei?) ein “tieferer” Wert ist, der viel mehr Menschen zum rechtzeitigen Kümmern bewegt als Gerechtigkeit? Mir persönlich zum Beispiel ist – da nun schon mal eine Menschheit ist – viel wichtiger, dass es in dieser gerecht zugeht und auch, dass wir andere Menschen nicht instrumentalisieren und ihre Rechte verletzen, indem wir sie vorsätzlich vermeidbare Folgen unseres luxuriösen Lebensstils ausbaden lassen. Der Fortbestand der Menschheit ergibt sich für mich höchstens als Folge, weil ein Ende der Menschheit ohne Verletzung individueller Rechte kaum denkbar ist. Ich glaube, ich bin nicht der einzige, der das so sieht.

    Wenn Sie es anthropologisch meinen: Warum wird nicht schon längst effektiv gehandelt?

  84. @E. Walter: Überleben ist wichtiger als zu seinem Recht zu kommen. Wenn sie im Strassenverkehr immer auf ihrem Recht (z.B. Vorfahrrecht) bestehen, kann das schlimm für sie ausgehen. Zuerst einmal wollen sie unversehrt bleiben, dann erst pochen sie auch auf ihre Rechte oder auf Dinge wie eine gerechte Lastenteilung.

    Im übrigen ist es eine (weitverbreitete) Meinung die bereits entwickelten Länder kämen auch mit einem massiven Klimawandel gut zurecht, nicht aber die Entwicklungsländer. Das stimmt nur teilweise. Denn: Mittellose, sonst aber gesunde Menschen können woanders hinziehen, wenn die Lebensbedingungen an einem Ort sich verschlechtern. Doch bestehende extrem teure Infrastruktur ist nicht mobil, kann nicht einfach umziehen. Wenn Städte wie Miami oder Shanghai im Meer versinken gehen Investitionen von Milliarden bis Billionen Dollar flöten – sie versinken einfach im Meer. Ein weiteres Problem für die bereits wohlhabenden Länder ist folgendes: Sie werden von Klimamigranten als attraktiv empfunden. Menschen aus Regionen, die durch den Klimawandel unbewohnbar werden, wollen dann nach Europa, den USA, Australien oder Japan ziehen. Klar können diese nun attraktiven wohlhabenden Länder einfach ihre Grenzen dicht machen. Doch damit schaffen sie Konfliktpotenzial anderswo. Eine Welt, in der sich grosse Regionen klimatisch deutlich verschlechtern, ist eine unruhige Welt voller Konflikte. Solche eine Welt sollten auch die wohlhabenden Länder (die sich Klimaanlagen als Schutz vor dem Klimawandel leisten können) in Rechnung stellen und sich deshalb für eine Begrenzung des Klimawandels bei sich selbst und bei anderen stark machen.

  85. Danke, Herr Grüter und Herr Holzherr, für Ihre Antworten.

    Ich glaube, wir sind uns einig, dass die EU anderen sich entwickelnden Ländern bei der Entwicklung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bei gleichzeitiger politischer Stabilität und dem Wohlergehen der Menschen dort helfen soll (inwieweit das zwingend mit “Wirtschaftswachstum” einhergehen muss, sei mal dahingestellt).

    Dass man sich nicht nur um Gerechtigkeit sorgen sollte, sondern – wenn man das nicht unter Gerechtigkeit fassen will – auch um Chancen auf ein würdiges Leben jetzt und in Zukunft in anderen Ländern, d’accord. Aber auch hier geht es um ein Handeln für Andere (und deren Nachkommen).

    Warum ich bezweifele, dass eine allein oder vor allem an nationalen oder individuellen Egoismen und Interessen ausgerichteter Klimaschutz ausreicht, katastrophale Folgen für andere zu vermeiden, machen vielleicht die länderbezogenen sozialen Kohlenstoffkosten (SCC) klar. Die EPA in den USA hat Kosten von 1-7 US$ für die Emission einer Tonne im Jahr 2020 ausgerechnet.
    https://www.nytimes.com/2018/08/23/climate/social-cost-carbon.html
    Mit anderen Worten: weiter so.

    Hier eine länderbezogene Schätzung für alle Länder der Welt (Nature Climate Change, 2018):
    https://www.vox.com/2018/9/26/17897614/climate-change-social-cost-carbon
    Caveat: Die Studienautoren warnen, dass Ihre Schätzung eher eine untere Grenze ist und zum Beispiel die schnellere Erwärmung im Norden nicht berücksichtigt. Die Unsicherheit der Schätzungen erkennt man auch an den Werten der USA, die hier deutlich höher bei 48US$ angesetzt werden. Manche fordern ja auch, stringenten Klimaschutz eher als Versicherung gegen das Risiko unerwartet hoher Klimasensitivität und das Risiko von Kipppunkten im Erdsystem und in sozialen und politischen Systemen zu sehen (ich kann dieser Sicht viel abgewinnen, hier kommt dann vielleicht auch stark das Überleben ins Spiel).

    Dennoch: Worauf ich hinauswill ist, dass es keineswegs ausgemacht ist, dass ein Einhalten zum Beispiel der 2-Grad-Grenze allein im nationalen oder EU-Interesse ist (wenn man das Risiko von Konflikten niedrig bewertet). Wenn es nicht um Gerechtigkeit gegenüber anderen Ländern geht, müsste die EU mit negativen länderbezogenen SCC nach diesem Modell nichts tun, ja gegenwärtig sogar Emissionen belohnen – und die Folgen ihrer (vielleicht nicht (mehr) gegenüber China aber jedenfalls gegenüber vielen anderen ärmeren Ländern) höheren und daher ungerechten pro-Kopf-Emissionen anderen aufbürden (unter der Annahme, dass die sich das weiter gefallen lassen).

    Resüme dort:
    “That makes climate change a global justice concern. In limiting global warming, wealthy countries face a moral imperative to look beyond their borders and GDPs, pushing even harder to cut their own emissions.”

    Es ist also vielleicht nicht nur ein guter Grund und (aus meiner Sicht) ethisch zwingend geboten, sich für die Armen der Welt und deren Nachkommen anzustrengen – anders wird vielleicht überhaupt kein Schuh aus dem Klimaschutz.

  86. Ergänzung / Korrektur: 48 US$ angesetzt werden -> liegen (der Wert wird berechnet)

    Der Median der SCC, also der Schäden, die eine Tonne CO2 verursacht, liegt im Modell bei über 400 US$. Die EU müsste jetzt also die Emission eine Tonne CO2 belohnen und würde damit aber der Welt Kosten von mehreren hundert Dollar aufbürden. Auch alle anderen Ländern würden – wenn sie Klimaschutz mittels CO2-Bepreisung betreiben würden – einen um eine Größenordnung zu niedrigen Preis ansetzen.

    Das Argument, den eigenen Nachkommen eine globale Katastrophe zu ersparen, ihr Überleben zu sichern, ist auch nur dann wirklich wirksam, wenn man den Nachkommen einen hohen Wert zumisst, also eine sehr niedrige soziale Diskontierungsrate ansetzt – welche für intergenerationelle Gerechtigkeit steht.

  87. @E. Walter: Ja, da haben sie indirekt einen wichtigen Punkt angesprochen: Kein Land, kein Akteur in der Klimasache kann nur sich selbst als Betroffenen betrachten. Deutschland macht nicht nur Klimaschutz für Deutschland, sondern es macht Klimaschutz als Vorbild und Vorlage für andere Staaten. Nur wenn letztlich alle Länder mitziehen, egal ob Entwicklungsländer oder Industrieländer, kann das 2 oder 1.5 Grad – Ziel erreicht werden.
    Erfolgreicher Klimaschutz in Deutschland oder auch in einem anderen Land, kann den anderen Ländern eine Weg aufzeigen, den auch sie gehen können. Überhaupt ist Nachahmung und Technologietransfer einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung von Ländern und Gesellschaften. Und auch bei der Lösung von Problemen gilt das. Ein Land in dem beispielsweise die Malaria weit verbreitet ist, nimmt sich ein anderes Land als Vorbild, welches die Malaria zurückgedrängt hat. In Bezug auf das Klimaproblem war das ist ja auch mit ein Grund, dass Deutschland eine Weile lang so stolz auf seine “Energiewende” war: Weil es meinte einen vorbildlichen Weg im Klimaschutz gefunden zu haben.
    Sollten gar die USA oder China ein schnell wirkendes Dekarbonisierungsprogramm auflegen hätte das zweifellos nicht nur Wirkung in den USA oder China, sondern weltweit. Gerade wegen der Grösse und dem Einfluss dieser Länder könnten sich andere Länder diesem Beispiel nicht verweigern.

  88. Thomas Grüter fragte:

    “Warum nur wird ein erhöhter Ausstoß von Treibhausgasen mit Reichtum gleichgesetzt?”

    Ich nehme an, das liegt daran, dass es im wesentlichen so ist; genauer: Nicht der Reichtum, sondern die Ausgaben erzeugen Treibhausgase (bzw. rechtfertigen im Nachhinein die bei Erzeugung, Transport usw. freigesetzten Treibhausgase).

    Europa belastet die Atmosphäre mit etwa 350 g CO2-Äquivalent pro EUR Bruttoinlandsprodukt, also in etwa pro ausgegebenen Euro. Wenn jemand also pro Monat 1000 Euro ausgibt, macht das etwa 350 kg CO2-Äqu. pro Monat (oder etwa 4 Tonnen pro Jahr). Wenn jemand pro Monat 3000 Euro ausgibt, trägt der oder die mit etwa 1 Tonne CO2-Äqu. pro Monat bei (12 Tonnen pro Jahr). Und mit 6000 Euro pro Monat liegt der persönliche Beitrag pro Monat bei 2 Tonnen pro Monat oder 24 Tonnen pro Jahr. Das ist natürlich alles nur eine grobe Schätzung, weil Fliegen und Autofahren überdurchschnittlich beitragen und Geld für Arbeitsleistung (etwa Reparaturen) praktisch gar nicht (die Ausgaben für das persönliche Leben des Reparierenden gehen auf dessen Konto).

    Ausgaben für Klimakompensation (20 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent) reduzieren den Beitrag zur Belastung der Atmosphäre; Klimakompensation bedeutet im wesentlichen die Subventionierung des Umbaus in Richtung einer weniger Treibhausgas-emittierenden Wirtschaftsweise. Mit etwa 240 Euro pro Jahr kann ein durchschnittlicher Bundesbürger (10 t/Jahr) seinen Beitrag zur CO2-Belastung der Atmosphäre auf null reduzieren; er oder sie lebt dann klimaneutral. Die Ausgabe für diese komplette Klima-Kompensation bedeutet etwa ein Prozent der persönlichen Ausgaben und ist daher wohl praktisch jedermann zuzumuten; wer unbedingt möchte, kann sich ja fünf Jahre lang Stück für Stück daran gewöhnen, indem er oder sie sich langsam von 0,2 % bis 1 % steigert.
    (23. April 2019; Louis F. v. Wunsch-Rolshoven – falls wie in der Vorschau Anonymous angezeigt wird)

  89. Martin Holzherr schreibt von der Vorbild-Wirkung der Länder. Ich gehe davon aus, dass jeder einzelne als Vorbild wirken kann, auch dann, wenn das eigene Land noch nicht so weit ist. (Aber natürlich fällt man mehr auf, wenn die Gruppe größer ist.)

    Allerdings ist es nach der Diffusionstheorie (Diffusion of Innovations) so, dass es bezüglich der Vorbildwirkung ganz wesentlich vom Stadium der Verbreitung z. B. einer neuen Verhaltensweise abhängt, welcher Prozentsatz der anderen überhaupt erreicht werden kann: Wenn etwas Neues erst von 0 bis knapp unter 2 % praktiziert wird, so hat man unter 100 Leuten nur bei etwa 2 Personen, den anderen Pionieren, eine Chance, etwas zu erreichen. Wenn die 2 % erreicht sind und sie ganz glücklich mit dem Neuen sind, hat man bei etwa 15 % eine Chance, bei den sogenannten frühen Anwendern. So geht das weiter: Wenn etwa 15 % erreicht sind, hat man bei etwa 35 % der Gesamtgruppe eine Chance, der frühen Mehrheit. Und wenn auch die erreicht sind, wenn also die Hälfte der Gruppe das Neue praktiziert, dann gibt es bei fast allen anderen eine Chance (mit Ausnahme der Nachzügler, vielleicht 10 oder 15 %). Das ist letztlich eine etwas triste Nachricht, aber sie erlaubt auch zu verstehen, warum eine Gesellschaft so unendlich langsam in Schwung kommt, bis sie etwas Neues versteht und entsprechend handelt, wie eben beim Klimawandel (auch wenn es noch so eilig ist). Solange es keinen Krieg gibt und jedermanns Leben bedroht ist, so lange nimmt man sich, nimmt sich die Gesellschaft, alle Zeit der Welt.

    In der allerersten Phase muss ein Verbreiter des Neuen etwa hundert Leute ansprechen, um bei etwa zwei Leuten Erfolg zu haben; das kann frustrierend sein; deshalb wird so mancher in dieser Phase die Lust verlieren und die Hoffnung aufgeben. So lässt sich erklären, warum es so ewig gedauert hat, bis die Klimadiskussion so langsam in der Gesellschaft richtig angekommen ist. Vor zehn Jahren hätte eine andere Greta Thunberg kaum Mitstreiter gefunden und man hätte sie viel weniger ernst genommen.

    Die Theorie lässt sich auch auf Diskussionen anwenden. Ob man in einer Diskussion eine Chance auf Überzeugung der anderen hat, hängt nicht nur vom eigenen Geschick und von der Sturheit der anderen ab, sondern auch davon, in welcher Phase der Verbreitung des Neuen man insgesamt steckt. In der allerersten Phase, wenn es nur Pioniere gibt, kann man damit rechnen, dass man praktisch jede Diskussion verliert (und auf 50 Mitdiskutierer nur bei einem einen Erfolg hat). Erst wenn (insgesamt in der Gesellschaft oder in der gesellschaftlichen Gruppe) die möglichen Pioniere alle gefunden sind, man also die 2 % erreicht hat, fängt das Diskutieren so langsam an, lustig zu werden, weil man dann bei etwa jedem siebten Mitdiskutierer eine reelle Chance hat (15 %).

    So habe ich heute auch keine ernsthafte Hoffnung, viele Leute für mein Modell der Kompletten Klima-Kompensation zu finden. Bei 98 % muss ich damit rechnen, dass sie ohne zu überlegen dagegen argumentieren werden. Allerdings bin ich dennoch sehr davon überzeugt, dass jede/r ganz alleine für sich die Verantwortung für seine Emission von Treibhausgasen trägt. Und nach meinem Eindruck kann man, wenn man innerhalb der Gesellschaft leben möchte (also am Waren- und Geldaustausch teilnimmt), im wesentlichen nur mit Klimakompensation den eigenen Beitrag auf null reduzieren.

    Es ist etwas verblüffend, wie stark wir Menschen, die wir uns für ach so toll und selbständig halten, vom Urteil der anderen abhängen. Es ist einfach so, dass uns die Zeit fehlt, uns mit allem, was es so an Neuem gibt, auseinanderzusetzen. So gibt es dann jeweils ein paar Pioniere, die das Neue testen – und erst nach deren Test erwägen auch wir selbst, ob wir testen sollten. (Ich mache das auch, nur in anderen Gebieten, etwa bei Büchern oder Technik; ich lese viele Leserrezensionen und Nutzerbeurteilungen, bevor ich ein Buch oder etwas Technisches kaufe; da bin ich praktisch nie der erste.)

  90. Thomas Grüter schrieb:

    Wir hätten sicher einiges besser machen können, aber ganz sicher haben wir nicht versagt. Wir hinterlassen die Umwelt in einem besseren Zustand als wir sie vorgefunden haben, und wir haben die CO2-Emissionen deutlich reduziert.

    Ob wir versagt haben oder nicht – es ist, wie es ist. Der Mensch kann nicht besser handeln, als er ist und als er die Dinge versteht. Und ich denke, es ist nicht nur das Verständnis des CO2 in der Atmosphäre, das uns teilweise fehlt. (Wer von den hier Diskutierenden inkl. Autor wusste im wesentlichen all das, was da steht? Sind wir überzeugt, dass diese Details unerheblich sind für ein solides Verständnis, für Diskussionen und für unser Urteil?)

    Es besteht auch eine geringe Kenntnis von den Mechanismen, die in einer sozialen Gruppe und der Gesellschaft insgesamt zur Bildung und Änderung von Meinungen und Handlungsweisen führt; ich habe den Eindruck, dass die Diffusionstheorie kaum bekannt, aber essentiell ist. Ebenso ist m. E. kaum bekannt, auf wieviel falschen Gerüchten unsere – damit leider oft ebenso falschen – Beurteilungen basieren, auch im Bereich der Treibhausgase und des Klimawandels. Wir schreiben und erzählen Dinge, ohne dass wir sie so sorgfältig absichern, wie das etwa bei einem wissenschaftlichen Aufsatz nötig wäre – und dann wundern wir uns, wenn wir nicht recht klar kommen mit einer Bedrohung wie dem Klimawandel.

    Ich habe den obigen Artikel gelesen, glaube aber nicht, dass wir die Umwelt in einem besseren Zustand hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben vor etwa dreißig Jahren (ich bin 1956 geboren). Sicher ist richtig, dass die Luft in unseren europäischen Städten sauberer geworden ist – aber in China usw. ist sie erheblich schmutziger geworden. Die Summe der weltweiten Belastung dürfte in den letzten dreißig Jahren zugenommen haben – und wir können nicht behaupten, wir hätten dazu in keiner Weise beigetragen, schließlich kaufen wir alles Mögliche in China und exportieren dorthin.

    Die CO2-Emisssionen der Welt steigen laufend an. Die in Deutschland haben ein wenig abgenommen: 1990 waren es etwa 1200 Mio. Tonnen, heute 800-900 Mio. Tonnen. Das ist sicher ein Fortschritt, aber das so zu loben, das wirkt auch ein wenig wie der begeisterte Bericht eines Vaters, er schlage sein Kind jetzt nur noch 8 Mal pro Woche, nicht mehr 12 Mal, wie früher… Mit diesen über 800 Millionen Tonnen Treibhausgasen trägt Deutschland jedes Jahr zur Verschlechterung der Atmosphäre bei. Das als einen “besseren Zustand” der Umwelt verkaufen zu wollen – geht das nicht ein wenig zu weit?

    Mein persönliches Ziel ist klar: Gar nicht zur Emission von Treibhausgasen beitragen. Da es leider nicht mal Brot zu kaufen gibt, das ohne Emission von Treibhausgasen erzeugt ist, muss ich halt Geld dafür geben, dass irgendwo auf der Welt die Emission von Jahr zu Jahr so stark reduziert wird, wie für die von mir gekauften Waren und Dienstleistungen emittiert wurde. Ist vielleicht nicht ideal, aber für mich der einzige Weg einigermaßen anständig zu leben. Komplette Klima-Kompensation halt. Das mache ich seit ein paar Jahren, etwas Besseres kenne ich nicht.

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