Der überteure Strom

Warum ist Strom eigentlich so teuer? Der größte Teil stammt doch aus erneuerbaren Quellen, oder wird von Braunkohlekraftwerken und Atomkraftwerken erzeugt. Gas, der Energieträger mit der höchsten Preissteigerung, machte 2021 nur etwa 12 % aus – und sein Anteil soll ausdrücklich weiter verringert werden. Aber die Preise an den Strombörsen sind seit dem letzten Jahr beinahe um den Faktor 6 gestiegen. Das passt doch irgendwie nicht zusammen.

Also habe ich etwas recherchiert. Und das Ergebnis ist durchaus verblüffend. Die Gestehungskosten für Strom sind kaum gestiegen, für den abwegig hohen Preis ist vielmehr der völlig entgleiste Preisbildungsmechanismus verantwortlich.

Der Reihe nach: Strom ist nicht irgendeine Ware, die mal für einige Tage knapp werden kann. Tatsächlich muss in jedem Moment exakt so viel Strom ins Netz eingespeist werden, wie verbraucht wird. Über die Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig werden Angebot und Nachfrage mit einem speziellen Mechanismus ausgeglichen.

Zum Ausgleich besonders kurzfristiger Bedarfsschwankungen lässt sich beispielsweise Strom in Schritten von 15 Minuten bestellen. Der größere Teil des Stromes wird aber einmal täglich für den nächsten Tag versteigert. Die Käufer (Stadtwerke, Stromhändler, Industrie etc.) haben viel Erfahrung damit, abzuschätzen, wie viel Strom am Folgetag benötigt wird, und holen entsprechende Angebote ein. Zunächst erhalten die billigsten Anbieter den Zuschlag. Das sind die priorisierten Hersteller von erneuerbaren Energien (Biogas, Windkraft, Solaranlagen). Ihr Angebot wird erst mal mit 0 Cent eingestellt. Dann kommen die Anbieter von Atomkraft, Kohle und Gas zum Zuge. Hier die aktuellen Preise:

Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesystem, „Stromgestehungskosten erneuerbare Energien Juni 2021” und Quarks.de. Preise auf ganze Cent gerundet. 1

Das Merit-Order-Prinzip

Aber jetzt kommt der Clou: Der teuerste Anbieter bestimmt den Marktpreis. Ja, Sie haben richtig gelesen: Alle dürfen sich so viel in die Tasche stecken, wie das höchste Angebot betragen hat.2

Ein Beispiel: An einem beliebigen Tag sollen die erneuerbaren Energien 40 % des Angebots abdecken, weitere 45 % stellen Kohle und Atom. Damit fehlen immer noch 15 %. Und die müssen über die Gaskraftwerke abgedeckt werden. Gasstrom kostet aber zurzeit ca. fünfzig Cent. Also bekommen alle an diesem Tag fünfzig Cent.

Dieser Preisbildungsmechanismus ist als Merit-Order-Prinzip bekannt (nachzulesen in einem Beitrag der Tagesschau, in dem allerdings der Teil mit den Erneuerbaren fehlt – der sich hier findet). Solange die Preise bei allen Brennstoffen ähnlich sind, funktioniert er sehr gut. Als in der zweiten Hälfte des letzten Jahres (deutlich vor dem Ukrainekrieg) aber die Gaspreise in die Höhe schossen, geriet das System in eine heftige Schieflage. Das merkten zunächst die Neukunden der Stromanbieter. Ein großer Teil des Stroms wird über langfristige Verträge verkauft – schließlich müssen die Hersteller und Abnehmer ja auch über mehrere Monate im Voraus kalkulieren können. Zusätzlichen Strom müssen die Stadtwerke aber an der Börse zum Tagespreis einkaufen – und der war damals wegen der hochgeschnellten Gaspreise bereits davongelaufen. So erklärt es sich, dass Neukunden bei einigen Stadtwerken bereits Ende 2021 irrsinnig hohe Preise bezahlen mussten.

Aber auch langfristige Verträge laufen irgendwann aus. Die neuen Preise orientieren sich logischerweise an den aktuellen Börsenpreisen. Die sind aber – wie beschrieben – in luftige Höhen gestiegen – und zwar fast ausschließlich wegen des hohen Gaspreises und des dysfunktionalen Merit-Order-Prinzips.

Solange also wenigsten ein Gaskraftwerk am Netz ist und den Börsenpreis bestimmt, steigen die Strompreise ins Unermessliche. Weil in den letzten Jahren immer mehr Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz gegangen sind, ist das die Regel – ohne Gaskraftwerke kann die Nachfrage nicht mehr bedient werden.

Das beregnet die Energieriesen RWE und E.ON, aber auch die Anbieter von Wind- und Solarstrom mit unerwarteten Sterntalern. Sie müssen nur noch die Schürze aufhalten. Windfall Profits (zugewehte Gewinne) heißt das in der Fachsprache.

Wenn Sie sich also gewundert haben, warum immer von Übergewinnen der Energieunternehmen die Rede ist – dies ist die Erklärung. Die Politik redet natürlich lieber über die gestiegenen Gewinne der Ölkonzerne, weil Ölkonzerne allgemein als Schurken gelten, Stromanbieter aber eher nicht.

Die plötzlichen Windfall Profits würde der Staat gerne reduzieren. Allerdings ist die Abschöpfung von Übergewinnen nicht so einfach. Ohne auf die Einzelheiten einzugehen: Einer Firma, zumal einem internationalen Konzern, Gewinne abzunehmen, stößt logischerweise auf Widerstand – wer lässt sich schon gerne besteuern? Und mal ganz grundsätzlich: Wo hört der legitimer Gewinn auf und fängt der Übergewinn an?

Wie man die Preise senkt und warum keiner Interesse daran hat

Wenn die Kernkraftwerke länger am Netz bleiben, oder sogar die abgestellten Kraftwerke wieder eingeschaltet werden, würde sich die Laufzeit der Gaskraftwerke deutlich verringern, was wiederum den Strompreis drückt. Eine Reaktivierung der Steinkohlekraftwerke hätte den gleichen Effekt.

Dieser preisdrückende Effekt könnte durchaus erklären, warum selbst die Betreiberfirmen keinen allzu großen Enthusiasmus zeigen, die Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Und letztlich muss auch niemand wundern, warum die Betreiber der stillgelegten Kohlekraftwerke seit Wochen so große Probleme melden, wenn es darum geht, ihre Reservemeiler wieder ans Netz zu bringen. Der Betrieb von Gaskraftwerken bringt einfach mehr Geld. Im Mai liefen sie beispielsweise auf Hochtouren, obwohl die Regierung eigentlich mit Gas sparsam umgehen wollte.

Übrigens profitiert auch der Bundeshaushalt: Die EEG-Umlage, die der Bund ja zur Entlastung der Stromverbraucher ab dem 1.7.2022 übernommen hatte, dürfte praktisch auf null sinken, weil die Erlöse der Anbieter von erneuerbaren Energien den Garantiepreis dauerhaft übersteigen.

Trotzdem wird die Diskussion über den entgleisten Preismechanismus kaum geführt. Anders in Österreich, wo ich gleich mehrere Artikel zu dem Thema gefunden habe. Ein Beispiel:

„Die Verbindung von Strom und Gas im Rahmen der Merit Order führt bei erhöhten Gaspreisen zu steigenden Strompreisen. Hohe Zufallsgewinne, sogenannte Windfall Profits, sind die Folge. Durch eine temporäre Aussetzung oder Adaption der Merit Order wären stark preisdämpfende Effekte auf dem Strommarkt zu erwarten. Das Thema der Abschöpfung der Zufallsgewinne wäre vom Tisch.”

Die Presse, Wien 25.7.2022

Der Artikel in der Presse (so heißt die Zeitung und entsprechend auch das Internetportal) macht gleich vier Vorschläge, wie man dem Problem beikommen kann. Wer möchte, kann sie in Ruhe nachlesen. Hier noch ein Vorschlag von mir:

Wie erwähnt, werden Erneuerbare bei der Strombörse mit 0 Cent geführt, um ihrer Priorität zu sichern. Abgerechnet wird hinterher. Analog könnte man Gaskraftwerke mit fiktiven 20 Cent berechnen. Die Differenz zu den wirklichen Kosten erhalten die Betreiber später erstattet. Damit wäre der preistreibende Effekt schlagartig verschwunden, ohne dass der ganze Mechanismus ausgehebelt würde. Außerdem hätten die Stromkonzerne keinen Anreiz mehr, möglichst viel Gas zur Elektrizitätserzeugung einzusetzen.

Die Stromkunden würden es zu schätzen wissen, und die Regierung hätte die Gelegenheit, allen Menschen den Winter etwas einfacher zu machen.

Anmerkungen

[1] Das Fraunhofer-Institut erwartet sinkende Kosten für erneuerbare Energien. Auf ein Jahr bezogen ist der Effekt allerdings minimal. Erst ab 2023 wird eine ansteigende CO2-Abgabe auf Kohle berechnet, sodass zwischen 2021 und 2022 dadurch kein preissteigernder Effekt entsteht. Die Auswirkungen der allgemeinen Inflation auf die Stromgestehungskosten sind nicht abschätzbar.

[2] Die Differenz zum Garantiepreis der Erneuerbaren wird über die EEG-Umlage finanziert. Normalerweise übersteigt der Garantiepreis den Marktpreis. Die Differenz wird dann über die EEG-Umlage auf alle Stromkunden gleichmäßig verteilt. Wenn der Marktpreis aber höher als der Garantiepreis ist, dürfen die Anbieter der Erneuerbaren Energie den Überschuss behalten. Sie verdienen bei dem aktuell enorm hohen Gaspreis also unerwartet viel Geld.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

46 Kommentare

  1. Ich vermute, der Strom ist letztlich wegen der „Ideologiekosten“ und der „Zufallskosten“ so teuer geworden.

    Die Ideologie erzwingt eine Erzeugungsmethode die „teuer“ ist, deren Anteil immer höher wird und der „Zufall“ nimmt immer stärker Einfluss.

    Bedeutet umgekehrt, immer seltener muss plötzlich immer mehr Energie zur Verfügung gestellt werden „damit die Lichter nicht ausgehen“. Bedeutet, teure Kraftwerke müssen fast dauernd einsatzbereit vorgehalten werden, die Einsatzdauer wird immer geringer, die Kosten explodieren.

    Die realen Gestehungskosten werden wegen des Zufalls (bei der Stromerzeugung aus Windkraft, Sonnenkraft) immer teurer.

    Die Unternehmer nutzen die Situation und halten fest die Hand auf. Unterbindet man das, werden wir mit Blackouts „zahlen“ müssen.

    Mich würde interessieren, ob man wenigstens mit so etwas wie „intelligenten Stromzählern“ mit selektiver, temporäre Abschaltmöglichkeit vorgesorgt hat, um die Risiken und Schäden durch längere Blackouts zu minimieren?

    • Das Problem der hohen Kosten durch die schlechte Auslastung der Spitzenlastkraftwerke kommt erst noch auf uns zu. Wenn immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird, dann wird die Synchronisation zwischen Angebot und Nachfrage immer schwieriger. Große Stromspeicher müssten eigentlich jetzt schon gebaut werden, aber bisher sind sie allenfalls in Planung. Im Moment ist gerade das Problem, dass sich der gesamte Stromspreis am Gaspreis orientiert, obwohl Gas weniger als 15% der Stromerzeugung ausmacht und die übrigen Stromerzeuger keine höheren Kosten haben. Heute nachmittag hat RWE übrigens einen gewaltigen Gewinnsprung gemeldet.

  2. Es läuft doch auf etwas ganz Einfaches heraus: Momentan hat Deutschland zu wenig billige Stromquellen, die Erneuerbaren-Stromlücken füllen können. Zudem scheinen die Einsparmöglichkeiten gering: die Leute reduzieren also trotz hohen Stromkosten ihren Verbrauch nicht, möglicherweise, weil sie auf Strom nicht verzichten können.

    Es gilt überhaupt für den Übergang zu einer CO2-armen Stromversorgung: Strom wird immer wichtiger und der Strombedarf nimmt zu. Das bedeutet auch, dass bei einer Dunkelflaute in Zukunft noch mehr Strom erzeugt werden muss als heute. In (ferner) Zukunft wird dieser Strom von der Verstromung von Wasserstoff (oder einem Äquivalent) kommen. Das bedeutet: der zukünftige Preis von Wasserstoff bestimmt weitgehend den zukünftigen Strompreis,

    • Korrektur: Es müsste heissen: „ Es gilt überhaupt für den Übergang zu einer CO2-armen Energieversorgung : Strom wird immer wichtiger und der Strombedarf nimmt zu.

    • Nein, daran allein liegt es nicht. Tatsächlich funktioniert das Merit-Order-Prinzip nur dann, wenn alle Anbieter ähnliche Preise fordern. Wenn ein Stromquelle plötzlich irrsinnig teuer wird, fahren alle Fabelgewinne ein und der Verbraucher zahlt deutlich mehr als nötig.

      • @Thomas Grüter (Zitat): „ Wenn ein Stromquelle plötzlich irrsinnig teuer wird, fahren alle Fabelgewinne ein und der Verbraucher zahlt deutlich mehr als nötig.“

        Wenn es genügend Strom hat muss die irrsinnig teure Stromquelle gar nie genutzt werden. Gemäss obiger Tabelle hat sich der Gaspreis verfünffacht. Die Konsequenz müsste sein, dass man Gas gar nicht mehr zur Stromerzeugung benutzt. Das man es trotzdem tut, kann nur bedeuten, dass es ohne (Erd-)Gas nicht geht.

        • Ergänzung: klar ist das Merit-Order-Prinzip an sich problematisch, weil es in der Tat den Stromerzeugern mit tiefen Gestehungspreisen grosse Gewinne zuschanzt, selbst wenn diese gar nicht genug Strom liefern können.
          Andererseits würde das Merit-Order-Prinzip einigermassen funktionieren, wenn Stromerzeuger mit sehr hohen Gestehungskosten gar nie zum Zug kommen würden, also gar keinen Strom mehr erzeugen dürften.

          • Der Punkt ist eben, dass Gaskraftwerke möglichst vom Markt verdrängt werden sollten. Deshalb ist es sinnvoll, Kohlekraftwerke zu reaktivieren und Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen. Das würde den Strompreis sofort drücken. Und falls das nicht reicht, müsste eben der Strompreis für Gaskraftwerke gedeckelt werden. Damit trotzdem angeboten wird, können sich die Betreiber die Differenz erstatten lassen. In diesem Fall würden sich die teuren Gaspreise nicht auf den gesamten Strompreis auswirken.

  3. Wenn wir nur 500 mio – 1mrd wären,dann liesse es sich wunderbar regenerativ leben.

  4. Da wird auf der einen Seite die “Marktwirtschaft” mit ihrem “Wettbewerb” verherrlicht und auf der anderen Seite werden planwirtschaftliche Algorithmen benutzt, um den Schlechtesten=Teuersten nicht zu benachteiligen und damit werden die Besseren=Billigeren für Nichts “belohnt”. So möchte ich auch gern mal mein Geld verdienen …
    Der Kunde zahlt, auch deshalb, weil er nichts von dieser Art Beschiss weiß.
    Wie verkommen ist unsere politische “Elite” eigentlich, wir wählen sie, von unseren Steuergeldern werden sie bezahlt, sie machen nebenbei noch Privatgeschäfte auf Kosten der Steuerzahler und statt für die Vielen da zu sein, sind sie die Handlanger für den Profit von Wenigen.

    • @ Karl Maier

      Aus Gründen der Fairness verteidige ich die Politiker.

      Mich verblüfft es immer wieder, dass die deutschen Politiker, z.B. von Schröder bis Merkel, …. doch tatsächlich das Gas zum Nutzen der Konsumenten, vom billigsten Anbieter (Putin) bezogen haben. Zumal sie, ich will es vorsichtig formulieren, sich von „anders denkenden“, z.B. polnischen und ukrainischen Politkern, deswegen Vorwürfe machen lassen mussten, z.B. das russische Gas unter Umgehung der Transitgebühren über die Ostseepipeline bezogen zu haben.

      Jetzt rächen sie sich mit den in die Höhe getriebenen Gaspreisen aus Sanktionen die hauptsächlich uns treffen. Wir werden auch noch genötigt, artig unsere Vorgangsweise zu bereuen…..

      Die Situation war kaum voraus zu sehen. Außer man traut den „Kapitalisten“ jede „Schandtat“ zu.

      Wir haben uns, auch aus ideologischen und demokratischen Gründen, für einen sehr teuren und komplexen Weg zur Energiegewinnung entschieden. Alle, auch gut gemeinte Konzepte, werden immer irgendwann „unterlaufen“ und müssen behutsam an die neuen Realitäten angepasst werden.

      Das „Geschäftsleben“ ist nun einmal hart, die Steuer und der Konkursrichter kennen auch keine „Gnade“ und es wird auf allen Seiten abkassiert was das Gesetz hergibt.

      • Realo
        29.07.2022, 23:34 Uhr

        Sicher, jeder Beschuldigte hat in einem Rechtsstaat einen Anspruch auf einen Verteidiger – und wenn er keinen kennt, kriegt er den Pflichtverteidiger gestellt, das ist klar.
        Aber:
        Im Jahr 1972 erschien das Buch “Die Grenzen des Wachstums” und hätten “wir” auch verstanden, was das bedeutet, hätten “wir” einen 50-Jahresplan für einen gleitenden Umstieg auf die einzige Energiequelle eingeleitet, die uns für die kommenden 3 – 5 Milliarden Jahre zur Verfügung steht – und im Jahr 2022 wären wir so etwa auf der Zielgeraden.
        Stattdessen haben die einen “billig, billig” gefordert und die anderen “Atomkraft? Nein Danke!” skandiert – und das alles hat uns in die Abhängigkeiten der endlichen fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Erdgas gebracht.
        In einer Demokratie kann man nicht gegen die Mehrheit regieren, klar, und leider rennt die Mehrheit, so bedauerlich das auch ist, zuvorderst dem gefüllten Bauch und dem Spaß nach, dann erst etwas widerwillig der Moral und dem Verstand. Wenn nun die Politik um der lieben Stimmen und Kreuzchen auf dem Stimmzettel willen immer nur der Mehrheit nach dem Mund redet und handelt – wofür brauchen wir denn dann überhaupt Politiker? Damit sich 736 davon dort drängeln können, wo es 598 sein sollten? Aus meiner Sicht zeichnet es einen guten Anführer aus, dass er die Mannschaft überzeugt und motiviert und dass die Mannen ( und heute auch die Frauen ) danach notfalls auch ihre Haut zu Markte tragen ( wie man so sagt ), freiwillig, um der Sache willen, weil sie überzeugt sind, das richtige zu tun.
        Das “raus-rein-raus-rein”-Theater bei der Kernenergie spricht doch Bände, was den Weitblick der Politik angeht, unabhängig von Sinn oder Unsinn dieser Technik. Nur mit Subventionen am Leben erhaltene Technik ist eine massive Fehlentscheidung und eine Belastung.
        Und dem allen setzt dann der Anlass meiner Kommentare, der Artikel über das “Merit-Order-Prinzip” für die Preisfindung beim Strom ( dem angeblichen Saft der Zukunft ) die Krone auf.
        Da fehlen mir doch glatt die Worte, das zu beschreiben, was ich im Moment darüber denke.

    • @Karl Meier(Zitat): „der anderen Seite werden planwirtschaftliche Algorithmen benutzt, um den Schlechtesten=Teuersten nicht zu benachteiligen und damit werden die Besseren=Billigeren für Nichts “belohnt”.„

      Das Merit-Order-Prinzip begünstigt diejenigen Energieerzeuger, die viele Stunden lang wenig Strom erzeugen, dann aber in gewissen Phasen plötzlich sehr viel und sehr billigen Strom erzeugen. Das sind die Erneuerbaren. Ohne Merit-Order-Prinzip wären die Erneuerbaren nicht so früh profitabel geworden.

      Gemäss Wikipedia gilt:

      Beginnend mit den niedrigsten Grenzkosten werden solange Kraftwerke mit höheren Grenzkosten zugeschaltet, bis die Nachfrage gedeckt ist. An der Strombörse bestimmt das letzte Gebot, das einen Zuschlag erhält, den Strompreis. Der Preis für elektrische Energie wird also durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken.

      Bemerkung: Für das Abschalten der Energieerzeuger gilt die gleiche Regel, nur in umgekehrter Reihenfolge

      Folge des Merit-Order-Prinzips: Wenn der Wind bläst und die Sonne scheint ist der dann erzeugte Strom sehr billig und es wird auch viel solcher erneuerbarer Strom erzeugt. Alle andern Kraftwerke, die teureren Strom erzeugen, müssen abgeschaltet werden bis es keinen Überschussstrom mehr gibt. Bläst aber wenig Wind und scheint wenig Sonne, so erhält das Windkraftwerk und die Solaranlage für den wenigen erzeugten Strom einen viel besseren Preis, nämlich denselben Preis, den das teuerste stromptoduzierende Kraftwerk erhält. Das macht dann ein Windkraftwerk selbst dann profitabel, wenn es den grössten Teil des Tages auf halber Pulle läuft.

      Fazit: Das Merit-Order-Prinzip ist eine Schlaumeierei, die dazu dient, Erneuerbare selbst dann profitabel zu machen, wenn sie viele Stunden nur wenig Strom produzieren. Wenn in der Merit-Reihenfolge am Scluss ein sehr teures Kraftwerk steht und dieses ist in Betrieb, dann erhalten die Erneuerbaren-Betreiber sehr viel Geld, selbst wenn ihre Anlagen nur auf Halbmast laufen.

      • Martin Holzherr
        29.07.2022, 23:52 Uhr
        Ich kann Ihren Ausführungen so nicht zustimmen. Es gibt “Erzeuger” von Energie – Bereitsteller von Strom – und die haben Kosten, was die Bereitstellung angeht, hoffentlich auch korrekt berechnet, ohne Subventionen. Eine WKA verdient eben nur dann Geld, wenn sie liefert und der Strompreis berechnet sich eben betriebswirtschaftlich aus der Summe der Betriebs- und der Totzeiten, bei PVA ebenso.
        Wenn nun “die Politik” den EE einen Vorteil verschaffen will, so gibt es einen einfachen Weg:
        Es wird eine Prioritätenliste erstellt, welche Anbieter zuerst liefern dürfen und wenn das nicht ausreicht, welche an zweiter, an dritter, an vierter Stelle. Jeder erhält seine Kosten dafür, der Strompreis ergibt sich aus jeweiliger Menge * Kosten. Wenn man nun unterstellt, dass es dann keinen Fortschritt bei den EE in Bezug auf die Kosten und damit die Preise gäbe, könnte man, wie es die Konzerne mit ihren Lieferanten machen, eine “Preisgleitklausel” einsetzen, so, dass bis auf weiteres pro Jahr x% weniger erstattet werden, der Preis also sinken muss.
        Übertragen Sie das Merit-Order-Prinzip mal ins tägliche Leben:
        Der Preis für die Brötchen, zu denen alle Bäcker verkaufen, wird von dem Bäcker bestimmt, der quasi das letzte Brötchen verkauft. Zu Ende gedacht, müsste geradezu der Billig-Massen-Brötchenbäcker mit hohem Marktanteil eine Bäckerei gründen, die Brötchen extrem teuer verkauft und dann müsste er nur noch sein Billig-Massen-Angebot gerade so verknappen, dass “seine” Teuer-Bäckerei 1 Brötchen liefern muss, um den Bedarf zu bedienen.
        Zugegeben, das Beispiel wirkt etwas gestellt, es wäre sicher auch ein solches Tun moralisch zweifelhaft, aber formal korrekt nach dem Merit-Order-Prinzip. Aber ich denke, dass es dann eine Revolution im Volk geben würde.

    • der bis hierher beste Beitrag!
      Ja! Mich kotz… es auch an; – aber soll ich deshalb zukünftig “extrem” wählen? Links? Rechts?
      der Frust sitz tief; das ist Sprengstoff in der Gesellschaft!
      Aber ich habe wenig Hoffnung daß Herr Scholz oder wenigstens einer seiner Berater das rechtzeitig erkennt! Frau Merket und Co. hat es auch nicht sehen wollen.
      Deutschland ist abgewirtschaftet; oder totgespart. das einzige was noch halbwegs funktioniert ist die Industrie. Also geben wir als Mitarbeiter Vollgas, steigern die Gewinne und ignorieren soziale Spannungen. – Dann sind wir wieder auf Linie mit unserer gewählten regierung. – Und alles ist gut! – Für die Gegenwart. Um Zukunft soll sich kümmern wer will. Oder?

  5. @Hauptartikel

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann haben wir alle 15 Minuten einen eigenen Marktpreis im Stromnetz. Entscheidend ist aktuell, das der explodiert, sobald ein Gaskraftwerk ans Netz gehen muss. Bei den aktuellen Gaspreisen aber nur, vorher war das unproblematisch. Es gilt also, möglichst ohne Gaskraftwerke klar zu kommen. Natürlich hilft es, wenn Kohlekraftwerke und AKWs mehr Strom liefern können.

    Ganz übel wäre es entsprechend, wenn die ehemaligen Strommonopolisten absichtlich Ausreden erfinden, um ihre Altkraftwerke nicht zu reaktivieren, weil sie mit den hohen Stromnetzpreisen hervorragend mit ihren anderen Kraftwerken verdienen. Übergewinnsteuern wären in jedem Fall sinnvoll, mit dem Geld kann man die Verbraucher wiederum unterstützen.

    Mittelfristig müsste sich aber ein Zubau von regenerativen Energien preissenkend auswirken, und wenn wir genug Elektroautos haben, die flexibel aufgeladen werden können, dann können die auch immer nur dann aufladen, wenn eben genug Strom im Netz ist. Und später auch mal kurzzeitig das Netz unterstützen, insbesondere, wenn Gas zwar nicht mehr ganz so teuer ist, aber eben immer noch recht teuer ist.

    Ein gewisses Problem besteht wohl darin, dass Gaskraftwerke in Minuten ans Netz können, während Kohlekraftwerke eher Stunden brauchen, und die alten AKWs dauerhaft über Monate durchgängig Tag und Nacht laufen müssen. Offenbar war es fatal, sich auf die russischen Gaslieferungen verlassen zu haben. Andererseits sind wir an den Spannungen mit Russland nicht ganz unbeteiligt, man hätte auch die Ukraine weniger unterstützen können. Das ist unsere Entscheidung gewesen. Nicht dass das nur schlecht wäre, aber es war und ist eben nicht alternativlos.

    Aktuell muss eine Bekannte jetzt bei einem bestehendem Vertrag ab 01.09.2022 16 ct/kWh für ihr Gas bezahlen. Wenn wir zukünftig reichlich Wasserstoff aus nicht anders zu verwertenden Überschüssen herstellen, dann wird dieser Wasserstoff womöglich sogar wieder günstiger als diese 16 ct werden. Wenn der Überschussstrom dafür 5 ct kostet, und die Elektrolyse 70% Wirkungsgrad hat, dann kostet dieser Wasserstoff 7,2 ct / kWh plus die Kosten für die Elektrolyseanlagen plus eine Ergänzung der weiteren Infrastruktur. Immer noch teuer, aber voraussichtlich günstiger als diese 16 ct.

    Wenn man jetzt noch bestehende Heizungen von Methan auf Wasserstoff umrüsten könnte, dann müsste nicht jeder sofort eine neue Heizungsanlage anschaffen, wenn wir dann bei entsprechendem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik genug Überschüsse haben, die wir u.a. auch zur Produktion von Wasserstoff nutzen können.

    • @Tobias Jeckenburger: Erst wenn in Deutschland immer genügend Wasserstoff zur Verfügung steht, der billiger ist als jetzt Erdgas, wird der Strom in Deutschland mit dem Merit-Order-Prinzip auch billiger als er es jetzt gerade ist.
      Mit einheimisch erzeugtem Wasserstoff wird es aber auf absehbare Zeit nicht genügend Wasserstoff geben. Es braucht so viel Wasserstoff, dass nur importierter Wasserstoff in Frage kommt. Als Produktionsland wird heute vor allem Namibia genannt, vor allem weil dort in einigen Gebieten zugleich Wind- und Sonnenenergie zu sehr tiefen Preisen zur Verfügung stehen. Bis heute ungelöst ist aber wie Wasserstoff von Namibia nach Deutschland kommt, denn per Schiff ist schwer vorstellbar, hat doch Wasserstoff selbst unter hohem Druck ein 3 Mal so grosses Volumen wie Diesel. Zudem ist es problematisch auf einem Schiff Wasserstoff unter Druck zu transportieren. Deshalb gehen viele davon aus, dass Wasserstoff vor dem Transport noch in Ammoniak umgewandelt werden muss, was das Ganze noch einmal verkompliziert.

      Fazit: Mit dem bei rein erneuerbarer Energieversorgung unverzichtbaren importierten Wasserstoff wird Neuland betreten. Es muss eine Technologie eingesetzt und hochskaliert werden, für die es bis jetzt keine Referenzanlagen gibt und wo die Lernphase bei Null beginnt, ähnlich wie zur Zeit als die ersten PV- oder Wind-Anlagen entstanden und wo, wie wir wissen, zwei Jahrzehnte vergingen bis die Technologie die nötige Reife erreichte.

      • Zustimmung Herr Holzherr,
        wir haben ja drei Möglichkeiten Wasserstoff zu speichern, als Gas unter Druck, als Flüssigkeit bei Kühlung und als Metallhydrid.
        Diese Verfahren sind alle teuer und haben ihre Probleme.
        Vielen ist gar nicht bekannt, dass Wasserstoffgas selbst durch Metallwände diffundieren kann, weil die H2 Moleküle zu klein für Metallwände sind.

        Alle, die so euphorisch auf Wasserstoff setzen sollen mal in der Realität nachschauen, z.B. bei einer Wetterstation, wo für die Ballons Waserstoffgas gelagert werden muss. Dazu legt man bombenkraterähnliche Trichter an, dass bei einer Explosion nicht die umgebenden Gebäude mit beschädigt werden.
        Das wird ein Feuerwerk wenn da einige Wasserstoffautos in einen Massencrash geraten. Die einzig sicherere Methode mit Metallhydriden braucht viel Platz, drei mal soviel wie bei Diesel.

        • @fauv: Ja, sie haben die Fakten und die Geschichte auf ihrer Seite, wenn es um die Alltagssicherheit von Wasserstoff geht.

          Ein Luft-Wasserstoffgemisch kann sich bei fast jedem Mischungsverhältnis entzünden, also auch bei sehr wenig Wasserstoff in der Luft und Wasserstoff leckt viel schneller als etwa Erdgas.
          Beispiele von Wasserstoffexplosionen: a) Zeppeline b) Reaktorunfall in Fukushima 2011: Eine Wasserstoffexplosion zerstört das Reaktorgebäude c) ein Wasserstofftankstelle für Brennstoffzellenfahrzeuge explodiert im Juni 2019 an der Uno-X-Station in dem Osloer Vorort Sandvika.

          Fazit: Jedem muss abgeraten werden mit Wasserstoff das eigene Einfamilienhaus zu heizen, denn das kleinste Leck genügt um eine Explosion möglich, ja wahrscheinlich zu machen. Schon heute kommt es vereinzelt zu Explosionen bei in Einfamilienhäusern installierten Erdgasheizungen, mit Wasserstoff würde sich das Risiko um ein Vielfaches erhöhen.

          • Martin Holzherr,
            wenn man H2 als Energieträger ausschließt und E-Technologie für der Schwerlastverkehr auch, was bleibt ?

          • Es geht nicht ums Ausschließen: Wasserstoff ist schlicht nicht vorhanden. Große Elektrolyseure, die Wasserstoff in ausreichenden Mengen aus Grünstrom erzeugen könnten, gibt es bisher nicht, und wird es auch in fünf Jahren nicht geben. Und bedauerlicherweise ist Wasserstoff nicht gerade einfach zu handhaben. E-Technologie für den Schwerlastverkehr könnte es schon eher geben, aber dazu braucht man entweder mehr Wasserstoff (für Brennstoffzellen) oder bessere Schnelllader für die notwendigen sehr großen Batterien. Wenn man also die Auswirkung des völlig überhöhten Gaspreises auf die Stromversorgung eindämmen will, muss man entweder das Gas aus der Stromversorgung herausdrängen, oder den Preisbildungsmechanismus verändern – am besten wäre wohl beides.

          • Thomas Grüter schreibt: „E-Technologie für den Schwerlastverkehr könnte es schon eher geben, aber dazu braucht man entweder mehr Wasserstoff (für Brennstoffzellen) oder bessere Schnelllader für die notwendigen sehr großen Batterien.“

            Meiner Meinung sollte man in Zukunft auf Fernlaster verzichten und alle Güter mit einer Kombination von Schiene und elektrischen Kurzstreckenlastern (Reichweite 200 Kilometer) transportieren und verteilen. Ganz früher gab es nur die Eisenbahn und heute könnte die Eisenbahn den Güter-Fernverkehr übernehmen. Dafür spricht allein schon, dass die Eisenbahn das energieeffizienteste Verkehrsmittel unmittelbar nach dem Schiffsverkehr ist. Besonders energieeffizient ist der Langsamverkehr auf der Schiene (Geschwindigkeiten unter 80 Kilometer pro Stunde) und dazu gehört der Güterverkehr.

            Generell gilt: Wo immer möglich sollte man auf Wasserstoff verzichten, denn 2/3 des Energieaufwands verpufft ungenutzt in der Wasserstoffkette.

        • fauv
          30.07.2022, 08:31 Uh

          r
          dass Wasserstoffgas selbst durch Metallwände diffundieren kann, weil die H2 Moleküle zu klein für Metallwände sind

          Es ist ja noch viel schlimmer, um es mal einfach zu sagen. Es ist nicht das H₂-Molekül, was einfach durch die Metallwände diffundiert, somit “abhaut” und verloren ist, sondern an der Metalloberfläche unter Druck wird das H₂-Molekül zerlegt und nur die 2 Protonen ( = “Atomkerne” ) des ehemaligen H₂-Moleküls diffundieren in das Metallgitter und auch hindurch und im Metallgitter selbst bewirken sie eine Versprödung, bildhaft und übertrieben, aus einer Metall-Gummiwand wird eine Metall-Glaswand. Falls Sie sich noch an die Starfighterabstürze erinnern oder mal im Netz suchen, viele von denen wurden durch H₂-Versprödung ( “Spannungsrisskorrosion” ) ausgelöst, weil das Metall die äußeren Einwirkungen einfach nicht mehr “abfedern” konnte, wie es vorgesehen war.
          Es gab mal eine Zeit mit Staatsknete für die Forschung, da waren Metallhydride ganz vorne. Deren Speicherkapazität lag damals ~ in der Mitte zwischen Akku und Dieseltank. Ein ganz großer Autokonzern aus Stuttgart hat damals viele Anträge auf Staatsknete gestellt und die Vorzüge von Metallhydriden beworben:
          Wenn sämtliche Dieselbusse des Stuttgarter ÖPNV mit Metallhydrid-Speichern und Verbrennungsmotoren ausgerüstet wären, würde die Technik bei Betrieb die Abwärme aus Kühlwasser und Auspuff zur Freisetzung des H₂ quasi einsammeln und beim Betanken dann wieder abgeben ( müssen ) – in diesem Szenario wäre die Wärmemenge so groß, dass damit sämtliche öffentlichen Gebäude in Stuttgart hätten beheizt werden können und das hätte den Wirkungsgrad von solchen Verbrennungsmotoren quasi verdoppelt.

          Es gab – wie immer bei neuen Technologien – natürlich auch Probleme mit den Hydridspeichern, zwar andere, unbrennbare, als es bekanntermaßen mit den Li-Ion-Akkus geben kann, aber dann war schlagartig “Ruhe im Kabuff”, die Technik “Hydridspeicher” war gestorben. Warum? Ich weiß es nicht, es wurde nie öffentlich diskutiert.

  6. @ Karl Maier 30.07.2022, 01:58 Uhr

    Zitat: „Im Jahr 1972 erschien das Buch “Die Grenzen des Wachstums” und hätten “wir” auch verstanden, was das bedeutet, hätten “wir” einen 50-Jahresplan für einen gleitenden Umstieg auf die einzige Energiequelle eingeleitet, die uns für die kommenden 3 – 5 Milliarden Jahre zur Verfügung steht – und im Jahr 2022 wären wir so etwa auf der Zielgeraden.“

    Ich fürchte, das sehen Sie zu wenig realistisch. Abgesehen davon dass die Psychologie, die Ängste der Menschen, eine große Rolle spielen, ist das Problem auch wissenschaftlich noch zu wenig erforscht. Es sind z.B. relativ neue Aspekte (Klimaerwärmung) aufgetreten.

    Bei den Sonnenkollektoren sehe ich persönlich weniger Probleme. Ich träume fast schon von riesigen „Sonnensegeln“ die Schatten spenden und Energie erzeugen. Die elektrische Energie könnte z.B. auch in den E-Autos gespeichert werden.

    Bei den Windrädern befürchte ich allerdings einen Einfluss auf die nicht nur lokale Bodenerwärmung, die könnte uns auf den Kopf fallen. Womöglich sind die Windräder im Norden Ursache für die Trockenheit in Brandenburg/MV? Die „Dynamik“ (Resonanzeffekte, Wirbelstürme,…) der Windströmungen dürften noch zu wenig verstanden werden.

    Es gibt vielfältige Probleme (Wissenschaft, Psychologie, auch ökonomische Interessen, …). In einer Demokratie sind sie noch schwerer lösbar.

    Die versuchten „Regelungsmechanismen“ (z.B. Merit-Order-Prinzip) sind „kurzlebig“, weil sie stets „unterlaufen“ werden. Die „Planer“ sollten darauf vorbereitet sein und die nächste Generation der Regelungsmechanismen in der Schublade haben.

    Wie beim Schach sollten „mehrere Züge im Voraus gedacht“ werden. Wegen der „kombinatorischen Explosion“ gibt es Grenzen, die allenfalls mit Computersimulationen etwas hinausgeschoben werden können…

    • Realo
      30.07.2022, 10:10 Uhr

      Sie sprechen mehrere unterschiedliche Probleme gleichzeitig an.
      Abgesehen davon dass die Psychologie, die Ängste der Menschen, eine große Rolle spielen, ist das Problem auch wissenschaftlich noch zu wenig erforscht. Es sind z.B. relativ neue Aspekte (Klimaerwärmung) aufgetreten.
      Was die Psychologie und die “Ängste” ( “German Angst”? ) angeht, so gibt es Studien aus dem Vietnamkrieg:
      Die Nordvietnamesen haben die US-Kriegsgefangenen psychologisch durchleuchtet ( sagt man ) und in 2 Gruppen eingeteilt, a) Anführer und b) Mitläufer. Die ~ 10% Anführer wurden in schwer bewachte Lager eingesperrt, die konnten von dort nicht mehr flüchten, auch wenn sie wollten. Die ~ 90% Mitläufer kamen in einfacher bewachte Lager, weil die von alleine nicht flüchten wollten; sie wären zwar mitgelaufen, wenn sie ein Anführer dazu aufgefordert hätte, aber die waren ja im anderen Lager.
      Ich erwarte von der Politik, dass sie die 10% Anführer stellt, begründet durch wissenschaftliche Unterstützung den Weg in die Zukunft weist und vorangeht, dann wird die Mehrheit des Volkes freiwillig mitlaufen.
      Aber das ist wohl ein Traum, die Politik macht eher den Eindruck, dass sie der Mehrheitsangst hinterher hechelt und sich gemein macht, an die Mehrheitsmeinung ‘ranschmeißt bzw -schleimt, der Stimmen wegen.

      Die neuen Aspekte (Klimaerwärmung) sind aus meiner Sicht nebensächlich, die Natur wird ihren Weg finden, es wird anders aussehen als heute, aber nur anders. Was uns ängstigt ist die dämmernde Einsicht, dass es mit unserem bequemen Leben vorbei sein wird, wir werden nicht mehr so feiern können, sondern mehr arbeiten müssen, “im Schweiße deines Angesichts sollst du …”.
      Mein Punkt ist – und das ist die Erkenntnis aus den “Grenzen des Wachstums”, dass in spätestens 500 Jahren die fossilen Ressourcen an Kohle, Öl und Gas alle verbraucht sein werden und damit die Menschheitsgeschichte sich gründlich verändern wird. Nur mal zum Nachrechnen, vor gerade mal 500 Jahren hat ein D. Martin Luther angeblich seine 95 Thesen an die Kirchentür in Wittenberg genagelt … und wann hat Charlemagne gelebt, wann Caesar, wann Sokrates?

      Und der dritte Punkt ist der, dass wir heute bejammern, was wir vor 5, vor 10, vor 20, vor 50 Jahren nicht getan haben und zum Trost träumen wir im hier und jetzt von diesen Lösungen, die in 5, in 10, in 20, in 50 Jahren gängige Praxis sein könnten.
      Das hilft uns absolut nichts bei der Bewältigung der Probleme morgen, nächste Woche, nächsten Monat, kommenden Winter, nächstes Jahr.
      Wir sind der Kaiser mit den neuen Kleidern, weil wir den Einflüsterungen von Modeberatern gefolgt sind, träumend vom großartigen Jetzt und von einer grandiosen Zukunft.

  7. @Holzherr 30.07. 07:07

    „Erst wenn in Deutschland immer genügend Wasserstoff zur Verfügung steht, der billiger ist als jetzt Erdgas, wird der Strom in Deutschland mit dem Merit-Order-Prinzip auch billiger als er es jetzt gerade ist.“

    So wie ich das verstanden habe, sind die Strommarktpreise nur zu den Zeiten so hoch, wenn tatsächlich Gaskraftwerke laufen. Kann man das auf 1 Stunde am Tag begrenzen, dann wirkt sich das recht wenig aus, wenn das über 5 Stunden am Tag nötig ist, dann geht das erst richtig ins Geld. Wenn wir also ein paar Altkraftwerke reaktivieren, dann wird das schon was helfen. Auch würde es helfen, wenn der aktuelle Stromnetzpreis direkt an die Kunden weitergereicht werden könnte. Dann kann man nämlich manchen Verbraucher kurz mal abschalten, und es braucht dann eben kein Gaskraftwerk, um die Lücke zu füllen.

    Vielleicht kann man auch die Kohlekraftwerke so umbauen, dass die schneller ans Netz gehen können. Diese schnellen Interventionen hat man bisher den Gaskraftwerken überlassen, vor allem dafür brauchen wir Ersatz.

    Es reicht auch schon ziemlich weit, wenn wir nur so viel Wasserstoff haben, dass die jetzigen Gaskraftwerke als schnelles Backup damit betrieben werden. Die anderen fossilen Altkraftwerke können ja für ein Grundbackup derweil immer noch weiterlaufen, das macht kein Preisproblem. Wir müssen also nicht warten, bis die Energiewende fast komplett ist, bis dass sich hier die Preise wieder normalisieren. Das geht auch schneller.

    • @Tobias Jeckenburger

      – Zitat 1: Vielleicht kann man auch die Kohlekraftwerke so umbauen, dass die schneller ans Netz gehen können.
      Nur wenig. Aber in 10 Jahren hat es ausreichend Batterien in D für 2 bis 4 Stunden Strom ab Batterie.

      – Zitat 2: so viel Wasserstoff haben, dass die jetzigen Gaskraftwerke als schnelles Backup …. Die anderen fossilen Altkraftwerke ja für ein Grundbackup
      Ja. Genügend Wasserstoff dafür hat es frühestens 2030.

      Fazit: Heute werden Stromlücken mit Erdgas und Kohle gedeckt. 2030 kommen Batterien und eventuell etwas Wasserstoff dazu.
      Gemäss Volker Quaschning wird im Endzustand Wasserstoff bis zu 20% der Energie in D liefern. Das ist frühestens 2040 möglich.

  8. Wenn in den nächsten Monaten die Preise für Energie und Nahrungsmittel erheblich steigen bzw. viele Leute in Kurzarbeit gehen müssen (wenn Betriebe wegen Gasmangel abgestellt werden müssen) – dann wird sich bei vielen Leuten die Haltung zum Ukraine-Krieg und zu den Sanktionen gegen Russland rasch ändern.

    Weil bisher Die Linke und die AfD die einzigen Parteien sind, die eine kritische Haltung zu den Waffenlieferungen an die Ukraine und zu den Sanktionen gegen Russland haben – ist zu erwarten, dass diese Parteien dann politisch von Unzufriedenheit profitieren können.

    Es kann daher sein, dass Gasmangel bzw. Energiepreise sich bei den nächsten Wahlen politisch auswirken – diesen möglichen Effekt sollte man nicht ignorieren.

  9. Mir erscheint das Merit-Order-Prinzip offen für Manipulationen, wenn man verschiedene Kraftwerke betreibt. Dann kann man günstige Kraftwerke so regeln, dass häufig nur ein wenig teure Kraftwerke gebraucht werden. So bekommt man die günstige Energie teuer verkauft, muss aber nur wenig teure Kraftwerke nutzen.

    Interessant wäre natürlich, ob sich so etwas tatsächlich nachweisen lässt.

    • @libertador: Ja, das Merit-Order Prinzip wäre für einen Monopolisten oder ein Kartell (stille Absprachen) ein Goldesel.

  10. Thomas Grüter,
    der Preisbildungsmechanismus kann nur funktionieren wenn die Länderregierungen mit verdienen. NRW wird nie gegen den RWE Konzern vorgehen, die würden sich ja selber schaden.
    Also, die Bevölkerung wird letztlich bezahlen müssen, die Konzerne machen die Gewinne werden aber gleichzeitig steuerlich abgeschöpft.
    So funktioniert Politik.

  11. @ Martin Holzherr 31.07.2022, 08:52 Uhr (Energie-Krise)

    Es ist zwar nachvollziehbar, warum Sie den Wind vorziehen. (Stromverbrauch im Winter)

    Allerdings wird normalerweise davon ausgegangen, dass die Windkraft fast „unendlich“ ist und es keine Folgen hat wenn man diese “Energiequelle“ anzapft.

    Zumindest die „Atomlobby“ geht allerdings davon aus, dass es in der Nähe von Windrädern Bodenerwärmungen gibt. Die sind allerdings das Problem beim Klimawandel.

    Bei den Windrädern befürchte ich allerdings zusätzlich einen Einfluss auf die nicht nur lokale Bodenerwärmung, die uns auf den Kopf fallen könnte.

    Im Geografieunterricht haben wir ehemals gelernt, dass „der Wind“ die Wolken im Prinzip vom Meer aufs Festland weht. Wenig Wind, z.B. in Zentraleuropa, bedeutet Steppenbildung z.B. Puszta.

    Womöglich sind die Windräder im Norden Ursache für die Trockenheit in Brandenburg/MV? Die „Dynamik“ (Resonanzeffekte, Wirbelstürme,…) der Windströmungen dürften außerdem noch zu wenig verstanden werden.

    Bedeutet für die „grüne Ideologie“, dass nicht nur der Atomausstieg ehemals kontraproduktiv für das Klima ist, der Gasersatz politisch problematisch war und sich bei Nutzung der Windenergie womöglich das nächste „Desaster“ anbahnt?

    • @Realo (Zitat): „dass es in der Nähe von Windrädern Bodenerwärmungen gibt. Die sind allerdings das Problem beim Klimawandel.„
      Ja, Windräder ändern das lokale Klima etwas. Allerdings nur einmal und reversibel, denn bei Rückbau verschwindet der Effekt wieder.
      Die globale Erwärmung dagegen nimmt von Jahr zu Jahr zu und einen einfachen Rückbau gibt es nicht.

      Sollte irgendwann die nukleare Fusion die allgemein akzeptierte Energiequelle sein, kann man die Windräder demontieren und alles ist wieder wie vorher.

  12. Das grundsätzliche Problem, das unseren Strompreis bestimmt und weiterhin bestimmen wird, wurde zwar von Martin Holzherr schon mehrfach angeschnitten und meiner Meinung nach richtig beschrieben, doch will ich dazu etwas ergänzen, was die “eigentliche Ursache” und Grundlage ist und bleiben wird.
    Die Ursache ist, dass wir aufgrund der festgelegten Vorgehensweise durchs EEG primär unseren Strom mit Wind und Sonne erzeugen wollen oder sollen und, dass Wind und Sonne keine regelbaren Stromerzeuger sind, also nicht bedarfsgerecht Strom liefern: mal viel, mal wenig, manchmal so gut wie gar nicht. Im Agorameter, bei SMARD und beim Fraunhofer ISE kann man sich das jederzeit anschauen. Auf verlinkte Beispiele verzichte ich, denn diese Tatsache sollte für alle hier Schreibenden und Lesenden gut bekannt sein.
    Dass das sich in Zukunft zwar zugunsten der EE ändern wird, falls oder wenn der geplante Ausbau klappt, aber dennoch auch noch 2040 sehr große Lücken in der Stromerzeugung durch EE gegenüber dem bis dahin auch noch steigenden Strombedarf (Wärmepumpen, E-Autos) kann man im Agorameter mit Hilfe der Funktion “Zukunft” projeziert auf die jeweiligen Wind- und Sonnenverhältnisse gut sehen.

    Damit es nun nicht tage- und nächtelange Stromengpässe gibt müssen “regelbare Karftwerke” (Formulierung hier in der Studie des Fraunhofer ISE)
    https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html
    oder, um es gleich “richtig” zu benennen, wie hier in der Studie von Brainpool, die Greenpeace Energy / Green Planet Energy in Auftrag gab
    https://green-planet-energy.de/blog/wissen/energiepolitik/dunkelflaute/
    Diese Gaskraftwerke sollen erstmal mit Erdgas und später, wenn oder falls realisierbar (Martin Holzherr schrieb schon von den extremen Kosten) mit Wasserstoff betrieben werden.
    Diese Gaskraftwerke waren zwar von Anfang an im Rahmen des EEG vorgesehen gewesen, wurden aber von den Kraftwerksbetreibern aufgrund der hohen Kosten für Bau und vor allem Betrieb bis heute nicht gebaut. Deshalb stehen sie nun im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung.

    In der Studie des Fraunhofer ISE sind regelbare Kraftwerke mit einer Kapazität von 100 GW bis 160 GW beschrieben, die bis 2050 in Betrieb sein müssten, um die EE “abzupuffern”. Mit Stand 2021 waren in Deutschland 84 GW an regelbaren Kraftwerken in Betrieb.
    Gaskraftwerke werden das nun wohl in Zukunft nicht sein.

    Wie auch immer, ob das nun Gas-, Kohle- oder die schlecht regelbaren Kernkraftwerke in Zukunft sein werden, sie müssen immer in Bereitschaft sein und bei Bedarf Strom liefern können. Dadurch, dass sie aber nur gelegentlich laufen, und dann auch oft nur unter Teillast statt Volllast, wird der von diesen Kraftwerken gelieferte Strom sehr teuer und treibt damit den Strompreis in die Höhe – Thema dieses Blogs.

    Wir haben es uns sozusagen also selbst zuzuschreiben, wenn der Strompreis steigt und steigt, weil wir uns 2 komplette Systeme zur Stromerzeugung leisten, eines mit Wind- und Sonnenenergie und eines mit regelbaren (Groß-)Kraftwerken.
    Würden wir die regelbaren Kraftwerke mit grünem Wasserstoff betreiben, dann würden die Strompreise noch weiter steigen, raketenhaft, denn von dem ursprünglich eingesetzten “grünen Strom” bleiben nur ca. 25%, wenn der Wasserstoff verlustlos eingelagert und ohne Energieaufwand transportiert werden würde. Es kommen also sicher noch Verluste hinzu.

    Mir ist keine technisch machbare Lösung bekannt, wie nun zukünftig die regelbaren Kraftwerke CO2-arm oder so gut wie CO2-frei Strom liefern sollten, außer es wären Kernkraftwerke…. die wir ja auch so gut wie nicht mehr haben.
    Im AR6 Teil 3 werden Kernkraftwerke als sinnvoller Teil einer Lösung für CO2-arme Energieerzeugung beschrieben.
    (Ich war früher auch mal Atomkraftgegner – bin es aber schon länger nicht mehr.)

  13. @Wolfgang Richter 31.07. 21:25

    “In der Studie des Fraunhofer ISE sind regelbare Kraftwerke mit einer Kapazität von 100 GW bis 160 GW beschrieben, die bis 2050 in Betrieb sein müssten, um die EE “abzupuffern”. Mit Stand 2021 waren in Deutschland 84 GW an regelbaren Kraftwerken in Betrieb.”

    Der untere Wert von 100 GW erscheint mir hier realistischer, das wäre nur etwas mehr als als die aktuellen 84 GW. Obwohl sich der Primärstrombereich bis dahin verdoppeln wird, brauchen wir nicht doppelt so viel Backup, weil die bis dahin vorhandenen Batteriefahrzeuge meistens nur geladen werden, wenn genug grüner Strom im Netz ist, und die bis dahin überall eingebauten Wärmepumpenheizungen werden oft noch eine Alternativheizung mit Holz oder auch mit Methan und/oder Wasserstoff haben, und würden entsprechend kein Extra-Strombackup brauchen.

    “Gaskraftwerke werden das nun wohl in Zukunft nicht sein.”

    Diese Gaskrise wird mittelfristig überwindbar sein, entweder wenn die Spannungen mit Russland ausgeräumt werden, oder sich neue Lieferoptionen etablieren. In schätzungsweise 5 Jahren müsste wieder genug bezahlbares Erdgas für die Gasbackupkraftwerke zur Verfügung stehen. Auch weil der Heizungsbereich weniger Gas brauchen wird, weil immer mehr Wärmepumpen eingebaut werden, die wiederum vor allem dann laufen, wenn im Winter reichlich Wind weht.

    Auch wird derzeit in der Industrie in großem Maßstab Wasserstoff aus Erdgas hergestellt. Wasserstoff wird später per Elektrosye von Überschussstrom jede Menge Methan ersetzen können, und das ganz ohne ineffektiv zu sein. Ineffektiv ist hauptsächlich, wenn aus Strom erst Wasserstoff hergestellt wird, um ihn später in Strom zurückzuverwandeln.

    Entsprechend sucht man hier nach neuen Speichermöglichkeiten, vor allem in dem Bereich von 5 bis 20 Ladezyklen im Jahr. Sollte das funktionieren, würde man nochmal weniger regelbare Backupkraftwerke brauchen.

    “..weil wir uns 2 komplette Systeme zur Stromerzeugung leisten, eines mit Wind- und Sonnenenergie und eines mit regelbaren (Groß-)Kraftwerken.”

    Die Hauptkosten bei fossil befeuerten Kraftwerken sind der erforderliche Brennstoff. Und wie gesagt, viel mehr Backup als wie wir im Moment haben, werden wir nie brauchen. Und diese Investitionen sind längst getätigt.

    “(Ich war früher auch mal Atomkraftgegner – bin es aber schon länger nicht mehr.)”

    Im Moment bin ich auch für eine Reaktivierung der letzten verbliebenen AKWs, und im Mix der nächsten 20 Jahre sehe ich hier auch einen sinnvollen Einsatz. Allerdings hat alleine Frankreich schon so viele davon, dass die uns wohl gerne öfter mal Nachtstrom verkaufen, den sie vermutlich auch weiterhin übrig haben werden. Diese AKWs kann man halt schlecht nachts abschalten. Von daher, soll uns das doch an Atomstrom reichen. Neubauten müssten wohl auf 50 Jahre laufen, und da mache ich mir wirklich Sorgen, ob wir die in 30 Jahren noch brauchen werden.

  14. Die einfachste Lösung um das Problem der überteuerten oder nicht vorhandener fossiler Energie zu lösen – ist es, wenn man endlich konkrete Verhandlungen mit Russland beginnen würde, um den Krieg zu beenden.
    Dann könnten die Sanktionen beendet werden; womit wir wieder Zugang zu den russischen Energiequellen hätten.

    konkrete Friedensverhandlungen wären sinnvoll. Leider sieht es aber derzeit nicht danach aus, dass man sich ernsthaft darum bemüht.

  15. @ KRichard 01.08.2022, 05:02 Uhr

    Zitat: Die einfachste Lösung um das Problem der überteuerten oder nicht vorhandener fossiler Energie zu lösen – ist es, wenn man endlich konkrete Verhandlungen mit Russland beginnen würde, um den Krieg zu beenden.“

    Das ist an sich auch meine Meinung.

    Aber Sie sollten bedenken, es steht die „westliche Welt“, mit ihren durchaus auch erfolgreichen traditionellen „Werten“, wie „Wettbewerb und Klassenkampf“, dem mehr oder weniger reformierten Kommunismus und den auf der Suche nach einem optimalen Wirtschaftssystem befindlichen „Neutralen“, (Indien, Südamerika,…..) im Wettbewerb – Wettkampf – womöglich Weltkrieg gegenüber?

    Da geht es ums „Eingemachte“, die Vernunft könnte auf der Strecke bleiben.

    Die Russen sind darauf aus, ihr System und ihre Bodenschätzen mit Zähnen, Klauen und Atombomben zu verteidigen. Sie müssten praktisch bereit sein, zu kapitulieren, „ihr Land“ für die (westlichen) Wettbewerber zu „öffnen“. Letztlich kämen viele Bodenschätze in ukrainisch/westlichen Besitz. Die Russen dürften sie mit Sklavenarbeit aus den Bergwerken holen. .

    Der Westen mit seiner in den Medien propagierten „Freiheitsmasche“ (Freiheit für die „Besitzenden“), mit seiner „klein klein“ Destabilisierungspolitik, war bislang recht erfolgreich, Polen, Ostblock, …. alles futsch.

    Das Medienmonopol bekam Konkurrenz durch die auch frei und unabhängig denkenden Internetnutzer, die Macht des Medienmonopols schwand.

    In Syrien, Weißrussland und besonders in der Ukraine, hat Putin die „Stopptafeln“ aufgestellt, die „Destabilisierungspolitik“ des Westen beendet und den „Spieß umgedreht“. Mit den Sanktionen destabilisiert sich der Westen selbst.

  16. @Realo 01.08. 10:37

    “In Syrien, Weißrussland und besonders in der Ukraine, hat Putin die „Stopptafeln“ aufgestellt, die „Destabilisierungspolitik“ des Westen beendet und den „Spieß umgedreht“. Mit den Sanktionen destabilisiert sich der Westen selbst.”

    Frieren für den Sieg? So wie die Lage derzeit aussieht, reichen unsere Waffenlieferungen, um Russland in der Ukraine aufzuhalten. Da erscheinen mir die Sanktionen irgendwie doppelt gemoppelt. Klar kann sich mit den ÖL- und Gaseinnahmen Russland einiges an Waffen zusätzlich beschaffen. Aber wir haben immer noch 10 mal mehr Geld, und wollen ja längst schon dieses Geld nutzen, um aufzurüsten. Optimalerweise so viel Aufrüstung, dass wir auch ohne die USA in der Nato immer noch genug haben, um vor russischen Angriffen auf Natogebiet sicher zu sein.

    Also ich meine, wir sollten Russland einfach mal fragen, welche Sanktionen wir zurücknehmen müssten, damit die alle Gashähne wieder aufdrehen.

    Klar geht es für uns auch um die Freiheit, auch um die Freiheit der Menschen in Russland selbst. Aber was nicht geht, geht eben noch nicht. Die Ukraine selbst ist keine volle Demokratie, der Natopartner Türkei ist kaum demokratischer als der große Feind Russland, und Saudiarabien bekommt Waffen und Technik von uns, um die eigene Bevölkerung zu unterdrücken und den inzwischen schon langjährigen Krieg im Jemen zu führen.

    Im Zweifelsfall von eigener Gewalt Abstand zu nehmen, und auch wirtschaftliche Beziehungen auch mit suboptimalen Systemen gut zu pflegen, das ist meine ich eine gute Strategie. Wenn wir uns darauf konzentrieren im eigenen Land ein florierendes Leben für alle Menschen zu realisieren, und gleichzeitig die ökologischen Herausforderungen zu meistern, dann ist das doch auch die beste Werbung für unser System.

  17. @Realo @Jeckenburger
    Es war immer klar, dass Russland aggresiv reagieren wird wenn es seinen wichtigsten Militärstützpunkt (Krim) und damit seine militärische Handlungsfähigkeit ernsthaft bedroht sieht.
    Russland wird daher den Krieg nicht ohne gute Angebote beenden – und wir müssen uns fragen, was wir erreichen wenn kein Friedensschluss im Einvernehmen mit Russland kommt:

    zum Thema ´Energie´: Die Ölkonzerne berichten aktuell über massive Gewinnsprünge.

    Wenn wir uns bald mit fossiler Energie aus neu erschlossenen (nicht-russischen) Quellen versorgen, dann bedeutet dies, dass nun zusätzliche neue Angebote auf dem Weltmarkt verfügbar sind – womit das Klimaziel einer verringerten Nutzung von fossilen Energieträgern auf Jahre hinaus nicht mehr attraktiv sein wird. (Denn wenn man in die Erschließung neuer Quellen investiert, muss sich dies auch lohnen.)

    Ganz egal wie der Krieg in der Ukraine weitergeht. Es wird nichts nützen wenn wir unsere Betriebe ruinieren und im Winter frieren oder wenn viele Leute hungern müssen, weil die Nahrung zu teuer ist.
    Russland wird den Krieg nicht aus Mitleid beenden, sondern nur wenn es attraktive Angebote für Friedensvereinbarungen bekommt.

    Wir sind auf Russland unbedingt als Partner angewiesen, besonders auch um die Auswirkungen der Klimaveränderung zu minimieren. Wenn Russland sich nicht als Partner behandelt sieht, kann man möglicherweise den Ukraine-Krieg gewinnen – aber die klimatischen Lebensgrundlagen der nächsten Generationen werden irreveribel geschädigt sein.

    (Dass derzeit öffentlich gefordert wird, die Laufzeit aktiver Kernkraftwerke zu verlängern – ist populistisch; mehr nicht: Man kann die Laufzeit nicht verlängern, ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen durchzuführen und die Kernkraftwerke auf neu vorgeschriebene Sicherheitsstandards umzurüsten. Ohne Prüfung/Umrüstung entsprechen die Kernkraftwerke nicht mehr den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards und dürfen nicht betrieben werden.)

    Wenn wir von den derzeitig hohen Energiekosten herunter kommen und gleichzeitig gute Lebensbedingungen für nachfolgende Generationen erhalten wollen, bleibt nichts anderes übrig als endlich ernsthafte Ideen zu Friedensverhandlungen zu entwickeln.

  18. Energie ist auf diesem Planeten, wie im All, im Weltall generell, genügend vorhanden, auch auf der “Erde”, dies liegt u.a. auch daran, weil sich sonst nichts fortbewegen würde, dass zu derartiger Einsicht fähig wäre, rekursiv sozusagen.

    Hier, bei :

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrischer_Strom

    .. ist es wohl so, dass eine allgemein verfügbare und verteilbare Form von Energie gefunden werden konnte, Dr. W mag u.a. auch das Transistorradio, ca. um 1949 erfunden, wobei die Lautsprecher bereits für den “Führer” zentral waren und die Telegraphen, die Fernschreiber so ebenfalls funktionierten,
    elektrisch sozusagen. [1]

    Unverständigkeit, Dummheit, die Unfähigkeit sich angemessen auszudrücken, die Doofheit, die Unfähigkeit angemessen zuzuhören, konkurrieren hier “nicht wirklich”.

    Ökologismus, die Unfähigkeit ökologisch angemessene Maßnahmen zu treffen, konkurrieren hier sehr wohl.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

    [1]
    Dr. W mag die Art und Weise, wie seinerzeit so vorgegangen ist Information einerseits zu kodieren, um sie – bei vorab verabredeten Kodierungsregeln – auf anderer Seite zu abstrahieren, zu dekodieren zu können.
    Näherungsweise Idee folgend.
    Und nicht immer.

  19. Hier gerne mal recherchieren, der bundesdeutsche Strommarkt mit seinen Preisen ist vermutlich irgendwie öffentlich :

    Aber die Preise an den Strombörsen sind seit dem letzten Jahr beinahe um den Faktor 6 gestiegen. Das passt doch irgendwie nicht zusammen. [Artikeltext]

    Dr. W – der im Moment hier gar nicht durchschaut und auch nicht Tage Zeit hat, vergleiche u.a. mit :

    -> https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/wie-funktioniert-der-strommarkt–419274 (Klingt “gay”, oder nicht)

    -> https://www.next-kraftwerke.de/wissen/spotmarkt-epex-spot (‘Im Unterschied zum Terminmarkt der EEX in Leipzig werden auf dem Spotmarkt der EPEX in Paris kurzfristig lieferbare Strommengen und nicht langfristige Stromliefervereinbarungen (“Terminkontrakte” oder “Futures”) gehandelt.’)

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  20. Senken lässt sich der Preis übrigens tatsächlich über mehr günstigere Angebote. Aber genau so über eine geringere Nachfrage.

    Das Problem aktuell liegt allerdings nicht in Deutschland, sondern vor allem in diversen EU-Nachbarländern.

    Wir exportieren erheblich mehr Strom als wir importieren, weil unsere Nachbarländer im Westen und Süden zu wenig Strom haben. Allen voran Frankreich.
    Diese Länder haben einfach viel zu wenig Kraft in eigene Kraftwerke gesteckt. (vor allem zu wenig in Regenerative)

    Da wir in einem freien EU-Markt leben können wir uns leider nicht von den Schwächen der anderen EU-Märkten befreien.

    Aber ein massiver EU-weiter Ausbau von Wind und Sonne würde die Preise für die gesamte EU drücken.

    Daten dazu gibt es unter anderem hier: (man kann die Einstellungen verändern.)

    https://www.smard.de/home/marktdaten?marketDataAttributes=%7B%22resolution%22:%22hour%22,%22from%22:1657836000000,%22to%22:1658440799999,%22moduleIds%22:%5B1004066,1001226,1001225,1004067,1004068,1001228,1001224,1001223,1004069,1004071,1004070,1001227,5000410,31004963,8004169%5D,%22selectedCategory%22:null,%22activeChart%22:true,%22style%22:%22color%22,%22categoriesModuleOrder%22:%7B%7D,%22region%22:%22DE%22%7D

    Das Prinzip von Merit Order findet sich in fast jedem Markt und lässt sich durch zwei Angebots- und Nachfrage-Kurven kennzeichnen, die einen Schnittpunkt haben, der den resultierenden Marktpreis kennzeichnet.

    Jeder BWL- oder VWL-Student lernt das im ersten Semester. (Ich bin Mathematiker und habs trotzdem mitbekommen.)

    IMHO wären andere Preisfindungsverfahren übrigens unfair, weil dadurch Produzenten benachteiligt wären, die vorher besonders viel investiert haben um dann anschließen mit geringen variablen Kosten Produkte anbieten zu können. (in dem Fall vor allem die Renewables)

    Toll fände ich aber einen Vorschlag, für ein besseres Preisfindungsverfahren.

    • Das Merit-Order-Prinzip ist solange kein Problem, wie zwei Bedingungen erfüllt sind:
      Erstens müssen alle zu etwa gleichen Preisen anbieten können und zweitens muss das Angebot groß genug sein. Leider haben wir derzeit eine Situation, in der Gaskraftwerke aufgrund äußerer Umstände zu Höchstpreisen anbieten müssen und gleichzeitig sind nicht genügend andere Kraftwerke am Markt, um die Gaskraftwerke zu verdrängen. Wenn die Betreiber von Gaskraftwerken zugleich auch andere Kraftwerke betreiben, haben sie auch kein Interesse daran, die Situation zu ändern. Und die Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien erhalten auf einmal einen wahren Geldsegen.
      In dieser Situation wäre es sinnvoll, den Angebotspreis von Gaskraftwerken künstlich zu deckeln, und den Anbietern hinterher die Differenz zu erstatten.

  21. @Thomas Regier 02.08. 22:31

    „Das Prinzip von Merit Order findet sich in fast jedem Markt…“

    In der Tat. Das funktioniert aber ganz anders, wenn sich Kartelle bilden, die eben günstige Angebote koordiniert reduzieren, um dann eben doch möglichst lange ein paar Gaskraftwerke ans Netz zu zwingen. Wenn die alten Monopolisten alle beides haben, also billige Kohlekraftwerke und auch Gaskraftwerke am Netz, dann ist allen Konzernen gut gedient, wenn alle mitmachen. Ich weis wirklich nicht, ob die das aktuell machen, aber so könnte es jedenfalls funktionieren. Marktwirtschaft und Monopolkapitalismus sind eben zwei ganz verschiedene Sachen.

    Auch hat der Kunde nicht den aktuellen Marktpreis zu zahlen, abgerechnet wird dann ein Durchschnittspreis. So kann man eben nicht zeitnah reagieren, wenn der Strom zwischendurch auf über 50 ct steigt. Leider braucht es hierfür neue Stromzähler, die man nicht in ein paar Monaten überall installieren kann.

    Aber dann kann man nicht nur akut sparen, so kann auch der Verbraucher mit dafür sorgen, dass eben öfter dann gar keine Gaskraftwerke mehr gebraucht werden. Und wenn z.B. in Norddeutschland richtig viel Wind weht, dann können viele ihre bald megateure Gasheizung vorübergehen ausschalten, und stattdessen mit elektrischen Heizlüftern heizen. Wenn Gas über 20 ct/Kwh kostet und Strom zeitweilig unter 15 ct/Kwh, dann kann es sich lohnen, sich solche Umstände zu machen.

    „Toll fände ich aber einen Vorschlag, für ein besseres Preisfindungsverfahren.“

    Die Idee mit den Übergewinnsteuern ist doch schon super. Mit den Einnahmen kann man dann die Haushalte pauschal unterstützen. So bleibt der Strompreis hoch, dass jeder motiviert ist, Strom zu sparen, und es mag auch beflügeln, mehr Windräder und PV-Module aufzustellen. Und doch bekommen wir einen Teil der übermäßigen Kosten zurück, und die Konzerne verdienen sich nicht dumm und dämlich während wir frieren müssen.

    • Es wäre sicherlich besser, die Übergewinne gar nicht erst anfallen zu lassen. Denn hinterher Gewinne wieder einzukassieren, wird ein ganzes Stück schwieriger. Und noch schwieriger wird es, einen Konsens darüber zu finden, welche Umverteilung als gerecht anzusehen ist.