ProtreptiCast02: Politische Freiheit: Ronald Dworkin

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ProtreptiCast — Hörbar Philosophie

EPISODE 02: Politische Freiheit: Ronald Dworkin.

GESPRÄCHSPARTNER: Sascha Wächtler, Master-Student der Philosophie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

 

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Gesprächsdauer: 02:05:06.

 

 

 

Inhaltsangabe:

00:00:00 ProtreptiCast: Intro.
00:00:26 Begrüßung und Einführung ins Thema.
00:02:00 Begrüßung und Vorstellung von Sascha Wächtler.
00:22:00 Ronald Dworkin: Gerechtigkeit für Igel, Justice for Hedgehogs; Philosophische und politische Freiheit, Willensfreiheit und Handlungsfreiheit, Determinismus, Kommensurabilität, Inkommensurabilität.
00:27:25 Isaiah Berlin: Two concepts of Liberty, Positive und negative Freiheit.
00:36:38 John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Schleier des Nichtwissens.
00:47:34 Enduring Freedom: Enduring Freedom.
00:52:10 Ronald Dworkin: Ethik, Moral, Würde, Verantwortung.
01:48:30 Borrachos: Freiheit 2008.
02:03:12 ProtreptiCast: Outro.

 

Quelle: Leonie Seng

INHALT:

Sie ist eines der ältesten Interessensgebiete der Philosophie: Menschliche Freiheit. Freiheit lässt sich in der Philosophie dabei grob auf zwei Fragen reduzieren: Wie frei bin ich? Sagt wer? Das subjektive Empfinden, frei zu sein, bemisst sich zum einen daran, ob ein Mensch in der Lage ist, seine eigenen Entscheidungen tatsächlich selbst zu steuern. In diesem Fall spricht man von Willensfreiheit. In anderen Fällen geht es um Möglichkeiten, Handlungen ausführen zu können — hier spricht man von Handlungsfreiheit. Handlungsfreiheit ist ein zentrales Thema der politischen Philosophie.

In seinem Aufsatz Two Concepts of Liberty unterschied der britisch-jüdische Philosoph Isaiah Berlin 1958 positive und negative Freiheit. Damit sind nicht etwa subjektive Erfahrungen von Freiheit gemeint, sondern Freiheit von äußeren Zwängen (negative Freiheit) und Freiheit zu bestimmten Handlungen (positive Freiheit). Während in der Antike Freiheit hauptsächlich in dem Recht zur politischen Mitbestimmung bestand — wobei der Begriff “Freiheit” in den wenigsten antiken Schriften explizit thematisiert wird! — proklamierten klassische Libertarier wie Thomas Hobbes, John Stuart Mill, David Hume und John Locke den Gedanken, dass Handlungsfreiheit (negative F.) in Schutzrechten der Bürger einer Gesellschaft vor dem Staat bestünde.

Für Libertarier beginnt Freiheit also dort, wo Politik endet; für Republikaner wie Immanuel Kant und Jean-Jaques Rousseau ist Politik ein Mittel um Freiheit realisieren zu können.

Als wir damit bei der Hälfte des Podcast-Gesprächs ankommen, haben Sascha und ich noch nicht einmal annähernd unser eigentliches Thema begonnen: der Freiheitsbegriff des kürzlich verstorbenen Ronald Dworkin. Dazu müssen wir erst einmal Dworkins Begriffe der Ethik und Moral, der Würde und Verantwortung klären. Bei dem Versuch der Entwirrung der Begriffe stellt sich heraus, dass wir es offenbar mit einem Begriffs-Moor zu tun haben: Je mehr wir versuchen, uns aus der Verstrickung hinauszuwinden, desto tiefer sinken wir hinein. Kein noch so süßer, ethisch bewanderter Sohlengänger kann uns aus der Patsche helfen. Somit landen wir schließlich auch bei den moralischen Pflichten von Kant, dem Konsequentialismus und verschwinden endgültig unter dem Schleier des Nichtwissens von Rawls.

 

Quelle: Leonie Seng

 

QUELLEN:

* Dworkin, Ronald: Gerechtigkeit für Igel, Suhrkamp 2012.

* Carter, Ian: Positive and Negative Liberty, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Spring 2012 Edition), Edward N. Zalta (ed.).

* The Isaiah Berlin Virtual Library.

* Nachruf von Ronald Dworkin auf sueddeutsche.de.

* Lexikon Philosophie. 100 Grundbegriffe. Jordan, Stefan; Nimtz, Christian (Hrsg.), Stuttgart: 2009.

* Rezension von Gerechtigkeit für Igel auf dradio.de von Hans-Martin Schönherr-Mann.

TECHNIK UND NACHBEARBEITUNG:  Siehe pc01.

INTRO UND OUTRO Siehe pc01.

MUSIK:

* Enduring Freedom: Enduring Freedom. Album: Demo. (CC-BY-SA)

* Borrachos: Freiheit 2008. Album: Punkrock fuer lau.

 

 

Creative Commons License
ProtreptiCast — Hörbar Philosophie by Leonie Seng is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported License.

Leonie Seng

Bachelor-Studium "Philosophie, Neurowissenschaften und Kognition" in Magdeburg. Master-Studium "Philosophie" und "Ethik der Textkulturen" in Erlangen. Freie Kultur- und Wissenschaftsjournalistin: Hörfunk, Print, Online. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung Philosophie, Fachbereich Medienethik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

2 Kommentare

  1. Dworkin vertritt libertäre Gerechtigkeit

    Viele denken bei Gerechtigkeit an einen großen Kuchen, der gerecht verteilt werden muss. Dahinter steckt die Annahme, alle wollten das Gleiche – und dieses Gleiche müsse gerecht verteilt werden. Sowohl Kapitalisten wie für Sozialisten ist der große Kuchen, den es zu verteilen gilt der materielle Besitz.
    Dworkin dagegen scheint ein anderes Menschenbild zu haben. Er glaubt an eine recht große Diversität von menschlichen Wünschen und Zielvorstellungen, sieht aber dahinter trotzdem viele Gemeinsamkeiten und die Chance jedem mit seinen Wünschen und Vorstellungen Gerechtigkeit zukommen zu lassen.
    Auch sein letztes noch nicht veröffentlichtes Buch: Religion without God will das Gemeinsame im scheinbar Konträren aufzeigen: Religiosität geht auch ohne Gott. Was Religiosität auszeichnet ist nach Dworkin nicht der Glaube an Gott, sondern der Glaube an Bedeutung, daran dass es Werte, Schönheit und andere nicht auf reine Physik und evolutionäre Anpassung rückführbare Dinge gibt, die dem Leben einen Sinn geben und über einen reinen Naturalismus hinausgehen

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