Buchbesprechung: Greg Bear – Die War-Dogs-Trilogie

BLOG: Gedankenwerkstatt

die Psychologie irrationalen Denkens
Gedankenwerkstatt

Man kann sich ja nicht ständig über die Wahl in den USA ärgern. Vielleicht sollte man statt dessen ein spannendes Buch lesen. Für Science-Fiction Fans hätte ich da einen guten Vorschlag: Die ersten beiden Bände der War-Dogs-Trilogie von Greg Bear.

Mitte des 21. Jahrhunderts besuchen Aliens erstmals die Menschheit. Die friedlichen Gurus bringen den Menschen eine ganze Reihe von technischen Gadgets mit, die das Leben leichter machen. Aber leider ist ihnen eine andere Alien-Spezies dicht auf den Fersen. Die kriegerischen Antags wollen die Gurus ausrotten, und die Erde droht zum Kollateralschaden zu werden. Die Gurus fühlen sich zu schwach zum Kämpfen, und so schultern die Menschen die ganze Last der planetarischen Kriege, die erst den Mars und dann den Saturnmond Titan in eine Flammenhölle verwandeln.

Anders als Star Wars teilt die War-Dogs-Trilogie die Welt nicht in Gute, Böse und Deppen ein, sondern stellt die Motive aller Beteiligten ständig auf den Prüfstand. Scheinen die Rollen anfänglich noch klar verteilt, verwischt sich das Bild im Laufe der beiden Bücher immer mehr.

Der Icherzähler Michael Venn dient als Master-Sergeant (Hauptfeldwebel) bei den Skyrines (spricht Skairiens), der amerikanischen Elitetruppen zur Bekämpfung feindlicher Außerirdischer wie der Antags. Zusammen mit ähnlichen Truppen anderer Länder haben sie den Auftrag, die Basen der Alienkrieger auf dem Mars zu vernichten, um die Erde zu schützen. Glücklicherweise haben die Gurus den Menschen verschiedene Arten futuristischer Waffen geschenkt. Die Elitekrieger der Menschheit drängen damit die ähnlich ausgerüsteten Antags zurück, ein entscheidender Sieg will ihnen aber nicht gelingen.

Aber sind die Gurus wirklich so friedlich, wie sie vorgeben, oder haben sie böse Hintergedanken? Dieser Verdacht kommt schon ganz zu Anfang auf, denn der Protagonist verhält sich extrem merkwürdig. Kaum vom Einsatz auf dem Mars zurück, flüchtet er von seiner Militärbasis und verkriecht sich in seiner Wohnung – mit gutem Grund, wie sich noch zeigen soll.

In Rückblenden durchlebt er noch einmal seinen letzten Einsatz auf dem Mars und erklärt dabei den unbedarften Lesern des Jahres 2016, wie die Ausrüstung funktioniert und mit welchen Waffen sich beide Seiten bekämpfen. Venns Einsatz lief von Anfang an schief und erreichte keines seiner Ziele. Der Feind lauerte überall und alle 20 Seiten entging seine Gruppe nur um Haaresbreite dem sicheren Tod.

Greg Bear zeichnet den Mars ähnlich lebensfeindlich wie Andy Weir in seinem Buch „Der Marsianer“. Die Ausrüstung der Skyrines reicht gerade zum Überleben, und oft nicht einmal das. Sie kämpfen nicht nur gegen den Feind, sondern auch gegen todbringende Umgebung. „Physik ist das, was dich umbringt, doch Biologie ist das, was dich töten will“, philosophiert Venn. Die wenigen tausend menschlichen Siedler auf dem Mars, die Muskis, sind zunächst keine große Hilfe. Sie kämpfen tagtäglich um ihre bloße Existenz, an Kriegführung ist nicht zu denken. Aber natürlich kennen sich die Kolonisten auf dem Mars bestens aus, was den wackeren Streitern der US-Sternenflotte durchaus zugute kommt.

marsAnders als bei Andy Weir geht es in der War-Dogs-Trilogie nicht nur um den Mars. Mindestens fünf Monde von Saturn und Jupiter verbergen unter einer eisigen Oberfläche warme Salzwasserozeane, ideal geeignet für die Entstehung von Leben. Der zweite Band der Trilogie (Killing Titan, deutsch: Im Schatten des Saturn) führt den Helden nach einem kurzen Intermezzo auf dem Mars in den endlosen Ozean des Saturnmonds Titan, wo er das Erscheinen des dritten Bandes (Take Back the Sky, Dezember 2016) abwarten muss, bevor er seine Abenteuer zu Ende bringen kann.

Für die Trilogie hat Bear einen eigenen Soldatenjargon erfunden, der aus einer rauen Sprache und bildhaften Hüllworten für Waffen, Gegner und Ausrüstung besteht. Als Vorbild diente offenbar der Jargon der amerikanischen Marines.

Leider verirrt sich der Autor auch einige Male in den nebligen Gefilde der reinen Spekulation. So schildert er eine Alien-Zivilisation, die vor einer Milliarde Jahren ausstarb, zum Glück aber eine Datenbank hinterließ, die noch immer funktioniert und sich ungefragt in das Bewusstsein von Menschen einklinkt und ihnen komplexe Botschaften übermittelt. Wenn das bloß so einfach wäre!

Greg Bear singt in dieser Trilogie das Hohelied der tapferen Elitesoldaten, die unter ständiger Todesgefahr für das Wohlergehen der Menschheit streiten. Reden ist ihre Sache nicht. Der Icherzähler Master Sergeant Michael Venn schildert zwar äußerst farbig die Sonnenuntergänge auf dem Mars, seinen Mitstreitern gönnt er jedoch kein Wort zu viel. „Heiße Quellen. Kein Schwefel. Sauber. Süßwasser.“ Als aufrechter Soldat stellt er auch keine Fragen. Er befolgt nur Befehle, selbst wenn er ihren Sinn bezweifelt. Erst am Ende des zweiten Bandes handelt er auf eigene Faust und leitet damit zum dritten Band über.

Der zweite Band hält nicht das Tempo des schnell getakteten ersten. Die Rückkehr auf den Mars bietet kaum neue Aspekte, erst der Kampf auf dem Titan trägt die Geschichte weiter.

Trotz aller Kritik: Ich kann die ersten beiden Bände der Trilogie empfehlen. Sie gehören sicher nicht zu den besten Werken des Autors, aber sie sind absolut lesenswert.

Die gelungene deutsche Übersetzung stammt von Andreas Brandhorst, einem der profiliertesten deutschen Science-Fiction-Autoren.

Die besprochenen Bücher:

Greg Bear, War Dogs (Die Flammen des Mars)
Band 1 der War Dogs Trilogie

Greg Bear, Killing Titan (Im Schatten des Saturn)
Band 2 der War Dogs Trilogie

Greg Bear, Take Back the Sky (deutscher Titel noch nicht klar)
Band 3 der War Dogs Trilogie, erscheint im Dezember 2016

 

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

2 Kommentare

  1. Dieser Science Fiction portraitiert die Aliens scheinbar als anderen Menschenstamm, denn die Aliens scheinen sich nicht grundsätzlich anders als Menschen zu verhalten.
    Nun, das tun wohl die meisten Science Fiction Geschichten: Sie erzählen von einer fremdartigen Zukunft in der man aber unschwer die Gegenwart erkennen kann.

    Wie aber sieht die wahre Zukunft des Menschen im Weltraum aus? Auch in der wahren Zukunft werden die Aliens wohl nichts anderes als Menschen sein. Was im All passieren wird hängt nicht nur von der Entwicklung der Technik ab, sondern es hängt auch davon ab, ob und wie das Leben im All fernab der Erde für Menschen attraktiv sein wird. Am ehesten ist es das noch, wenn das extraterrestrische Leben einen Hauch Abenteuer und einen gewissen Exzeptionalismus mit sich bringt. Auch die heutigen Astronauten fühlen sich wohl als Pioniere. Noch besser würden sie sich fühlen, wenn sie ihre Arbeit als unabdingbar und notwendig für das Überleben der Menschheit hielten, so wie die Kämpfer gegen die Erde bedrohende Aliens.
    Fazit: Wenn es keine Aliens gibt, dann muss man sie erfinden.

  2. Der Handlungsansatz ähnelt stark dem von “Earth: Final Conflict” von Gene Roddenberry, mit den sanften “Taelons” und den wilden “Jaridians”.
    Lediglich Lili Marquette stellte einen gewissen Lichtblick dar.
    Wie gut, dass es auf der Erde gar keine Stellvertreterkriege gibt.
    Jetzt muss ich aber zurück nach Halo, um die Promethaner zu stoppen.

Schreibe einen Kommentar