Klimakonferenz in Lima: Scheitern mit Ansage

Gedankenwerkstatt

Das Abschlussdokument der aktuellen Klimakonferenz in Lima geriet zu einem Meisterwerk der Diplomatie. Die Konferenzleitung sah sich folgender Aufgabe gegenüber: Wie schaffen wir ein für alle annehmbares Schlussprotokoll, wenn die Staaten völlig zerstritten sind. Die geniale Lösung: ein optimistisch klingendes und zugleich völlig nichtssagendes Dokument, das niemandem auf die Füße tritt. So hatten alle ihr Gesicht gewahrt und konnten zufrieden nach Hause fliegen. Aber das ist auch die einzige gute Nachricht. Denn realistisch betrachtet ist die Konferenz gescheitert. Wir brauchen technische Lösungen für das Problem, denn eine rein soziale Lösung, also eine Einigung auf Verzicht und Transfer, wird nicht funktionieren.

Am 4. Oktober habe ich einen Blogbeitrag geschrieben, der den Titel trägt: „Warum Klimagipfel heiße Luft produzieren müssen.“ Damit mich niemand missversteht: Ich bin nicht stolz darauf, Bruchlinien vorhergesagt zu haben, die zum Scheitern der Konferenz in Lima führten. Ich hätte auch lieber ein Wunder gesehen. Aber die Interessengegensätze der Staatengruppen lagen offen zutage. Bei dem Gipfel in Lima wurden die Standpunkte lediglich ein weiteres Mal ausgetauscht, ohne dass sich etwas bewegte.

Wer gegen wen?

Die europäischen Länder sind verbittert darüber, dass die Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Saudi-Arabien sich zu Fürsprechern der Entwicklungsländer aufschwingen, obwohl sie inzwischen zu den größten CO2-Produzenten gehören. Sie wollen auch nicht in den Klimafonds einzahlen, der für Umweltschäden in den Entwicklungsländern aufkommen soll. Wenn der Fonds ab 2020 seine Arbeit aufnimmt, werden vier der zehn Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich keine Einzahlungen leisten. Für die  vorgesehenen 100 Milliarden US$ müssten die USA und die EU-Staaten jeweils mehr als 30 Milliarden US$ einzahlen, pro Jahr, wohlgemerkt. An dieses Szenario mag niemand ernsthaft glauben.

Während also die Entwicklungsländer den Eindruck haben, dass die Industrieländer sich davor drücken wollen, die versprochenen Gelder einzuzahlen, haben die Industrieländer den Eindruck, dass alle anderen Staaten Geld von ihnen fordern, aber an der Reduktion von Klimagasen eigentlich nicht interessiert sind. Das Bestechende daran ist, dass beide Seiten sogar recht haben könnten.

Wir einsamen Musterknaben

Egal, welche Klimaziele die Europäer oder die Deutschen einhalten, der weltweite Ausstoß von Klimagasen wird zunehmen. Wenn der Trend nicht schnell gebrochen wird, haben wir die äußerste Grenze des CO2-Ausstoßes bereits vor 2040 überschritten. Und dann wird uns ähnlich warm werden wie den Delegierten in Lima. Die Veranstalter hatten für die Veranstaltung auf einem Militärgelände hastig große Zelte errichtet, die völlig unzureichend klimatisiert waren und sich unangenehm aufheizten. So bot die Konferenz, vermutlich ganz ohne Hintergedanken, den Teilnehmern schon mal einen Vorgeschmack auf den Klimawandel. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks musste wegen einer Kreislaufschwäche am Mittwoch alle Termine absagen. Übrigens verhalten sich die Deutschen, was den CO2-Ausstoß angeht, lange nicht so musterhaft, wie sie gelegentlich glauben. Die optimistischen Gutachten, mit denen sich Lobbygruppen und Regierungen in Deutschland immer wieder bestätigen ließen, dass sie alles richtig machten, haben sich inzwischen als fehlerhaft erwiesen. Der CO2-Ausstoß in Deutschland ist nicht so stark gesunken wie vorgesehen – und wird auch in Zukunft hinter dem Plan zurückbleiben.

Bessere Ideen – die technische Lösung

Was ist also zu tun? Kein Land will auf Energie verzichten, kein Land will auf Mobilität verzichten. Deshalb hier noch einmal: Wir brauchen preiswerte Energie, die nicht auf Verbrennungsvorgängen beruht, und bei Bedarf verfügbar ist – also eine technische Lösung. Wir können z.B.:

  • neuartige, sichere Atomkraftwerke bauen (hier die Übersicht in der Wikipedia).
  • Kernfusion als Energiequelle nutzen.
  • die Nutzung von Sonnenenergiekraftwerken in der Erdumlaufbahn vorantreiben.

Inzwischen gibt es neben dem gigantischen Projekt ITER einige sehr interessante Ansätze für die Energiegewinnung aus Kernfusionsreaktoren. Dazu gehört:

  • ein kompaktes Design für einen Fusionsreaktion von Lockheed Martin
  • eine erstaunliche Maschine, die mittels mechanischer Verdichtung eine Kernfusion erreichen soll. Sie wurde in Presseveröffentlichungen schon als „Steampunk-Ansatz“ für die Energieerzeugung bezeichnet. Sie wird von der kanadischen Firma General Fusion gebaut. Die kanadische Regierung steuert einige Millionen Euro zu der Entwicklung bei. Der erste Prototyp soll bereits 2015 in Betrieb gehen.
  • das deutsche Stellarator-Experiment Wendelstein 7-X in Greifswald. Es wird zwar nicht mehr Energie liefern, als es zum Betrieb braucht, aber das Konstruktionsprinzip ist skalierbar.

Sonnenenergie aus der Erdumlaufbahn hätte den enormen Vorteil, fast immer verfügbar zu sein. Das Kraftwerk würde dauerhaft Strom liefern, weil im Orbit immer die Sonne scheint. Ein solches System wäre heute noch reichlich teuer, aber die Kosten für Raketenstarts sinken seit einigen Jahren noch schneller als die für Solarzellen. Bis 2020 könnte ein Solarkraftwerk im Weltraum durchaus konkurrenzfähig sein. Außerdem könnte man die Energie mit einem Mikrowellenstrahl an verschiedene Empfänger senden, die tausende Kilometer auseinander liegen. Ein solches Kraftwerk wäre also ideal geeignet, um kurzfristige Engpässe auszugleichen. Was ist mit erneuerbaren Energien wie Fotovoltaik und Windenergie? Solange es keine kostengünstigen Stromspeicher für große Mengen von Elektrizität gibt, kommen diese Systeme nur als Beimischung für einen Energiemix in Frage.

Eine soziale Lösung, die nur auf Verzicht und Geldtransfer setzt, wird niemals funktionieren. Und die Reduktion des CO2-Ausstoßes in Deutschland macht uns zwar moralisch unangreifbar, hat aber keinen messbaren Effekt auf das Weltklima.

Man muss kein Genie sein, um diese Zusammenhänge zu erkennen. Warum also verbreiten die Regierungen und die NGOs vor jeder Klimakonferenz unbeirrt Optimismus? Ganz einfach: Sie spielen Schwarzer Peter. Nach dem vorhersehbaren Scheitern erklären sie zu Hause: „Wir haben alles versucht, aber die anderen wollten einfach nicht nachgeben. Tut uns wirklich leid“.

Wer aber vorher schon sagt, dass er außer Spesen nichts erwartet, muss sich eventuell vorwerfen lassen, er hätte die Konferenz sabotiert.

Könnte es nicht doch sein, dass irgendwann ein Kompromiss gelingt? Kaum, die Hürden sind einfach zu hoch. Bei einem Kompromiss muss jeder zurückstecken. Damit hätten alle Regierungen die schwere Aufgabe, ihrem Volk zu erklären, warum sie wichtige Positionen aufgegeben haben.

Noch einmal ganz deutlich: Für das Klimaproblem brauchen wir eine technische Lösung, eine rein soziale Lösung wird es nicht geben.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

12 Kommentare

  1. Greenpeace hat bei den Nazca-Linien in Lima das Banner “TIME FOR CHANGE! THE FUTURE IS RENEWABLE! GREENPEACE.” ausgelegt und wollte damit sagen: Mit Wind+Sonne allein können wir die fossilen Energien ersetzen, wir müssen das nur mehr pushen. Es ist erstaunlich wieviele Menschen und auch meinungsbildende Journalisten davon überzeugt sind, dass es so ist. Die Wahrheit sieht aber so aus:
    Von den 4 Grossstaaten, die mehr als 50% des CO2 erzeugen, nämlich den USA, Europa, Indien und China, haben sogar die USA und Europa Schwierigkeiten aus Kohle und Erdgas auszusteigen obwohl diese beiden nur bestehende Energiequellen ersetzen müssen. China und Indien aber müssen jedes Jahr ihre Energieproduktion um 5% oder mehr ausbauen, um sich entwickeln, also aus der Armut aussteigen zu können. China hat dazu zwischen dem Jahr 2000 und 2010 seine Energieproduktion mehr als verdoppelt und gleichzeitig den jährlichen CO2-Ausstoss um mehr erhöht als Eurpa insgesamt ausstosst. Indien, das bis jetzt immer in den Klimaverhandlungen als widerspenstig erschien, will China in diesem Punkt nachahmen und wird voraussichtlich im Jahr 2019 den CO2-Ausstoss Europas erreichen. Jedem, der sich die Sache überlegt, muss zum Schluss kommen, dass China ohne Kohle seine Energieproduktion niemals in 10 Jahren hätte verdoppeln können. Das gleiche gilt für Indien. Jede Alternative – sogar die besten und fortschrittlichsten Atomkraftwerke – würde den Ausbau im Energiesektor bremsen. Solarenergie und Windenergie als Hauptenergiequellen sind für China und Indien noch schwieriger zu handhaben als es Atomkraftwerke sind, denn nur schon die Integration dieser unsteten Quellen ins Netz ist eine Herausforderung. China hat deshalb den weiteren Ausbau der Windkraft etwas gebremst, denn es fehlen die nötigen Netze um den Windstrom vom Ort der Erzeugung zum Ort des Verbrauchs zu bringen.
    Für Schwellen- und Entwicklungsländer bedeutet jede andere Energiequelle als die fossilen Energiequellen eine Herausforderung und ein Abbremsen im Entwicklungspfad. Das ist sicher wie das Amen oder die Physik. Wird zudem das Menu der “erlaubten” Energien eingeengt auf Wind, Sonne und eventuell noch Wasserkraft, dann werden diese Länder ähnliche Probleme bekommen wie sie Deutschland mit seinem Erneuerbaren-Ausbau schon hat, nur in viel grösserem Masstab, denn Ingenieure mit jahrzehntelanger Erfahrung im Energiesektor gibt es in diesen Ländern nur wenige.
    Ich selber würde nicht einmal wie Thomas Grüter fordern, dass wir uns nun auf Atomkraft fokussieren sollten, sondern nur, dass alle Energieoptionen gefördert werden sollten, die eine CO2-arme Energieproduktion ermöglichen. Dazu bräuchte es eine Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit im Energiebereich. Im Breakthrough-Artikel High Energy Innovation liest man dazu;

    Technological innovation often occurs where demand is rising the fastest. .. The so-called “BRICS” — Brazil, Russia, India, Mexico, China, and South Africa — spend more on energy innovation (i.e., research, development, and deployment) than all 29 OECD member nations of the International Energy Agency (IEA).
    ..
    Basic research in national laboratories is critical but insufficient. Technological progress will come from demonstrating and deploying next-generation nuclear, solar, CCS, and natural gas technologies. Real-world trial and error is critical to technological progress, as the shale gas revolution, which took several decades, showed.
    ..
    Policy makers ought to view energy innovation as a global public good. The benefits of creating cheaper and cleaner energy sources are shared by all –– not monopolized by individual nations.

    Dem ist nicht hinzuzfügen. Hier im Westen glauben viele, die Technologie für den Übergang zu ener CO2-armen Zukunft sei schon vorhanden und müsse nur noch etwas subventioniert werden
    Zusammen mit einer Steuer auf Kohle seien die nötigen Instrumente für den Change vorhanden (siehe Greenpeace-Banner). Leider stimmt das nicht.

  2. Die Resultate der Konferenz sind sehr dürftig, keine Frage, aber ich sehe sie nicht so pessimistisch. Immerhin hat die Konferenz stattgefunden und ist in viele Köpfe gedrungen. Die Erwärmung wird weiter voranschreiten und die nächsten Wetterkapriolen und Naturkatastrophen werden deutlich zeigen, dass Veränderungen notwendig sind.

    Das Ziel muss sein, die CO2-Emissionen zu verringern. Auf Energie kann man nicht verzichten, das ist klar. Neue Technologien zur Energieerzeugung brauchen viele Jahre und es gibt keine Garantie für ihre Verfügbarkeit, zumal auch sie nicht ohne Probleme sind und Versprechungen allein nicht wirksam sind. Deshalb ist es wichtig, das nächstliegende zu tun, also die natürlichen Energien Solar, Wind, Wasser, Bio verstärkt zu nutzen. Dann muss man versuchen, die Emission von CO2 zu verringern, durch chemische oder andere Maßnahmen. Alle Emittenten müssen auf den Prüfstand und CO2-ärmere Alternativen müssen gefördert werden.

    Das ganze Problem ist nicht in einem Schritt und nicht mit einem technologischen Rundumschlag zu lösen. Vor allem braucht es die globale Kooperation, da es ein globales Problem ist. Das sollte die Konferenz und die Berichterstattung darüber aller Welt ein wenig mehr klargemacht haben. Notwendig wäre eine UNO-Behörde wie die WHO oder ähnliches zur Förderung, Planung, Unterstützung und Umsetzung nationaler und internationaler Maßnahmen. Die nächste Konferenz kommt bestimmt.

    • Ich wollte, ich könnte Ihren Optimismus teilen. Die Reduzierung der Klimagase ist ein Allmende-Problem. Ich hatte 2012 schon einmal darüber geschrieben. Eine allgemeine Lösung dieser Art von Problemen ist nicht bekannt. In diesem speziellen Fall haben die drei großen Gruppen so unterschiedliche Interessen, dass ein sinnvolles Abkommen kaum möglich ist. Mit einem Formelkompromiss ist allerdings der Umwelt nicht gedient. Die entscheidende Frage lautet: Können alle Staaten ihren Bürger Zugang zu elektrischer Energie und Mobilität verschaffen, ohne dass die Umwelt weiter belastet wird? Das betrifft nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern auch die Frage der Rohstoffversorgung und der Umweltverschmutzung. Wie gesagt: Eine Lösung, die auf Verzicht und gutem Willen beruht, muss von einer zentralen Organisation überwacht und durchgesetzt werden. Das wird aber keiner der wichtigen Akteure akzeptieren wollen. Ohne technische Lösung treiben wir auf eine Katastrophe zu.

      • Für ausgeprägten Optimismus gibt es sicher keinen Anlass, da stimme ich mit Ihnen überein. Eine Lösung des Problems ist ohnehin nicht möglich, sondern eine Verringerung auf ein erträgliches Maß und die Verhinderung einer globalen Katastrophe wäre schon ein Erfolg. Selbstverständlich müssen auch weiterhin neue Technologien zur Energiegewinnung wie auch zur Energieeinsparung erforscht werden, aber man darf sich nicht darauf verlassen und nicht alle Ressourcen darauf verwenden. Es gibt auch Möglichkeiten internationaler Kooperation, z.B. Wasserkraft aus Norwegen oder Solarenergie aus der Sahara. Auch technische Lösungen sind in aller Regel mit sozialen Problemen verbunden. Deshalb muss die Energieeinsparung ganz oben in der Prioritätenliste stehen. Insgesamt bedarf es eines globalen Umdenkens, weg von kleingeistigem und nationalistischem Denken. Dazu gibt es keine Alternative, außer dem Rückzug in die Einsiedelei. Aber genau diese soziale Lösung fürchten die meisten.

        • Zustimmung: Internationale Kooperation wie Solarenergie aus äquatornahen Gebieten über lange Distanzen transportiert wäre eine mögliche Lösung. Diese Lösung scheitert aber nicht an der Technologie sondern an politischen und gesellschaftlichen Problemen. Das Vertrauen in solche eine Fernversorgung besteht nicht – und das leider zu recht.

          • Das Scheitern des Desertec-Projektes ist durchaus typisch dafür. Allerdings kommen hier gleich mehrere Faktoren zusammen. Letztlich haben die Projekt-Teilnehmer wohl aufgegeben, weil der Transport des Stroms von Nordafrika nach Europa zu teuer wurde.

          • Desertec scheiterte nicht an teuren Leitungen sondern an den Risiken, der Grösse des Projekts, der fehlenden Langzeitunterstützung und an der Festlegung auf eine veraltete Technologie (CSP= Spiegel, die konzentrierte Wärme erzeugen) wie hier aufgezeigt:
            Veranschlagte Desertec-Kosten
            Die Kosten betragen geschätzte 400 Mrd. Euro, davon werden 350 Mrd. Euro für die CSP – Plants und 50 Mrd. Euro für das Leistungsnetz veranschlagt. Das benötigte Investitionsvolumen soll hierbei durch
            zahlreich beteiligte Unternehmen / Investoren realisiert werden.
            Desertec-Risiken
            Standort: Aufgrund des nicht näher spezifizierten Standortes, sind die potentiellen Risiken bezüglich der politischen Instabilitäten, Korruption und der mangelnden Infrastruktur der afrikanischen Mittelmeerstaaten schwer einzuschätzen.
            Geopolitisch: Nicht nur die Energieerzeugungsanlagen persé, sondern auch deren Energieleitungen bilden eine Grundlage für politische Konflikte. Diese müssen als Überlandleitungssysteme installiert werden und würden somit mehrere Staaten durchziehen, die nicht direkt involviert sind.
            Technik: Aus technischer Perspektive, wurden Punkte wie die Wasserversorgung inmitten der Wüste nicht konkretisiert um eine langfristige Sicherstellung zu gewährleisten.
            Finanzen:Das Investitionsvolumen Deutschlands und der
            Europäische Union reduzierte sich auf eine „Initiierungsfinanzierung“ anstelle einer Vollzeitunterstützung.

          • Zwischen 2000 und 2009 haben sich die Angriffe auf Energieinfrastruktur (Pipelines Stromleitungen..) verdoppelt und sie nehmen weiterhin zu, Das ist letztlich einer der wichtigsten Gründe warum ein grossräumiges Stromnetz, gar ein globales Stromnetz nicht gebaut werden kann oder von vornherein sehr viel Redundanz eingebaut haben muss. Hauptbetroffen von Angriffen sind sicher Ölpipelines, aber eben auch Hochspannungsleitungen.
            Das Ergebnis stammt aus der Auswertung der
            Energy Infrastructure Attack Database (EIAD)

            Hier noch ein Satz aus What attacks on oil pipelines have in common with epidemics

            A quantitative evaluation of the database reveals that, at over 4,200, the number of attacks has more than doubled between 2000 and 2009 compared to previous decades (1980s: 1,808 attacks; 1990s: 1,508 attacks). What’s more, the trend still appears to be rising: 1,063 attacks have already been recorded in the first few years of the current decade.

            According to the statistics, most attacks are successful, with only 5 per cent of attempts failing or being thwarted.

          • SPON meldet: unter Sabotage: Anschläge auf Pipelines und Öltanker haben sich verdoppelt

            Tanker-Routen, Stromleitungen, Öl- und Gas-Pipelines bezeichnen die EIAD-Macher als “lineare Energie-Infrastruktur”. Auf sie haben es Angreifer am häufigsten abgesehen. Deshalb seien ihre Attacken auch in den meisten Fällen erfolgreich..

            Ihr Ausgangspunkt war demzufolge Süd- und Mittelamerika. In den Neunzigerjahren griffen sie auf den afrikanischen Kontinent über (Angola), ferner auf Spanien und Frankreich, wo Untergrundorganisationen begannen, gegen Energie-Infrastrukturen vorzugehen. Seit dem Jahr 2000 kamen weitere “Hotspots” hinzu, wie Jennifer Giroux sie nennt: “Der Irak, Russland, Thailand, die Philippinen und Nigeria – Anschläge sind nun über den ganzen Globus verteilt.”

            Kriminelle Aktionen, die erfolgreich sind, wirken auch in anderen Gebieten nachgeahmt, sind also ansteckend. Man denke an die School Shootings in den USA, an Copy-Kills, wo Taten von Serienmördern nachgeahmt werden, an bestimmte erfolgreiche Methoden des Einbruchs. Auch die Drogenmorde in Mexiko haben sich eingebürgert.
            Bei Angriffen auf Stromtrassen oder Pipelines ist heute das Risiko entdeckt zu werden sehr gering, gleichzeitig ist der Effekt sehr gross. Ein einziger Angriff kann Millionen von der Stromversorgung abschneiden. Eine technische Lösung wäre die permanente Überwachung von Pipelines und Stormleitungen mit Drohnen.

  3. 4.Generations-AKW’s, Kernfusion und Solarkraft im Orbit als verlässliche Energiequellen wird es nicht vor 2020, Kernfusion und Solarkraft im Orbit sogar sicher nicht vor 2030 geben. Bis diese neuen von Thomas Grüter als besser empfohlenen Energiequellen (im Vergleich zu Sonne+Wind) , die es heute nicht einmal gibt, dann aber überall auf der Erde in so grosser Durchdringung eingesetzt werden, dass es einen Unterschied macht, vergehen vielleicht noch einmal 10 Jahre, so dass folgende Befürchtung von Thomas Grüter:

    Egal, welche Klimaziele die Europäer oder die Deutschen einhalten, der weltweite Ausstoß von Klimagasen wird zunehmen. Wenn der Trend nicht schnell gebrochen wird, haben wir die äußerste Grenze des CO2-Ausstoßes bereits vor 2040 überschritten.

    auch und gerrade mit dem von ihm empfohlenen Energiepfad eintreten wird: Die Dekarbonisierung geht zu langsam und wird durch Umschwenken auf neue Energiequellen nicht schneller.

    Die vielversprechenste neue Energiequelle, ein äussert kostengünstiger Salzschmelzereaktor (Generation 4-Reaktor) wird übrigens von Terrestrial Energy, einer kanadischen Firma entwickelt, die einen erste (Mini-) Version ihres Integral Molten Salt Reactor bis 2020 auf den Markt bringen will. Terrestrial Energy verfolgt mit seinem Salzschmelzereaktor, der mit Uran aufgelöst in einer 800°C heissen Salzlösung betrieben wird, ein Reaktorkonzept, das eine ungewöhnliche Kombination von Andersartigkeit (verglichen mit Druckwasserreaktoren), prinzipieller Erprobtheit (Testreaktor am ORNL), Sicherheit und Kostengünstigkeit vereint.

    Dennoch, ein neuer Reaktor im Jahre 2020, der sich zuerst noch behaupten muss bevor er sich weltweit verbreitet, bedeutet, dass grundlegend neue Technologie eventuell zu spät kommt. Der grösste Fehler, der hier von den entwickelten Nationen schon vor 20 Jahren begannen wurde, war die sehr frühe Fokussierung auf Wind und Sonne und die völlig ungenügenden Ausgaben in der Energieforschung.

    Wenn wir nicht auf neue Energiequellen vertrauen, welche Kombination bekannter Energiequellen kann dann die schnelle Dekarbonisierung ermöglichen?
    In China ist es eine Kombination von gewöhnlichen AKW’s, Wind und Sonne., die laut Breakthrough-Bericht US-China Climate Deal Underscores Need for Substantial Energy Innovation den zukünftigen CO2-armen Strom Chinas liefern werden wobei trotz immer wieder anders lautenden Berichten hier im Westen, die chinesischen AKWs mehr Strom liefern werden als Sonne und Wind zusammen.
    Weltweit werden AKWs bisheriger Technologie aber eher an Bedeutung verlieren und es bleiben Sonne und Wind als einzige neue Energiequellen, die genügend Unterstützung durch Öffentlichkeit und Politik geniessen, um einen Zubau im grossen Masstab akzeptabel zu machen.
    Es gibt eine Lösung um das Speicherproblem dieser Energiequellen zu lösen: Auf Speicher verzichten und statt dessen ein globales Stromnetz für grosse Stromleistungen aufbauen. Leider ist das politisch und gesellschaftlich nicht machbar: In einer Welt, die vor Waffen starrt, weil Feindseligkeit und Krieg jederzeit zunehmen und ausbrechen können kann es kein verwundbares globales Stromnetz geben und wohl auch kein substanzielles globales Klimaabkommen – und damit keine technische und auch keine politische Lösung des Klimaproblems.

    • Neue Technologien brauchen Zeit, das ist richtig. Andererseits haben Inder und Chinesen auch noch lange nicht die ganzen Kohlekraftwerke gebaut, die sie planen. Und eine neue preiswerte Technik, ohne Verbrennung zuverlässig elektrische Energie (oder Heizenergie) zu erzeugen, würde die älteren besonders dreckigen Kohlekraftwerke relativ schnell ersetzen. Das Problem ist ja den Schwellenländern sehr bewusst, nur erwartet die Bevölkerung dort unbedingt eine Verbesserung der Lebensbedingungen. Wenn es bezahlbare Lösungen ohne Luftverschmutzung gibt, sind alle gerne dabei.
      Es bleibt natürlich das Problem der Mobilität. Für den Verkehr ist Benzin und Diesel im Moment noch alternativlos. Da weiß ich auch keine Lösung.

      • China verbietet den Bau von Kohlekraftwerken in der Nähe der Bevölkerungszentren baut aber weiterhin neue Kohlekraftwerke fernab von Städten, dort nämlich wo Kohle gefördert wird, Zitat Breakthrough-Institut:

        Domestic coal mines and “coal power corridors” will be expanded in order to bring coal-fired electricity and coal-derived synthetic gas produced in rural areas into eastern cities. These schemes explain how China will clean up conventional air pollution in wealthier regions and how China will reduce and perhaps eliminate the need to import coal, while continuing to generate massive amounts of carbon dioxide from coal.

        Warum kann denn China versprechen bis 2030 den Peak-Coal zu überschreiten? Genau darum, weil es in kurzer Zeit soviel Kohlekraftwerke zubaut, dass es dann um 2030 für immer ausgesorgt hat und nur noch die bestehenden Kohlekraftwerke mit Betriebsmitteln (Kohle) am Laufen halten muss.

        Das ist also Chinas Lösung für das obengenannte Problem: “Wenn es bezahlbare Lösungen ohne Luftverschmutzung gibt, sind alle gerne dabei.”

        Noch zu “Es bleibt natürlich das Problem der Mobilität. Für den Verkehr ist Benzin und Diesel im Moment noch alternativlos. Da weiß ich auch keine Lösung.”

        Die Batterieforschung hat grosse Fortschritte gemacht: In Kürze werden Batterien grösserer Kapazität, die zudem billiger sind auf den Markt kommen, beispielsweise Lithiumsulfidbatterien, später möglicherweise sogar Magnesiumbatterien, die effizienter und weit billiger wären als Lithiumbatterien, weil Magnesium im Gegensatz zu Lithium reichich vorhanden ist (sogar im Meerwasser). Selbst Automobilfirmen investieren selber in die Batterietechnologie. Toyota verspricht für die 2020er Jahre eine solid-state Batterie doppelter Kapazität (im Vergleich zu heutigen) zum selben Preis wie die heutigen.

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