• Von Dierk Haasis
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Was von der Woche übrig bleibt [2]

BLOG: Con Text

Wörter brauchen Gesellschaft.
Con Text

Ein paar unsortierte Gedanken und interessante Links.

Bezahlkunst

Markus Trapp vertwitterte einen Artikel aus der Badischen Zeitung, in dem berichtet wird, was Verlage alles tun, um Urheber – hier: Übersetzer – möglichst unangemessen nicht an Einnahmen zu beteiligen.

Streitkunst

In den 1970ern popularisierten sie neue Erkenntnisse und Herangehensweisen in der Evolutionstheorie. Heute kennen wir den einen vor allem wegen seines offensiven Eintretens für eine laizistische Gesellschaftsordnung. Der andere blieb vor allem einem interessierten Kreis bekannt. Sowohl gegen Richard Dawkins als auch E.O. Wilson führte Stephen Jay Gould eine kleine Fehde. Mit seinen neuesten Aussagen hat sich Wilson nun auch den Zorn vieler anderer Kollegen zugezogen, u.a. weist Dawkins ihn in einem sehr lesenswerten Artikel auf das Missverständnis Gruppenselektion hin.

Nicht nur der hochgeschätzte Wilson sollte daraus lernen, ist Gruppeneselektion doch mehr Sanktuarium als Erklärung.

Die Kunst der Bibliographie

Es ging mir schon in meiner Studienzeit so, Bibliographien waren mir meist zu uninformativ. Manchmal benötigt man als Leser einen schnellen Überblick, welche verwendeten Bücher sich für eigene Studien lohnen. In Zeiten von Regalen und Fernleihe nicht leicht zu bewältigen. Es ist ja auch nie klar, welche Werke allgemeiner Natur sind, welche direkt und nur zum Thema gehören, welche einfach nur übliches Füllmaterial darstellen.

Ich bin ein Fan kommentierter Bibliographien. Es sollte vom Autor nicht zu viel verlangt sein, ein oder zwei Sätze zu schreiben, warum ein Werk aufgeführt ist bzw. um was es dort geht. Das ist für Bücher wichtiger als für Fachartikel, da letztere ohnehin meist ihren Inhalt im Titel führen.

Die Kunst der Kritik

Eine praktische Anwendung des literaturwissenschaftlichen Studiums ist die Literaturkritik. Also alles, was so im Feuilleton über Bücher und Filme geschrieben wird. Strukturell gibt es zwischen diesen beiden literarischen Genres keinen Unterschied, wenn es um Analyse und Kritik geht, auch wenn Filme systematisch komplexer sind. Text [in Form von Plot, Geschichte, Handlung, Dialog], Bild [Komposition, Sequenz], Ton [Musik, Geräusche] müssen berücksichtigt werden, da sie in ihrem Zusammenwirken den Film ausmachen. Bücher sind leichter zu fassen.

Leser von Kritiken verwechseln gerne kritische Auseinandersetzung mit purem ‘Mag ich’ [oder nicht]. Der Filmkritiker Jim Emerson hat das in zwei Beiträgen so gut auseinandergenommen, dass ich das erst einmal nicht selbst machen möchte:

Kritikunabhängig – Der Blockbuster

Achten Sie mal drauf – Weswegen ICH das so sehe

Schauspielkunst

Es ist nicht immer einfach, zu erkennen, was die Klasse eines Films ausmacht. Schnell konzentriert man sich auf den Plot und die Geschichte, die beide durchaus nicht besonders originell oder gut sein müssen, um die Basis eines guten Films zu sein.

1962 drehte Marilyn Monroe an einem Film mit dem Titel Something’s Got to Give, auf den ersten Blick eine der typischen, albernen Sexkomödien der 1960er – altmodisch, voller Klischees. George Cukor war alles andere als ein moderner Regisseur, die Story geht auf einen Film von 1940[1] zurück. Monroes problematisches Verhalten und die daraus folgenden Produktionskosten sowie ihr Tod ließen den Film unvollendet. Erst Ende der 1990er wurde das bestehende Material gesichtet und zu einem Rumpffilm von knapp 40 Minuten zusammengefügt.

Was MM dort spielt, ist fantastisch, ganz besonders die Szene mit den Kindern am Pool. Vergleichen das mit der ein Jahr später verfilmten Version mit Doris Day, unter dem Titel Move Over, Darling [öfter im deutschen TV: Eine zuviel im Bett].

Sehr lohnenswert dazu die Dokumentation Marilyn Monroe: The Final Days, die auf DVD ca. 2 Stunden lang ist und den oben angesprochenen Film enthält.

Redekunst

Heute freuen wir uns bei vielen Rednern ja schon, wenn wir nicht einschlafen. Da wird dann auch mal ein lauter, möglicherweise beleidigender Politiker schnell zum rhetorischen Genie hochgelobt. Die antiken Rhetoriker trennten nicht zwischen Form und Inhalt – gute Rhetorik war ihrer Ansicht nach nur mit gutem Inhalt möglich. Es ging nicht darum, die Menschen von jedem Unsinn zu überzeugen, sondern von den faktisch und moralisch richtigen Dingen.

Die Kunst zu Wissen

Irgendwo hörte ich die Woche, dass jede Generation das Wissen verliert und neu schaffen muss. Humbug!, I say. Literatur in jeder Form ist unser kollektives Gedächtnis.

 

[1] Der Komödienklassiker My Favourite Wife, mit Cary Grant und Irenne Dunne.

  • Veröffentlicht in: Film
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Nach dem Abitur habe ich an der Universität Hamburg Anglistik, Amerikanistik, Soziologie und Philosophie studiert. Den Magister Artium machte ich 1992/93, danach arbeitete ich an meiner Promotion, die ich aus verschiedenen Gründen aufsteckte. Ich beschäftige mich meist mit drei Aspekten der Literatur: - soziologisch [Was erzählt uns der Text über die Gesellschaft] - technisch [Wie funktioniert so ein Text eigentlich] - praktisch [Wie bringen wir Bedeutung zum Leser] Aber auch theoretische Themen liegen mir nicht fern, z.B. die Frage, inwieweit literarische Texte außerhalb von Literatur- und Kunstgeschichte verständlich sein müssen. Oder simpler: Für wen schreiben Autoren eigentlich?