Roots: Afrikanische Sklaven und ihre regionale Isotopensignatur

1767 erwirbt der amerikanische Plantagenbesitzer John Reynolds bei einer Sklavenauktion in Annapolis, Maryland den jungen Mandingo Kunta Kinte. ”Roots“ ist die Geschichte von Kunta Kinte und seinen Nachfahren: Eine Familiensaga, die der Afroamerikaner Alex Haley, ein direkter Nachfahre Kunta Kintes, aufschrieb. Zwölf Jahre recherchierte Haley die Geschichte seiner Familie, deren Fernsehverfilmung 1976 einer der größten TV-Erfolge der USA wurde. Kinte war einer von 1,1 Millionen Afrikanern, die zwischen 16191 und 18082 in Westafrika gefangengenommen und in die USA verschleppt wurden, über deren ursprünglichen Herkunftsorte jedoch Historiker und Archäologen kaum etwas wissen.

Zum einen weil es sehr wenige Autobiografien3 von afrikanischen Sklaven (Slave Narratives) gibt, die in Afrika geboren waren und die Verschleppung und Überfahrt als Kind oder Erwachsener erlebten, zum anderen weil ein Problem der historischen Handelsdokumente zur Mittelpassage (Middle Passage) ist, dass sie sich nur auf die Anlegestellen der Sklavenschiffe in Westafrika beziehen. Das bedeutet aber nicht, dass ein von dort aus verschiffter Sklave aus der unmittelbaren Region der Anlegestelle stammen muss. Viele Afrikaner wurden aus dem Inneren Afrikas in die Küstenregionen verschleppt.

Credit: By Africa_map_no_countries.svg: *Africa_map_blank.svg: Eric Gaba (Sting – fr:Sting) derivative work: User:Zscout370 (Return fire) derivative work: Grin20 [CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons Regionen Afrikas aus denen zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert Afrikaner für den transatlantischen Sklavenhandel verschleppt wurden. Die afrikanischen Sklaven stammten aus sieben Regionen, die von über 45 verschiedenen Ethnien bewohnt wurden. Von diesen Ethnien wurden neun Ethnien am häufigsten als Sklaven nach Nordamerika, Südamerika und die Karibikinseln verkauft: Bakongo (Demokratische Republik Kongo und Angola), Mandé (Guinea), Gbe (Togo, Ghana, Benin), Akan (Ghana und Elfenbeinküste), Wolof (Senegal und Gambia), Igbo (Nigeria), Mbundu (Angola), Yoruba (Nigeria), Chamba (Kamerun).

So geschehen mit Cudjoe Kossola4 Lewis, der 1840 in Tarkar geboren wurde, einem Dorf, das einige Tagesmärsche von der Küste entfernt liegt und heute zu Benin gehört5. Lewis wurde in Tarkar gefangen genommen, in die Hafenstadt Ouidah verschleppt und auf die Clotilda gebracht. Mit 110 geschmuggelten Sklaven an Bord legte diese am 8. Juli 1860 illegal, an einem gut versteckten Landungssteg, in Mobile, Alabama an. Nach der Ankunft brachten die Seeleute die Sklaven schnell an Land und verbrannten das Schiff, damit die Polizei es nicht entdeckte. Die Clotilda war das letzte bekannte Sklavenschiff, das in den USA anlegte. Cudjoe Kossola Lewis war der letzte Überlebende der Clotilda-Sklaven. Die amerikanische Autorin Emma Langdon Roche interviewte Lewis und schrieb als erste die Lebensgeschichten von Lewis und seinen Leidensgenossen auf – von ihrer Gefangennahme in Tarkar bis zu ihrem Leben als freie Afrikaner in Africatown, Alabama.

Eine Karte, die Cudjoe Kossola Lewis für Emma Langdon Roche zeichnete. Sie zeigt den Weg seiner Gefangennahme in Tarkar und seine Verschleppung in die Küstenregion.

Die genetische Ahnenforschung der Afroamerikaner

Da es nur wenige historische Aufzeichnungen gibt, die so detailliert sind wie die von Emma Langdon Roche, beauftragen die afroamerikanischen Nachfahren der afrikanischen Sklaven Biotechnologiefirmen wie AfricanAncestry, AfricanDNA, 23andMe mit der genetischen Ahnenforschung mittels DNA. Werbeanzeigen für diese genealogischen DNA-Tests erwecken den Eindruck, dass das individuelle Testergebnis einzigartig ist und das der Test dem Kunden etwas über seine persönliche Familiengeschichte erzählen wird. Je nach DNA-Test werden die Ursprungsregion (bzw. heutiger afrikanischer Staat), die Ethnie und Haplogruppe, der Vorfahren des Kunden bestimmt.

Das Ganze funktioniert so: Die Firma schickt dem Kunden ein Testkit mit zwei Plastikröhrchen und zwei Wattestäbchen. Mit den Wattestäbchen bearbeitet er etwa eine Minute lang das Innere seiner Wange, steckt dann die Wattestäbchen, an denen jetzt Mundschleimhautzellen haften, in die Röhrchen, die er an das Unternehmen zurückschickt6. Das Unternehmen isoliert dann aus den Mundschleimhautzellen die DNA und analysiert sie. Je nach Anbieter bekommt der Kunde dann sechs bis acht Wochen später sein Analyseergebnis, was ungefähr so aussieht.

Geografische Grobzuordnung der DNA des Kunden in Prozent

Geografische Feinzuordnung der DNA des Kunden innerhalb Afrikas in Prozent

Was bedeutet z. B. Nigeria: 18 % und Senegal 1 %? Das bedeutet, 18 % der Kunden-DNA kommen von Vorfahren, deren Nachfahren in einer Region leben, die heute Nigeria ist und 1 % der Kunden-DNA kommen von Vorfahren, deren Nachfahren in einer Region leben, die heute Senegal ist. Die Firmen nehmen als Referenz die DNA von Menschen, die heute in Nigeria leben und die heute in Senegal leben. Diese Prozentwerte sind aber statistische Schätzungen. Die Firma kann nicht mit Sicherheit sagen, dass jemand 18 % nigerianisch und 1 % senegalesisch ist. Zusätzlich ist es so, dass sich diese Prozentzahlen noch ändern können, wenn die Referenzdaten, mit denen die Daten des Kunden verglichen werden, aktualisiert/geändert werden oder wenn der Algorithmus, mit dem die Prozentzahlen berechnet werden, geändert wird.

Ahnenverlust

Der Mensch erbt verschiedene Abschnitte seiner DNA von seinen Vorfahren mütterlicherseits und väterlicherseits, zudem verdoppelt sich deren Anzahl mit jeder Generation, die wir in die Vergangenheit gehen. Unsere Vorfahren der ersten Generation sind unsere zwei Eltern (21). Unsere Vorfahren der zweiten Generation sind unsere vier Großeltern (22).

Gehen wir mal bei einem heutigen Afroamerikaner vom schlimmsten Fall aus: Seine Vorfahren waren die ersten afrikanischen Sklaven, die im 17. Jahrhundert in die USA kamen: Wir gehen von 400 Jahren aus und rechnen drei Generationen pro Jahrhundert (je 33 Jahre) für männliche Linien und 3,5 Generationen pro Jahrhundert (je 29 Jahre) für weibliche Linien. Wenn wir zwölf Generationen zurückgehen, wären wir rechnerisch bei 8191 Vorfahren insgesamt und bei 4096 (212) Vorfahren der zwölften Generation. In Wirklichkeit sind es aber weniger Vorfahren. Die Ahnenforscher sprechen hier von Ahnenverlust.

Je weiter der Kunde den Verzweigungen seines Familienstammbaums in die Vergangenheit folgt, desto häufiger werden Personen mehrfach gezählt. Das liegt daran, dass solche Personen durch Verwandtenehen – bewusst (bei naher Verwandtschaft) oder unbewusst (bei weiterer Verwandtschaft), auf vielfache Weise die Vorfahren sind. Verwandtenehen sind umso häufiger, je kleiner die Gruppe der möglichen Heiratspartner ist.

Biologische Vorfahren und genetische Vorfahren

Die Vorfahren des Kunden haben jeweils ihre DNA-Abschnitte in die nächste Generation weitergegeben. Die DNA-Abschnitte von mehr als 99 % seiner Vorfahren sind im Laufe der Generationen aber verloren gegangen und haben es gar nicht bis in die heutige Generation geschafft. In dem Fall sprechen wir von biologischen Vorfahren. Die Vorfahren deren DNA-Abschnitte es in die heutige Generation geschafft haben machen weniger als 1 % aus und wir nennen sie genetische Vorfahren. Die genetischen Vorfahren in der mütterlichen (mitochondriale DNA) und väterlichen Linie (Y-Chromosom), die vor wenigen Hundert Jahren lebten, tragen ungefähr 0,1 % zu unserem Genom bei. Wie groß der jeweilige individuelle Beitrag des einzelnen Vorfahren zur DNA des Kunden aber ist (z. B. gemessen in Anzahl der Basenpaare), lässt sich nicht genau bestimmen, da uns die DNA dieses Vorfahren nicht vorliegt und wir sie nicht sequenzieren können.

Zusätzlich wird die genealogisch/geografische DNA-Analyse dadurch erschwert, dass manche Ethnien im Laufe ihre Geschichte nicht an einem Ort blieben, sondern gewandert sind. In welchen Regionen Westafrikas lebten diese Ethnien zurzeit des transatlantischen Sklavenhandels? In Westafrika haben sich in den letzten 400 Jahren stetig Populationen vermischt. Das genetische Profil einer afrikanischen Ethnie von heute muss nicht zwangsläufig mit dem dieser Ethnie vor 400 Jahren übereinstimmen. Seit dieser Zeit sind einfach sehr viele DNA-Sequenzen ausgetauscht worden, sodass es zwangsläufig binnen weniger Generationen zu Verschiebungen in dem für die Populationsgenetik wichtigen DNA-Abschnitten gekommen ist. Manche Ethnien von damals existieren heute vielleicht nicht mehr. Für gesicherte Aussagen bedarf es daher Datenbanken, die auch die genetischen Populationsprofile aus der Zeit des 16. – 19. Jahrhunderts enthalten.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass diese DNA-Tests dem afroamerikanischen Kunden nicht sagen können, wo genau in Westafrika seine vielen Vorfahren der 12. Generation vor 400 Jahren jeweils lebten. Sie können aber grob sagen, wie groß sein genetischer Verwandtschaftsgrad mit Menschen ist, die heute z. B. in Nigeria oder Senegal leben.

Who Am I? ‘The Real’ DNA Results

Archäogenetik und kulturelle Zahnfeilungen

Der Archäologe Hannes Schroeder vom Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen und der Genetiker Carlos D. Bustamante von der Universität Stanford fanden mittels DNA-Analyse7 heraus, dass drei afrikanische Sklaven, die zwischen 1660 und 1688 zusammen auf der Karibikinsel Saint Martin bestattet wurden, mit heutigen westafrikanischen Ethnien verwandt sind. [1]. Die zwei Männer und eine Frau, The Zoutsteeg Three, waren im Alter von 25 bis 40 Jahren gestorben und ihre Überreste 2010, im Rahmen von Bauarbeiten in Philipsburg, geborgen worden. Die Schneidezähne der drei Skelette zeigten kulturelle Zahnfeilungen, die typisch für westafrikanische Ethnien sind.

Die Wissenschaftler isolierten daher die extrem schlecht erhaltene DNA aus den Zahnwurzeln, sequenzierten die DNA8 und verglichen die Sequenzen mit DNA-Sequenzen aus Datenbanken zu elf westafrikanischen Ethnien. Die Forscher fanden heraus, dass einer der Männer von Bantu sprechenden Gruppen abstammt, die heute im Norden von Kamerun leben. Der andere Mann und die Frau sind mit nicht Bantu sprechenden Gruppen verwandt, die heute in Nigeria und Ghana leben.

Die Strontiumisotopenanalyse des Zahnschmelzs

Vor der Isolation der DNA aus den Zahnwurzeln hatte Schroeder am Zahnschmelz eine Strontiumisotopenanalyse durchgeführt, um herauszufinden, ob die Sklaven auf Saint Martin oder in Westafrika [2] geboren waren.

Aufbau eines menschlichen Zahns

Die Strontiumisotopenanalyse ist ein Teil der Stabilisotopenanalyse9. Die Stabilisotopenanalyse untersucht die Atome der „leichten“ Bioelemente wie Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C), Stickstoff (N), Sauerstoff (O) und Schwefel (S) sowie der „schweren“ Geoelemente Strontium (Sr) und Blei (Pb), die in der Natur als unterschiedliche Atomarten, die Isotope, vorkommen. Isotope eines Elements haben in ihren Atomen gleiche Protonen-, aber unterschiedliche Neutronenzahlen. Sie unterscheiden sich daher in ihrer Masse, verhalten sich aber chemisch fast gleich. Die stabilen Isotope (Stabilisotope) sind die Isotope eines chemischen Elements, die nicht radioaktiv sind, also nicht zerfallen, sondern dauerhaft erhalten bleiben. Das Mengenverhältnis der Isotope eines Elements ist regional unterschiedlich und stellt so was wie einen geochemischen Fingerabdruck dar.

Das Isotopenverhältnis des Erdalkalimetalls Strontium, das in Boden bzw. Gestein vorkommt, ist hauptsächlich abhängig von der mineralischen Zusammensetzung und dem Alter des Gesteins. Da die verschiedenen Gesteine in Alter und Chemie unterschiedlich sind, sind die Isotopenverhältnisse in den Gesteinen und den darauf entstehenden Böden ebenfalls unterschiedlich. Für die Isotopenverhältnisse des Strontiums gilt, dass in alten geologischen Formationen, z. B. der böhmischen Masse, ein wesentlich höheres Isotopenverhältnis vorliegt als in Gebirgen oder Ablagerungen jüngeren Datums, z. B. den Alpen. Für die Strontiumisotopenanalyse wird das Mengenverhältnis der Strontiumisotope 86Sr und 87Sr verwendet (87Sr/86Sr).

Pflanzen nehmen mit ihren Wurzeln das Strontium aus dem Boden als Mineral auf und speichern es in ihren Zellen. Der Mensch nimmt es beim Essen pflanzlicher Nahrung in seinen Körper auf und baut es in Zähne und Knochen ein.

Zahnschmelz wird – im Gegensatz zu Knochen – nach seiner Bildung nicht mehr erneuert und speichert das regionale Strontiumisotopenverhältnis zur Zeit seines Wachstums. Da der Zahnschmelz bis zum vierten Lebensjahr fertig ausgebildet ist, ist das Strontium darin besonders gut geeignet zu bestimmen, wo ein Mensch seine frühe Kindheit verbrachte.

Da die Schmelzbildung je Zahn schichtweise innerhalb von circa ein bis eineinhalb Jahren erfolgt und sich Zahnbildung und -durchbruch der verschiedenen Zähne über Jahre erstrecken, können durch die Analyse von Zahnschmelzproben von verschiedenen Positionen je Zahn und zwei bis drei Zähnen je Individuum die Veränderungen der Isotopenverhältnisse über mehrere Jahre verfolgt werden10. Es ist so möglich zu sagen, dass z. B. ein Mensch im Rheinland aufgewachsen ist und mit 14 Jahren in den Stuttgarter Raum zog.

Credit: By Kaligula [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons International benutzen Zahnmediziner das Zahnschema der Fédération Dentaire Internationale (FDI). Die Abbildung zeigt das Zahnschema für das Bleibende Gebiss: 11-18 oben rechts, 21-28 oben links, 31-38 unten links, 41-48 unten rechts, Prämolaren (Vormahlzähne) Molaren (Mahlzähne)

Die Strontiumisotopenverhältnisse des Zahnschmelzes ließen sich nicht mit einer Geburt in Saint Martin vereinbaren aber mit einer in Westafrika. Leider gelang es den Forschern nicht mit der Strontiumisotopenanalyse und den kulturellen Zahnfeilungen die westafrikanischen Herkunftsregionen der Sklaven genauer einzugrenzen. Sie griffen deshalb zur vorher beschriebenen genealogischen DNA-Analyse.

Mobility and Migration Strontium Isotopes

Die Wissenschaftler hätten zusätzlich die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff und Sauerstoff im Zahnschmelz analysieren können11. Am Verhältnis der Kohlenstoffisotope lässt sich ablesen, ob ein Mensch hauptsächlich C3-Pflanzen wie z.B. Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, die meisten Gemüse- und Obstarten oder C4-Pflanzen wie z.B. Mais oder Zuckerrohr aß. Wenn der Archäologe weiß, wo damals in Westafrika diese Pflanzen angebaut wurden, ist er einen Schritt weiter den Herkunftsort einzugrenzen.

Das Verhältnis der Sauerstoffisotope zeigt die Herkunft des Wassers in der Nahrung. Dieses Verhältnis ist abhängig von der mittleren Lufttemperatur und Entfernung der Wassereinzugsgebiete vom Meer, der topografischen Höhenlage, der geografischen Breite und der Niederschlagshäufigkeit. Am Kollagen aus dem Zahnbein (Dentin) können die Archäologen das Isotopenverhältnis von Schwefel bestimmen. Das Verhältnis der Schwefelisotope zeigt die Nähe zum Meer und gibt Hinweise auf den geologischen Untergrund.

Ich würde mich freuen, wenn Geochemiker eine auf Strontiumisotopenanalyse basierende Herkunftslandkarte Westafrikas erstellen würden. Das würde den Archäologen die regionale Einordnung ähnlicher Funde in Zukunft erleichtern.

Fußnoten

1. 20. August 1619 Auf einem niederländischen Schiff erreichen die ersten afrikanischen Sklaven Jamestown, Virginia.

2. Am 1. Januar 1808 trat ein Bundesgesetz in Kraft, mit dem der transatlantische Sklavenhandel verboten wurde. Illegal ging der transatlantische Sklavenhandel aber bis mindestens 1860 weiter. Am 31. Januar 1865 wurde der 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten vom Kongress verabschiedet. Mit dem am 18. Dezember 1865 ratifizierten 13. Zusatzartikel wurde die Sklaverei auf dem gesamten Gebiet der USA endgültig abgeschafft. Mississippi ratifizierte erst 1995 den 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Durch einen Verfahrensfehler trat dieser erst 2013 in Kraft. Somit wurde formal die Sklaverei 148 Jahre später als in den restlichen USA abgeschafft. Rechtliche Bedeutung hatte die späte Ratifizierung jedoch nicht, da ein Zusatzartikel zur Verfassung lediglich von drei Viertel aller Bundesstaaten unterzeichnet werden muss, um in Kraft zu treten.

3. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Autobiografie von Olaudah Equiano (1745-1797). Sie ist auf Deutsch erhältlich: Olaudah Equiano: Merkwürdige Lebensgeschichte des Sklaven Olaudah Equiano. ISBN 3-458-16073-6.

4. Die Amerikaner haben diesen Namen später falsch als Kazoola übertragen.

5. Es ist fraglich, ob das Dorf heute noch existiert.

6. Alternativ sendet der Kunde ein bestimmtes Volumen seines Speichels ein.

7. Da die DNA in einem schlechten Zustand war mussten die Forscher für ihre vergleichende DNA-Analyse eine spezielle, von Bustamante entwickelte, Methode benutzen. Die kommerziellen Biotechnologiefirmen benutzen diese Methode nicht.

8. Die DNA-Stränge, die sequenziert wurden, waren je 67 bp lang.

9. Die wichtigste Methode zur Bestimmung der Isotopenverhältnisse der Bioelemente in organischen Verbindungen ist die Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie (isotope ratio mass spectrometry = IRMS), mittlerweile mit der Möglichkeit einer simultanen Messung der C-, H-, N- und S-Isotopenverhältnisse. Der Materialbedarf für die Isotopenanalyse der Bioelemente liegt bei etwa 20 mg/Probe, für die Isotopenanalyse der Geoelemente werden zusätzlich 50–100 mg benötigt.

10. Am besten eignen sich für die Stabilisotopenanalyse ein Schneidezahn (21 oder 22 im FDI-Schema) und ein Mahlzahn (26, 27 oder 28 im FDI-Schema).

11. Bei der Laser Ablation Multicollector Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry (LA-MICP-MS), einer neuen Methode der Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie werden kleinste Mengen an biologischem Material mit einem Laser abgetragen, der nur winzige Spuren auf der Zahnschmelzoberfläche hinterlässt.

Weiterführende Literatur

[1] Schroeder H, Ávila-Arcos MC, Malaspinas AS, Poznik GD, Sandoval-Velasco M, Carpenter ML, Moreno-Mayar JV, Sikora M, Johnson PL, Allentoft ME, Samaniego JA, Haviser JB, Dee MW, Stafford TW Jr, Salas A, Orlando L, Willerslev E, Bustamante CD, Gilbert MT. (2015) Genome-wide ancestry of 17th-century enslaved Africans from the Caribbean. Proc Natl Acad Sci U S A, 112(12), 3669-3673. doi:10.1073/pnas.1421784112.

[2] H Schroeder, JB Haviser, TD Price (2014) The Zoutsteeg Three: Three New Cases of African Types of Dental Modification from Saint Martin, Dutch Caribbean. Int. J. Osteoarchaeol., 24, 688–696.

Sylviane Diouf. – Dreams of Africa in Alabama: The Slave Ship Clotilda and the Story of the Last Africans Brought to America

Der gestrichene Absatz der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung

The Trans-Atlantic Slave Trade Database

Die DNA-Weltkarte

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback:[SciLogs] Roots: Afrikanische Sklaven und ihre regionale Isotopensignatur

  2. Ein sozusagen sehr trockener, sachnaher Text, bei dem sich sozusagen jeglicher Humor im Kommentarischen verbietet, zumindest nicht nahegelegt scheint.
    Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund, lieber Herr Dr. Dramiga, schließt insofern sich dieser Anregung – ‘Ich würde mich freuen, wenn Geochemiker eine auf Strontiumisotopenanalyse basierende Herkunftslandkarte Westafrikas erstellen würden. ‘ – anzuschließen.

    MFG + weiterhin viel Erfolg,
    Dr. Webbaer

  3. Könnten Sie die Quelle nennen, in der beschrieben ist, wie die Delta-Werte von C und O mittels LA-MICP-MS bestimmt werden? Das ist sehr interessant, weil ich (und sicher viele andere auch) immer davon ausgegangen bin, dass mit ICP nur die schwereren Elemente bestimmt werden können. Nach meinem Kenntnisstand geht S gerade noch, aber C und O waren bisher nicht erreichbar, die mussten mittels Verbrennung (C) bzw. Pyrolyse (O) und Sektorfeld-MS bestimmt werden.

  4. Hätte man die DNA sämtlicher Afroamerikaner, könnte die genetische Ahnenforschung wohl entscheidend verbessert werden – vor allem für Afroamerikaner, die seit mehreren Generationen in den USA leben.
    Denn dann könnte man die jeweils nächsten noch lebenden Verwandten in den USA finden und damit über die gemeinsamen “Geschichten” die gemeinsame Herkunft viel besser rekonstruieren.
    Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass viele Afroamerikaner ihre entfernten Verwandten gar nicht kennen, zum Teil auch, weil es ja auch inneramerikanische Wanderungsbewegungen gab – beispielsweise vom Süden in den Norden. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Der Artikel Tales of African-American History Found in DNA erwähnt jedenfalls solche Wanderungsbewegungen und die Spuren, die sie in der DNA hinterlassen haben.

  5. Mich irritiert jetzt gerade, wie man anhand der Zähne im Alter zwischen 1-4 Jahren feststellen will, wenn man die Zähne deren Skelette entnimmt, die schätzungsweise 25-40 Jahre alt sind.

    Haben Afrikaner keine Milchzähne?

    Demnach kann man nur wissen, wo die gestorbenen ab etwa des Alters nach den Milchzähnen gelebt haben. Richtig? Also wo sie gebohren wurden, lässt sich nicht eindeutig erkennen.

    • Es wird nicht das Milchgebiss untersucht, das ist ja nicht mehr vorhanden, sondern das Dauergebiss. Mit der Analyse eines ersten Backenzahnes des Dauergebisses kommt man noch bis ins erste Lebensjahr zurück. Bereits bei der Geburt werden die Zahnkronen der ersten Backenzähne und der Frontzähne des Dauergebisses gebildet. Dieser Prozess dauert ca. bis zum dritten Lebensjahr. In diesem Zeitraum wird das Strontium in den Zahnschmelz des Dauergebisses eingelagert. Zwar brechen die ersten Backzähne des Dauergebisses erst mit ca. 6 Jahren durch, die Zahnkronen des Dauergebisses sind aber bereits vorher fertig mineralisiert und auch die Wurzeln haben sich gebildet. Das heißt, wenn bei einem Erwachsenen ein erster Backenzahn (oder auch ein Schneidezahn) erhalten ist, kann der Archäologe daran das Isotopenverhältnis des Strontiums bestimmen das während der ersten drei Lebensjahre aufgenommen wurde. Wenn man Proben von mehreren nacheinander angelegten Zähnen nimmt und Unterschiede zwischen den Isotopendaten findet, dann schließen wir daraus, dass der Mensch während der Kindheit an verschiedenen Orten wohnte.

      Schau Dir mal folgendes Video an.

      Entwicklung und Aufbau der Zähne

      Das mit dem Geburtsort lässt sich natürlich nur mithilfe des historischen Kontexts genauer eingrenzen und folgt dann einem Plausibilitätsargument.

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