Denkanstöße – Brauchen wir Gott? Zu E.Dahls Sammlung religionskritischer Texte

BLOG: Die Natur der Naturwissenschaft

Ansichten eines Physikers
Die Natur der Naturwissenschaft

Als ich den Titel "Brauchen wir Gott?" zum ersten Mal sah, vermutete ich, es würde in dem Buch um Grundbedürfnisse des Menschen gehen und darum, welche Rolle eine Religion dabei spielt. Die Lebenserfahrung lehrt einen ja mit der Zeit, dass jeder Mensch sich in einer Weltanschauung einrichtet, die ihm als Grundlage für seine Urteile und sein Handeln dient. Immer ist diese Weltanschauung stark durch die Herkunft und Erziehung geprägt, kann sich aber im Laufe des Lebens durch beeindruckende Erfahrungen und Einflüsse mehr oder weniger stark verändern. Meistens ruft ein Angriff auf dieses Weltbild zunächst vehemente Abwehrreaktionen hervor.
Die Frage, welche Rolle der Glaube an die Existenz eines übernatürlichen persönlichen Wesens in der heutigen Zeit dabei noch spielt, ist also wohl interessant, insbesondere auch weil heute die Religion selbst zum Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen geworden ist und etwaige Vorteile im Rahmen der Evolution diskutiert werden. Zwar ist es inzwischen Konsens in unserer Gesellschaft, dass die Religion eine private Angelegenheit ist, man begegnet aber vielen respektablen Leuten, für die dieser Glaube ein wesentliche Grundlage für ihre Weltanschauung und für den Sinn ihres Lebens ist. Andererseits gibt es auch genügend Beispiele für ein gelingendes Leben ohne solch einen Glauben, und bei den vielen ebenso respektablen dezidierten Atheisten, die man inzwischen kennt, spürt man nicht gerade, dass sie am Leben verzweifeln.

Also könnte man die Frage "Brauchen wir Gott?" schnell so beantworten: Manche brauchen ihn, manche nicht.

Offensichtlich ist es aber eine andere Frage, der man sich in diesem Buche widmet und die auch viele im Laufe der Geschichte seit der Aufklärung umgetrieben hat: Die Frage nach einer Begründung für den Glauben an einen Gott. In Bezug auf diese Frage stellt das Buch eine gute Übersicht dar über die Diskussion, wie sie von namhaften Religionskritikern und Atheisten heutzutage geführt wird. Die Beiträge sind, bis auf wenige Ausnahmen, betont sachlich gehalten, so dass sich auch ein Religiöser an diese Lektüre wagen kann, ohne zu sehr emotional aufgeladen zu werden. Es ist übersichtlich nach den Themen gegliedert, die für eine solche Begründung herhalten müssen und immer noch am besten durch Kant vorgegeben wurden: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht,[…]:der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir". Die Natur und das Zusammenleben bewusst handelnder Menschen also, beides komplexeste Systeme, die für die Menschen unergründlich scheinen und ihn seine Begrenztheit spüren lassen: Das waren stets und das sind immer noch die Steine des Anstoßes, für Grübeleien, religiöse und philosophische Entwürfe wie auch für die Wissenschaft.

 

 

So nehmen diese beiden Themen und die Analyse der in diesem Rahmen entstandenen Argumente für die Existenz eines Gottes einen großen Teil des Buches ein, wobei aus guten Gründen der christlichen Ethik und Moralbegründung besonderer Raum gegeben wird. Zum einen diente das Gespür für Moral bei manchen Philosophen als Beweis für die Existenz Gottes, zum anderen wurde und wird heutzutage sogar noch mitunter behauptet, Gläubige seien die besseren Menschen. Die Kirchen in Deutschland werden heute zwar von manchen immer noch als Experten für Moral und besseres Leben angesehen, ihre Autorität in diesen Dingen schwindet aber immer mehr. Ihre Sexualmoral wird einfach ignoriert und in den Missbrauchsfällen zeigte sich besonders deutlich, dass das säkulare Gespür für moralisches Handeln schon weiter entwickelt ist als das der Kirchenvertreter: Schutz der Institution hat nicht den Vorrang vor der Sorge um die Opfer. Die Normenbegründung ist heute ein rationales Unternehmen, wir können und müssen auch moralische Probleme ohne Berufung auf einen Gott lösen. Ja, unsere Sensibilität für Moral führt dazu, jene moralischen Entscheidungen geringer zu achten, die nur aus Gefolgschaft eines göttlichen Gebots und nicht aus eigener Einsicht getroffen werden.

Der Schluss von der Betrachtung der Natur auf einen Schöpfergott wird weniger ausgiebig behandelt: Ein wohltuend emotionsloser Beitrag von dem sonst sehr streitlustigen Richard Dawkins über die Evolution und ein ebenso kluger Beitrag von Bernulf Kanitscheider über die Feinabstimmung des Universums reichen eigentlich auch, denn mit den physikalischen Theorien seit Galilei hat selbst die katholische Kirche inzwischen ihren Frieden geschlossen, ebenso mit der Tatsache, dass sich der Mensch durch Evolution aus dem Tierreich entwickelt hat. Die Antwort des französischen Mathematikers Pierre-Simon Laplace auf die Frage von Napoleon, wo denn in seinem Modell über die Natur Gott geblieben sei: "Diese Hypothese habe ich nicht benötigt", ruft kein Entsetzen bei den Religiösen mehr hervor. Aufgrund der unbestreitbaren Erfolge hat man diesen methodischen Atheismus in der Naturwissenschaft allgemein akzeptiert.

Man glaubt dann dieser aber ständig Grenzen zuweisen zu müssen. So geht der Streit heute darum, was alles zur Natur gehört, was also naturalistisch erklärt werden kann. Das zeigt sich aktuell an der Frage, wie unser Bewusstsein entstanden und zu erklären ist. Papst Johannes Paul betonte noch 1966 bei seiner Anerkennung der Evolutionstheorie, dass "Ansätze, die den Geist oder die Seele als Produkte der Materie betrachten, mit der Wahrheit unvereinbar" seien. Abgesehen davon, dass die Materie in der Naturwissenschaft längst nicht mehr als Grundsubstanz angesehen wird sondern nur noch als eine bestimmte Form der Energie, scheint die katholische Kirche hier wieder in eine auf die Dauer unhaltbare Position zu rennen. Aber die ultimative, unanfechtbare, weil dem Nachprüfbaren gänzlich entzogene Position ist schon erkennbar: "Gott schafft die Dinge so, daß sie ermächtigt sind, bei ihrer eigenen Entwicklung mitzuwirken" so steht es im katholischen Katechismus von 1995, will dabei aber Gott auch nicht tatenlos zusehen lassen, und formuliert deshalb etwas weiter: "Dabei wirkt Gott nicht nur am Anfang, um dann die Entwicklung sich selbst zu überlassen. Er hält die Wirklichkeit ständig im Sein, und er trägt und leitet sie auch in ihrem Werden."  

Natürlich darf die Theodizee in einem solchen Band nicht fehlen, Norbert Hörster klopft alle möglichen Lösungsvorschläge auf ihre Schlüssigkeit ab und kann, wie alle anderen auch, keine als befriedigend erkennen. Auch wird, von Hartmut Klimt, die Frage diskutiert, wie es die Gläubigen mit der Toleranz halten, wie die Kirchen die öffentliche Meinung zu beeinflussen suchen und was sie dabei von anderen gesellschaftlichen Gruppen unterscheidet.

Am bedeutsamsten scheinen mir aber zwei Beiträge zu sein, der Beitrag von Gerhard Vollmer mit dem Titel "Bin ich ein Atheist?", weil er eine überaus klare und stringente Übersicht über das ganze Problem gibt, und der Beitrag von Hans Albert über "Formen des religiösen Pragmatismus", weil dieser meines Erachtens die Richtung angibt, in der man einer Antwort auf die Frage "Brauchen wir Gott" näher kommt.

Der Beitrag von Gerhard Vollmer, der mit gutem Recht der erste des ganzen Buches ist, klärt zunächst einige relevante Begriffe wie Theist, Atheist, Agnostiker. Dann sichtet er alle Belege, die für die Existenz eines persönlichen Gottes sprechen sollen. Er konzediert, dass es zwingende Beweise für oder gegen die Existenz eines solchen Gottes nicht gibt, erwartet daher höchstens einleuchtende Argumente, findet aber alle, über die er kurz und prägnant berichtet, nicht überzeugend, so dass er im letzten Satz die im Titel gestellte Frage "Bin ich ein Atheist" bejaht.

Festzuhalten ist, dass er hier alle, die nicht an einen persönlichen Gott glauben, als Atheisten bezeichnet, also auch solche, die sich lediglich auf einen Glauben an ein den Menschen nicht begreifbares Prinzip einlassen oder Natur und Gott bzw. Wirklichkeit und Gott in eins sehen, also in irgendeinem Sinne Pantheisten oder ganz allgemein Deisten sind. In dem Sinne wäre die oben beschriebene ultimative Rückzugsposition der katholischen Kirche, allein für sich betrachtet, auch mit einem Atheismus verträglich.  
Diese Analysen der Argumente für die Existenz eines persönlichen Gottes sind alle nicht von der Hand zu weisen, und jeder, der unbefangen an die Sache heran geht, wird diesen Analysen zustimmen können. In der Tat, der säkulare Staat lebt genau in dieser Überzeugung. Ein Wirken übernatürlicher Kräfte oder Mächte wird nicht anerkannt, in Ethikkommissionen spielen Theologen nur noch untergeordnete Rollen und in allen neuen Fragen der Moral gibt es eine Diskussion, in der zwar heftig gestritten wird, in der die Kirchen zwar gehört, aber nicht mehr das Sagen haben. Das Ansinnen, Argumente zu akzeptieren, die allein aus einem bestimmten religiösen Bekenntnis folgen, wird zurück gewiesen.  

Das heißt aber nun nicht, dass sich ein Gläubiger heutzutage in größten Zweifeln befinden muss. Er wird sagen, sein Glaube werde aus ganz anderen Quellen gespeist, es sei die erlebte und ihn im Leben tragende religiöse Praxis, die ihn sicher macht und ihm Halt in seinem Leben gibt.

Genau diese Haltung spricht Hans Albert in seinem Beitrag an. Zwar folge aus allen Argumenten, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass es einen persönlichen Gott gibt, richtig sei aber auch, dass man letztlich weder die Existenz noch die Nichtexistenz eines solchen Gottes beweisen kann und dass die meisten heute deswegen ganz pragmatisch den "Nutzen eines Gottesglaubens für das Leben" in den Vordergrund stellen. Er untersucht die Argumentation dreier großer Vertreter dieser Auffassung, Pascal, Kierkegaard und James. Alle drei verneinen total die Möglichkeit einer rationalen Begründung der Frage nach einem Gott, auf die Wahrheit komme es auch gar nicht an. Auch der zeitgenössische Philosoph Hermann Lübbe interessiert sich gar nicht für das erkenntnistheoretische Problem, sondern geht einfach davon aus, dass der Mensch ohne Religion nicht leben kann, dass also alle Diskussion um ein rationale Begründung ins Leere geht. Diese Haltung setzt Albert zunächst entgegen, dass man auf diese Weise mit allen Glaubensinhalten verfahren kann. Das ist evident, leider aber haben sich die meisten Religiösen einen solchen Standpunkt, der Toleranz viel leichter macht, noch nicht zu eigen macht. Er betont aber auch, dass die Frage nach der Wahrheit eigentlich nicht nebensächlich sein kann, wenn sie Basis für eine Lebensbewältigung und Praxis sein soll, und hält eine Ausklammerung einer rationalen Begründung für nicht möglich.

Hier kann ich Hans Albert nicht folgen, meine Lebenserfahrung spricht schlicht dagegen. Intellektuelle Konsistenz des Weltbildes ist für viele nicht der höchste Wert, die meisten haben vermutlich noch nie an so etwas gedacht. Das gilt für Religiöse wie für Nichtreligiöse. Für eine Lebensberatung braucht man keinen Logiker oder Philosophen, den gönnt man sich höchstens, wenn man schon gut zu leben weiß.  

Die Beobachtung, dass die Konfrontation mit einer anderen Weltanschauung immer zunächst als störend empfunden wird, und zwar umso mehr, je weniger man sich seiner eigenen sicher ist, weist darauf hin, dass es etwas geben muss, was ein jeder Mensch wirklich braucht, dass dieses aber, da gelingendes Leben mit und ohne Religion möglich ist, ein noch stärkeres Bedürfnis sein muss als der Glaube an ein übernatürliches Wesen, noch stärker verankert in unserem Wesen und eingeprägt durch die Evolution: Ich nenne es "Geborgenheit". In der Geborgenheit empfindet man Sicherheit, Akzeptanz und Anerkennung, alles Streben nach Vertrauen, Verständnis, Liebe und menschlicher Wärme kann als ein Streben nach Geborgenheit gesehen werden. Das Wissen, einer Gemeinschaft anzugehören und von ihr akzeptiert und geachtet zu werden, zu lieben und geliebt zu werden, eine "Behausung", eine Heimat zu haben, das alles trägt zu einem Gefühl der Geborgenheit bei, wie auch ein Weltbild, bei dem man "mit sich im Reinen" ist. Der Psychologe Hans Mogel von der Universität Passau bezeichnet Geborgenheit als das zentrale Lebensgefühl, als Grundvoraussetzung für jede Kulturentwicklung. Kinder können ohne die Erfahrung von Geborgenheit kaum eine stabile Persönlichkeit entwickeln und auch schon bei höher entwickelten Tieren beobachtet man dieses Bedürfnis. Geborgenheit bei der Aufzucht des Nachwuchses ist offensichtlich ein Reproduktionsvorteil, das Streben danach wird somit evolutionär belohnt.

Die Religion und die damit einher gehende Praxis können eine besonders starke Quelle für das Gefühl von Geborgenheit sein. Religiöse Lieder und Gedichte sind voll von Trost und Ermutigungen wie "Gott liebt Dich", "Du bist geborgen in den Händen des Unsichtbaren und bist sicher, niemals aus Gottes liebender Hand herausfallen zu können." In den Predigten wird fast immer nur das Gefühl der Geborgenheit gestärkt, ganz selten werden theologische Fragen angerissen. Leute, die nach einer religiösen Bindung suchen, wählen die Glaubensgemeinschaft aus, in der sie menschlich am besten angenommen fühlen, nicht danach, welches Gottesbild diese Glaubensgemeinschaft vertritt.  Theologen wie Atheisten mögen noch so viel lästern über die Leute, die eine "Kuschelreligion" suchen, diese befriedigen ein Grundbedürfnis nur direkter und ohne Umschweife. Natürlich muss man dafür auch etwas geben, wie das im Lied: "Fest im Glauben stehen und Gott treu dienen, so sind wir behütet und getragen in Gottes Hand" thematisiert wird.
Dieses Streben nach Geborgenheit hat auch seine Schattenseiten. Machthunger kann daraus entstehen, übermäßiges Sicherheitsbedürfnis, insbesondere Intoleranz. Jede Information, jedes Argument, das zum Weltbild nicht passt, stört die Geborgenheit, und da dieses ein so starkes Bedürfnis ist, sind die Abwehrreaktionen oft so heftig. Deshalb die Verfolgungen Andersgläubiger, die Unterdrückung von Kritikern, nicht nur in religiösen Gruppierungen.

Mit Absicht hat der Herausgeber wohl den Beitrag von Peter Singer an den Schluss gestellt. Der Titel seines Beitrags "Je mehr wir für andere leben, desto zufriedener leben wir" hält eine Quintessenz bereit: Wie immer man auch ein genügendes Maß an Geborgenheit erreicht, ob man glaubt oder ob man nicht glaubt, ob man sich den Sinn des Lebens vorgeben lässt oder ob man versucht, dem Leben selbst einen Sinn zu geben: Bedeutung hat doch eigentlich nur, ob man Schmerzen und Leiden anderer Wesen in der Welt verringert, "die Dinge ein klein wenig in die richtige Richtung" bewegt".
Das Vergnügen, das man aus rein selbst bezogenen Aktivitäten zieht, ist dagegen unbedeutend.

Veröffentlicht von

Josef Honerkamp war mehr als 30 Jahre als Professor für Theoretische Physik tätig, zunächst an der Universität Bonn, dann viele Jahre an der Universität Freiburg. Er hat er auf den Gebieten Quantenfeldtheorie, Statistische Mechanik und Stochastische Dynamische Systeme gearbeitet und ist Autor mehrerer Lehr- und Sachbücher. Nach seiner Emeritierung im Jahre 2006 möchte er sich noch mehr dem interdisziplinären Gespräch widmen. Er interessiert sich insbesondere für das jeweilige Selbstverständnis einer Wissenschaft, für ihre Methoden sowie für ihre grundsätzlichen Ausgangspunkte und Fragestellungen und kann berichten, zu welchen Ansichten ein Physiker angesichts der Entwicklung seines Faches gelangt. Insgesamt versteht er sich heute als Physiker und "wirklich freier Schriftsteller".

24 Kommentare

  1. Danke

    Danke – ganz Ihnen entsprechend: klar in der Linie und ohne Furor.
    An der “Geborgenheit” und an der “Kuschelreligion” könnte man ja mal weiter denken. Müsste es wohl auch. Ich empfinde es als Denk-Herausforderung – für “Theologen wie Atheisten”. Also auch für mich. Danke!

  2. Wahre Worte

    “Intellektuelle Konsistenz des Weltbildes ist für viele nicht der höchste Wert, die meisten haben vermutlich noch nie an so etwas gedacht.” Das ist ebenso erstaunlich wie wahr!

  3. Zwar ist es inzwischen Konsens in unserer Gesellschaft, dass die Religion eine private Angelegenheit ist

    Ach, ist das so? Dem kann ich nicht zustimmen. Es hätten gerne einige Leute, daß es so wäre.

    Andererseits gibt es auch genügend Beispiele für ein gelingendes Leben ohne solch einen Glauben, und bei den vielen ebenso respektablen dezidierten Atheisten, die man inzwischen kennt, spürt man nicht gerade, dass sie am Leben verzweifeln.

    Das ist nicht – ich spreche jetzt mal nur fürs Christentum – das Kernanliegen. Kernanliegen ist, daß dem Menschen ohne Gott das Gegenüber fehlt und daß die Sünde eine Beziehung zum Schöpfer verhindert. Für die Sünde ist Jesus, der ohne Schuld war und somit für die Sünde anderer sterben konnte, am Kreuz gestorben und seitdem ist die Sünde kein Hinderungsgrund mehr. Jetzt liegt es am Menschen, ob es mit Gott in Beziehung treten will und Vergebung für sein Schuld erlangen will. Das ist der Kern des Christentums. Wer bin ich (Ebenbild Gottes), wie bekomme ich meine Schuld weg (durch Glaube an die Vergebung), was kommt nach dem Tod (Erlösung für die Gläubigen).

    Das gelingende Leben hier auf Erden, ist eigentlich ein Randthema. Jesus sagte sogar einmal, wenn dich ein Auge oder eine Hand zur Sünde verführt, dann reiß das Auge aus oder hacke die Hand ab, denn es ist besser einäugig oder einhändig ins Himmelreich einzugehen als gar nicht. Das ist natürlich nicht wörtlich zu verstehen, sondern ein Bild, aber es verdeutlich den Stellenwert des irdischen Lebens. Mit der Ewigkeit im Blick relativiert sich das Leben hier etwas.

    Diese Sichtweise ist in unserer materialistischen Welt nicht unbedingt Mode, auch bei einigen Christen nicht, denn wir sind alle Kinder unserer Zeit, aber der Kerninhalt des Christentums ist nunmal keiner Mode unterworfen.

  4. @ Huhn

    Und genau dieses Christentum, das Sie hier beschreiben, hat Menschen bestenfalls neurotisch gemacht, schlimmstenfalls in den Wahnsinn getrieben.
    Sünde, Schuld, erlösende Blutstropfen, Lohn -und Zahlmeister in einer Hinterwelt, Verachtung des Körpers und der Sexualität in Hinblick auf eine “schöne Seele”. Ein solches Christentum soll mit zeitlebens ferne bleiben! Aber wer sagt denn, daß die Bibel zu Ende geschrieben ist? Wer sagt denn, daß Kant, Schopenhauer und Nietzsche nicht auch ihren Beitrag zur Bibel geleistet haben? (um nur einige zu nennen)

  5. @ Hilsebein

    Und genau dieses Christentum, das Sie hier beschreiben, hat Menschen bestenfalls neurotisch gemacht, schlimmstenfalls in den Wahnsinn getrieben.
    Sünde, Schuld, erlösende Blutstropfen, Lohn -und Zahlmeister in einer Hinterwelt, Verachtung des Körpers und der Sexualität in Hinblick auf eine “schöne Seele”.

    Das Christentum, was ich meinte, ist nicht leibfeindlich (wiewohl es eine Sexualethik hat), da muß man sich nicht durch gute Werke selbst erlösen (geht ja auch gar nicht), da muß man sich nicht selbstkasteien, um sich die Himmelreich zu verdienen (auch das ist ein hoffnungsloses Unterfangen).

    Das Christentum, was ich meine, da glaubt man, da begegnet man dem gnädigen Gott und dieser offenbart sich einem in seiner Liebe. Da wird man durch den Glauben in eine neue Freiheit geführt.

    Ich müßte wesentlich weiter ausholen, um über Sünde, Schuld, Vergebung, Gericht Strafe, etc. zu schreiben und es richtig einzuordnen, aber dazu werde ich nicht kommen und hier ist wohl auch nicht der rechte Ort dafür.

    Finde ich immer wieder sehr schade, was viele für das Christentum halten. Man sollte sich mehr diesen Jesus anschauen, anstatt die Verfehlungen der Kirche, dann bekommt man auch ein besseres Verständnis, was Christentum eigentlich ist.

  6. @Stefan Taube

    Ich bin eigentlich sehr froh, dass Menschen nicht zuerst nach intellektueller Konsistenz des Weltbildes fragen, wenn sie etwas tun und erfahren. Denn nicht nur Religion, sondern auch z.B. Musik, Kunst, Sport, Liebe (etc. pp.) beziehen ihre Dynamiken ja gerade aus ihren Inkonsistenzen. Wer Familien gründet, neue Musik entwirft, Kunstwerke schafft, in großen Teams Lederbällen hinterrennt etc. wird dies selten nur rational begründen können. Letztlich wäre ein unbelebtes Universum viel konsistenter, rationaler und berechenbarer als ein belebtes – ich bin aber schon froh, dass das Unsere dynamisch und “nach oben offen” ist. 🙂

    Zum Vgl. hier den schönen Beitrag über Emergenz:
    http://www.chronologs.de/…ik/2010-06-21/emergenz

  7. Gelingendes Leben Ewigkeit @ Huhn

    „Gelingendes Leben hier auf Erden“ versus Ewigkeit? Ja und Nein.
    Sicher, es ist in den letzen Jahren in „Mode“ gekommen, den Wert des christlichen Glaubens daran zu messen, wie er zu „gelingendem Leben“ verhilft. Es gab schon gegenteilige Töne: „In der Welt der Welt entfliehen“. Aber auch das war, wenn man so will, eine „Mode“. Bei Jesus und im Neuen Testament gibt’s die Dialektik zwischen beidem. Man kann manches seiner weltverneinenden Worte auch verstehen wie manchen philosophischen Rat: Wer zu sehr nach Glück giert, verdirbt es. Oder: Auch wenn man euch alles aus der Hand schlägt, ihr habt noch den Lohn im Himmel – also: jetzt Kopf hoch.
    Oder wenn Paulus sagt: Ich zähme meinen Leib – leibfeindlich oder das, was auch ein Sportler sagen könnte? Manche christliche Askese, die womöglich sogar leibfeindlich gedacht war, hat auch schon ganz praktischen gesundheitlichen Nutzen gehabt.
    Gar nicht immer so leicht zu entscheiden. Oder eben dialektisch zu verstehen. Aber ich will hier das naturwissenschaftliche Blog nicht überfrachten, überfremden.

  8. Nicht nur Kuschelreligion

    Doch noch etwas: Nicht NUR Kuschelreligion. Das “Fest im Glauben stehen und Gott treu dienen” weist auf Weiteres: Engagement und das Gefühl “Du bist ihm nötig”, damit was gelingt. Erfüllung nicht nur im Spaß, im Angenehmen, sondern Erfüllung auch: durch Widerstände hindurch sich bewähren. Die Bandbreite ist sicher groß. Na, ohne eine Form der Befriedigung geht’s wohl nicht, selbst in der von @Martin Huhn angesprochenen Weltentsagung.

  9. Wort zum Sonntag

    Bei alle positiven Aspekten der Religionen (Geborgenheit, soziale Normen usw.)sollte nicht übersehen werden, daß alle Diskussionen in unserem Sprachraum sich hauptsächlich mit der Existenz eines sehr spezifischen Gottesbildes beschäftigen, eines Gottes, der sich vor Jahrtausenden einem Nomadenführer (Abraham) in sprachlicher Form „offenbarte“, worauf hin Abraham von seinem Stamm die Beschneidung aller Männer als „Bund mit Gott“ verlangte und beinahe seinen Sohn ermordete.
    Der nächste „Prophet“, dem dieser israelitische Gott sich in der Wüsteneinsamkeit in sprachlicher Form offenbarte, war Moses, der daraufhin die Hebräer aus Ägypten in das Land Kanaan führte und dabei ganze Völker umbrachte.
    Moses konnte schreiben und hinterließ den Hebräern nicht nur die „zehn Gebote“, sondern ein umfangreiches Gesetzeswerk, das nach dem „offenbarten Willen Gottes“ von ihm niedergeschrieben wurde.
    Der gleiche, sprachfähige Gott wird von Jesus als „Gott-Vater“ proklamiert und der gleiche, sprachfähige Gott brachte Mohammed zur Fassung des Korans, der angeblich die direkten Worte Allahs wiedergibt.

    Das größte, unantastbare Heiligtum der drei abrahamitischen „Offenbarungsreligionen“ sind deshalb die „Worte Gottes“, die Bibel und der Koran.
    Geht man der Frage nach, warum gerade diese drei Religionen sich weltweit verbreiten konnten, so kann die Betrachtung ihrer Religionsstifter und Gesetzgeber einen wichtigen Hinweis geben.

    Abraham, der auf Grund einer „göttlichen Stimme“ seine Heimat verließ, wird von den Religionen als Vorbild für den Gehorsam gegenüber Gott verehrt, weil er auf göttlich Anweisung auch seinen Sohn umbringen wollte.
    Mit Moses kommt eine schizophrene Eigenart in die religiöse Gesetzgebung.
    Moses kommt mit den „göttlichen“ Geboten, unter anderem: „Du sollst nicht töten!“, aber er läßt in einer Nacht dreitausend Stammesmitglieder abschlachten,
    weil sie ein Fest mit Musik und Tanz um ein goldenes Kalb feierten.
    Bei weiterer kritischer Lektüre des Alten Testamentes sieht man Moses als gemeinen, hinterlistigen Massen- und Völkermörder, immer im Namen eines Gottes, der das 5. Gebot von seinen „Schafen“ fordert, aber selbst zügellos tötet.

    Moses mit Adolf Hitler zu vergleichen, ist gar nicht schwer: Beide Massenmörder versprachen ihrem „auserwählten Volk“ neuen Lebensraum und schufen strenge Rassengesetze mit Verbot der Mischehe und der Tötung Andersgläubiger.

    Unausgesprochen steckt damit im Kern der Offenbarungsreligionen eine ideale Grundlage für Diktaturen: abrahamitische Gehorsamkeit und die mosaische „schizophrene“ Handhabung von Gesetzen, die vom Volk einzuhalten sind, aber in „Gottes Namen“ von den Gesetzgebern willkürlich gebrochen werden dürfen.

    Der letzte Prophet, der eine göttliche Stimme zur Formulierung von brutalen Gesetzen vorgab, war Mohammed.

    Aus den letzten tausend Jahren sind sprachliche Äußerungen eines Gottes nicht
    mehr anerkannt. Wohl gibt es immer wieder Menschen, die innerliche „göttliche“ Stimmen hören, aber heute gibt man sie eher in die Obhut von Psychiatern und
    läßt sie nicht als „Führer“ oder Gesetzgeber wirken.

    Dessen ungeachtet werden von den drei Religionen die mörderischen „Propheten“ und ihre göttlichen Stimmen als geistige Grundlage einer Sklavenmoral hoch verehrt.
    Wenn ein sprachfähiger Gott nicht als krankes Hirngespinnst von Psychotikern gesehen werden will, soll er sich mal eine Webseite zulegen 🙂

    S.R.

  10. @ Aichele

    Ich habe nicht gesagt, daß das Leben hier auf Erden unwichtig ist. Ich habe nur die Reihenfolge geordnet.

    Und gelingendes Leben, da könnte man auch lange diskutieren, was das eigentlich sein könnte.

  11. @Aichele

    Auch Sie haben ja in Ihrem Blog zu dem Buch die “Intellektuelle Konsistenz” gegen die Aspekte eines praktischen Lebensvollzugs abgewogen und vieles erwähnt, was Geborgenheit vermittelt. Ich glaube auch, dass in der Evolution “Intelektuelle Konsistenz” im Hinblick auf ein Weltbild und “letzte Fragen” nicht besonders wichtig war, sondern eben eher Geborgenheit (siehe Aufzucht des Nachwuchses). Das Hinterfragen traditioneller Vorstellungen ist wohl eine ziemlich späte Erscheinung in der ganzen Entwicklung der Menschheit.

  12. Danke für die Info vorweg, ich bin ja überzeugter “radikal Agnostiker” doch bin gerne offen für sachliches und fundiertes.

    hoffentlich ist es in ein paar Tagen da.. …mir geht der Lesestoff wiedermals aus.

    Besten Dank nochmals aus Heilbronn.

  13. Gelingendes Leben vs Ewigkeit @Huhn

    Ja, Martin Huhn, was gelingendes Leben ist – darüber könnte man wirklich lange diskutieren. Im Grunde ist dies das Thema, seit es Menschen gibt. Und Religionen sind eben der Ort, an dem es zu Tage trat. . Im Grunde genommen ist die Frage nach Gott immer eine Frage nach dem, was wir als Menschen sind und uns als Menschen gelingt – Bultmann: nach unserem menschlichen Selbstverständnis.
    Die Reihenfolge? Ihre denkerische Ausformulierung und ihre geglaubte Gewichtigkeit sagt noch nichts über die wirkliche Gewichtung. Da scheinen wir eher eine Gegenposition zu haben
    Aber auch ich habe was dagegen, wenn manche religiöse Werbung nur auf der Wellness-Welle schwimmt und tiefer gehende Fragen ausblendet oder sie bloß als flotten Aufhänger benützt: Ach, wie glücklich behütet, geborgen… fühle ich mich, seit ich weiß, dass Jesus auferstanden ist. Das ist modisch billig. Nur, darauf wollte ich auch darauf aufmerksam machen, dass andere Trends eben auch ihre modischen Anteile haben.

  14. Evolutionäre Erkenntnistheorie @J.Honerkamp

    Ja, Herr Honerkamp, da mit der „intellektuellen Konsistenz“ sind wir wohl an entscheidenden Weichensstellungen. Dabei ist’s meinerseits so, dass ich vor Jahren mal die „Evolutionäre Erkenntnistheorie“ von G.Vollmer las. Aber sie ist mir nicht so gegenwärtig, dass ich jetzt in meinem Beitrag zu scharfe Schlussfolgerungen hätte formulieren wollen – sie etwa Gerhard Vollmer selber süffisant unter die Nase halten. Deshalb nur die vorsichtige Anmahnung, man könne ja auch zu der hier debattierten Frage diese Evol.Erkenntnistheorie „noch einmal anschauen“.
    UND hier eben auch die durchaus ernst gemeinte Anfrage, ob jemand das begrifflich klar darzulegen bereit ist.
    Es geht ja bei der Frage nach Gott/Göttern (zwar auch aber) nicht nur um Geborgenheit, sondern auch um moralisches, individual- und gruppenpsychologisches Orientierungswissen (oder Weisheit oder Anweisungen) – eben um Umgang mit allen möglichen Wechselfällen des Lebens – wohl klassische Beispiele für die Evol.Erk.Theorie. Deshalb auch in dem Buch die ausführliche Auseinandersetzung mit der Theodizee. Sicher vergleichsweise wenig um Kosmologie, an der sich eine gewisse Diskussion festbeißt (Kreationismus, anthropisches Prinzip – und auch die gehabte Diskussion um Geist und Materie!).

    Ja, gerade die letztgenannten Punkte zeigen: Die Theologie hat ja auch Weichen gestellt. In der jüdisch-christlichen Tradition bereits die Begegnung mit der griechischen Philosophie (kaum mit der griechischen Religion). Ohne diese wäre sie im Niveau vielleicht gewaltig gesunken. Mit dieser hat sie sich aber auch in Fragen festgebissen, die sehr lebensfern sind: die Ausformulierung der altkirchlichen Dogmen, die Tradition der Gottesbeweise. Letztere haben zwar das philosophische Denken des Abendlandes gewaltig angetrieben (siehe den Hinweis ausgerechnet von Hans Albert in seinem Buchbeitrag!); aber den „normalen“ Glauben auch auf falsche Geleise geführt: Die Gotteswette Pascals halte ich noch immer für fatal – denkerisch und seelsorgerlich. Aber nicht die Atheisten, die sich daran festbeißen, sind an der falschen Weichenstellung schuld.
    Na ja, alles ambivalent. Das haben Weichenstellungen so in sich.
    Nun, ich meinte ja mal, ich wolle Ihr naturwissenschaftliches Blog nicht unverhältnismäßig theologisch überfrachten. Aber bei dem gemeinsamen Thema und doch ähnlichen Beobachtungen… Deshalb jetzt da Schluss; aber vielleicht begegnen wir uns so noch öfters. Gerne.

  15. @ Aichele

    Im Grunde genommen ist die Frage nach Gott immer eine Frage nach dem, was wir als Menschen sind und uns als Menschen gelingt – Bultmann: nach unserem menschlichen Selbstverständnis.

    Was soll mir das sagen? Der gemachte oder der gedachte Gott?
    Naja, und was Bultmann so von sich gegeben hat, damit beschäftige ich mich schon lange nicht mehr. Jesus Auferstehung geschieht durch die Verkündigung. Jaja, im Glauben sollen wir wandeln, nicht im Schauen. Ich mag das nicht, wenn Menschen aus ihren Glaubenszweifeln eine ganze Theologie basteln.

    Die Reihenfolge? Ihre denkerische Ausformulierung und ihre geglaubte Gewichtigkeit sagt noch nichts über die wirkliche Gewichtung. Da scheinen wir eher eine Gegenposition zu haben

    Was ist denn die wirkliche Gewichtung? Wie kann ich denn in Erfahrung bringen, wie Gott wirklich gewichtet? Ändert sich die Gewichtung in Abhängigkeit von der Zeit? Muß jede Generation neu herausfinden, wie Gott nun in ihrer Zeit gewichtet? Waren die Deutschen Christen, ganz fromme gottergebene Gläubige oder waren sie Mitläufer, die sich der Welt gleichgestellt haben, so wie es auch heute womöglicherweise eventuell den ein oder anderen geben könnte, der Mitläufer ist und sich der Welt angleicht. Ausschließen möchte ich das nicht. Oder ist es gar unterschiedlich von Mensch zu Mensch, als ob jeder in seinem eigenem Parallelunversum lebt? Oder gibt es vielleicht doch allgemeingültige Aussagen? Gibt es die Wahrheit? Oder gibt es nur Moden?

  16. Brauchen wir Gott?

    Gott braucht uns die Lebenden – wer sonst sollte seine Existenz wahrnehmen? Guter Gott – böser Gott, gnädig, barmherzig, gewaltig – er kann nicht unterscheiden zwischen den Gewalttaten im Kosmos, wenn ein Stern den anderen schluckt – oder wenn eine Rose im Frühling erblüht. Ist es daher nicht für Wesen, die eine Sinnempfindung haben – den Kosmos und den kleinsten Kern darin als “Göttlich” zu empfinden. Eine Gott als solcher ist Teilmenge des Göttlichen und daher sein Bestandteil:

    Gott:

    Nun Glaubender, ich bin zwar freudig, dass du dich intensiv mit mir beschäftigst, aber glaube mir:
    Du wirst mich nie ergründen können –

    Und so ist es recht.

    Ich bin der jenige der dir Lebendiges zu kommen lässt – Mensch-, aber ich bringe dir auch den Tod.

    Ich habe die Welt erschaffen – und ich werde sie wieder in sich zusammenfallen lassen.

    Ich habe dir Mensch eine Eigenschaft gegeben, die ich nicht besitze. Erkenntnis.

    Du kannst erkennen – und damit meine Gesetze lesen und deuten.

    Das nennst du Wissenschaft, das was Wissen schafft – die Kenntnis um die Dinge wie du sie dir vorstellst, wie sie sich darstellen lassen könnten und verhalten mögen.

    Doch glaube – ich verhalte mich nicht immer gemäß deiner Vorhersagen – ich bin nicht berechenbar. Das ist mein Schicksal – ich bin Leben und bin der Tod.

    Je tiefer du nach den Wurzeln der Erkenntnis gräbst desto verschlungener das Wurzelwerk.
    Drum beachte auch, höher der Baum des Lebens darüber, desto segenreicher die Blüte.

    Ich habe dir viele Anker zugeworfen, welche dir in meiner unberechenbaren Welt Halt geben sollen. Anker der Gesetzgebung in Menschengestalt.
    Christus, Mohammed, Buddha. Du nennst sie Propheten.

    Ich habe ihnen einen Weg aus meiner Ohnmacht Gutes von Schlechtem zu trennen für ein Miteinander unter den Menschen erkennen lassen.

    Er lautet: Warmherzigkeit – Zuneigung – Achtung – Liebe

    Mir ist die Menschwerdung verwehrt. Was ich erschaffe und vernichte kann ich nicht von einander trennen. Es ist mir nicht gegeben – ich muss erschaffen und ich muss vernichten in Zeit und in Zeitlosigkeit.

    Die einzigartige menschliche Fähigkeit zu erkennen ob Dinge gut oder schlecht für die Welt des Lebens sind aber habe ich dir auf dem langen Weg deiner Menschwerdung mitgeben. Diese Eigenschaft bleibt mir verwehrt.

    – denn ich bin nicht gut und ich bin nicht schlecht. Ich bin.

    Drum erkenne mich und begebe dich auf den rechten Weg des Lebens, wie ein Lotse in stürmischer See auf einem schwankenden Schiff.

    Gott bin ich – dein Gewissen bist du.

  17. Stern von Bethlehem – Artikel von .

    Gerade habe ich einen Artikel gelesen, in dem auch Zitate aus der Bibel ganannt werden: der Schreiber versucht herauszufinden, ob der Stern von Bethlehem ein Stern oder ein Komet war. Ausserdem macht er sich Gedanken,ob der Zeitpunkt von Jesu Geburt das heute gefeierte Weihnachten sein könnte, oder..
    ABER: den Artikel finde ich nicht mehr, ich hätte ihn so gern zu Ende gelesen.
    Können Sie h e l f e n !!?? Danke im
    Voraus
    Grüsse,
    Gertraud Metz

  18. Hallo Herr Hohnerkamp,

    schade, dass ich erst so spät auf Ihren Artikel stoße. Mit einer zugegebenermaßen sehr provozierenden Behauptung und dem Prolog des Johannes kann man ihn aber samt Titlefrage vielleicht doch noch einmal wiederbeleben:

    Die Frage, ob man Gott braucht, stellt sich in etwa so, wie die Frage, ob man seinen Verstand oder ein Urteilsvermögen GE-BRAUCHT, denn ebenso evangelisch wie aristotelisch ist der HErr dem LOGOS gleichgestellt worden.

    (Ge-) Braucht denn auch nur irgendein Atheist seinen Verstand, das Wort, die Rede oder die fast gleichlautende Ratio?

    Wenn nämlich “ja”, so früge sich nur umso mehr, wieso er bis zum heutigen Tage noch nicht in Erfahrung gebracht hat, dass der Gläubige einen Verstand um Antworten BITTET.

    Wie sehr BETEN und Bitten übereinkommen, sehen Sie schon am Indikativ Imperfekt desselben Verbums: “Er / sie / es bat Ihn”.

    Wie wollten Sie (Natur-) Wissenschaft betreiben, wenn DER nicht existierte? Oder noch etwas provozierender und zugleich erklärender formuliert:

    Wie wollten Sie beweisen, dass die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten nicht “Gott” oder Allmacht, sondern “Energie” heißt, wenn nur der entscheidende Hinweis, Deut oder Deus nicht existieren würde?

    An dieser Frage erkennen Sie nämlich schon, dass nicht nur der Gott-gläubige, sondern auch die naturwissenschaftliche AUSSAGE jeden Beweises (Verifikation) entbehrt. Im Rahmen einer Wortauslegung (Deutung) per “Arbitrarität & Konvention” muß nichts bewiesen werden – da wird der Name oder die Formulierung einer Sache / eines Sachvrhaltes einfach “beschlossen”, und zwar ganz und gar unabhängig vom Sachverhalt, von einer Forschung oder deren Ergebnisse.

    GLAUBEN Sie tatsächlich, dass eine Sonde auf dem Kriegsgott MARS gelandet ist … oder haben sich die Raumfahrer da bloß “verplappert”? Wird eine Verifizierung dieser Aussage oder “Nominaldefiniton” noch nachgeliefert, oder ist einfach “wurscht” wie das Kind genannt wird?

    • Na ja – um fairerweise das Thema nicht ganz zu verlassen könnte ich noch anfügen oder bemängeln, dass E. Dahls “Sammlung religionskritischer Texte” höchst unvollständig ist, wenn sie nicht mit aufführt, von wem die scholastische Methode sabottiert und verworfen worden ist, denn eben die hatte den Gottesbeweis zwar nicht “erbracht” aber wieder-entdeckt, denn Aristoteles wußte, wie man Nominaldefinition falsifiziert / verifiziert.

      Davon wollte dann bloß der neu aufkommende “Lehrbetrieb” nichts mehr wissen, denn mit einer “Textexegese nach vierfachem Schriftsinn” war schlichtweg vielmehr Geld zu verdienen. Heute heißt sie allerdings nicht mehr “Textexegese” sondern Linguisik.

    • Autsch, und noch ein Fehler ist mir unterlaufen:

      Bezüglich der eigentlichen Bedeutung von “Beten” oder “Bitten” (vwdt. m. beißen), wäre das “Partizip Perfekt” das besser / aufschlußreichere Beispiel gewesen: Für Bitten lautet das GEBETEN.

      Und “nein” – das soll nicht nur fünf mal am Tag, sondern ganz unablässig getan werden: Immer den Verstand um Antworten bitten – niemals den “Professor”, Propheten oder einen Linguisten.

      Mit den Gegnern eines “Wissens apriori” gerät das dennoch nicht in Konflikt, denn die Inhalte einer Überlieferung basieren ja auf einer “Empirie” – die ist aber schon da, BEVOR du geboren wirst.

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