Paläornithologie: “Kairuku grebneffi” könnte der größte jemals entdeckte Pinguin sein

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WaimanuDie Art Waimanu manneringi gilt als der älteste bekannte Pinguin und lebte vor ca. 60 Millionen Jahren, also füneinhalb Millionen Jahre nach der Kreide-Tertiär-Grenze, mit der wir für gewöhnlich das Aussterben der Dinosaurier verbinden. Der Name der Gattung, zu der neben W. manneringi auch die kleinere Art W. tuatahi zählt, bedeutet in der maorischen Sprache so viel wie Wasservogel. Diese an Seetaucher erinnernden basalen Pinguine waren bereits vollständig flugunfähig und schon relativ gut an ein Leben im Wasser angepasst. Die Entdeckung ihrer Fossilien in der Antarktis unterstützte die Vermutung, dass die Neoaves (umfassen alle rezenten Neukiefervögel mit Ausnahme von Gänse- und Hühnervögeln) entweder schon vor dem Massenaussterben weit verbreitet waren, oder sich danach explosionsartig ausbreiteten. (Bild: Waimanu manneringi; Autor: Nobu Tamura; CC BY 3.0)

Die Überreste der Waimanu-Pinguine waren vollständig als Fossilien erhalten, ganz im Gegensatz zu den kürzlich aus zwei verschiedenen Fossilien rekonstruierten Pinguinarten der Gattung Kairuku (K. grebneffi, K. waitaki). Die in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Palaeontology beschriebenen Pinguine lebten vor etwa 25 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Inselstaats Neuseeland (damals größtenteils von Wasser bedeckt) und wogen ca. 60 Kilogramm.

Artwork by Chris Gaskin, owner and copyright owner: Geology Museum, University of OtagoZwei Kairuku-Pinguine, dazwischen ein gestrandeter Waipatia-Delphin. (Bild von Chris Gaskin; Copyright by Geology Museum, University of Otago)

Kairuku, ebenfalls ein Wort aus der Sprache der Maori bedeutet frei übersetzt „Taucher, der mit Nahrung zurückkehrt“ und obwohl die ersten Knochen dieser Spezies bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurden, gelang es erst jetzt diese Funde einer Gattung zuzuordnen. Der Paläornithologe Dr. Daniel Ksepka von der North Carolina State University (NCSU) war an der Rekonstruktion mitbeteiligt und vergleicht die von ihm beschriebene Pinguinart K. grebneffi mit einem Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri):

It’s almost like someone took an emperor penguin and stretched it out.

Die „langgestreckten“ Pinguine hatten einen schlanken Körper, überproportional lange Flossen, einen zugespitzten Schnabel und verhältnismäßig kurze und dicke Beine. Würde man aufgrund der Flossenlänge die Größe der Vögel errechnen, so müsste man von einer Körpergröße von etwa 1,8 Metern ausgehen, so Ksepka. Tatsächlich waren die Vertreter der Gattung Kairuku nicht viel größer als 1,30 Meter, was verglichen mit den größten heute lebenden Pinguinen (Kaiserpinguine werden bis zu 1,20 m groß und wiegen für gewöhnlich nicht mehr als 45 Kilogramm) aber noch immer eine beachtliche Größe darstellt.

Die Kairuku-Pinguine waren also im Verhältnis zu ihren rezenten Verwandten groß gewachsen, aber waren sie die größten Pinguine die jemals entdeckt wurden? Leicht ist diese Frage mit Sicherheit nicht zu beantworten, kommt es dabei doch vor allem darauf an, wie man „groß“ definiert. Je nach Definition bezieht man sich dabei auf die Flügelspannweite, die Länge einzelner Knochen (z.B. des Humerus oder des Coracoids), das Körpergewicht oder die Gesamtkörpergröße. In den unten verlinkten Artikeln herrscht Konsens darüber, dass die von Ksepka rekonstruierte Art (K. grebneffi) den größten bisher entdeckten Pinguin darstellt. Da heißt es unter anderem „Tallest, fattest penguin found“ oder „Fossils of world’s largest penguin discovered“.

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Aber was ist zum Beispiel mit Pachydyptes ponderosus, besser bekannt als Neuseeländischer Riesenpinguin? Mit einer errechneten Körperhöhe von 1,60 m und einem Gewicht von bis zu 100 kg war er nicht nur größer (Körperhöhe) als Kairuku grebneffi, sondern auch um einiges schwerer. Gleiches gilt für den „Menschenvogel“ Anthropornis, der Berechnungen zufolge 90 kg wog und noch größer als Pachydyptes war. Das Problem: Bei diesen Größenangaben handelt es sich lediglich um Extrapolationen, also Hochrechnungen aufgrund der Maße einzelner Knochen, die bekanntlich mit einer relativ großen Unsicherheit verbunden sind. Um diese Daten zu bestätigen bedarf es also noch weiterer Fossilfunde und Rekonstruktionen.

(Bild: Anthropornis nordenskjoeldi; Autor: Philip72; CC BY 3.0)

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Vor zwei Jahren versuchte Ksepka die Frage nach dem größten Pinguin zu klären und schon damals gab es keine eindeutige Antwort. Diese Woche wird er sich in seinem Blog wieder dieser populären Frage widmen und freundlicherweise hat er mir schon mal einen kleinen Textausschnitt zugeschickt. Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage ist, abgesehen von den unterschiedlichen Kriterien nach denen wir die Größe eines Vogels definieren, dass bisher nur drei Knochen von P. ponderosus entdeckt wurden. Einer davon, genauer gesagt der Oberarmknochen hielt bisher den Rekord mit einer Länge von 175,8 mm. Der Humerus der rekonstruierten Art K. grebneffi ist nun um genau 0.8 mm länger. Möglicherweise ist K. grebneffi also wirklich der größte jemals entdeckte Pinguin und P. ponderosus der schwerste, so Ksepka, aber mit Sicherheit kann man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

(Bild: Pachydyptes ponderosus; 1893; public domain)

Mehr Informationen über die Kairuku-Pinguine findet ihr auf Dan Ksepkas sehr interessanten Blog ‘March of the Fossil Penguins’, den ich an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen kann.

Link zur Studie (free access): ‘New fossil penguins (Aves, Sphenisciformes) from the Oligocene of New Zealand reveal the skeletal plan of stem penguins’

Siehe auch:

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Ich studiere Biologie in Wien und bin ein leidenschaftlicher Vogelbeobachter und Hobbyornithologe.

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