Staubiges Heidelberg

Galaxienentwicklung

Vor knapp zwei Wochen "wimmelte" es zwischen dem 8. bis 12. September nur so von Staubexperten in Heidelberg. Was war der Anlass? Unter dem Titel "Cosmic Dust – Near and Far" fand in der Heidelberg Stadthalle federführend unter der Regie vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und unter Beteiligung weitere Institute wie dem Max-Planck-Institut für Kernphysik eine Konferenz mit etwa 300 Teilnehmern aus aller Welt statt. Die Palette an diskutierten Themen war sehr vielfältig und deckte astronomische Objekte in denen Staub eine wichtige Rolle spielt ab – wie zum Beispiel protoplanetarischen Scheiben, AGB Sterne, Quasare, Galaxien mit intensiver Sternstehung (Infrarotgalaxien) oder Supernovae. Treffend drückt das auch der der Arbeitstitel der Tagung aus – Staub sowohl in unserer Umgebung als auch im frühen Universum.

Die Zusammensetzung von Staubteilchen lässt sich in Kohlen stoff- und Siliziumverbindungen (Silikate)  unterteilen. Der hier behandelte Staub hat natürlich überhaupt nichts mit dem Staub den man von zu Hause kennt zu tun. Diese Teilchen sind wesentlich kleiner (einige wenige Mikrometer oder noch kleiner). Mehr über "cosmic dust" kann man zum Beispiel unter diesem Link in Wikipedia erfahren. Staubteilchen sind "Abfallprodukte" der Sternentstehung.

Insgesamt hielten um die 40 Astrophysiker Vorträge, die sehr interessant waren. Ein heiß diskutiertes Thema dieser Konferenz war wie und in welchen Objekten Staub sich schon in weniger a ls einer Milliarden Jahre nach dem Urknall bilden könnte und in welcher Menge. Für einige Vortragende sind Supernovae vom Typ II die besten Kandidaten dafür. Der Grund warum dies so ein so aktuelles und kontrovers diskutiertes Thema ist, liegt an der Entdeckung vor einigen Jahren von Staub in den weit entferntesten Quasaren (Rotverschiebung z>6; 950 Millionen Jahre nach dem Urknall). Dieser Staub entstand mit großer Sicherheit durch vorherige Sternentstehung.

Für mich am interessantesten war der Tag an dem die Forscher über Staub in Galaxien sowohl im lokalen als auch im frühen Universum diskutierten. Höhepunkte von Konferenzen sind in der Regel Übersichtsvorträge bei dem ein aktuelles Forschungsgebiet mit den wichtigsten Ergebnissen der letzten Jahre aber auch mit einem Blick in die Zukunft vorgestellt wird. Besonders gut gefielen mir Vorträge über "Dust in external galaxies" von Daniela Calzetti (Universität von Massachusetts), "Dust in the Early Universe"  von Fabian Walter (MPIA) und von Bruce Draine (Princeton) über "Interstellar Dust Models, and Evolutionary Implications". Diese Tagung war ein voller Erfolg mit vielen interessanten Ergebnissen und ich bin schon sehr darauf gespannt wie sich die Erforschung des Staubes in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird.

Bis zum nächsten Blog,

Euer Helmut Dannerbauer

 

 

 

 

 


Helmut Dannerbauer

Veröffentlicht von

Der promovierte Astrophysiker Helmut Dannerbauer – wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg – fokussiert sich in seinem Blog auf die Erforschung von Galaxien und deren Entwicklung im jungen Universum.

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