Noch mehr Spekulationen zu Hayabusa 2: Es wird interessant

Bevor sich mein Interesse auf die bevorstehende EPSC richtet, noch ein Zwischenbericht zu Hayabusa 2. Da hat sich in der Tat einiges getan. Basierend auf den ersten wissenschaftlichen Ergebnissen wurden die Landeorte für den MASCOT Lander und zwei der MINERVA-II bestimmt. Hier mehr aus der Pressekonferenz. Die Landungen sind für September/Oktober geplant. Wo also sollen die Lander landen? Ganz wichtig ist natürlich die Sicherheit der Lander. Also keine zu großen Felsen oder gar steile Hänge (z.B. Kraterwände). Die Temperatur sollte nicht über 370K liegen. Und dann sollte auch die Kommunikation gewährleistet sein – und hier speziell mit den Bodenstationen. Das alles muss unter einen Hut gebracht werden.

Hier die Landegebiete: Die ovalen Kringel sind für MASCOT (MA-9, blau) und das rote für die Minervas. (Image credit: JAXA, University of Tokyo, Kochi University, Rikkyo University, Nagoya University, Chiba Institute of Technology, Meiji University. University of Aizu, AIST)

Was haben die Lander zu bieten? Die MINERVAs sind etwa 1 Kg schwere Lander, die sich sogar ein wenig über die Oberfläche fortbewegen können, das scheint mittels eines Schwungrades zu gehen. Instrumente sind Kameras. MASCOT vom DLR ist schon ein größeres Kaliber, um die 10 Kg. Auch er kann sich bewegen – im Sinne von Hüpfen, mittels eines Schwungarmes. An Bord eine Kamera (natürlich) ein Magnetometer, ein Radiometer zur Temperaturmessung und ein süßes, kleines (Nah-)Infrarotmikroskop zur Bestimmung vor allem der Oberflächenmineralogie. Da freue ich mich natürlich besonders drauf, da ich mein Unwesen in der Forschung in einem benachbarten Wellenlängenbereich treibe.

Dann noch eine schöne Zusammenfassung einer Pressekonferenz über die ersten Ergebnisse auf der IAU (International Astronomical Union) in Wien hier von Mika McKinnon. Hier ein paar Punkte daraus:

Das Space Weathering scheint zu variieren, was auf ‚frischere‘ Regionen hindeutet, die weniger lange der Weltraumumgebung ausgesetzt waren. Das könnte man gegebenenfalls mit der Kraterdichte abgleichen, ob man da ein ähnliches Alter für die Oberfläche herausbekommt. Nur so als Spekulation. Und möglicherweise ist die Oberfläche nicht ganz so feucht (im Sinne von hydratisierten Mineralen) wie erwartet. Dafür ist Ryugu sehr dunkel, mit einem Albedo von 0.02, weniger als Holzkohle (erinnert mich an die frühen Tagish Lake Proben). Eine weitere wichtige Erkenntnis: bisher wurde Ryugu falsch herum dargestellt, da gibt es eine Konvention bezüglich der Rotationsrichtung.

Außerdem deutet sich aus den ersten spektroskopischen Daten an, dass die Zusammensetzung recht homogen über die Oberfläche ist (ich spekuliere, dass hier der feinere Regolith gemeint ist, die größeren Brocken scheinen mir doch etwas zu variieren). Und Homogenität ist auch ein sehr relativer Begriff. In der Diskussion wird als Beispiel ein Vergleich mit Granit gezogen – auch ein an sich homogenes Gestein, das halt aber unterhalb einer gewissen Probenmenge heterogen ist, wenn die einzelnen Minerale in der Größenordnung der eingesammelten Probe liegen. Und das könnte problematisch werden, die Komponenten in den primitiven Chondriten – z.B. die Chondren können recht große werden, mehrere Millimeter, selten auch Zentimeter. Ähnlich die CAIs. Das wohl homogenste Material in unseren Meteoritensammlungen, die C1 Chondrite, bestehen aus intensiv durchmixtem, feinkörnigem Material, dominiert von Schichtsilikaten, ohne Chondren oder gar CAIs. Und selbst da braucht man wohl mindestens Material in der Größenordnung von 1 Gramm. Hört sich jetzt nicht viel an, aber so viel muss erst mal eingesammelt werden, und beim ersten Mal wurde nur sehr, sehr wenig Material zurückgebracht. Und wenn Ryugu aus einem komplizierterem Gemisch besteht (eben mit Chondren), dann wird die repräsentative Menge deutlich größer. Mehr zu dem Thema in Kapitel 9 meiner alten Dissertation (hier auf dem Server der Uni Münster), das Paper ist leider nicht frei zugänglich.

Als nächstes dann ein Bericht aus Berlin von der diesjährigen EPSC.

Mein Interesse an Planetologie und Raumforschung begann schon recht früh. Entweder mit der Apollo/Sojus Mission 1975. Spätestens aber mit dem Start der Voyager-Sonden 1977, ich erinnere mich noch wie ich mir mein Leben in der fernen Zukunft des Jahres 1989 vorzustellen versuchte, wenn eine der Sonden an Neptun vorbeifliegen würde. Studiert habe ich dann Mineralogie in Tübingen (gibt es nicht mehr als eigenständiges Studienfach). Anstatt meinen Kommilitonen in die gängigen Richtungen wie Keramikforschung zu folgen, nahm ich meinen Mut zusammen und organisierte eine Diplomarbeit über Isotopenanalysen von Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries Einschlagkrater. Dem folgte dann eine Doktorarbeit über primitive Meteorite in Münster. Nach 10 Jahren als PostDoc in verschiedenen Ecken der Welt arbeite wieder am Institut für Planetologie in Münster, an Labormessungen für die ESA/JAXA Raumsonde BepiColombo, die demnächst zum Merkur aufbrechen wird. Mein ganzes Arbeitsleben drehte sich bisher um die Untersuchung extraterrestrischer (und damit verwandter) Materialien: Gesteine aus Impaktkratern, die ganze Bandbreite Meteoriten (von den ganz primitiven Chondriten bis hin zu Marsmeteoriten). Zu meiner Forschung gehören auch Laborexperimente, in denen Vorgänge im frühen Sonnensystem nachgestellt wurden. Mein besonderes Interesse ist, die Laboruntersuchungen von extraterrestrischem Material mit Fernerkundungsdaten (im Infrarot) zu verknüpfen. Das vor allem mit Daten aus der planetaren Fernerkundung durch Raumsonden, aber auch mit Beobachtungen junger Sonnensysteme durch Teleskope.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Habayusa-Missionen gefallen mir, weil es letztlich darum geht mit einer einzigen oder wenigen Missionen möglichst viel über ein relativ kleines Objekt herauszufinden. Nicht nur muss man die “richtigen” Spektralbereiche abdecken, die Instrumente dürfen auch nicht zu schwer sein. Weitwinkel- und Multispektralkamers, LIDAR und Nahinfrarotspektrometer sind sicher die richtigen Detektoren. Zusätzlich ein Radar in Wellenbereichen, die tiefere Zonen des Asteroiden erreichen, wäre in meinen Augen wünschenswert gewesen. Und zwar im Mascott-Lander. Mascott hat tatsächlich 4 Instrumente, nämlich ein Infrarotmikroskop, eine multispektrale Weitwinkelkamera, ein Magnetometer und ein Radiometer. Doch mit all diesen Instrumenten ist Habayusa dennoch nicht in der Lage in den Asteroiden hineinzuschauen. Nun alle Wünschen lassen sich natürlich nicht realisieren, wenn man eine beschränkte Nutzlast hat.

    Toll ist natürlich, dass Habayusa Proben zurückbringt und gut finde ich auch das Ionentriebwerk und dass die Habayusa-Software bis zu einem gewissen Grad autonom navigieren kann.

    Und die Startmasse betrug nur gerade 600 Kilogramm.
    Asteroiden gibt es ja viele und damit könnte es auch viele ähnliche Missionen wie Habayusa 1) und 2) geben. Mit fortschreitender Technik sollte trotz immer gleichem Gewicht immer mehr möglich werden.

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